RELIGION TRENNT – GLAUBE VEREINT

Der Glaube an Christus und christliche Werte kann Wunderbares bewirken und das sogar über alle religiösen Grenzen und Barrieren hinweg.

Viele junge Menschen engagieren sich zum Beispiel neben ihrer Schule, Studium oder beruflichen Tätigkeiten in der Arbeit für Geflüchtete aus muslimischen Ländern. Als ihre Kirchengemeinde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchte, meldeten sie sich.

Ehrenamtlich begleiten sie Menschen aus Krisenregionen nun zu Behörden und helfen ihnen dabei, deutsch zu lernen. Diese Menschen, die so betreut werden, sind dankbar, dass man sich die Zeit für sie nimmt. Und die Menschen, die diese Hilfe leisten, sind glücklich, dass sie sich hier wirklich sinnvoll für andere einsetzen können. Der Glaube und die Nächstenliebe sind ihnen wichtiger, als ihre Religion. Für sie ist Glaube nicht nur ein leeres Wort.

Leider wird unter diesen hilfeleistenden Menschen kaum ein Zeuge Jehovas zu finden sein, obwohl auch wir doch überzeugt sind, dem Christus zu folgen.

Während viele, die zu einer christlichen Kirche oder einer anderen Religion gehören,  in dieser Welt praktische Hilfe, Freude und Optimismus verbreiten und auf diese Weise das Evangelium mit Leben erfüllen, werden wir ZJ Woche für Woche darin geschult, wie wir Bücher und Traktate von JW.Org, mit dem Hinweis auf die schlechten Weltverhältnisse, am besten “an den Mann bringen.”

„Das Königreich Gottes wird euch einmal alle Probleme abnehmen, wenn ihr euch mit der Organisation Gottes verbindet und euch – wie wir – für das Königreich einsetzt“. So lautet der Kern unserer Botschaft.

Kinder oder Senioren betreuen und Hilfsbedürftige unterstützen? Ja natürlich, aber nur, wenn sie in der “Organisation Gottes” sind und bleiben. Und die Ältesten? Sie sind bemüht, ihre ihnen anvertrauten Schäfchen im „Dienst“ beschäftigt zu halten, aber nicht mit Taten der Nächstenliebe.

In einer Welt, die viele Menschen pessimistisch stimmt, tut es gut, zu erleben, wie Menschen Hilfsbedürftigen, ungeachtet ihrer Religion helfen. Religionen, so scheint es, verlieren immer mehr Ansehen und damit die gestaltende Kraft. Viele machen die Religionen sogar, als Teil des Problems für die heutige Weltlage, verantwortlich. Und das nicht zu Unrecht. In der Geschichte haben sie tatsächlich immer wieder Leid über die Menschheit gebracht. Religionen trennen die Menschen. Wir sind die Guten – ihr die Schlechten. Wir sind die wahre – ihr seid die falsche Religion. Eine Aussage, die auch wir als Zeugen Jehovas fast wöchentlich eingebrannt bekommen.

Es gab und gibt schlimme Verbrechen im Namen Gottes. Und Studien belegen, dass der religiöse Extremismus derzeit wieder zunimmt, ebenso wie die religiös motivierte Gewalt in vielen Ländern, ob christlich oder muslimisch. Der bewaffnete Abtreibungsgegner in den USA tötet genauso im Namen Gottes, wie ein Anhänger des so genannten Islamischen Staates.

Aber selbst wenn keine Gewalt ausgeübt wird – ja, Jehovas Zeugen verabscheuen Gewalt – werden Religionen und ihre Organisationen immer wieder benutzt, um Macht über andere auszuüben oder sie zu unterdrücken. Religionen sind einwandfrei ein Teil der heutigen Probleme.

Glaube dagegen kann zur Lösung heutiger Probleme beitragen.

Jesus hat, mit seinem Wirken und Sterben hier auf der Erde, keine neue Religion gegründet.

Er sagte: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr Liebe unter euch habt.” (Matt 5, 17)

Er bereitete uns den Weg zu Gott vor – auf der Grundlage des Glaubens und der Liebe. Die Juden lehnten ihn ab, weigerten sich, diese neue Phase des Glaubens zu akzeptieren und hielten an ihren althergebrachten Ritualen und Machtstrukturen fest. Sie wähnten sich weiter als auserwähltes Volk und pochten auf das Gesetz Gottes, aber hielten sich nicht daran. Im Glauben, der einzig wahren Religion anzugehören, bestanden sie auf die Trennung zu den Menschen anderer Nationen.

