Die „Heiligen Jehovas“ trauern nicht um ausgeschlossene Angehörige.

 

Aus aktuellem Anlass noch einmal dieser Artikel, da dieser Studienwachtturm zur Zeit in den Versammlungen betrachtet wird.

– Eine kritische Betrachtung zum Thema „Heilig sein“, gestützt auf die beiden WT-Studienartikel vom 15.11.2014 „Warum wir heilig sein müssen“ und Heilig sein in allen Lebensbereichen“WT.001

Der Titel dieser Betrachtung ist zugegebenermaßen etwas provokant, und solche Verhaltensregeln findet man sicher nicht im Wachtturm für die Öffentlichkeit, denn das könnte der Reputation der WTG schaden. Unter dem Einfluss jahrelanger Wachtturm-Rhetorik weiß aber längst jeder Zeuge, wie er sich einem Ausgeschlossenen gegenüber zu verhalten hat.

Wie gewohnt, heben auch diese beiden Studienartikel den Gedanken hervor, dass Gottes Segen vom rückhaltlosen Gehorsam gegenüber der Organisation abhängt. Wir zitieren auszugsweise aus dem WT vom 15.11.2014, Seite 10:

„Sehen wir uns die von Herzen kommenden Äußerungen von drei Brüdern an, die auf ewiges Leben auf der Erde hoffen und über Jahrzehnte eng mit Mitgliedern der leitenden Körperschaft zusammengearbeitet haben. […] Der dritte Bruder sagte: „Das zu lieben, was Jehova liebt, und das zu hassen, was er hasst, sowie ständig seine Anleitung zu suchen und zu tun, was ihm gefällt, bedeutet: Gehorsam gegenüber seiner Organisation und gegenüber denen, die er gebraucht, um seinen Vorsatz bezüglich der Erde voranzubringen.“ 

Der treue und verständige Sklave versteht unter dem Zustand des „heilig seins“ und der „TreueBlut.001 zu Gott“ die unverbrüchliche Loyalität gegenüber ihm, dem Sklaven oder den Anführern der WTG! In dieser Ausgabe wird zudem die Kein-Blut-Police hervorgehoben, obwohl sie biblisch nicht haltbar ist und der eigentlichen Heiligkeit des Lebens widerspricht. Hier ein Zitat von Seite 12:

„Sicherlich wollen wir nichts tun, was in der Bibel verurteilt wird, und so Jehova enttäuschen! In der Hoffnung, Leben zu retten, fordern viele Ärzte und andere Befürworter von Bluttransfusionen dazu auf, Blut zu spenden. Für Jehova ist Blut jedoch heilig und sein heiliges Volk erkennt an, dass er das Recht hat zu sagen, wie mit Blut zu verfahren ist. Wir sind entschlossen seinem Gesetz über das Blut zu gehorchen.“

In jedem Artikel dieses WT setzt sich die seit einigen Jahren zu beobachtende totalitäre Radikalisierung fort. Der Sklave versteht darunter im vorliegenden Fall das „heilig sein“. Der erste Studien-Artikel mit dem Titel „Warum wir heilig sein müssen“ beschäftigt sich zunächst mit den Anforderungen an die Priester beim Volk Israel, wie sie im 3. Buch Mose nachzulesen sind. Sie waren mit verantwortlichen Aufgaben in Verbindung mit der Anbetung Jehovas betraut und mussten daher rein sein.

Wie üblich schlägt man von der israelitischen Ära kurzerhand eine Brücke zum angeblichen neuzeitlichen „Volk Jehovas“ und wendet die für Priester gültigen Anforderungen bezüglich Reinheit und Heiligkeit auf jeden gläubigen Zeugen an. Damit gießt der Septemvirat wieder einmal sein Füllhorn nicht verhandelbarer Anforderungen und moralischer Regeln über sie aus und gebraucht hierzu eine biblische Plattform, die im vorliegenden Kontext nicht zulässig ist: Zu gefälligem Auftreten gesellt sich die absolute Enthaltsamkeit von Pornographie, an die ständige Selbstüberprüfung auf Reinheit reiht sich die bange Sorge zu wenig für die eigene Rettung getan zu haben, an den rückhaltlosen Gehorsam die Enthaltsamkeit von Blut.

