Ihr seid Gottes Mitarbeiter

[Eine kritische Betrachtung des WT-Artikels “Wir sind Gottes Mitarbeiter” WT 15.10.2014 Seite 23]

“Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. Ihr seid Gottes Feld zur Bebauung, Gottes Bau.” (1 Kor. 3:9)

Grundlage des Artikels   in Watchtower Commentor

Warwick 3.001Paulus verwendet hier drei Metaphern in nur einem Vers: Mitarbeiter, ein Feld zur landwirtschaftlichen Bebauung und einen Bau. Der Wachtturmartikel konzentriert sich allerdings nur auf die eine Metapher „Mitarbeiter“ und ignoriert die anderen zwei, Feld und Bau. Der Grund könnte vielleicht sein, der Kontext von 1 Korinther 3 zeigt, dass der Bau von dem Paulus hier spricht, nichts mit den Bauprojekten der WTG zu tun hat die wir als „Gottes Mitarbeiter“ unterstützen sollten. Paulus bezieht sich auf Gottes Tempel – Gottes Bau – in dem sein Geist wohnt.

Link zum Video: https://youtu.be/Z_Cm7BcXuYc

“Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes vernichtet, wird Gott ihn vernichten; denn der Tempel Gottes ist heilig, welcher Tempel ihr seid.” (1 Korinther 3:16,17)

Da der Artikel also uns, die “anderen Schafe” zu größerem Dienst anspornen möchte, würde es nicht in die Argumentationskette der WTG passen den Begriff „Gottes Mitarbeiter“ nur auf die Gesalbten anzuwenden so wie es der Kontext der Worte des Apostel Paulus eigentlich fordert. Sein Bezug auf „Gottes Mitarbeiter“ darf sich eigentlich nur auf die Gesalbten beschränken, die gleichzeitig auch Gottes Bau oder Gottes Tempel sind, wie wir ja alle wissen.

Zuvor fragt Paulus die Christen in Korinth, die dazu neigten Menschen zu folgen: „Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, …… Denn wir (Paulus, Apollos und alle Apostel) sind Gottes Mitarbeiter; ihr aber (die Christenversammlung) seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau“.

Paulus spricht nicht von der Mitarbeit an einem Bauprojekt wie es die WTG durchführt. Er spricht von einer geistigen Bautätigkeit an Menschen, und bezeichnet die Christenversammlung als das Feld seiner Tätigkeit? Wir als Glieder der Christenversammlung sind also in erster Linie das Feld und nicht die „Mitarbeiter Gottes“!
Wenn Paulus sagt „Wir“ sind „Gottes Mitarbeiter“ dann spricht er von sich und den Aposteln in ihrer Tätigkeit als geistige Betreuer der Versammlung, aber nicht davon das jeder Christ ein Mitarbeiter Gottes ist oder sein muss. Aus diesem Grund ist dieser Text ungeeignet um die Bruderschaft im Allgemeinen als „Gottes Mitarbeiter“ für das Bauprogramm der WTG zu motivieren.

Absatz 6 sagt uns: “die Arbeit die uns heute zugeteilt ist, verherrlicht Jehova“ (lies 1 Korinther 15.58)”. Da wir in diesem Artikel aufgefordert werden 1 Korinther 15:58 zu lesen, um zu beweisen, dass die uns zugeteilte Arbeit Jehova verherrlicht, lasst es uns auch tun.

“Darum, meine geliebten Brüder, seid standhaft, unbeweglich, und seid allzeit reichlich beschäftigt im Werke des Herrn, da ihr wisst, dass euere mühevolle Arbeit in Verbindung mit dem Herrn nicht vergeblich ist.” (1 Kor 15:58)

Wer ist der Herr, von dem hier gesprochen wird? 1 Korinther 8:6 sagt uns, es sei Jesus Christus. Wenn wir also die Arbeit, die uns zugeteilt wurde ausführen, wen verherrlichen wir wirklich? Bringt ein Sklave durch seine gute Arbeit nicht Ehre auf seinen Herrn – seinen Besitzer? Wer ist also unser Besitzer? Lesen wir weiter in 1. Korinther 3:21-23

„Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott“. 1 Kor 3: 21-23

Sicher, wir können Gott durch unser Werk verherrlichen, aber nur durch unseren Besitzer, Jesus Christus. Lasst uns das nicht vergessen oder ihn hintergehen, indem wir ihn kaum lobpreisen oder seine allwaltende Rolle verdrängen, auch wenn wir als Zeugen Jehovas immer wieder genötigt werden das zu tun. Paulus sagt „ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott“

Es ist bezeichnend das in diesem Artikel 37 Bezüge zu Jehova herstellt werden – aber nur 7 zu Jesus Christus. Wir werden ermuntert Jehovas Mitarbeiter zu sein, was wir aber nur im übertragenem Sinn sein können, über Christus. Leider stellt der Artikel keinen Bezug her ein Mitarbeiter Christi zu sein. Doch wer ist unser Herr? Wir sind Sklaven Christi, sollten wir also unseren direkten Herrn nicht anerkennen, so wie es Paulus und Timotheus taten? „Paulus und Timotheus, Sklaven von Jesus Christus. An alle Gläubigen in Philippi; an alle, die durch Jesus Christus geheiligt sind, samt ihren Ältesten und Diakonen. Ich wünsche euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn. (Philipper 1:1)

Wer hat Arbeiter in das Feld gesandt? Wer ist der Herr in Jesus Gleichnis über den Mann, der Tagelöhner anheuert? (Mt 9:37, 10:10, 20:1-16). Noch einmal – es nicht falsch uns indirekt als Mitarbeiter Jehova zu betrachten, aber warum müssen wir ständig den Christus ignorieren, wenn er für jede unsere Fragen direkt zur Verfügung steht?

„… denn alle Zusagen Gottes haben sich in ihm erfüllt. Und auf das, was Christus für uns getan hat, antworten wir zur Ehre Gottes mit Amen. 2 Korinther 1:20

Eine positive Ansicht auf zugewiesene Aufgaben pflegen

Jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Kern. Paulus sprach zu den Korinthern über das Arbeiten mit Gott auf dem Acker und dem Aufbau des spirituellen Tempels. (1 Kor 3:9, 16, 17). Wenn wir jedoch die eigentliche Zielsetzung des Artikels betrachten so erkennen wir, dass es in diesem Artikel um Spenden und Einsatz von Zeit und Arbeitskraft für das Bauprogramm des Sklaven geht.

Die neue Weltzentrale von Jehovas Zeugen in Warwick Fots: JW.Org
Die neue Weltzentrale von Jehovas Zeugen in Warwick
Foto: JW.Org

Dies wird uns schon durch das Titelbild dieses Artikels gezeigt.

Gibt es wirklich biblische Vorbilder für dieses Bauprogramm?

Noah baute die Arche, Moses baute die Stiftshütte und Salomo den Tempel, und wir bauen heute das Welt-Hauptquartier in Warwick?

Zitat Abs. 7: Ob wir bei der Renovierung des örtlichen Königreichssaals mithelfen oder beim Bau der Weltzentrale in Warwick (New York) — schätzen wir das Vorrecht Jehova auf diese Weise dienen zu können! Es ist heiliger Dienst“.

Ist es wirklich ein “heiliger Dienst” an diesem Bauprogramm beteiligt zu sein? Nun, Noahs Arbeit in Verbindung mit der Arche war tatsächlich ein „geheiligter Dienst“ weil Jehova selbst Noah befohlen hat, die Arche zu bauen. Genauso hat Gott zu Moses von Angesicht zu Angesicht gesprochen und die Pläne für die Stiftshütte wurden von Gott selbst vorgegeben. Es kann keinen heiligeren Dienst geben als den der von Gott direkt befohlen wurde. 2 Mose 33:11, 39:32.

Sollen wir nun glauben dass der Bau der neue Weltzentrale Gottes Wille ist? Wurde die „leitenden Körperschaft“, also diese sieben Männer, direkt von Gott beauftragt in Warwick die neue Weltzentrale zu bauen? Und hat er der „leitenden Körperschaft“ genau mitgeteilt wie dieser Auftrag auszuführen ist, so wie er damals Noah und Mose genaue Anweisungen gab. Wie hat Gott seinem Sklaven seine direkte Anweisung gegeben? Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass sie diese „genauen Anweisungen“ von Gott erhalten haben? Diese Beweise wären für uns, die wir den Anweisungen des Sklaven genau folgen sollen schon wichtig, damit wir nicht irgendwelchen Hochstaplern auf den Leim gehen.