Der Glaube der Pharisäer und Schriftkundigen zeichnete sich aus durch eine fanatische Fixierung auf das Gesetz und reduzierte sich auf Ernährungsvorschriften und erstarrte Rituale, wie es vielfach auch bei den Religionsorganisationen heute noch der Fall ist. Die Evangelien des „Neuen Testaments“ zeigen aber sehr eindringlich, dass Jesus eben gerade diese Auswüchse und Irrwege verurteilte.

Grundsätzlich sind Religionen eine Erfindung der Menschen. Sie konstruieren aus dem Glauben an Gott eine Struktur, eine Institution mit Ritualen und Vorschriften, die den Weg der Menschen zu Gott einengen und erschweren.

Der Glaube, den Christus uns lehrte und vorlebte, beflügelt dagegen zu wunderbaren Eigenschaften wie Mitgefühl, Güte und dem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben. Deshalb sind Menschen, die diese Eigenschaften ausleben, so wichtig. Sie finden sich nicht ab mit trüben Gedanken, sondern tragen fröhlich die Liebe Gottes in die Welt. Dann bekommen Arme eine warme Mahlzeit, Kinder ein Ferienprogramm und alte Menschen jemanden, der ihnen zuhört.

Glauben auszuleben bedeutet mehr, als mit einem Trolly voller JW.Org-Literatur auf den Straßen und Plätzen zu stehen. Wie sagte Jakobus in Jak. 2:14:

Was hilft’s wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann dieser Glaube ihn selig machen? 

Wenn ein Mensch nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was hilft ihnen das? 

So ist der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.”

Wenn sich also alle gläubigen Menschen, vor allem solche, die sich Christen nennen, so engagieren, wird Glaube wahr – und ernst genommen. Wenn die Welt, so wie heute brennt, wenn Menschen Not leiden – dann sind sie wachsam, helfen und protestieren. Und dann wird der Glaube sichtbar und relevant.

Nicht die Religionen, sondern der Glaube des Einzelnen, schenkt Menschen das, was heute so dringend gebraucht wird. Dazu gehört die Erkenntnis, dass kein Mensch machtlos ist. Jeder kann etwas bewegen, vergeben, protestieren, lieben. Jeder kann seine Zeit und seine Talente nutzen, nicht für eine Religionsorganisation, sondern für Menschen, so wie es Jesus vorgelebt hat und damit für Gott.

Religionen vermitteln den Menschen keine echte Hoffnung – auch unsere Religion nicht. Aber der Glaube, wie ihn Jakobus fordert, ist der Gegenentwurf zu Pessimismus und Extremismus. Aus dem Glauben an Gott entsteht Kraft für das Gute – für Liebe, Gerechtigkeit und Würde für alle. Wenn gläubige Menschen das ausstrahlen, dann werden sie andere damit anstecken. Und dann kann Glaube ein starker Motor für eine menschenwürdige und friedliche Zukunft sein, die wir so sehr brauchen, bis sich die Verheißungen Gottes erfüllt haben.

Nur dann können Menschen Religion nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung erleben. Religion trennt, Glaube verbindet.

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haraschmi

Lieber “Bruder”, der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Beispiele zeigen, wie Jesus lehrte und handelte und den Schwachen und Armen half. Durch dieses Beispiel wurden Menschen motiviert ihm nachzufolgen und seinen Marterpfahl auf sich zu nehmen. Dieses Joch ist wirklich leicht, WENN man das nachahmt was Jesus tat. Jesus speiste ERST tausende von Menschen, BEVOR er ihnen predigte. Die Zeugen sind aber genauso wie die Pharisäer: Paragraphenreiter und die Loyalität und die Organisation gehen über alles. Egal was ein Mensch wirklich braucht, er bekommt den Babybrei serviert nach dem Motto: Friss oder stirb! Wenn ich mehr Zeit… Weiterlesen »

