Wohin sollen wir gehen?

Als Zeuge Jehovas hast Du eine klare und feste Glaubensüberzeugung. Du hast Bibelkenntnis, denn Du liest die Bibel täglich. Du hast einen Glauben, der auf einem festen Fundament steht: die geschichtliche Genauigkeit der Bibel, die erfüllten Prophezeiungen und eine Zukunftshoffnung, die für Dich ebenso klar wie lohnend ist, festigen Deinen Glauben jeden Tag aufs Neue.

Zweifel? Es gab Menschen, die Zweifel hatten – und sich direkt von Jesus abwandten. Die Begebenheit aus dem Johannesevangelium ist Dir präsent:

In Johannes 6 spricht Jesus von sich als „von dem Brot des Lebens“. Viele Menschen verstanden seine Botschaft nicht – oder jedenfalls glauben sie nicht daran und wanden sich ab. Auf die Frage an seine Jünger, ob auch sie sich abwenden wollen, sagte Petrus: (Joh. 6: 68): Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.

Jehovas Zeugen beziehen diesen Ausspruch auf ihre Religionsgemeinschaft, auf die „Organisation“, auf die „Leitende Körperschaft“, die ihnen als der „treue und verständige Sklave“ die „Speise zur rechten Zeit“ darreicht und sind glücklich darüber, dass sie sich wöchentlich versammeln können, um weltweit zur gleichen Zeit die gleiche „geistige Speise“ zu bekommen, um in der „Einheit des Glaubens“ zu wachsen. Für sie gibt es nur diesen einen Weg, der zum Leben führt.

Betrachten wir die Geschichte: Jesus kam als Mensch auf die Erde und predigte das „Königreich Gottes“. Er starb als Erlöser für die Menschheit und kehrte nach dieser Mission zu seinem Vater in den Himmel zurück. Es begann die Zeit der Apostel. Darüber lesen wir in der Apostelgeschichte.

Es folgen die Briefe des Paulus und des Petrus sowie einiger weiterer Bibelschreiber; der Kanon endet mit der Offenbarung. Das Christentum verbreitet sich mehr und mehr über die damals bekannte Welt. Mit dem Ausgang des ersten Jahrhunderts sind die Zeitzeugen Jesu verstorben, die zweite und dritte Generation der „Christen“ lebt den christlichen Glauben; der Glaube ist vielerorts weit verbreitet; die Christen sind in der Überzahl.

Hier halten wir einmal inne und fragen uns: wie war das damals?

Die wenigsten Menschen konnten lesen und schreiben. Dies war allerdings ohne Bedeutung, weil Printmedien keine Rolle spielten: es gab weder Papier als Massenware noch Druckmaschinen; somit gab es kaum etwas zu lesen. Die Heiligen Schriften wurden in mühsamer Kleinarbeit abgeschrieben und vorgelesen. Ein Nachlesen und ein eigenes Forschen in den Schriften war allein deshalb nicht möglich, weil die wenigsten Menschen lesen konnten; niemand verfügte außerdem über Abschriften der Heiligen Schriften.

Christ sein schließt ein, sich intensiv und täglich mit dem Worte Gottes zu beschäftigen, „Erkenntnis in sich aufzunehmen“, um auf diese Weise ewiges Leben zu erlangen. So wird es bei Zeugen Jehovas gelehrt und deshalb verbringen Zeugen Jehovas sehr viel Zeit damit, ihre „bibelerklärenden Schriften“ zu lesen. Dieser Glaubenssatz wird mit Johannes 17:3 begründet.

Gehen wir zurück ins zweite Jahrhundert nach Christi Geburt. Christ sein bedeute, so wird von der WTG gelehrt: fortgesetzt Erkenntnis in sich aufzunehmen… Es muss Lebensinhalt eines jeden Menschen sein, sich intensiv mit dem Wort Gottes zu beschäftigen, die Heiligen Schriften zu interpretieren, zu verstehen – und „die Gute Botschaft zu verkünden“.

