Gegen die Angst (2. Artikel, 1. Teil)

 

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Unter den Zeugen Jehovas gibt es viele Angstkranke. Es sind Menschen, die durch andere Menschen mit Angstmachen beherrscht und krank gemacht wurden. Es wurde Druck auf sie ausgeübt. Reagierten sie nicht wunschgemäß, dann nahm man ihnen gewisse „Vorrechte”, „bezeichnete“ sie oder stempelte sie einfach als „Randfiguren” ab. Man hat sich bemüht, sie links liegen zu lassen. Und warum? Sie funktionierten nicht so, wie es die Vorgaben der JW.ORG forderten. Sie folgten ihrem Gewissen oder ihrem persönlichen Verständnis der Bibel. Sie haben sich nicht gegen die Gebote Jesu vergangen, nur gegen Menschengebote. Ihnen sei die folgende Abhandlung mit der Hoffnung gewidmet, sich durch Vertrauen auf Jehova und mit seiner Hilfe von der Angst befreien zu können.

Gegen die Angst  (2. Artikel, 1. Teil)

Welcher Mensch kennt sie nicht, die heimliche Herrscherin des Lebens? Wie oft hat sie uns in Schweiß gebadet, schlaflose Nächte beschert und uns das Leben fast unmöglich gemacht! Wie oft hat Angst uns zu Feiglingen gemacht? Wie oft haben wir aus Angst gelogen und verraten?

Schon unsere Erziehung in der Kindheit wurde in vielen Fällen durch Ängste gesteuert. Die Angst vor Strafe, Spott, Ausgrenzung, Einsamkeit, Bloßstellung, Anderssein und Versagen haben viele von uns geprägt – oft für ein ganzes Leben!

Wir wurden von Menschen erzogen, die es ja auch nicht besser erfahren hatten; so konnten sie nur weitergeben, was sie selbst gelernt hatten. Und das war häufig schlimm! Oft wurden wir bedroht, wenn wir nach der Meinung anderer Menschen nicht richtig funktionierten. Die Drohung schwebte über unserem Leben, verhängnisvoll und böse.

Psyche 2.001Und dann wurden wir mehr schlecht als recht erwachsen. Die Angst blieb unser stummer Begleiter. Jederzeit konnte sie durch andere Menschen geweckt werden, und dann begann sie wieder zu herrschen und verbildete uns. Sie erlaubte es uns nicht, wir selbst zu sein. So konnten wir weder richtige unbefangene Kinder, noch freie Erwachsene sein.

Und dieses Problem mit der Angst ging noch viel tiefer in die Menschen hinein!

Die Angst vor dem Tod versklavte eine ganze Menschheit, weil ein böser Geist virtuos auf der Klaviatur der Angst spielt: Die Angst vor dem Tod machte viele erpressbar und ermöglichte die größten Verbrechen in der Geschichte. Aus Angst folgten viele, viele Menschen dem Teufel und bewirkte, dass sie sich ein Leben lang seiner Sklaverei unterwarfen. Eine ganze Menschheit lebt in ständiger Angst vor dem, was kommen könnte. Und so hat Jesus die Angst als allgemeines Phänomen beschrieben: Die Menschen vergehen vor Angst, während sie auf das warten, was über die ganze Welt hereinbrechen wird.” (Luk. 21:26)

Angst als Machtmittel

So ist die Angst besonders heute das beherrschende Lebensgefühl. Und sie wurde leider auch in einen Bereich verpflanzt, in dem sie nichts zu suchen hat: Viele Religionen spekulieren mit der Angst ihrer Gläubigen wie Börsenmakler mit ihren Aktien. Immer droht in irgendeiner Form die Hölle, das Fegefeuer oder der Weltuntergang. Es ist ein Riesengeschäft, das Geschäft mit der Angst! Auch Politiker benutzen die Angst als Druckmittel. Da werden Feindbilder geschaffen und “Feinde” ausgemacht, vor denen man sich in Acht nehmen muss. Diese “Feinde” machen – wen wundert es – eine gewaltige Rüstung nötig. So wird eine dauernde Angst vor einem Krieg geschürt, die in den Wahnsinn treibt. Auf der anderen Seite finden wir dasselbe böse Spiel. Die Welt ist ein Irrenhaus, in dem jeder jeden an die Kehle fährt und würgt.

