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Simon stellt sich vor  

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(@simonf76)
Neuer Gast

Hallo Ihr Lieben,

Ich heisse Simon, bin 1976 geboren (meine Eltern, beide Zeugen Jehovas, glaubten wohl nicht so ganz an das Ende von 1975).

Meine Mutter verstarb an Krebs, als ich 5 Jahre alt war. Mein Vater hat dann sehr schnell wieder geheiratet, auch eine JW Anhängerin. Ich bin somit unter JW's aufgewachsen. Mit 15 liess ich mich taufen, hatte den Glauben an Jesus und Jehova, allerdings waren mir immer viele Lehren der WTG ein Rätsel z.b. die Endzeitlehre, die Lehre von den 144k und das falsche Begehen des Abendmahls und noch einige andere Sachen. Ich hatte als Jugendlicher die Bibel sehr intensiv studiert. Kritik an der "Wahrheit" äussern ging natürlich nicht.

Meine familiäre Situation mit der Stiefmutter war immer schwierig, mit 16 hat sie mich aus der Wohnung geworfen. Mein Vater hatte sich mit dem Tod meiner Mutter nur noch um das nötigste gekümmert. Von da an stand ich auf eigenen Füssen.

Aus der Versammlung kam keinerlei Hilfe oder Unterstützung, weder vor meinem Auszug, noch danach. Wichtig war die Anwesenheit in der Versammlung und den Bericht pünktlich und mit genügend Stunden vermerkt abzugeben. Die Ältesten und Brüder hatten sich um den Predigtdienst zu kümmern, nicht um die eigenen Brüder und Schwestern, die Hilfe nötig hatten (und das wäre nicht nur ich gewesen! Selbst mir als 16 jährigem fiel das auf) was ich auch letztlich nie wirklich verstand....

Aufgrund der weiterhin schwierigen familiären Situation, obwohl ich bereits alleine wohnte, aber im gleichen Ort, hatte ich mit 18 einen Suizidversuch. Eine Woche später sass ich vor einem Rechtskomitee. Ausgeschlossen wurde ich nicht, habe ja bereut (zum damaligen Zeitpunkt wünschte ich trotzdem, es hätte geklappt). Hat sich danach auch nur ein Bruder oder Ältester ernsthaft für meine Situation interessiert? Nein. Ein Ältester hat mit mir nochmals studiert, um meinen Glauben zu stärken. Nach 2 Monaten habe ich es dann beendet. Von da an habe ich die Versammlung immer weniger besucht. Ab dem Alter von 20 war ich ganz weg und hatte die nächsten 15 Jahre keinerlei Gedanken mehr an diese Organisation verschwendet. Ich bin inzwischen auch von den falschen Lehren und Doktrinen der WTG befreit.

2015 hatte ich das Gefühl, ich wolle den Weg zurück zu Jesus Christus und Jehova finden. Eines Tages standen JW vor der Tür. Wir hatten einige Gespräche geführt, weil ich dachte, es könnte sich etwas geändert haben. Wie habe ich mich getäuscht! Vertuschung von Kindesmissbrauch in Australien, Lehre der überlappenden Generation, Körperschaft etc etc. Den Ältesten darauf angesprochen, hiess es nur, ich sollte mich von Abtrünnigen Lehren fernhalten. Nun ja, da war für mich die Entscheidung gefallen, dass ich wohl erstmal auf mich alleine mit meinem Glauben gestellt bin. Vor 2 Jahren habe ich dann angefangen zu Jehova und Jesus zu  beten und mich zu leiten in meinen Entscheidungen und mir den Weg zu zeigen. Bis jetzt komme ich gut alleine auf meinem Weg zurecht, wenn es auch anfänglich etwas ungewohnt war. Ich lese regelmässig die Bibel, als auch Artikel hier und auf Bruderinfo.de (leider jetzt gehackt worden). 

Ich habe mich hier angemeldet, da ich es schön fände, wenn man sich mit jemanden, der ähnliche biblische Ansichten hat, austauschen und auch mal Fragen stellen kann, eventuell eine regelmässige Kommunikation aufbaut. 