WIE SOLL DAS GEHEN,

wenn die Menschen täglich im Alltag um ihr Brot kämpfen müssen, um zu überleben; wenn sie gar nicht über die Heiligen Schriften verfügen; wenn sie darüber verfügen würden: sie nicht lesen können, weil sie des Lesens nicht kundig sind?

Die Interpretation aus Joh. 17: 3 ist nur eine der zahlreichen Fehlübersetzungen der NWÜ von JZ; in dem Text geht es nicht darum, „Erkenntnis in sich aufzunehmen“, sondern es geht darum, „den allein wahren Gott und den, den er gesandt hat, zu erkennen.“ Das ist ein gewaltiger Unterschied – ein Kernthema der Lehre der JZ bekommt dadurch eine völlig andere Bedeutung. Dieses Thema allein ist eine gesonderte Betrachtung wert – wir wollen es an dieser Stelle damit bewenden lassen.

Wir sind gedanklich immer noch im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt. Der christliche Glaube hat sich in der alten Welt etabliert; die Menschen organisieren ihren Gottesdienst. Sie treffen sich nicht mehr „in Privathäusern“; es entstehen Gotteshäuser, wie sie sowohl die jüdische Religion kannte als auch die nichtchristlichen Religionen haben: Tempel, Kirchen, Synagogen – eben Kultstätten, an denen sich die Menschen treffen, um gemeinsam ihren Glauben zu pflegen.

An dieser Stelle halten wir inne, denn es ist nicht Sinn dieses Artikels, 1900 Jahre Kirchengeschichte darzustellen. Was wir uns lediglich fragen wollen: gab es nach dem Ende des ersten Jahrhunderts keine wahren Christen mehr? Der christliche Glaube nahm viele Richtungen und die Menschen haben sich, da es immer größere Gemeinden wurden, entsprechend organisiert. Der Glaube wurde durch Faktoren beeinflusst, die nicht der Heiligen Schrift entstammen. Kultur und Bräuche nicht-christlichen Ursprungs wurden in einen christlichen Kontext gesetzt und fanden so Verwendung.

Es entstand Kirchenkunst in Form von darstellender Kunst, also Figuren und Gemälde sowie auch Musik. Die Kirche war auch Stätte der Bildung und Forschung – mit ihren vielen Irrungen und Wirrungen.

Waren die Bauern, Handwerker, Kaufleute, die Adeligen, die Herrscher – alle keine Christen? Sie bezeichneten sich doch so, sie lebten ihren Glauben bei Geburt, Heirat und Tod; sie hatten Werte, die ihrem Glauben entsprachen und richteten ihren Glauben danach aus. Sie bekannten sich zu Gott und Christus – sie gaben für ihre Kirche Opfer mit dem Wunsch, Gott zu gefallen. Sie kannten das Gebot von Nächstenliebe und Barmherzigkeit und lebten ihr Leben in der Hoffnung auf eine christliche Auferstehung. Sind die Menschen, die nach den Aposteln kamen, alle keine Christen?

Als Zeuge Jehovas weißt Du, dass der Ursprung deiner Religion von C.T. Russel in den USA gelegt wurde. Allerdings weißt Du wenig über die etwa 150-jährige Geschichte Deiner Religionsgemeinschaft; im Wesentlichen lebst Du im hier und jetzt und fragst nicht nach der Vergangenheit.

Als Zeuge Jehovas bist Du davon überzeugt, dass Du die wahre Religion hast und dass Du Dich mit Gedanken außerhalb Deiner eigenen Glaubenslehren nicht auseinandersetzen solltest. „Weltliche Bildung“ betrachtest Du als wenig nutzbringend, sich damit zu befassen ist allein deshalb schädlich, weil es Dir Deine Zeit stiehlt, die Du brauchst, um Dich Deinen Glaubenswerken zu widmen, als da sind: Besuch der Zusammenkünfte, Vorbereitung auf die Zusammenkünfte, Predigtdienst, Studium der Wachtturm-Schriften sowie Vorrechte in Verbindung mit der Pflege der Zusammenkunftsstätten und vieles mehr.

Warum führen wir das alles an dieser Stelle aus? Das ist verwirrend!