Und aus diesem “Irrenhaus” sind Christen entlaufen? Das klingt so unglaublich, aber es ist wahr: Christen haben den Teufelskreis aus Drohung, Angst und Aggression verlassen!

Wie war das möglich?

Paulus schrieb an die Hebräer: “Weil die Kinder Menschen aus Fleisch und Blut sind, ist er [Jesus] ein Mensch geworden. Denn er sollte durch seinen Tod den vernichten, der die Macht hat, den Tod zu verursachen, den Teufel. Und er sollte die Menschen aus der Angst vor dem Tod befreien. Denn die hielt sie ein Leben lang in Knechtschaft.” (Heb. 2:14, 15)

Es ist also die Gewissheit eines Christen, dass für ihn der Tod auf Dauer nichts bedeutet; es ist die Gewissheit der Auferstehung, die ihn mutig und stark macht, dem Tod zu trotzen.

Angst als Machtmittel der Religion    Videotrailer :     ttps://youtu.be/_CzLZAk_-S8

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Wie JW.Org irrationale Ängste erzeugt zeigt ein kurzer Videotrailer Link zum Videotrailer:https://youtu.be/_CzLZAk_-S8

 

Aber ich erwähnte schon, dass die Angst in die Religion eingedrungen ist, weil man mit ihrer Hilfe die Menschen manipulieren und erpressen kann. Hier ist es dann die Angst vor Strafe, vor der Vernichtung, vor Harmagedon oder die Angst, es nicht ganz geschafft zu haben und den Anforderungen von Menschen nicht zu genügen. Daraus kann mit der Zeit eine regelrechte Angst vor Gott entstehen, die mit der eigentlichen Gottesfurcht nichts zu tun hat. Gottesfurcht in der Bibel ist ja der verehrende Respekt eines Menschen vor Gott! Gott wird geliebt und aufgrund seiner Macht und Liebe respektiert. Dieser Respekt ist keine Angstreaktion; es ist die Einsicht, dass Gott es wert ist, geliebt zu werden!

Angst verzerrt das Bild Gottes

Es gibt viele Facetten und Abstufungen der unbiblischen Angst vor Gott. Es kann dazu kommen, dass man in der Person Gottes nur den strafenden, nie zufriedenzustellenden Richter sieht, der streng und unnachgiebig oder ohne Barmherzigkeit streng nach Gesetz urteilt und verurteilt. Man kann auf diese Weise das Wesen Gottes total entstellen und damit Menschen von ihm wegführen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten der Juden haben das gut beherrscht (Mat. 23:15).

Die Pharisäer herrschten durch Angst

In der Geschichte der Juden haben wir ein Beispiel, das bis heute wirkt: Das Pharisäertum. Die Pharisäer glaubten an eine unsterbliche Seele, an ein Leben im Himmel und an eine Hölle, in der böse Menschen gestraft werden. Sie glaubten an Vorherbestimmung und Schicksal. Auffällig war auch, dass sie die Menschen nicht liebten und ausgefuchste Heuchler waren. Sie liebten ihr Ansehen bei den Menschen, den Pomp, die religiöse Macht und den Luxus. Man sieht schon, dass alle Zutaten vorhanden waren, um Menschen den Weg zu Gott zu versperren. Und sie regierten mit der Angst!

Ein Lehrer, der zum Menschen spricht

Das religiöse Klima im Judentum zurzeit Jesu wurde in der Hauptsache durch die Pharisäer und Schriftgelehrten geprägt. Und in diese finstere Glaubenswelt wurde Jesus hineingeboren! Kein Wunder, dass Jesus seine Mitmenschen wie Schafe wahrnahm, die keinen Hirten hatten (Mat. 9:36). Und es wundert auch nicht, dass Jesus allein durch seine Art des Sprechens Anstoß bei den Pharisäern erregte, denn die Volksmengen liefen ihm nach, weil er so ganz anders lehrte als die Schriftgelehrten. Die Menschen fühlten sich von Jesus geliebt, und sie kamen zu ihm, wie zu einem wärmenden Feuer. Auch sein Verhalten drückte seine Liebe zu den Menschen aus – auch seine Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit. Da war plötzlich ein Lehrer aufgestanden, der das Herz erreichte.

