Zum ewigen Leben „Richtig eingestellt“?

Kommentar zum WT Studienartikel w2008, 15. Jan. S. 16-17

In den Studienartikeln des Wachtturms, so wie in den „Leben und Dienstzusammenkünften“, aber auch in den sogenannten Pionierschulen werden Jehovas Zeugen auf der Grundlage von Apg. 13:48 dazu angehalten, nach Menschen Ausschau zu halten, „die zum ewigen Leben richtig eingestellt sind“.

„Richtig eingestellte Personen reagieren empfänglich auf unsere Botschaft“, so die selbstbewusste Erkenntnis für Jehovas Zeugen. Wer nicht positiv auf unsere Botschaft reagiert ist zum ewigen Leben nicht richtig eingestellt, so einfach ist das.

Tatsächlich enthält die Apostelgeschichte einen begeisternden Bericht über die Verbreitung der christlichen Botschaft. Es traf Genua das ein, was Jesus in Math. 24:14 voraussagte:

„Die gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde verkündigt werden“.

So weit so gut, doch als Zeuge Jehovas ist man dahingehend indoktriniert worden, dass man die endgültige Erfüllung von Matthäus 24:14 in der von der WTG besonders seit 1914  vorangetriebenen Predigttätigkeit erkennen könnte.

Die eifrigen Prediger und Missionare der frühchristlichen Zeit werden von der WTG als Vorbild für alle Zeugen Jehovas in der heutigen Zeit gesehen. Zitat Abs. 3: 

 

„Die Apostelgeschichte enthält den begeisternden Bericht über die ersten Christen, … die die gute Botschaft vom Königreich auf der ganzen bewohnten Erde verkündigten. Diese eifrigen Prediger gaben uns heute … ein Beispiel.

Auch in unserer Zeit ist die Christenversammlung mit einem bemerkenswerten Wachstum gesegnet worden. Freuen wir uns nicht von Herzen über die mehr als sechs Millionen Bibelstudien … im Dienstjahr 2007? Auch die Zahl der Besucher zum Gedenken an den Tod Jesu Christi die keine Zeugen Jehovas sind lässt erkennen, wie sehr sie an der guten Botschaft interessiert sind. Demnach gibt es noch viel zu tun.“

Mit diesen einfach in den Raum gestellten Behauptungen sieht die WTG die Tätigkeit der ersten Christen einfach als Vorbild ihrer eigenen Predigttätigkeit an. Sie sieht sich, besonders was das Missionieren anbelangt, in der direkten Nachfolge der ersten Christen. Obwohl alle anderen Missionare der vergangenen 2000 Jahre ohne Zweifel zur Verbreitung des Namens und der Lehre Christi weit mehr beigetragen haben als Jehovas Zeugen, zählen sie alle in den Augen der WTG nichts, denn sie sind Diener der falschen Religionen und damit Diener Satans.

Auf die Frage, was Jehovas Zeugen durch ihr Predigen in jüngster Zeit erreicht haben verweisen sie stolz auf angeblich rasantes und erstaunliches Wachstum und vergleichen auch dieses mit dem Wachstum der ersten Christen.

Liebe Zeugen Jehovas, auf ein erstaunliches Wachstum können sich viele neuzeitlichen Sekten berufen und behaupten, die wahren und direkten Nachfolger der ersten Christen zu sein, das nur so nebenbei.

Wir möchten uns heute besonders mit der Frage befassen, warum die Leitung der Zeugen den Text aus Apg. 13:48 für sich als neue Strategie entdeckt hat. Hier ein Zitat aus der „Leben und Dienstzusammenkunft“, Mai 2019, unter der Rubrik: Im Predigtdienst geschickter werden — Menschen helfen, die „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind:

„Wenn wir uns beim Predigen auf diejenigen konzentrieren, die das Gelernte in die Praxis umsetzen, arbeiten wir mit Jehova zusammen. Bibelschülern muss klar sein, dass man sich taufen lassen muss, um gerettet zu werden.

