Die Taufe, ist sie ein Risiko?

Um dem sich abzeichnenden Schwund der Täuflinge entgegenzutreten widmet sich der Wachtturm vom 15. Juni 2011 auf Seite 5 dem Thema “Ist die Taufe ein Risiko?”. Als potentielle Täuflinge geraten hier besonders die Kinder ins Visier, wobei man die Vorbehalte ihrer Zeugeneltern mit dem bekannten Potpourri aus WTG-Rabulistik und Bibelzitaten zu zerstreuen sucht. Betrachten wir einmal die nach ihrer Meinung “richtige Ansicht über die Taufe”.Taufe.001

 

 

 

 

Link zum Video Wachtturm-Satire, Risiko Kindertaufe: https://youtu.be/mBrCFoIAAWY

Die richtige Ansicht über die Taufe

Zitat aus dem Kasten auf S. 5: “Viele Eltern sehen die Taufe ihrer Kinder als wichtigen Schritt, der aber ein gewisses Risiko birgt — vergleichbar damit, den Führerschein zu machen. Doch geht man mit der Taufe und dem heiligen Dienst wirklich ein Risiko ein? Die Bibel antwortet mit Nein, denn in Sprüche 10:22 heißt es: “Der Segen Jehovas — er macht reich, und keinen Schmerz fügt er ihm hinzu.” Paulus schrieb dem jungen Timotheus: “Gewiss ist sie ein Mittel zu großem Gewinn, diese Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit” (1. Tim. 6:6).

Hier versucht man sofort die Bedenken der Eltern durch ebenso bemüht wirkende wie unpassende Bibelzitate als völlig unbegründet abzutun. Man könnte es als Zeichen ihrer Einfühlsamkeit werten, dass die WTG die Vorbehalte der Eltern überhaupt zur Kenntnis nimmt, sie beim zweiten Blick aber als “falsche Haltung” anprangert, indem sie ihre “richtige Ansicht” dagegenhält.

Es liegt auf der Hand, dass der Lebensweg eines minderjährigen Kindes selten dem Lauf folgt, den seine Eltern dabei im Sinn haben. So ist auch das Risiko einer womöglich verfrühten Taufe nicht von der Hand zu weisen, zumal die Vita junger Menschen oft verschlungenen und unvorhersehbaren Pfaden folgt. Der Artikelschreiber verliert denn auch keine Zeit damit, auf die Skepsis der Eltern weiter einzugehen. Schon schleudert man im Handumdrehen biblische Argumentationspfeile gegen diese verwerflichen Vorbehalte und drängt darauf, die eigenen Kinder möglichst früh der WTG zu überantworten. Um die eigentlichen Motive zu einer baldigst möglichen Bindung der Kinder an die Organisation zu verbergen, wird schnell mit dem “Segen Jehovas” und dem “Mittel zu großem Gewinn” davon abgelenkt. Dann greift man die Bedenken der Eltern im Kasten auf Seite 6 geschickt wieder auf:

“Manchmal wollen Eltern, dass ihr Kind noch mit der Taufe wartet, obwohl es die Voraussetzungen dafür erfüllt. Wieso? Eltern haben Angst, dass ihr Kind nach der Taufe etwas Schlimmes macht und ausgeschlossen wird.”

Mit anderen Worten: Liebe Eltern, die Gesellschaft “weiß”, dass eure Kinder schon längst die Voraussetzungen für die Taufe erfüllen – der einzige Hinderungsgrund, eure Kinder endlich mit der Organisation Jehovas zu “vermählen”, seid ihr! – Ja, da gab es auch mal jemanden, der genau wusste, dass an demselben Tag, als die erste Frau von der Frucht des Erkenntnisbaumes aß, nur Vorteile auf sie warten würden…

Man schreckt also nicht davor zurück, die Eltern unter Zugzwang zu setzen. Sie sind ja ständig mit ihren Kindern zusammen und können den Druck einfach an sie weitergeben. Fataler Weise merken weder die Eltern und erst recht nicht ihre Kinder, dass die Taufe als unverbrüchliches Siegel zur verpflichtenden Unterordnung unter die “weibesgleiche Organisation Jehovas”, kurzum, als Schwur auf die bedingungslose Unterwürfigkeit unter die WTG verstanden und gehandhabt wird. Denn nach der Taufe gibt es nur noch Arbeit nach WTG-Anweisung, Rückzug oder Ausschluss.