Lasst uns die inspirierte Äußerungen prüfen. Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt“. 1 Johannes 4:1

Der Wachtturm vergleicht das Bauen von Warwick mit der Arbeit, die Noah und Moses durchführten. Er behauptet, dass das Arbeiten oder Mitwirken am Bau unserer Weltzentrale ein „heiliger Dienst“ ist. Dass kann nur wahr sein, wenn Jehova entschieden hat, dass diese Einrichtungen gebaut werden sollen.Tempel.001

Der gleiche Anspruch wurde bei allen Bauprojekten der WTG erhoben, auch als eine Druckerei in Spanien erstellt werden sollte. In den 1980er Jahren waren die Geldmittel der Organisation knapp, aber diese wollte eine Druckerei in Spanien bauen. Auch dieses Vorhaben wurde als eine „Anweißung Jehovas“ an seine Organisation bezeichnet. Viele Brüder brachten ihre “Juwelen, Ringe und Armbändern”, um diese in Bares umzuwandeln, siehe “Wie wird alles finanziert?” – Seite 346 – 347.

Dann, nur ein paar Jahrzehnte später wurde das Bethel wieder geschlossen und verkauft. Die freiwilligen Helfer mussten packen und der Erlös vom Verkauf wurde an das Hauptquartier in New York geschickt. Der wahrscheinlichere Grund waren neue Anforderungen seitens der spanischen Regierung an die Organisation. Sie hätte der spanischen Regierung nämlich Rentenpläne für ihre Mitarbeiter bereitstellen müssen.

In der Welt rollen Köpfe, wenn ein großes Projekt fehlschlägt. Das passiert irgendwie in unserer Organisation nicht. Der Grund ist wahrscheinlich die Tatsache, dass die Organisation nicht darunter leidet, wenn ein großes Projekt den Bach runter geht. Die Arbeit und gespendeten Finanzen waren nicht umsonst für die Organisation. Sie haben gewöhnlich Verbesserungen an Besitz und Vermögenswerte gebracht. Kapital und Ausrüstung werden verkauft und es gibt keine Arbeiter, die bezahlt oder entschädigt werden müssen, also gewinnt die Organisation finanziell immer.

Hatte Jehova als allwissender Gott nicht damit rechnen können, dass so etwas geschehen könnte?

Bringt es den Namen Jehovas nicht in Verruf zu behaupten, er habe alles so gelenkt, dass das Spanische Zweigbüro zuerst gebaut wird um dann es ein paar Jahre später wieder zu schließen, um der Pflicht zu entgehen den vielen hunderten freiwilligen Helfern mit einem Rentenplan zu versorgen?

(Sicherlich wünschten sich auch viele ehemalige Kreisaufseher über 70, die versuchen mit den armseligen Spesen eines Sonderpioniers auszukommen, dass sie bei einer Art Rentenplan eingeschrieben wären, aber das ist eine andere Geschichte.)

Wenn wir diese Frage so der leitenden Körperschaft stellen würden, würden wir wahrscheinlich gesagt bekommen, dass alles sei Teil eines göttlichen Planes, der über unser Verständnis geht. Eine weit wahrscheinlichere und ehrlichere Antwort wäre, dass es sich hierbei um einen Plan von Menschen ging der schiefging.

Nun das wäre an sich kein Problem! Wir machen alle Fehler und niemand sieht hinter solchen Fehlern schlechte Absichten. Alles ist gut, solange wir nicht versuchen Gott dafür zu beschuldigen, indem wir sagen, dass die ursprüngliche Entscheidung die seinige war. Aber das ist genau das, was wir tun und unsere Brüder gehen dieser Interpretation immer noch auf den Leim.