Wie können wir ihnen helfen, Jünger zu werden? Indem wir ihnen zeigen, wie sie in ihrem Leben Änderungen vornehmen können, wie man predigt und lehrt und was es bedeutet, sich Jehova hinzugeben.“

Abs. 4: „Wie im ersten Jahrhundert reagieren heute ‚alle die zum ewigen Leben richtig eingestellt‘ sind, empfänglich auf die Wahrheit. Jehova zieht solche Menschen zu seiner Organisation.“

Halten wir fest, angeblich haben die ersten Christen sich gemäß Apg. 13:48 auf die Menschen konzentriert, die „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ waren. Eine gewagte These, die durch nichts zu belegen ist. Die Missionare der ersten Christen haben mit Sicherheit nicht nach Menschen Ausschau gehalten, die der Botschaft würdig wären um sie effektiv in eine Organisation zu ziehen. Und wenn du als gut geschulter Zeuge jetzt Matthäus 10:11 aus der NWÜ anführen möchtest, um zu belegen, dass Jesus geboten habe nach „Menschen zu forschen, die es verdienen“, dann beachte, dass hier die Übersetzung von Matthäus 10:11 aus der NWÜ geschönt und zweckentsprechend angepasst ist. Wir lesen dort:

„Wenn ihr in eine Stadt oder ein Dorf geht, findet heraus, wer eurer Botschaft würdig ist. Haltet euch dort auf, bis ihr weiterzieht. Betretet ihr das Haus, dann begrüßt die Bewohner.“

Diese Übersetzung will uns suggerieren, Jesus habe geboten zu prüfen wer der guten Botschaft würdig sei. Das war aber nicht der Gedanke, den Jesus vermitteln wollte. Für die Jünger waren ALLE Menschen der Botschaft würdig. Sie hatten keinesfalls die Aufgabe potentielle Gläubige auszuforschen um dann zu entscheiden wer davon der Botschaft würdig sei.

Wie der Kontext zeigt, ging es Jesus um die Versorgung seiner Jünger, wenn sie von Dorf zu Dorf gingen. Sie sollten sich bei Menschen einquartieren, die willig waren sie aufzunehmen.

„Wo ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf hineingeht, da erkundigt euch, wer es darin wert ist, und bleibt dort, bis ihr weiterzieht.“ (Schlachter)

Einfach gesagt sollten sie sich erkundigen, wer es wert ist, dass sie bei diesen einige Zeit wohnen, essen und trinken konnten und dortbleiben, bis sie weiterzogen. Ob diese Menschen den Jüngern diesen Dienst aus reiner Nächstenliebe erwiesen oder weil sie „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ waren, also der guten Botschaft würdig waren, wie es die NWÜ ausdrückt, ist nicht eindeutig. Nur so viel, diesen Liebesdienst, den diese Menschen den Brüdern Christi erwiesen, erwiesen sie Jesus selbst.

Doch zurück zu dem Vers aus Apostelgeschichte 13:48, gemäß der NWÜ:

Als die Menschen von den anderen Völkern das hörten, begannen sie sich zu freuen und das Wort Jehovas zu verherrlichen, und alle, die zum ewigen Leben richtig eingestellt waren, wurden gläubig. Und das Wort Jehovas wurde weiter im ganzen Land verbreitet.“

Wie ist dieser Vers zu verstehen? Ist er so zu verstehen wie es uns die WTG suggerieren möchte? Wurden die Missionare und Evangelisten aufgefordert erst eine Art Gesinnungsprüfung zu starten bevor sie den Menschen die Botschaft über den Christus ‒wohlgemerkt über Christus nicht über Jehova ‒vermittelten? Ein Blick in andere Übersetzungen hilft uns da auch nicht sehr viel weiter. Im Gegenteil, die Verwirrung wird sogar noch größer. Nehmen wir die Schlachterübersetzung:

Alle, die dazu bestimmt (oder verordnet) waren, das ewige Leben zu erhalten, kamen zum Glauben.

