Die Geschichte von Howie Rutledge Tran – ehemaliger Assistent der LK


Howie Tran,der von 1995 bis 2006 als persönlicher Assistent für mehrere Mitglieder der leitenden Körperschaft von Jehovas Zeugen in Brooklyn diente, hat nach seinem Ausstieg aus der Organisation ein interessantes Interview gegeben.

Hier nun eine Zusammenfassung dieses Interviews. Er spricht nicht nur über seine ganz persönliche Erfahrung, dass er trotz seiner homosexuellen Veranlagung in das „Haus Gottes“ gelangte, sondern auch darüber, warum er sich schließlich dazu entschlossen hat, das „Haus Gottes“ wieder zu verlassen, um ein eigenständiges Leben zu beginnen.

In seinem Interview gewährt er uns einen Einblick darüber, wie die leitende Körperschaft zu ihren Erkenntnissen kommt, welche sie dann als von Jehova geoffenbartes „neues Licht“ weitergibt.

Neben persönlichen Erfahrungen über das Verhalten und die Besonderheiten der Mitglieder des Leitungsgremiums und der Bethelfamilie z. B. im Umgang mit Alkohol, erzählt Howie auch seine eigene herzzerreißende Geschichte. Jahrzehntelang kämpfte er gegen seine Neigung und verleugnete dabei seine eigene Persönlichkeit, bis er seinen Weg in die Freiheit fand. Die meisten von uns, die einmal mit der Organisation der Zeugen Jehovas verbunden waren, verstehen den Schmerz und den Verlust, der durch das Verlassen dieser Organisation entstehet.

Hier meine Geschichte – von Howie Rutledge Tran:

Ich möchte mich zunächst für die freundlichen und unterstützenden Worte bedanken, welche mir in der Vergangenheit zuteil wurden. Ich hoffe aufrichtig, dass meine Erfahrung für andere ermutigend sein wird, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Ich denke besonders an diejenigen, die sich durch den Einsturz ihres Glaubensgebäudes enttäuscht fühlen oder jetzt durch den Verlust von Freunden und Familie verletzt und einsam sind. Ich hoffe auch, dass diejenigen, welche ähnliche Erfahrungen durchlebt haben, verstehen, dass das Verlassen dieser Organisation die richtige Wahl war, um nun auf gesunde Weise ihr Leben meistern zu können. Als ich 2006 das Bethel verließ, habe ich mir nicht vorstellen können, dass außerhalb des Bethels so viel Schönheit zu finden ist. Ich hätte es nie gesehen, wenn ich mich zu diesem Schritt nicht entschieden hätte. Ein freies Leben ohne die Verleugnung meiner wahren Persönlichkeit war es wert, diesen Kampf zu führen.

Wie ich als Homosexueller ins Bethel kam

Für einen jungen Bruder oder Single ist das Bethel der Ort der Orte. Angesichts meiner homosexuellen Neigung konnte ich mir nicht vorstellen, dass meine Bewerbung für den Betheldienst überhaupt angenommen werden würde. Deshalb habe ich mit meinem Onkel gesprochen und er sagte: „Doch, doch, da ist nichts in deiner Vergangenheit, was dich für den Betheldienst ungeeignet machen würde, ganz im Gegenteil.“ Das Bethel wäre der beste Ort für mich.

Die Meisten sind der Überzeugung, dass das Bethel junge Menschen auf der rechten Bahn hält. Alle Mitzeugen da draußen im Dienste Jehovas denken, das Bethel sei das geistige Paradies. Es gäbe keinen anderen Ort, der geeigneter wäre, einen alleinstehenden Bruder mit Jehovas Heiligen Geist auszufüllen und ihn die Einigkeit, das gemeinsame Ziel fühlen zu lassen.

Ich habe mir selbst gesagt, weißt du was, ich wette, das ist der Ort, an dem mein ‚Problem‘ gelöst wird! Dieser Ort wird mir helfen, dass ich das endlich überwinden kann! Also habe ich darüber nachgedacht. Ich habe nicht sofort zugesagt, aber schließlich habe ich ihnen doch gesagt, dass ich die Bewerbung ausfüllen würde. Und ein paar Monate später war ich schon da!

