Vom Leben im Glück des Glaubens

teresa3Eine kleine Frau machte in Indien von sich reden, als sie in den Slums von Kalkutta sich der Sterbenden annahm. Sie gelangte zu Weltruhm und wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Kaum jemand würde an ihrer Aufrichtigkeit, ihrer Nächstenliebe und ihrer Liebe zu Gott zweifeln wollen. Und doch gibt es in ihren Briefen an ihre Beichtväter immer wieder Formulierungen wie diese: „Wo Gott sein sollte, da ist mitunter nichts; da ist Leere, Stille und Dunkel.“ Kann das sein? Warum zweifelte diese Frau mitunter an Gott? Warum blieb ihr Glaube im Ungewissen stecken? Warum wurde sie in ihrem Glauben scheinbar nicht wirklich befestigt?

Und folgt man den Ausführungen Eugen Drewermanns über seine Kollegen, die Kleriker, dann merkt man schnell, dass Mutter Theresas Problem kein Einzelfall ist. Auch viele Kleriker kennen Gott nicht persönlich. Sie bilden sich ein, ihm zu dienen und über ihn zu sprechen, aber im Grunde ihres Herzens ist ihnen Gott nicht wirklich nahe.

Und dann gibt es eben doch Menschen, die ihre ganz eigene, persönliche Erfahrung mit Gott gemacht haben, so dass sie sagen. “Ich weiß, dass es Gott gibt!“ Sie sagen nicht, dass sie an ihn glauben! (Vernünftigerweise würde ja auch niemand sagen, dass er an den Mond glaube, weil der Mond einfach da ist.) Es gibt also Menschen, für die Gott eine nicht zu leugnende Realität ist.

Wenn wir  noch einmal auf Mutter Theresa zurückkommen, dann muss man die Frage stellen, welchen Gott sie denn überhaupt gesucht hat. Gibt es den Gott, den sie suchte? Mutter Theresa war Katholikin, und jeder halbwegs biblisch gebildete Mensch weiß, dass das Gottesbild der Katholischen Kirche stark verzerrt ist. Da wird das Bild des liebenden und barmherzigen Gottes durch verschiedene Dogmen unkenntlich gemacht. Der Gott der Kirche hat eher mit dem Allah des Korans zu tun, als mit einem Gott, von dem es heißt, dass er Liebe ist. Der Gott der Kirche ist für viele heute noch zum Fürchten; er straft mit der Hölle und hat scheinbar eine sadistische Ader. Der Gott der Religionen gestattet keine Freiheit des Gewissens, er heiligt Kriege durch seine Priester, er gestattet keine andere Meinung als die der Kirche. Man könnte damit fortfahren, aber das soll ja nicht das Thema dieser Gedanken sein. Es ist klar, dass so ein Gott nicht zu finden ist, denn es gibt ihn nicht.

Es gibt von Jesus den Ausspruch, dass sein Vater Anbeter sucht, die ihn mit Geist und Wahrheit anbeten (Joh.4, 23). Also, Gott sucht nach Menschen und er zieht sie zu sich. Jesus sprach auch über die Bedingung: „Wenn jemand mich liebt, wird er meine Gebote halten. Dann wird mein Vater ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ (Joh. 14: 23)

Durch die ganze Bibel zieht sich der Gedanke, dass Gott bei den Rechtschaffenen wohnt. Und so entscheidet nicht die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder Religionsorganisation, bei wem Gott „wohnt“. Jede Religionsorganisation, die von sich sagt; nur mit ihr erlangt man Gottes Anerkennung ist im Irrtum. Jede Kirche, die sich anmaßt, als Mittler zwischen Gott und den Menschen aufzutreten ist im Irrtum, weil man Gott nicht vermitteln kann wie eine Immobilie. Gott sucht sich seine Anbeter selbst! Das ist die klare Erkenntnis aus den Worten Jesu! Und diese Anbeter werden immer bemüht sein, ihren Vater im Himmel mit Geist und Wahrheit anzubeten. Das einzige Merkmal, das diesen Menschen gemeinsam ist, ist die Liebe zu Gott und den Menschen (Joh. 13:35) und eben nicht das Bekenntnis zu einer Religionsgemeinschaft!

