Kann eine Religionsgemeinschaft die wahre Religion sein?

 

Religion confusion
Religion confusion

Der Gedanke, dass jeder Christ ein Weltbürger sein soll, der sich im Glauben selbst regiert, ist richtig, wenn man ihn von der Bibel her vertritt. Er ist nicht neu und war schon den Humanisten und den Reformatoren vertraut. Sebastian Franck z. B. forderte eine “innere Kirche”.

Jeder Christ sollte eine “eigene Kirche” sein, die Kirchenbauten, Geistliche, Sakramente und Dogmen nicht nötig hätte. Damit meinte er das, was Paulus im 1. Kor. 3:16 schrieb. Aber diese Haltung kann von einer Religionsgemeinschaft, die über den Einzelnen herrschen will, nicht vertreten werden. Trotzdem liegt hier eigentliche biblische Religiosität begründet: In der eigenen Verantwortung zum Schöpfer.

Die Wachtturmgesellschaft behauptet von sich, die “wahre Religion” zu vertreten bzw. zu sein! Dazu stellte sie Merkmale zusammen, die das in ihrem Fall beweisen sollten:
1. Die wahre Religion zeichnet sich durch echte Liebe aus.
2. Die wahre Religion stützt alle Lehren auf die Bibel.
3. Die wahre Religion betet um die Heiligung des Namens Gottes.
4. Die wahre Religion verkündet weltweit das Königreich Gottes.
5. Die wahre Religion ist kein Teil der Welt.
6. Die wahre Religion sucht das Königreich Gottes und seine Gerechtigkeit.
7. Die wahre Religion bringt die Frucht des Geistes hervor.
8. Die wahre Religion gehorcht der staatliche Obrigkeit:
Diesem Anspruch genügt die ORG nicht!

Kann eine Religionsgemeinschaft die wahre Religion haben?

Man kann vieles gemeinsam tun. Man kann Lieder singen, Steine klopfen, Heu ernten, essen, trinken und Fußball spielen. Aber glauben, lieben und hoffen sind Tätigkeiten des Einzelnen! Die Forderungen an die wahre Religion können immer nur von einzelnen Menschen erfüllt werden. Eine Gemeinschaft kann aber nicht an einzelnen Mitgliedern gemessen werden. Denn entweder sind alle eines Sinnes, dann sind sie Roboter, oder sie sind es nicht, dann bleiben sie Sünder. Dieser Katalog von Merkmalen der wahren Religion kann nur im Leben Einzelner Gewicht haben. Für die Beurteilung einer Masse von 8 Millionen ist er sinnlos. Wie viel Prozent einer Gemeinschaft sind nötig, um von wahrer Religion zu sprechen? Reichen 10 Prozent? Müssen es 50 Prozent sein oder 80? Sind blumige Behauptungen und richtiges Verständnis der Bibel ein Beweis für wahre Religion? Wie viel wird in Religionen gelogen und geheuchelt? Spricht der schöne Schein schon für Wahrheit und Anständigkeit? Oder sind es die Taten?

Man merkt, wie sinnlos dieser Katalog ist. Man kann schon deshalb nicht von wahrer Religion sprechen und damit eine Glaubensgemeinschaft meinen, weil Religion in diesem Kontext ein Bekenntnis zu einer Gemeinschaft ist und nicht automatisch zu Gott. Das Christentum aber ist eine Sache des Einzelnen! Gemäß der Bibel steht jeder Mensch in eigener Verantwortung vor Gott. Seine Religion ist die persönliche Bindung an Gott und nicht an Menschen. Und in der Behauptung, dass eine ganze Religionsgemeinschaft die wahre Religion und damit die ganze Wahrheit haben muss, liegt der große Irrtum.

