Helft euren Kindern Jehova zu lieben

Kommentar zum gleichnamigen   Wt-Studienartikel 52 Dez. 2019    

Wann immer ich einen Artikel aus dem Studienwachtturm lese, frage ich mich: Was will die WTG damit bewirken? Und immer wieder stelle ich fest, dass diese Artikel einige Absätze mit durchaus vernünftigen Hinweisen enthalten, so auch dieser:

“ Jedes Paar sollte selbst entscheiden, ob es Kinder haben möchte. Das ist ihre ganz persönliche Entscheidung und Verantwortung.“

Dieser Feststellung wird kaum einer widersprechen, aber ich habe schon jetzt die Vermutung, dass es in diesem Artikel weniger um das Wohl der Kinder oder die Interessen der Eltern geht, sondern um die Interessen der Religionsorganisation. Wir werden feststellen, dass der gesamte Artikel darauf ausgerichtet ist, den betroffenen Paaren klarzumachen, dass es nicht die Zeit ist, ihren Kinderwunsch zu erfüllen und falls sie sich doch dafür entscheiden, soll der Nachwuchs im Sinne der Organisation erzogen werden.

Zeugeneltern werden diesen vordergründig wohlmeinenden Hinweisen gerne zustimmen und ganz nebenbei erhalten sie klare und eindeutige Vorgaben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Sie verstehen die Botschaften zwischen den Zeilen, und falls dies mal nicht der Fall sein sollte, so werden gut geschulte Wachtturm-Studienleiter ihnen schon auf die Sprünge helfen.

Kindererziehung – eine von Gott übertragene verantwortungsvolle Aufgabe

Auf der offiziellen Website von Jehovas Zeugen, JW.Org, wird zum Thema Kindererziehung gesagt:

„Eltern von Jehovas Zeugen betrachten die Kindererziehung als eine von Gott übertragene verantwortungsvolle Aufgabe. Sie sind überzeugt, Gott selbst darüber rechenschaftspflichtig zu sein, wie sie ihre Kinder erziehen. Sie akzeptieren die Bibel als praktische und zuverlässige Anleitung für die Erziehung ihrer Kinder, jedoch treffen sie alle ihre Familie betreffenden Entscheidungen in völliger Eigenverantwortung.“

Auch der Hinweis, auf die Bibel als Erziehungsratgeber und Orientierungshilfe, wird wohl breite Zustimmung finden. Was ist auch dagegen einzuwenden, Kinder zu liebe- und verantwortungsvollen Menschen zu erziehen? Und dass religiöse Menschen ihre Kinder anhand der Bibel erziehen, fußt zutiefst in unserer Kultur.

Im Fokus des Artikel steht aber nicht, Kinder zu verantwortungsvollen und eigenständigen Persönlichkeiten zu erziehen, sondern ausschließlich, im Sinne des Selbstverständnisses der Organisation und deren Wertvorstellungen und Absichten zu prägen. Ihre tatsächliche Intention verstecken die Autoren der WTG geschickt zwischen durchaus vernünftigen Ratschlägen, denen wir beipflichten können. Befindet sich der Leser oder Zuhörer jedoch erst einmal in einem geneigten und zustimmenden Modus, werden mit fragwürdigen Argumenten, Beispielen und Bibelauslegungen die ureigenen Absichten der Religionsorganisation in seine Gedankenwelt infiltriert. Im Abs. 1 sieht man sich veranlasst, Kinder eher als ein „Erbe“, als eine Gabe Jehovas zu bezeichnen, Zitat:

„JEHOVA erschuf die ersten beiden Menschen mit dem Wunsch, Kinder zu haben. Die Bibel sagt treffend: „Kinder sind ein Erbe (Gabe, Geschenk) von Jehova“ (Ps. 127:3 NWÜ).“