Preister 2.001
Quelle: JW.Org

Jehova erwartet, dass wir „heilig sind“, ist das Resümee des ersten Artikels, und penetrant wird wie bereits gesagt wieder jeder einzelne Verkündiger in die Pflicht genommen! Gut wäre es, die Zeugen könnten bereits die Vollkommenheit leben, die sie ihrer Hoffnung gemäß am Ende der Tausendjahrherrschaft haben werden. Jehova überwacht uns also ständig, er wacht darüber, dass wir „sein“ Regelwerk peinlich genau beachten. Sicherlich tut er das alles nur, um unseren Herzenszustand besser beurteilen zu können. Der Nutzen des Opfertods Jesu, der noch ein paar Seiten zuvor erwähnt wurde, hat sich bei dieser Betrachtung einfach in Luft aufgelöst.

„Heiligsein in allen Lebensbereichen“

Priester.001
Quelle: JW.-Org

Mit dem Thema „Heiligsein in allen Lebensbereichen“ schließt sich der zweite Studien-Artikel an. Sollte der Verkündiger noch nicht ausreichend mit Gewissensbissen gepeinigt sein, gilt es einfach noch weitere Bereiche auszuleuchten, um den nötigen Druck zu erzeugen. Schon in der Einleitung wird jeder Verkündiger in die Pflicht genommen, in der Blutfrage weder Zugeständnisse noch Kompromisse einzugehen.

Aus den Absätzen 5 bis 7 tritt die eigentliche Absicht der Autoren hinter dieser Artikelserie hervor. Es geht schlicht darum, die Zeugen darauf einzuschwören ihre ausgeschlossenen, sprich abtrünnigen Familienmitglieder als gestorben zu betrachten, so als ob sie Jehova zu Recht getötet hätte. Sie zu betrauern, käme einem Murren gegen Jehovas Urteil gleich. Wer von dieser Haltung abweicht, hat seine Heiligkeit und damit seine Reinheit eingebüßt, eine Vorstellung, die in jedem Zeugen Pein und helle Angst hervorrufen muss. Wir zitieren die Abschnitte 5-7:

In 3. Mose 10:1-11 lesen wir von einem tragischen Vorfall in Aarons Familie, der sich bei der Stiftshütte ereignete. Aarons Söhne Nadab und Abihu waren durch Feuer vom Himmel verzehrt worden. Die Familie muss bestürzt gewesen sein, dennoch durfte sie um ihre toten Verwandten nicht trauern. Was für eine Glaubensprüfung das für Aaron und seine Familie doch gewesen sein muss! Und wie sieht es bei uns aus? Erweisen wir uns als heilig, wenn es darum geht, keinen Umgang mit Ausgeschlossenen zu haben, auch nicht, wenn sie zur Familie gehören.

Aaron, der Bruder von Moses, wurde also durch zwei seiner Söhne in eine sehr schwierige Situation gebracht. Wir werden aufgefordert uns vorzustellen, wie er sich gefühlt haben muss, als Nadab und Abihu Jehova auf unerlaubte Weise Räucherwerk opferten und dafür von Jehova getötet wurden. Die Frage, wie viel Umgang ihre Eltern noch mit ihnen haben konnten, hatte sich damit natürlich erübrigt. Jehova wies Aaron und seine treu gebliebenen Söhne an: Ihr dürft euer Haupthaar nicht ungepflegt hängen lassen, und eure Kleider sollt ihr nicht [als Zeichen der Trauer] zerreißen, damit ihr nicht sterbt und damit er [Jehova] nicht auf die ganze Gemeinde zornig wird.‘“

Aus der Vielzahl solch bizarrer Übertragungen der damaligen Verhältnisse auf die Neuzeit greifen wir hier einen Artikel aus dem Wachtturm vom 15.07.2011, Seite 32, Absatz 16 heraus, wo von „unangemessenen Beziehungen“ der Zeugeneltern zu ihren ausgeschlossenen Kindern die Rede ist. Auch hier ist die Botschaft unmissverständlich und lautet: „Unsere Liebe zu Jehova muss stärker sein als die Liebe zu Familienangehörigen, die ihm untreu werden.“

Lesen wir 3. Mose 10:1 nach Luther in der Fassung von 1964: „Und Aarons Söhne Nadab und Abihu nahmen ein jeder seine Pfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten so ein fremdes Feuer vor den Herrn, das er ihnen nicht geboten hatte.”

