„Sei überzeugt, dass du die Wahrheit hast“

So lautet das Thema des Wachtturmstudienartikels Nr. 28, vom Juli 2020. Ich weiß nicht, was ihr bei diesen Titel empfindet, für mich klingt er, als wollte man sagen: „Bleibe bei dem, wozu man dich überzeugt hat, und hinterfrage deine Überzeugung nicht.” Und tatsächlich, gemäß 2. Tim.3:14, scheint Paulus auch dazu aufgefordert zu haben, denn wir lesen in der NWÜ:

„Bleibe bei dem, was du gelernt hast und zu glauben überzeugt worden bist.

Grundsätzlich und besonders, wenn mir etwas verdächtig erscheint, vergleiche ich die aus der NWÜ zitierten Texte mit anderen Bibelübersetzungen, und regelmäßig muss ich feststellen, dass die Übersetzer der NWÜ geschickt gewisse Begriffe und Worte verwenden, die zwar nicht unbedingt falsch sind, sich aber besser in das Lehrgebäude der WTG einfügen. Und so sei schon vorab bemerkt, dass in diesem Artikel Jehovas Zeugen dazu aufgefordert werden, weiterhin an der Summe der Wahrheiten festzuhalten, die ihnen ihre „Bibellehrer“ als „Wahrheiten“ vermittelt haben.

Lesen wir die Worte des Apostel Paulus z. B. in der Schlachterübersetzung dann klingen diese doch sehr viel differenzierter:

„Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, … und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.“ 2. Tim.3:14 

Es ging dem Apostel Paulus nicht um Gewissheit in bestimmten Lehrpunkten, sondern um die Gewissheit, im und durch den Namen Jesu gerettet zu werden. Der Begriff „Gewissheit“ steht in enger Verbindung mit dem Begriff „Hoffnung“. Daher führt der Artikel: „Sei überzeugt, dass du die Wahrheit hast“ den Leser bewusst in die Irre“. Es geht in 2. Tim. 3:14 nicht um Überzeugungen und Meinungen, sondern um Gewissheit, Glaube und Hoffnung.

Jeder Mensch vertritt Überzeugungen – eine Meinung zu einem Thema oder persönlichen Glaubensüberzeugungen. Ich möchte hier bewusst darauf verzichten, Beispiele der unzähligen individuellen Glaubensüberzeugungen anzuführen, doch sollten wir immer bedenken: Unsere Überzeugungen müssen nicht wahr sein, sie können sich als falsch erweisen.

Von daher ist die Aufforderun:g „Sei überzeugt, dass du die Wahrheit hast“ eine Aufforderung, unter Umständen auch an einer Lüge festzuhalten. Bei einer Überzeugung kann es sich auch nur um persönliche Ansichten handeln, die vollkommen absurd und für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. Hinzu kommt, dass es oft schwer ist, sich von eigenen Überzeugungen zu lösen und dies von außen kaum abänderbar ist.

Wie entstehen Überzeugungen?

Überzeugungen sind nicht einfach da, sie entwickeln und festigen sich erst im Laufe der Zeit. Viele unserer Glaubensüberzeugungen übernehmen wir von wichtigen Bezugspersonen, wie z. B. von Eltern und Lehrern. So bilden Kinder ihre ersten eigenen Überzeugungen auf Grundlage dessen, was ihre Eltern als richtig oder falsch erachten. Diese Tatsache hat auch die WTG erkannt, deshalb fordert sie ihre Anhänger intensiv dazu auf, ihre Kinder anhand ihrer Druckerzeugnisse, im Sinne der WTG-Lehre zu erziehen.

Aber wenn auch vieles von dem, was die WTG lehrt richtig und moralisch sinnvoll erscheint, so ist hier doch Vorsicht geboten, da die Eltern von der WTG benutzt werden, ihre Kinder gezielt auf einen bestimmten Lebensweg zu führen. Der Begriff „Wahrheit“ wird durch eine Religionsorganisation beeinflusst und geprägt. Und so wird auch gleich im Abs 1. dieses Artikels definiert, was der Leser unter dem Begriff „Wahrheit“ zu verstehen hat, Zitat:

„Was meinen wir mit dem Begriff „die Wahrheit“? In der Regel beschreiben wir damit, was wir glauben, wie wir Gott anbeten und wie wir leben. Wer „in der Wahrheit“ ist, kennt die Lehren der Bibel und lebt nach ihren Grundsätzen. Er ist von religiösen Irrlehren befreit und führt das beste Leben, das man als unvollkommener Mensch führen kann (Joh. 8:32).“ 

Als Beleg für diese Erklärung zitiert man die Worte Jesu aus Johannes 8:32: „ … und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen.“ Die WTG reduziert diese Worte Jesu immer auf bestimmte Lehren der Bibel, obwohl klar ist, dass Jesus nicht von Wahrheit, im Sinne von “Richtig” oder “Falsch” sprach.