Für die Bewerbung musste ich ein paar Dokumente ausfüllen. Unter anderem wurde im Formular gefragt, ob ich „Schulden“ oder „Verbindlichkeiten an die Familie“ habe. Man wird also z. B. aufgefordert, zuerst seine Schulden abzubezahlen oder Steuern zu begleichen. In meinem Anmeldeformular wurde nicht die Frage nach homosexuellen Neigungen gestellt (Anmeldung von Feb 1995), in früheren Anmeldeformularen wurde danach allerdings gefragt – „Hast du eine homosexuelle Beziehung gehabt? Ja oder nein“, und wenn man ‘Ja’ angekreuzt hatte, wurde man nicht ins Bethel aufgenommen.

Rückblickend finde ich es unglaublich, dass ich diesen Unsinn mitgemacht habe – aber ich habe es nicht besser gewusst und tatsächlich noch gedacht, dass dieser Weg zum ewigen Leben führen würde.

Als ich von dieser Moralklausel hörte, dachte ich, dass mich das disqualifizieren würde und sprach daher mit meinem Onkel. Dieser hat daraufhin dem Kreisaufseher gesprochen. Dieser meinte, da ich keine homosexuelle Beziehung ausgelebt, sondern nur diese Neigung hätte, wäre es ok – viele Brüder hätten dieses Problem ebenfalls. Viele Brüder hätten dieses Problem, diese Gedanken und Neigungen und hätten sie im Bethel erfolgreich bekämpft – und ich würde es auch schaffen. Alle würden stolz auf mich sein, außerdem würde ich meine Heimatversammlung im Bethel repräsentieren, ich wäre der erste Bethelit aus ihren Reihen.

Ich war demnach der ‘Fröhlichste’, der ins Bethel geht. (Anmerkung: Das Wort ‘gay’ im Englischen steht sowohl für ‚fröhlich‘ wie auch für ‚schwul‘.)

Meine Jahre im Bethel 

Ich war 11 Jahre im Bethel und wurde später Assistent der leitenden Körperschaft. Die ersten 6 Monate meiner Zeit im Bethel verbrachte ich allerdings im obligatorischen „Kloputzdienst“, dann in der „Nachtschicht Gebäudearbeiten“. Dann teilte man mir die Aufgabe zu, mich um Karl Klein von der leitenden Körperschaft zu kümmern. Karl war bei einem Besuch in Deutschland gestürzt, hatte sich dabei schwer verletzt und hatte Augenprobleme. Er konnte nach dem Sturz keine gerade Linie gehen, war immer gefährdet zu fallen, ich sollte ihn stützen und seine Termine regeln.

Ich hatte immer noch meine homosexuellen Neigungen. Die gemeinsamen Duschräume waren schrecklich für mich – ein Duschraum pro Flur. Ich musste mich mit all den jungen, nackten Brüdern in Reihe anstellen, um zu Duschen.

Das war für mich so, als ob ein normal veranlagter Mann mit lauter nackten Schwestern zum Duschen gehen müsste. Deshalb stand ich sehr früh auf, um zu duschen, bevor alle kamen, und ging danach schon mal zum Studieren nach unten, da ich so früh ja sonst nichts zu tun hatte. Die Brüder von der LK haben gedacht, ich sei so sehr geistig gesinnt, so eifrig, dass ich der Richtige für einen Assistentenjob der LK sei. Sie konnten ja nicht wissen, welches Problem ich hatte, und dass ich lediglich versuchte, es zu lösen.

Als Assistent durfte ich dann hinter die verschlossen Türen – quasi hinter die Kulissen – schauen und sehen, wie das geistige Paradies etc. entsteht, wo alles herkommt. Das hat mit dazu beigetragen, dass mir die Augen geöffnet wurden. Es ist langweiliger und weniger interessant, als man denkt, und auch weniger himmlisch.

Mir fiel auf, wie sehr menschliche Elemente und Unvollkommenheiten auch hier vorherrschend waren. Ich habe das Bethel mit der Erfahrung verlassen, dass nichts so war, wie man mich zu glauben veranlasst hatte.

