Behalte den inneren Frieden trotz sich ändernder Umstände

2. Kommentar zum wt 10/18, S.27, 24. 

„Ich [habe] meine Seele beschwichtigt und beruhigt“ (PS. 131:2)

Die Entlassung vieler langjähriger Bethel-Mitarbeiter muss wohl viele der Betroffenen sehr beunruhigt haben. Mit diesem Artikel versucht nun der Sklave, die aus dem Bethel geschickten Mitarbeiter, mit den Worten aus Psalm 131 zu trösten oder besser gesagt zu beruhigen: 

„O Jehova, mein Herz ist nicht hochmütig gewesen, Noch sind meine Augen überheblich gewesen.  Sicherlich habe ich meine Seele beschwichtigt und beruhigt Gleich einem Entwöhnten bei seiner Mutter.“

Wer diesen Artikel jedoch aufmerksam liest, muss erkennen, dass die Mehrheit der Ratschläge keine echte Hilfe sind. Die im Artikel erwähnten angeblichen Erfahrungen sind ein plumper Versuch, den hunderten entlassenen Bethel-Mitgliedern ihre berechtigten Befürchtungen klein zureden.

Link zum Video: HIER

Zitat Abs. 1:

LLOYD und Alexandra waren über 25 Jahre im Bethel. Dann bekamen sie eine Zuteilung außerhalb. Anfangs waren sie darüber sehr traurig. Lloyd sagt: „Ich habe mich mit dem Bethel und meiner Aufgabe dort identifiziert. Im Kopf konnte ich die Gründe für die Veränderung nachvollziehen, aber ich hatte in den Wochen und Monaten danach oft das Gefühl, dass ich nicht mehr gebraucht werde. Es war ein totales Gefühlschaos. Manchmal ging es mir gut, dann war ich wieder völlig down.“

Tatsächlich erging es nicht nur diesen beiden so. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt müssen diese Brüder nach 25 oder 30 Jahren im Bethel-Dienst durchgemacht haben, als sie in den Allgemeinen Pionierdienst geschickt wurden? Mit schönen Worten und einer positiven Umschreibung ihrer traurigen und ungewissen Situation wurde ihnen gesagt, dass sie von nun an im Bethel überflüssig sind. Ihr Lebensziel war es im Zentrum der Organisation Jehovas zu dienen – und nun das. Das hatten sie nicht erwartet.

Nach dem, was wir von anderen Betroffenen gehört haben, schaffen es die meisten nicht, sich so positiv zu äußern, wie die im Artikel vorgestellten Brüder. Die meisten Entlassungen erfolgten ohne Vorankündigung und ohne jegliche Art von Entlassungspaket oder Unterstützung, seitens der WTG. Eine plötzliche Veränderung dieser Größenordnung, nach 25 Jahren stabiler Lebensumstände, muss eine verheerende Wirkung auf das emotionale Wohlbefinden der Menschen haben – eine Wirkung, die nicht zu unterschätzen ist und nicht kleingeredet werden darf, wie es in diesem WT-Artikel getan wird.

Den Verlust der Ordenszugehörigkeit

Was bedeutet das? Bethel-Mitarbeiter sind Teil einer Ordensgemeinschaft. Das bedeutet, dass der von der WTG eingerichtete Orden, ähnlich einem Klosterorden, für die Ordensmitglieder eine lebenslange Fürsorgepflicht hat. Dafür legen die Bethel-Mitarbeiter und Sonderpioniere ein schriftliches Armutsgelübde ab. (https://www.jehovaszeugen.de/uploads/media/Amtsblatt_2006_Nr._1.pdf )

Wer freiwillig diesen Orden verlässt, verliert alle Ansprüche einer Versorgung. Lediglich für die Jahre die er im Orden, also im Vollzeitdienst der WTG stand, muss die WTG einen pauschalen Beitrag an die Rentenversicherungsanstalt zahlen. Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Absicht der WTG, wenn sie die Vollzeitdiener drängt, freiwillig eine Bewerbung für den Allgemeinen Pionierdienst einzureichen. Von nun an müssen sie, nach 20–30 Jahren Versorgung, wieder selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen.