Hoppla, hat Gott etwa Menschen gegen ihren Willen zum ewigen Leben „verordnet“? Können gar nur die Menschen glauben, die Gott zum ewigen Leben „bestimmt“ hat?

An dieser Stelle im NT wäre eine erklärende Fußnote angebracht. Wer das Verb „verordnet oder bestimmt“ als ein göttliches Passiv (passivum divinum; Gott ist der Handelnde) versteht, muss hier im Sinne der reformierten Theologie zu dem Schluss kommen, dass nur Menschen zum Glauben finden, die vorher von Gott zum ewigen Leben bestimmt worden sind.

Irgendetwas in mir sträubt sich, diesen Gedanken zu akzeptieren. Es könnte uns weiterbringen, wenn eine Fußnote darauf hinweisen würde, dass dieses Verb ‒verordnen oder bestimmen auch anders übersetzt werden kann und zwar: „Und es glaubten, soviel sich zum ewigen Leben zählten o. zum ewigen Leben rechneten“.

Schaut man sich den Zusammenhang an, ist diese Übersetzung sogar die wahrscheinlichere. In den Versen 40, 41 warnt Paulus seine Zuhörer davor, trotz der Werke und Taten Jesu, die sie erlebt haben, nicht zu glauben.

„Seht euch also vor, dass auf euch nicht zutrifft, was in den Propheten geschrieben steht: ‚Ihr Verächter der Wahrheit! Wacht auf aus eurer Gleichgültigkeit und erschreckt zu Tode. Was ich noch zu euren Lebzeiten geschehen lasse, würdet ihr nicht für möglich halten, wenn andere es euch erzählten‘“ Apg. 13:40, 41

Diese Warnung des Paulus, so wie der gesamte Kontext, enthält keinen einzigen Hinweis auf eine Vorherbestimmung der Gläubigen. Alle werden aufgerufen, kein Teil des von Gott vorhergesehenen Unglaubens zu werden.

Von den Juden sagte Paulus sogar folgendes:

 „Da ihr (das Wort Gottes) von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für    würdig erachtet, siehe, so wenden wir uns den Nationen zu.“ Apg. 13:46 (NWÜ)

Ebenfalls keine Spur von Vorherbestimmung der Gläubigen. Die Juden hatten die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob sie das Wort Gottes annehmen oder von sich stoßen wollten. Sie entschieden sich für zweiteres und achteten sich dadurch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig …

Als die Heiden die für sie neue und gute Botschaft hörten, freuten sich viele und glaubten. Aber warum? Weil Gott sie dazu bestimmt hatte? Nein, sondern weil sie selbst das Evangelium annahmen und sich zu denen zählten, für die der jüdische Messias die Verheißung des ewigen Lebens angeboten hat. Sie zählten sich dazu, sie entschieden sich persönlich, Teil der christlichen Bewegung zu sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Im Selbstverständnis der Juden ist der Zugang zum Messias nur für Juden möglich! Es brauchte Mut und Verstehen, um sich zur Gruppe der Auserwählten zu zählen und das Evangelium anzunehmen.

Es handelt sich bei „verordnet“ um das griechische Wort tasso (Perfekt> tetagmenoi), welches u.a. mit „miteinordnen, verordnen, bereiten, disponieren und bestimmen“ übersetzt werden kann.

