Unser Leben und Dienst als Christ

Kommentar zum Brief des Paulus an Titus

Falls dir das Thema des Artikels als ehemaliger Zeuge Jehovas bekannt vorkommt, ja, es handelt sich um einen Artikel, der sich mit dem gleichnamigen Versammlungsformat der WTG befasst. Viele Jahrzehnte bildete der sogenannte „Königreichsdienst“ die Grundlage des Gottesdienstes – der Versammlungen – unter der Woche.

Seit einigen Jahren ist es das sogenannte Arbeitsheft “Unser Leben und Dienst als Christ“, in dem die WTG ihre Vorstellungen, bzgl. des Lebens eines Christen,  aufzeigt. Anhand des Titusbriefes werden wir jedoch feststellen, dass Paulus eine ganz andere Vorstellung vom Leben eines Christen hatte und dass das, was Jehovas Zeugen in ihrer „Leben- und Dienstzusammenkunft“ lernen, wenig mit dem Leben eines Christen zu tun hat.

Schon der Begriff „Arbeitsheft“ erinnert eher an ein Meeting eines gewinnorientierten Unternehmens, als an eine Christliche Gemeinde. Und tatsächlich wird in diesen Zusammenkünften, unter der Woche, der größte Teil der Zeit damit verwendet, zu zeigen, wie du als Christ die Effektivität deines Gottesdienstes, bzw. deines Predigtdienstes, steigern kannst.

Doch was in der Bibel, unter Dienst und Leben als Christ, wirklich gemeint ist, erklärte Paulus dem jungen Titus, als er ihn auf Kreta zurückließ, damit er die christliche Gemeinde weiter betreuen und aufbauen sollte. Schon in seiner Einführung betont Paulus, unter anderem, besonders das praktische Verhalten eines Christen im täglichen Leben, ein Verhalten, das der gesunden Lehre entsprechen soll, wir lesen:

„Gott hat mich dazu berufen, den Glauben der Menschen zu fördern, und sie in der Erkenntnis der Wahrheit voranzubringen und ihr Leben nach der unverfälschten Lehre ausrichten. Die älteren Männer sollten maßvoll, ehrbar und besonnen leben, gesund in ihrem Glauben, ihrer Liebe und ihrer Geduld. Die älteren Frauen forderte er auf, ein Leben zur Ehre Gottes zu führen und in allen Dingen mit gutem Beispiel vorangehen.

Ob Mann oder Frau, ob Alt oder Jung, sie alle erhielten ganz praktischen Rat darüber, was das Leben eines Christen ausmacht. Und auch Titus wurde ermahnt: Sei du selbst ihnen in jeder Hinsicht ein gutes Vorbild. Lehre Gottes Botschaft unverfälscht und mit Würde. Was immer du sagst, soll wahr und überzeugend sein. Nur so werden unsere Gegner beschämt.“

Ja, Paulus sprach in seinem Brief auch vom „Dienst für Gott“, vom Lehren der guten Botschaft. Sein Verständnis, bzgl. des Dienstes für Gott, unterscheidet sich jedoch gravierend von dem, was uns die WTG als Gottesdienst verkauft. Paulus sah seine Aufgabe darin, allen Menschen die rettende und befreiende Botschaft von Jesus Christus, unserem Retter, zu vermitteln. Viele Menschen sollten die Wahrheit über Christus noch erkennen, um so zu leben, wie es Gott gefällt, getragen von der Hoffnung auf das ewige Leben.

Doch wie wird in den Dienstzusammenkünften der WTG der Dienst für Gott definiert? Hier ist “Dienst” ein Oberbegriff der WTG-orientierten Aktionen, welcher irreführend als “Heiliger Dienst” bezeichnet wird.

Paulus ermahnte Titus: „Lehre Gottes Botschaft unverfälscht und mit Würde und Überzeugung.“ Die WTG deutet diese Ermahnung als Aufforderung für den Predigtdienst. Wie der Kontext aber zeigt, sprach Paulus hier vom Lehren vor der Gemeinde, nicht vom Haus- zu Hausdienst, im Sinne der WTG. Im Haus- zu Hausdienst der WTG geht es weniger um die gute Botschaft, wie sie Paulus predigte, sondern um Glauben an Jehova und seine Organisation, Zitat, wt-studienausgabe-oktober-2020:

„Was müssen getaufte Christen weiterhin tun? BIST du getauft? Wenn ja, hast du öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass du an Jehova glaubst und ihm zusammen mit seiner Organisation dienen willst. Dein Glaube muss natürlich weiter wachsen. Und du musst deine Überzeugung stärken, dass Jehova seine Organisation heute gebraucht.“

“Dienst für Gott” bedeutet, zu predigen und zwar eine Botschaft, in der Jehova und seine Organisation im Mittelpunkt stehen und die nichts mit der guten und befreienden Botschaft über den Christus zu tun hat. Das gesamte Programm der „Leben- und Dienstzusammenkunft“ dreht sich um Jehova und seine Organisation. Als Zeuge Jehovas sollst du deine Überzeugung stärken, dass Jehova seine Organisation heute gebraucht.