Noch einmal zusammengefasst gefragt: Gab es seit Ende des ersten Jahrhunderts keine Christen mehr? Wurden zwischen 100 n.Chr und 1860 n.Chr. keine Menschen zu den 144.000 eingesammelt? (Diese Frage nimmt Bezug auf die 2-Klassen-Lehre von Zeugen Jehovas, die nicht von jedem geteilt wird – glaubt man daran, so muss man sich die vorgenannte Frage stellen.) Wie kann ein Mensch dem „Predigt-Auftrag“ nachkommen, wenn er in einem Dorf im 4. Jahrhundert nach Christi lebt und alle Dorfbewohner bereits Christen sind, das nächste Dorf aber 50 km weg ist – also in einer ganz anderen Welt? Vor allem, da alle diese Christen zwar gläubig sind, aber nicht lesen und schreiben können und über keine Bibel verfügen?

Nun nimmt dieser Artikel aber eine Wendung:

Du hast Dich nun doch mit 150 Jahren Glaubenslehren der Zeugen Jehovas befasst. Du hast festgestellt, dass viele Male das Ende der Welt, verbunden mit der Erlösung der einzig wahren Christen prophezeit wurde, bis heute jedoch nichts dergleichen passiert ist. Zwar sagt man Dir, dass der Glaube an Gott und Jesus das Wichtigste ist; gleichzeitig wird Dir aber auch immer wieder gesagt, dass es wichtig ist, diesem Glauben durch Werke Nachdruck zu verleihen. Du beginnst, zu verstehen, was „Werkgerechtigkeit“ bedeutet – und das dies genau das ist, was Dir zu Deiner Rettung immer wieder gepredigt wird. Du verstehst, dass Dir zwar gesagt wird, Du sollst Deinen Glauben immer wieder prüfen und hinterfragen; gleichzeitig wird Dir aber verboten, genau diese Vergleiche anzustellen. Dir wird immer wieder etwas über „die Welt“ und die „Weltmenschen“ erzählt; Du hast jedoch kaum Möglichkeit, dies zu hinterfragen, weil Du genau das vermeiden sollst. Du sollst Dich gegenüber der Welt „neutral“ verhalten, hast aber einen Beruf im öffentlichen Dienst oder bei einer Bank – also „im bösen, der Geldgier unterworfenen System Satans“. Du bist vielleicht ein kleines Rädchen in genau dem Getriebe, das Du als grundsätzlich schlecht ablehnst – und fragst Dich heute, inwieweit das so sein kann.

Du fragst, um genau zu sein: welcher Organisation Du Deine Zeit, Dein Geld, Deine Kraft eigentlich gibst.

ABER STOPP!

Wohin sollten wir denn gehen? Wir – die Zeugen Jehovas – sind die einzig wahren Christen – unsere Religion kommt „der Wahrheit“ am nächsten! Wir gehen in die VERSAMMLUNG, das ist die Versammlung wahrer Christen. Die „Kirche“ – das ist Babylon die Große, die von Gott alsbald vernichtet wird – und alle Menschen mit ihr, wenn sie nicht auf „die gute Botschaft“ gehört haben.

Bitte komm noch einmal zurück mit mir – diesmal ins neunte Jahrhundert nach Christi Geburt. Diesmal in eine Kleinstadt, wo es Handwerker und Kaufleute gibt. Der Buchdruck ist noch nicht erfunden; nur wenige können lesen und schreiben. Alle Bürger der Stadt gehören der Kirche an, sind getauft und fromm. Niemand von diesen Leuten ist ein Missionar; keiner geht „predigen“. Aber alle gehen am Sonntag in die Kirche. Sie sind gläubige – ja was? Sie haben Gott und Christus erkannt – sie glauben an den Erlöser; sie kennen christliche Werte und versuchen, in ihrer menschlichen Unvollkommenheit, aber mit ihrem christlichen Gewissen, diesen Werten zu genügen.