Es steht hier in diesem Zusammenhang in Verbindung mit „Bewegung in etwas hinein“ und kann folglich mit „in etwas einordnen oder zuordnen (siehe 1. Kor. 16:15) ‒in einen Dienst stellen“, übersetzt werden. Versuchen wir es einmal mit einer dementsprechenden Übersetzung ins Deutsche:

Alle, die sich dazuzählten (einordneten, den Judenchristen anschlossen, sich hineinbewegten) kamen zum Glauben und waren würdig das ewige Leben zu erhalten.“

Dass die meisten Übersetzer hier ausgerechnet „verordnen“ (im Sinne von zuteilen) und nicht „einordnen“ (im Sinne von anschließen) als geeignete Übersetzung gewählt haben, liegt sicher oft an ihrer calvinistisch-theologischen Vorbelastung. Wenn man selber glaubt, dass Gott Menschen zum ewigen Leben vorherbestimmt, dann übersetzt man auch entsprechend. Schließlich hat man ja die Wahl. Die haben wir aber ebenfalls und können daher ein anders Wort wählen, das den Gedanken an eine Vorherbestimmung zum Glauben entschärft und auch dem Kontext besser entspricht.

Weitere erhellende Informationen zu Übersetzungsmöglichkeiten von Apg. 13:48 findet der interessierte Leser unter dem Link: http://www.bibelgriechisch.info/Ein Blick auf Apostelgeschichte 13,48

An dieser Stelle müssen wir zugeben das die NWÜ mit ihrer Übersetzung: „Alle, die zum ewigen Leben richtig eingestellt waren, wurden gläubig“ dem Kontext doch etwas näher kommt, besonders wenn es darum geht, den Gedanken der aktiven Entscheidung für Christus zu betonen und die Lehre der Vorherbestimmung abzulehnen.

Doch auch hier kommen wir nicht umhin festzustellen, dass die Übersetzer der WTG Apostelgeschichte 13:48 in ihrem Sinne missbraucht und tendenziell übersetzt haben.

Die Anweisung für ihre Verkündiger, die sie aus diesem Text ableitet, lautet „studiert mit euren Bibelschülern“ nur so lange wie ihr feststellt, dass der Betreffende nachvollziehbare „Fortschritte“ macht, „geistige Fortschritte“ natürlich im Sinne der WTG.

Wobei man sich an dieser Stelle durchaus über die Begriffe wundern muss, die von der WTG benutzt werden, z.B. „studieren, Bibelschüler, Bibelkurs oder geistige Fortschritte“. Besonders in internen Schulungen werden Pioniere ermahnt auf Fortschritte des Schülers zu achten, – Zitat:

Studierst du mit jemandem, der gute Fortschritte macht? Dann frag deinen Bibelschüler doch einmal, ob es in seinem Freundeskreis oder seiner Familie jemanden gibt, der die Bibel auch gern besser kennenlernen möchte. (Mit Verweis auf Johannes 1:40,41 zielt man bewusst auf die Familienangehörigen des Bibelschülers ab.) Ermutige ihn, seinen Freunden zu erklären, wie so ein Bibelstudium abläuft. Er könnte ihnen dann anbieten, sich das von dir zeigen zu lassen. So kannst du weiter nach Menschen suchen, die der guten Botschaft würdig sind.“

Wer demnach den Bibelkurs weiterempfiehlt, innerhalb der Familie oder des Freundeskreises, im Sprachgebrauch des Network-Marketings also Kaltakquise betreibt, ist für den „Bibellehrer“ ein Bibelschüler, der zum ewigen Leben richtig eingestellt ist.

Doch die Frage bleibt, mit welcher Berechtigung oder anhand welcher Tatsachen kann man solche, letztendlich dann „lebensentscheidende“ Schlussfolgerungen ziehen? Haben die ersten christlichen Missionare Tage, Wochen oder Monate mit interessierten Bibelschülern die Schriften „studiert“? Haben sie dabei darauf geachtet, ob der Betreffende „geistige Fortschritte“ macht um dann im Zweifelsfall eventuell den Bibelkurs abzubrechen? Gibt es überhaupt einen Anhaltspunkt für die Vermutung, die Missionare hätten nur Menschen mit der richtigen Einstellung gepredigt? Nein, denn sie hatten ja auch überhaupt keine Befugnis dafür, zu entscheiden ob jemand „würdig“ war oder nicht.

