Die christliche Ekklesia des ersten Jahrhunderts

Der häufigste Begriff in den christlichen Schriften zur Benennung der Christen insgesamt ist der griechische Begriff ekklesia, gewöhnlich mit „Kirche“ oder „Versammlung“ wiedergegeben. Interessant ist jedoch, dass dieser Begriff an sich keine eigentlich religiöse Bedeutung hat.

Die WTG wendet diesen Begriff in einem weiten Sinne auf sich selbst, auf die eigene Organisation, d.h. die Gesamtheit aller Zeugen Jehovas an, im engeren Sinn jedoch nur auf die 144000 “Gesalbten”.

Ein Beispiel für die egozentrische Anwendung, seitens der WTG auf sich selbst, finden wir im  Wachtturm Juni 2016 S. 9 Abs. 11; S. 10 Abs. 13; Zitat sinngemäß:

“Heute formt Jehova seine Diener hauptsächlich durch sein Wort, durch seine Christenversammlung (durch seine Organisation), seinen heiligen Geist und jeden Einzelnen von uns auch durch die Aufseher der Christenversammlung.”

Der „Gottesdienst“ als Zeuge Jehovas

Der sogenannte Gottesdienst eines Zeugen Jehovas steht auf drei Säulen: Predigtdienst, persönliches Studium und regelmäßiger Versammlungsbesuch. Gestützt auf die Worte des Apostel Paulus aus Hebräer 10:24, 25 macht die WTG ein absolutes Gebot aus dem Besuch ihrer angeordneten und organisierten Zusammenkünfte.

Wie soeben zitiert, ist nach einer genauen Prüfung der Fakten zu sagen, dass die Art der Zusammenkünfte, wie sie von Jehovas Zeugen abgehalten werden, nur einem Zweck dienen: “dem Formen der Diener Jehovas“ durch seine Organisation und ihre Aufseher.

Diese Art der Zusammenkünfte hat nichts mit dem zu tun, was in der ursprünglichen Christenversammlung gepflegt wurde. Betritt ein Besucher einen sogenannten Königreichssaal zum ersten Mal, fallen ihm die riesigen Bildschirme an Decken und Wänden auf. Das Ganze erinnert eher an einen sogenannten Meeting- oder Schulungsraum, als an eine Versammlungsstätte von Christen.

Und tatsächlich werden diese digitalen Einrichtungen zur Übermittlung des zentralistisch vorbereiteten Programms genutzt. Diese „Versammlungsräume“ haben eher etwas mit Indoktrination und Gehirnwäsche zu tun, als mit  spiritueller Erbauung. Besonders zwei wöchentliche Zusammenkünfte dienen einzig dem Ziel der Indoktrination.

Als Grundlage der etwas sperrig klingenden “Unser Leben und Dienst als Christ- Zusammenkunft“, (früher “Dienstzusammenkunft”) dient nun ein gleichnamiges Arbeitsheft als Grundlage und Leitfaden der wöchentlichen Manipulation.  Dieses „Arbeitsheft“ gibt den Stoff für die wöchentliche Zusammenkunft vor und enthält die immer gleichen, repetitiven organisatorischen und “Predigtdienst”- relevanten Anweisungen der WTG.

Die wöchentliche Gemeindebetrachtung des anstehenden “Wachtturm-Studienartikels” (nicht für die öffentliche Verbreitung bestimmt) ist ein weiterer Baustein der Indoktrination.  Bei dieser Betrachtung handelt es sich um einen von der WTG nach Art eines “Frage-Antwort-Spiels” strikt reglementierten Kultus, anhand vorgegebener Fragen, die mit vorgegebenen Antworten zu beantworten sind. Zwischenfragen oder Einwürfe sind nicht vorgesehen und werden als verdächtig registriert.

