Brief der Wachtturmgesellschaft an das polnische Zweigbüro

Quelle: JWSURVEY.ORG

am3-return-150x150Toni Morris bei der Freigabe einer Broschüre zur Wiederbelebung von Untätigen, die zu ihren Motiven Stellung nehmen sollen.

Uns ist am 1. September 2015 ein in Polnisch abgefasster Brief der Wachtturmgesellschaft zugespielt worden, in welchem alle Ältesten um Mithilfe zur Erhebung aller Zeugen gebeten werden, die seit September 2014 untätig sind.

https://jwsurvey.org/wp-content/uploads/2015/09/2015-09-01-P_BOE-Report_Inactive.pdf

Der Brief an die polnischen Versammlungen enthält Anweisungen zur korrekten Bearbeitung des Formulars „S-10“ – das die Ältesten alljährlich zur Erfassung aktiver, untätiger und wiederbelebter Verkündiger, den Umfang des unbearbeiteten Gebietes und den Anteil an Schwerhörigen und Blinden verwenden sollen.

Damit nicht genug, werden in besagtem Brief von jedem, der in den letzten 12 Monaten untätig wurde, nähere Angaben zu den Ursachen ihrer Untätigkeit gefordert. Wir wissen nicht, ob ein solcher Brief nicht auch an weitere Länder versandt wurde.

Hier die schriftliche Anweisung ins Deutsche übersetzt: “Angesichts der besonderen Fürsorge, die wir unseren Untätigen geben, bitten wir euren Sekretär, einen zusätzlichen Brief über die Zeugen vorzubereiten, die im Dienstjahr 2015 untätig wurden. Bitte gebt ihren Namen, Vornamen, Alter und eine kurze Zusammenfassung über das, was nach eurer Meinung die Ursache für ihre gegenwärtige Situation ist.”

Weiter heißt es: „Wir sind überzeugt, dass die Information, die sie preiszugeben bereit sind, euch helfen wird besser auf die Erfordernisse eurer Brüder und Schwestern im ganzen Gebiet einzugehen. (1. Petrus 5:2)

Sollten in nächster Zeit weltweit vergleichbare Datenerhebungen vorgenommen werden, scheint die WTG entschlossen, Untätige und vor allem deren Motive näher unter die Lupe nehmen zu wollen.

Die neue, auf der diesjährigen Kongressserie herausgegebene Broschüre “Kehre zu Jehova zurück”, auf die sich dieser Brief zu beziehen scheint, zeugt zumindest von erheblicher Unkenntnis der WTG um die realen Ursachen und Motive ihrer untätigen Verkündiger.

In der Broschüre geht man davon aus, dass Brüder aufgrund von “Sorgen”, “verletzten Gefühlen” oder “Schuld“ untätig werden. “Aber die meistgenannten Antworten der 1.614 Untätigen oder derer, die sich zurückgezogen hatten und sich 2014 an einer weltweiten Befragung teilnahmen – die vollständigen Ergebnisse hierzu werden demnächst veröffentlicht – zeigen die wahren Gründe für ihre Entscheidungen auf, die ehrlich und mit ungeheuchelter Aufrichtigkeit genannt wurden.”

Obwohl es immer einen gewissen Anteil von Untätigen gibt, die zwar ihrem Gott weiter treu bleiben, sich aber für „ihre geistige Schwäche“ selbst die Schuld geben, liegt die eigentliche Ursache für ihre Kraft- und Freudlosigkeit in ihrer geschwundenen Überzeugung zur Unterstützung einer Religion, an die sie nicht mehr glauben.

Die WTG wird sich von ihrer derzeitigen Fehleinschätzung irgendwann lösen und diese Tatsache akzeptieren müssen. Die Kontaktverbots-Richtlinie, die im Falle eines Ausschlusses droht, macht die Zeugen Jehovas zu einer “Organisation von Gefangenen”, die diese Organisation nicht schmerzfrei und würdevoll verlassen können.

