Der neue „böse und unverständige Sklave“?

 

Der Wachturm-Studienartikel vom 15. Juli 2013 offenbarte uns das „neue Licht“ zu der Frage: „Wer ist wirklich der treue und verständige Sklave“.

 All die Jahrzehnte hindurch wurde auf Grund „unwiderlegbarer Beweise“ folgendes gelehrt: Sklave.001Zitat WT 15. Juli 2013, S. 20: Wie also ist Jesu Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven zu verstehen? Bisher haben wir in unseren Veröffentlichungen Folgendes erklärt: An Pfingsten 33 setzte Jesus den treuen Sklaven über seine „Hausknechte“. Der „Sklave“ steht für die Gesamtheit aller geistgesalbten Christen, die sich jeweils auf der Erde befinden, und zwar in der Zeit von 33 bis heute. Die „Hausknechte“ sind die gleichen Gesalbten, nur nicht als Gruppe gesehen, sondern als Einzelpersonen.

Man beachte hier die Formulierung. Um nicht offen zugeben zu müssen, dass man all die Jahrzehnte lang eine Sache falsch gelehrt hat, formuliert man so, als habe man lediglich eine Erklärung geliefert. In Wirklichkeit handelte es sich um eine unanfechtbare Auslegung des Gleichnisses Jesu. Jeder, der diese Auslegung offen anzweifelte, wurde als Abtrünniger gebrandmarkt.

Zitat weiter: Wer ist nun „wirklich“ der treue und verständige Sklave„Ein weiteres gründliches Studium verbunden mit intensivem Nachsinnen unter Gebet“- so wird weiter erklärt – „führt zu dem Schluss, dass das Verständnis über den treuen und verständigen Sklaven präzisiert werden muss“.

Fragen wir uns doch einmal, weshalb die für uns angeblich so lebenswichtige Frage, wer ist der „treue und verständige Sklaven“ nach fast 100 Jahren präzisiert werden muss? Hat man vorher nicht intensiv und unter Gebet nachgedacht? Hat Jesus seinen treuen Sklaven, was seine Identität anbelangt 100 Jahre im Dunkeln gelassen?

In diesem Artikel möchten wir uns jedoch nicht mit dem „neuen treuen Sklaven“ befassen, sondern vielmehr mit dem neuen „bösen oder übelgesinnten Sklaven“, denn so ganz nebenbei gibt es auch hier ein „neues Licht“, was den meisten Lesern wohl kaum aufgefallen sein mag.

 Der neue „böse und unverständige Sklave“

Was bisher als Wahrheit für den „bösen Sklaven“ galt, lesen wir z. B. im WT v. 1.3.2004.

Zitat, WT 1.3.2004, S. 13-18: Zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. setzte Jesus einen „Sklaven“ ein, der an seine „Hausknechte“ Speise zur rechten Zeit austeilen sollte. 1914 wurde Jesus als König auf den Thron erhoben, und bald war es an der Zeit, diesen „Sklaven“ zu inspizieren. Wie Jesus feststellte, hatte sich der „Sklave“ zum größten Teil als „treu und verständig“ erwiesen. Daher setzte er ihn „über seine ganze Habe“ . Es gab aber auch einen „übelgesinnten“ Sklaven, der weder treu noch verständig war.

 Das ist ja nun nach der neuesten Erleuchtung des Sklaven „altes Licht“. Weiter wird unter der Überschrift „Jener übelgesinnte Sklave“ erklärt, Zitat: „Von dem übelgesinnten Sklaven sprach Jesus direkt im Anschluss an den „treuen und verständigen Sklaven“. Er sagte: Wenn aber jener übelgesinnte Sklave je in seinem Herzen sagen sollte: ‚Mein Herr bleibt noch aus‘, und anfangen sollte, seine Mitsklaven zu schlagen, und mit den Gewohnheitstrinkern essen und trinken sollte, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn mit der größten Strenge bestrafen und wird ihm seinen Teil mit den Heuchlern zuweisen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein“  Matt. 24:45-51

Mit dem Wort „jener“ vor dem Ausdruck „übelgesinnter Sklave“ lenkte Jesus die Aufmerksamkeit auf das, was er zuvor über den treuen und verständigen Sklaven gesagt hatte. Tatsächlich ging der „übelgesinnte Sklave“ aus den Reihen des treuen Sklaven hervor. Wie kam es dazu?

