Was meine Haltung zur Organisation betrifft

In eigener Sache von  E.F.

Ich habe mein Ältestenamt aufgegeben, weil ich als Ältester die Weisungen und Anweisungen der WTG zu befolgen habe, dies aber nicht mehr uneingeschränkt tun konnte; deshalb halte ich auch keine Vorträge mehr, da ja nur Älteste und ausgewählte Dienstamtgehilfen dafür zugelassen sind. Als Ältester habe ich in den letzten Jahren meine Vorträge frei gestaltet, nach der Bibel und nicht unbedingt nach den Dispositionen, was dann zu Schwierigkeiten führte.

Es dauerte nicht lang und man sagte: Der eine Älteste kommt mit der Bibel, die anderen mit dem Sklaven! Darum legte ich mein Amt nieder. Doch werde ich nichts vertreten oder sagen – außer in Kommentaren vielleicht – was ich nicht vor meinem Gewissen verantworten kann.

Deshalb stehe ich auch jetzt und hier in dem ‘Geruch’, zwar gläubig, aber kein ‘Organisationsmann’ zu sein. Ich bekenne meinen Glauben als Christ, meinen Glauben an Gottes Wort, an Jehova und seinen Sohn – unseren Herrn. Aber ich gehe nicht mehr von Haus zu Haus, predige auch nicht mehr im Sinne der WTG, dass eine irdische Organisation – gegründet nach weltlichen Gesetzen, ob sie sich Kirche, Gemeinde oder Organisation nennt – Gottes Organisation sei.

Jesus sagte einmal in Matthäus 13:38: “ … der Acker aber ist die Welt”. Wenn ich in diesem Bild bleibe, dann gibt es in dem Acker eine katholische Fläche, eine evangelische, eine neuapostolische usw., auch eine Ecke für unsere Gemeinschaft. Aber der Weizen – wie auch das Unkraut – wächst auf dem ganzen Acker; der Weizen steht nicht nur in einer Ecke und ob eine Pflanze Weizen ist, hängt nicht davon ab, in welcher Ecke sie steht. Die Einsammlung erfolgt von den Engeln (Vers 39).

Doch, nach Matthäus 24:32, sammeln sie erst bei seiner Wiederkunft seine Auserwählten ein und trennen auch dann erst die Schafe von den Böcken. Es ist ja auch die Lehre der WTG, dass nämlich diese beiden Ereignisse noch zukünftig sind. Wenn ich aber der Bibel entnehme, dass Jesus den Weizen sammeln lässt, wie könnte ich dann sagen, dass jemand nur gerettet wird, wenn er zu einer bestimmten Organisation gehört? Könnte ich Christi Recht einschränken, zu bewahren und zu retten, wen er will?

Selbst in dem Gleichnis vom Schleppnetz deutet die WTG, ohne es jedoch explizit zu sagen, diesen Gedanken an, wenn man denn ihre Interpretation  annimmt. In dem Buch “Der größte Mensch”, Lektion 43, wird unter anderem dieses Gleichnis besprochen. Hier wird gesagt, dass das Schleppnetz alle christlichen Organisationen auf der Erde darstelle, aber  Jesus sagt, dass die Engel, bei der Vollendung des Zeitalters, die Fische aus dem ganzen Netz aussortieren, nicht nur aus einer kleinen Ecke davon. Wenn dem so ist, dann würden wir ja nur die Fische von einem Teil des Netzes in einen anderen werfen.

Wir sprechen gern davon “in der Wahrheit” zu sein, doch was meinen wir damit? Die meisten werden antworten: “Die Organisation”! Doch nach der Bibel ist Gottes Wort (Joh. 17:17), ja Christus selbst (Joh. 14:6), die Wahrheit. “In der Wahrheit zu sein” müsste bedeuten, “in Christus zu sein”, doch hörst Du in den Zusammenkünften, dass die Brüder so viel von Jesus sprechen, wie von Jehova oder von der Organisation? Ich höre es leider nicht! Ehren sie den Sohn wie den Vater (Joh. 5:23)? Die “Wahrheit”  ist nicht die Sammlung von Lehren einer Gemeinschaft, schon gar nicht, wenn diese Lehren sich häufig ändern. Wenn heute jemand das vertreten würde, was vor 20, 40 oder 60 Jahren als “Wahrheit” galt, würde er ja ausgeschlossen. Als man Vertretern der Gesellschaft solche älteren Lehren vorhielt, sprachen sie von “antiquierten Ansichten”, aber damals mussten diese antiquierten Ansichten als Wahrheit vertreten werden und man war mit ihnen “in der Wahrheit”!

