Machtmissbrauch

Der Machtanspruch von Gemeinschaften und das bewusste oder unbewusste Machtbedürfnis einzelner Menschen hat seit jeher zu schwerwiegenden Problemen geführt. Denn ausnahmslos jeder, der mit irgendeiner Form von Macht ausgestattet ist, wird sie – über kurz oder lang – in unterschiedlicher Ausprägung missbrauchen.

Hierzu hieß es in der Wachtturm-Ausgabe vom 01.09.1989 unter dem Thema Gottes Herrschaft – Die beste Alternative treffenderweise:

“Die Geschichte der Regierungen [oder überhaupt der menschlichen Organisationen; eigene Anmerkung] beweist, dass unvollkommene Menschen unfähig sind, über andere Menschen auf rechte Weise Macht auszuüben”.

Es ist so, wie es der englische Lord Acton (Link einfügen: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Emerich_Edward_Dalberg-Acton,_1._Baron_Acton) ausdrückte:

»Macht verdirbt, und absolute Macht verdirbt absolut.« Daher heißt es in der Bibel, dass »der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht hat« (Prediger 8:9).«

Wenn aber eine religiöse Elite ihre Macht – vielleicht nicht in jedem einzelnen, kleinen Detail, aber so doch im Großen und Ganzen – als von Gott selbst legitimiert darstellt, begibt sie sich auf das höchstmögliche Podest, und sie macht sich unter denen, die ihnen Glauben schenken und sie unterstützen, de facto unangreifbar, denn wer dies täte, würde gleichzeitig den Vollmachtgeber – Gott – in Frage stellen. Somit wird jeglicher möglicher Widerspruch im Keim erstickt, und dies auf weitaus wirksamere Art und Weise, als es jemals von den Überwachungsorganen irgendeiner Regierung bewerkstelligt werden könnte. Diese Machtkomponente – man könnte sie auch »unterstellte göttliche Absicht« nennen – war übrigens jahrtausendelang eine der Hauptgrundlagen für den Herrschaftsanspruch des Adels.

Eine gründliche, unvoreingenommene Betrachtung der Geschichte der Zeugen Jehovas ab 1884 mit ihren zahlreichen Irrtümern und damit einhergehend auch Verschleierungstaktiken belegt eindeutig, dass ihr eigener, ausschließlicher Anspruch, Gottes »Organisation« oder »Mitteilungskanal« (siehe unter anderem w09 15.6., Seite 9, Absatz 12) zu sein, nicht nur unangebracht, sondern auch vermessen ist.

Unser Herr und Meister Jesus Christus erkannte diese Gefahr und gab seinen Nachfolgern daher folgendes Gebot:

»Lasst Euch nicht ›Führer‹ [man könnte auch ›Leiter‹ sagen (= leitende Körperschaft); eigene Anmerkung] nennen, denn einer ist Führer, der Christus« (Matthäus 23:10).

Solange dieser Machtanspruch nicht offiziell widerrufen und es nicht zu einer demütigen, grundlegenden Kurskorrektur kommt, wird der Machtmissbrauch unweigerlich fortbestehen und das Leben vieler Menschen beeinträchtigen. Zudem könnte Gottes heiliger Geist gemäß Epheser 4:30 »betrübt« werden, was sich unter anderem darin manifestieren könnte, dass »die Liebe der meisten erkaltet«, wie in einem der vorangegangenen Beiträge hier auf Bruderinfo aktuell dargelegt wurde.

Dennoch gibt es zahlreiche Zeugen Jehovas, die dieses fundamentale Problem weiterhin ausblenden. Das ist übrigens nicht (nur) eine Frage des Intellekts, denn selbst unter anerkannten Wissenschaftlern ist dieses Phänomen weit verbreitet: Wenn die eigenen Forschungsergebnisse im Widerstreit zu den vorherrschenden Lehrmeinungen (»Mainstream«) stehen, werden sie oftmals nicht veröffentlicht und nicht weiter verfolgt.

Denn würde man dies tun, stünde der eigene Ruf auf dem Spiel (Quelle: Vortrag Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001 (Link einfügen: https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY) von Dr. Daniele Ganser – Schweizer Historiker, Friedensforscher und Publizist), und die Wahrung eben dieses guten Rufs ist vielen wichtiger als das Aufdecken von Ungereimtheiten, letztlich wichtiger als die Wahrheit selbst.

Erkennen wir die Parallelen?

Leider existiert auch bei Jehovas Zeugen ein »Imperium«, welches zu jeder Zeit die exklusive Auslegungs- und Deutungshoheit besitzt und keinerlei abweichende Meinungen duldet. Wer die existierende, sinnbildliche »rote Linie« überschreitet – es also wagt, sich der Deutungshoheit des »Imperiums« entgegenzustellen – wird rufmäßig demontiert und von Familie und Freunden abgeschnitten, was je nachdem, wie sie oder er als Person geartet ist, unter Umständen einer regelrechten Zerstörung gleichkommt.

Diese Problematik ist eines der Gründe, warum sich Menschen, die die Organisation der Zeugen Jehovas verlassen, in der Regel keiner neuen Religionsgemeinschaft anschließen. Denn Machtmissbrauch und die damit verbundenen Freiheitseinschränkungen und Zwänge sind überall dort anzutreffen, wo sich menschliche Strukturen bilden.

