Kanada: Opfer des sexuellen Missbrauchs reichen Sammelklage gegen die Wachtturm-Gesellschaft ein

Wir bedanken uns bei Oliver Wolschke für die deutsche Übersetzung

Kanada: Opfer des sexuellen Missbrauchs reichen Sammelklage gegen die Wachtturm-Gesellschaft ein

Neben Australien, USA und Großbritannien gelangen nun auch in Kanada mutmaßliche Fälle des Kindesmissbrauchs unter Zeugen Jehovas an die Öffentlichkeit. Eine Gruppe von mutmaßlichen Opfern hat eine Sammelklage, in Höhe von 66 Millionen Dollar, gegen die Wachtturm-Gesellschaft eingereicht.

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In der Klage wird der religiösen Organisation zur Last gelegt, Regeln und Richtlinien anzuwenden, die mutmaßliche Sexualtäter schützt und Kinder gefährdet. Zu dieser Erkenntnis ist bereits die Royal Commission, in ihrem Abschlussbericht zur Case study 29, gekommen. Dort hieß es, „dass die Zwei-Zeugen-Regel eine Gefahr für Kinder in der Organisation der Zeugen Jehovas darstellt.“

Tricia Franginha, die nach eigener Aussage selbst Opfer des sexuellen Missbrauchs wurde, sagte gegenüber einer kanadischen Zeitung, dass die ersten 14 Jahre ihres Lebens als Zeugin Jehovas geprägt waren von sexuellen Missbrauch. „Das ist ein Thema, das auch die Menschen außerhalb dieser Gemeinschaft etwas angeht und nicht nur die Zeugen Jehovas“, sagt sie. „Die meisten Menschen kennen Zeugen Jehovas, weil sie am Samstagmorgen an deiner Tür klingeln, wenn deine Kinder zu Hause sind, und du weißt, dass diese Person sich nicht nur einmal an Kindern vergangen hat.“

Bisher wurde noch keiner dieser Fälle vor einem kanadischen Gericht behandelt. Ein Sprecher der Zeugen Jehovas hat ausgesagt, über die Sammelklage noch nicht offiziell unterrichtet worden zu sein, und dass sie deshalb diese Fälle nicht kommentieren könnten.

„Jehovas Zeugen verabscheuen Kindesmissbrauch und würden niemals einen Täter schützen“, sagt Sprecher Mattieu Rozon. Die Organisation behauptet, dass Gemeindeälteste den Missbrauchsrechtsgesetzen des Landes Folge leisten. Aus meiner Sicht ist dies nicht korrekt. Denn Gemeindeälteste sollen, gemäß den internen Richtlinien, nicht eigenständig handeln. Ihnen wird sowohl in ihrem offiziellen Handbuch „Hütet die Herde Gottes“, als auch in den Briefen vom 1. August 2016 und 1. September 2017 auferlegt, bei einem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs die Zentrale der Zeugen Jehovas zu kontaktieren, die dann die rechtlichen Bestimmungen des Landes untersucht, um den Ältesten weitere Anweisungen zu geben.

“Um sicherzustellen, dass die Ältesten die Gesetze betreffend Kindsmissbrauch einhalten, sollen zwei Älteste unverzüglich die Rechtsabteilung des Zweigbüros betreffend vorliegender Missbrauchsvorwürfe kontaktieren.”

(Brief vom 1. September 2017, Minderjährige vor Misshandlung und Missbrauch schützen)

In Australien, wo bisher die größte Untersuchung im Umgang mit sexuellem Missbrauch unter Zeugen Jehovas stattfand, wurden 1006 mutmaßliche Täter nicht an die Behörden weitergegeben, obwohl per Gesetz (Section 316 of the Crimes Act)  eine Meldung hätte erfolgen müssen. Die australische Zentrale liegt in Ingleburn (New South Wales), die den New South Wales Consolidated Acts unterliegt.