Vor 1914 erwarteten viele von der treuen Sklavenklasse, in jenem Jahr mit dem Bräutigam im Himmel vereint zu werden. Aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Dieser Umstand und noch andere trugen dazu bei, dass manche enttäuscht und einige wenige sogar verbittert waren. Einige von ihnen fingen an, ihre ehemaligen Brüder verbal zu „schlagen“, und gesellten sich zu „Gewohnheitstrinkern“, religiösen Gruppen der Christenheit. Diese ehemaligen Christen bildeten schließlich den „übelgesinnten Sklaven“, und Jesus bestrafte sie mit „der größten Strenge“. Auf welche Weise? Er verwarf sie, und damit verloren sie die Aussicht auf Leben im Himmel. Sie wurden aber nicht sofort vernichtet. Zuerst mussten sie in der „Finsternis draußen“, außerhalb der Christenversammlung, eine Zeit des Weinens und Zähneknirschens durchmachen. In der Folgezeit offenbarten noch einige andere Gesalbte eine solch schlechte Gesinnung und schlossen sich dem „übelgesinnten Sklaven“ an. Auch einige von den „anderen Schafen“ sind ihrem Beispiel der Untreue gefolgt. Alle diese Feinde des Christus finden sich in ein und derselben geistigen „Finsternis draußen“ wieder“. Zitat Ende WT 1. 3. 2004, S. 13-18

Fassen wir zusammen: Der „übelgesinnte Sklave“ ist nach dieser überholten Erklärung als eine Gruppe von ehemaligen Gesalbten zu sehen, die aufgrund enttäuschter Erwartungen verbittert waren und ihre Mitbrüder geschlagen haben. Sie haben sich von Christus abgewandt und wurden von ihm verworfen. Diese Gruppe ehemaliger gesalbter Christen bildete also die Klasse des übelgesinnten Sklaven.

Allerdings gab es zu der Frage, wer der „böse Sklave“ ist wie üblich auch schon andere Erklärungen, zum Beispiel die, das der böse Sklave die „Geistlichkeit der Christenheit“ sei.

Befassen wir uns nun mit der neuen Erklärung, die in einem Nebenabsatz auf Seite 24 unter der

Überschrift „ wenn aber jener übelgesinnte Sklave je…“ zu lesen ist.

Zitat: „Jesus hat dem treuen und verständigen Sklaven überaus große Verantwortung übertragen: die Aufsicht über die Hausknechte und die Aufgabe, geistige Speise zur richtigen Zeit auszuteilen. Er wusste auch: Wer mehr Verantwortung erhält, von dem wird auch mehr verlangt (Luk. 12:48). Daher schloss er sein Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven mit einer nachdrücklichen Warnung abJesus sprach warnend von einem “übelgesinnten“ oder „bösen Sklaven“, der sich einbildet, sein Herr lasse auf sich warten, und der anfängt, seine Mitsklaven zu schlagen.

Diesen bösen Sklaven würde der Herr nach Jesu Worten bei seiner Ankunft „mit der größten Strenge bestrafen“. WT 15. Juli 2013, S. 24

 Sagte Jesus damit voraus, es werde in den letzten Tagen einen kollektiven bösen Sklaven geben? Nein. Hin und wieder haben zwar Einzelpersonen eine Einstellung erkennen lassen, wie Jesus sie beschreibt.

Personen, die wir als Abtrünnige einstufen würden, ganz gleich, ob sie Gesalbte waren oder zur „großen Volksmenge“ gehörten (Offb.7:9). Aber diese Einzelnen bilden keinen kollektiven „übelgesinnten Sklaven“.