Zum Beispiel sagte eine Schwester, die dazu eingeladen wurde in ein Bethel in einem anderen Land zu wechseln nachdem ihres geschlossen wurde: ”Als ich mich daran erinnerte, dass die Einladung von Jehova kam, habe ich sie gerne akzeptiert.” Sie glaubte offenbar, dass Jehova Gott sie eingeladen habe, in einem neuen Bethel zu dienen. Würde dies zutreffen dann würde sie eine Stufe über dem Apostel Paulus stehen, der ja (nur) von Jesus Christus eine Einladung erhalten hat nach Mazedonien zu reisen. Tatsächlich ist es so, dass Jesus im ersten Jahrhundert alle Geschicke der Versammlung gelenkt hat. Anders als heute. Gemäß unserer heutigen Lehre hat Jehova nun die Herrschaft von seinem Sohn übernommen.

In Versammlungen werden wir dahingehend gelehrt das Jehovas Leitung und Führung in allen diesen Projekten zu sehen sei. Alle neuen organisatorischen Vorkehrungen werden gemäß seinem Willen durchgeführt. Das „Hilfspionierprogramm“ war Jehovas Anordnung und hatte seinen Segen. Und dann, nach Jahren von abnehmenden Ergebnissen, als es still und leise fallen gelassen wurde, war es ebenfalls der Wille Gottes.

Die Bibel sagt uns, “Der Segen Jehovas – er macht reich, und keinen Schmerz fügt er ihm hinzu.” (Sprüche 10:22)

Vielen von uns sind etliche kostspielige Aktionen in Zweigen bekannt, für die hunderte Brüder zehntausende von Stunden und viele zehntausende Dollars gespendet hatten, nur um später ohne Umschweife und ohne ein Wort der Erklärung fallen gelassen zu werden. All jene gaben beides freiwillig – Zeit und Arbeitskraft mit immensen Kosten für ihr Privatleben und den Familienpflichten. Sie fielen auf Erfahrungsberichte und Aufforderungen herein wie wir sie auch jetzt wieder lesen und hören können.

Zitat aus dem Wachtturm vom 15.1.2015 unter dem Thema: Sie boten bereitwillig ihre Hilfe an — in New York“  Zitat: „Es verging über ein Jahr, aber Cesar und Rocio waren immer noch nicht ins Bethel eingeladen worden. …. Sie vereinfachten ihr Leben. Cesar erzählt: „Wir bauten unsere Garage in eine Einzimmerwohnung um, damit wir unser Haus vermieten können. Dann zogen wir von unserem 200-m2-Traumhaus, das wir erst ein paar Jahre zuvor gebaut hatten, in unsere 25-m2-Wohnung. Jetzt waren wir flexibler, falls die Einladung ins Bethel kommen sollte. ….Einen Monat nachdem wir in unsere kleine Wohnung gezogen waren, erhielten wir eine Einladung, um als Aushilfskräfte nach Wallkill zu kommen. Für uns war klar: Unser Leben zu vereinfachen war ein Schritt, den Jehova segnen konnte.“

Und ein weiteres Beispiel: Way ist Elektriker und kommt aus Kansas; er und seine Frau Debra sind Ende 50. Sie haben ihr Haus und die meisten ihrer Habseligkeiten verkauft und sind dann nach Wallkill gezogen, um als Tagespendler im Bethel auszuhelfen. Auch wenn das für sie große Veränderungen bedeutete, sind beide der Überzeugung, dass es das absolut wert war. Über ihre Arbeit im Bethel sagt Debra: „Manchmal hab ich das Gefühl, als wäre ich mitten auf so einer Baustelle, wie man sie auf den Paradiesbildern in unserer Literatur sieht.“

Diese Menschen vollzogen diesen Schritt der Aufgabe all dessen was ihr Leben bis dahin ausmachte weil sie überzeugt wurden Gott würde das von ihnen Erwarten. Als später ihre Arbeit durch Entscheidungen der WTG in den symbolischen Mülleimer gekippt wurde, ohne einen einleuchtende Begründung genannt zu bekommen, gingen viele verloren, sie fühlten sich desillusioniert und benutzt. Um der Bruderschaft im Vorfeld ihrer Überlegungen die Furcht zu nehmen einmal vor dem Nichts zu stehen wenn diese Projekte abgeschlossen sind, greift der oben erwähnte Artikel diese Befürchtung auf.