Das Glück des Glaubens ist also an Bedingungen gebunden, die mit Kirchen wenig oder nichts zu tun haben. Es gibt sogar Gemeinschaften, die das eigene und angstfreie Erkennen Gottes schwer machen, die geradezu verhindern, dass man Gott findet.

Ein passendes Beispiel ist eine Gruppe der jüdischen Religion zur Zeit des Apostels Paulus:

Paulus gehörte zu den Pharisäern. Das war eine jüdische Religionsgemeinschaft, die vermutlich im zweiten Jahrhundert v. u. Z. in Judäa entstanden war. Am Anfang stand der Wunsch, Gott auf eine möglichst reine Art anzubeten. Man wollte es mit dem Wort Gottes genau nehmen. Auch heute gibt es christliche Religionsorganisationen die es mit dem Umsetzen des Wortes Gottes ganz genau nehmen wollen und den Focus auf „heilige Werke“ richten. Besonders auch Jehovas Zeugen sehen sich als eine heilige und reine Organisation vor Gott.

In dem Wachtturm vom 15. 11. 2014 unter den Thema: „In allen Lebensbereichen heilig sein“ wird wie so oft betont, Zitat: „DER Apostel Petrus verknüpfte die in 3. Mose hervorgehobene Heiligkeit mit der Notwendigkeit, dass Christen einen heiligen Lebenswandel führen. Dazu wurde er von Jehova inspiriert. (Lies 1. Petrus 1:14-16.) Jehova, der Heilige, erwartet sowohl von den Gesalbten als auch von den „anderen Schafen“, dass sie ihr Bestes geben, um heilig zu sein — und zwar in allen Lebensbereichen“

Welche Lebensbereiche gemeint sind wird sehr schnell klar, Einsatz im Predigtdienst und persönliches Studium der WTG Literatur, so wie striktes einhalten dessen, was den Umgang mit Andersdenkenden anbelangt. Ja, es ist richtig, der Apostel Petrus sagt: „sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel“.

Aber sowohl Paulus als auch Petrus weisen unermüdlich darauf hin das wir diese „Heiligkeit“ nur in Verbindung mit unseren Glauben an Christi Opfer erlangen können.  Wer das nicht verstanden hat wird bald festgestellt haben, dass der hohe Anspruch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen konnte, denn der Mensch ist eben ein Mensch und im Sinne der Bibel ein sündiger Mensch. Wie kann man da jedes Gebot halten? Wie kann man immer moralisch rein bleiben?

„…. weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. … sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten …. und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Römer 3: 21-23

Der Ausweg aus diesem Dilemma war und ist auch heute noch die Heuchelei. Damals entstand mit der Zeit ein starres System religiöser Regeln, angereichert mit bibelfremden Vorstellungen aus dem Heidentum.

Im Gleichnis vom armen Samariter am Busenplatz Abrahams (siehe Luk. 16:20-31) karikiert Jesus diese Ansichten.) Viele Tricks und schlaue Kniffe dienten dazu, das Gesetz der Juden (das Gesetz Mose) zu umgehen oder außer Kraft zu setzen. In diesem System gab es dann keine Barmherzigkeit und keine Freiheit des eigenen Gewissens mehr. Sogar das Gebet, die persönliche Hinwendung an Gott, wurde  durch leblose Schemata ersetzt.

So gab es z. B. für jede Feldfrucht ein spezielles Gebet. Und man forderte, dass diese Gebete ganz genau, also wortgetreu nachgesprochen werden sollten, ansonsten war das ganze Gebet ungültig. Wie konnten die Menschen da in ihrem Gebet Gott nahe sein? Alles, was den Menschen befreien sollte, wurde in sein Gegenteil verkehrt. Der Mensch war nur noch Zweck und Gegenstand für eine lieblose Religion geworden, die durch Angst regierte. Abergläubische Vorstellungen verdüsterten das Denken und Fühlen der Menschen und verhinderten im Verein mit allen anderen vom Pentateuch abweichenden Regeln eine persönliche und angstfreie Erfahrung mit Gott.

Innerhalb des Pharisäertums konnte es so keine angstfreie Erfahrung Gottes und der Nähe zu ihm geben. Und dann wurde ihnen noch von Jesus bescheinigt, dass sie ihre Anhänger zu „einem Gegenstand für die Vernichtung“ machten, schlimmer als sie selbst (Mat. 23:15).