„Als ich 12 Jahre alt war, wurde mir gesagt, dass ich keine zwei Zeugen hätte und ich meine Eltern zu respektieren habe – nicht darüber zu reden“, sagt sie. Missbrauchsopfer aus Deutschland haben mir persönlich von ähnlichen Fällen berichtet. Sie erzählen, dass sie als Kinder nicht ernst genommen wurden. Sie dachten, dass sie mit diesen Erlebnissen ganz alleine sind und suchten sogar bei sich selbst die Schuld.

Mitglieder der Organisation, die sexuell missbraucht worden sind, müssen, um den Missbrauch zu beweisen, zwei glaubwürdige Zeugen benennen, erklärt Franginha. Sie fügt hinzu, dass es sich bei den Augenzeugen ebenfalls um Zeugen Jehovas handeln muss. „Das ist nicht möglich“, sagt sie. „Diese Verbrechen finden nur im Geheimen statt.“

Weiter wird in der Sammelklage behauptet, dass die Polizei nicht angerufen wird, wenn Missbrauchsvorwürfe bekannt werden. Stattdessen werden die Vorwürfe von den Gemeindeältesten behandelt.

„Unseren Informationen nach, die auf Personen beruhen, die uns kontaktiert haben, schützen die vorhandenen Richtlinien nicht ausreichend vor Missbrauch. Zudem sind die Maßnahmen, um Vorwürfe den Behörden zu übermitteln, unzureichend“, sagte Bryan McPhadden, Rechtsanwalt der Kanzlei McPhadden Samac Tuovi, welche die Opfer vertritt.

Die Klage wird voraussichtlich Jahre dauern.

Weitere Fälle in Kanada sorgen für Aufsehen

In Kanada hat der Umgang mit sexuellen Kindesmissbrauch unter Zeugen Jehovas bereits vor einigen Wochen für Aufsehen gesorgt. In Mont-Laurier hat die Polizei Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs innerhalb einer Gemeinde näher untersucht. Zwei Männer, die des sexuellen Missbrauchs an Kindern beschuldigt worden sind, wurden durch ein Rechtskomitee (interne Gerichtsbarkeit) innerhalb der Gemeinde sanktioniert. Allerdings teilten die Gemeindeältesten ihre Erkenntnisse nicht mit den Behörden.

Bereits im September 2017 wurde das Gericht von Quebec darum gebeten eine Sammelklage gegen die Wachtturm-Gesellschaft zu genehmigen. Der Antrag wurde im Namen von Lisa Blais, einer Zeugin Jehovas, eingereicht. Sie berichtet, dass sie seit Jahren von ihrem älteren Bruder, ebenfalls ein Zeuge Jehovas, missbraucht wurde. Blais sagt, sie hat sich im Alter von 16 Jahren an die Ältesten ihrer Gemeinde gewandt, die ihrer Aussage nach jedoch nichts unternommen hätten um sie zu schützen.

Radio-Canada berichtete, dass es die erste Sammelklage ihrer Art gegen die Zeugen Jehovas wäre, die bereits Gegenstand von mehreren einzelnen Klagen in den Vereinigten Staaten sind. Es liegt nun am Obersten Gerichtshof von Quebec, festzustellen, ob der Antrag hinreichend begründet ist, um die kollektive Maßnahme zu genehmigen.

Ich wünsche den Opfern viel Kraft für ihren mutigen Schritt. Sie setzen sich für die vielen Missbrauchsopfer ein, denen man lange Zeit keine Stimme gegeben hat. Es ist zu hoffen, dass ein Prozess in diesem Ausmaß weltweit für Aufmerksamkeit sorgen wird, sodass die Verantwortlichen dieser Organisation gezwungen werden, solche Fälle ausschließlich und in jedem Fall den Behörden zu übergeben.

 

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neueste älteste
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Dieter

Es ist absolut an der Zeit, dieser heuchlerischen Organisation die Maske einer angeblich Gott anbetenden Religion herunterzureissen.

Wünsche allen einen schönen Tag

Birgit

Birgit@Dieter

Wie Recht du hast!!Auch ich fragte meinen Vater (Ältester seid 30 Jahren);du hast doch mitgeholfen Akten zu vernichten oder?Du weisst das alles doch!!Stille.Sie werden nicht die letzten sein,wie sie immer behaupten,sondern mit die Ersten…siehe Russland.Die Ausreden werden immer kuroiser wenn es um saufen oder fremdgehen geht.Mein jüngster Bruder wurde jetzt in die Linie von König David eingereiht,denn er ging ja auch fremd.Der Todeskampf der WTG hat längst begonnen.