Was ist Wahrheit?

Diese rhetorische Frage richtete Pilatus an Jesus, nachdem dieser gesagt hatte, dass jeder, der aus der Wahrheit ist, seine – Jesu Stimme – hört. Die Antwort Jesu kennen wir:

Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! Wenn ihr mich erkannt hättet, so hättet ihr auch meinen Vater erkannt.“ Johannes 14:6

Wer mit Jehovas Zeugen Kontakt aufnimmt, wird feststellen, dass sie auf der Suche nach der Wahrheit die Bibel nach allen Regeln der Kunst, anhand bibelerklärender Schriften der WTG, „studieren“ und glauben die Wahrheit gefunden zu haben. Aber ist das die Wahrheit, die Jesus meinte und die wir erkennen sollten, um den Weg zu Gott zu finden? Nein, wir sollten Gott und Christus „erkennen“ denn: ” … wer mich erkannt hat”, so Jesus, “hat auch den Vater erkannt”. Dieses Erkennen, im Sinne von einem Anerkennen Jesu, als den verheißenen Sohn Gottes, ist die Wahrheit, die freimacht. Es geht nicht um Befreiung von falschen Lehren, sondern um Befreiung von Sünde und Tod. Den damaligen Schriftgelehrten warf Jesus vor:

„Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, in ihr das ewige Leben zu finden, doch sie spricht ja gerade von mir“. Johannes 5:39

Ja, auch sie durchforschten die Schriften, erkannten aber nicht, dass er – Jesus – der Weg zur Wahrheit und das Leben war, von dem die Schriften sprachen. Ihr intensives Studium der Schriften führte bei ihnen leider nicht dazu, dass sie Christus, als die Wahrheit, erkannten. Die Wahrheit, von der dieser Wachtturmartikel spricht, gibt es für den natürlichen Menschen nicht. Ja, es gibt ganz sicher die absolute Wahrheit, aber von dieser Wahrheit sind wir unendlich weit entfernt. Insoweit hat jeder seine eigene Wahrheit, die sich aus der Sicht durch die Brille seiner persönlichen Eigenheiten ergibt.

Im Abs. 2 wird gefragt: „Was hat dich an der Wahrheit zuerst angesprochen?“ Die angeführten Vermutungen werden diesem Thema aber nicht gerecht, wenn orakelt wird: 

„War es der gute Lebenswandel (von Jehovas Zeugen)? Oder ihre Liebe zueinander? Viele spürten diese Liebe, als sie das erste Mal eine Zusammenkunft besuchten, und sie hinterließ einen dauerhafteren Eindruck, als das, was auf der Bühne gesagt wurde. Das überrascht nicht, denn wie Jesus erklärte, würde man seine Jünger an ihrer Liebe zueinander erkennen. Für einen starken Glauben ist jedoch mehr nötig.“

Hier wird suggeriert, Jehovas Zeugen hätten die „Wahrheit“, weil sie sich durch ihren guten Lebenswandel und ihre Liebe zueinander von anderen unterscheiden würden. Ich wage das ernsthaft zu bezweifeln. Wenn jemand zum ersten Mal einen Königreichssaal besucht, mag er zwar das Gefühl haben, dass die Leute dort gut miteinander auszukommen, das ist aber nichts besonderes, das kann man in anderen Vereinen auch beobachten. Aber sicher ist: Dieses “Love-Bombing”, mit dem Interessierte bombardiert werden, verfehlt nicht seine Wirkung. Wenn der Neuling irgendwann kein Neuling mehr ist, sondern integriert ist, dann hört dieses “Love-Bombing” plötzlich auf, besonders wenn es sich zeigen sollte, dass der Neue nicht den erhofften Anforderungen gerecht wird.