Die eigentliche Absicht hinter der Taufempfehlung wird durch positiv klingende Bibelzitate so geschickt verschleiert, dass sie als direkte Anweisung aus dem Mund “Jehovas” aufgenommen wird. – Bei der Beurteilung der wahren Motive ist es mitunter wirklich hilfreich folgende Maxime anzuwenden: “Cui bono?” oder “wem nützt es?”, “wer profitiert davon?” und wer trägt die Risiken?

Fragen wir uns einmal, indem wir auf die zögerliche Haltung der Eltern eingehen, was ein Kind denn anstellen könnte, dass die Ältesten es ausschließen müssten, und was die Folgen wären. Die Frage ist rasch beantwortet: Mit dem Ausschluss geht die unmenschliche Kontaktsperre der Betroffenen einher, wenn sie nach jahrelangem vertrauten Umgang wie mit einem Skalpell voneinander getrennt werden. Mit falsch angewandten biblischen Begründungen werden sie in gefängnisgleicher Quarantäne und bei absoluter Nachrichtensperre von ihren vertrauten Bezugspersonen isoliert. Das befürchten Eltern. Die zahllosen weltweit verhängten Ausschlüsse, gerade bei Jugendlichen, lassen aufhorchen.

Realistische Zeugen-Eltern, die an einer gedeihlichen Zukunft für ihre unmündigen Kinder interessiert sind, denken eben an die kaum abwägbaren Risiken einer verfrühten Kindertaufe. Die Kinder wissen, dass Papi und Mami lieb sind, sie haben aber keine Ahnung von den Problemen der bevorstehenden Pubertät, oder was es bedeutet, wenn die eigene Sexualität erwacht. Auf die subtilen Ermahnungen, Zurechtweisungen oder die Ankündigung spezieller Strafmaßnahmen liebevoller Ältester wollen wir hier nicht näher eingehen. Ein Zehnjähriger ist bei der Frage völlig überfordert, ob er die Erwartungen aus dem Anforderungskatalog der WTG über seine Pubertät hinaus erfüllen kann. Mit den Erwartungen Gottes und seines Sohnes hat das nichts zu tun; doch betrachten wir zunächst die Ergebnisse bei der Taufpraxis unmündiger Kinder:

Tausenden von jungen Zeugen wird die Gemeinschaft entzogen, oder sie verlassen die Gemeinschaft freiwillig, weil sie nicht bereit oder nicht in der Lage waren den Kontakt zu ihrer ersten Liebe abzubrechen, nachdem es zu sexuellen Handlungen kam. Der durch Hormone und Gefühle aufgewühlten Persönlichkeit eines jungen Menschen ist nicht mit einigen Bibelstellen und dem Hinweis geholfen, “hüte dich vor Unzucht, du möchtest doch Jehova gefallen!” Sollte jemand auf diesem Gebiet Schiffbruch erleiden und nicht im Sinne der WTG bereuen, werden die Eltern nach einem Ausschluss gezwungen sein, den Kontakt zu ihrem eigenen Kind abzubrechen. Das wissen Eltern, und natürlich kennen sie auch die psychische Pein, die diese “Zuchtmaßnahme” für beide Seiten mit sich bringt.

Daher können Jugendliche gar nichts Besseres tun, als die ständigen Ermunterungen zur Taufe erst einmal zu ignorieren. Sich dem Höchsten hinzugeben, darf weder das Ergebnis einer Augenblickslaune noch des sehnlichen Wunsches anderer sein, sondern muss auf der Grundlage solider, selbst erworbener Erkenntnis über den göttlichen Willen und der eigenen Haltung dazu reifen. Prediger 5: 4 stützt den Gedanken keine übereilten Gelübde zu leisten: Es ist besser, daß du nichts gelobst, als daß du etwas gelobst und es nicht erfüllst. Das muss nicht mehr kommentiert werden.