Der große Irrtum der Reformation

Dieser Irrtum wurde schon von den Reformatoren begangen. Das würde voraussetzen, dass der Mensch beliebig formbar ist, dass er zur Tugend erzogen werden kann, dass er dazu gebracht werden kann, ein persönliches Verhältnis zu Gott und Christus zu haben. Dieser Aberglaube ist ein Grundübel der Neuzeit: Alle Weltverbesserer und religiösen Fanatiker haben daran geglaubt und sind daran auch gescheitert. Sie haben die Wahrheit im Menschen einfach ignoriert. Und wenn der Mensch nicht so wollte, wie es sich die Führer vorgestellt haben, dann wehe dem Menschen, der sich dagegen sträubte, seine menschliche Freiheit aufzugeben und sich unter ein menschliches Joch zu stellen.
Überhaupt ist der Gedanke, dass alle Menschen bis in Kleinigkeiten dasselbe glauben müssen, eine Utopie. Auch der frühen Christenversammlung war der Gedanke, dass alle dasselbe zu glauben haben, fremd. (Rö. 14) Man konnte sich allenfalls auf einige wenige Grundtatsachen einigen. Paulus kam zu den Korinther mit nichts anderem, als ‘mit Christus und ihn an den Pfahl genagelt’ (1. Kor. 2:2). Man konnte sich auf die Bedeutung des Opfers Jesu und auf die Barmherzigkeit Gottes einigen; man einigte sich darauf, dass wir alle mit Gott versöhnt sein müssen. Aber wie ein gläubiger Mensch Gott wahrnimmt, wie er selbst zu Christus steht, wie sehr er seinen Glauben auslebt, darüber gingen die Meinungen schon immer auseinander. Was die ersten Christen zusammenhielt, war die Liebe und das Tolerieren der anderen Meinung. Aber so können nur Menschen leben, die sich gegenseitig vertrauen. Und darüber hinaus ist der Mensch einfach ein Mensch – unter die Sünde verkauft, krank an Herz und Kopf und einfach nicht dazu zu zwingen, Gott zu vertrauen und ihm zu dienen.

Die wahre Religionsgemeinschaft – kann es das geben?

Wir bemerken, dass alles, was zum Wesen und zum Mark des Christentums gehört, eine Leistung der Kraft Gottes, des heiligen Geistes ist. Und wir bemerken, dass dieser Geist, diese Kraft zum Guten, in einzelnen Menschen wirken kann, aber nicht in allen wirken muss! Wenn schon die wesentlichen Leistungen dem Geist Gottes zugeschrieben werden müssen, wozu um alles in der Welt braucht man dann eine Religionsgemeinschaft, die sich als alleiniger Kanal Gottes sieht, sich als wahre Religion sieht, und es in der Realität aber nicht ist?

So gesehen, geschah nichts Neues, als Russel die WTG gründete und Rutherford sie benutzte, um seine Organisation aufzubauen, die zu herrschen begann. Die Organisation Rutherfords war eine strenge Hierachie, die viele Reformatoren abgelehnt hätten. An die Stelle des Mittlertums Christi trat der Herrschaftsanspruch der Organisation, die behauptet: Die Organisation ist von Gott! Nur die sie kann die Bibel verstehen, nur sie kann richtig lehren. Ihr Wille ist der Wille Gottes, und jede Auflehnung gegen sie ist eine Auflehnung gegen Gott. Dasselbe hätte der Papst auch gesagt.

Wie müsste man heute den Begriff “wahre Religion” definieren?

3abraham-isaac-altar500Welche Religion hatte Abraham? Er war kein Jude, er war kein Christ, er war nichts von all dem, was wir heute Religion nennen. Und das liegt einfach daran, dass es für Abraham, dem Freund Gottes, nur dies gab: Die persönliche Bindung an Gott. Er kannte Jehowah und Jehowah kannte ihn. Und aus diesem Kennen leitete sich alles ab, was für Abraham wichtig war. Abraham hatte keine Religion im heutigen Sinne, er hatte Glauben und wurde zum Vater aller Glaubenden: Rö. 4:12; Gal. 3:29.

41_00280157Welche Religion hatte Hiob? Auch hier können wir keine nennen. Es ist wie bei Abraham. Auch er kannte Gott und wurde von Gott wahrgenommen. Aus diesem Verhältnis leitete sich alles andere ab, was für Hiob wichtig war. Sein Glaube an Jehowah, das war seine Religion und sein Leben. Auch er lebte vor den Augen Gottes; sein Gott war keine Idee, keine verschwommene Person im Ungewissen, sondern ein Vater im Himmel, der seinen irdischen Sohn immer im Blick hatte.
Und nur dies kann man als Religion bezeichnen, wenn man es im Sinne der Bibel definieren möchte.

Wie kommt man zu Gott?

“Der Engel des Herrn redete zu Philippus, indem er sprach: ‘Mache dich auf, und gehe südwärts auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. (Das ist eine Wüstenstraße.) Da machte er sich auf und ging, und siehe, ein äthiopischer Beamter, ein Machthaber unter Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz war. Er war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten, doch kehrte er zurück, und auf seinem Wagen sitzend, las er laut den Propheten Jesaja. Da sagte der Geist zu Philippus: ‘Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an’.” (Apg. 9:26-29)

Auch das, was weiter geschah, wird vom Geist des Herrn geleitet: Philippus erklärt dem Beamten den tieferen Sinn von Jesaja 53, und der Mann erkennt, was er tun muss. Er will auf der Stelle getauft werden. Damit schließt er sich Jesus Christus an. (Apg. 9:30-39) Denn damit ein Mensch diesen Entschluss fasst, braucht es keine rhetorische Kunst, noch viele Worte, noch tausend Rückbesuche oder sonst etwas, was Menschen gewöhnlich tun. Es ist nur der heilige Geist nötig, der das Herz empfänglich macht und dem Lehrer wie dem Schüler zum richtigen Verständnis hilft.
Wie war es bei Lydia, der Purpurhändlerin? Auch ihr machte der Herr das Herz weit, und sie konnte Paulus mit diesem empfänglichen Herzen zuhören und dann verstand sie, worauf es ankommt. (Apg. 16:14) W