Ich habe erkannt und bemerkt, dass das geistige Licht nicht so sehr das Ergebnis von Jehovas Geist ist, welcher den Sinn und das Herz der Brüder erfüllen würde, sondern eher rechtliche oder was auch immer, aber nicht geistig-spirituell Gründe hat. Wahrheiten und neues Licht wurden per Stimmrecht entschieden – z. B. die Auslegung von Bibeltexten, neues Licht usw. Die Brüder der leitenden Körperschaft und ihre Helfer gingen von Büro zu Büro, um ein bestimmtes Ergebnis in der Abstimmung zu erzielen.

Ich habe manche geheime Besprechung gehört. Ich war zwar nicht dabei, habe aber Bruder Klein in den Besprechungsraum gebracht und so manches mitbekommen. Ich konnte auch die Aufzeichnungen lesen, da Bruder Klein Probleme mit den Augen hatte.

Es wurde z. B. über die Blutfraktionen diskutiert. Dies ging über Monate. Anwälte und andere wurden angehört – das hat mich damals alles zwar noch nicht entmutigt, aber es hat nachhaltig Eindruck hinterlassen, da ja angeblich alles unter Gottes heiligem Geist steht. Was haben weltliche Anwälte mit der Blutfrage zu tun?

Von Gottes heiligem Geist war nichts zu merken. Im Grunde sind die Besprechungen der leitenden Körperschaft nicht anders als Vorstandssitzungen großer Konzerne. Es wird ja immer gesagt, dass Jehova diese unvollkommenen Männer gebraucht und dass, wenn etwas nicht ok ist, Jehova es mit der Zeit richten und ändern würde, dass man deshalb über ihrer Fehler, wie schlimm sie auch sind, hinwegsehen müsse. Doch die Realität hat mich immer wieder überrascht.

Ich erkannte, dass der Geist Gottes hier nicht wirken kann.

Mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass wir Zeugen Jehovas möglicherweise nicht wirklich in der „Wahrheit“ sind. Dies bedeutete jedoch noch nicht meinen völligen geistigen Niedergang. Ich dachte, wie so viele mit denen ich gesprochen habe, „Das ist ok, es gibt ja immer neues und besseres Licht.“

Ich war zu dieser Zeit recht gut mit Harry Peloyan befreundet. Er war mein Tischvorsitzender (Zur Information: immer 10 Betheliten sind einem „Tischvorsitzenden“ zugeordnet) sowie ein langjähriger Bethelältester und Mitarbeiter der Schreibabteilung. Tatsächlich war er der einzige Artikelschreiber im Bethel, der einen Abschluss der Universität Harvard besaß. In der Vergangenheit hatte er für das Wall Street Journal geschrieben. Er wurde ein Zeuge Jehovas und also Schreiber von Wachtturmartikeln. Man beachte: von einem Redakteur für das Wall Street Journal zum Wachtturm-Schreiber – was für ein Abstieg!

Er galt dennoch als eminenter Kopf innerhalb der WTG. Er hatte das Glück, eine gute Ausbildung genossen zu haben. Viele JZ würden sicherlich auch eine gute höhere Bildung genießen wollen, doch haben sie das Pech, in die „Wahrheit“ hineingeboren zu sein.

Gemäß dem „treuen und verständigen Sklaven“ ist „weltliche Bildung“ „von geringem Wert“, ja sogar „schädlich“. Doch wenn man darüber verfügt, wird man geachtet. Diesem doppelten Standard begegnet man ganz besonders im Bethel. Viele Brüder, die ich kennenlernte, wurden gerade wegen ihrer „weltlichen Bildung“ ins Bethel geholt und genossen das Privileg einer besonderen Stellung. Sie wurden erst nach ihrem Universitätsstudium Zeugen Jehovas, – doch jene, die bereits Zeugen waren und trotzdem zur Uni gingen, betrachtete man als „geistig schwach und krank“. Wenn sie nach Abschluss ihres Studiums wiederum allgemeine Pioniere wurden und dadurch dann gleichzeitig den Nutzen ihres Studiums genossen, wurde sie geehrt.