Auch der “Wachtturmstudienleiter” muss sich penibel an den vorgegebenen Stoff halten und ihn nicht durch eigene Zusatzgedanken erweitern oder bereichern. Obgleich der Themen viele sind, kreisen die von der WTG vorgegebenen und zu betrachtenden Gedanken immer wieder um einige wenige, thematisch stark eingegrenzte Punkte, wie Einsatz für Jehova, Demut und Gehorsam, Reinheit der Versammlung oder Loyalität dem Sklaven gegenüber. Von den Anwesenden wird erwartet, dass sie sich durch “eifriges Kommentare geben” beteiligen, was als Zeichen “geistigen Fortschritts” und “Reife” betrachtet wird.

Die urchristlichen Gemeindezusammenkünften

Was für ein Unterschied zu den urchristlichen Gemeindezusammenkünften, auf die wir nun näher eingehen wollen. Betrachten wir zunächst 1. Korinther 14,26, dort gibt Paulus den Rahmen für den Ablauf solcher Zusammenkünfte vor:

„Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen und ein anderer deutet es. Alles geschehe so, dass es aufbaut.“ (1. Kor. 14,26 Einheitsübersetzung)

In den Versammlungen der Zeugen Jehovas werden alle Lehrinhalte von einer Zentrale aus weltweit vorgegeben. Kein Platz für die Entfaltung des Geistes Gottes. Laut Paulus sollte es aber so sein, dass jeder Einzelne, nicht nur eine Gruppe an der Spitze, etwas beitragen kann und zwar mit mehr, als nur einen vorgegebenen Gedanken nachzuplappern. Jeder ist mit dem, was er ist und hat, wie ein einzigartiges Puzzleteil in der Christenversammlung. Die Christenversammlung lebt davon, dass sich Menschen individuell einbringen.

Hebräer 10:24,25 

Hebräer 10:24,25 wird von der WTG gerne zitiert, um das Zusammenkommen als Pflicht eines jeden einzufordern, wir lesen in der NWÜ:

„Und geben wir unser Zusammenkommen nicht auf, wie manche es sich angewöhnt haben, sondern machen wir uns gegenseitig Mut und das umso mehr, je näher ihr den Tag herankommen seht.“

„Unser Zusammenkommen nicht aufgeben“ birgt für einige Übersetzer eher den Gedanken in sich, „die Gemeinde zu verlassen“. Es geht also nicht um die Pflicht des regelmäßigen Erscheinens, als vielmehr um die Gefahr des sich endgültigen Abwendens von der Gemeinde Christi. Deshalb sagen einige Übersetzungen:

„Wir wollen die Versammlung der Gemeinde nicht verlassen, wie es bei einigen üblich geworden ist, sondern einander mit Zuspruch beistehen, und dies umso mehr, als ihr den Tag nahen seht.“ (Züricher) oder:  „ … indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen …“(Schlachter) 

Die WTG benutzt die Ermahnung des Paulus als eine Art geistigen „Schlagstock“, um den strikten Besuch ihrer routinemäßig abgehaltenen Zusammenkünfte zu erzwingen, aber damit liest man mehr in die Ermahnung hinein, als sie enthält. Das griechische Wort in diesem Text, das mit „aufgeben“ oder „versäumen“ (oder ähnlich) wiedergegeben wird, lässt auf ein Verlassen oder eine Preisgabe schließen, etwas, das weit schwerwiegender ist als die bloße Unregelmäßigkeit oder gelegentlichen Besuch der Zusammenkünfte. Die Bibel gibt uns auch keinen Anlass zu denken, dass Besuche solcher Zusammenkünfte als „Anbetung“ von größerem Wert sind, als andere Taten der Liebe im Alltagsleben eines Christen. Da sich Anbetung allerorts und jederzeit abspielt, kann Paulus nicht davon reden, Christen würden sich dazu typischerweise in einem Königreichssaal oder einer Kirche versammeln.