Der Apostel Paulus dagegen erwähnte nicht Jehova und seine Organisation, als Mittelpunkt seines heiligen Dienstes, sondern vielmehr die Botschaft über den Sohn Gottes, als er schrieb:

„Gott, dem ich mit meinem Geist in Verbindung mit der guten Botschaft über seinen Sohn heiligen Dienst darbringe, ist mein Zeuge davon, wie ich euch unaufhörlich in meinen Gebeten stets erwähne.“ (Römer 1:9)

Der Fehler, der auf sich selbst bezogenen WTG- Falschauslegungen, besteht darin, dass die, von ihr betonten und als “Gottesdienst” dargestellten Aktivitäten, der Förderung ihrer eigenen organisatorischen Interessen dienen und nicht als Dienst am wahren Gott, bzw. als ein Stehen in der Nachfolge Christi, betrachtet werden können. In seinem Brief an Titus geht es Paulus vorrangig um die „Erkenntnis der Wahrheit über den Christus“. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Botschaft über den Christus in den Dienstzusammenkünften oder Predigtdiensttreffpunkten je ein Thema war.

Das Ziel des Titusbriefes

Der Titusbrief ist ein relativ kurzer Brief. Martin Luther schrieb in seiner Vorrede zu diesem Brief:

„Dies ist eine kurze Epistel, aber ein Ausbund christlicher Lehre, darin allerlei so meisterlich verfasst ist, das einem Christen not ist zu wissen und zu leben“.

Auch Martin Luther erkannte schon den Wert des Titusbriefes darin, dass dieser Brief eine Beschreibung dessen ist, was das Leben eines Christen auszeichnet. Der  Brief von Paulus hat das Ziel, die Gläubigen zu einer besseren Erkenntnis der Wahrheit zu führen. (Tit 1,1–3) Diese Erkenntnis der Wahrheit zeigt sich auch in einer Lebensführung, die Gott verherrlicht.

Paulus schreibt über die Lehre und wie diese sich im täglichen Leben zeigt. Es geht ihm nicht nur um das konkrete christliche Verhalten, unter Berücksichtigung der Älteren und Jüngeren, der Frauen und Männer, sowie der Knechte, sondern auch darüber hinaus um die richtige Einstellung eines Christen, gegenüber dem Staat und ungläubigen Mitmenschen. Ein Christ soll sich durch gute Werke, die über den sogenannten Predigtdienst hinausgehen, auszeichnen. Die vielen praktischen Hinweise sind eingebettet in eindrucksvolle und belehrende Ausführungen über Gottes Rettungsplan, in Verbindung mit Christus. Diese Wahrheit über Christus ist Grundlage für das praktische Leben des Christen.

Titus und seine Rolle im Neuen Testament

In der Auseinandersetzung, über die Bedeutung des Gesetzes für die Gläubigen aus den Heiden (Nationen), spielt Titus eine wichtige Rolle. Es waren falsche Brüder unterwegs, die versuchten, den Gläubigen aus den Nationen das jüdische Gesetz aufzuerlegen und sie zu zwingen, sich beschneiden zu lassen.

Die falschen Lehrer kamen u.a. nach Antiochien – in die Heimat von Paulus und Titus – und sorgten dort für Unruhe. Daraufhin wurde festgelegt, dass Paulus und Barnabas nach Jerusalem reisen sollten, um diese Streitfrage zu klären. (Apg 15.1.2) Sie nahmen Titus mit. (Gal 2,1) Seine Anwesenheit wurde zu einem Präzedenzfall, denn Titus wurde am Ende, „obwohl er ein Grieche war, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen“. (Gal 1,3)