Jesus hat nicht gesagt, er werde so einen bösen Sklaven einsetzen. Seine Worte sind vielmehr als Warnung für den treuen und verständigen Sklaven gedacht. Man beachte, dass Jesus die Warnung wie folgt einleitete: „Wenn aber . . . je . . .“

Ein Bibelgelehrter erklärt, die entsprechende griechische Wendung beschreibe „quasi einen hypothetischen Fall“. Demnach wollte Jesus in etwa sagen: „Sollte der treue und verständige Sklave jemals seine Mitsklaven auf diese Weise behandeln, wird sein Herr bei der Ankunft so und so mit ihm verfahren.“(Siehe auch Lukas 12:45.) Doch der kollektive treue und verständige Sklave hat sich immer als wachsam erwiesen und hat nahrhafte geistige Speise bereitgestellt. Die geistgesalbten Brüder, die gemeinsam als treuer Sklave dienen, sind sich bewusst, dass sie ihrem Herrn dafür Rechenschaft ablegen werden, wie sie mit seinen Hausknechten umgehen. Sie haben den Herzenswunsch, ihre Aufgabe treu zu erfüllen, damit ihr Herr sie loben kann, wenn er schließlich kommt“. Zitat Ende

Halten wir zunächst einmal positiv fest, dass unsere leitende Körperschaft nun auch der Ansicht ist, dass Jesus in diesem Gleichnis nicht von zwei Sklaven spricht, sondern von einem Sklaven, der sowohl gut als auch böse sein kann. Nach dieser neuen Erkenntnis des Sklaven sprach Jesus also NICHT von einer kollektiven Sklavenklasse, eine Erkenntnis, die schon viele Brüder aus dem Gleichnis Jesu herausgelesen haben. Dazu braucht man keine besonderen geistigen Offenbarungen, sondern man muss nur die Worte Jesu so nehmen, wie sie im Zusammenhang in der Bibel zu lesen sind.

 Doch betrachten wir nun noch eine spannendere Aussage in diesem Absatz. „Wenn aber . . . je . . .“  Die Worte Jesu werden hier als Warnung für den treuen und verständigen Sklaven gesehen, Zitat: „Man beachte, dass Jesus die Warnung wie folgt einleitete: „Wenn aber . . . je . . .“

 Man zitiert einen Bibelgelehrten, allerdings nicht namentlich, der erklärte: die entsprechende griechische Wendung beschreibe „quasi einen hypothetischen Fall“. Demnach wollte Jesus in etwa sagen: „Sollte der treue und verständige Sklave jemals seine Mitsklaven auf diese Weise behandeln, wird sein Herr bei der Ankunft so und so mit ihm verfahren.“

 Hier sollte man genau hinhören. Ist das nicht eine interessante Erkenntnis? Die griechische Wendung beschreibt mit den Worten „wenn aber… je“ quasi einen „hypothetischen Fall“.

Die Frage, die sich nun logischer Weise jedem aufmerksamen Leser aufdrängt, ist: Wenn das Wort „wenn“ im Vers 48 von einem „hypothetischen Fall“ spricht, warum soll dann das gleiche Wort im Vers 46 nicht auch einen „hypothetischen Fall“ beschreiben? Wir lesen dort: „Glücklich ist dieser Sklave „wenn“ ihn sein Herr so tuend vorfindet.“

Wenn der „böse Sklave“ keine fest definierte Klasse ist, warum soll dann der „treue Sklave“ eine besondere Klasse von zurzeit 7 Personen darstellen? Wenn der „treue Sklave“ ein Kollektiv sein soll, warum ist dann der „böse Sklave“ kein Kollektiv?

Die Behauptung in diesem Absatz: „doch der kollektive treue und verständige Sklave hat sich immer als wachsam erwiesen und hat nahrhafte geistige Speise bereitgestellt“, ist angesichts der sich ständig ändernden Lehren bestimmt nicht aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass Jesus Christus seinen angeblichen treuen Sklaven 100 Jahre im Ungewissen ließ, was seine eigene Identität anbelangt, ist ja wohl mehr als absurd.