Halten wir fest: Weder in der Ermahnung aus Hebräer 10:24,25, noch in irgendeinem anderen Teil der Bibel, ist ein ausdrücklich für alle verbindliches organisiertes Regelwerk zu finden, wie solch eine Zusammenkunft mit Mitgläubigen abzulaufen hat, außer in 1. Korinther 14:26.

Was verstand man unter „ekklesia“?

Im Griechischen verstand man unter ekklesia gewöhnlich eine „Versammlung“ von Bürgern, zusammengerufen, um in Dingen ihres Gemeinwesens zu entscheiden. Wir finden ihn in diesem typisch weltlichen, nicht-religiösen Sinn in Apostelgeschichte 19:32,39,41 zur Bezeichnung der eilig zusammengekommenen Silberschmiede in Ephesus. Es liegt auf der Hand, dass er an sich nicht die Vorstellung von „Organisation“, im Sinne einer strukturierten Anordnung vermittelt, sondern einfach eine Zusammenkunft von Menschen, die eine Sache von gemeinsamem Interesse erwägen oder die Vorstellung von den so versammelten Menschen selbst.

Im ersten Jahrhundert gehörten die Christen zu keiner örtlichen „Ekklesia“, zu keiner religiösen Organisation, bei der sie eine formale Mitgliedschaft innehatten. Wenn sie sich mit anderen versammelten, so waren sie aufgrund des Zusammenkommens Teil der örtlichen „Versammlung“.

Es ist unvorstellbar, dass es sogenannte Verkündigerdienstkarten gab, in denen festgehalten wurde, wieviel Zeit sie in welchem Dienstzweig eingesetzt hatten oder wann sie getauft wurden oder ob sie sich zu den „Gesalbten“ oder „anderen Schafe“ zählten.

Der „Ruf“, der sie zusammenbrachte, kam von keiner religiösen Macht. Es war der Ruf der guten Botschaft, ein Aufruf, nicht bloß Gedanken und Ansichten auszutauschen, sondern vor allem Gottes Botschaft zu hören. Und während des gesamten ersten und zweiten Jahrhunderts fanden ihre Zusammenkünfte nicht in besonderen religiösen Gebäuden, sondern in ihren Häusern statt.

Sie besaßen keine Immobilien und benötigten keine Bauregionen oder internationale Baukomitees. Niemals wird der Begriff „ekklesia“ auf Gebäude angewandt, in dem sich die Christen trafen. Ob wir nun die kleineren Zusammenkünfte von nur einigen Christen in einer Stadt betrachten oder die größeren der gesamten christlichen Bevölkerung [in dieser Stadt], die „ekklesia“ findet im Hause eines ihrer Glieder statt, zum Beispiel im „Obergemach“. (Apg. 20:8)

Erst nach dem Ableben der Apostel gibt es Belege dafür, dass besondere Gebäude für christliche Zusammenkünfte errichtet wurden, und selbst dort waren sie der Räumlichkeit nachgebildet, in der Gäste in einem typisch römischen oder griechischen Haushalt empfangen wurden. Bis zum dritten Jahrhundert haben wir keine sicheren Belege dafür, dass es Kirchengebäude zur Anbetung gegeben hätte; alle Hinweise dazu deuten auf Privathäuser. (The Expositor’s Greek Testament)

Da sie selbst eine geistige „Wohnung Gottes“ bildeten, hatten sie keinen Bedarf an speziellen Gebäuden zur Anbetung. Der bekannte Schweizer Gelehrte Emil Brunner weist darauf hin und schreibt:

„Wo diese Verkündigung geschieht und […] Menschen durch dieses Wort gläubig werden, und wären es nur ihrer „zwei oder drei, die in seinem Namen versammelt sind“, da ist Kirche. Was immer sonst noch von der Kirche zu sagen sein mag: diesen Satz dürfen wir nicht umstoßen. Dieser Satz aber ist in seiner ganzen revolutionären Kraft bis heute nicht verstanden worden. … Wer davon abgeht, wer meint, es müsse noch anderes dazu kommen, damit wirklich Kirche sei, hat den Sinn des christlichen Glaubens verfehlt.“