Die Bibel nennt für die Taufe auch kein Alter, sondern berichtet lediglich über die Taufe von erwachsenen Menschen. Priester hatten ihren Dienst mit etwa 30 Jahren angetreten, und Jesus ließ sich in etwa diesem Alter taufen. Für die Notwendigkeit einer Taufe im Kindesalter gibt es keinen biblischen Beleg!

Nicht selten wird ein Minderjähriger dadurch unter Druck gesetzt, dass man ihm beispielsweise den 8-jährigen Franz, Sohn eines angesehenen Ältesten, bereits getaufter Verkündiger und zudem eingetragen in der theokratischen Predigtdienstschule, ständig als nachahmenswertes Beispiel vor Augen hält. Es steht außer Frage, dass ein ungetauftes Kind bedeutend unbeschwerter aufwachsen – und ganz wichtig – dann auch nicht ausgeschlossen werden kann. Selbst wenn es ungetauft bliebe und als schlechter Umgang eingestuft werden sollte, tut das bestimmt weit weniger weh, und solange er als potentieller Täufling für die Statistik infrage kommt, wird er zumindest weiter umworben und wohlwollend behandelt.

Und wie sieht es aus, wenn ein Jugendlicher später erkennt, dass er einer großen religiösen Lüge erlegen war, als er sich taufen ließ und deshalb die Gemeinschaft der Zeugen verlassen möchte? Auch dann sind seine Eltern und Verwandten gehalten, keinen Umgang mehr mit ihm zu pflegen. – Daher sollte sich niemand von anderen zu etwas drängen lassen, wozu er innerlich nicht bereit ist! Gott möchte niemanden zum Dienst für ihn zwingen, und erwartet auch nicht von anderen das für Ihn zu tun. Wer gibt dann dem Sklaven das Recht, sich als Herr über meinen Glauben und meine Taufentscheidung aufzuführen?

Unser Studienartikel fährt dann wie folgt fort: (Müssen Eltern Angst haben) …Die Bibel antwortet mit Nein, denn in Sprüche 10:22 heißt es: “Der Segen Jehovas — er macht reich, und keinen Schmerz fügt er ihm hinzu.” Paulus schrieb dem jungen Timotheus: “Gewiss ist sie ein Mittel zu großem Gewinn, diese Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit” (1. Tim. 6:6). –

Sollten die Eltern aber doch einmal schmerzliche Erfahrungen machen, wenn sich ihr Kind von der Organisation trennt, dann hatte Jehova wohl Gründe dafür, diesen Eltern seinen Segen vorzuenthalten. Der Artikel räumt derlei Schwierigkeiten ein: “Klar ist es nicht leicht, Jehova zu dienen. Jeremia musste als Prophet Gottes viel durchmachen. Doch er schrieb über seinen Auftrag: “Dein Wort wird mir zum Frohlocken und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir genannt worden, o Jehova, Gott der Heerscharen” (Jer. 15:16). Jeremia wusste: Dem wahren Gott zu dienen, bringt jede Menge Zufriedenheit und Glück. Satans Welt dagegen hält jede Menge Sorgen und Probleme parat. Diesen Gegensatz sollten Eltern ihren Kindern deutlich vor Augen führen.

Ja, es ist nicht leicht… In der Taufansprache werden die Aspiranten auch mit der Frage konfrontiert: “Bist du dir darüber im klaren, dass du dich durch deine Hingabe und Taufe als ein Zeuge Jehovas zu erkennen gibst, der mit der vom Geist geleiteten Organisation Gottes verbunden ist?”