Diese WTG-Logik ist abwegig. Wenn jeder ein Fensterputzer wäre, könnten doch viele Arbeiten überhaupt nicht erledigt werden. Es werden doch in jeder Gesellschaft auch gebildete Menschen gebraucht, es ist Torheit, gute Bildung zu verteufeln. Schaut man genau hin, so sieht man überall in der WTG die doppelten Maßstäbe, bis hin ins Bethel. Wenn das Bethel nicht das benötigte Personal aus den Reihen der normalen Zeugen rekrutieren kann, dann werden sogar Bethelbrüder auf Kosten der WTG aufs College geschickt, wie am Beispiel Bruder Brumleys zu sehen ist.

Brumley wurde als einfacher Bethelit zum Jurastudium geschickt und später zum Aufseher der Rechtsabteilung ernannt. Ledige Schwestern nahmen oft das Risiko auf sich, als „geistig krank“ bezeichnet zu werden, weil sie aufs College gingen, nur um dann ins Bethel eingeladen zu werden. Bei Krankenschwestern, Rechtsanwaltsgehilfinnen und auch einigen Ärztinnen, die im Bethel arbeiten, ist dies der Fall. Sie waren ledig, als man sie ins Bethel holte, doch nicht sehr lange, da es viele „hungrige“ Brüder im Bethel gab. Einer meiner Freunde im Bethel war Anwalt. Es gab also gut gebildete Personen im Bethel. Dieser doppelte Maßstab ist einfach nur widerlich, wenn man an alle denkt, die für höhere Bildung verteufelt und ausgegrenzt werden. 

Ist sich die leitende Körperschaft darüber im Klaren, dass sie Unsinn verkaufen?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich war sehr nahen in Kontakt mit den Gliedern der leitenden Körperschaft, habe aber natürlich nie jemanden unter ihnen getroffen, der offen zugab, dass sie Unsinn verkaufen. Wahrscheinlich haben sie auch Angst, ihr eigenes Lehrgebäude anzuzweifeln. Ich denke, dass sie große Angst haben, in ihrem Alter wie ihr ehemaliges Mitglied Raymond Franz auf der Straße zu landen.

Doch habe ich einmal eine Andeutung in diese Richtung gehört. Ich muss hier etwas weiter ausholen. Zu der Zeit, als ich Bruder Peloyans Tisch zugeteilt wurde, kam ich wegen des Duschens, wie bereits erwähnt, morgens jeweils eine Stunde früher in den Speisesaal, um mein Bibellesen zu erledigen, und just zu dieser Zeit traf auch immer Harry ein, weil er ein Frühaufsteher war. Wir hatten immer sehr gute Unterhaltungen. Er war ein sehr lebhafter Gesprächspartner, und es war gut, sich mit ihm zu unterhalten. Er hatte viel Humor, oft schoss er übers Ziel hinaus und gab Dinge von sich, die viele andere aus Angst nicht aussprechen würden. Doch weil er bereits ein älterer und langjähriger Mitarbeiter war, ging das bei ihm durch.

Bei einer passenden Gelegenheit brachte ich das Thema auf 607 v.u.Z. Ich glaube, wir sprachen über die Zeit der Niederschrift des Buches Daniel und über Prophetie. Und da er einer der Schreiber war und mit dieser Thematik gut vertraut, fragte ich ihn: „Kannst du glauben, dass jemand all dies betreffs 607 schreiben würde? Ist das [die falsche WTG-Auslegung] nicht schrecklich?“ Ich wollte wissen, wie er darüber denkt. Und siehe da, er machte eine recht hemdsärmelige Bemerkung darüber. Er sagte: „Weißt du, Howard, wir werden eine große Überraschung erleben, wenn wir in die Neue Welt eingehen und erkennen müssen, wie wenig wir in dieser alten Welt wussten.

