Es ist gut, zurück zu blicken

Ein Kommentar von Ordnungszahl 83 (kristallin)

Liebe Mitleser,
es ist gut, um sich zu blicken; es ist gut, zurück zu blicken; es ist gut, nach vorn zu blicken. Für alles gibt es eine Zeit. Und wir haben meist ein natürliches Gespür dafür, wann wir in welche Zeit schauen sollten – denn wir haben die Weltzeit im Herzen. Meist zumindest (und wenn es nach Kohelet geht).

Um es knapp und abreißkalenderspuchmäßig zu formulieren: die Fehler von gestern sind die Lektionen von Heute und die Lehren für morgen.

Bild:https://naturfotografen-forum.de/o470650-Fuchs%20,%20der%20Blick%20zurück

Aber auch das “Zeitgefühl” wird einem bei den Zeugen zerstört; wird wie ein Stück Tafelkreide – und Stück für Stück – in einem Mörser zerrieben und auf der Saalbühne symbolstark in einen Eimer gestreut – “eine Menge Kehricht ist es”.

Soll heißen: wir sollen nicht zurückschauen.
Wir sollen uns nicht an die kollektive Hysterie des Jahres ’75 erinnern, und wir sollen uns auch nicht an früheres, überholtes Verständnis von Bibelstellen erinnern (…im Gegensatz zu echtem Licht, das gut und gerne 13 Milliarden Jahre alt werden kann, ohne zu verlöschen, hat das Neue-WT-Licht ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das an unverpacktem, angeniestem Bio-Hackfleisch heranreicht. Oder noch besser: Eka-Bismut, auch als Moscovium (un)bekannt, ist ein künstlich erzeugtes Element und hat nur ein paar Millisekunden zu leben, bevor es vergeht. Das ist der richtige Vergleich für die Vergänglichkeit und Zerfallsfrequenz des neuen Lichts gegenüber dem unendlichen, ewigen Licht Gottes!).
“Was interessiert mich meine Predigt von gestern?!”. Die Zeugen definieren ihre Vergangenheit aus der Glorifizierung der Gegenwart. “Die Mutter-Organisation hat keine Fehler gemacht. Die Braut Christi ist unbefleckt”. Nie Fehler gemacht, nie. Einzelne Personen ja, aber der wunderschöne Leib der J.W.Org, der sich auf dem blauen Bettlaken der Inanspruchnahme biblischer Autorität im Spiegel überm Bett begafft und sich seiner herrlichen Erscheinung ins Verzücken lobt, nicht. Schön, so schön – hält sie sich. Nie war sie schöner als jetzt und heute. Wer zurückschaut und die Fehler – sogar nur die vergangenen – anspricht, ist ein Kritikaster  und nicht des Königreiches würdig.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aktion_gegen_Miesmacher_und_Kritikaster

Soll aber auch heißen: wir sollen uns nicht in der Org mit offenen Augen umschauen. Und wenn man sich umschaut, darf man nur das Schöne sehen, nur das geistige Paradies ist sehens-wert. Wer auf die Schwachen, die Traurigen und die Stillen schaut, der hat mit ihnen quasi schlechten Umgang. Aber in Wirklichkeit verhält sich die Versammlung zu einem angenommen geistigen Paradies wie ein Solarium bei Stromausfall zu einem Lustgarten. Aber das darf man nicht bemerken, man muss die Augen verschließen (oder besser noch: die Augen um 180° in die Höhle drehen, im Kopf versenken und Sehnerv versengen).

Wer sich an seine Fehler nicht erinnert, der kann die daraus gezogenen Lehren nicht anwenden, wer sein Gedächtnis versiegelt, dem bleibt der Inhalt der Lektion verschlossen. Und so wird man nie irgend etwas lernen, wenn man die Existenz von Fehlern leugnet. “Ich habe nie beim Betanken geraucht”, sagte der brennende Tankwart mit der Zigarette in der Hand…

Und schlussendlich lenkt die Organisation auch dadurch Gedanken der Zukunft. Das geht weit über Paradiesbilder hinaus. Sie verfehlt fröhlig weiter in aller Breite und Tiefe des Sortiments der Selbstverehrung (wie ein goldenes Standbild, das sich vor sich selbst verbeugt) und verwurstet und verdaut und zerstört dadurch weiter allerlei Glaubensleben und Leben.

Sie haben nicht nur unsere Zeit gestohlen. Sie haben ganze Zeiten unter ihre Fuchtel und Kontrolle gebracht. Und nun wird es endlich mal Zeit, dass die Ihrige abläuft*.

Liebe Grüße
O83

*Wunschtraum; es sei mir vergönnt.

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Petrus111

Liebes Kristallin, den Menschen ist eine begrenzte Zeit auf Erden gegeben, aber die Ewigkeit ist im Herzen der Menschen. Du sagst, dass die JZ einem die Zeit gestohlen haben. Ja, das ist im buchstäblichen Sinne richtig -und all denen, die ausgestiegen sind, braucht man das auch nicht mehr zu erklären. Das Tragische aber ist: JZ erklären die doch so begrenzte Zeit des Menschen für wertlos, wenn man diese Zeit nicht im “Dienst für Gott” einsetzt – denn nur dies sei das Einzige, was heute, in der ablaufenden Zeit des Endes – von Wert sei. JZ erklären alles außer der Religionsausübung… Weiterlesen »

Grübler

Lieber Petrus 111, du hast es wieder mal auf den Punkt gebracht! Das Leben in unserem Land wird oft erst durch das soziale Engagement unserer christlichen Mitbürger lebenswerter. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz mancher ginge in einigen Bereichen gar nichts mehr. Mir klingt da immer noch in den Ohren, wie schlecht doch die bösen “Weltmenschen” sind, die ja dann in Harmagedon umkommen sollen. Ich habe immer (auch in meiner aktivieren Zeit als Ältester ) gesagt, dass es nicht sein kann, dass ein altes Muttchen, dass voller Gottvertrauen jeden Sonntag in die Kirche geht, vernichtet werden muss. ZJ s, die ihr Christentum… Weiterlesen »

Lichtspender

Jeremia 6:13-16 fasst deine Gedanken, glaube ich ganz gut zusammen: „Denn von ihrem Geringsten selbst bis zu ihrem Größten macht jeder ungerechten Gewinn für sich;+ und vom Propheten selbst bis zum Priester handelt ein jeder trügerisch.+ 14  Und sie versuchen den Zusammenbruch* meines Volkes leichthin* zu heilen,+ indem [sie] sprechen: ‚Da ist Frieden! Da ist Frieden!‘,* wenn kein Frieden da ist.+ 15  Schämten sie sich, weil sie sogar etwas Verabscheuungswürdiges getan hatten?+ Fürs erste schämen sie sich ganz bestimmt nicht; und zum andern haben sie nicht einmal kennengelernt, was es heißt, sich gedemütigt zu fühlen.+ Darum werden sie unter den Fallenden fallen;+… Weiterlesen »