Hier kurze Denkpause: Die WTG trennt den geistigen Pfad von Gott über seinen Sohn hin zu den Menschen auf und schaltet sich selbst als Weisungsinstanz einfach dazwischen. Mit der eben aufgeführten Tauffrage erklärt man dem Täufling, dass nicht etwa er fortan von Gottes Geist geleitet wird, sondern die Organisation, mit er sich dann verbunden erklärt. Doch damit nicht genug, man versteigt sich auch noch zu eigenen Auslegungen der Bibel, um sich vor den Menschen als von Gott eingesetzter Bevollmächtigter darzustellen. Diesegröbste Missachtung der Autorität des Höchsten und seines Sohnes zeugt von skrupelloser Respektlosigkeit, Verhöhnung und ausgesuchter Schlechtigkeit! Als Urheber kommt damit eigentlich nur der Widersacher selbst in Betracht.

Ein frisch gebackener Zeuge muss sich also im klaren darüber sein, dass er von nun an in die Pflicht genommen wird, sich “der vom Geist geleiteten Organisation Gottes” hinzugeben und ihre Erwartungen zu erfüllen. Damit beginnt der Bewältigungskampf eines völlig unbiblischen Leistungs-Evangeliums mit dem ganzen Aufgabenspektrum von Studium, Predigtdienst und Versammlungsbesuch, um hier nur einige wenige zu nennen. Schließlich muss man seine Schützlinge doch beschäftigen, sonst kommen sie noch ins Grübeln. Womöglich stellen sie dann dumme Fragen, mit welchen sie nicht nur die Ältesten in Verlegenheit bringen, sondern unter ihren Mitbrüdern Unruhe stiften, und das gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Die Einheit, der Schulterschluss und der Gleichschritt in unseren Reihen müssen bedingungslos aufrecht erhalten werden, daher gilt es kritische Geister unverzüglich nach dem Sanktionskatalog zurechtzuweisen und entsprechend “einzunorden”. Zur Wahrung der Ordnung müssen die frisch gebackenen Täuflinge möglichst rasch auf den strikten Organisationskurs der WTG eingeschworen werden.

Mit dem Text aus Jer. 15:16 will man dem Täufling wohl suggerieren, dass Jehova ihn zum Propheten berufen habe – “… jeder ein Prophet…”, hieß es noch im alten Liederbuch. Der junge Verkündiger darf sich jedenfalls mit dem Propheten Jeremia vergleichen und sein Herz mit Stolz und Freude füllen, obwohl der Vergleich doch etwas weit hergeholt ist. Egal, gelobt sei, was die Leute bei der Stange hält. Da heftet man bereitwilligen Untertanen auch gerne mal einen göttlichen Orden an. Doch sehen wir uns an, was die Urgemeinde der Christen unter der Taufe verstand.

Die Taufe in der Urgemeinde

Das Matthäus-Evangelium endet mit dem so genannten Tauf- oder Missionsbefehl Christi: “Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” Matthäus 28:18-20 LUT

An anderer Stelle lautet die Taufformel schlicht: Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Apostelgeschichte 2:38 – oder: “Denn er (der Heilige Geist) war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Apostelgeschichte 8:16; auch Römer 6:3 und Galater 3:27.

In seiner öffentlichen Pfingstrede ruft der Apostel Petrus mit diesen Worten zur Taufe auf: “Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.” – Apostelgeschichte 2:38-39 LUT

Die Taufe war eng mit der Gabe des Heiligen Geistes verbunden. Johannes der Täufer wies auf Jesus Christus hin, der mit heiligem Geist und Feuer tauft (Mat. 3:11 EU). Petrus verkündigte den Geistempfang als Folge von Umkehr und Taufe (Apg 2:38 EU). Als der Heilige Geist auf den ungetauften Hauptmann Kornelius und andere Nichtjuden ausgegossen wurde, die sich mit ihm versammelt hatten, konnte das selbst die Judenchristen von der Rechtmäßigkeit dieser göttlichen Vorgehensweise überzeugen. (Apg. 10:45 EU)