Besonders als Zeuge Jehovas, auch als Ehemaliger, hat man das Gefühl, es müsse noch anderes dazukommen. Dass die ganze Sache so einfach sein soll, entspricht nicht unserer Vorstellung von einer „Versammlung.“ Religionen suchen normalerweise die Vorstellung von einer Organisation oder Religionsgemeinschaft mit einer Machtstruktur zu erwecken, die eine Zusammenkunft erst zu einer „wirklichen“ christlichen Versammlung macht. Doch die Botschaft der Bibel stützt sie darin nicht.

Man muss ja nicht damit zufrieden sein, sich zu zweit oder zu dritt zu versammeln, und das sollte auch nicht den Ansporn dämpfen, andere zu erreichen, aber es tut den Worten Christi vollauf Genüge: „Da bin ich in ihrer Mitte.“ Weitere hundert oder tausend Menschen, das Verlegen des Versammlungsortes in ein großes Gebäude oder die Anwesenheit eines Dutzends oder mehr Männer, die als von der Organisation ernannte Amtsträger angesehen werden: Das würde kein bisschen dazutun, dass dies eine „wirkliche“ christliche Zusammenkunft oder Versammlung ist. Es genügt allein die Gegenwart des Sohnes Gottes, der das Haupt der Versammlung ist.

Zusammenkommen, um einander zu Liebe und zu guten Werken anzuspornen

„Bleiben wir unserer eigenen Versammlung nicht fern, wie es bei einigen Brauch ist, sondern ermuntern wir uns gegenseitig, und dies umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.“

Weder in der Ermahnung aus Hebräer 10:24,25, noch in irgendeinem anderen Teil der Bibel, gibt es ein ausdrückliches Regelwerk, wie solch eine Zusammenkunft mit Mitgläubigen auszusehen hat.

Eine Betrachtung der biblischen Quellen über die Urchristengemeinde ergibt, dass wir einfach kein festgelegtes Muster finden können, das zeigt, wie christliche Zusammenkünfte auszusehen haben. Ursprünglich, direkt nach Pfingsten, kamen die Apostel und andere täglich im Tempel zu Besprechungen und Ermahnungen zusammen. Die Annahme, die meisten hätten es nach dieser Eingangsperiode auch weiterhin so gehalten, ist unrealistisch und es gibt auch keinen Hinweis darauf. Im Zusammenhang mit den Zusammenkünften im Tempel werden auch die gemeinsamen Mahle mit Brüdern in verschiedenen Häusern aufgeführt, und da Mahlzeiten Jesus Christus häufig die Gelegenheit boten, zwanglos geistige Segnungen auszuteilen, war das hier wahrscheinlich ebenso. Auch heute mag ein zwangloses Zusammenkommen, auch zum gemeinsamen Essen, ohne Reglementierung, eine Gelegenheiten zum Austeilen geistiger Segnungen sein.

In Ephesus ging Paulus während der ersten drei Monate in die Synagoge, also einmal pro Woche an jedem Sabbat. Dann kehrte er der Synagoge den Rücken und „sprach täglich im Saal [des] Tyrannus“, volle zwei Jahre lang. Es ist unlogisch, anzunehmen, es hätte sich bei denen, die mit ihm zusammenkamen, jeden Tag um dieselben Personen gehandelt, denn nur wenige konnten es sich erlauben, zwei Jahre lang ihre Zeit so zu verbringen. Wir wissen, dass Paulus Tag für Tag dort war; wir wissen aber nicht eindeutig, ob jemand sonst jeden Tag anwesend war. Und nichts belegt, dass die Christen sich danach in Ephesus oder anderswo mit derselben Häufigkeit trafen.