Keine Angst vor der Zukunft

Zitat: Irgendwann sind die Bauprojekte in Wallkill und Warwick natürlich fertig, die Zeit im Bethel ist für viele also bald wieder vorbei. Sind diese Brüder und Schwestern jetzt übermäßig besorgt darum, wie es danach für sie weitergeht? Ganz und gar nicht! Stellvertretend kommen hier zwei Ehepaare mittleren Alters aus Florida zu Wort. John, ein Bauleiter, und seine Frau Carmen helfen auf der Baustelle in Warwick mit. Sie sagen: „Wir konnten selbst erleben, wie Jehova bis jetzt für unsere individuellen Bedürfnisse gesorgt hat. Und wir glauben nicht, dass uns Jehova hierhergebracht hat, nur um uns dann später fallen zu lassen“ (Ps. 119:116). Luis plant Brandschutzsysteme und ist mit seiner Frau Quenia zusammen in Wallkill. Sie erzählen: „Wir haben schon selbst erlebt, wie großzügig Jehova für alles sorgt, was wir materiell brauchen. Klar wissen wir noch nicht, wann, wo und wie es für uns weitergeht. Aber eins wissen wir: Er wird für uns sorgen“ (Ps. 34:10; 37:25).

LK .001Man beachte die nichtssagende Wortwahl in diesem Absatz. Er vermittelt eigentlich nur das, was diese Brüder selbst erwarten. Dieser Absatz enthält nicht einmal eine vage Zusage der WTG an diese Brüder, die ihre gesamte Existenz aufgegeben haben, weiter als „Gottes Mitarbeiter“ in der Organisation  beschäftigt zu werden. Im Gegenteil: „…die Zeit im Bethel ist für viele bald wieder vorbei“, wird offen gesagt.Dann werden sie Jehovas Obhut überlassen, sprich, Jehova sorgt dann dafür das es liebe Verwandte oder Brüder gibt die sie mit dem „Lebensnotwendigen“ versorgen.

Weiterhin dein Vorrecht genießen, mit Jehova zusammenzuarbeiten!

Kürzlich wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass das Wort “Vorrecht” in der Bibel nicht vorkommt. Es kommt zwar dutzende Male in der “Neuen Welt Übersetzung” vor, aber es scheint eine eher ungenaue Wiedergabe des griechischen oder hebräischen Wortes zu sein welches besser mit “Ehre” zu übersetzen ist. Sei es wie es ist, der Begriff „Vorrecht“ wird wiederholt und ausgiebig innerhalb unserer Organisation und ihren Veröffentlichungen verwendet, um Menschen einen besonderen Status zu verleihen. Es wird dazu verwendet um eine Abgrenzung zwischen Brüdern zu errichten. Denen, die nicht das “Vorrecht” haben, als Pionier zu dienen oder im Bethel oder als Älteste oder als Bauhelfer vermittelt man so unterschwellig das Gefühl weniger wert zu sein. Doch dieses Gefühl, weniger Wert zu sein als sein Mitbruder, ist etwas, was ein Christ nicht fühlen sollte.

Auch aus diesem Grund werden in den Bewerbungsformularen Anforderunge erhoben über die die Ältesten befinden müssen ob sie zutreffend sind, z.B. ein vorbildlicher Verkündiger eine gute geistige Gesinnung, in sittlicher und körperlicher Hinsicht rein sein so wie körperlich und psychisch gesund und unabhängig von fremder Hilfe. Nu mag man ja denken, das dies vernünftige Anforderungen sind die an einen Mitarbeiter für solche Bauprojekte gestellt werden. Aber sind sie nicht zu menschlich und widersprechen damit dem Anspruch „Gottes Mitarbeiter“ zu sein?

Das es hier auch darum geht den betreffenden Brüder das Gefühl zu geben sie seien eine „bevorrechtete Klasse“ kann man daran erkennen, das diese Anforderungen bei allen „Vorrechten“ die von der Organisation vergeben werden gefordert werden. Sie es Sonderkongresse zu besuchen, den Königreichssaal für die Hochzeitsansprache zu erhalten oder als Hilfspionier zu dienen, alles sind Vorrechte die vergeben werden wenn du den Vorgaben entsprichst. (Siehe BI-Glossar:https://www.bruderinfo-aktuell.org/index.php/glossar/#_Toc405757558 )

Und immer sind es die Ältesten, die entscheiden ob du für dieses Vorrecht genießen darfst oder nicht.