Nun ist es durchaus angebracht, dass man ein kostbares Geschenk in Ehren hält. Doch die folgende Ausführung ist der geschickte Versuch, Eltern klar zu machen: “Eure Kinder sind zwar ein Erbe oder ein Geschenk Jehovas, aber sie gehören weiter ihm. Ihr habt die Verantwortung und Aufgabe aus diesen, euch von Jehova überlassenen Kindern, Anbeter Jehovas zu machen und das mit allen Mitteln und Nachdruck.” Doch zunächst heißt es:

„Wahrscheinlich fühlst du dich geehrt, weil, unser bester Freund Jehova vertraut dir etwas viel Wertvolleres an als Geld. Er lässt dich für das Wohl und das Glück deiner Kinder sorgen.“

Jehova, dein bester Freund vertraut dir also ein wertvolles Geschenk an, welches du zu seinem Nutzen zuzubereiten hast. Du, als Elternteil, hast von Gott die Verantwortung erhalten, dafür zu sorgen, dass dein Kind sein Lebensglück in seiner Selbstaufgabe und im Dienst für Gott findet. Beschleicht hier nur mich das Gefühl, dass der Vergleich zwischen Kindern und Geld daneben ist? Positioniert man hier Gott nicht auf die Stufe eines Geldverleihers, der erwartet, dass wir das uns anvertraute Geld, für ihn als den wahren Besitzer, gebrauchen und mehren? Suggeriert man hier nicht den Gedanken, es ginge in erster Linie um die Interessen Gottes?

Die Erziehungsziele der WTG

Die Erziehungsziele der WTG werden in diesem Artikel durch Zitate, Beispiele und Bibelauslegungen mehr als deutlich. Einfach zusammengefasst kann man konstatieren, dass Kinder eifrige „Verkündiger“, später „Pionier“ oder „Betheldiener“ und “Kreisaufseher” werden sollen. In der Schule sollen sie bei den Klassenkameraden schon mit dem Predigen beginnen, um sich dann so schnell wie möglich taufen zu lassen. Die Eigenverantwortung der Zeugeneltern besteht darin, die Vorgaben der Wachtturmorganisation zu erfüllen. Wie im Absatz 3 richtig bemerkt, “ … sollte jedes Paar selbst entscheiden, ob es Kinder haben möchte oder nicht, das ist ihre ganz persönliche Entscheidung und allein ihre Verantwortung“.

Doch warum werde ich das Gefühl nicht los, dass dieser Satz nur ein Täuschungsmanöver ist? Hier soll der Eindruck vermittelt werden, dass die WTG den Eltern die Entscheidung für Kinder nicht abnimmt, sondern sie nur auf die Probleme hinweist, die mit einer positiven Entscheidung verbunden sind.

Tatsächlich aber wird dieser richtige Hinweis auf die Eigenverantwortlichkeit mit der im Absatz 6 gestellten Frage:  „Was haben manche christliche Paare wegen der heutigen kritischen Zeiten beschlossen?“ außer Kraft gesetzt, denn die Antwort lautet, Zitat:

„Andere christliche Ehepaare haben entschieden, sich am Beispiel von Noahs drei Söhnen und deren Frauen zu orientieren. Diese drei Paare hatten nicht sofort Kinder. Jesus verglich die Zeit, in der wir leben, mit der „Zeit Noahs“, und es besteht kein Zweifel, dass heute „kritische Zeiten herrschen, mit denen man schwer fertig wird.“ Deshalb haben manche Paare beschlossen, vorerst keine Kinder zu bekommen, umso mehr Zeit für den Dienst zu haben. Bei der Entscheidung, ob und wie viele Kinder man haben möchte, muss man „die Kosten berechnen“ (Siehe Absatz 7). 