Das war der religiöse Hintergrund des Apostels Paulus, als er auf dem Weg nach Damaskus eine für sein Leben entscheidende Erfahrung machte. Er war nach Damaskus unterwegs, um Christen festzunehmen. Er fühlte sich im Recht und versuchte es mit Eifer durchzusetzen. Plötzlich wird er blind, fällt zu Boden und hört eine Stimme sagen: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“

Paulus, der damals noch mit seinem jüdischen Namen angesprochen wurde, fragt, wer da mit ihm spreche. Jesus antwortet und sagt: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“. Dann weist ihn die Stimme an, nach Damaskus zu gehen und dort zu warten. Dort würde ihm gesagt werden, was er danach tun sollte.

Nun hat Paulus ein wenig Zeit zum Nachdenken. Es muss ihn befremdet haben, dass ihn derjenige blendete, den er verfolgte. Hätte Jesus nicht auch die Macht gehabt, ihn ganz auszulöschen? Warum lässt er ihn am Leben? Warum nimmt er keine Rache für die Verfolgung und den Tod seiner Nachfolger?

Nach drei Tagen wird ein Jünger Jesu zu ihm geschickt. Er wird mit den Worten angesprochen. „Saulus, Bruder!“ Und jetzt erfährt Saulus, was es bedeutet, barmherzig zu sein! Er, der als Pharisäer streng nach menschlichem Gesetz verfuhr und in seinem kalten Eifer des Rechtgläubigen keine Barmherzigkeit zu üben gewohnt war, wurde jetzt mit Barmherzigkeit behandelt.

Dieses Erlebnis des Paulus war, so erfahren wir aus seinen Briefen, der Beginn seines eigentlichen Lebens. Er war auf einen Schlag frei geworden von Zwang, Angst und der Fremdbestimmtheit durch seine frühere Religion. Nun stand er in eigener Verantwortung und mit seinem Gewissen vor seinem Gott!

Mit anderen Worten: Paulus entdeckte sein eigenes Selbst und seine persönliche Beziehung zu Gott. Er hatte den Mut, gegen die Tradition und die Herrschaft einer religiösen Gemeinschaft anzugehen. Er hatte den Mut, sich selbst im Kontext mit Gott zu suchen.  Nun erst erfuhr er, was das Leben im Glück des Glaubens bedeuten kann!

Jesus Christus sprach über dieses Glück und wies den Weg dahin. Wie hat denn Jesus über Gott gesprochen? Wie hat er Gott erfahrbar gemacht? Es fällt auf, dass seine Reden Bewunderung beim einfachen Volk erregten. Er sprach ganz anders über Gott, als die religiösen Führer der Juden.  Er sprach ihn als Vater an! Das haben die Juden im Allgemeinen nicht gewagt. Aber Jesus spricht in einfachen, verständlichen Worten und Bildern über Gott und seine Eigenschaften. Er revolutioniert nicht den Pentateuch (die fünf Bücher Mose), er führt ihn in die Wirklichkeit und bringt immer wieder zum Ausdruck, dass das Gesetz Gottes für den Menschen da sei und nicht umgekehrt. Er spricht so menschlich, liebevoll und zu Herzen gehend über Gott, offen und fern jeder Gewalt und Drohung. Er lädt alle ein, ihre eigene Suche nach Gott zu beginnen. Für Jesus Christus findet religiöses Erleben und Begreifen im Herzen, im inneren Menschen statt. Hier kann man Gott begegnen, hier kann man ihn erfahren.

Jesus Christus benötigt keine Schriftgelehrten, die eine menschenferne und gottesfeindliche Theologie fabrizieren und damit schließlich Gott „wegerklären“, weil sie sich in Lehrzänkereien und Spitzfindigkeiten verlieren. Er braucht niemanden, der erklären muss, was die Liebe Gottes ist, was Barmherzigkeit und was Hoffung bedeuten können. Er braucht keine Menschen, die von sich behaupten, der Weg zu Gott zu sein. Wer Jesus Christus kennt, weiß, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh. 14: 6). Er weiß, dass niemand zu Gott kommt, außer durch Jesus. Und wenn man das weiß, dann ist kein Platz mehr für eine Religionsorganisation die sich dazwischen drängen will.