Oft sagte er: „Prophetie wird nicht verstanden, bis nachdem sie erfüllt ist. Und manchmal sogar dann nicht.“ Er sagte nie: „Wir haben nicht die Wahrheit.“ Aber er selbst glaubte nicht alles, was er lehren und schreiben musste. Doch die Antwort auf die Frage, die auch jeder Zeuge vorbringt, nämlich „Wohin sonst könnten wir gehen?“, lautet immer „Wir sind der Wahrheit am nächsten. Du musst auf dem Schiff bleiben, selbst wenn es reparaturbedürftig ist; du musst bis ans Ende der Reise auf dem Schiff, mit der Organisation verbunden bleiben.“

Ich glaube sagen zu können, dass er sich dessen bewusst war, dass einiges von dem, was gelehrt wurde, Unsinn war, doch dass er glaubte, dass dies in der großen Sicht der Dinge nicht wirklich von Belang sei. Er glaubte, auch andere Schreiber verkauften Unsinn, doch in der großen Sicht der Dinge würde dies nicht schaden. Dass dies Gottes Organisation sei und dass sie zu allen Zeiten in einem gewissen Ausmaß Unsinn verkauft haben, doch dass es „guter Unsinn“ sei und wir lernen müssten, damit zu leben.

Später jedoch, als sein Frau Rose starb, – ich war immer noch seinem Tisch zugeteilt –, da änderte sich seine Einstellung. Sie hatten sich über alles geliebt. Nach ihrem Tod war er am Boden zerstört und machte seiner Enttäuschung über unser Glaubenssystem mehr als einmal Luft. Er sagte Dinge wie „Ich sehe nicht ein, warum ein liebevoller Gott mich nicht mit meiner lieben Rosie im Neuen System weiter als verheiratetes Paar leben lassen könnte“. Dass der Tod das Ende der Ehe sei und die Auferstandenen nicht heiraten werden, glaubte er nicht. Er sagte: „Ich glaube nicht, dass das eine richtige Auslegung ist, ich habe das niemals geglaubt, das ist ein Haufen Unsinn!“ Er sagte noch mehr: „Ich glaube, meine Frau Rosie und ich werden Kinder haben.“ Er hatte nie Kinder, er liebte Kinder, und er glaubte immer, er und seine Frau Rosie würden ins Neue System eingehen, wieder jung werden und dann mithelfen, die Neue Erde zu bevölkern. Und nun lag für ihn diese Hoffnung in Trümmern. Er machte aus seiner Auffassung keinerlei Hehl. Mir scheint, dass nicht nur er, sondern dass viele so empfanden, dass am Ende alles irgendwie Wirklichkeit werden würde und dass unsere Lehren nicht immer wahr sind.

Für mich bestätigte sein Verhalten meine Vermutung, dass ein Zeuge erst dann bereit ist, das ganze Glaubensgebäude in Frage zu stellen, wenn er von den falschen Lehren in irgendeiner Form persönlich betroffen ist. Solange dies nicht geschieht, wird er alles schönreden und sich selber betrügen.

Doch die Frage „Heirat im Neuen System“ spielt eine vergleichsweise geringe Rolle, verglichen mit den wirklich großen Lehren wie der über 607 v.u.Z., 1914, die Kindesmissbrauchsfälle, die Blutfrage, die Generationslehre oder was den „treuen und verständigen Sklaven“ angeht. In diesen Fragen ist es wirklich wichtig zu wissen, ob man die Wahrheit hat oder nicht. 

Alkohol, ein Problem im Bethel?

Ich erkannte weitere Ungereimtheiten, die im Laufe der Zeit dazu führten, dass ich begann, zu zweifeln, dass wir in und für die „Organisation Gottes“ arbeiteten. Eines dieser Probleme war übermäßiger Alkoholkonsum, eigentlich schon Alkoholmissbrauch. Das war wirklich ein großes Problem und überraschte mich sehr. Ich beobachtete dies unter anderem bei den jungen Brüdern der Nachtschicht. Trinken war eine große Sache unter ihnen. Alle 6 Monate, anlässlich von Gileadgraduierungen, hielten sie eine Prä-Gileadgraduierungsfeier ab, wo Nachtschichtarbeiter zusammenkamen, um sich zu betrinken, teils unter der legal erlaubten Altersgrenze. Die Älteren, also ab 21 Jahren, besorgten für die Jüngeren die alkoholischen Getränke, und am Ende lag dann jemand von ihnen besinnungslos irgendwo herum oder übergab sich im Abfallverwertungsraum. Wegen dieser Sache mussten viele das Bethel verlassen.