Es wird Zeit das unser König Jesus Christus aufräumt mit seinen Engeln,den Schnittern und er ist dabei.

LG Birgit

Ulla

WAHNSINN !

Wieviel Dreck doch Religionsorganistionen schon auf Gott und seinen Christus geworfen haben durch ihre Lügen, Vertuschungen und Ausweichmanöver! Durch ihre Bibelvers-Verdrehungen und psychischen Erpressungen an gutgläubigen Schäfchen!

Das Argument der JWORG “Wir müssen die Versammlung rein erhalten und diese bösen Whisleblower ausschließen und ächten”

wird als Boomerang zu ihnen selbst zurückkehren.

Denn steht es nicht in der Bibel, dass die Engel alles und jeden aus dem Königreich entfernen, die da nicht hingehören? — Fangen diese Dinge an zu geschehen? — Dann wird das ganz schön happich für diese “superfeinen Apostel des falschen Engels des Lichts”, den großen Widersacher.

 

Weiße Rose

Hallo meine Lieben! Ja das was ist wirklich der WAHNSINN!!!! Ich besuchte ja zuvor im Juni, den Kongress der Zeugen Jehovas (gezwungener Maßen) und wie mir aufgefallen ist. War die Schluss Ansprache, von Bruder Jackson, wirklich, totale Propaganda wie bei Hitlers Zeiten. (Sorry für den Vergleich aber ich empfand es so.) Schon allein, wie er sie gehalten hat,  bekomme ich noch Gänsehaut. Ja, wie er davon sprach, unsere jungen Verkündiger/Kinder vor Kindesmissbrauch zu schützen.Wie man solche Menschen aufdekt bzw. was man dagegen tun kann. Oder wie man sich Verhält. Ist mir noch immer schleierhaft. So etwas, lernt man doch schon in… Weiterlesen »

Ingolf Mann

Den Opfern wünsche ich Gottes Segen und damit einhergehend Erfolg vor den Richtern in Kanada. Möge Jehova Euch beistehen, indem er Euch den Sieg schenkt und so einmal mehr zeigt, dass er nicht auf dessen Seite steht, die zwar seinen Namen in Ihrer Religionsbezeichnung tragen, ihn aber durch solch eine Praxis verhöhnen und schämen. Jesus sagte in Matthäus 10, dass er mit seinen Jüngern ist, wenn diese vor Statthalter und Könige geschleppt werden und dass sie sich keine Sorgen machen müssen, was sie in jener Stunde sagen sollen, denn der heilige Geist würde für Sie reden. Australien hat gezeigt, auf… Weiterlesen »

Noomi

 
Lieber O.W.Schön. Was du uns da erzählst – da stockt mir der Atem!! Ich hoffe sehr, dass besagter Junge, heute sicher ein junger Mann, den Mut aufbringt und sich bei der „Kommission Deutschland Kindsmissbrauch“ meldet!!! So was ist kein harmloser Jugendstreich, sondern echt kriminell!!
 
Wenn solche NICHT-Christen heute sogar ein Ältestenamt bekleiden ist das nach meiner Ansicht ein Hohn. Sie haben weder Schamgefühle, noch Respekt, geschweige Ehrfurcht vor Gott. Ich frage mich, was sie überhaupt begriffen haben.
 
LG Noomi
 

skipe

Hallo Zusammen,

ich habe das Gefühl, dass langsam viele denken: Die Organisation bietet eine gute Plattform. Es sind die Individuen die dies ausnutzen. Somit wird die Kritik gegen die Organisation in eine Mitleid-Sympathie für die Organisation umgewandelt. In vielen Gesprächen habe gemerkt, dass viele Brüder so denken. -:::: Es wurde regional so gehandelt……..   es war aber nie so gedacht von der Organisation……..  Wurde mir oft gesagt, wenn ich was gefragt habe.