Belege weisen darauf hin, dass viele Christen ursprünglich in ähnlicher Weise die Synagogen besuchten. Sie behielten dies offenbar solange bei, bis Gegnerschaft es als nicht mehr ratsam erscheinen ließ. (Apostelgeschichte 18:24-26; vergleiche Johannes 16:1, 2.)

Die christlichen Schriften sind zwar voll von allen Arten von Ermahnungen, aber neben diesen Berichten im Buch der Apostelgeschichte, enthalten sie einfach nichts, das als spezielles Programm für die christliche Zusammenkunft umrissen oder empfohlen wird, sei es in Bezug auf Zeit, Häufigkeit oder Aufbau. Es gibt den Appell, aus Liebe zu den Mitbrüdern zusammenzukommen. Es wird gesagt, was das wesentliche Ziel und der Zweck ist: Nämlich einander zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen; aber die Art und die Form bleiben offen.

Bei dieser Art informeller Zusammenkünfte konnten Menschen aus sich herausgehen, sie selbst sein, aus ihrem Innersten reden, sie mussten nicht bloß vorgelegten Stoff wiederholen und sich an einem straff kontrollierten, schablonenhaften, katechetischen Frage-und-Antwort-Spiel beteiligen. Die Menschen lernten einander wirklich kennen, sie spürten, was jemand tatsächlich empfand und hörten nicht bloß mit an, wie jemand die Gedanken und die Ansichten anderer, statt der eigenen, von sich gab.

Debatten über widerstreitende Ansichten ohne straffe Führung?

Wenn es keine Organisation, kein Machtgebilde gibt, welches eine straffe Kontrolle ausübt, was bewahrt dann solche Zusammenkünfte davor, in Debatten über widerstreitende Ansichten abzugleiten?

Sogar während der Zeit der Apostel, denen Gott besondere Vollmacht gegeben hatte, weist nichts darauf hin, dass sie oder jemand anders, als Einzelne oder als Gruppe, strenge Kontrolle über die Zusammenkünfte und Unterredungen der Christen ausübten. Die wohl umfassendste und beinahe einzige Darstellung von Zusammenkünften ist die aus 1.Korinther Kapitel 14. Und da wird nur eine grundsätzliche und rücksichtsvolle Ordnung und das Bemühen, Verständnis zu vermitteln, betont.

Es gibt natürlich Ermahnungen gegen Debattieren, Widerreden, nutzlos begonnene Streitgespräche und ähnlich negative Praktiken. Aber statt Zwang gegen die Gläubigen anzuwenden, wurden diese Übel vor allem mit Überzeugungskraft und durch Betonen und Fördern guter Eigenschaften bekämpft.

Dieser Zustand der Freiheit war daher sowohl Chance als auch Test. Er forderte alle, die sich darin befanden, auf, zu beweisen, dass sie tatsächlich versammelt waren, um einander aufzubauen und zu Liebe und guten Taten anzuspornen, nicht nur, um eigenes Wissen zur Schau zu stellen oder private Theorien vorzubringen und zu erörtern. Vielmehr sollten sie Rücksicht auf andere nehmen, Selbstbeherrschung zum Wohl aller üben und Demut, Respekt, Geduld, Verständnis, Sympathie, Mitgefühl, sowie aufrichtiges Bemühen zeigen, Gottes Sohn als ihr Haupt widerzuspiegeln.

Diese Kriterien möchten wir auch beachten, wenn wir uns über das Internet austauschen. Endlose Diskussionen über oft persönliche Ansichten führen nur zu Wortzänkereien. Christen müssen sich nicht gegenseitig von ihrer jeweiligen Sicht zu gewissen biblischen Fragen überzeugen. Das Überzeugen sollten wir der Macht des Geistes Gottes überlassen.

Man kann auch die Ansicht eines anderen einfach stehen lassen, auch wenn sie in deinen Augen falsch sein mag, solange die Grundlage der guten Botschaft nicht verwässert oder verfälscht wird.