Sehen wir uns die Bildcollage auf Seite 26 an. „Unser größtes Vorrecht – Jehovas Arbeit zu verrichten.“ Die Hälfte dieser Collage zeigt Brüder und Schwestern, die im Errichten oder Sanieren von Gebäuden arbeiten. Wo in der Bibel steht, dass für Jehova arbeiten bedeutet teure Bauten zu errichten? (BILD Colage)

Gibt es aus der Zeit der ersten Christen irgendwelche Hinweise in der Bibel oder der Geschichte die darauf schließen lassen, dass die ersten Christen mit Bauprojekten dieser Art beschäftigt waren? Ist Jehova Gott wirklich auf diesen Einsatz von menschlicher Arbeitskraft und Mittel angewiesen? Der Apostel Paulus sah dass ganz anders. Als er zu den Athenern sprach, die stolz auf ihre „Zentren der Anbetung“ waren, sagte er.

„Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Apostelgeschichte 17:24

Ja, Gott lässt sich nicht von Menschenhänden bedienen, er ist es der gibt.

Es ist nichts Falsches daran, einen Ort der Anbetung zu errichten oder eine Einrichtung zum Herstellen von Literatur oder zum Lernen. Aber wenn wir die Behauptung aufstellen, dass es Jehovas Arbeit ist, dann sollten wir das besser untermauern. Haben die Kirchen der Katholiken, Evangelikalen oder Mormonen nicht auch die selbe Behauptung aufgestellt wenn sie nach Geldmittel fragten, um eine weitere Kathedrale oder einen Tempel zu bauen?

Ein Zeuge würde schnell kontern, dass diese ja nicht Gottes Werk vollbringen, weil sie alle Teil der falschen Religion sind. Das Kriterium ist also, ob eine Religion die Wahrheit oder Irrlehren lehrt, gemäß unserem „Zeugen Jehovas“ Maßstab. Was passiert, wenn man uns ebenfalls als solche befindet, die Falschlehren verbreiten? Wie viele falsche Lehren haben auch wir Zeugen Jehovas im Lauf unserer kurzen Geschichte gelehrt?Lösch.001

Das ist eine Frage die schon ausgiebig auf dieser Seite diskutiert wurde. Lasst uns fürs erste einen Blick auf das Beispiel unseres Herrn Jesus werfen.

“ … Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Schlafsitze, der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt niederlegen kann.” (Matt 8:20)

“…Eines fehlt dir: Geh, verkauf, was du hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach.“ (Markus 10:21)

Jesus hatte nichts und die Geldmittel, die gespendet wurden, wurden dafür verwendet ihn und seine Jünger zu versorgen, doch der Überschuss ging an die Armen.

Wenn nun eine Versammlung aufgelöst wird, was passiert mit dem Geld aus dem Verkauf des Saals, der von der Arbeit und den Geldmitteln lokaler Personen gebaut wurde? Erhält die Versammlung überhaupt die Möglichkeit zu mit zu entscheiden? Nein, die Einnahmen gehen an das lokale Zweigbüro oder an das Hauptquartier. Sie werden niemals den Armen gegeben, auch nicht denen, die nach Abschluss der Arbeiten oder nach Verkauf des Bethels, ihrer Heimat, vor dem nichts stehen.

Auf die Existenznöte der Brüder, die nach Schließung eines Zweigbüros vor dem Nichts stehen geht dieser Artikel nur in sofern ein, dass er die Opferbereitschaft dieser Brüder lobend erwähnt gleichzeitig aber die Existenzängste der Brüder auf den Verlust der Schweizer Berge und der „Gemächlichkeit“ der Österreicher reduziert.

Zitat, Abs. 11,12:Von denen, auf die sich die Zusammenlegungen von Zweigbüros direkt auswirkten, können wir Wichtiges lernen. …. In verschiedenen Ländern Europas wurden Brüder und Schwestern gebeten, von ihrem Bethel in das Zweigbüro in Deutschland zu wechseln. Auch für sie blieb das nicht ohne Herausforderungen. Wer Berglandschaften liebt, kann sich vorstellen, wie schwer es für unsere Brüder aus der Schweiz war, die schöne Gegend in der Nähe der majestätischen Alpen zu verlassen. Und wer aus Österreich kam, vermisste zunächst die gewohnte Gemächlichkeit“.