Dieses Dazwischendrängen, dieser Anspruch, Vermittler oder Vertreter Jesu oder Gottes zu sein, ist Gift für alle, die das Leben im Glück des Glaubens leben wollen, denn es führt von Gott weg. Aus diesem Grunde hatten die ersten Christen keine Kirche, d. h. sie hatten keine institutionalisierte Religion. Sie hatten Versammlungen, sie gaben sich eine Ordnung des Zusammenlebens und fühlten sich als gleichberechtigte Brüder und Schwestern. Eine Hierarchie und eine Geistlichkeit war ihnen fremd. Wer unter ihnen die Führung übernahm, war der Diener aller und einzig „Mitarbeiter an der Freude“. Herrschen oder Regieren – das war verpönt.

Die ersten Christen waren zuvor Juden und hatten erlebt, was es bedeuten kann, vom Ballast einer menschenfeindlichen Theologie befreit zu sein. Sie hatten erlebt, wie es ist, wenn der Glaube zu einer erfahrungslosen Theorie erstarrt, wenn Glaube ein leeres Bekenntnis wird. Nun aber erfuhren sie ihre Unmittelbarkeit zu Gott. Jetzt war Gott das einzige und allein wesentliche Fundament ihres Lebens geworden. Jetzt konnte jeder seine eigene Erfahrung mit Gott machen. Und man versteht, wenn Petrus davon spricht, dass man Gott „schmecken“ muss (1. Petr. 2: 3). Damit meint er eine sinnliche Erfahrung, die in der Gewissheit mündet, dass Gott lebt.

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Vielen Dank für die großartige Abhandlung!! Bei dem Stichwort “Dazwischendrängen” kam mir ein Bibelvers in den Sinn, dem die NWÜ übrigens einen komplett umgedrehten Sinn anheftet. Von allen Übersetzungen, die ich nachgeschlagen habe, finde ich, drückt die “Gute Nachricht” es am deutlichsten aus: “Als der Täufer Johannes auftrat, hat Gott angefangen, seine Herrschaft aufzurichten; aber bis heute stellen sich ihr Feinde in den Weg. Sie hindern andere mit Gewalt daran, sich dieser Herrschaft zu unterstellen.” (Matthäus 11:12). Und was für eine Gewalt diese sich Dazwischenstellenden ausüben! Erst als ich allmählich begonnen hatte, mich innerlich von diesem Religionssystem zu distanzieren und… Weiterlesen »

Tommy

Ja, leider wird das oft vergessen, dass wir Menschen gar nicht so viel tun koennen wie wir glauben. Gott tut es! Er gibt Gesit wem er will und wie er will. er kennt uns besser als wir selbst und wenn wir ihn in Geist und Wahrheit suchen lenkt er, nachdem wir uns entschieden haben zu sagen er haette Recht. Ansonsten sind wir in dieser Welt auf uns selbst gestellt. Er sagt, viel Glueck. Wenn wir uns aber zu seinem Sohn bekennen…….
Lasst uns das nicht vergessen Schwestern und Brueder.
Tommy

Matthäus

Hervorragend, einfach, klar und logisch! Danke dafür! Ich kann nur hoffen dass viele ZJ solche Gedankengänge erkennen, verstehen und darüber nachsinnen und es ihrerseits wieder an andere weiterempfehlen. Die Gedanken lassen sich sehr gut mit den Worten von Johannes verbinden: 14 Wir haben es selbst erlebt, und darum bezeugen wir: Gott, der Vater, hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um sie zu retten. 15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 16 Das haben wir erkannt, und wir vertrauen fest auf Gottes Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser… Weiterlesen »

Omma

Vielen Dank für die Glauben stärkenden Gedanken! Die Beschreibung der Pharisäer und ihrer Gebete, (Zitat aus dem Artikel: Sogar das Gebet, die persönliche Hinwendung an Gott, wurde durch leblose Schemata ersetzt.) passt zu der Erfahrung, die ich persönlich vor Jahren gemacht habe. Ich hatte von Kindheit an ein enges, persönliches Verhältnis zu meinem Gott. Ich wusste, ich konnte mit ihm über alles reden, und er würde mich immer verstehen. – Dann kamen diverse Belehrungen in den Zusammenkünften über das Gebet. Unzählige Regeln, die wir beachten sollten, damit unser Gebet für Jehova annehmbar wäre. Je mehr ich an diese Anweisungen dachte,… Weiterlesen »