Für Menschen, die plötzlich, nach so vielen Jahren, so aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden, ist das sicherlich ein Schock.

Warum ich? Warum jetzt?

Die Frage – warum in so großem Stil und so plötzlich eine Verringerung der Bethel-Vollzeitdiener erforderlich war – ist berechtigt. Wurde nicht all die Jahre den jungen Zeugen der Vollzeitdienst als theokratisches Ziel oder als bester Lebensweg schmackhaft gemacht?

Wenn der Abbau ordnungsgemäß geplant worden wäre, hätte er durch natürlichen Schwund und mit ehrlicher Vorwarnung besser bewältigt werden können. Dies hätte die Anzahl der zwangsweisen Entlassungen verringert und die Anpassung für die Betroffenen an ihre neue Lebenssituation erleichtert. Es drängt sich auch die Frage auf, warum all dies notwendig gewesen sein soll, insbesondere, wenn die Rekrutierung jugendlicher Zeugen, für die Arbeit im Bethel, fortgesetzt wird.

Was auch immer die Motive hinter diesen Änderungen waren: Sie sind  rücksichtslos, menschenverachtend und unchristlich. Und dies sollte man von einer Organisation, die behauptet, christlich zu sein und von Jehova geleitet zu werden, nicht erwarten. Die Behauptung, sie sei die liebevollste Organisation auf Erden, ist, einfach gesagt, nur hohl.

Den Frieden Gottes erleben

Die Absätze 3-5 befassen sich mit Joseph und dem was er erlitten hat. Um eine Verbindung zu den entlassenen Vollzeitdienern herstellen zu können, muss die Organisation auf eine altbewährte Taktik zurückgreifen, Spekulation: 

Abs.4: „Während der schlimmen Zeit im Gefängnis hat sich Joseph bestimmt darauf konzentriert, wie Jehova ihn segnete. Vielleicht gaben ihm auch die prophetischen Träume, die er in jungen Jahren gehabt hatte, die Gewissheit, dass Jehova ihm beistand (1. Mo. 37:5-11). Wahrscheinlich schüttete er Jehova sein Herz oft im Gebet aus (Ps. 145:18). Jehova erhörte Josephs innige Gebete: Er stärkte Josephs Vertrauen darauf, dass er „mit ihm“ sein würde — was auch immer kommt (Apg. 7:9, 10).“

Es mag zutreffen, dass sich Joseph im Gefängnis darauf konzentriert hat, wie Jehova ihn in der Vergangenheit gesegnet und ihm geholfen hatte. Doch die Behauptung, Jehova stärkte Josephs Vertrauen darauf, dass er „mit ihm“ sein würde – was auch immer kommen mag – ist wieder mal reine eigenzweckdienliche Spekulation. Die Bibel sagt nicht, Jehova habe ihm die innere Überzeugung gegeben, dass er immer bei ihm sein würde, egal wie viel Leid er ertragen müsste. Mit dieser Mutmaßung möchte man zum Ausdruck bringen: Handelt so wie Joseph, dann wird Jehova auch für euch heute alles richten.

Dies ist jedoch eine trügerische Schlussfolgerung. Auch wenn es einzelne biblische Berichte gibt, bei denen Gott in die Geschicke Einzelner eingriff, so kann man davon nicht ableiten, dass Gott die Geschicke der Menschen lenken würde, indem er für Arbeit, Wohlstand und Gesundheit sorgt. Normalerweise greift Gott nicht in die Angelegenheiten des Menschen ein, auch dann nicht, wenn sich der Betreffende einbildet, im Namen Gottes zu handeln. Deshalb ist es ist ein großer Trugschluss, wenn Jehovas Zeugen denken, Gott würde sie in allem unterstützen, wenn sie „sein Werk“ oder das was sie dafür halten, in ihrem Leben allem voranstellen.