Reife christliche Ehepaare, die sich in diesen kritischen Zeiten gegen ihren Kinderwunsch entschieden haben, werden als nachahmenswertes Beispiel präsentiert. Ein theokratisch geschultes Ehepaar wird hier sofort begreifen, was die WTG von „reifen Christen“ erwartet. Diese angeführten Exampel sind als Entscheidungshilfe gedacht. Und: Wieviel Eltern wurden in der Vergangenheit als unreife Christen beurteilt, weil sie sich in diesen „kritischen Zeiten“ für Kinder entschieden haben oder ungeplant Kinder bekamen? Und so ist es folgerichtig, wenn die WTG auch heute noch die Probleme einer Elternschaft thematisiert, Auszug Abs. 5 sinngemäß:

Kinder kosten viel Zeit und Kraft. Junge Paare sollten sich erst an das Eheleben gewöhnen und einander näherkommen. Deshalb haben manche Paare beschlossen, vorerst keine Kinder zu bekommen, um so mehr Zeit für den Dienst zu haben.“

„Paare sollten sich erst einmal besser kennenlernen“ ist sicherlich ein vernünftiger Rat. Doch der WTG geht es nicht um das Wohl des jungen Paares. Es geht ihr einzig und alleine darum, dass ein kinderloses Paar mehr Zeit für organisationsspezifische Tätigkeiten hat. Diesen Standpunkt hat die WTG schon immer vertreten. Ja, Pro oder Kontra Kinderplanung ist eine persönliche Entscheidung, und weder Eltern, Verwandte, Freunde oder eine Organisation sollten versuchen, die Entscheidung in ihrem Sinn zu beeinflussen. Doch genau das versucht der Artikel, mit fragwürdiger Auslegung spezieller Bibeltexte wie z. B. 1. Mose 6:18; 9:18.

Angeblich orientieren sich heute christliche Paare an den drei Söhnen Noahs und deren Frauen, diese hätten sich auch nicht sofort, angesichts der „kritischen Zeiten“ in denen sie lebten, für Kinder entschieden. Und da Jesus die Zeit, in der wir leben, mit der „Zeit Noahs“ verglich und wir auch in „kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird“, leben, sollten Jungverheiratete sich ruhig Zeit nehmen. Eine abenteuerliche Bibelexegese. Die Schlussfolgerung, Noahs Söhne hätten wegen der kritischen Zeiten die Geburt ihrer Kinder hinausgezögert, ist mal wieder reine WTG-Spekulation. Außerdem, zwei wichtige Punkte sollten beachtet werden, bevor wir die Söhne Noahs und ihre Frauen als ein positives Beispiel für kinderlose Paare heranziehen:

Erstens, Noah bekam seine drei Söhne als er schon über 500 Jahre alt war, also 100 Jahre vor der Flut.

Zweitens, in der Zeit vor der Flut, begannen die Männer viel später als heute Kinder zu zeugen. Von daher ist es Nonsens, hier eine bewusste Entscheidung der Söhne Noahs gegen Kinder zu konstruieren.

Weiter wird im Absatz 6 gesagt:

„Jesus hat unsere Zeit mit den Tagen Noahs verglichen, und es besteht kein Zweifel daran, dass wir in „kritischen Zeiten leben, mit denen wir schwer fertig werden“ (2. Timotheus 3:1).

Zwar spricht Paulus in 2. Timotheus 3:1 von schwierigen Zeiten, aber es ist sehr schwer einzuordnen, wie kritisch die Zeiten im Vergleich zu anderen vergangenen oder zukünftigen Zeiten sind. Ob Paulus, als er von kritischen Zeiten sprach, unsere heutigen Tage im Sinn hatte, ist reine Spekulation. Die von Paulus angeführten Kriterien, wie: “Die Menschen werden geldgierig, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar und gottlos sein”, sind so unspezifisch, dass man sie auf jede beliebige Zeitperiode anwenden kann. Die WTG-Autoren bedienen sich auch in diesem Artikel ihrer beliebten Rösselsprungmethode und hüpfen von einem Bibelvers zum nächsten, ungeachtet des Kontextes, um ihren Lehrpunkt biblisch zu belegen.

Die Kosten berechnen

Absatz 7 gibt dann mal wieder nützliche Empfehlungen, wie: „Bei der Entscheidung berechnen weise Paare die Kosten “.