In dieser bedrückenden Konfliktsituation, einerseits der Organisation weiter loyal untertan bleiben zu müssen, zugleich aber erkannt zu haben, dass diese Organisation sich von der Bibel bereits weit entfernt hat, macht sich eine innere Zerrissenheit breit. Denn die Angst durch den Verlust langjähriger Freunde und Verwandter auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, ist ebenso belastend wie die Erkenntnis, dass man damit nicht gottkonform handelt, wenn man vor der letzten Konsequenz zurückschreckt und die Organisation nicht endgültig verlässt.

Womöglich erkennt die WTG mittlerweile die Anzeichen für eine Massenflucht. Nach offizieller Lehre sind immerhin bereits hundert Jahre des “unsichtbar im Himmel aufgerichteten Reiches Gottes” vergangen. Und mehrere Male schon wurde jeweils mit großem Trommelwirbel das Schlussgericht angekündigt, das sich bis zum heutigen Tag nicht eingestellt hat. Damit tut sich ein weiteres unabwendbares Problem auf, denn die bis vor kurzem noch verbissen verteidigte Lehre von der Generation von 1914 muss nun auf den Müll unerfüllter Erwartungen geworfen werden.

Oder sollte dieses ominöse Schreiben an die Ältesten in Polen eventuell doch nur ein aufrichtiger Versuch sein sich um die “geistig Schwachen” zu kümmern?

 

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Tomaso

Sehr interessant und gleichzeitig beunruhigend. Als ich letztens in der Zusammenkunft war wurde den Brüdern mitgeteilt, dass seitens des kreisaufsehers gewünscht wird, die Hirten Tätigkeit zu forcieren. Und zwar bei jedem verkündiger, egal ob stark oder schwach, um es so zu formulieren. Der Punkt der mir besonders bitter aufgestoßen ist, war aber der, dass der Bruder auf der Bühne mehr oder weniger deutlich sagte dass man keine Wahl hat. Man möchte ja die Ältesten in dieser Sache sicher unterstützen daher sei eine Ablehnung des Gesprächs nicht passend. Es wäre interessant ob jemand hier auch solche Dinge in seiner Versammlung gehört… Weiterlesen »

die kleine Anna

Hallo an alle! Der Brief wurde offenbar auch an die Versammlungen in unserem Land gesandt. Zumindest standen diese Woche bereits zwei “Offizielle” vor unserer Tür und meinten sie müssten unbedingt mit uns reden. Ich konnte ihnen (leider) keinen Termin für ein solches Gespräch nennen und denke sie werden es noch mal versuchen – wir werden sehen… Zitat: “die bis vor kurzem noch verbissen verteidigte Lehre von der Generation von 1914 muss nun auf den Müll unerfüllter Erwartungen geworfen werden.” Kurze Anmerkung hierzu: Weit gefehlt! Es gibt wieder “Neues Licht” 🙂 In der monatlichen Sendung vom September auf JW.Broadcast erklärt David… Weiterlesen »

Klaus Karl

Hallo M.N., Du regst dazu an den ORG Plan herauszuposaunen,eine gute Idee.Nur wie ?Zu dem Prozess in Australien habe ich versucht die Sache in die Medien zu bekommen(nur denke ich will sich niemand mit einem so großen U.S. Konzern anlegen),niemand hat off. darauf reagiert.Da ich off,noch nicht ausgeschlossen bin,spreche ich mit unter auch mit einigen aus der Versammlung,bekommt meine Frau mit,daß ich meine Meinug vertrete bekommt sie “,und das ist keine Übertreibung”,hysterische Anfälle wobei sie sehr ausfallend wird.Mit einigen mit denen ich gesprochen haben und das ruhig und schlich,wurde mir gesagt ich soll ruhig sein,soetwas will man nicht hören(meine Aussage… Weiterlesen »

heiopei

Da hast du absolut recht m.n.