Wir können fortfahren mit Kornelius: Auch hier ist es Jesus Christus, der Petrus beauftragt zu Kornelius zu gehen und der Kornelius wissen lässt, dass er zu Petrus senden soll. Die Rolle Petri ist recht bescheiden dabei: Er ist Wegweiser und ein Diener, der von Jesus gebraucht wird, um die Botschaft zu anderen Menschen zu tragen. Die Hauptsache macht Jesus Christus: Er lässt den Geist auf Kornelius und seine Hausgemeinschaft kommen. Dadurch werden sie Nachfolger Jesu.

In der Apostelgeschichte stoßen wir immer wieder auf den Hauptakteur, der mit der mächtigen Kraft des heiligen Geistes die gute Botschaft und den Glauben im Herzen der Menschen verankert. Und immer wieder sehen wir mit erstaunten Augen, dass es nicht so sehr auf Menschen und ihre Weisheit ankommt, sondern auf Gott, der durch Jesus Christus sein Werk am Menschen vollendet.

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Tommy

Lieber Autor,
da mag viel Wahrheit drin liegen!
Tommy

Gerd

Wie sich die Ursprungschristen, von ihrer individuellen Gläubigkeit weg, zu einer Religion organisierten, Zitat: Das “Kompendium der Kirchengeschichte” schreibt auszugsweise: von Karl Heussi, § 18: Der Ausbau der frühkatholischen Kirche [2. u. 3. Jh.]: In dieser Zeit gelangte die Entwicklung des Gottesdienstes zu einem relativen Abschluß. An die Stelle der urchristlichen, völlig freien und regellosen Gemeindeversammlungen ist nun ein kompliziertes Gefüge heiliger Handlungen getreten, die in feststehender Ordnung feierlich vollzogen werden. Mit dem Aufkommen des Opferbegriffs ist als sein notwendiges Korrelat der Priesterbegriff in die Kirche eingedrungen. Die Leitung der gottesdienstlichen Versammlung, einst ein “Dienst” an der Gemeinde, ist schon… Weiterlesen »

Tommy

Hi Dan,
ich denke, aber ist nur meine Meinung, dass wir Jesaja so verstehen duerfen, dass es auf der Erde sehr wohl noch Menschen geben wird. Aber auch ein hundertjähriger wird (als Knabe) sterben. Ergo…..?!?!
Tommy

Gerd

Hola Refugio,

ich sehe gerade bei unserem F&F steht bei Skype: “Letzte Aktivität vor 2 Monaten”.

Paciencia! 🙂

Bienlein

Hallo zusammen. Etwas was zwar nicht zum Thema passt aber: Ich kann mich erinnern, dass es vor einiger Zeit einen Artikel gab mit dem Thema: “Ehe ohne Trauschein” jedoch finde ich diesen nirgends mehr. Kann mir da jemand weiterhelfen?
Bienlein…

Bienlein@glaube rettet

Genau! Danke dir.

Bienlein@R.B.M

Lieber R.B.M Danke nochmals. Nunja, es gibt ja auch noch andere Artikel explizit zum Thema “porneia” welche ziemlich ausführlich sind. Wenn du noch etwas zusätzliches hast, nur her damit! 😉 Ich befasse mich nun schon einige Zeit mit dem Thema und finde es einfach unglaublich, wie man die Aussage “kein sex vor der ehe” als biblisches Gebot verfechten kann. Versteh mich nicht falsch, ich sehe dieses Thema nicht als etwas was man auf die leichte Schulter nehmen kann. Es appeliert doch sehr an die christliche Nächstenliebe und selbstverantwortliches Handeln. Ich habe gestern ausführlich mit meiner Freundinn darüber diskutiert und wir… Weiterlesen »

R.B.M. an Bienlein

Liebes Bienlein,

ich habe Dir auf der Hauptseite noch einiges zusammengestellt. Da steht es dann auch an seinem richtigen Platz, falls sonst auch jemand die Seite sucht.
https://www.bruderinfo.de/?p=2071&cpage=1#comment-186048

LG
R.B.M.

Johannes

Hallo an alle!

Ich habe ein Zitat von Leonardo da Vinci gefunden, als Tagesspruch:

“Wer zur Quelle gehen kann, der gehe nicht zum Krug.”

Und die Quelle ist unser Herr Jesus.

Liebe Grüße,
Johannes