Die Taufe ist der Anfang eines neuen Lebens

Wenn ein Mensch beginnt an Jesus Christus zu glauben, tritt er damit in ein neues Leben ein, indem er sich Gott zuwendet. Man ist dann zu der Einsicht gelangt, dass man ohne Gott ein sündiges Leben geführt hatte und der Weg zu Ihm nur über Jesus und sein Sünden tilgendes Opfer führt. Das ist die einzige Entscheidung, die in diesem Zusammenhang getroffen werden muss. Das hat nichts mit außergewöhnlichen Leistungen beim Erbringen von möglichst viel Zeit im Predigtdienst nach den Vorgaben der WTG zu tun oder damit, den Propheten Jeremia nachzuahmen, der von Gott einen ganz speziellen Auftrag erhalten hatte. Die Taufe beinhaltet auch nicht das Versprechen oder die Verpflichtung von nun an sündenfrei zu leben. Das ist vorerst weder vor noch nach der Taufe möglich, daher ist Christus ja schließlich für uns gestorben. Eine solche Forderung kann jedenfalls nicht biblisch begründet werden.

Die WTG aber setzt ihre Schützlinge mit ihrer eigenen Forderung, gänzlich sündenfrei zu leben unter immensen Druck und behauptet, wer sich bemühe das zu tun, könne dieses Ziel mit der Hilfe Jehovas erreichen. Mit dieser einst katholischen Angstmacherei drängt sie die Brüder nur zu weiteren messbaren Leistungen nach ihren Vorgaben. Der Apostel Petrus rückt die Bedeutung der Taufe nach 1. Petrus 3:21 (Ebf) wieder zurecht, wenn er erklärt, dass wir Gott um Entschuldung für unser falsches Tun und um ein reines Gewissen bitten: “Das Abbild davon errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe – nicht das Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen[möglich geworden] durch die Auferstehung Jesu Christi”. – [Einschub durch den Autor]

Wer durch die Taufe “in Christus ist”, dem werden Sünden nicht mehr belastend angerechnet. Der Apostel Paulus beschreibt es so: “Darum: Ist jemand in Christus (getauft), so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus… Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht (mehr) zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 2. Kor. 5:17 LUT – und Ps. 32:2 Hfa: Glücklich ist der Mensch, dem Gott seine Sünden nicht anrechnet, und der mit Gott kein falsches Spiel treibt!

Das bedeutet, dass uns Vergehungen, die wir zwar selbst verurteilen aber auf Grund unserem sündigen fleischlichen Zustand nicht beherrschen, nicht mehr angerechnet werden, aber nicht, dass wir frei von Sünden leben können. Andererseits darf diese Befreiung von den Folgen der Sünde kein Freibrief sein um weiter fröhlich drauflos zu sündigen in der Annahme das wir die Folgen der Sünde nicht mehr erleiden müssen. Wenn dem so wäre so “bliebe kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig!”- Heb. 10:26 – Paulus sagt: “Aber das alles geht von Gott aus, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus. Nicht durch eigene Leistung sondern als Gabe Gottes.”

Die Taufe ist ein Geschenk

Mit dem Wissen um unsere Sündhaftigkeit und der damit verbundenen Reue oder Buße können wir ein neues Leben nach göttlichen Vorgaben beginnen. Sollten wir wie die Juden zur Zeit der Apostel versuchen, aus eigener Kraft bestehen zu wollen, werden wir damit keinen Erfolg haben.

Unter “Buße” versteht man im allgemeinen, für eine Übertretung eine Strafe zu erdulden und dadurch Reue zu zeigen, indem man diese Sünde überwindet und sie nicht mehr begeht. Dabei versteigt man sich womöglich zu der Vorstellung, wer diese Sünde nicht überwinden könne, zeige damit nur, nicht zu einer wahren Reue gefunden zu haben.