Dieses Ereignis wird von der WTG als Beweis für die Existenz einer damaligen „leitenden Körperschaft mit Sitz in Jerusalem” ausgeschlachtet, in deren Nachfolge sie sich sehen. Die tatsächlichen Umstände belegen aber, dass es nicht eine „leitende Körperschaft“, bestehend aus einer Gruppe von Männern, war, die die Entscheidung traf, sondern die gesamten Mitgliederschaft der Gemeinde in Jerusalem schloss sich der Entscheidung, die schon in Antiochia, sozusagen durch den Heiligen Geist entschieden war, an. Apostelgeschichte 15

Die Botschaft des Briefes 

In allen drei Briefen ist das wichtige Kernthema: die Bewahrung der gesunden Lehre und die Ordnung im Haus Gottes und was das Leben eines Christen ausmacht.  Lehre und Praxis gehören untrennbar zusammen. Gleich im ersten Vers spricht Paulus von der „Wahrheit, nach der Menschen leben sollen, wie es Gott gefällt”.

Der besondere Auftrag von Timotheus bestand darin, die Lehre aufrechtzuerhalten, dies wird von Paulus speziell betont. Es folgen dann konkrete Hinweise, für das praktische Verhalten im Haus Gottes. Paulus warnte zwar vor bösen Lehrern und Lehren, aber diese stehen in diesem Brief nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die Bedrohung durch ein falsches Verhalten.

Wenn wir versuchen würden, einen christlichen Lebenswandel zu führen, ohne dass dieser von der biblische Lehre unterstützt wird, würden wir sehr schnell aus dem geistlichen Gleichgewicht geraten. Paulus setzt beide Seiten, Wahrheit und Lebenspraxis, ins richtige Verhältnis zueinander.

Der Brief ist überwiegend ein praktischer, mit vielen Hinweisen, die nicht schwierig zu verstehen sind. In jedem der drei Kapitel gibt es einen Abschnitt, in dem die „gesunde Lehre“ vorgestellt wird. Der Inhalt dieser Lehre ist Christus selbst. Und in jedem Abschnitt ist die „gesunde Lehre“ unmittelbar mit der Praxis verbunden. Unser Verhalten und unsere Werke können ein Zeugnis für unseren Herrn Jesus Christus sein.

Anforderungen für Gemeindeleiter 

Gleich am Anfang seines Briefes geht Paulus auf den Zweck seines Briefes an Titus ein. Titus wurde auf Kreta zurückgelassen, damit er die Arbeit zu Ende bringen sollte, die sie begonnen hatten. Vor allem sollte er geeignete Männer, als Leiter der Gemeinden, einsetzen. (Titus 1:5)

Paulus erteilte demnach, unabhängig von einer sogenannten leitenden Körperschaft mit Sitz in Jerusalem (gemäß WTG-Lehre), den Auftrag, Älteste einzusetzen. Er, Titus, konnte und sollte beurteilen, wer den Anforderungen entsprechen würde:

Männer, die ein vorbildliches Leben führen, ihrer Frau die Treue halten und ihre Kinder christlich erziehen. Wer eine Gemeinde leitet, darf mit seinem Leben keinen Anlass zur Klage geben, denn er trägt die Verantwortung für die Gemeinde Gottes. Er darf weder überheblich, noch jähzornig sein, kein Trinker, er muss ehrlich seinen Lebensunterhalt verdienen und sich nicht durch Unehrlichkeit bereichern. Außerdem muss er sich an die zuverlässige Botschaft Gottes halten, so wie sie ihm gelehrt worden ist. Denn nur so kann er die Gemeinde im Glauben festigen und die Gegner von ihrem Irrweg abbringen.

Diese Anforderungen werden vordergründig auch von der WTG als Maßstab für Älteste herangezogen. Meine Erfahrung als Ältester, der oft beurteilen sollte, ob ein Kandidat auch als Ältester geeignet ist, war jedoch eine andere. Ausschlaggebend,  für eine Ernennung zum Ältesten, war oft genug einzig und alleine sein Zeiteinsatz im Predigtdienst. Hatte ein junger Mann einen überdurchschnittlichen Bericht an Zeiteinsatz für den Predigtdienst vorzuweisen oder war er sogar Pionier, dann wurde er zum Ältesten ernannt, egal, was für eine menschlich und charakterlich fragwürdige Person er war. Solange er die, von Paulus erwähnten Anforderungen, einigermaßen erfüllte, war er so gut wie ernannt. Ein Mann dagegen, der den Anforderungen wirklich entsprach, aber keinen Berichtszettel, wie man es erwartete, vorweisen konnte, wurde garantiert kein Ältester.

Die Aufforderung keine Irrlehren zu dulden!