Es handelte sich um ein Opfer, welches nicht mit Gottes Gebot und Willen in Einklang stand und daher geahndet wurde. Diese spezielle Situation mit der Behandlung Ausgeschlossener zu verwechseln, oder die Anweisung Gottes jemanden mit dem Tode zu bestrafen, der unrechtmäßig die Aufgaben des Hohepriesters an sich reißt, lässt sich doch nicht auf trauernde Hinterbliebene anwenden. Diese akrobatische Meisterleistung biblischer Auslegung gleicht schon eher einem geistigen Dreifachsalto rückwärts aus dem Stand. Von einem Trauerverbot erwähnt der biblische Bericht nämlich rein gar nichts. Gott gebot dem Aaron und seinen gehorsamen Söhnen in ihrer Trauer lediglich, ihr Haar nicht ungepflegt hängen zu lassen und, wie es bei den Juden der Brauch war, ihre Kleider nicht zu zerreißen. Die Frage sei daher erlaubt, mit welcher Begründung man einem Menschen das Trauern verbieten will.

Unser Sklave vergisst an dieser Stelle gleich mehrere Dinge: Aarons Familie war unter Gottes Volk für das verantwortungsvolle Amt des Hohepriesters ausersehen worden. Der Hohepriester war in allen Fragen des Gottesdienstes weisungsbefugt und führte dabei die oberste Aufsicht. Nach einer zeremoniellen Reinigung war der Hohepriester am Versöhnungstag als einziger befugt, die Stiftshütte zu betreten. In seiner Amtszeit befand er sich ständig im Dienst Jehovas und war für dessen Volk verantwortlich. Doch stand es ihm in seiner Funktion als Hohepriester nicht zu, die Anweisungen und den gerechten Strafvollzug Jehovas anzuzweifeln.

Ganz außer Frage steht, dass sich keinesfalls ein direkter Bezug zwischen dem hier geschilderten unmittelbaren Eingreifen Jehovas zur Reinigung seines Volkes Israel und der völligen Kontaktsperre zu jemandem herstellen lässt, der heute nach eigenem Willen eine Religionsgemeinschaft verlässt, oder gar verbieten zu wollen, um ihn zu trauern.

Im vorliegenden Fall dürfte es der WTG kaum gelingen, für ihre kruden Interpretationen die erforderlichen eindeutigen biblischen Beweise vorzulegen. Des Weiteren wäre zu klären, ob die von den selbsternannten Vertretern Gottes auf Erden vorgenommenen Umdeutungen nicht mit den Kriterien für eine Gott wohlgefällige Form der Anbetung kollidieren und damit vom biblischen Kontext abweichen.

Doch wurden diese Fragen an anderer Stelle bereits hinreichend beantwortet und sollen hier nicht weiter erörtert werden.

Doch Menschen verachtend, lieblos und völlig unbeeindruckt von den sinnlos erbrachten Erschwernissen, in die sie ihre Opfer mit ihren falschen Anschauungen und Lehrpunkten immer wieder gebracht hatte und immer wieder bringt, ist die WTG weiterhin nicht bereit, ihren fatalen Irrweg zu bereuen und zu korrigieren. „Neues Licht“ von Luzifer, dem Lichtträger trägt leider statt zu der nötigen Korrektur nur zu noch größerer Verwirrung bei. Alles lässt darauf schließen, dass es der LK bedeutend wichtiger ist vor den Brüdern und natürlich vor der Öffentlichkeit ihr Gesicht zu wahren, als die unverfälschte biblische Wahrheit sprechen zu lassen. So wird sie weiterhin die wasserdichte Kontaktsperre zu einem ausgeschlossenen Familienmitglied rechtfertigen, indem sie Bibeltexte bedenkenlos falsch anwendet. Im weiteren Verlauf dieses Beitrags werden wir noch näher darauf eingehen. Mit der Unbelehrbarkeit der WTG steigt zugleich ihre Furcht davor, dass denkende Christen ihre starren und menschenverachtenden Anweisungen als vom Herrscher dieser Welt kommend entlarven könnten.