In diesem Zusammenhang möchten wir unsere Leser anregen, wie die Aussage aus Sprüche 28:13 zu verstehen ist, wo der Mensch doch keine absolute Gewalt über seine Sünden hat: “Wer seine Sünden vertuscht, hat kein Glück; wer sie aber bekennt und meidet, über den erbarmt sich der Herr.” Hfa

Dieser Text dient als Grundlage für die rigiden WTG-Vorgaben für Älteste zur Beurteilung “echter Reue” eines “Missetäters” mit teils verheerenden Folgen für den Sünder. Wer schauspielerisch begabt ist und wen keine Skrupel plagen, wird den Ältesten ganz leicht den “reuigen Sünder” vorspielen können. Zumindest können sie ihren “Schwerenötern” (noch) nicht ins Herz blicken. Doch schauen wir jetzt einmal auf die griechischen Wörter, die mit Reue übersetzt wurden.

Die Aufforderung aus Sprüche 28:13 besagt nichts anderes, als seine Sünden vor sich und anderen, aber besonders vor seinem Schöpfer zu bekennen oder anzuerkennen und sich zu bemühen sie zu meiden. Es gilt auch zu bedenken, dass diese Aufforderung zu einer Zeit niedergeschrieben wurde als das Gesetz noch im vollen Umfang von den Juden zu erfüllen war und das Opfer Jesu noch nicht zur Verfügung stand.

Schon vor einhundert Jahren hatte bereits Schmoller in der Randspalte seiner Parallelbibel die eigentliche Bedeutung von “Buße”, metanoia und metanoeo mit “Umsinnung” oder “umsinnen” übersetzt. Man kann auch von einem Umdenken oder von einer Erneuerung im Denken sprechen. – “Umsinnen” ist das Bewusstwerden der eigenen Sündhaftigkeit und des Unvermögens, aus eigener Kraft einen Weg zu Gott zu finden. Es ist das Wissen um das Dilemma zwischen dem Wunsch und dem Unvermögen das in Gottes Augen vollkommen Annehmbare zu tun, worunter schon Paulus gelitten hatte, wenn er sagt: “Denn (ich weiß), dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es gut ist.” Römer 7:14,15 LUT

Gerade für die Juden, die an das Gesetz gebunden waren, bedeutete es ein “Umsinnen”. Sie sollten verstehen, dass das Gesetz sie nicht gerechtsprechen sondern nur verurteilen kann, ihnen aber zugleich den Weg zur Erlösungsvorkehrung durch den Christus weisen konnte.

Deshalb macht Gott uns die Taufe zum Geschenk! In ihr dürfen wir fühlen und erleben, was Paulus wie folgt beschreibt: “Ihr müsst euch doch darüber im klaren sein, was bei der Taufe mit euch geschehen ist. Wir alle, die »in Jesus Christus hinein« getauft wurden, sind mit ihm in seinen Tod hineingetauft, ja hineingetaucht worden. Durch diese Taufe wurden wir auch zusammen mit ihm begraben. Und wie Christus durch die Lebensmacht Gottes, des Vaters, vom Tod auferweckt wurde, so ist uns ein neues Leben geschenkt worden, in dem wir nun auch leben sollen.” Römer 6:3,4 – Durch den Akt der Taufe sind wir mit Christus, unsere Sünden betreffend, gestorben.

Auf den Kongressen der Zeugen Jehovas habe ich schon zahlreiche so genannte “Taufansprachen gehört, doch wurde dabei nie diese befreiende Botschaft vermittelt. Selbst der Name Christus wurde so gut wie nie erwähnt, obwohl er doch die Grundlage der Taufe für uns bildet. Dagegen wurde Jehova, Jehovas Organisation und die Ermahnung das angebliche Hingabegelübde zu erfüllen, pausenlos betont.

Wenden wir uns weiter dem Wachtturmartikel mit dem Unterthema zu: Sollte mein Kind mit der Taufe noch warten?

Der “treue und verständige Sklave” hat längst bemerkt, dass es Zeugen-Eltern nicht mehr so eilig haben ihre Kinder zur “Taufe zu führen”, wie es der Kasten auf der Seite 6 beschreibt: “Manchmal wollen Eltern, dass ihr Kind noch mit der Taufe wartet, obwohl es die Voraussetzungen dafür erfüllt. Wieso?