Es gab zur Zeit des Paulus viele, die als Schwätzer und Verführer versuchten, ganze Familien vom rechten Glauben abzubringen, besonders unter getauften Juden. Man musste ihnen unbedingt den Mund verbieten, so Paulus, denn sie verbreiteten ihre falschen Lehren und wollen sich mit dieser auch noch bereichern!

Worum ging es bei diesen “falschen Lehren”? Es ging nicht um theologische Streitfragen und bestimmte Bibelauslegungen einer “leitenden Körperschaft” in Jerusalem, nein, es ging um die Grundlage der christlichen Lehre, um die Person Jesus Christus. Diese getauften Judenchristen versuchten, den Kern der christlichen Lehre – Rettung durch Gnade und Glauben – durch das Beharren auf die Einhaltung jüdischer Gesetze und Rituale, zu verderben. Diese Christen aus dem Judentum sollten endlich mit dem Nachforschen in jüdischen Legenden aufhören und sich nicht weiter mit den jüdischen Vorschriften abgeben.

Die WTG wird nicht müde, diese Verse auf die sogenannten Abtrünnigen anzuwenden, die sich von dem, mit jüdischen Traditionen und Grundsätzen durchdrungenen Organisationsgedöns, abwenden. Denn in Wirklichkeit ist es die WTG, die der Tradition jüdischer Fanatiker folgt, die sich damals als Christen verstanden, aber vom dem, was Christus lehrte, weit entfernt waren. Wie weit die WTG bereits von Christus entfernt ist, zeigt der anfangs schon zitierte Artikel aus wt-studienausgabe-oktober-2020 , Zitat:

„BIST du getauft, dann musst du deine Überzeugung stärken, dass Jehova heute eine Organisation gebraucht.“

Die christliche Taufe wird von der WTG eiskalt für ihre Organisationspropaganda missbraucht und umfunktioniert. Wie einige Judenchristen damals behaupten sie, um gerettet zu werden, musst du dich an die Gebote Jehovas halten, so wie sie von seiner heutigen Organisation ausgelegt werden. Doch damals, wie heute, gilt: Der Inhalt der christlichen Lehre ist Christus selbst, nicht eine Organisation, und so ist die Taufe ein Symbol der Reue und Anerkennung Christi und nicht eine Anerkennung einer Organisation.

In jedem Abschnitt dieses Artikels, aus der wt-studienausgabe-oktober-2020, wird der „gesunden Lehre Christi”  widersprochen, sowie in den Arbeitsblättern der Leben- und Dienstzusammenkunft der WTG. So wie die Judenchristen damals, versucht die WTG die Menschen unter das Joch ihres Leistungsevangeliums zu zwängen. Wie treffend sind doch die Worte von Paulus an Titus 1:16:

„Sie beteuern, Gott zu kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn; ein Gräuel sind sie und ungehorsam und zu allem guten Werk untüchtig. Aus diesem Grund weise sie scharf zurecht, damit sie gesund werden im Glauben.“ 

Der Christ in Staat und Gesellschaft

In seinem Brief an Titus kommt Paulus auch auf das Leben und Verhalten eines Christen, der Gesellschaft und dem Staat gegenüber, zu sprechen. Erstaunlich, dass Paulus, im Gegensatz zur WTG, einen äußerst positiven Standpunkt einnimmt, was das Verhältnis Christ – Staat und Dienst für den Staat und das Gemeinwohl betrifft. Jehovas Zeugen werden zwar ermahnt, die Gesetze des Staates zu befolgen,  solange sie dem Gesetz Gottes nicht widersprechen, aber eine aktive Unterstützung und staatliche Aufgaben für das Gemeinwohl werden nicht nur nicht gefördert, sondern auch gezielt abgelehnt.

Dabei stützen sie sich, bezüglich ihres Verhältnisses zum Staat, hauptsächlich auf den Römerbrief Kapitel 13. Wer diesen Brief jedoch genau liest, stellt fest, dass Paulus dort einen klaren Maßstab für die Rechtmäßigkeit einer staatlichen Ordnung gibt. Denn diese ist dazu da, das Gute zu fördern und dem Bösen zu wehren. Und ohne dass Paulus das ausdrücklich sagt, bleibt klar: Gut ist, nach Gottes Willen, nicht das, was dem Staat oder dem Regime nützt, sondern das, was dem Leben und Wohl des Menschen dient.

In seinem Brief an Titus spricht Paulus sich dafür aus, ein “Ja” zum Staat praktisch auszuleben. Dazu gehört auch, als Christ, in Verbindung mit dem Staat, dem Gemeinwohl zu dienen.