Sowohl die großen Kirchen als auch die kleineren christlichen Gruppierungen haben im Laufe der Jahrhunderte viele Fehler gemacht. Vor allem haben sie etwas anderes getan als das, was sie selbst gelehrt haben. Aber auch in der Lehre haben sie geirrt – und es ihren Schäfchen entsprechend vermittelt. Aber darum geht es überhaupt nicht.

Jeder einzelne Mensch steht für sich selbst vor Gott. In dem Moment, wo jemand erwachsen ist und seine eigenen Entscheidungen treffen kann und muss, da muss er sich auch selbst vor Gott verantworten. Diese Verantwortung nimmt einem Menschen niemand ab – aber nicht Menschen sitzen zu Gericht über Menschen – sondern Gott richtet über die Menschen.

Die Religionsgemeinschaften christlicher Prägung haben alle geirrt. Dies ist dadurch nachgewiesen, dass sich jede – ohne Ausnahme jede – Religionsgemeinschaft weiterentwickelt und daher ihre Lehren modifiziert, erweitert, ändert. Jehovas Zeugen machen da keine Ausnahme – im Gegenteil.

Bei den Theologen der großen Kirchen geht ein 5-jähriges Studium – einschließlich des Studiums der alten Sprachen, voraus, bevor sie von der Kanzel aus dem „Volk“ die Bibel näherbringen dürfen. Bei Zeugen Jehovas reicht ein Bibelkurs in 26 Stunden (ein halbes Jahr für eine Stunde pro Woche), um die Menschen als Missionare loszuschicken, damit sie anderen erzählen können, „wie das christliche Leben funktioniert“. Und darauf sind Jehovas Zeugen auch noch stolz.

Den Zeugen Jehovas, die noch nie in einem Sonntags-Gottesdienst einer der großen Kirchen waren, dürfen wir folgendes berichten:

Es wird bei diesen Gottesdiensten aus der Bibel vorgelesen. Ja – ganz einfach aus der Bibel vorgelesen. Es wird dort auch gesungen, wobei die Liedtexte im Wesentlichen den Schöpfer preisen und Lebensmut in den verschiedensten Situationen vermitteln wollen. Und es wird „gepredigt“. So eine Predigt dauert im Allgemeinen nicht länger als 10-15 Minuten. So eine Predigt beantwortet oft keine Fragen, sondern wirft Fragen auf, die die Gläubigen sich selbst beantworten sollen. Die Inhalte der Predigt geben Anhaltspunkte, nennen Grundsätzliches, aber die Lösung für den Alltag muss jeder für sich selber finden.
Und so wird man – aus der Kirche – mit der Vergebung des Höchsten – wieder in den Alltag entlassen. Das war so in unserer Kleinstadt im 9. Jahrhundert – und das ist auch im 21. Jahrhundert noch so.

Findet man dort die wahre Religion? Nein – denn alle Religionen sind in einer laufenden Entwicklung – niemand hat die wahre Erkenntnis in allen Punkten der Lehre der Heiligen Schrift. Auch Jehovas Zeugen haben diese nicht, denn sonst würden sie ihre Lehre ja nicht über die Jahrzehnte weiterentwickeln.

Aber man findet auch dort wahre Christen. Die meisten Menschen, die ihre Kirche aufsuchen, tun dies – entgegen der langläufigen Auffassung der Zeugen Jehovas nicht, um ihren neuen Hut zu zeigen oder sonstwie gesehen zu werden. Sie tun es, um sich inspirieren zu lassen, um ihre Spiritualität zu leben, um christliche Gemeinschaft zu haben, um sich als Gemeinschaft zu fühlen. Sie lassen die alterwürdigen Gebäude mit ihrer historischen Kunst der letzten Jahrhunderte auf sich wirken; sie hören die gewaltigen Orgelklänge – sie suchen die „seelische Erhebung“, die in den weltlichen Gesetzen durch das Feiertagsgesetz geschützt ist.