Ganz abgesehen davon, dass die Bibel außer dem Bewusstsein um die eigene Sündhaftigkeit und einem “Umsinnen” keine Voraussetzungen fordert, um sich taufen lassen zu dürfen, ist die Taufe eine persönliche Entscheidung, zu der selbst Eltern nicht berechtigt sind ihre Kinder zu drängen.

Dann spricht man in diesem Artikel von “Rechenschaftspflicht”, die auch ein ungetaufter junger Mensch gegenüber Gott haben soll. Einem 8-jährigen Kind jagt es zunächst einmal Angst ein, wenn man ihm mit einer Rechenschaftspflicht gegenüber Gott droht. So prägt sich dem Kind ein angstbesetztes Gottesbild ein, zu dem es nicht mehr vertrauensvoll wie zu einem lieben Vater aufblicken darf – ein wirklich denkbar schlechter Start in ein Leben mit Gott. Vielleicht ist die Angst aber für etwas anderes gut.

Es heißt weiter:
“Sind denn ungetaufte junge Leute Gott keine Rechenschaft schuldig? Salomo richtete sich mit folgenden Worten an einen jungen Menschen: “Wisse, dass der wahre Gott dich um dies alles [deine Taten] ins Gericht bringen wird” (Pred. 11:9). Und als Paulus sagte: “So wird denn jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen”, dann war das nicht auf ein bestimmtes Alter beschränkt (Röm. 14:12). Wer Gott dient, ob getauft oder nicht, ist ihm rechenschaftspflichtig.Um aber die potentiellen Taufanwärter nicht zu sehr zu ängstigen, nimmt man gleich wieder etwas Schärfe heraus, senkt den erhobenen Zeigefinger und ermuntert sie im Anschluss mit biblischen Zusicherungen und Mut machenden Erfahrungen:

Man darf dabei aber nicht vergessen, dass Jehova seine Diener beschützt: Er lässt nichts zu, was sie nicht ertragen können (1. Kor. 10:13). Solange sie “besonnen bleiben” und gegen Versuchungen ankämpfen, können sie auf seine Hilfe zählen (1. Pet. 5:6-9). Eine Mutter schreibt: “Kinder, die getauft sind, haben eine zusätzliche Motivation, sich von der verdorbenen Welt um sie herum abzugrenzen. Mein Sohn hat sich mit 15 taufen lassen und empfindet das als Schutz. Er sagt, dass man dann gar nicht erst darüber nachdenkt, etwas zu tun, was Jehova verbietet. Die Taufe ist ein starker Ansporn, richtig zu handeln.” — Wenn ihr eure Kinder dazu angehalten habt, Jehova zu gehorchen, und ihnen ein gutes Beispiel vorgelebt habt, könnt ihr davon ausgehen, dass sie auch nach der Taufe konsequent ihren Weg gehen. In Sprüche 20:7 heißt es: “Der Gerechte wandelt in seiner unversehrten Lauterkeit. Glücklich sind seine Söhne nach ihm.”

Dem Sklaven scheint an diesem Thema mindestens ebenso gelegen zu sein, wie einem Versicherungsvertreter am Zustandekommen der Unterschrift unter seinen Vertrag. Da stören Vorbehalte nur: Ich hätte gern, dass mein Kind erst mal etwas auf die Beine stellt. Natürlich sollen junge Leute später einmal auf eigenen Füßen stehen können. Allerdings besteht die Gefahr, dass man ihnen einen Lebensstil vorgibt, bei dem sich alles um Bildung und finanzielle Sicherheit dreht statt um die Anbetung Jehovas. Jesus sprach einmal über einen “Samen” (die Botschaft vom Königreich), der nicht aufgehen konnte, weil er “unter die Dornen gesät wurde”. Jesus erklärte: “Dieser ist es, der das Wort hört, doch die Sorgen dieses Systems der Dinge und die trügerische Macht des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht” (Mat. 13:22). Präsentiert man einem jungen Menschen ein Lebenskonzept, bei dem weltliche Ziele vor Glaubenszielen kommen, kann das seinen Wunsch ersticken, Gott zu dienen.