In einem demokratischen Staat bedeutet das “Ja” zum Staat aber nicht, alles hinzunehmen, was von oben verordnet ist, sondern in Verantwortung vor Gott sich dafür einzusetzen, dass in der Gesellschaft das Gute, das, was Menschen hilft und ihnen gerecht wird, gefördert wird.

Ein Christ muss Gott mehr gehorchen und zwar nicht nur dann, wenn es um ein Predigtdienstverbot geht, wie es die WTG betont, sondern auch, wenn es um das Wohl von Menschen geht, also auch dann, wenn etwas geschieht, was Leben zerstört und Menschen erniedrigt und ausgrenzt. Bezugnehmend auf seine Worte aus Römer 13 ermahnte Paulus in Titus 3:1: 

„Erinnere sie daran, dass sie sich den Regierenden und staatlichen Behörden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und sich tatkräftig für das Gemeinwohl einsetzen.“ HFA 

Sich für das Gemeinwohl einsetzen, hört sich in den Ohren eines Zeugen Jehovas befremdlich an. Arbeit für das Gemeinwohl wird ihm vom „treuen und verständigen Sklaven“ als Zeitverschwendung verkauft. Einsatz für den Predigtdienst hat für ihn die wichtigste Tätigkeit zu sein. In der hauseigenen NWÜ wird deshalb allgemein auch nur von guten Taten gesprochen und nicht vom Einsatz für das Gemeinwohl. Zugegeben, auch andere Übersetzungen sprechen von: „jederzeit bereit sein, Gutes zu tun“ und ja, die Hfa ist eine sogenannte freie Übersetzung, die mehr Wert auf den Sinn eines Textes legt, als auf eine wörtliche Übersetzung. Und so handelt es sich hier um eine freie Übersetzung, die aber im Kontext gesehen durchaus zulässig ist.

In Titus 3 geht es Paulus um das Verhältnis eines Christen zum Staat und der Gesellschaft. 

Christen sollten nicht nur passiv sich den Regierenden und staatlichen Behörden unterordnen und die Gesetze des Staates befolgen, sondern auch jederzeit bereit sein, in staatlichen Einrichtungen mitzuwirken, zum Nutzen der Allgemeinheit und im Sinne der guten Botschaft. In dem Arbeitsblatt der sogenannten Leben- und Dienstzusammenkunft wird dieser Dienst als Christ nie angesprochen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Botschaft des Titusbriefes von der WTG nicht nur nicht umgesetzt, sondern auch abgelehnt wird. Das Arbeitsheft der  „Leben- und Dienstzusammenkunft“ entspricht kaum dem, was Paulus an Titus als Dienst- und Lebensauftrag für einen Christen festlegte. Das Leben eines Gläubigen soll am Leben und Wirken Christi ausgerichtet sein, um als Visitenkarte für die Wahrheit zu dienen. Es soll eine Empfehlung für die Menschen sein, Gott über Christus kennenzulernen.

In Titus 2:14 spricht Paulus von Christus Jesus, als Vorbild für uns, der sich selbst für uns hingegeben hat, damit wir als sein Eigentumsvolk ebenfalls eifrig bereit sind für “ein jedes gute Werken“, was weitaus mehr bedeutet, als regelmäßiger Predigtdienst und Versammlungsbesuch.

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Arbeitsheft, nicht Arbeitsblatt

Guten Abend Erni Wie der Kontext aber zeigt, sprach Paulus hier vom Lehren vor der Gemeinde, nicht vom Haus- zu Hausdienst, ….. Paulus hatte stets das Lehren und das Ermahnen in der Gemeinde selber übernommen. Ihm haben die Brüder vertraut. Auf ihn haben die Brüder gehört. Selbstverständlich schließt das die Vorbildfunktion jedes Bruders mit ein. Aber daraus zu schließen, dass sie nicht von Haus zu Haus gegangen und auch nicht auf öffentlichen Plätzen gelehrt haben, geht doch weit an der Realität vorbei. Es wird davon berichtet, dass die Gemeinden wuchsen, was in der kurzen Zeit nicht durch Geburt, sondern nur… Weiterlesen »