Nun, wer Kinder großgezogen hat, kann bestätigen: Diese kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Kraft. Aber Paare, die sich Kinder wünschen, werden sich von den Kosten und Problemen kaum abschrecken lassen. Abgesehen davon werden die meisten Eltern wohl kaum eine Kosten-Nutzenrechnung aufgestellt haben, bevor sie sich für oder gegen Kinder entschieden haben. Die WTG erweckt hier den Eindruck einer liebevollen Organisation, die sich um den Einzelnen sorgt. Doch tatsächlich geht es der WTG hier nicht um das Wohl der Eltern und Kinder. Der Hinweis auf die vielen Probleme, die Kinder mit sich bringen, dient eher der Abschreckung und soll junge Paare davon abhalten, sich für Kinder zu entscheiden.

Wenn du meinst, dass diese Behauptung eine böswillige Unterstellung eines Abtrünnigen ist, dann lies dir den Absatz ganz genau durch. Er zeigt dir, was die wahren Beweggründe hinter diesem „guten Rat“ sind, Zitat Abs. 7:

„Wer Kinder hat, kann bestätigen, dass das nicht nur Geld kostet, sondern auch Zeit und Kraft. Deshalb ist es wichtig, sich zu fragen: Müssten wir beide arbeiten gehen, um uns mit dem zu versorgen, was wir als Familie brauchen? Sind wir uns darüber einig, was wir als Familie wirklich brauchen? Wer würde sich um die Kinder kümmern, wenn wir beide arbeiten? Wer würde dann ihr Denken und Handeln beeinflussen? “

 Halten wir fest, worum es den Verantwortlichen der WTG in diesem Artikel geht: Um Zeit, Kraft und Geld. Und wahre Christen wissen, wem ihre Zeit, Kraft und Geld gehören. Jehova natürlich. Wer Kinder hat, muss sich seine Zeit, Kraft und sein Geld zwischen seinen Kindern und Jehova und seiner Organisation aufteilen. Und Teilen mag Jehovas Organisation nun überhaupt nicht. Sie möchte, dass junge Paare ein „einfaches Leben führen“, einen Arbeitsplatz wählen, der es ihnen ermöglicht, als Pionier tätig zu sein und auf eine gründliche und umfangreiche Ausbildung verzichten. Am besten soll, nach dem allgemeinen Schulabschluss, gleich als Vollzeitdiener gestartet werden. Für theokratische Tätigkeiten sind Kinder natürlich eher ein Klotz am Bein und weniger ein Segen Jehovas.

Und dann gibt es da noch ein schwerwiegendes Problem für die WTG: „Wer würde sich um die Kinder kümmern, wenn beide Teile theokratisch gesinnter Paare arbeiten müssen? Wer würde dann das Denken und Handeln dieser Kinder beeinflussen?” 

Etwa die ungläubigen Großeltern? Und – oh Schreck- eventuell sogar Großeltern, die ausgeschlossen oder abtrünnig wurden? Das wäre ja nicht auszudenken. Wenn schon Kinder vorhanden sind, dann sollten diese wenigstens auch in ihrem Denken und Handeln von organisationtreuen Eltern beeinflusst und betreut werden.

Natürlich ist es traurig, wenn man sieht, wie sich Kinder selbst überlassen werden, weil Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, die erforderlichen emotionalen und finanziellen Kosten für die Erziehung aufzuwenden und sich überfordert fühlen. Und es ist auch eine Tatsche, dass viele Eltern durch das vorherrschende Arbeitssystem überfordert sind, trotz aller staatlichen Hilfen und Einrichtungen. Abs. 8 spricht das Thema an, Zitat:

„Manche Paare, die mehrere kleine Kinder hatten, sagten, sie hätten sich überfordert gefühlt. Mütter fühlen sich womöglich körperlich und emotional ausgelaugt“.

Ja, auch hier werden viele Zeugeneltern zustimmend nicken, in dem Gefühl, der Sklave habe wirklich Verständnis für ihre Probleme. Doch schau genau hin! Worum es dem Sklaven wirklich geht, verraten die folgenden Suggestivfragen, Zitat: 

„Könnte sich das negativ auf ihr Studium, ihre Gebete und ihren Dienst auswirken? Eine damit verbundene Herausforderung besteht darin, die Zusammenkünfte aufmerksam mit zu verfolgen und etwas für sich mitzunehmen“.