Für einen Zeugen Jehovas, der die Gemeinschaft verlassen möchte, weil er die Glaubenslehren nicht mehr teilt, weil er die fundamentalistische Bibelauslegung eher gegen eine spirituelle Auslegung tauschen möchte, weil er in der „Hoffnung auf ein Paradies“ eine materialistische Ausrichtung des Glaubens sieht, stellt sich die Frage:

Ja – und was dann? Wohin dann? Wo finde ich eine neue geistliche Heimat?

Wer einmal erkannt hat, dass der Dienst als Zeuge Jehovas kein Dienst an den Menschen, keine Nächstenliebe ist, sondern eigennütziger Dienst für die ORG – im Sinne eines Schneeballsystems, mit dem sich die Organisation selbst speist – wer sich den Menschen in christlicher Nächstenliebe zuwenden möchte und merkt, dass das bei Zeugen Jehovas nicht erwünscht ist, weil es Zeit und Kraft für die Org nimmt, der fragt sich: was jetzt – was dann – wohin nun?

Die Erkenntnis, dass man viele Jahre seines Lebens eben nicht „in der Wahrheit“ gewesen ist, ist bedrohlich, beängstigend, verstörend. Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass man seine Glaubensgemeinschaft verlassen muss. Zeugen Jehovas als Ganzes sind in ihrer Gemeinschaft herzensgute Menschen. Sie helfen sich gegenseitig; es gibt unter ihnen teilweise eine sehr gefestigte Gemeinschaft. Die Freundschaften – das muss einem klar sein – sind an den gemeinsamen Glauben gekoppelt – es sind bedingte Freundschaften. Aber so lange man den gleichen Glauben teilt, sind diese Freundschaften vielfach aufopfernd, liebevoll, offen, herzlich; sie wirken authentisch und echt, obwohl sie bedingt sind. Jehovas Zeugen verdrehen eine Menge von dem, was in der Bibel steht – aber sie halten moralische Werte hoch, sind ehrlich und fleißig. Jeder muss für sich selbst abwägen, ob und wie er sich trotz neuer Erkenntnisse in dieser Gemeinschaft bewegen kann und will. Aber die Gemeinschaft ist nicht alternativlos.

Wenn man sich entscheidet, die Gemeinschaft zu verlassen, sollte man auf die Ausschlusspraxis und die Ächtung gefasst sein, die einen erwartet. Man sollte sich außerhalb der Gemeinschaft umgesehen und sich einen neuen Sozialraum geschaffen haben, damit man nicht ins Bodenlose fällt. Familienangehörige außerhalb der Gemeinschaft, Arbeitskollegen, ein Verein oder sogar eine Selbsthilfegruppe können den eigenen Weg erleichtern.

Wenn es um eine andere religiöse Gemeinschaft geht, so mögen manche sich in kleinen Gruppen mit anderen JZ-aussteigern zusammentun; das gegenseitige Verständnis darüber, wo man herkommt, kann helfen, den Weg zu finden, wo man hinwill.

Aber es ist auch möglich, Christen in einer anderen religiösen Gemeinschaft oder Kirche zu finden und dort eine neue spirituelle Heimat zu finden. Wir geben hier keinesfalls Empfehlungen, wie und wo man so etwas findet. Unsere Empfehlung ist: offen sein, Informationen zulassen und sich fragen: was wird in der Kirche tatsächlich gelehrt. Was sagt die Kirche über den Alltag, über die Ethik, über die Werte, über die Bibel? Was sagt sie über die Nächstenliebe – und was tut sie? Ist die „Diakonie“ etwas Schlechtes oder etwas Gutes? Ist es gut und richtig, ein Krankenhaus, ein Seniorenheim, eine Pflegetagesstätte zu führen? Ist es gut und richtig, Kindergärten zu betreiben, Tafeln für Bedürftige zu betreiben, wo man günstig Lebensmittel bekommen kann oder auch Kleiderkammern, wo gute Kleidung für wenig Geld an arme Menschen weitergegeben wird? Ist das Nächstenliebe im christlichen Sinne – kann ich damit meine Christlichkeit zum Ausdruck bringen.