Und so bemüht man sich, in diesem Artikel auch sofort darauf hinzuweisen, dass der Glaube nicht nur auf Gefühlen beruhen sollte, denn es könnte doch passieren, dass jemand eine schwere Sünde begeht oder abtrünnig wird und dich enttäuscht. So etwas könnte dich zu Fall bringen, so dass du Jehova nicht mehr dienst. Natürlich: Unser Glaube darf nicht vom Verhalten anderer Brüder abhängig sein. Tatsächlich aber werden Jehovas Zeugen ständig ermuntert, das positive Verhalten anderer nachzuahmen und sich mit positiven Vorbildern zu vergleichen.

Weiter wird gesagt, dass das Glaubenshaus eines Zeugen nicht zu sehr auf Gefühle und Emotionen gebaut sein sollte, sondern auf solide Fakten und logischen Argumente. Zitat:  “Du musst dich davon überzeugen, dass die Bibel die Wahrheit über Jehova enthält (Röm. 12:2).”

Im Laufe des Artikels wird immer offensichtlicher, was die WTG unter „Wahrheit“ versteht. Im Abs. 6 erfährt man, dass die Jünger Jesu ihren Glauben auf ihre Kenntnis der heiligen Schriften aufbauten. Ihr Glaube beruhte auf der „genauen Erkenntnis Gottes“.

Wie bereits erwähnt, reduziert die WTG den Begriff „Wahrheit“ auf einzelne Lehrfragen, Bibelauslegungen und auf ein genaues Verständnis der Bibel. Tatsächlich aber hat die Wahrheit für einen Zeugen Jehovas das zu sein, was die WTG in ihren Schriften lehrt. Und diese Wahrheit muss von jedem akzeptiert werden. Zitat aus dem Wachtturm 15. September 1993, S. 22:

„Es besteht kein Zweifel, dass wir alle zum Verständnis der Bibel Hilfe brauchen. Wir können die notwendige biblische Anleitung nicht außerhalb der Organisation des „treuen und verständigen Sklaven“ finden.“

Oder Wachtturm 15. Mai 1983, S. 12:

„Ebenso gebraucht Jehova auch heute nur eine Organisation, um seinen Willen auszuführen. Wir müssen diese Organisation erkennen und in Gemeinschaft mit ihr Gott dienen, wenn wir ewiges Leben erlangen wollen.“

Die drei Grundwahrheiten der WTG

Erstaunlich, aber auch verräterisch ist, welche drei Grundwahrheiten im Abs. 9 dieses Artikels angeboten werden, von denen du als Christ überzeugt sein solltest, Zitat:

Erstens: Jehova Gott alles erschaffen.

Zweitens: Die Bibel enthält Gottes Botschaft an die Menschen.

Drittens: Jehovas Zeugen sind Gottes organisiertes Volk, das ihn, unter der Führung Jesu, anbetet.

Hoppla, das sollen die drei Grundwahrheiten sein? Wurde nicht ein paar Absätze vorher gesagt, die Wahrheit umfasse die Gesamtheit christlicher Lehren, einschließlich der Fakten über Jesu Loskaufopfer und Auferstehung? Tatsächlich war das für den Apostel Paulus die absolute Grundwahrheit. Wo bleibt Jesus Christus in dieser Aufzählung der drei  Grundwahrheiten? Für einen Christen gibt es eigentlich nur eine Grundwahrheit und das ist Jesus Christus. Erstaunlich, dass Jesus Christus in dieser Aufzählung nur in einem Nebensatz, als Teil der Organisation Gottes, erwähnt wird.

Paulus, als Beispiel für das Lehren

Obwohl man im Abs. 11 darauf hinweist, dass Paulus versuchte, die Menschen anhand der Propheten, von Jesu Identität zu überzeugen, also Jesus im Mittelpunkt seiner Missionsarbeit stand, lenkt man von eben diesem ab, um den Focus wieder auf Jehova zu lenken, Zitat Abs. 11:

„Wie können wir uns beim Lehren an Paulus ein Beispiel nehmen? Vermitteln wir Bibelschülern nicht nur Fakten. Helfen wir ihnen, mit der Bibel die richtigen Schlüsse zu ziehen, um Jehova näher zu kommen, … die Wahrheit über unseren liebevollen Gott Jehova.“