Den Wert einer christlichen Erziehung der Kinder werden die meisten Eltern unterschreiben. Doch die in diesem Absatz formulierten Fragen umfassen weit mehr als eine Erziehung im christlichen Sinne, anhand der Bibel. Jeder Zeuge weiß, welche Hauptziele die Organisation mit ihren Empfehlungen zur Kindererziehung verfolgt. Eine Frage steht für Zeugeneltern immer im Raum: Geben wir ein gutes Beispiel? Es wird von ihnen erwartet, den jugendlichen Tatendrang ihrer Kinder in die richtige Bahn, “den Dienst für Jehova“, zu lenken, indem sie ihnen helfen, das Predigen und den Versammlungsbesuch zu einem wichtigen Teil ihres Lebens zu machen.

Vor diesem Hintergrund ist die Frage angebracht, ob die hier im Absatz 8 erwähnte „Überforderung einiger Paare“ nicht auf die Anforderungen der WTG zurückzuführen ist. Könnte es nicht sein, dass sich gerade Eltern mit mehreren kleinen Kindern durch die WTG-Erwartungen körperlich und emotional ausgelaugt fühlen? So wird auch der Ehemann mit in die Pflicht genommen, Zitat:

„Ein liebevoller Ehemann … wird sich darum bemühen, dass alle in der Familie von einem regelmäßigen gemeinsamen Studium profitieren. Außerdem geht er mit seiner Familie regelmäßig in den Dienst“.

Und so sind Jehovas Zeugen von allen Seiten Druck ausgesetzt. Wenn sich Zeugeneltern schuldig fühlen, weil sie für diese organisationsorientierten Aktivitäten wenig oder gar keine Zeit haben, wird das Problem nur verschlimmert, anstatt gelindert.

Fragwürdige biblische Vorbilder

In den Absätzen 10 und 11 verweist der Autor auf das Beispiel von Manoah und seiner Frau aus Richter 13, die Jehova um spezielle Hilfe baten. Zitat Abs. 11:

„Hier ist das Beispiel von Manoach und seiner Frau interessant, den Eltern von Simson. Als Manoach erfuhr, dass er und seine Frau einen Sohn haben würden, bat er Jehova eindringlich um Anleitung für die Erziehung ihres Kindes“.

Doch handelt es sich hier wirklich um ein hilfreiches Beispiel? Was wird in Richter 13:8 zu Manoach wirklich gesagt? Wollte er von Jehova allgemeine Erziehungsratschläge? Die NWÜ erweckt tatsächlich diesen Eindruck, indem sie wie folgt übersetzt:  „Lass doch bitte den Mann des wahren Gottes wiederkommen, damit er uns erklärt, wie wir das Kind, das wir bekommen werden, großziehen sollen.“ 

Tatsächlich aber geht die Bitte von Manoach, gemäß anderer Übersetzungen, in eine andere Richtung. Seine Bitte lautete: “Sage uns, was wir mit dem Jungen tun sollen, den wir bekommen. Oder: Wie sollen wir dann mit dem Jungen umgehen? Oder: “Wie müssen wir uns verhalten?” 

Dieses von der WTG angeführte Ereignis ist kein Beispiel, um von Gott Erziehungsratschläge zu erbitten. Die damalige Situation sah so aus, dass ein Engel Manoahs Frau mitteilte, dass sie bald Mutter würde. Ihr zukünftiger Sohn war für einen bestimmten Zweck ausgewählt worden, und so wollten sie weitere eindeutige Hinweise, was sie mit dem Jungen tun sollen, damit er seiner Bestimmung gerecht werden konnte. Dass uns Engel heute persönlich besuchen und uns mitteilen, unser Kind sei für einen besonderen Auftrag bestimmt, wird kaum zu erwarten sein. Von daher ist auch die im Abs. 11 angeführte Erfahrung der Fantasie des Autors geschuldet, Zitat Abs. 11:

„Nihad und Alma aus Bosnien-Herzegowina erzählen: „Wir haben es wie Manoach gemacht und Jehova angefleht, uns zu zeigen, wie wir gute Eltern sein können. Und Jehova hat unsere Gebete auf verschiedene Weise erhört – durch die Bibel und biblische Veröffentlichungen sowie durch Zusammenkünfte und Kongresse.“

 

Ich frage mich, wie die beiden zu der Überzeugung gelangen konnten, der Bericht aus Richter 18 habe etwas mit ihrer Lebenssituation zu tun? Hatten sie, bzgl. der Zukunft und Aufgabe ihres Kindes, auch eine göttliche Verheißung erhalten? Natürlich nicht. Darüber hinaus haben wir heute alles, was wir brauchen, wenn wir Gottes Wort lesen. Die Behauptung von Nihad und Alma, Jehova habe ihre Gebete auf verschiedene Weise auch durch die biblische Literatur der WTG beantwortet, hat keine nachweisbare wahre Grundlage. Sie geben nur ihre Sicht der Dinge wieder, gefärbt durch das, was sie in der Literatur der Organisation gelesen haben. Nichts in den heiligen Schriften weist darauf hin, dass der Geist Gottes auf diese Weise wirken würde.

Quintessenz

Fassen wir die Quintessenz dieses Artikels zusammen: Worum geht es dem Sklaven? Liegt ihm das Wohl der Eltern und Kinder am Herzen? Möchte er den Eltern, Kindern und Jugendlichen Zeugen uneigennützigen Rat erteilen? Nein, denn ab dem Absatz 12 offenbart er mit dem Hinweis auf die Vorbildfunktion der Eltern, worum es ihm wirklich geht. Ja, das gute Vorbild der Eltern ist der Schlüssel für eine gelungene Kindererziehung, das ist eine unbestrittene Tatsache. Doch die WTG benutzt dies, um Druck auf die Eltern auszuüben.  Mit Bezug auf Maria und Joseph, den Eltern von Jesus geht es im Abs. 13 um die Frage:

„Wie können Eltern ihre Kinder erziehen, dass sie Gott lieben und dienen?” Die Antwort: „Sei so, wie dein Kind sein soll.“ Einfach ausgedrückt: Christliche Eltern werden die Zeit mit ihren Kindern hauptsächlich im Predigtdienst und in den Versammlungen verbringen und die Schriften der WTG „studieren“. Weiter wird die Empfehlung ausgesprochen: „Schaffe Gelegenheiten bei denen deine Kinder mit „vorbildlichen Dienern Gottes“ zusammen sein können, Abs. 16, Zitat:

„Viele Elternpaare ließen oft den Kreisaufseher bei sich übernachten, das habe sich auf ihre Kinder sehr gut ausgewirkt. Sie fingen mit dem Pionierdienst an oder dienen als Kreisaufseher.“ Könnt ihr für eure Kinder ähnliche Gelegenheiten schaffen?“

Kurz gesagt, der gesamte Artikel verfolgt nur ein Ziel: Eltern und Kinder zu funktionierenden Organisationsrobotern zu machen. Es geht wahrlich nicht um das Wohl und die ureigenen Interessen junger Menschen, sondern um Abschottung und Indoktrination. Eltern, die diese angeblichen Ratschläge befolgen, sollten sich bewusst sein, dass sie so ihre Kinder darin behindern, eigene Entscheidungen zu treffen und ihren Lebensweg zu finden.

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Und wie war es damit beim Volk Israel? (z. B. 5. Mose 6:7-9 u. ä.) oder in der urchristlichen Gemeinschaft/Versammlung/Familie? Ist da jeder seinen eigenen Weg gegangen, oder hat einer den anderen unterstütz und missioniert… (Epheser 4 etc). – oder darf man das so offen hier nicht fragen?