ALLE Kirchen gehören zu Babylon der Großen 

An dieser Stelle mag es – wir haben es oben bereits angedeutet, eine Hemmung für Dich geben: Du hast gelernt, dass ALLE Kirchen zu Babylon der Großen gehören, der Hure, die auf dem Wilden Tier reitet, die 1919 gefallen ist und alsbald vernichtet wird. Solange Du dies so glaubst, hast Du ein Problem damit, eine Kirche zu betreten und Dich Menschen anzuschließen, die in einer anderen religiösen Gemeinschaft organisiert sind. Es ist ein Thema für sich, das hier nicht abgehandelt werden kann: „Babylon die Große“ kann man nicht verlassen indem man eine „falsche Religion“ verlässt – denn wir haben bereits oben ausgeführt, dass alle Religionen „falsch“ im Sinne von [richtig oder falsch] sind. Keine Religion als Ganzes hat die Wahrheit, weder Jehovas Zeugen noch irgendjemand sonst.

Zur Frage, was „Babylon die Große“ darstellt – ein eher unbedeutendes theologisches Nebenthema, wenn man es nicht so hoch aufhängt, wie Zeugen Jehovas es tun – kann man hier im Glossar sowie auf Wikipedia Informationen finden.

Nur so viel: die Interpretation der Zeugen Jehovas hat sie von jeher berechtigt, auf alle Andersgläubigen herabzublicken und Hass-Feldzüge gegen die Kirchen zu führen, um sich anschließend über deren Reaktionen zu beklagen und die Verfolgten zu mimen. Wer als religiöse Gruppe Millionen von Traktaten verbreitet, die die angebliche Vernichtung der religiös anders denkenden Gruppen prophezeit, der muss sich nicht darüber wundern, mit Mistgabeln aus der Stadt gejagt zu werden. So etwas hat nichts damit zu tun, dass man ja nur „friedlich seine Druckschriften verbreitet hat“. Aber wie gesagt, das ist ein Thema für sich.

Wohin sollen wir gehen?

Liebe Gott – und Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wenn Du Menschen findest, die das zu ihrer Maxime machen – die Gott am Sonntag in der Kirche preisen und ihre Freizeit damit verbringen, gute Werke für ihre Nächsten zu tun – im christlichen Geist – dann bist Du dort erst einmal richtig. Alles andere entscheidet der Herr, Jesus Christus.

Denke wir an das Gleichnis Jesu aus Matthias. 13:28-30:

“Jesus erzählte den Menschen ein Gleichnis: »Gottes himmlisches Reich kann man vergleichen mit einem Bauern und der guten Saat, die er auf sein Feld säte. Eines Nachts kam sein Feind, und säte Unkraut zwischen den Weizen. Als nun die Saat heranwuchs und sich Ähren bildeten, ging auch das Unkraut auf. Da kamen die Arbeiter und fragten: ›Herr, hast du nicht gute Saat auf dein Feld gesät? Woher kommt dann das Unkraut?‹ Das muss mein Feind gewesen sein‹, antwortete der Bauer. ›Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreißen?‹, fragten die Arbeiter. Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen. Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern (Engeln) befehlen: Reißt zuerst das Unkraut aus und bindet es zusammen, damit wir es verbrennen können! Den Weizen aber bringt in meine Scheune!” Matthäus 13:28 – 30

 

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Boas

Lieber Bert,

Wow, den Artikel finde ich klasse. Obwohl im Stenostil (wenig schreiben, aber mit viel Inhalt), doch so vieles zwischen den Zeilen. Das liebe ich. Ein Mensch nach meinem Geschmack. Da sind wir wirklich auf einer Linie. Oder wie sagt es ein altes Königreichslied der ZJ:

“Wie lieblich sind doch Brüder
in voller Harmonie. Gemeinsam täglich wirken.
In Einheit wohnen sie…”

LG Boas

Iris

Lieber Bert , auch mir hat dein Artikel sehr gefallen , besonders die Aussage : ,,Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst .” Wenn du Menschen findest , die das zu ihrer Maxime machen – die Gott am Sonntag in der Kirche preisen und ihre Freizeit damit verbringen , gute Werke für Ihren Nächsten zu tun – im christlichen Geist – dann bist du dort erst einmal richtig . Alles andere entscheidet Jesus . Wir haben eine Schwägerin in Wien , die gerade erst ihren Mann verloren hat und sich immer schon um Nachbarn und Verwandte die alt und… Weiterlesen »