Jesus Christus hat in Matth. 24:45-49 weder von einem „kollektiven treuen und verständigen Sklaven“, noch von einem“ kollektiven übelgesinnten Sklaven“ gesprochen, denn es handelt sich hier nicht um Prophetie, sondern um ein Gleichnis. Mit diesem Gleichnis ruft Jesus Christus alle seine Nachfolger auf, sich als treue und gewissenhafte Hausverwalter zu bewähren. Im „Glauben, der in der Liebe tätig ist“ (so Paulus in Gal 5:6). Nicht von  z w e i  Verwaltern oder Sklaven hat Jesus gesprochen, sondern von zwei denkbaren Verhaltensweisen  eines jeden einzelnen Christen.

Dass es sich bei dem im Gleichnis Jesu beschriebenen Sklaven oder Verwalter nicht um eine Person oder Gruppe von Personen handelt, die erst seit 1919 von Jesus eingesetzt wurde, offenbart sich uns, wenn wir den Paralleltext von Matth. 24:45 und Lukas 12: 41-46 in der Neuen Genfer Übersetzung und auch in vielen anderen lesen. Petrus fragte: »Herr, meinst du mit diesem Vergleich (Gleichnis) nur uns oder auch alle anderen? Darauf sagte Jesus folgendes: »Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Verwalter? Angenommen, ein Herr überträgt einem seiner Diener die Verantwortung, der ganzen Dienerschaft zur gegebenen Zeit das Essen zuzuteilen. Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der Arbeit findet – wie glücklich ist da der Diener zu preisen! Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.

Wenn jener Diener sich aber sagt: >Mein Herr kommt noch lange nicht< und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, während er selbst schwelgt und prasst und sich volltrinkt,

dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet. Er wird den Diener in Stücke hauen lassen und ihm dasselbe Los bereiten wie den Ungläubigen.

Zunächst ist festzuhalten, dass sich sowohl Petrus als auch die anderen Jünger persönlich angesprochen fühlten. Sie gingen mit ziemlicher Sicherheit nicht davon aus, dass Jesus hier von einem kollektiven Sklaven sprach, der in der Zeit des Endes in Erscheinung tritt. Sonst hätte Petrus wohl kaum gefragt: „Herr, meinst du mit diesem Vergleich nur uns oder auch alle anderen?“

Gemäß der neuen Erkenntnis des „Sklaven“ gehören die Apostel und Jünger nun nicht mehr zum „treuen und verständigen Sklaven“, obwohl sie sich offensichtlich angesprochen fühlten, und dies zu recht, denn Jesus fragte sie ja direkt „woran erkennt man einen klugen Verwalter?“ oder wie es die Zink-Übersetzung formuliert: „wer von euch ist der zuverlässige , kluge Verwalter?“

 Darum seid auch ihr bereit!”

sagte Jesus zu seinen Jüngern, und sie verstanden, dass Jesus hier ein “GLEICHNIS” gebrauchte, um sie alle zur Wachsamkeit aufzufordern. Deshalb fühlte sich Petrus genötigt nachzufragen, “Herr, sagst du dieses Gleichnis nur für uns oder auch für alle?“

Wir alle sollen uns als kluge Verwalter sehen und wachsam sein und nicht spekulieren, was die Wiederkunft Christi anbelangt.

Nach Matthäus 24:48 ist der übelgesinnte Sklave derjenige, der spekuliert, indem er in seinem Herzen – also nicht öffentlich – denkt, der Herr kommt noch lange nicht, und er kann machen, was er will, so dass er anfängt seine Mitsklaven zu misshandeln. Es scheint so zu sein, dass der selbsternannte Sklave, der sich als Mitteilungskanal Gottes sieht, zwar immer wieder spekulative Daten nannte, was die Ankunft seines Herrn anbelangt, aber in seinem Herzen selbst nicht daran glaubt.

Diese selbsternannte Sklavenklasse (die sieben Personen in Brooklyn) muss sich fragen, ob sie sich nicht selbst als Einzelperson als ein „böser Sklave“ positioniert hat, der seine Mitsklaven sogar misshandelt.

Welche Gründe sprechen für diese Annahme?