Aber wer Versammlungen ablehnt, der hat eben andere (eigene) Sicht darauf …

„Viele Elternpaare ließen oft den Kreisaufseher bei sich übernachten, das habe sich auf ihre Kinder sehr gut ausgewirkt. Sie fingen mit dem Pionierdienst an oder dienen als Kreisaufseher.“ Könnt ihr für eure Kinder ähnliche Gelegenheiten schaffen?“ – Diese Aussage ist in der post-ARC-Ära als gefährliche Drohung zu verstehen (und das nicht nur in Australien).

Lieber Bruder ! Vielen Dank für deine Aufschlüsselung dieses Artikels. Ich hatte genau die gleichen Gedanken beim Lesen. Du hast es, finde ich, richtig gut hingekriegt, die psychologische Beeinflussung des Lesers aufzudecken, so, dass jeder versteht, wie sowas funktioniert. Nicht nur für Aufwachende, sondern auch für interessierte Außenstehende oder Angehörige. Für einen normalen Durchschittszeugen ist die Abartigkeit, die dahinter steckt, ja nicht wirklich zu durchschauen. Dazu müsste man ja erstmal auf die Idee kommen, das dieser Mist nicht so fürsorglich gedacht ist wie es scheint. Ich kann mir vorstellen, dass es irgendwann einfach nur noch nervt, sich mit diesem Schrott… Weiterlesen »

Lieber Bruder, nicht nur Dich beschleichen.bei diesem WT Artikel mulmige Gedanken. Der Vergleich mit dem Geld, aber auch “unser bester Freund Jehova…..” Ein Freund, der schnell zum rachsüchtigen, gnadenlos fordernden, schwer zu beschwichtigenden Gott wird. Der fordert so viel, dass wir zusammenbrechen unter der Last und dem Zwang, den die Organisation in seinem Namen bündelt und auferlegt. Sie macht aus der Kindererziehung eine schier unlösbare Aufgabe mit ständig begleitendem schlechten Gewissen. Mir wurde eine solche Erziehung zuteil. Ich dachte tatsächlich, das Leben bestehe aus Dingen, für die ich mich ständig verbiegen müsse, die Überwindung kosten. Jehova würde mich bestimmt vernichten.… Weiterlesen »

Ich stelle mal wieder fest: es hat sich nichts geändert bei der WTG! Nein, sie ist noch schlimmer geworden! Als ich 1969 schwanger war, wurde mir gesagt: “Wie kannst Du vor Harmagedon noch ein Kind bekommen????” Dieses Kind ist heute 51 Jahre alt! Ja, weil mein Vater “vorsitzführender Aufseher” war, schlief der Kreisaufseher ständig bei uns. Und Hein Dickmann hat es geschafft, aus mir eine Pionierin zu machen, allerdings nur, bis ich heiratete und unser Sohn sich angemeldet hatte. Aber immerhin, die Gehirnwäsche der WTG zieht noch immer und das wird wohl so bleiben, so lange diese unselige Firma existiert!… Weiterlesen »

Liebe Freunde, der Artikel heißt: Helft Euren Kindern, Jehova zu lieben… Es ist so: besser ist es, solo zu bleiben oder zu heiraten, jedoch keine Kinder zu haben. Dann kann man teilzeit arbeiten und den Rest der Zeit der Org dienen – für ein paar Tage mehr ewiges Leben. Aber viele Paare lassen sich nicht vom natürlichesten der Welt abhalten: eine Familie zu gründen… Das muss dann ebenfalls für die Org ausgeschlachtet werden – und im Übrigen muss man ja sagen, dass die “Mehrung” in der westlichen Welt bzw. die Stagnation statt Schrumpfung wohl nur aus den eigenen Reihen durch… Weiterlesen »

Toller Artikel lieber Bruder, Diese Verflechtung der Gedanken ist ein Problem vieler autoritärer, totalitärer Organisationen. Sie nennen es selbst “Erziehung zur Gerechtigkeit”. Doch geht alles ganz schnell in Richtung Diktatur. Das Problem ist, daß überzeugte ZJ es nicht sehen. Sie können oder wollen nicht sehen, welcher Druck auf die Eltern und Kinder aufgebaut wird. Ja, das am Ende Familien Zerbrechen. Als Kind kann man dies seinen Eltern auch nicht erklären. Leider. Auch wenn man dann mit 20,30, oder älter mehr hinter seine eigene Entwicklung und somit psycholischige Personen blickt und dann austritt. Dafür sorgen diese Artikel und alle anderen Beträge.… Weiterlesen »