Über die unterschiedlichen Wege der Internet-Kommunikation werden zusehends die negativen Seiten der WTG enthüllt, die sie ihrerseits mit ihrer neuen JW.ORG-Plattform und entsprechenden WT-Artikeln zu kontern sucht. Dabei realisiert sie wohl nicht, wie sie die echte Zuneigung zu den Brüdern, die Liebe zur Wahrheit aus Gottes Wort und die alles überragende Bedeutung des Loskaufsopfers Jesu mehr und mehr verlässt.

Steven Bell, ein Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft, hielt im Rahmen des Kongresses mit dem Motto „Gottes Wort ist Wahrheit“ am 1. Juni 2013 vor Tausenden von Zeugen Jehovas den Vortrag „Die Wahrheit bringt keinen Frieden sondern ein Schwert”, gestützt auf Matthäus 10:32-38. Beispiellos sind seine Ausführungen über die geforderte Ächtung ausgeschlossener Familienangehöriger.

Hier der Link zum Video mit deutschen Untertiteln:

https://www.youtube.com/watch?v=8-O32M7ThCQ

Nachfolgend geben wir den Text seiner Ansprache wieder, der doch ein recht entstelltes und liebloses Gottesbild zeichnet:

Nun gibt es einen weiteren Grund, anlässlich dessen das Schwert in eine Familie eintritt … … und diese Situation belastet unser Herz und kann jahrelang Tränen und Kummer bewirken …und das geschieht, wenn ein Familienangehöriger ausgeschlossen wird.

Und dies kann etwas sein, das eine Familie wie nichts anderes sonst entzweit. Dies kann eine der größten Prüfungen unserer Loyalität sein. Der Schmerz kann so groß sein, dass wir sagen mögen: „Jehova, was willst du von mir? Dies ist ein Glied meiner Familie, jemand, den ich liebe!”

Was möchte Jehova von uns, wenn ein Angehöriger unserer Familie ausgeschlossen wird? Gehe zurück zu Matthäus 10 und lesen wir noch einmal die Verse 34 und 35. Es heißt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen.” Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert. Denn ich bin gekommen, um zu entzweien: einen Menschen mit seinem Vater …und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine junge Ehefrau mit ihrer Schwiegermutter.”

Was erwartet Jehova von uns, selbst wenn die Situation so schmerzlich ist … dass einer unserer Familienangehörigen ausgeschlossen ist? Was möchte er von uns?

Loyalität – das ist, was Jehova möchte. Jehova weiß, dass dies eine schwierige Zeit in unserem Leben ist, aber er möchte Loyalität. Wir müssen ihn einem Vater, einer Mutter, …und selbst unseren Kindern voranstellen, wenn diese ausgeschlossen sind.

Und wenn der Gemeinschaftsentzug innerhalb unserer Familie nicht schlimm genug ist, dann kann Loyalität gegenüber Jehova bedeuten, dass wir sogar Vorwürfe ertragen müssen. Es mag sein, dass wir leiden: „Ich darf, darf einfach nicht, mit meinem Angehörigen reden.” Und dann kommt ein Arbeitskollege zu uns und sagt: „Ich dachte, du bist ein Christ. Warum redest du nicht mit deinen Kindern?”

Oder die ausgeschlossene Person sagt: „Meine Familie hat mich ausgestoßen.” Behalten wir jedoch im Sinn, dass der Missetäter sein Verhältnis zu Jehova geändert hat sowie zu seiner Familie. Es waren seine – nicht unsere – Handlungen, die sich auf die Familie auswirkten.

Wenn sie treu geblieben wären, dann wäre die Familie immer noch intakt. Dennoch: Wie kann jemand, der loyal ist, eine solche Situation ertragen? Lasst uns drei Dinge betrachten, die wir tun sollten.

Als erstes, bewahre ein starkes Verhältnis zu Jehova. Erlaube nicht, dass Entmutigung oder die ausgeschlossene Person dein Verhältnis mit Jehova beeinträchtigen. Sie (Ausgeschlossene) haben nichts mit unserem Verhältnis zu Jehova zu tun. Unser Verhältnis ist nur zwischen uns und Jehova allein. Bleibe loyal gegenüber Jehova.