Ihr Lieben, alles, ja wirklich ALLES i. V. mit der Bibel und dem echt biblischen, NT-basierten Christentum wird von der WTG beaufschlagt, usurpiert, verdreht, vergewaltigt und ihren Organisationsinteressen unterjocht und zweckdienlich hingebogen, dass einem die Augen tränen. Sei es die Taufe (hierzu siehe den gleichnamigen Eintrag im Glossar), oder das Gebet, betreffs dessen sich mir bei folgender Auslassung die Haare zu Berge stellten: w20 Mai S. 28 Abs. 9 Dankbar für Schätze, die man nicht sieht *** “Je länger wir Jehova dienen und erleben, wie er unsere Gebete erhört, desto tiefer sollte unsere Wertschätzung für das Gebet sein. (So weit… Weiterlesen »

Die Frohe Botschaft der ersten Christen hat ein Thema und eigentlich nur ein einziges: Jesus. Wenn sie über ihn sprachen, geschah es, weil es direkt aus ihnen hervorsprudelte. Das war für sie keine Anstrengung und Last, wie aber der “Predigtdienst” von der Mehrheit der Zeugen Jehovas empfunden wird. Die systematische Tür-zu-Tür- bzw. Haus-zu-Haus-Methode nach JW.Org-Manier als Verpflichtung für jeden Christen findet sich so nicht in der Bibel. Freilich behielten Christen ihr Glück nicht für sich: sie gebrauchten ihren Mund. Zudem gab es ausgewählte Missionare, verordnete Evangelisten und ausgesandte Boten der Gemeinden. Zu der Frage Evangelisationsmethode sei aus der TELOS Wissenschaftlichen… Weiterlesen »

Last edited 1 Jahr zuvor by www.Christusbekenner.de

Werter Autor “Ernie,
neben vielen anderen guten Gedanken aus Deiner fundierten Darlegung ergab sich für mich eine wertvolle Erkenntnis: Ein Dienst an der Gemeinschaft im Sinne “guter Werke” bzw. “guten Werkens” ist im Sinne Jesu. Tausende ehrenamtlich Tätiger kümmern sich unentgeltlich um Notleidende und Hungernde auf dieser Welt, und der Gedanke, dass sie dies im Sinn der christlichen Nächstenliebe tun und sicher nicht ohne Lohn bleiben werden, ist für mich sehr tröstlich…
Danke Ernie.
Gruss Horst.

Dazu passend eine Meldung der britischen Presse (auf Englisch) die stellvertretend für die zahlreichen schrecklichen Geschehnisse steht:
https://www.google.at/amp/s/www.walesonline.co.uk/news/wales-news/jehovahs-witness-elder-abused-young-15384531.amp

Im neuen Amtsblatt der WTG als Körperschaft d. ö. Rechts vom Februar 2020 schreiben die, dass der Predigtdienst eigenverantwortliches nicht der Religionsgemeinschaft zurechenbares Handeln ist. Trotzdem fordern sie immer noch die Berichte ein. Welch eine Heuchelei. Seit letzter Woche sind die Pioniere von ihren Stunden befreit. Wie großzügig.
Nur zur Info.
Liebe Grüße Kämpferin

Ein Opfer der Zeugen Jehovas

Am 29.11.2004, 11:30 fand die Verhandlung im Rechtsstreit um die Nutzung des Domain-Namens zeugen-jehovas.info durch den Journalist und Publizist Walter Egon Glöckel statt. Die Unterlassungsklage dazu wurde von den oben angeführten Klägern eingebracht. Der Bestrafungsantrag wurde, wie bereits berichtet, mit 250.000€ oder 6 Monaten Freiheitsstrafe so hoch angesetzt, sodass das Landgericht Koblenz zuständig ist.

Der legitime Umkehrschluss: alle Inhalte wurden voll inhaltlich bestätigt

https://www.sektenausstieg.net/sekten/28-zeugen-jehovas/staat/prozesse/4430-walter-egon-gloeckel-zeugen-jehovas-info
 
Der Gloeckel
http://www.dergloeckel.eu/index-zeugen-jehovas/
 
DIE METHODIK DER DÄMONEN DER ZEUGEN JEHOVAS
https://www.gloeckel.info/die-methodik-der-daemonen-der-zeugen-jehovas/

Man wird sehen, was sie sich in Sachen IICSA-Anhörung einfallen lassen.

Bitte nicht darauf antworten!

Ede

Hier ein englischer Bericht im Radio
UK Jehovas Zeugen und IICSA-Untersuchung zu sexuellem Missbrauch von Kindern – BBC Radio 4’s Sonntagsprogramm – JW.org
auf englisch, deutsch automatische Übersetzung per Untertitel
https://youtu.be/LIX1eTtt9Nc
deutsch müsste ich aufzeichnen.
LG RoKo

Last edited 1 Jahr zuvor by RoKo
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