Horst

Lieber Bruder, die Einleitung zu Deinem Beitrag ist etwas populistisch betreffs moslemischer Flüchtinge….. in meinen Augen. Aber das heisst ja nicht, dass sie nicht stimmt. Du beziehst Dich jedoch auch auf Fakten, denen kein Zeuge Jehovas widersprechen kann: Von der Bahnhofsmission über die freiwillige Feuerwehr bis zum Roten Kreuz leisten abertausende ehrenamtlicher Helfer Dienste an der sogenannten “Allgemeinheit”. Das haben wir hier schon öfter dargelegt. Dass sich keine Zeugen Jehovas darunter befinden, ist zwar nicht neu, aber immer wieder erwähnenswert. Sie tun dies nicht, um das “Untergehende System der Dinge” – (eine unsägliche WTG-Wortblase), nicht zu unterstützen. Was mir aber dazu in den… Weiterlesen »

Fox

Guten Tag Bruder, du hast es gut auf den Punkt gebracht zwischen Glaube und Religion zu trennen. Vielen Dank dafür. In der religionsgeschichtlichen Nachverfolgung zum Gottesnamen JHWH fand ich folgendes: “Die rabbinische Tradition folgte der Eigendeutung des Namens in Ex 3,14 und leitete ihn von den drei Zeitformen des Verbs hjh ab: hajah („Er war“, Perfekt), hojêh („Er ist“, Partizip) und jihjêh („Er wird sein“, Imperfekt). Damit betonte sie ihren Glauben an Gottes zeitübergreifende Gegenwart in der jüdischen Geschichte. Im Judentum wird Gottes Namensoffenbarung in engem Zusammenhang mit seinem „Herabkommen“, „Retten“ (Ex 3,8) oder „Erbarmen“ als unvorhersehbare und unbegreifliche Zuwendung… Weiterlesen »

Petrus111

Liebe Freunde, kurzer Kommentar zum WT-Studium dieses WE*es: “Wenn unsere Bescheidenheit auf die Probe gestellt wird”. Der Artikel fordert zu nichts anderem auf, als willige Org-Roboter zu sein – das eigene Denken und Fühlen zurückzustellen und statt dessen alles zu machen, was von der Org kommt. Als Beispiele werden hauptsächlich Könige und Propheten angeführt – und das es tödlich sein kann, wenn man dem nicht folgt, was im Artikel steht. Kurzum: mit diesem Artikeltext ist jedem Ältesten Tür und Tor geöffnet, von den Schäfchen irgendwelchen Unsinn zu verlangen – sie sollten folgen. Selbst, wenn dies für sie objektiv schlechte Folgen… Weiterlesen »

Petrus111

Liebe Freunde, der Artikel ist interessant, er regt auch zum Nachdenken an. Er beantwortet mir aber bestimmte Fragen nicht, die ich in Verbindung mit genau diesem Thema habe: JZ sind von der Form her erst mal eine Glaubensgemeinschaft wie jede andere: sie haben Versammlungsstätten, in denen die Gläubigen sich treffen; ihre Zusammenkünfte haben einen bestimmten Ablauf; es gibt gewisse Rituale. Sie haben leitende Personen in der Gemeinde. Wer einer Glaubensgemeinschaft angehört, der hat einen festen Anlaufpunkt – er hat Glaubensbrüder/Mitgläubige, bei denen ein gewisser Konsens über den gemeinsamen Glauben besteht – er hat eine spirituelle Heimat; er hat auch Zugehörigkeit… Weiterlesen »

M.N.

Zu “Jehovas Zeugen verabscheuen Gewalt.” Das muß relativiert werden. Wie wir alle wissen, gibt es diverse Formen von Gewalt – physische, verbale, psychologische … die Bandbreite ist groß. Ist es etwa keine “Gewalt”, wenn eine Gemeinschaft einen jeden ihrer Angehörigen unter Strafandrohung zwingt “Genau so und nichts anders, oder es gibt Saures?” Wenn Dissidenten per “Bezeichnen” an den Pranger gestellt und als “zu meidender schlechter Umgang” gebrandmarkt werden, bis sie wieder zu Kreuze kriechen und im Org-Gleichschritt stampfen? Wenn Eltern verboten wird, auch nur ein paar liebe Worte mit ihren “exkommunizierten” Kindern zu wechseln? Wenn “ausgeschlossene” Familienangehörige, die die Nähe… Weiterlesen »