Zweitens: Bleibe völlig mit geistigen Tätigkeiten beschäftigt. Wenn wir nicht die Zusammenkünfte besuchen, oder nicht predigen gehen, wenn wir nicht täglich Gottes Wort lesen, wenn wir nicht mit unserem himmlischen Vater reden, wird uns dies geistig schaden. Wir benötigen Trost. Wir benötigen Hilfe. Wir erhalten dies in Gottes Wort. Wir erhalten es in den Versammlungszusammenkünften. Bleibe also tätig.

Zum Schluss: Respektiere die Vorkehrung des Zurechtbringens der Brüder und Schwestern: Dies ist hart. Einfach gesagt: Respektiert die Entscheidung, die dazu geführt hat, dass unser Familienangehöriger ausgeschlossen wurde. Dies ist die beste Entscheidung für alle. Illoyalität gegenüber Jehovas Vorkehrung wird nicht funktionieren.

Zum Beispiel kann einer der Gründe, weshalb jemand, dem die Gemeinschaft entzogen wurde, wieder in Jehovas Organisation zurückkommen möchte, der sein, wieder mit den Brüdern und Schwestern der Versammlung sowie – naheliegender Weise – mit seiner Familie Gemeinschaft zu pflegen. Wenn wir nun mit ihnen Gemeinschaft pflegen, während sie ausgeschlossen sind, könnten wir sie tatsächlich der Motivation berauben wieder aufgenommen zu werden.

Bleibe loyal gegenüber Jehova. Dies in jeder Situation zu tun, ist das Beste. Nun führten wir drei Dinge an, die man TUN sollte. Jetzt werden wir drei Dinge anführen, die man NICHT tun sollte, und zwei davon sind Spielchen, die man nicht spielen sollte. Das erste davon ist: Spiele nicht das Spielchen „wer ist schuld”. Widerstehe dem Hang zur Selbstanklage.

Wir mögen denken, wir seien irgendwie mitschuldig. Denkt daran, dass Jehova Sünder für ihre Taten zur Verantwortung zieht. Jeder Mensch muss ein persönliches Verhältnis mit Jehova haben, selbst ausgeschlossene Jugendliche, denn ihr Verhältnis zu Jehova war schwach.

Meide das „Hätten wir doch nur …”-Spielchen. Hätten wir doch nur mehr gepredigt, hätten wir doch nur mehr mit ihnen (den ausgeschlossenen Jugendlichen) geredet. Hätten wir doch nur mehr innerhalb der Organisation getan. Hätten wir … hätten wir…” Tun wir uns das nicht an!

Der Ausgeschlossene hat Jehova verlassen. Er wusste um die Auswirkungen seiner Handlungsweise. Er ist derjenige, der die falsche Entscheidung getroffen hat. Klagen wir nicht uns selbst an.

Und schließlich, Brüder, gebt nicht auf, gebt niemals auf. Überlasst die Angelegenheit Jehova. Denkt daran: Selbst wenn wir Anteil an ihrem Leben nehmen könnten (was uns nicht möglich ist), wir können nichts tun, was dem vergleichbar wäre, was Jehova tun kann. Er kennt ihr Herz. Er weiß, was sie denken. Er weiß viel besser als wir, selbst besser als liebende Eltern, was sie (die Ausgeschlossenen) brauchen.

Doch stellen wir uns vor, wir blieben … wir blieben nicht loyal und wir redeten mit ihnen und pflegten Gemeinschaft mit ihnen. Könnt ihr euch vorstellen, wie ihr am Abend, an dem sie wiederaufgenommen werden, empfinden würdet, wenn sie zu euch kämen und sagten: „Warum seid ihr Jehova gegenüber nicht loyal geblieben, während ich ausgeschlossen war?”

Das ginge uns wie ein Stich durch Herz! Doch welche Freude würdest du empfinden, wenn sie zu uns kämen und sagten: „Vielen Dank dafür, dass ihr gegenüber Jehova loyal geblieben seid!”