Irgendwie schaffen es die WTG-Autoren immer wieder, Jesus beiseitezuschieben. Wenn Christen von “Wahrheit” und dem “Wort Gottes” sprechen, meinen sie Jesus  Christus. Er ist das “Wort Gottes”, doch Jehovas Zeugen haben es, aufgrund der Belehrung durch die WTG, verlernt, auf Christus zu blicken. Christus ist die Wahrheit, die uns freimacht. Christus ist die Bewegung Gottes, von oben nach unten, Christus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes. Joh. 1:14. Er sollte als das “Wort Gottes” nicht darauf reduziert werden „Teil der Organisation Jehovas” oder “Vorbild für unser Leben“, zu sein, sondern er ist jemand, der von sich sagen durfte: „Ich bin die Wahrheit, wer mich sieht, sieht Gott.“

Im Gegensatz dazu versucht der Artikel den Begriff „Wahrheit“ auf Wissen und Erklärungen biblischer Prophezeiungen zu reduzieren. Ab Abs. 13 verweist man dementsprechend auf einige WTG-typische Lehren und fragt:

„Kannst du die Prophezeiung über die “Zwei Zeugen“, aus Offenbarung 11:3, 7:12, erklären oder das Gleichnis vom “Weizen und Unkraut”, aus Matthäus 13:36-43? (w13 15.7. 9-14).

Was bedeutet das Verkünden von „Frieden und Sicherheit“ (w19.10 8, 9) oder der Angriff von „Gog vom Land Magog“? (w19.09 11, 12; rr 240). Zitat Abs. 14: 

Prophezeiungen sind ein wichtiger Teil von Gottes Wort. Sie helfen uns, einen starken Glauben an Jehova zu entwickeln. Welche Prophezeiungen haben deinen Glauben gestärkt? Vielleicht die Voraussagen für die „letzten Tage“? (2. Tim. 3:1-5; Mat. 24:3, 7). Welche Prophezeiungen können deine Überzeugung noch weiter festigen? Kannst du zum Beispiel erklären, wie sich die Prophezeiungen in Daniel, Kapitel 2 oder Kapitel 11 erfüllt haben oder gerade erfüllen? Wenn sich dein Glaube fest auf die Bibel gründet, wird er nicht erschüttert.“ 

Gemäß der Wachtturmideologie soll also das Erkennungsmerkmal echter Christen nicht nur Liebe sein, sondern auch „die genaue Erkenntnis der Wahrheit“. (Natürlich der Wahrheit des „treuen und verständigen Sklaven). Zitat Abs. 18:

„Jeder von uns sollte Liebe zeigen – sie ist das Erkennungsmerkmal echter Christen. Wir müssen aber auch mit „genauer Erkenntnis und allem Unterscheidungsvermögen“ überströmen (Phil. 1:9). Sonst könnten wir „von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben werden durch das falsche Spiel von Menschen“, Abtrünnige eingeschlossen.“

Diese Behauptung wird begründet mit Philipper 1:9, natürlich aus der NWÜ. Und tatsächlich, dort schafft man es, aus dem christlichen Erkennungsmerkmal „Liebe“ zwei Merkmale zu machen: “Liebe und Erkenntnis”, im Sinne von Wissen und Unterscheidungsvermögen. Wir lesen:

„Und ich bete weiter darum, dass eure Liebe zusammen mit genauer Erkenntnis und allem Unterscheidungsvermögen noch mehr überströmt“.

Tatsächlich aber vermitteln andere Übersetzungen, wie z. B. das „Konkordante Neue Testament“ den Gedanken, dass christliche Liebe „in Verbindung mit Feingefühl, Einsicht und Verständnis für das Gegenüber“ ausgeübt werden sollte, wir lesen:

„Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem (Feingefühl, Einsicht, Verständnis)“. Philipper 1:9, (Konkordante Neue Testament) Also: Verständnisvolle Liebe – nicht “Liebe zusammen mit genauer Erkenntnis“, im Sinne von Wissen – sind angesagt. Christliche Liebe erkennt die Bedürfnisse und Umstände seines Bruders. Es geht nicht um die „genaue Erkenntnis“ bestimmter Lehren und es verbietet sich, Wissen und Liebe als gleichwertig nebeneinanderzustellen.

Aber wir wissen: Wenn Bibeltexte aus der NWÜ zitiert werden, müssen wir prüfen, ob diese Verse nicht eine Anpassung an ihre Lehre durchlaufen haben. Zurück zu Abs. 18, Zitat:

„ … wir müssen mit „genauer Erkenntnis und allem Unterscheidungsvermögen“ überströmend sein, sonst könnten wir „von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben werden durch das falsche Spiel von Menschen, … z. B. den Abtrünnigen“.