Die Frage ist, warum er die Geschicke derjenigen beeinflusst, die ihr Leben in seinen Dienst stellen, nicht aber die derjenigen, die an schrecklichen Krankheiten und Behinderungen leiden oder die der Kinder, die durch Missbrauch seelisch so sehr geschädigt wurden, dass sie ihren Glauben an Gott verloren haben. In den Schriften heißt es: „Gott ist nicht parteiisch“. Ein Gott der Liebe würde auf diese Weise keine solche Parteilichkeit zeigen. 

Wie „reife Brüder“ auf die „organisatorischen Veränderungen“ reagieren sollten

In Absatz 6 präsentiert die WTG eine weitere Erfahrung, die zeigen soll, wie „reife Brüder“ auf die jüngsten organisatorischen Veränderungen reagierten. Als Ryan und Juliette erfuhren, dass sie aus dem Sonderpionierdienst ausscheiden sollten, nahm sie dies, nach eigenen Aussagen, ziemlich mit. Kein Wunder, lebten sie doch bis dahin in der Überzeugung, ihr Leben in den Dienst Jehovas gestellt zu haben. War es nicht die „Organisation Jehovas“ die immer wieder betonte, dass Jehova der beste Arbeitgeber ist und er keinen enttäuschen wird, der sich in seiner Organisation für ihn einsetzt?

Und nun, da sie diesen künstlichen Wohlfühl-Status unter großen persönlichen Opfern erreicht haben, müssen sie ihre Komfortzone verlassen, weil Jehovas Organisation die finanziellen Mittel „sinnvoller“ einsetzen will? Sie verzichteten auf eine fundierte Ausbildung, als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben, und nun wird ihnen gesagt: Ein „Weiter so“ ist in den Augen Gottes nicht sinnvoll?

Hat Jehova kein Geld mehr, um seine Dienern mit einem bescheidenen Beitrag zu unterstützen, wenn sie in seinem Werk tätig sind? Was für ein armseliger Gott, das muss man erst einmal verkraften. Kein Wunder, dass solche Menschen psychologisch traumatisiert sind und im Gebet Zuflucht suchen. „Wir haben sofort zu Jehova gebetet“, sagt Ryan. „Jetzt konnten wir zeigen, wie sehr wir auf ihn vertrauten.“ 

Jetzt konnten sie zeigen, wie sehr sie auf Jehova vertrauten? Haben sie nicht schon 10 oder 20 Jahre als Vollzeitdiener bewiesen, wie sehr sie auf Jehova vertrauen? Und nun erwartet Jehova wieder einen Vertrauensbeweis? Weiter sollen sie gesagt haben: „In unserer zugeteilten Versammlung waren viele noch nicht lange in der Wahrheit. Deshalb beteten wir darum, dass Jehova uns hilft, gute Glaubensvorbilder zu sein.“

Hier zeigt die WTG, was sie von ihren Mitarbeitern wirklich erwartet. Den beiden wurde in den Mund gelegt, was die Organisation eigentlich allen enttäuschten Vollzeitdienern sagen will:

Denkt nicht an eure Probleme, sondern denkt in dieser, für euch unangenehmen Situation, an die schwachen Brüder in eurer Zuteilung. Nicht, dass ihr diese noch durch eure negative und jammernde Haltung zum Straucheln bringt“.

Abs. 13 Wir alle kommen manchmal in Situationen, die wir kaum oder gar nicht beeinflussen können“.

Das mag grundsätzlich richtig sein. Die Frage hier ist nur, wer uns in diese Situation gebracht hat. Sind wir nicht als Vollzeitdiener voller Vertrauen und Begeisterung dem Ruf Jehovas gefolgt und haben uns ihm zur Verfügung gestellt? Und nun bringt er uns in eine Situation, die uns existenziell beunruhigt und sagt zu uns: „Bleib geduldig und versuche das Beste daraus zu machen, gebe mir etwas, was ich segnen kann“.