Das übermäßige Trinken von Alkohol betraf aber nicht nur die jungen Leute – später sah ich, dass dieses Problem auch unter Älteren herrschte! Viele dieser Älteren waren bereits im Bethel, als Bruder Rutherford noch lebte, der dafür bekannt war, viel zu trinken. Tatsächlich sorgte Rutherford während der Zeit der Prohibition, als das Trinken von Alkohol in den USA verboten war, dafür, dass immer genügend Alkohol im Bethel vorhanden war, und zwar „für medizinische Zwecke“, so wurde das genannt. Trinken gehörte zur Bethelkultur.

Sogar einige der älteren Mitglieder der leitenden Körperschaft, wie Klein und Swingle, kämpften mit dem Problem des Trinkens, es war Teil ihres Lebens. Ich konnte beobachten, dass es für Bruder Klein eines der ersten Dinge am Morgen war, etwas Alkoholisches zu trinken, seinen „Drink“ zu sich zu nehmen. Sein Frühstück nahm er nicht gemeinsam mit der Bethelfamilie ein, sondern in seinem Zimmer, während er das Programm im Speisesaal per Videofeed verfolgte. Seine Frau machte ihm Haferflocken, und er sagte zu mir: „Howard, hol mir meine Medizin!“ Damit meinte er seine gute alte Amarettoflasche. Also holte ich sie ihm, und er rief: „Rein damit! Rein damit!“ – und damit meinte er, in die Haferflocken. Also goss ich ihm ein Likörglas voll hinein, doch er rief „Nein, nein, nein“, drückte den Flaschenhals herunter und gluck, gluck, gluck – die Haferflocken schwammen in einer Schüssel voll mit Amaretto. Und das war jeden Tag sein Frühstück! Auch mochte er Wein und Jägermeister – er hatte immer eine Flasche davon in seinem Vorrat! Es überraschte mich, dass er sogar an den Besprechungstagen der leitenden Körperschaft trank, und zwar das, was er seinen „power shake“ nannte, der aus rohen Eiern und einer großen Portion Rotwein zusammengemischt wurde. Das nahm er jeden Mittwoch und Donnerstag anlässlich der Besprechungen in einer Thermoskanne mit sich, die ich für ihn trug, und er trank das Gemisch dann zum Mittagessen. Ich wusste, wieviel er trank, da ich derjenige war, der für ihn in den Getränkeladen ging, um seine Vorräte zu kaufen. Er trank eine Menge! Seine Frau bat mich, mich dafür einzusetzen, dass er sich in der Hinsicht etwas einschränkte. Sie war mit Versuchen in der Hinsicht bereits gescheitert und flehte mich immer an: „Howard, lass ihn das nicht trinken!“ Doch es gab keine Möglichkeit für mich, Bruder Klein daran zu hindern – er gehörte zur leitenden Körperschaft, er war der Boss. Er wollte das und bekam es auch.

Auch andere hatten Probleme mit Alkohol, so, wie ich schon erwähnte, Bruder Swingle. Zu dieser Zeit war er alleinstehend. Seine Frau war verstorben und er hatte seine Trinkgewohnheiten nicht so gut unter Kontrolle. Das zeigte sich schließlich auch an seinem Äußeren und so wurde entschieden, dass er Hilfe brauchte. Die Überlegung kam auf, ob ein lediger Bethelbruder mit ihm in seinem Zimmer wohnen sollte, um ihm wegen seines Problems beizustehen. Zu dieser Zeit war ich der Gehilfe mit den meisten Dienstjahren und so wurde ich gebeten, für eine Woche mit ihm in seinem Zimmer zu wohnen. Für Bruder Klein wurde eine Ersatzperson gefunden und ich wurde Bruder Swingles Zimmerpartner. Um es kurz zu machen: Das war nicht angenehm – überhaupt nicht.