Jetzt stellt man den Bezug zur Realität her und lässt erfahrene Leute zu Wort kommen: Ein erfahrener Ältester sagt über Jugendliche, die sich eigentlich taufen lassen könnten, aber von ihren Eltern zurückgehalten werden: “Wenn man einen Jugendlichen von der Taufe abhält, kann ihm das den Mut nehmen und ihn im Dienst für Jehova völlig ausbremsen.” Und ein reisender Aufseher schreibt: “Ein Jugendlicher kann sich dadurch verunsichert oder anderen Zeugen unterlegen fühlen. Vielleicht sucht er dann woanders nach Erfolgserlebnissen.”

Die Botschaft dieses Artikels an die Eltern ist klar und lautet: “Ihr lieben Eltern, macht euch keine Sorgen über das Risiko eines möglichen Gemeinschaftsentzug eurer Kinder in der Zukunft. Viel größer ist doch das Risiko sich nicht taufen lassen und kein vollwertiges Mitglied der Organisation Jehovas zu sein. Früher oder später werden sie von Jehova so oder so zur Rechenschaft gezogen werden, da gibt es kein Entrinnen.”

Ein Risiko besteht jedoch eher für die “Organisation Jehovas”, da sich immer weniger Kinder von Zeugen taufen lassen und sich als vollwertiges Mitglied der Organisation positionieren wollen. Abnehmende Mitgliederzahlen drohen eher die Existenz der Organisation selbst irgendwann zu gefährden. Der nicht enden wollende Strom junger Menschen, die der Organisation jährlich wieder den Rücken kehren, spricht eine deutliche Sprache. Umso mehr bemüht man sich mit der Taufe verständlicher Weise darum, dem entgegenzuwirken.

Wir dürfen der WTG unterstellen, dass sie um die Schwierigkeiten weiß und müssen daher feststellen, dass es unverantwortlich ist, junge Menschen zu diesem Schritt zu drängen, die in aller Regel die Tragweite nicht überblicken können. Wer jemanden überredet, wozu er innerlich nicht bereit ist, bedient sich einer verantwortungslosen Manipulation!

Also, liebe Kinder und Jugendliche, lasst euch nicht von anderen, nicht einmal von euren Eltern zu etwas drängen, zu dem euer Herz noch nicht vorbehaltlos Ja sagen kann. Wartet einfach damit, bis euer eigener Wunsch dazu herangereift ist, ihr es selbst für richtig erachtet und ihr die wirkliche Bedeutung der Taufe verstanden habt!

 

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Daniela Pohl

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Birgit

Hallo ihr lieben ,hochinteressant ist Eure Seite und freue mich,diese gefunden zu haben.Seit einiger Zeit hadere ich auch,mich taufen zu lassen,nach diesen Tauffragen um die Organisation.Auch dieser Wust um das jw.org Logo ist erschreckend.Da stimmt echt was nicht.Auch das ich 3!!!! mal hintereinander das Buch “Was lehrt die Bibel wirklich” studiert habe,hat mich aufhorchen lassen.Milchbreigewusel ohne Grenzen.Würdet ihr Euch nach diesem Muster heute taufen lassen?

Danke für Eure evtl.Antworten

LG Birgit

Birgit

Ich bin überwältigt über eure lieben Hilfestellungen.Herzlichen Dank erstmal. Ich suche in der Bibel nach Stellen wie es mit dem Taufen weiterging.Christen wurde ja damals lange verfolgt.Wer darf oder sollte die Taufe Heute vornehmen oder wird dazu bestimmt?Ich fnde bisher nur Stellen aus der Zeit Jesu.ALs Johannes als letzter starb,wer hat die Taufen bestimmt und ausgeführt?Von der WT kenne ich ja nur dieses auserwählte Gremium von Ältesten?Mein Vater ist auch seit 30 Jahren Ältester,dürfte Er mich taufen,wenn ich es so möchte?Auf keinen Fall werde ich Jehova”s Seite verlassen und weiss,das Jesus der Einzige Mittler ist.Jehova kennt mein Herz,das ist das… Weiterlesen »

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