Ja, König David konnte, gemäß Psalm 37:5, sagen:

Wälze deinen Weg auf Jehova, und verlass dich auf ihn, und er selbst wird handeln.“

Das Problem ist nur: Wir stehen nicht in einem Bundesverhältnis mit Jehova, wie König David. David konnte damit rechnen, dass Jehova selbst eingreifen wird, um sein Vorhaben, in Verbindung mit David, zu verwirklichen. Wir würden uns selbst täuschen, wenn wir erwarten, dass  Jehova alle unsere Probleme, die wir unter Umständen selbst verschuldet haben oder weil wir uns verführen ließen, für uns löst. Weiter wird mit Verweis auf 2.Kor.4:8 gesagt:

Wir werden auf jede Weise bedrängt, doch nicht bewegungsunfähig eingeengt; wir sind ratlos, doch nicht gänzlich ohne Ausweg; wir werden verfolgt, doch nicht im Stich gelassen; Beständig erdulden wir überall an unserem Leib die Jesus zuteil gewordene todbringende Behandlung“. 2. Kor. 4:8

Diese Zusage würde auch ehemaligen Vollzeitdienern gelten, wenn sie sich auf den Predigtdienst konzentrieren. Aber hat dieser Predigtdienst wirklich etwas mit Christus zu tun? Können wir wirklich erwarten, von Jehova gesegnet zu werden, wenn wir auf falsche, von Menschen erdachte Hoffnungen vertrauen, die nicht auf sein Wort zurückzuführen sind? Können wir wirklich mit dem Segen Gottes rechnen, wenn wir diese falschen Hoffnungen und Irrlehren weiter predigen? Hat uns Jesus Christus nicht gewarnt: Lasst euch nicht irreführen?

Absatz 14 stellt nun den Evangeliumsverkündiger Philippus als ein gutes Beispiel vor. Trotz „veränderter Umstände“ habe er sich weiter auf den Dienst konzentriert. Welche veränderten Umstände gemeint sind, ist unklar. Mit Verweis auf die Begebenheit aus Apostelgeschichte 8:6-8 stellt man fest:

„Abs. 15 Philippus war bereit, überallhin zu gehen. So konnte Jehova durch ihn neue Gebiete erschließen. Seine Unvoreingenommenheit muss den Menschen in Samaria gutgetan haben. Die Samariter wurden von den Juden sonst eher verachtet. Kein Wunder, dass ihm Scharen von Menschen aufmerksam zuhörten! (Apg. 8:6-8).“

Eine genauere Analyse dieses Ereignisses zeigt, dass Philippus und die anderen „voll von heiligem Geist und Weisheit“ waren und deshalb vom Geist Gottes geführt, und nicht von einer Leitenden Körperschaft in andere Zuteilungen geschickt wurden. Sie wurden nicht von Männern einer Organisation, die weder durch Erfahrung, noch durch heiligen Geist qualifiziert sind, in eine Zuteilung geschickt, sie bekamen sie ihre “Zuteilung“ direkt durch den Heiligen Geist.

Mit Abs. 17 u. 18 kommt die WTG nun auf den Punkt und zeigt, worin ihre eigentliche Sorge besteht. Wenn du bisher gedacht haben solltest, dass die Organisation durch diesen Artikel um dein Wohlbefinden besorgt ist, zeigen die nun folgenden Aussagen, worum es wirklich geht. Vollmundig wird behauptet:

Dienstorientiert zu bleiben hilft einem, bei Veränderungen das Gleichgewicht zu bewahren. Osborne und Polite erzählten: „Wir haben drei Monate lang keine Arbeit gefunden und hatten auch keine Ersparnisse“. 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Erfahrungen, lief es bei den beiden also nicht so toll. Hier muss man konstatieren, dass es wohl bei vielen nicht so toll gelaufen ist. Überlege einmal: Drei Monate kein Einkommen, kein Geld für Essen, Miete, Heizung und Kleidung. Eventuell auch keine Vorsorge im Krankheitsfall. In dieser Situation wird jeder Mensch alles tun, um einen Job zu bekommen, was erfahrungsgemäß viel Zeit, Nervenkraft und Anstrengung bedeutet, besonders, wenn man keine vernünftige Ausbildung hat. Doch womit waren die Beiden (angeblich) beschäftigt und was half ihnen diese Belastungen zu ertragen? Zitat:

„Der Predigtdienst mit der Versammlung hat uns sehr geholfen. Wir haben uns auf das Richtige konzentriert und sind positiv geblieben. Wir beschlossen, uns beim Predigen voll einzubringen, statt dazusitzen und uns Sorgen zu machen.“

Am Schluss dieser fragwürdigen Erfahrung wird dann zwar noch so nebenbei erwähnt: Wir haben überall Arbeit gesucht und schließlich etwas gefunden.“ Die Botschaft ist aber eindeutig: „Konzentriere dich trotz aller Sorgen auf deinen Predigtdienst, bring dich voll ein und mache dir keine Sorgen, dann wirst du auch Arbeit finden. Wer den Predigtdienst für Jehova allem voranstellt, braucht sich um das tägliche Überleben keine Sorgen zu  machen. Toll“. Mit dieser passiven Einstellung, allen alltäglichen normalen Sorgen gegenüber, schließt der Artikel dann auch ab,

“Warte geduldig auf Jehova”

Der Vorschlag, auf Jehova zu warten, um mögliche Probleme zu klären, basiert hauptsächlich auf Micha 7:7, dort heißt es: „ Ich werde eine wartende Haltung gegenüber dem Gott meiner Erlösung zeigen. Mein Gott wird mich hören.“ 

Noch einmal ein klassischer Fall, wie eine Schriftstelle aus dem Zusammenhang genommen wird, Zitat Abs. 21:

Für Lloyd und Alexandra waren die Veränderungen eine ungeahnte Glaubensprüfung … „In Prüfungen zeigt sich, ob unser Glaube echt und stark genug ist, uns in schweren Zeiten zu tragen und Trost zu schenken. Solche Erfahrungen machen uns zu besseren Menschen.“

Nun, das mag richtig sein, denn Jakobus sagt: „Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt“.  Doch die Frage ist, wer für diese Prüfungen verantwortlich ist. Etwa Gott, um unseren Glauben zu prüfen? Jede Versuchung oder Prüfung unseres Glaubens kommt von dem, der böse ist, sagt die Bibel. „Keiner, dessen Glaube geprüft wird, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. … Denn Gott führt selbst niemand in Versuchung.“ (Jak 1,12-14) Ihr lieben ehemaligen Bethel- Mitarbeiter: Wer hat euch denn diese Prüfung auferlegt?

Zitat Abs. 20: „Durch eine neue Zuteilung oder Krankheiten sowie neue familiäre Verpflichtungen nimmt das Leben manchmal eine unerwartete Wendung“.

Was für eine Frechheit! Die WTG tut so, als ob es sich bei dieser neuen Zuteilung um einen Schicksalsschlag handelt, vergleichbar mit Krankheit oder familiären Problemen. Der Artikel schließt dann mit den Worten aus Micha 7:7: Mach das Beste aus deiner Situation. Such im Gebet die Nähe zu deinem himmlischen Vater und lass dich in seine Hände fallen. Dann kannst auch du trotz Veränderungen den inneren Frieden bewahren.“

Untersuchen wir den Kontext von Micha 7:7. Im ersten Teil des Verses heißt es: „Ich (Micha) aber halte Ausschau nach Jehova.“ Micha war ein ernannter Prophet Jehovas. (Heute sind wir es nicht.) Während der Regierungszeit von König Jotham, Ahas und Hiskia hatte er Jehovas Warnmeldungen an die Judäer und Israeliten gegeben (Micha 1: 1). Wegen der zügellosen Bosheit und Korruption, die er in dieser Zeit erlebte, warnte er:

Verlasst euch nicht auf den Nächsten, vertraut dem Verwandten nicht; bewahre die Pforte deines Mundes vor der, die in deinen Armen liegt!”. (Micha 7:5)

Anstatt sein Vertrauen in einen untreuen Israeliten zu setzen, vertraute er auf Jehova, als seinen Gefährten und vertraulichen Freund. Aber es gab keinen Hinweis darauf, dass er erwartete, dass Jehova irgendetwas in Ordnung bringt, was er selbst durch vernünftige Entscheidungen regeln könnte. Er erwartete nicht, dass Jehova persönlich für uns einschreitet, um  die Dinge für uns zu erledigen. Doch genau dies ist es, was die Organisation in eigenzweckdienlicher Absicht versucht, den enttäuschten Bethel-Mitarbeitern zu vermitteln.

Aber trotz der Tatsache, dass Jehova nicht persönlich in unser Leben interveniert, es sei denn, sein Eingreifen dient seinen göttlichen Zielen, bedeutet dies nicht, dass Jehova uns überhaupt nicht zur Seite steht. Die wichtigste Schriftstelle aus diesem Artikel scheint Philipper 4: 6-7 zu sein.

„Sorgt euch nicht, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!  Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren“.

Gemäß diesen Worten können wir also, wenn wir beten, persönlich den „Frieden Gottes“ empfangen. Sein Heiliger Geist kann uns eine geistige Ruhe geben, damit wir mit einer schwierigen Situation umgehen können. Aber Jehova veranlasst nicht, dass dir jemand einen Job bereitstellt, so wie es die WTG den Entlassenen einredet, diese Dinge sind selbst zu regeln.

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Tilo

Wenn die WTG so ausführlich über ein Problem schreibt, dann hat zuerst sie ein Problem! Ihr Problem besteht darin, dass sie keine soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter kennt. Es wurde ja bekannt, dass die WTG in den 90er Jahren eine bekannte amerikanischen Betriebsberaterfirma engagiert hatte, um ihren „Laden“ auf Effizienz prüfen zu lassen. Das Ergebnis haben wir vor uns: In nichts unterscheidet sich das Verhalten der WTG von irgendeiner Firma, die nach rein wirtschaftlichen Grundsätzen im Sinne des kapitalistischen Neoliberalismus arbeitet und damit gute Profite macht. Und worauf ruhen diese Profite? Sie beruhen auf den billigend in Kauf genommenen menschlichen… Weiterlesen »

Dominikus Klein

Hm…hm…was schreibt unser Verfasser?
Jede Versuchung oder Prüfung unseres Glaubens kommt von dem, der böse ist, sagt die Bibel. „Keiner, dessen Glaube geprüft wird, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. … Denn Gott führt selbst niemand in Versuchung.“ (Jak 1,12-14) Ihr lieben ehemaligen Bethel- Mitarbeiter: Wer hat euch denn diese Prüfung auferlegt?

Und was sagt Jesus dazu?

In Matthäus 6:13 (nach SCHLACHTER)

13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.
Domi

Nachdenker an Autor

Eine Frechheit dieser Artikel. Erst auf sämtliche weltliche Ausbildung und Karriere verzichtet, dann sich völlig für die WTG verausgabt und zum guten Schluss als Dank noch um einem wuerdevollen und sicherem Lebensabend gebracht und das auf Kosten der Versammlung oder des Sozialsystems auf das man ja so schimpft und wenn es geht nichts dazu beiträgt. Das ist Ausbeutung, Sklaventum und Freiheitsberaubung. Klar die Brüder und Schwestern haben sich freiwillig darauf eingelassen und das ist das Problem. Wer jetzt noch nicht erkannt hat um welche menschenverachtende Organisation es sich handelt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Heinz G.