Die leitende Körperschaft, der angebliche „treue und verständige Sklave“, offenbart sich uns gegenüber als eine Gruppe von Männern, die unsterblich in sich verliebt ist und sich für unersetzbar hält. Zitat aus dem Wachtturm 1957, Seite 498: „Es ist höchst wichtig, dass wir diese Tatsache verstehen und den Anweisungen des ,Sklaven’ so folgen, wie wir der Stimme Gottes folgen würden, weil es Gottes Vorkehrung ist…“

Die Bruderschaft wird hier also aufgefordert, den Anweisungen des Sklaven so zu folgen, wie sie der Stimme Gottes folgen würde. Wie können unvollkommene Menschen solche Ansprüche stellen?

Weiter wird unablässig Dankbarkeit von der Bruderschaft dem Sklaven gegenüber gefordert. Wo wären wir ohne dem Sklaven – diese Frage sollten wir uns immer wieder stellen? Machen sie sich nicht selbst zum Götzen? Und diejenigen, die diesem Sklaven gehorchen, so wie sie Gott gehorchen würden, üben sie nicht Götzendienst?

Was ist Götzendienst?

Einsichtenbuch, Band 1: „Götze, Götzendienst:“ „Ein Götze ist ein Bild oder eine Darstellung von etwas, ein Symbol, das ein Gegenstand leidenschaftlicher Verehrung ist und entweder tatsächlich oder nur in der Vorstellung existiert. Götzendienst ist, allgemein gesagt, die einem Götzen erwiesene Ehrfurcht, Liebe, Anbetung oder Verehrung. Gegenstand in der Natur).

Oder laut Wachtturm vom 1. November 1990, Zitat: Als Christen stehen wir heute vor ähnlichen Herausforderungen. Wir können uns an keiner Form neuzeitlichen Götzendienstes beteiligen — handle es sich um Gesten, durch die Bilder oder Symbole verehrt werden, oder darum, einer Person oder einer Organisation Rettung zuzuschreiben (1. Korinther 10:14; 1. Johannes 5:21)“.

Im Wachtturm vom 15. August 2008, auf Seite 6, Absatz 15 werden wir jedoch aufgefordert, Zitat:

“Aus Dankbarkeit stehen wir eng zu dem „treuen und verständigen Sklaven den sein Herr über seine Hausknechte gesetzt hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben.“ Diesen Sklaven hat Jesus „über seine ganze Habe“ gesetzt (Matthäus 24:45-47). Selbst wenn wir persönlich einen Standpunkt der Sklavenklasse einmal nicht ganz verstehen sollten, ist das für uns also kein Grund, diesen abzulehnen oder gar in Satans Welt zurückzukehren. Vielmehr wird uns unsere Loyalität veranlassen, demütig abzuwarten, bis Jehova die Angelegenheit klärt.”

Seltsam, dass die Organisation einen solchen Standpunkt bei Mitgliedern der vielgeschmähten Christenheit nicht gelten lässt; aber die sind ja schließlich nicht von Jesus über seine ganze Habe gesetzt worden. Nur gibt es leider für uns gar keinen Autoritätsnachweis, weder von Jesus noch von dem „Sklaven“. Allerdings würde es auch kein Zeuge Jehovas wagen, einen solchen Autoritätsnachweis zu fordern.

Wir werden von einer „leitenden Körperschaft“ geführt, die sich selbst nur durch Hinzufügen neuer Gesichter erneuert. Sie versucht nicht, sich selbst zu verbessern oder zu kritisieren. Deshalb ist sie ein kranker Körper. Wie kann sie sich selber auch in Frage stellen, wenn sie sich als von Gott geleitet sieht? Zitat: „Zur Einheit der weltweiten Christenversammlung trägt eine leitende Körperschaft aus geistgesalbten Christen bei. Sie veröffentlicht glaubensstärkende Publikationen in vielen Sprachen — geistige Speise, die sich auf Gottes Wort stützt. Deshalb stammt das, was gelehrt wird, nicht von Menschen, sondern von Jehova!“(Zitatende) Der Wachtturm, 15.09.2010, S.14, Abs. 8

Da kann man nur mehr fragen: Wenn die „geistige Speise“ und die Lehre von Jehova ist, wieso muss sie dann ständig korrigiert und durch „neues Licht“ ersetzt werden!?