Die Warnung vor Falschspielern, in Sachen Wahrheit, ist sicherlich angebracht, davor warnten uns auch schon die Apostel. Bezugnehmend auf die im Abs. 14 angeführten WTG-Lehren, die uns helfen sollen, einen starken Glauben an Jehova zu entwickeln, muss die Frage erlaubt sein, welche von der WTG gemachten Prophezeiungen und Voraussagen für die „letzten Tage“ sollten meinen Glauben gestärkt haben? Haben die Lehren und Voraussagen des Sklaven bisher nicht alle nur eine beschränkte Gültigkeit als Wahrheit gehabt? Wer ist denn dafür verantwortlich, dass ein Zeuge Jehovas von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben wird? Wer treibt denn ein falsches Spiel, mit seinem überzogenen Wahrheitsanspruch?

Was ist Wahrheit?

Das ist die klassische Frage des Menschen, die Pilatus an Jesus stellte, nachdem dieser gesagt hatte, dass jeder der aus Wahrheit ist, seine, Jesu Stimme, hört. Doch was ist denn nun “die Wahrheit” von der Jesus sprach? Wo sollen wir sie suchen?
Vielleicht sollten wir uns eingestehen, dass es “die Wahrheit” für den sterblichen Menschen nicht gibt. Sicherlich gibt es die absolute Wahrheit, ein absolutes “Richtig” und “Falsch”, aber von dieser Wahrheit sind wir Menschen unendlich weit entfernt.

Woher wollen wir eigentlich wissen was “richtig” ist? Als gläubiger Mensch wirst du dich auf die Worte Jesu „Dein Wort ist Wahrheit“ berufen und dabei die Bibel im Sinn haben. Doch meinte Jesus die heilige Schrift, als das “Wort Gottes”? Der Kontext, in dem Jesus diese Aussage machte, zeigt eher, dass er von sich als Person, als dem “Wort Gottes” sprach. Ja, die Bibel ist für Christen der Maßstab, um beurteilen zu können, was Richtig und was Falsch ist. Doch wird sie uns die absolute Wahrheit vermitteln? Trifft nicht eher die Aussage eines bekannten Theologen zu: “Alles was wir wissen, glauben wir”? Wir wissen nämlich überhaupt nichts wirklich. Und dennoch, wir glauben, dass das, was in der Bibel steht, die Wahrheit ist, auch dann, wenn uns die eine oder andere Aussage unverständlich erscheint. Glauben bedeutet nicht, das wir auf alle Fragen einen Antwort haben müssen.

Wer so an die Bibel herangeht, dem wird ein Licht nach dem anderen aufgehen. Die Bibel ist fürwahr das Wort Gottes, ohne Fehler und Irrtümer. Wer zu dieser Wahrheit kommt, findet den Frieden, den er bislang vergeblich gesucht hat und deshalb bittet Jesus im hohepriesterlichen Gebet den Vater darum, dass die Seinen in der Wahrheit geheiligt, das heißt in Beschlag genommen werden.

Jesus bezeugt von sich immer wieder, dass ER die Wahrheit bezeugt, ja selbst die Wahrheit in Person ist und dass diese Wahrheit freimacht, und wir lesen, dass Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, ihn zuerkennen und dass sie so zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Jesus als die Wahrheit zu erkennen, schließt ein, sich in der heutigen Zeit genauso wenig von den “Erkenntnissen” höhergestellter Kirchenfunktionäre irritieren zu lassen, wie die Menschen zu Jesu Zeiten von den Pharisäern und Schriftgelehrten.

Aber das, was ich hier beschreibe, ist natürlich kein Patentrezept, denn der Glaube ist absolut nicht machbar, sondern ein Geschenk Gottes. Es ist der Geist Gottes, der uns durch sein Wort berühren muss.

 Die Wahrheit in Person

Im Erzählablauf des Prozesses Jesu bleibt die Frage des Pilatus „Was ist Wahrheit?“ unbeantwortet im Raum stehen. Ohne Worte, lediglich zwischen den Zeilen, gibt Jesus zu verstehen: Die Wahrheit steht vor dir. Sie begegnet uns im Menschen Jesus. Was ist das für eine Wahrheit? Alles Schwarz-Weiß-Denken ist ihr fremd. Sie ereignet sich als Geschichte, und die Wahrheit dieser Geschichte erschließt sich dem, der sich in sie hineinbegibt und den Weg mit Jesus geht.