Diese heutige JW.org nannte sich mal “Ernste Bibelforscher”. Von diesem “hehren” (erhabenen) Ziel haben sie sich längst verabschiedet. Heute sind sie eine profitorientierte “Firma”, die Religion nur noch als Tünche oder Klebstoff benötigt, um den Laden zusammenzuhalten. Aber die Optimierung ihrer finanziellen Ressourcen ist längst zum Hauptzweck geworden. Alles hat sich diesem Ziel unterzuordnen. Deshalb auch die “Aussortierung” von alten Bethelmitarbeitern/rinnen, die nur Kosten verursachen und nicht zur Ergebnisverbesserung beitragen können. Ihre “Mission” in armen Entwicklungsländern dient mehr der Tarnung ihrer eigentlich vorrangigen finanziellen Zielen.

stoertebeker

Störti an Bruderinfo1, sehr guter Artikel! Stehe voll dahinter. Habe vieles so oder ähnlich selbst erlebt. Bei mir ist das alles schon länger her. Aber das System bei der WTG war immer schon so. Nur zu meiner Zeit gab es nix für die Rentenkasse. Das wurde in Deutschland erst später eingeführt, nachdem jemand, den ich auch persönlich kenne bei Gericht geklagt hatte. Ist alles schon eine Weile her, aber geändert haben sie nur das, wozu sie gesetzlich gezwungen wurden. Die christliche Liebe verhöhnen sie durch ihr tatsächliches Handeln. Dank Internet sind die Fakten heute für jedermann zugänglich, und das ist… Weiterlesen »

Rene

hey, ich komme gerade aus Florida zurück und habe eine Versammlung in der Nähe von Orlando besucht und Freunde getroffen. In Ihrer Versammlung ist auch ein „Brooklyn Heimkehrer“. So um die 50 Jahre wird er sein, er hat Jahrzente im Bethel gearbeitet und war mehrere Jahre für die aufwändigen Reparaturen und Wartungen der Großklimaanlagen zuständig. Dann hat man Ihm mitgeteilt in Warwick sind modernste Klimaanlagen, da brauchen wir Deine Kenntnisse und Erfahrungen nicht mehr! Raus aus dem Bethel. Nun wohin sollte der alternd Junggeselle gehen? Jetzt lebt er bei seiner alten Mutter in Florida und fällt Ihr zur Last. Schwere… Weiterlesen »

Boas

An Alle, betreff Bruno Meyer! Ihr sollt es als erstes erfahren: Meine lieben Geschwister, soeben ist mein Papa, ein Sohn Jehovas, für alle überraschend mit 92 Jahren friedlich im Sekundentod entschlafen mit der festen Hoffung auf das neue Leben mit Jesus. Es wird keine weiteren Briefe von ihm geben. Auch wenn einige bereits lange Zeit angedacht waren. Ich werde mich freuen ihn im Königreich Jesu, dem Fürst des Friedens, wieder zu sehen und Hand in Hand mit ihm wieder schreiten zu können wie in Kindheitstagen. Die nächsten Tage werde ich viel zu tun haben. Verzeiht mir bitte wen ich mich… Weiterlesen »

Frank

Hallo alle zusammen, Ich würde gerne mal eine Frage in den Raum werfen. Hat aber nur begrenzt mit dem Artikel zu tun. Als ich zum Ersten Mal das neue Licht mit der ÜBERLAPPENDEN GENERATION hörte, dachte ich das wäre ein Sketch von einer TV Sendung oder ähnliches. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen das sowas in sich unlogisches und Groteskes ernsthaft eine Lehre sein soll. Mein Erstaunen war dementsprechend groß als das bei. Jw.org auftauchte und mit Bild und Zeigestock dieses NEUE LICHT erklärt wurde. Meine Frage ist nun ob dies jemand so glaubt. Glauben aktive Zeugen diese Lehre? Mein… Weiterlesen »