Wildblume

Wildblume@bruderinfo

Hallo, was ist denn los auf Bruderinfo.de…….Server überlastet…..schade….🙁

Grüßle

Meereswoge

Lieber Bert, Dein Artikel begeistert mich! Vielen Dank! Vor allem, das er die Zeit zwischen dem 1.Jahrhundert, bis in die heutige Zeit einbezieht. Die Christen bis ins 15.Jahrhundert, sofern ich mich richtig erinnere, mit Beginn der Buchdruckkunst, hatten nichts lesbares in der Hand. Die Gründe dafür führst Du ja aus. Also erfuhren sie nur aus dem Vorlesen, dem Weitersagen von dem Schöpfer, der gleichzeitig unser Gott und Vater ist und von der Bedeutung seines Sohnes. Und der Glaube an sie und den heiligen Geist, bewegte ihr Herz zur Liebe und Dankbarkeit ihnen gegenüber, ohne je etwas gelesen zu haben. Durch… Weiterlesen »

Ga-chen

Wirklich ein wunderbarer Artikel, Bert!

Ich bin zum ersten Mal in diesem Forum und durch Jurek darauf aufmerksam geworden, insbesondere auf diesen Artikel – danke!

Ich habe ca 3 Jahre bei den Zeugen verbracht, stand mehrmals kurz vor der Taufe, die Gott jedes Mal verhindert hat. Für mich war diese Zeit ein Umweg, in der ich zum Bibellesen gekommen bin und seither einen Schatz an Bibelstellen in meinem Gedächtnis habe, das möchte ich nicht missen und bin deshalb Gott dankbar für diesem Umweg!

Liebe Grüße von Ga-chen (mein Internet -Name)

Edeltraut Kühne

Ein fantastischer Artikel, der mir direkt aus dem herzen spricht und alle meine Erfahrungen vor und nach meinem Ausstieg aus der WTG bestätigt1

Vielen Dank!

Elfi

ATHALJA

Lieber Bert, gerne schliesse auch ich mich dem Dank an, den viele „BI-Geschwister“ hier für Deinen Artikel gepostet haben. Du hast sehr treffend die „Werke der JW.ORG“, bzw. deren Glaubensgemeinschaft. beschrieben.   Im Spiegel Deines Artikels erkannte ich so manches wieder. Meinen „Werksvertrag“ mit der damaligen WTG/WTO hatte ich erstmalig 1992 aufgekündigt. Deren „Dienstanweisungen“ sowie die Folgen deren Missachtung, waren für mich nicht zumutbar. Das „Honorar“ dieser Glaubensgemeinschaft ist ebenfalls sehr mangelhaft. Etwas naiv und gutgläubig, geriet ich 2009 kurz wieder unter „Vertrag“, den ich aber 2 Jahre später endgültig kündigte. Seit dem ergeht es mir sehr viel besser, denn… Weiterlesen »

Ulla

Hallo Bert, deinen Artikel hab ich mir vor Freude inzwischen schon mehrmals durchgelesen. Und jedesmal fielen mir neue Erlebnisse ein, denn auch ich machte mir schon in meiner Zeugenzeit immer wieder Gedanken darüber, was und wie das Leben als Christ für die Menschen früherer Jahrhunderte bedeutete, wie es aussah: Als wir ca. 1989 das “Offenbarungsbuch” im Buchstudium durchnahmen, blieben meine “Frage-Antennen” unauslöschlich an der Seite 18 (oder 16) des Buches hängen, ein Absatz rechts unten, wo “zugegeben” wurde, dass es in all den Jahrhunderten echte Gesalbte (einzelne) gab. Hätte die WTG damals von vielen Tausenden wahren Christen in all den… Weiterlesen »