Jakobus 3:10-11 (NWÜ) Aus demselben Mund kommen Segen und Fluch hervor. Es ist nicht richtig, meine Brüder, dass diese Dinge so weitergeschehen. Eine Quelle lässt doch nicht etwa aus derselben Öffnung das Süße und das Bittere hervorsprudeln?

Die Glieder der „leitenden Körperschaft“ oder des „treuen und verständigen Sklaven“ sind spirituell und geistig abgestumpft. Die dargebotene geistige Speise in den Zusammenkünften und Publikationen ist hohl und leer und entbehrt jeglicher spiritueller Erbauung. Wenn wir die Ansprachen und Anweisungen der Glieder der „leitenden Körperschaft“ hören und betrachten, so stellen wir so etwas wie “Spirituelles Alzheimer” fest.

Wir sehen dies ganz besonders dann, wenn sie vor ausgewählter Zuhörerschaft sprechen, wie bei der Jahreshauptversammlung oder bei der Abschlussfeier der Gilead-Absolventen, also vor Menschen, die die Verbindung zu unserem wirklichen Herrn, Jesus Christus, verloren haben. Diese Personen sind völlig auf die Launen und Manien der 7 Personen der „leitenden Körperschaft“ angewiesen. Sie sind abhängig von jenen, die Mauern um sich bauen und sich von der Bruderschaft verehren lassen.

Als „Organisation Gottes“ sind sie immer mehr der Planungswut verfallen. Ja, es ist nützlich gute Pläne zu machen, aber man sollte nicht der Versuchung verfallen, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan.

Diese Abhängigkeit führt dazu, dass sie ihre „Vorgesetzten“ hofieren und auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer ihrer Karrieresucht und ihres Opportunismus. Sie neigen dazu, Menschen zu verehren. Diejenigen, die diesen 7 Personen hingebungsvoll gehorschen im Vertrauen darauf, dass sie von Gottes Geist geleitet werden, leiden mit der Zeit an einer Art von existenzieller Schizophrenie. Existenzielle Schizophrenie ist die Krankheit jener, die sich gezwungen sehen, ein Doppelleben zu führen. Nur wem es unter diesen Umständen gelingt, den Schein zu bewahren, wird die Anerkennung seiner Führer und der darunter liegenden Führungsschicht behalten. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene geistige Leere. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Pionier-, Kreis- oder Missionarsdienst aufgegeben haben und nun bürokratische und organisatorische Aufgaben im Bethel oder in der Weltzentrale durchführen dürfen. Dadurch verlieren sie den Kontakt zur Realität und zu echten Freunden.

Nur persönliche Treue, eine stete unvermittelte verborgene Gemeinschaft mit dem Herrn, das eigene und gemeinsam mit lieben Brüdern getätigte Schöpfen aus dem Reichtum des Wortes Gottes, Klugheit und ausgeglichene Selbstreflexion, Bitten und Gebete, zeigen sich dann in echten Taten und echter Mitverbundenheit, auch in Zeiten persönlicher Fehltritte und Distanzgefühlen.

Citrone.001Der „böse Sklave“ schlägt dagegen die Brüder, belastet sie mit unnötigen Aufgaben und Forderungen und maßt sich Machtvollkommenheit an. Der „böse Sklave“ ist oberflächlich und nimmt seine tatsächliche Verantwortung, seinen Mitbrüdern beizustehen, nicht ernst. Der „böse Sklave“ pflegt keine tiefe Verbundenheit zu dem Willen des Herrn. Er legt viel Wert auf das Äußere und vernachlässigt den wohltuenden mitfühlenden Dienst an den Schafen Christi. Das Formale steht über allem. Der Dienst an seinem Mitbruder, an Jesu familiengleicher Gemeinde, steht nicht im Mittelpunkt.

Wenn wir alle, die Jesus lieben und sich um seine Gemeinde sorgen handeln wir als treue Knechte so wie Jesus Christus es uns in Matth. 24:45 vermitteln wollte. Dann brauchen wir keine Organisation, keine Körperschaft, …ganz im Gegenteil, die Organisation könnte dann, berücksichtigt man die Erfahrungen der geschlagenen Brüder, auch als böser Knecht interpretiert werden.