Diese schöngefärbte Darstellung der Probleme dieser Brüder in diesem Artikel ist entwürdigend.

Wenn wir vielleicht unseren Grundbesitz wirklich aufgeben wollen, könnten wir unsere Geldmittel für Zwecke einsetzen, die mehr dem Beispiel entsprechen, welches uns Jesus gab. Dann könnten wir vielleicht mit Überzeugung sagen, dass dies Gottes Richtung ist, dass wir seine und Jesu Mitarbeiter sind und dass wir in einem „heiligen Dienst“ beschäftigt sind.

 

 

 

 

 

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Matthäus

Wie sich doch die Geschichte wiederholt! Zum Verkauf von Spanien und all den anderen wertvollen Immobilien “war ja alles für Jehova”, aber wenn es verkauft wird oder werden muss dann sind die Betroffenen (Bethel Mitarbeiter, Kreisaufseher usw.) die Dummen. Vor 1975: Unser Königreichsdienst (englische Ausgabe), Mai 1974: „Das Ende des Systems ist so nahe… .Es erreichen uns Berichte von Brüdern, die ihre Häuser und Eigentum verkauft haben und planen den Rest ihrer Tage in diesem alten System im Pionierdienst zu verbringen. Das ist sicherlich eine schöne Art die verbleibende Zeit zu verbringen, bevor dieses böse System endet.“  NACH 1975:… Weiterlesen »

Silas/Silvanus

Folgenden Beitrag las ich auf der italienischen Seite eines ehemaligen Ältesten der Zeugen Jehovas. Er wurde von der Frau eines Kreisaufsehers verfasst. Sich in einem Spannungsfeld bewegen… Von einem reisenden Aufseher und seiner Frau … Unsere Situation sieht folgendermaßen aus: Wir bewegen uns in einem großen Spannungsfeld. Auf der einen Seite müssen wir weiterhin die Aufgaben in einer Weise erledigen, wie sie uns von der Gesellschaft vorgeschrieben werden, und zum anderen müssen wir uns mit den Realitäten der Versammlungen auseinandersetzten, denen wir zugeteilt werden. Das bedeutet, dass unsere Arbeit mehr durch das Weitergeben von Anordnungen gekennzeichnet ist, statt sich auf… Weiterlesen »

Anna

Liebe Schwestern und Brüder, „Gottes Mitarbeiter“, was für ein Anspruch! Allerdings läuft es ja, wie im Artikel dargelegt auf Bauarbeiten und Predigen hinaus. Oh ja, Jehova hätte niemals um Geld gebettelt, wie im Fall von Spanien und dann alles gewinnbringend verkauft. Ähnliches lief in vielen Ländern so ab, zuletzt ja nun in der Weltzentrale in Brooklyn. Und wie hat man doch diesen Bau bzw. Umbau seinerzeit als Segen Jehovas verkauft. Mitten in New York, die Weltzentrale… Ich habe hier einen Auszug aus dem WT 09, 1.5., S. 22 – 25 ZITAT Warum nach Brooklyn umziehen? Denen, die damals das Predigtwerk… Weiterlesen »

NEU

Wenn die WT-Organisation ihre Bauprojekte als “Segen Gottes” darstellt, wie darf ich dann die Bauprojekte anderer christlichen Religionen verstehen?
Was soll denn die WTO auch anderes tun, wenn das Ende nicht wie mehrmals prophezeit kommt, wird halt gebaut, obwohl immer weniger gedruckt wird.
Was soll die WTO denn sonst mit den Spendengeldern machen?
Wachstum wird jetzt in Betongold qualitativ gemessen.
Was ich bei diesen WTO-Aussagen vermisse ist, was eigentlich der “Helfer”, also der heilige Geist noch zu tun hat, wenn die WTO doch selbst überall Hand anlegt und sagt, dies wäre der Segen Gottes.
Viele Grüße….