Du zitierst: “JZ sind davon überzeugt Gott selbst rechenschaftspflichtig für die Erziehung ihrer Kinder zu sein”. Das gehört zu den annehmbaren und guten Aussagen des Artikels, dem ich auch nicht völlig widersprechen möchte. Obwohl meine eigene Erfahrungen als von solch Eltern erzogenes Kind (in den späten 60ern geboren) doch anders aussahen. Der Druck unter dem ein Kind durch die Belehrung in der Versammlung unterliegt, ist nicht im entferntesten kindgerecht. Schon bevor man eingeschult wird (Kindergarten war damals völlig indiskutabel) weiß man was alles falsch ist, was man alles auf gar keinen Fall nicht einmal denken darf (denn das ist ja… Weiterlesen »

Ihr Lieben, das ist zwar etwas off-topic, aber es war kein passenderer Faden mehr offen, deshalb poste ich das hier rein. Hin und wieder muss ich mal einen wt-“Studienartikel” kritisch annotieren – es macht einfach zu viel Spaß. Angesichts des heutigen “Studienartikel”-Machwerks “Wir werden mit euch gehen” kann man wieder einmal nur mit dem Kopf schütteln ob der Chuzpe der WTG, ihren Lesern ein X für ein U vorzumachen und offenkundige Tatsachen frech in ihr genaues Gegenteil zu verkehren, sowie ihnen angesichts “unerklärlicher” – weil unerklärbarer – Tatsachen das Denken und Fragen zu verbieten. Es geht los mit dem ersten… Weiterlesen »

Ist ja klar… erstmal sollen die Wachtturm-Drohnen abwägen, ob sie mit den “Belastungen” und “Einschränkungen” zurecht kommen, die eigene Kinder bringen… wenn man doch stattdessen soooo viel Predigtdienst verrichten könnte… neue Drohnen rekrutieren… Und ist das Kind in den Brunnen gefallen (quasi) und doch der Nachwuchs unterwegs, spricht ja nichts dagegen, diesen dann zu einer neuen Drohne heranzuziehen… Machen andere ja auch so, oder? Wieso ist die WTG so erpicht darauf, junge Menschen immer früher taufen zu lassen, wenn man doch so felsenfest und selbstüberzeugt immer wieder erwähnt, dass man keine Kindstaufe vornimmt und jeder sich frei entscheidet? Als Schutzmaßnahme… Weiterlesen »

Danke Bruder für die gute Analyse.

Die Mehrheit der Zeugen Jehovas haben keine Ahnung in welchem Hass-und antichristliches System
ihre Kinder aufwachsen lassen und was auf sie zukommt, falls sie einmal die erbarmungslose
und hasserfüllte Justiz der Zeugen Jehovas begegnen.

Folgender Film, ein Fall auch für die AMNESTY INTERNATIONAL!

https://www.youtube.com/watch?v=2wT58CD03Y8

Wie überaus dankbar können Christen ihrem himmlischen Vater sein, der sie adoptiert hat! Dafür verdient er zweifellos unsere Liebe und Dankbarkeit. Als seine Kinder werden wir ja gleichzeitig zu Brüdern Christi, was ein doppelter Grund zu größter Freude ist. Er ist das Haupt der Christenversammlung — wir sind die Glieder seines Leibes und damit Teil von ihm. Im alten Israel wurden Menschen mit Öl aus einem Gefäß zu Königen gesalbt. Das Öl wurde über dem Kopf ausgegossen. Jesus wurde bei seiner Taufe sogar mit heiligen Geist gesalbt — zum König und Hohenpriester. Er empfing also eine Salbung. Und wie steht… Weiterlesen »

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