 

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Boas

Lieber Autor, Herzlichen Dank für die deutlichen Worte. So wie Du, sehe ich dieses Gleichnis auch nicht als prophetische Weissagung sondern als Hilfe, die Antwort Jesu auf die Frage von Petrus noch besser verständlich zu machen. Wenn man es genau nimmt, gibt es nicht nur zwei oder drei Sklaven. Sondern es gibt vier mögliche Handlungsweisen, eines Arbeiters. In diesem Fall muss ich der Übersetzung der Zeugen beipflichten. Treu und Verständig ist hier wohl eine treffende Übersetzung nach dem Sinn der Bibel. Treue hat etwas mit der Herzen eines Menschen zu tun. Erweist sich ein Mensch als Treu bzw. Gut oder… Weiterlesen »

Matthäus

Interessant ist wenn man die Frage ob wir einen sogenannten trvSk. brauchen, der uns anleitet oder Richtlinien bzw. Regeln vorschreibt wenn man einmal über diese Niederschrift nachdenkt: w98 15.3. S. 18 Wessen Sklave möchte man sein? „Wo der Geist Jehovas ist, da ist Freiheit“ (2. KORINTHER 3:17). 2 Als Gott hingegebene Diener sind Zeugen Jehovas verpflichtet, die Anweisung Jesu zu befolgen…. 4 ….. achten Jehovas Zeugen sorgfältig darauf, wie sie sich ausdrücken. Statt zu sagen: „Die Gesellschaft lehrt . . .“, verwenden viele Zeugen Jehovas Formulierungen wie: „In der Bibel heißt es . . .“ oder: „Gemäß meinem biblischen Verständnis . . .“ Dadurch weisen sie nachdrücklich auf die persönliche… Weiterlesen »

Pro-Ton-Typ

Alleine schon die einleitenden Worte sollten stutzig machen. “Ein weiteres gründliches Studium verbunden mit intensivem Nachsinnen unter Gebet…” Niemand mit wirklicher göttlicher Autorität wäre je auf die Idee gekommen, sich selbst mit derart einschmeichelnden, scheinbar vertrauenerweckenden Worten vorablegitimieren zu wollen. Kein Jesaja, kein Jeremia, kein Hesekiel hat das getan. Sie haben geradeheraus verkündet. “So spricht der Herr…” Hat Jesus wohl jemals Dinge gesagt wie etwa: “Also, ich habe noch mal gründlich nachgedacht und gebetet und gebetet, und jetzt hört mal, was dabei herausgekommen ist…”? Die LK aber tut das, und das allein sollte schon skeptisch machen. Sie sagt gewissermaßen: “Brüder,… Weiterlesen »

Boas

ZWISCHENFRAGE: Liebe Schwestern und Brüder. Jetzt habe ich den Wachturm vom 2013 durchgelesen, wie auch diese Seite hier. Im Wachturm wird nicht ein Fünkchen auf Lukas 12:48a eingegangen, der dritte Sklave, der als unverständigen bezeichnet wird, und der deshalb wenigere Schläge bekommt als der böse Sklave. Ich weis genau warum der LK der kalte Angstschweiß bei der bloßen Erwähnung dieses dritten Faktors auf der Stirn stehen muss. Beim WT-Studium Seite 24 hätte nur die Frage auftauchen müssen, welche WARNUNG die LK nun aus dem, zwar nicht bösen, aber unverständigen Sklaven ziehen sollte, und in wie weit sie dann weniger Schläge… Weiterlesen »

Anna

Lieber Autor, liebe Brüder und Schwestern, die anschauliche Zusammenstellung über die Lehr-/Verständnisänderungen habe ich mir ausgedruckt und werde dies ablegen. Du hast auch gut anhand der WTG-Literatur argumentiert was Götzendienst ist. Wenn ich an jw.org denke und die Zurschaustellung des angeblichen „Sklaven“ in jw.org.tv, wie sie sich medienwirksam in Szene setzen, das ist schlimm. Ob sich wohl der eine oder andere stille brave Mitleser Gedanken macht? Spirituelles Alzheimer, eine gute Bezeichnung. Meines Wissens hat Papst Franziskus diesen Begriff in seiner Weihnachtsbotschaft verwendet. Da ging es darum die Mängel in der katholischen Kirche aufzuzeigen. Bei der Organisation der Zeugen Jehovas ist… Weiterlesen »