Das weiß auch die WTG und beeilt sich zu versichern, dass man als „Königreichsverkündiger“ nicht das Recht hat Menschen in irgendwelche Schubkästen zu legen oder irgendwelche Schablonen anzulegen. Zitat Abs. 6 und 7:

„Für Verkündiger der guten Botschaft wäre es unangebracht, Menschen aufgrund ihrer Rasse, ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihres Äußeren, ihrer Religionszugehörigkeit oder irgendeines anderen Umstands vorschnell zu beurteilen.“ …

Bravo kann man da nur sagen, gut erkannt! Und weiter:

„Jehova hat Jesus zum Richter ernannt; wir haben daher kein Recht, irgendjemand zu richten. Das ist auch gut so, denn wir können — im Gegensatz zu Jesus — nur ‚nach dem bloßen Augenschein‘ oder ‚gemäß dem, was unsere Ohren hören’, richten, während Jesus die geheimsten Gedanken und Überlegungen des Herzens lesen kann. Andere in Kategorien einzuordnen und sich schnell ein Urteil über sie zu bilden scheint eine menschliche Neigung zu sein. Bemühen wir uns daher, im Dienst nicht dasselbe zu tun.“

Alles gut und richtig, doch hier handelt es sich lediglich um Makulatur, allein die Realität sieht anders aus. Trotz der schönen Worte werden Jehovas Zeugen dazu aufgefordert Menschen zu beurteilen, ja in letzter Konsequenz sogar zu verurteilen.

Zitat aus der „UNSER LEBEN ALS CHRIST Zusammenkunft“: Thema:Im Predigtdienst geschickter werden — Menschen helfen, die „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind! Zitat:

„Wenn wir uns beim Predigen auf diejenigen konzentrieren, die das Gelernte in die Praxis umsetzen, arbeiten wir mit Jehova zusammen (1Ko 9:26). Bibelschülern muss klar sein, dass man sich taufen lassen muss, um gerettet zu werden (1Pe 3:21). Wie können wir ihnen helfen, Jünger zu werden? Indem wir ihnen zeigen, wie sie in ihrem Leben Änderungen vornehmen können, wie man predigt und lehrt und was es bedeutet, sich Jehova hinzugeben (Mat 28:19, 20).“

Halten wir fest, was hier gesagt wird. „Dem Bibelschüler muss klar gemacht werden, dass man sich taufen lassen muss, um gerettet zu werden“. Ok, die Taufe in Christus ist ein wichtiges Erfordernis. Doch in der Regel sind die „Bibelschüler“ mit denen Jehovas Zeugen „studieren“ ohnehin schon getaufte Christen. Und wenn auch viele bereits als Kleinkind getauft wurden, so haben sich doch etliche von ihnen später zu Christus bekannt. Doch diese werden von Jehovas Zeugen in ihrer Überheblichkeit pauschal als bloße „Namenchristen“ eingestuft.

Also, die Botschaft, die hier vermittelt wird lautet: „Konzentriert euch als Verkündiger auf solche Menschen, die im Sinne der Organisation ‚Fortschritte‘ machen. Die anderen, die sich aus welchen Gründen auch immer weigern den Vorgaben der Organisation zu entsprechen sind des ewigen Lebens nicht würdig“.

Was für eine Anmaßung! Gibt es denn irgendeinen Hinweis dafür, dass die ersten Christen etwa darauf achteten wie jemand auf die Botschaft reagierte, ob er denn auch brav Fortschritte machte, etc.? Nein, natürlich nicht! Sie verkündeten allen vorurteilslos die gute Botschaft und überließen es jedem Einzelnen darauf entsprechend zu reagieren. Sie hatten auch nicht die Absicht Menschen in irgendeine Religionsorganisation zu führen.