O.W.Schön@Selteraner

WOHIN SOLLEN WIR GEHEN??? Liebe Selters-Mitarbeiter, “wohin sollen wir gehen”, wenn plötzlich neues Licht aus Warwick erstrahlt und Selters unvermittelt verkauft werden sollte? Ein Schreckens-Szenario? Eine Horror-Vision? Abtrünnigen-Gerede? Vielleicht, ….vielleicht aber auch nicht! Auf jeden Fall bleibt es super spannend, denn die Option Selters UND Temple Farm hat es zu KEINER ZEIT gegeben. Daher kann und darf munter spekuliert werden, wie denn die LK den plötzlichen Verkauf von Selters rechtfertigen wird. Derzeitiger Ausverkauf in Nord England: https://ibsaproperty.com/   Der “völlig unerwartete Verkauf” von Selters könnte wie folgt begründet werden: “Jehova schubste uns über den Ärmelkanal und so krempelten wir als… Weiterlesen »

Nordlicht

An Alle Eine gute Botschaft aus fernem Land ist wie kühles Wasser für eine durstige Seele (Spr.25:25) Ja, so erfrischend und wohltuend war für mich der Bericht von Bert.  Wohin  sollen wir gehen?  Joh.6:68 war mein Konfermationsvers als 14 Jährige.  Das dieser Vers mich eines Tages wieder ins Leben zurück bringt habe ich damals  nicht gewußt.Immerhin lagen 30 Jahre WTG dazwischen. Bevor das Jahr zu Ende geht schreibe ich  wie es uns beiden Mutter u. mir geht.  Ich bin durch dieses Forum und eure Lebensgeschichten in denen ich mich immer wieder fand,unglaublich stark geworden.Die vielen guten Recherchen von euch haben… Weiterlesen »

Bernd

….das ist eine interessante Umschreibung der Bruderschaft; bedingte Freundschaften. Ich für meinen Teil frage mich inwieweit es Freundschaften gewesen sein konnten. Solange ich in der Org fester Bestandteil, sogar Vorbild war, sah es für mich wirklich so aus. Freundschaften auch über Wohnort, Alter, Bildung und natürlicher Sympathie hinaus. Genau meinem persönlichen Ideal, wie auch dem Gelehrtem entsprechend.   Ob es dann wirklich so ist, merkt man allerdings erst, wenn es nicht mehr in gewohnten, unterstützten Bahnen läuft. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht mehr als ernüchternd.   Die Realität stellt sich meiner Erfahrung anders dar: Ihr seid meine Freunde, wenn… Weiterlesen »

Hubert

Ein herzliches Danke an den Autor. Mit den folgenden Worten trifft der hervorragende Artikel den Nagel auf den Kopf:   “Liebe Gott – und Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wenn Du Menschen findest, die das zu ihrer Maxime machen – die Gott am Sonntag in der Kirche preisen und ihre Freizeit damit verbringen, gute Werke für ihre Nächsten zu tun – im christlichen Geist – dann bist Du dort erst einmal richtig. Alles andere entscheidet der Herr, Jesus Christus.“   Es kann doch niemand bestreiten, dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die Maxime ist. Auf die explizite Frage:  Was ist… Weiterlesen »

Paloma

Ein sehr nachdenklicher Artikel. Mich stört auch die allgemeine Selbstgerechtigkeit meiner Glaubensbrüder bei den Zeugen Jehovas. Bei einem sonntäglichen Wachtturm-Studium hatte ich eine Erfahrung mit wirklichen „Samaritern“ berichtet. Ich erzählte, dass ich bei Glatteisregen mit meinem Auto halb in den Straßengraben rutschte. Danach rief ich den ADAC um Hilfe. In der Wartezeit fragten immer wieder Autofahrer, ob sie mir helfen können. Ich lehnte dankend ihre Hilfe mit dem Hinweis ab, dass der ADAC-Pannendienst bald kommt. Danach hielten zwei Autos an. Aus ihnen stiegen „Samariter“ aus. Sie wollten unbedingt mein Auto aus dem Graben schieben. Ich konnte ihre große Hilfsbereitschaft nicht… Weiterlesen »