“Dein Beispiel hat mich dazu angespornt, wieder zurückzukommen, um Jehova zu dienen.” Denkt daran: In allen Situationen ist Loyalität gegenüber Jehova das Allerwichtigste. Nun, sehr wahrscheinlich war dies nicht die angenehmste und wohltuendste Ansprache des diesjährigen Kongresses. Ich muss das selbst zugeben. Es war jedoch ernüchternd, Jesu Worte aus Matthäus 10:32-38 zu betrachten, nicht wahr? Wir wurden daran erinnert, dass, wenn wir die Wahrheit annehmen, das Leben nicht immer rosig sein wird; tatsächlich sagte Jesus das Gegenteil.

Doch können wir in unserem Sinn den Frieden Gottes haben, der alles Denken übersteigt, da wir wissen, dass das, was wir tun, das Richtige ist. Dies bedeutet nicht, dass es für uns kein Schwert innerhalb der Familie, oder keine Drangsal gäbe, doch wir wissen, dass wir Jehova gegenüber loyal bleiben. Was gegnerisch eingestellte Familienangehörige betrifft oder ausgeschlossene Angehörige, die wichtige Frage ist: „Wem gegenüber werde ich mich loyal erweisen? Zu wem habe ich größere Zuneigung?”

Wenn wir größere Zuneigung empfinden gegenüber irgendjemandem auf dieser Erde, egal, ob es ein Vater ist eine Mutter, ein Sohn oder eine Tochter als gegenüber Jesus Christus, dann sind wir seiner nicht würdig. Lasst uns also entschlossen sein, Jesu Fußstapfen genau nachzufolgen, unseren Marterpfahl auf uns zu nehmen und lasst uns weiterhin loyal in der Wahrheit wandeln. (Ende)

Es ist erschütternd, wie es der Redner im Auftrag der WTG schafft, die Worte Jesu aus Matthäus 10:32-38 für diese Menschen verachtende Lehre zu missbrauchen.

Worauf wollte Jesus hinweisen, als er sagte, „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“

Jesus spricht hier nicht von Krieg innerhalb der Familie oder unter Freunden sondern von Verfolgung. Das Schwert kommt von außen, und jeder, der sich zu Christus bekennt, muss damit rechnen verfolgt zu werden, wobei diese Verfolgung sogar von der Familie selbst ausgehen kann. Es geht also um Verfolgung der Nachfolger Christi und nicht um die Ächtung von Familienmitgliedern, die einer Sünde erlegen sind oder sich von „Gottes Organisation“ abgewandt haben.

Wenn wir in einer Situation unter Verfolgungsdruck geraten, erwartet Jesus, dass wir zu ihm stehen und unseren Glauben nicht aufgeben. Es wäre für uns verhängnisvoll, wenn wir aus Liebe zu Vater oder Mutter unseren Glauben an ihn aufgeben würden. Das wollte er uns mit diesen Worten verständlich machen, wenn er sagt,Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert“.

Doch wird ein Christ niemals einen anderen Menschen hassen und erst recht nicht ein Familienmitglied, nur weil ein Fehler begangen wurde. Jesus hat uns das jedenfalls nicht vorgelebt.

Diesen Worte Jesu auf eine solche Art und Weise für die Ziele einer menschlichen Organisation zu missbrauchen, wird sicherlich nicht ohne Folgen für die Verantwortlichen bleiben.

Wie Recht der Redner „Steven Bell“ von der WTG doch hat, wenn er sinngemäß sagt: Wenn wir gegenüber irgendjemandem auf dieser Erde größere Zuneigung empfinden als gegenüber Jesus Christus, dann sind wir seiner nicht würdig. Und wenn wir Menschen oder einer menschlichen Organisation mehr gehorchen als Gott und seinem Sohn, sind wir seiner nicht würdig.“

Lasst uns also entschlossen Jesu Fußstapfen nachfolgen, doch die Fußabdrücke einer Regeln und Publikationen produzierenden irdischen Organisation meiden.