Der Punkt ist jedoch nicht, dass wir uns in bestimmten Lehren irren, es gibt keine Gemeinschaft, die die ganze Wahrheit hat. Paulus sagt: “ … wir erkennen nur stückweise” (1.Kor. 13:9,12). Das Schlimme ist die Tatsache, dass Du nicht frei Deine Gedanken äussern darfst, wenn sie nicht linientreu sind. Du gerätst in den Verdacht der Abtrünnigkeit, obwohl Du nichts weiter als biblische Gedanken besprechen möchtest, aber solche Gespräche enden zumeist mit der Frage: “Wie stehst Du zum Sklaven?”  Das führt letztlich dazu, dass nicht wenige Brüder unaufrichtig sein müssen, um ihre innersten Gedanken zu verbergen, statt sie frei äußern und diskutieren zu dürfen, selbst wenn sie falsch wären. Die WTG erlaubt sich, ihre Irrtümer zu ändern, wenn sie es für angebracht hält und dann muss jeder das “Neue Licht” annehmen. Warum gewährt man den Brüdern nicht die Freiheit der Meinungsäußerung? Alles im Namen einer falsch verstandenen Einheit?

Ich bin nicht gegen jemanden, auch nicht gegen die Organisation – wenn sie das tut, was sie sollte, nämlich ihren Brüdern dienen. Wenn sie sich aber zum Herrn macht, tritt sie an die Stelle Christi, unseres wahren Herrn. Selbst ein Paulus sagte: “Wir sind nicht Herren eures Glaubens” (2.Kor. 1:24) und er zeigte große Geduld, wenn es nicht um das Evangelium der Gesetzes- und wertfreien Gnade ging (zum Beispiel Röm. 14, 1.Kor. 10:23; Philip. 3:15). Ich habe in den Jahren meiner Verbundenheit mit der Versammlung viele liebe und aufrichtige Menschen kennengelernt und ich möchte ihnen, so weit es mir möglich ist, von der Rettung in Christus erzählen, davon, dass wir nicht nur außenstehende Freunde, sondern Kinder Gottes, Angehörige seiner Familie, sein dürfen (Joh. 1:12-13; 1.Joh. 3:1-2). Wenn ich mich von der Versammlung trennen würde, dann dürften diese Menschen alle nicht mehr mit mir sprechen, ein Gebot, das weder aus 1.Korinther 5 noch aus dem 2. Johannesbrief abgeleitet werden kann. Aber eine solche Entscheidung ist nicht für jeden geeignet, jeder muss  seine Entscheidung selbst treffen, wichtig ist, dass er bei Christus bleibt (Joh. 10:28-29; 6:37).

Wenn Jesus versichert hat, dass er dort ist, wo auch nur zwei oder drei in seinem Namen zusammenkommen, warum sollte ich seine Zusage anzweifeln, nur weil Menschen sagen: “Nur bei uns findest Du den Herrn?”  Ich bekenne mich als Zeuge Jehovas, nicht im Sinne eines Mitglieds,  sondern als Zeuge Jesu Christi, denn als solcher bin ich auch Zeuge des himmlischen Vaters Jehova. Zwar wurde ich schon von Ältesten angegangen, warum ich nicht für den Sklaven beten würde und warum ich – nicht immer, aber doch auch – den Namen Jehova nicht erwähnen würde. Ich erwiderte dann, daß ich Gottes Namen sehr oft erwähne, aber nicht wie einen Bauchladen vor mir her trage oder wie eine Zauberformel gebrauche.

In den ganzen griechischen Schriften kommt er nicht vor und selbst nachdem die Gesellschaft ihn in unserer Übersetzung eingesetzt hat – wohlgemerkt, ohne griechische Manuskripte – gibt es immer noch Apostelbriefe, die den Namen nicht enthalten. Werden diese Briefe deshalb etwa abgelehnt?

Und haben wir noch ein eigenes Gewissen oder werden wir ferngesteuert? Jetzt habe ich eben nicht mehr das Amt des “Öffentlichen Betens” inne.

Ich würde mich freuen, wenn die WTG zu einer christlichen Gemeinschaft zurückfände und nicht den Weg weiter zu einer autoritären Gemeinschaft beschreiten würde. Aber unsere Rettung ist davon nicht abhängig. Sie liegt allein in der Liebe und Gnade Gottes des Vaters und in unserem Herrn Jesus Christus.

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