Da ich seit 10 Jahren im aussereuropäischen Ausland wohne, ginge sowieso nur eine Kommunikation online (also hier, email oder Skype).

Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Euch.

LG Simon

 

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Veröffentlicht : 19. April 2020 9:30
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RoKo
 RoKo
(@roko)

Willkommen Simon. Da gab es sicher einen Engel, der den vollendeten Suizid verhindert hat, weil der Himmel noch etwas mit Dir vor hat. Was, das ist wissen wir noch nicht, erkennen wir immer erst hinterher. Vielleicht hilfst Du mit Deiner eigenen bitteren Erfahrung anderen Lesern, die ähnliches durch machten, dass sie mit ihrem Problem was sie auffrisst nicht allein sind. Dieses Wissen hilft schon und kann Kraft spenden. Man kann sich gegenseitig erbauen. ZJ reißen oft nieder. Es fehlt einfach an Herzlichkeit. So funktioniert aufbauen nicht. Man kennt auch das Wort Selbsthilfegruppe.

Ein Beispiel. Ein Feuerwehrmann ging durchs Feuer und hat eine schlimme Erfahrung gemacht, die ihn emotional schwer zurück geworfen hat. Er muss jede Minute an diese Situation denken. Kein studierter Psychologe kommt an ihn heran. Wenn, dann muss es einer aus der eigenen Reihe sein. Einer, der ihn versteht. Selbsthilfegruppe hat dies zum Inhalt.

Das Forum ist öffentlich und wird von manchen Mitschreiber missbräuchlich verwendet. Besser sind für private Dinge direkte private Kontakte. Sammle diese Kontakte im Laufe der Zeit. Heute ist ein Anfang. Schön dass Du Dich zu Wort meldest. Fällt einigen auch schwer, aus verschiedenen Gründen.

Einige Kontakte sind öffentlich hier benannt. https://www.bruderinfo-aktuell.org/kontakte-finden/ Ich bin nicht eingetragen zum Schutz meiner restlichen Familie, die noch in der Org gefangen sind und ohnehin Ältestenbesuche erhalten, um die Familie auf Kurs einzunorden. Leider alles ohne Liebe. Sondern per Regel. Ich schicke Dir eine PN.

LG RoKo

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Veröffentlicht : 19. April 2020 12:53
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Opa Klaus
(@opa-klaus)
Aktiver Gast

Hallo Simon, ich bin Jg. 34 und als Jugendlicher völlig selbständig unbeeinflusst wegen Lehrpunkten bei J.Z. eingestiegen und 1979 wegen Lehrpunkten wieder ausgestiegen. Das Suizid-Gefühl hatte ich bei der  Trennung auch kurz mal. Es gab damals überhaupt keine Hilfe für Aussteiger. 
In den 41 Jahren seit dem Ausstieg ist mein Glaube an Gott und die Bibel gewachsen. 
Allerdings habe ich durch viel Hinterfragen eine sehr abweichende eigene Sicht gewonnen. 
Denn ich wollte nicht nur aus einem Teil Babylons herausgehen, sondern alles davon hinter mir lassen.
Deshalb gehe ich heute einen sehr schmalen Weg in Sachen Lehrpunkte. Lies mal mein "Profil" hier im Forum. Meine E-Mail ist dort auch zu finden. 

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Veröffentlicht : 19. April 2020 14:32
(@simonf76)
Neuer Gast

@roko

Hallo RoKo, vielen Dank für Deine Nachricht. Ich bin gerne bereit meine Erfahrungen zu teilen. Stehe auch gerne jederzeit für Hilfe bereit. 

Freue mich über jeden, der Interesse an einem Austausch hat. Wobei ich generell betonen will, mein Fokus liegt nicht im diskutieren, was JW.org alles falsch macht. Ich denke, die meisten wissen das alle selbst. Ja die WTG, die leitende Körperschaft und viele Lehren sind falsch. Aber nur wir alleine sind in der Lage etwas an unseren Situation zu ändern. Entweder wir ändern die äusseren Umstände, und wenn dies nicht möglich ist, so ändern wir unsere Einstellung. Mit Jehovas Kraft und der Hilfe von Jesus Christus funktioniert das. Ich bin fest davon überzeugt.