Von daher ist der eingangs zitierte Satz von Abs. 4 nicht nur überflüssig, sondern auch falsch, wenn behauptet wird:

„… alle, die zum ewigen Leben richtig eingestellt sind“, sind empfänglich für die Botschaft der Wahrheit (Apg. 13:48). Jehova zieht solche Menschen zu seiner Organisation.“

„Zum ewigen Leben richtig eingestellt sein“ ist nichts anderes als eine von der WTG gebraucht Worthülse, ausgerichtet auf das bedingungslose Annehmen der WTG-Doktrin als einzige Wahrheit.
Diese Wendung ist eine tendenziös schlechte bis falsche Wiedergabe von τεταγμένοι εἰς ζωὴν αἰώνιον (tetagménoi eis zōên aiōnion) aus Apg. 13:48.

Diverse Kommentare stellen im Prinzip eine Verbindung zu Joh. 6:44 her: Gott ist die Ursache, dass Menschen zum Glauben kommen, nicht die Menschen aus sich selbst heraus. Alles, was sie tun können ist, Gottes Gnade annehmen. Vor diesem Hintergrund sind alle Überlegungen oder Versuche zu ergründen, ob jemand zum ewigen Leben richtig eingestellt ist oder nicht, sinnlos.

Christen sind Übermittler der guten Botschaft und haben keinen Einfluss darauf, wer positiv auf die gute Botschaft reagiert und ob sie angenommen wird.

Mit Sicherheit hat tetagménoi nichts mit einer „inneren Einstellung” eines Menschen zum Leben zu tun. Keine einzige Bibelübersetzung und auch kein Wörterbuch geben eine solche Bedeutung an. Es geht um etwas VON AUSSEN (in diesem Falle Gott) „unverdient” Gegebenes oder Gewährtes, das man annehmen kann oder nicht.

Man kann davon ausgehen, dass die WTG mit ihrer NWÜ-Wiedergabe von Apg 13:48 lediglich die eigenen menschlichen Anstrengungen, welche der Einzelne laut dem ZJ-Selbsterrettungs- und Werkheiligungsdogma zu leisten hat, unterstreichen will. Damit möchte sie die echte biblischen „Gnaden“-Lehre, nach welcher das ewige Leben ein GESCHENK oder eine FREIE Gnadengabe ist, untergraben und damit einen weiteren elementaren Grundpfeiler des christlichen Glaubens eliminieren.

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Liebe Geschwister. Math 10: Die Aussendung der 12, nur für Juden. 5 “Meidet die Orte, wo Nichtjuden wohnen. Ihre Vollmacht: ‘Die Himmelsherrschaft bricht bald an!’ 8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! “Schalom!” Der Friede Gottes sei mit dir und deinem ganzen Haus. Wer diesen Gruss nicht auch mit einem “Schalom!” erwiedert, in dessen Haus geht nicht, heilt ihre Kranken nicht, treibt keine Dämonen aus, ect. . So einfach kann eine Botschaft sein. Es war ein Segen, den die Apostel, und nur die 12, in die Häuser der Juden brachten. “Last euch versöhnen mit Gott,… Weiterlesen »

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wo ist dieser Kommentar von meereswoge geblieben:

Meereswoge zu Zum ewigen Leben ‚Richtig eingestellte‘? { Friede Pit, kurze Frage, auf welche Aussagen Jesu nimmst du bezug, wenn du sagst, ….er ist bereits in uns, da es in uns ist,?? Fällt mir im Moment nichts passendes ein… LG Meereswoge } – Donnerstag 15.08.2019 13:37

Habe ihr einen Antwort-Kommentar geschrieben, doch nun ist die Frage von unserer Meereswoge weg! Hoffe, dass nicht auch mein Kommentar verschwindet, habe mir viel Mühe gemacht.

LG Omma

Dominikus Klein

An Bruderinfo!
Christusbekenner schreibt:
“Es sei uns gestattet, euch auf eure Fragen zu antworten. Wir sind uns ja einig: Gott ist souverän”
“Es sei uns gestattet…?”
Entweder ein GRÖSSENWAHNSINNIGER …Pluralis Majestatis…oder einfach eine andere evangelische Sekte??
Aufklärung tut not!
Gruß Domi