Er erreichte es nicht durch die antike Redekunst, nicht durch Angstmachen, sondern durch Worte voller Wahrheit und Mitgefühl. Seine Zuhörer konnten seine Worte gut beurteilen, denn Jesus sprach aus, was der Mensch als inneren Standard schon besitzt; er sprach aus, was sich Menschen, die an Gott glauben, immer wünschen, nämlich einen liebevollen Vater im Himmel. Er sprach einfach das Gute im Menschen an. Er lehrte angstfrei, ohne zu drohen und ohne Vorwürfe zu machen. Er wies ihnen den Weg aus der Angst in die Freiheit.

Er hat damit nicht alles gutheißen; er war kein Populist, der jedermanns Freund sein wollte. Seine Moralvorstellungen waren klar und wurden auch gut verstanden. Er nahm den Menschen in dieser Hinsicht ihre eigene Verantwortung nicht ab! Aber durch seine liebevolle Art wollte er das Gute im Menschen wecken und wachsen lassen, und in markanten Fällen ist ihm das tatsächlich gelungen! Das kurze irdische Leben Jesu ist voll von erstaunlichen

Begebenheiten, die alle immer wieder zum Ausdruck brachten, dass Gott Liebe ist!

Gott ist Liebe

Da gibt es die Geschichte von Zachäus, dem Obersteuereinnehmer. Steuereinnehmer wirtschafteten oft in die eigene Tasche. Sie galten als ehrlose Betrüger, als Räuber und Erpresser. Und Zachäus war so ein Mensch. Er war es aber nur solange, bis er auf Jesus traf. Während er in Jericho war, bemerkt Jesus den Obersteuereinnehmer auf einem Baum, den Zachäus bestiegen hatte, um Jesus besser sehen zu können.

Als Jesus vorüberging sagte er nur: “Zachäus, steig schnell herab. Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.” Mehr sage er nicht! Da Jesus ihn mit seinem Namen ansprach, muss man davon ausgehen, dass er ihn kannte, dass er wusste, wen er da auf dem Baum ansprach. Und Zachäus ließ sich darauf ein! Er stieg vom Baum und eilte voraus, um Jesus zu empfangen. “Voller Freude nahm er Jesus bei sich auf.”

Das ganze Geschehen wurde von den Leuten bemerkt und es wurde übel bemerkt: “Er ist bei einem Mann eingekehrt, der voller Schuld ist!” Sie ärgerten sich über Jesus. In ihren Augen durfte ein ehrenwerter Mensch so etwas nicht tun. Steuereinnehmer waren bei den Juden Ausgestoßene und Geächtete.

Es fällt auf, dass Jesus keine Strafpredigt für den Obersteuereinnehmer hat. Wir hören keinen Vorwurf, hören ihn keine Bedingungen stellen. Aber wir hören Zachäus: Alles will er wieder gut machen, das unrechte Gut will er vierfach erstatten und die Hälfte seines Vermögens will er an Arme verteilen. Und wir fragen uns, was diesen Menschen so verwandelt hat. Hätte ein rechtgläubiger Pharisäer diesen Menschen verwandeln können? Niemals! Denn sie liebten den sündigen Menschen nicht. Sie waren als abweisende und überstrenge Religionsführer bekannt. Man fürchtete sich vor ihnen! Sie flößten Angst ein.