Ich persönlich wünsche mir den Fokus darauf, was wir als Christen besser machen können, uns gegenseitig helfen und unterstützen. Wenn es erstmal auch nur durch aufmunternde Worte ist.

Ich persönlich habe, wie gesagt, schon vor vielen Jahren mit der WTG, den damaligen Brüdern etc und auch meinen Familienproblemen abgeschlossen. Geholfen hat mir hierbei ein Psychologe (der damals von der Caritas bezahlt wurde) und kein Ältester, der mit mir meinen Suizidversuch und meine familiären Probleme neutral aufgearbeitet hat. Genauso hat mir geholfen, zu wissen, was wirklich in der Bibel steht, da ich sie in meinen jungen Jahren wirklich intensivst studiert habe. Die Indoktrinationen der WTG habe ich schon immer geflissentlich ignoriert. Nur alleine habe ich mich immer gefühlt, wie das schwarze Schaf, weil mein Glaube ja angeblich nicht richtig war. Ich konnte als Jugendlicher damals die Dinge nicht richtig einordnen! Ich saß in der Versammlung und fragte mich, ob ich der einzige der merkt, das da irgendetwas nicht stimmen kann. So viele Ungereimtheiten! Damals gab es noch kein Internet um sich mit anderen einfach auszutauschen oder Artikel von Brüdern zu lesen, die die gleichen Ungereimtheiten festgestellt haben.

Da ich weit weg im Ausland wohne, kümmert es auch meinen Vater und sonstigen Familienmitglieder, die noch in die Versammlung gehen, relativ wenig, was ich mache. Aus den Augen, aus dem Sinn. Offiziell bin ich ja nicht ausgeschlossen, so kann man schön den Schein wahren. Und um ehrlich zu sein, es ist mir inzwischen herzlich egal.

Ich bin daher frei.

Mein Dank gilt unserem Herrn Jehova und seinem Sohn Jesus Christus, dass sie mich all die Jahre beschützt haben, obwohl ich seit meinen Suizidversuch wahrlich nicht besonders treu nach der Bibel gelebt habe. Den Glauben an Jesus, sein Loskaufsopfer, sein Königreich und Jehova als unseren Schöpfer jedoch habe ich nie verloren. Ich werde versuchen, den Geboten Jesus Christus zu folgen, so gut es eben geht. 

Roko, ich melde mich bei dir per PN.

Liebe Grüsse Simon

 

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Veröffentlicht : 19. April 2020 14:57
José und Omma gefällt das
(@simonf76)
Neuer Gast

@opa-klaus

Lieber Klaus, danke für deine Nachricht. Ich werde mir gerne dein Profil durchlesen. 

Mein Suizid war weniger wegen der WTG als durch meine Stiefmutter beeinflusst. Als 16 jähriger auf eigenen Füssen stehen zu müssen, alleine gelassen vom Vater, der Versammlung und ständigen Anfeindungen der Stiefmutter ausgesetzt, war damals zuviel für mich.

Ich habe dieses Kapitel zum Glück lange hinter mir gelassen. 

Liebe Grüsse Simon

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 19. April 2020 18:17
Wildblume
(@wildblume)

Lieber Simon,

ein Psychologe der von der Caritas bezahlt wurde hat Dir geholfen.

Welche Ironie!

Mir blutet immer das Herz bei solchen Lebensgeschichten.

Das geistige Paradies liegt am Südpol.....🐧

Jesus ist unser Eisbrecher und wärmt uns

von innen heraus.

Er nimmt uns an die Hand. Die  Wolle, die die WTG uns ausgehungerten Schafen weggenommen hat, wächst nach und die Wiesen werden so grün, dass wir wieder gesund werden. 🐏🐑🐏🐑

Toll, dass Du heute gut damit umgehen kannst.

Sei gedrückt und herzlich willkommen geheißen hier!

Wildblume 🌸🌸🌸

Schwarzes Schaf, aber Schaf....

AntwortZitat
Veröffentlicht : 19. April 2020 19:36
Omma und Simon gefällt das
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