Nur so kann man Durcheinander und Gezänk bekämpfen, nur so kommen wahrhafter Friede und Harmonie zustande. Es sind die Früchte des heiligen Geistes Gottes und dieser Geist überwachte die Christenversammlung in den Anfängen dann auch und bewahrte Ordnung und sicherte der Versammlung ein gesundes, erbauliches Klima zu. Solange Menschen einen Geist tiefen Respekts für Christus, als das Haupt der Gemeinde zeigten und ihn „mitten unter sich“ wähnten, auch wenn sie nur zwei oder drei waren, gerieten die Dinge nicht außer Kontrolle oder verkamen zu nutzlosem, ungesundem, streitlustigem Gerede. Und: Das gilt auch für uns, im digitalen Zeitalter.

Unstimmigkeiten gibt es, wenn Menschen das, was die Schrift selbst unbestimmt oder mehrdeutig lässt, eindeutig, ausdrücklich oder schlüssig machen wollen. Unstimmigkeiten entstehen, wenn Menschen das zu Hauptthemen machen, was im Gesamtbild nur unwesentlich ist und wenn sie einen bloßen Rat oder allgemeine Grundsätze zu Vorschriften machen.

Wenn Menschen nicht einsehen wollen, dass nicht nur sie, sondern alle ihre Brüder und Schwestern in einem persönlichen Verhältnis zu Gott und Christus stehen, dass niemand einen besonderen „Draht“ zu Gott und seinem Sohn hat, der nicht allen Gliedern des Leibes offensteht. Das kann uns davor bewahren, zu denken, wir hätten eine einzigartige Einsicht oder ein besonders inniges Verhältnis, das uns von anderen abhebt und zu einem göttlichen „Kanal“ für sie macht.

„Doch …, „ werden jetzt einige einwenden wollen, „ … forderte uns der Apostel Paulus nicht dazu auf „eines Sinnes und einer Meinung“ zu sein?“ Nun, wie der Textzusammenhang zeigt, ging es ihm eben nicht um völlige Uniformität, im Verständnis jedes einzelnen Punktes der Schrift. Christen  sollten vielmehr in Auffassung und Einstellung eins sein und trennende Haltungen, die sie in Gruppen aufsplitterten, beiseite legen.

„ … so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid“. Philipper 2:2 Luth. 

„Nun, dann macht meine Freude vollkommen und haltet entschlossen zusammen! Lasst nicht zu, dass euch etwas gegeneinander aufbringt.“Phil. 2:2 (Neue Genfer)

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neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Ulla

Hallo BI,
vielen Dank für den Artikel. Ja, ab und zu sind auch hier “örtliche Bedürfnisse” zu behandeln…
Sollten auch meine Eingaben in Kommentarform mit dazu beigetragen haben, diesen Punkt zu behandeln, bitte ich um Verzeihung. Vielleicht hab ich mich ja wirklich hin und wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt… : )
Meine Euphorie und Begeisterung etwas zu drosseln hier auf BI verspreche ich hiermit offiziell.
LG Ulla

RoKo

Dem Blogschreiber meinen Daum nach oben. 👍 Mein Herz hüpft freudig.
LG RoKo

www.Christusbekenner.de

Frage einen Zeugen Jehovas: „Gehörst du zur Ekklesia Christi?“ Wahrscheinlich wird er sich über diese Frage verwundert zeigen und dich mit großen Augen ansehen. Bitte ihn, seine Interlinear-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften hervorzuholen, die von der Watch Tower Bible and Tract Society 1985 unter dem Titel „The Kingdom Interlinear Translation of the GREEK SCRIPTURES“ herausgegeben wurde. Lass ihn dann bitte Matthäus 16:18 öffnen und zeige ihm das griechische Wort, das dort über dem englischen Wort „congregation“ abgedruckt ist = „Ekklesia“. In der rechten Spalte zeigst du ihm noch die Worte Jesu gemäß der englischen Übersetzung: „I will build my congregation… Weiterlesen »