ⒶⓉⒽⒶⓁⒿⒶ➠alle

MAYBE… IMPORTANT! MÖGLICHERWEISE… WICHTIG! Nachfolgendes kann – für den einen oder anderen – durchaus notwendig werden. Auskunftssperre, Übermittlungssperre Sie können Ihre Daten durch die Meldebehörde im Melderegister sperren lassen (Auskunftssperre). In bestimmten Fällen können Sie der Weitergabe Ihrer Meldedaten widersprechen (Übermittlungssperre). Auskunftssperre Wenn Sie gegenüber Ihrer Meldebehörde das Vorliegen von Tatsachen glaubhaft machen können, dass durch die Weitergabe Ihrer Meldedaten eine Gefahr für Sie oder auch eine andere Person, z.B. Ihre Angehörigen, entstehen kann (z.B. Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Interessen), werden Ihre Meldedaten entsprechend gesperrt (Auskunftssperre). Vor Einrichtung der Auskunftssperre werden Ihre Angaben durch die Meldebehörde… Weiterlesen »

Noomi

  Hallo May Life Auch jüngere (ich nehme an, dass du jung bist) und ganz junge haben ihre Probleme. Wem klagst du sie?? Oder bist du wunschlos glücklich?? Dann gratuliere ich dir! Aber aus guten Zeiten können manchmal schlechte werden. Nicht nur wenn man jung ist. Dann kann es möglich sein, dass du für jedes hörende Ohr und die kleinste Geste der Zuneigung dankbar bist. Dann sind wir dankbar, dass es Geschwister gibt, die sich an Jesus ein Beispiel nehmen und versuchen die christlichen Eigenschaften, die er uns vorgelebt und ins Herz gelegt hat, sie im Leben auszuführen und anzuwenden.… Weiterlesen »

Noomi

 
Meine liebe MayLife. Das tönt nach Hilferuf. Sicher hast auch du wie viele hier bittere Erfahrungen gemacht. Das tut weh! Aber lass nicht zu, dass dein Herz verbittert. Hier findest du sicher jemanden, dem du dein Herz ausschütten kannst und Verständnis für dich hat. Die meisten hier ob jung oder schon alt, mich inbegriffen, haben schon viel Leid und Kummer ertragen müssen. Das tönt in den Kommentare immer wieder durch und berührt mein Herz sehr. Ich schicke dir einen ganz lieben Gutenachtgruss mit einer herzlichen Umarmung
 
Noomi
 

Sylvia Geiser

Liebe Mylife

Schön, dass Du die Zeugen schon mit 20 Jahren durchschaust. Wende Dich nur ab von den Lügnern. Du verlierst gar nichts und geh Deinen Weg unbeirrt weiter. Gott möge Dir dabei helfen.

Liebe Grüsse aus Thailand

Sylvia

 

Horst

Doch doch, lieber Edelmut, Deine Frage an “Mylife”ist falsch, denke ich. Sie muss nicht heissen “wie stehst Du zu Gott und Christus”, sondern “wie stehst du zu Deinen Mitmenschen”, da liegt das Defizit. Mylife fragt eine alte Schwester “wie gehts Dir ?” und diese, möglicherweise allein und einsam, nimmt die Frage ernst und kann endlich einem jungen Menschen erzählen, was sie für Wehwechen und Krankheiten hat, und bei welchen Ärzten sie diese Woche schon war … Natürlich kann das “nerven”, aber wie gesagt, die alte Dame hat vielleicht sonst niemanden dem sie das erzählen kann…. Aber das kannst Du nicht… Weiterlesen »

Horst

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Jurek

 

Die Kommission machte auch mehr als 400 Vorschläge, mit denen verhindert werden soll, dass sich Fälle in einem solchen Ausmaß wiederholen. Dazu gehört, dass sich künftig strafbar macht, wer von Sexualvergehen an Kindern weiß und diese nicht anzeigt.

 
https://www.msn.com/de-at/nachrichten/ausland/zehntausende-kinder-in-australien-sexuell-missbraucht/ar-BBGLoPZ?li=AAaVEHq&ocid=spartandhp
 

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