     

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ich möchte meinen bescheidenen Beitrag leisten und Euch folgenden Brief eines aktiven Ältesten aus dem englischsprachigen Raum ( USA) zukommen lassen. Sehenswert auch ein Trailer. Die Langversion befindet sich zur Zeit in der Übersetzung und könnte dann bei Bedarf hier eingestellt werden. https://www.youtube.com/watch?v=ZC43RxsP0mQ Letter received from an active Jehovah’s Witness. Sharing with his permission… “Hello Gregorio, It may seem strange that i am writing you. I stumbled across your website and saw the advertisement for Truth Be Told movie. First i would like to congratulate you for the accomplishment. I know making a movie is not cheap or easy, so… Weiterlesen »

LuRa

Hallo erstmal, der ganze Artikel hat mir sehr gefallen – alles sehr differenziert dargestellt. Das Problem “Ausgeschlossene” ist mir immer schon ein Dorn im Auge gewesen, zeigt es doch auf, wie man ohne jeden praktischen Verstand, Liebe und biblischen Hintergrund mit der Brechstange alles kurz und klein schlägt, ohne die Menschen und ihre Schicksale im Auge zu haben. Nur mal 3 Gesichtspunkte. 1. Es ist richtig mit Menschen (Brüdern die ausgeschlossen wurden), die z. B. einen Lebenswandel an den Tag legen, der jenseits von gut und böse ist und keine Reue zeigten, keinen Kontakt mehr zu haben. Krasses Beispiel ein… Weiterlesen »

Tomaso

Zitat wt 15.11.14 s.14 abs. 8:
Auch wir sollten immer das tun was sich Jehova unser Souverän wünscht. Darin werden wir durch seine Organisation unterstützt. Zitat Ende.

Über diese Aussage kann jeder jetzt selbst nachdenken. ..

kritikus

Zu dem Verbot, nicht über Ausgeschlossene traurig zu sein, fällt mir noch eine Kleingkeit ein: 3. Mose 10:6 wurde nur zur Hälfte zitiert (typisch!). Aus dem ersten Teil des Verses geht hervor, dass der Hohepriester Aaron keine Zeichen der Trauer an sich anbringen durfte (das hat mit seinem Amt zu tun), im zweite Teil heißt es: “… aber eure Brüder, das ganze Haus Israel, sollen diesen Brand beweinen, den Jehova angerichtet hat.” Für mich heißt dies, dass Trauer nicht verboten ist und dass man durch kalte Herzlosigkeit eben nicht zeigt, dass man heilig ist. Weinte nicht auch Jesus über Jerusalem,… Weiterlesen »

kritikus

Lieber Bruder von Bruder-info!

Ich habe in meinem kleinen Kommentar nicht ausgedrückt, dass die Argumentation der WTG irgendeine Berechtigung habe! Mein Hinweis auf 3. Mose 10:6 sollte nur die unlautere Art und Weise zeigen, wie man mit der Bibel umgeht. Ihr müsst nicht immer gleich über das Ziel hinausschießen.

Ich bitte darum, dass aufmerksam gelesen wird. Ich habe auch keine Parrallele zwischen den Bewohnern Jerusalems und den Zeugen Jehovas gezogen: Der Punkt war die Herzlosigkeit derer, die sich eventuell noch darüber freuen, wenn jemand zu Schaden kommt, weil sie sich für “Rechtgläubige” halten.

Florian

Hallo Kritikus, die selben Gedanken hatte ich auch, als wir gestern diese grausigen Artikel studieren mussten. Und wie Bruderinfo 1 schon sagte, wie kann Jehova Gefühle verbieten? Der Sklave möchte wenn er könnte unsere Gefühle wohl verbieten. Hinzu kommt das der angeführte Belegtext nicht das Gefühl der Trauer verbot sondern lediglich die übliche Trauerzeremonie, das ist ein großer Unterschied. Erstaunlich auch die Tatsache das im Artikel vorher die Söhne Aarons als Vorbilder für die Gesalbten positioniert wurden und im folgenden Artikel als abschreckendes Vorbild für Abtrünnige und Ausgeschlossene die man nicht betrauern darf um seine eigen Heiligkeit nicht zu verlieren.… Weiterlesen »

waytodawn

Mit dem Hinweis, dass NIEMAND von uns dem Moderator seine Arbeit zu erklären hat, verweise ich darauf, dass ihr hier sehr stark vom Thema abweicht! Kaum zu glauben, dass hier erwachsene Leutesich wie im Kindergarten aufführen. Mit Frankis Worten bezüglich “Unterhöhlung des Familienzusammenhalts” würde ich gerne fortfahren: Es scheint so, als ob die Gesellschaft ihre eigene hierarchische Struktur bis auf die kleinste Ebene durchpressen will. Deshalb hat der Mann auch das Sagen und auch die Verantwortung über seine Familie und die Kinder müssen ebenfalls spuren. Über die Aussagen der Bibel, dass Kinder ihren Eltern gehorsam sein sollen, müssen wir uns… Weiterlesen »