Dominikus Klein

Enfach zum NACHDENKEN!
Da streiten sich “echte” Christen und “wahre” Christen um die richtige Bibelauslegung – mit Vorliebe wird das Johannes-Evangelium und die Offenbarung zitiert.
BEEINDRUCKEND…nur…eh…ja…sie verwenden ALLE die Bibel!
Und wer legte fest, nicht nach Jahren, auch nicht nach Jahrzehnten sondern nach RUND 300 Jahren was in der Bibel aufgenommen wird und was nicht?
Zitiert jemand den BARNABAS-Brief? Den HIRTEN von HERMES? Die Offenbarung des PETRUS?
Von Edelmuth bis zum Christusbekenner ein empörtes NEIN!
Könnte es möglich sein das nur die von der KATHOLISCHEN KIRCHE autorisierten Schriften verwendet werden (moment mal, ich spreche hier nur vom NT)?
Gruß Domi

Zartbesaitet

Lieber Bruder, danke für diesen Artikel. Er dient uns sicher als Argumentationshilfe für jene, die uns versuchen noch immer in die Versammlung zurückzubringen, weil sie meinen, dies sei ein “christliches Gebot”. Wir werden zwar immer weniger gefragt, denn die Hoffnung uns wieder versklaven zu können schwindet. Viele beneiden uns um unsere Freiheit, das wissen wir. Aber einige hätten gerne unser über Jahrzehnte eingebrachtes Potential zurück in der Versammlung (z.B. Gastfreundschaft, Vorträge die nicht Druck ausüben sondern wohltun…(hörten wir zuletzt über unsere Söhne, dass dies den Brüdern fehlt)). Wir investieren lieber dort, wo die ORG ja ganz ausläßt…im Bemühen gemeinsam mit… Weiterlesen »

Sarah

Vielen Dank für den guten Artikel. “Das Überzeugen sollten wir der Macht des Geistes Gottes überlassen”….Dieser Satz hat mir besonders gut gefallen. Wir müssen akzeptieren, dass Gott das Aussenden und das Wirken des heiligen Geistes seinem Sohn übergeben hat. So wurde Christus Herr über seine Nachfolger. Er schickt ihnen den heiligen Geist, den Helfer, das hat er ihnen vor seiner Himmelfahrt versprochen. Darauf können sich Christen auch heute noch voll verlassen. Zu lesen in Johannes Kap. 14-16. Er zieht Menschen zu sich. Er gibt Verständnis und beeinflusst das Herz. Er bewirkt das Wollen und die Befähigung zum Guten. Er lässt in… Weiterlesen »

Demetrius

Danke für die gute Hinweise. Aber jetzt habe ich da doch wieder eine Frage. Wir sind alle mehr oder weniger gut getauft. Bei mir ist z. B. wurden noch nicht die neuen abgeänderten Tauffragen benutzt. Aber uns wurde ja in Mat 28:19,20 auch geboten, geht hin macht Jünger und tauft sie. Weiterhin heißt es in der NWÜ in 1. Pe 3:21 “das, was diesem entspricht, rettet jetzt auch euch, nämlich die Taufe (nicht das Ablegen der Unsauberkeit des Fleisches, sondern die an Gott gestellte Bitte um ein gutes Gewissen), durch die Auferstehung Jesu Christi.” oder lt. der Lutherbibel “das ist… Weiterlesen »

pit

Liebe Geschwister,
Wärt ihr so liebenswürdig und würdet unter dieser Antwort weiterschreiben.
Unter Christusbek… sind schon 55 Antworten verlinkt und die Sprunganweisung der neuen Antworten wird bei mir immer auf die gleiche Stelle adressiert. Bei so vielen Antworten brauch ich oft länger für das Suchen, als für das Lesen.
Friede pit
+++++++
?????
BI

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