Auf der Suche nach echter christlicher Freiheit ist es jedoch unerlässlich, Jesus Christus und den Vater, Jehova Gott, zu finden, und nicht in erster Linie eine menschliche Gruppierung oder Organisation, die sich als deren Vertreter ausgibt und entsprechend Macht ausübt. Einer solchen zu vertrauen, unabhängig davon, wie sie ihre Macht legitimieren mag, führt regelmäßig zu Enttäuschungen – sofern man diese nicht ebenfalls ausblendet, was schließlich auch möglich ist.

Bei aller berechtigten Kritik sollten wir dennoch auch jene verstehen, die die Unstimmigkeiten und den Machtmissbrauch durchaus erkennen, aber mangels brauchbarer Alternativen weiterhin mit der Organisation verbunden bleiben und dabei ernsthaft versuchen, die christlichen Maßstäbe, so gut es ihnen möglich ist, auszuleben – ohne Dogmatismus und Überheblichkeit, was freilich aufgrund der vorhandenen Indoktrinierung und des Gruppenzwangs nicht immer einfach sein mag.

Für manche ist das ein gangbarer Weg, manchmal eher eine Gratwanderung, doch jedenfalls annehmbarer, als sich ausschließlich dem Hass und der unbarmherzigen, oftmals auch überzogenen und unsachlichen Kritik, die keine guten Früchte hervorbringt, hinzugeben und gleichzeitig zuzulassen, dass die heutigen gottlosen Maßstäbe immer mehr Raum im Denken und Handeln einnehmen.

Vergessen wir dabei nicht, dass letzten Endes eines jeden Herzenszustand ausschlaggebend sein wird, denn unser Richter, Jesus, »kennt« – im Gegensatz zu uns – »das menschliche Herz bis auf den Grund« (Johannes 2:25 – Gute Nachricht Bibel).

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Jehu

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Das war heute eine ORF News Meldung. In Summe betrauert Australien 60.000 Opfer, davon über 1000 von ZJ. Allerdings ist nicht jeder 60. Australier ein ZJ. Die 1000 Opfer sind für so eine kleine Gemeinschaft überproportional viel….

Petrus111

Liebe Freunde, wer Macht missbrauchen will, braucht Mitstreiter, er braucht eine Hierarchie der Machtmissbraucher. Bei JZ wird man nicht Ältester, weil man besonders gut bewandert ist in Theologie oder wie immer das bei JZ genannt wird. Man wird auch nicht Ältester, weil man besondere Eigenschaften und Fähigkeiten im Bereich sozialer Kompetenzen aufweist. Man wird dann Ältester, wenn man in jeder Beziehung Org-treu ist, wozu insbesondere eifriger Predigtdienst gehört – der wiederum setzt keine besonders tiefgreifenden Kenntnisse voraus. Ich habe Menschen mit tiefgreifenden persönlichen psychischen Problemen erlebt, die in ihrer Stellung als Älteste ihren Mitbrüdern von der Bühne erklärt haben, wie… Weiterlesen »

Sylvia Geiser

Lieber Petrus 111

Danke für Deine ehrliche Antwort im Kommentar und wünsche Dir einen schönen Tag.

Sylvia

 

Matthäus

Ja wie drückte es unser Herr Jesus aus, er warnte seine Nachfolger genau vor diesem Machtmißbrauch, er sagte: Die Herrscher erheben sich und wollen GROSS  sein, doch die größten sollen demütig wie Kinder sein, oder man schau sich einmal Gottes Allmacht an die sich durch die gesamte Bibel zieht, mit diesem wunderbarem Liebesbrief von Gott an uns Menschen:

https://youtu.be/49dKCFTsPnI

Timotheus

Ich habe gehört JWOrg führt eine weitere Spendenzwangsabgabe ein. Per Resolution müssen die Versammlungen für “Kongressreisen” Spenden abdrücken. Weiss da jemand mehr zu ?

+++++++++
Ja, das stimmt. In unserer Versammlung hat man auf Grund eines Briefes eine Resulution verfasst um es den Missionaren zu ermöglichen einen Kongress in ihrer Heimat besuch zu können.
Ist die Organisation Gottes nicht liebevoll um ihre Diener bemüht?????
Die Spenden für das weltweite Werk reichen nicht für die Heimreise der Missinare, deshalb ruft sie zu Sonderspenden auf, ist aber nichts Neues.????
Allerdings gab es früher spezielle Spendenkästen.
Heute müssen sich die Versammlungen per Resulution zu einem festen Betrag verpflichteten.????
.

hei-bea

@Lennard, zum Thema Machtmißbrauch:  wie kannst Du einerseits schreiben- auf der Suche nach e c h t e r christlicher Freiheit ist es unerläßlich, Jesus und den Vater zu finden und n i c h t (in erster Li- nie?!) eine menschliche Gruppierung- und andererseits:…sollten wir jene verstehen, die Macht- mißbrauch erkennen aber mangels brauchbarer Alternativen weiterhin mit der Org verbunden bleiben. Wie bitte? Liebt unser Gott nicht ein u n g e t e i l t e s Herz? Eines, das n u r ihm zugewandt ist? Kann man, wenn man b e w u ß t dauerhaft… Weiterlesen »

Sylvia Geiser

Lieber Peter SK

Danke für Deinen sehr guten Kommentar. Man will hier auf BI unter sich bleiben wie in der JW.ORG ja auch.

Bruderinfo ist ja auch nur ein verlängerter Arm, der vorhergehenden Zeugenversammlung. Sie können auch nur durch ihr Verhalten unter sich bleiben, die andern verstehen sie doch nicht.

Wünsche Dir einen schönen Tag

Sylvia

 

 

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