Edelmuth

Zum Thema “Religion rennt – Glaube vereint” möchte ich gerne das Widerspruchsschreibe eines Bruders zu seinem GE hier veröffentlichen, weil er die Erfahrungen treffend aufzeigt, die auch wir ständig machen müssen. Um dies der Öffentlichkeit bekannt zu machen ist unsere Arbeit so wichtig. U. Martin Schmid Roca 4280 8400   Bariloche Precursor Regular Bariloche, 13. August 2002 An die Ältestenschaft der Versammlung Bariloche Oeste Berufung gegen das Urteil des Gemeinschaftsentzugs durch ein Rechtskomitee vom 11.8.02 (Buch Organisiert S. 146) Liebe Brüder Ich lege Einspruch ein gegen den Entscheid und möchte dies wie folgt begründen: Ich bin jeder begründeten Aufforderung seitens der… Weiterlesen »

Ulla

Hallo an alle, “wo zwei oder drei in MEINEM Namen versammelt sind…da bin ich mitten unter ihnen.” Alle paar Monate nutze ich die Gelegenheit und besuche eine kleine Gemeinde (freie evangelische) und schon als ich reinkam, stand in Großlettern an der Wand: “Wir verkünden den gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Christus.” – Ja, wieso nicht da hin und wieder reinhören? Es wurde eine schöne Ansprache zu 1. Kor. 13 und zu Apg. 5 gehalten: Wenn wir nicht LIEBE haben, nützt alles nichts! Eine alte Schwester fragte mich mal, warum ich da hingehe hin und wieder? Ich antwortete: “In den Vers. wird… Weiterlesen »

Ulla

Ich wollte noch dazuschreiben, dass ich die Bibelstellen aus der “Hoffnung für alle” habe.

LG Ulla

Omma@Bruder & alle

Lieber Bruder und alle, ein zu Herzen gehender Artikel, ganz lieben Dank! Ja, RELIGION TRENNT – GLAUBE VEREINT!!! Besonders dein Erlebnis mit deinem Freund aus deiner Jugendzeit ist mir sehr zu Herzen gegangen. Bei deiner Schilderung musste ich an all die kinderlosen Eltern denken, von denen wir auch hier auf Bruderinfo immer mal wieder lesen. Wenn man dann persönlichen Kontakt mit diesen lieben Geschwistern bekommt, sieht man oft die Kämpfe, die viele führen, um mit ihrer Einsamkeit fertig zu werden, und trotzdem einen starken Glauben bewahrt haben, und für sie ist aktive Nächstenliebe selbstverständlich. Du schreibst: “Der Glaube, den Christus… Weiterlesen »

Sylvia Geiser

Lieber Horst Der Brief von Martin Schmid ist absolut authentisch. Als er ihn geschrieben hat vor 15 Jahren, vergiss das nie, war das eine grosse Katastrophe damals. Ich selbst kenne Martin persönlich seit 3 Jahren und besuchte ihn 2mal in Argentinien. Ich weiss, was er alles für die Versammlung und seine Brüder getan hat. Er war überaus grosszügig, seine Türe war für jedermann offen, bis nach Brooklyn. Innerhalb 3 Tagen wurde er ausgeschlossen. Bestimmt würde er diesen Satz “tiefe Achtung zur Organisation und diejenigen, die sie anführen…” nicht mehr schreiben. Er hat einen weiten Weg hinter sich, alle Achtung vor… Weiterlesen »

Schneeflocke

In der Aussage, dass Religion trennt, nehmen leider die Zeugen Jehovas eine führende Rolle ein und liefern das absolute Präsenzbeispiel dafür. Christus hat doch alle vereinigt, es gibt keine Grenzen mehr für alle, die ihn, den Erlöser annehmen. Immer wieder können doch auch Zeugen diese biblischen Aussagen lesen, sie dürfen ja immerhin noch in der NWÜ alles lesen… Leider lässt die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas ihre Schäflein immer weiter im Düstern tappen, mit der Decke der Blindheit über ihren Augen. Wenn man in dieser illusorischen Gemeinschaft lebt, empfinden es sogar viele verständlicherweise als Schutz. Aber was passiert mit Familie… Weiterlesen »