 

 

 

 

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wolupi
1 Monat zuvor

Sehr guter Artikel, Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand, ich wiederhole niemand, kommt zum Vater außer durch ihn. Es wird total gefährlich, wenn ich mir mit meinen eigenen Gedanken einen Gott an ihm vorbei bastle, und auch noch der Meinung bin, diesen mit Bibelstellen belegen zu können, so wie es die Zeugen Jehovas tun und dann einen Gott Jehova rückwärtsorientiert und völlig unchristlich konstruieren. Schon in der Überschrift dreht es mir den Magen um. Einfach nur schreckliche WTG-Hirnakrobatik. “Sei überzeugt, dass du die Wahrheit hast.” Ich setze dem eine völlig andere Überschrift dagegen: “Sei voller… Weiterlesen »

www.Christusbekenner.de
1 Monat zuvor

Tatsächlich genügt es, nur das Thema des Wachtturm-Artikels zu lesen. Dann weiß man schon, was das Ziel ist: Die Verkündiger sollen sich selbst einreden: “Ich habe die Wahrheit gefunden. Jehovas Zeugen lehren die Wahrheit. Wir sind keine Suchenden mehr. Alles ist gut; es wird schon alles stimmen, was man uns sagt” All das ist reiner Selbstbetrug! Nein, es muss ganz anders laufen: Christen “sollen ermutigt werden, in Liebe zusammenstehen und die tiefe und reiche Gewissheit erhalten, die mit ihrer Einsicht in das Geheimnis Gottes zusammenhängt, also mit Christus. Denn in ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.” Und… Weiterlesen »

ULLA
1 Monat zuvor

Hallo lieber Bruder, ein glaubensstärkender Artikel! Du hast die “Schwachstellen”, die in der sog. “Wahrheit” der JWOrg. deutlich benannt! DANKE! Grade in den letzten Tagen habe ich mich mit den Paulusbriefen an Timotheus und Titus auseinander gesetzt. Mit Fokus auf “Christus ist Wahrheit”, “Die Bibel lehrt die Wahrheit”, “falsche Lehrer kommen in der Zukunft” ua. Paulus riet dem jungen Timotheus in 2. Tim. 3:14 “Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast…”. Timotheus lernte von Kindheit auf durch seine gläubige Mutter und Großmutter die Schriften kennen.… Weiterlesen »

Nase
1 Monat zuvor

Als ich letztes Jahr meine Tante und meinen Onkel darauf aufmerksam gemacht habe das der Laden WTG von oben bis unten stinkt und das sie mal eigenständig die Bibel prüfen sollen ob das alles stimmt was die WTG ihnen vorgekaut zum Essen gibt, sagte meine Tante: “Wir brauchen nichts mehr zu überprüfen. Viele “Brüder” sind Rechtsanwälte, Ärzte usw. (schlaue Leute eben mit einem hohen IQ). Diese “schlauen” Menschen haben schon alles überprüft. Wir haben die Wahrheit schon gefunden.” Und auch nachdem ich ihr mit der Bibel gezeigt habe das wir aufgemuntert werden alles zu überpfüfen, hielt sie sich mehr an… Weiterlesen »

Herbert
1 Monat zuvor

Wahrlich ein guter Artikel. Was ich bestätigen kann: Obwohl sehr viel über Jesus gesprochen wird, hat doch kaum ein Bruder wirkliche Empfindungen für ihn. Er wird eher als Mittel zum Zweck gesehen. Der Mensch Jesus Christus wird von den meisten Brüdern überhaupt nicht verstanden und auch nicht geliebt.

www.Christusbekenner.de
1 Monat zuvor

Es ist nicht immer leicht Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Unmöglich wird es eigentlich dann, wenn man abgehalten wird, sich z.B. über eine WT-Lehre andere Ansichten anzuhören oder diese zu überprüfen; ja, wenn aufrichtige christliche Wahrheitssucher als böse, böse “Abtrünnige” bezeichnet werden. Doch gerade das sollte einen misstrauisch machen. Was möchte die JW.Org dadurch wohl verhindern, dass es ans Licht kommt? Die Wahrheit! — Die in den christl. griech. Schriften geäußerte Wahrheit über Jesus Christus und seine überragende Position, die ihm aber von der Leitenden Körperschaft nicht zugestanden wird. — Und dass in Wirklichkeit die überwiegende Mehrheit der durch die… Weiterlesen »

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