Aber Jesus erzeugte keine Angst, sondern Vertrauen. Er nahm den Menschen weder ihre Würde, noch ihren freien Willen, noch die eigene Verantwortung. Er ließ zu, dass das Gewissen arbeiten konnte. Die Pharisäer mochten das Gewissen des einzelnen Menschen nicht; es war ihnen suspekt, denn im Gewissen herrscht Freiheit. Und diese Freiheit konnten sie den Mitgliedern ihrer Religion nicht zubilligen. Zachäus ist nicht durch Drohung und Angst dazu gebracht worden, sein Leben zu ändern, sondern durch Liebe.

Und am Ende sagte Jesus zu Zachäus: “Heute ist dieses Haus gerettet worden, denn auch er ist ein Sohn Abrahams! Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und retten.” (Luk 19:1-10)

Ende 1. Teil,   Teil 2 folgt

[Gesamt:33    Durchschnitt: 5/5]

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stoertebeker

Störtebeker an Bruderinfo-aktuell, der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Aussage: Aus diesem “Irrenhaus” sind Christen entlaufen? Das klingt so unglaublich. aber es ist wahr: Christen haben den Teufelskreis aus Drohung, Angst und Agression verlassen! Genau das ist mir wiederfahren. Ich wurde zwar nicht in eine Zeugenfamilie hineingeboren, aber ich war 35 Jahre dabei. Vor etwa 3 Jahren habe ich mich vollständig von der WTG gelöst und verabschiedet. Ich bin dadurch frei geworden von Schuldgefühlen und habe jetzt eine ganz andere Einstellung zu mir selbst, zu anderen Menschen und zu diesem Leben. Zu unserem himmlischen Vater und zu… Weiterlesen »

Omma@Bruder

Lieber Bruder, vielen Dank für deinen zu Herzen gehenden Bericht. Du hast eindrucksvoll das Leben, oder besser gesagt das Erleben eines ZJ beschrieben, und die Wirkung auf den Glauben und die Psyche. Ich kann dem nur aus tiefstem Herzen zustimmen!!! Ich kenne diese Angst als Kind, Erwachsener und älterer Mensch, sie hat mich ein Leben lang begleitet, es war genauso, wie du schreibst: „Sie erlaubte es uns nicht, WIR SELBST ZU SEIN. So konnten wir weder richtige unbefangene Kinder, noch freie Erwachsene sein.“ Danke für diese treffende Beschreibung! Als mein Mann und ich den kurzen Videotrailer ansehen wollten, sagte mein… Weiterlesen »

Hans Wurst

Hallo zusammen,
da ich nicht weiss, wo ich diese Info posten soll, stelle ich sie einfach mal unter einen Artikel mit wenigen Antworten.

Der neue Kalender für 2016 ist unter folgendem Link in Englisch als PDF herunterzuladen:
https://drive.google.com/file/d/0B5O25TquiW0xSlQxWHNuUzZ4S0E/view?pli=1

Der Kalender zeigt ausschließlich Bilder von der Renovierung und dem Neubau von Königreichssälen, Übersetzungsbüros und Zweigbüros.
Angesichts, der Tatsache, dass die Bekanntmachung vom 23.9.2015 in allen Bethelheimen davon sprach weltweit alle Bauprojekte auf Eis zu legen ist dieser Kalender eine bodenlose Unverfrorenheit. Man läßt die Drohnen in dem Glauben ihre Spendengelder würden in Beton und Holz umgewandelt.

Liebe Grüße vom
Hans Wurst

piezke

sehr sehr spannende, aber auch verwirrende webseite. euer arbeitskreis ist tatsächlich äußerst irritierend, aber das macht es spannend. ich bin vor 20 jahren rausgeworfen worden. heute bin ich agnostiker, also ungläubig. ich hatte in meiner zeugen-zeit unter sehr starken ängsten und depressionen gelitten und ich kannte eine menge leute, denen es ähnlich ging. die fassade musste aber immer aufrecht erhalten werden. wenn man psychotherapie in erwägung zog wurde man harsch zurechtgewiesen, nicht nur von den ältesten. selbstbefriedigung war ein großes thema. immer starke schuldgefühle gehabt. und diese irgendwie völlige aufgabe des eigenen denkens. ich wußte damals nicht, was für ein… Weiterlesen »

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