Horst

Bester Nemo, bei aller Kritik und allen Zweifeln: Was ist eine Dämonenfratze ? M.E.handelt es sich daei um Erfindungen vor allen Dingen der Katholiken. Teufel mit Pferdefuss, mit Hörnern usw. Satan und die Dämonen sind ebenfalls “Engel des Lichts” gewesen, mit einer entsprechenden Gestalt. Hier schiessen wir über das Ziel hinaus .Warum auch immer sollten ZJ-Zeichner solche Zeichnungen verstecken – warum sollte der “Böse” sich als “Böser” und “Enstellter” darstellen? Das ist mir vollkommen unverständlich. Auch die Bibel spricht davon, dass der Widersacher als “Lichtgestalt” auftritt. Und nicht als “Dämonenfratze”. Das wäe doch eher primitiv und für Satan auch total… Weiterlesen »

Matthäus

Habe mir gerade die Ansprache von einem Glied der LK zur Frage warum der Sklave Nicht 1900 Jahre alt sein kann, angehört: https://tv.jw.org/#video/VODProgramsEvents/pub-jwbmw_201506_1_VIDEO Ein weiterer Beweis wie verwirrt diese Typen sind, von dem was Gottes Wort wirklich über geistige Speise sagt und wo die Quelle ist, dass dürfte der Vortragende nich nie gelesen haben – sollte er diesen Kommentar zugetragen bekommen dann lese er nur diese 2 Aussagen der Hl. Schrift: 1. joh. 2:26,27 …wir brauchen solche Lehrer wie er sich darstellt nicht! 1. Kor. 2:5, 13-16 …Unser Glaube gründet sich nicht auf Menschenweisheit, dieser Untreue Sklave hat unendliche viele… Weiterlesen »

Bienlein@Matthäus

Lieber Matthäus
Dieser Kurzvortrag zum Thema, ob es seit 1900 Jahren einen t.u.v. Sklaven gibt, ist ein gutes Beispiel für eine korrekte Antwort auf eine Frage die auf falschen Annahmen beruht.

Vielleicht hat hier jemand die Zeit, einen kurzen Kommentar dazu zu verfassen?

Gerd

Ich bin auch deiner Meinung, lieber Bruder Tommy, mit diesem Vorschlag: “…Vielleicht behalten wir Bruder Matthaeus im Auge …” das wird sicherlich gelingen, wenn wir die, in der Offenbarung empfohlene, “Augensalbe” verwenden. (Ironie aus!) In einem der von Matthäus genannten Vorträge – ich glaube von einem gewissen “Splane” – kam der zu der Frage: “Warum kam die LK von der Ansicht weg, dass nicht wie früher vermutet, es einen “treuen Sklaven” schon ab Pfingsten 33 gab”? Meine Antwort (mit sehr verhaltener Ironie): Weil ich es schon 1999 infrage stellte! Somit bin i c h der eigentliche Wahrheitsvermittler! 😉 Alles klar?… Weiterlesen »

O.W. Schade

JW.ORG:

“Tut euer Bestes, Jehovas Willen auszuführen, sagte Bruder Sanderson, dann werdet ihr nie enttäuscht sein.”

Franz Kafka:

“Wirklichen Fortschritt findet man meist dort, wo Menschen in einer bestimmten Situation beschließen, den Gehorsam zu verweigern.”

Wirklichen Fortschritt findet man bei der WTG nur sehr selten. Schließlich verweigern die vielen “NIE-Enttäuschten” ja auch nie den Gehorsam. Und somit bleibt alles beim alten. Außer mit einer Ausnahme: Die Zahl der “Nie-Enttäuschten” steigt sprunghaft an.

MfG
O.W.S.