Klaus Karl

Hallo,was ich mich Frage,wer gibt den sgt. Ältesten überhaupt das Recht andere zu verbannen und zu ächten(Gemeinschaftsentzug)? Wie kommt dies WTO zu der frechen Behauptung ,der Kanal oder Mittler zu sein da in 1.tim 2:4,5 ganz klar gesagt wird nur Christus ist der Mittler,mit welchem Recht setzt sie sogenannte Älteste ein. Kann sie einen besonderen Kontakt zu Christus nachweisen?Wenn man die WTO an ihren Taten misst, kommt man eher zu dem Schluss nach 5.Mose 18:20,dass sie sich als falsche Propheten erwiesen haben und man sie nicht fürchten braucht. Vielleicht sollte es von staatlicher Stelle überprüfen ob eine KöR,so etwas nicht… Weiterlesen »

Klaus Karl

Hallo. ich habe mit gerade das Urteil über die KdöR durchgelesen,was mich daran beuniuhigt ist folgender Satz: “Parochialrecht Alle Angehörigen der jeweiligen Konfession, die in einem gewissen Gebiet wohnen (Gemeinde), werden automatisch Mitglied der KdöR.” ich besuche zwar seit ca.1992 keine Zusammenkünfte und mache auch kein Hehl aus meiner Überzeugung,aber die haben mich nie ausgeschlossen und ich habe nie einen schriftlichen Austritt erklärt;einfach weil die gar nicht mehr ernst nahm,vielleicht auch weil dort einige nette Menschen sind,welche mit mir noch Kontakt haben,vielleicht heimlich auch ganz anders denken.Aber ich möchte nicht Mitglied in einer KdöR einer Religionsgemeinschaft sein,welche Jesus Christus hinter… Weiterlesen »

Martin

Lieber Matthäus, liebe Schwestern und Brüder, vielen Dank, das du als Erinnerung diese Abhandlung eingestellt hast. Sie enthält drei Todsünden unter Jehovas Zeugen. 1. Es handelt sich um eine Schwester, die ja eigentlich “schweigen sollte” in der Versammlung der Männer. 2.Sie erlaubt sich noch, Entscheidungen der Brüder zu kritisieren und diese in Frage zu stellen und damit Entscheidungen “der vom Geist geleiteten Organisation” in Frage zu stellen. Schließlich haben sich mindestens 6 “theokratisch gut geschulte Richter” mit dieser Angelegenheit beschäftigt. 3. Dann besitzt sie noch die “Dreistheit” aus Mangel an Demut sich an ein Glied der leitenden Körperschaft zu wenden…… Weiterlesen »

Gerd an waytodawn

Lieber Matthäus, zum “Fall” von Schwester Rita noch meine Erinnerungen. Ich kenne ihre Mutter M., die noch immer in der BRD wohnt. Daher war ich für die Verbreitung im Internet vor 16 Jahren zuständig, da dieses Medium damals noch nicht so verbreitet war. Rita erzählte mir am Telefon den Sachverhalt und ich gab das dann bei “Infolink” ins Netz – eine der Reaktionen per mail: hallo gerd, veröffentlichst du diese sachen in puncto rita, um sie den senat [Berlin] lesen zu lassen, oder wird das denen gesondert zugesandt… ? ehrlich gesagt würde ich gern mit rita kontakt aufnehmen. ich finde… Weiterlesen »

Bloom

Hallo zusammen

Kann mir jemand diese Frage beantworten. Ich habe eine Freundin die ausgeschlossen wurde.

Besser gesagt, man hat sie zum Ausschluss gezwungen. Man hat ihr aufgezwungen einen Brief zu unterzeichnen.

Werde ich ausgeschlossen, falls jemand aus der Versammlung erfährt, dass ich mit ihr Kontakt habe?

LG

Opolop