Er fluchte wie ein Droschkenkutscher und war sehr ruppig; er hatte seine freundlichen Momente, doch was sein Alkoholproblem anging, war er nicht angenehm. Als ich schließlich nach dem Stand der Dinge gefragt wurde und ob ich meinte, ob ein lediger Bruder als Bruder Swingles Betreuer zugeteilt werden könne, ind er Art wie ich Bruder Kleins Betreuer war, um ihm zu helfen zu funktionieren, erwiderte ich: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand dies tun könnte, ohne dabei geistig vor die Hunde zu gehen.“ 

Besprechungen der leitenden Körperschaft

Da gab es Wutausbrüche, Fäuste-auf-den-Tisch-Knallen, Gebrüll. Von außerhalb des Raumes konnte ich nicht genau verstehen, worum es ging, aber ich fragte mich, ob es nicht möglicherweise auch dem Alkohol zuzuschreiben war, dass sie nicht zivilisierter miteinander umgingen.

Wie gesagt, ich sagte ihnen, dass ich nicht glaubte, dass jemand bei Bruder Swingle leben könne, aber sie teilten ihm dennoch einen Bruder als Gehilfen zu. Und ein Jahr später verließ dieser Bruder das Bethel. Danach wurde Bruder Swingle in die Krankenstation für eine Rund-um-die-Uhr-Beobachtung verlegt, und er blieb dort bis zu seinem Tod. Möglicherweise war er, bevor Alter und geistiger Verfall einsetzte, ein besser funktionierender Alkoholiker. Seine Zeit als Direktoriumsmitglied reichte bis in die Zeit des 3. Präsidenten, N. H. Knorr zurück.

Informationskontrolle im Bethel

Ein Thema, mit welchem ich mich befasste, war das Thema Evolution. Ich habe mir das Buch Evolution: Still A Theory In Crisis von Michael Denton besorgt, es sollte kein besseres Buch zu diesem Thema geben, so hieß es. Ja, nun, es war ganz ok, aber es bewirkte noch nicht so viel für mich. Einige seiner Argumente schienen mir etwas schwach, aber von einem der Autoren, die er in seinem Buch kritisierte, hatte ich schon einmal einen Artikel in einem Wissenschaftsmagazin gelesen, ich erinnerte mich, als ich seinen Namen las. Es war Richard Dawkins. Und ich beschloss augenblicklich, dass ich unbedingt etwas von Richard Dawkins lesen wollte. Ich bin zur öffentlichen Bücherei, die nur ein paar Blocks vom Bethel entfernt lag. Ich bin da also hin und habe gefragt, ob sie ein Buch von Richard Dawkins hätten und ob sie mir helfen könnten, daranzukommen. Sie hatten auch eins, ein altes Buch, in der Mitte der achtziger Jahre geschrieben, mit dem Titel Der blinde Uhrmacher. Und ich las es. Aber ich traute mich nicht, es auszuleihen und es mit in mein Zimmer im Bethel zu nehmen. Ich habe erlebt, wie der Hausvater meines Wohntraktes in den Zimmern schnüffelte und spionierte und aufpasste, was im Bethel gelesen wurde.

Wann immer ich also Zeit hatte, ging ich in die Bücherei, um das Buch dort zu lesen. Und da niemand sonst das Buch auslieh, legte ich einfach ein Lesezeichen ins Buch und stellte es immer wieder an seinen Ort im Regal. Ich habe ungefähr einen Monat gebraucht, bis ich mich schließlich durch das Buch gelesen hatte.

Das Buch hat etwas in mir bewirkt. Ich kann nicht sagen, dass ich alles zu 100% glaubte, was ich da las, aber einiges, was ich da las, zeigte mir, dass ich in meinem ganzen Leben nur einseitig belehrt worden war und dass mein Gehirn verarmt war. Noch nie hatte ich so faszinierende Dinge gelesen! Ich erinnere mich daran, wie ich, nachdem ich einen Teil des Buches gelesen hatte, in der Bücherei saß und weinte. Weil es für mich ein Erwachen war! Weil mir zum ersten Mal klar wurde, dass es sein könnte, dass einiges doch ganz anders sein musste, als ich es bisher geglaubt hatte. Obwohl es nicht so war, dass ich nicht mehr an Gott glaubte, doch zum ersten Mal hatte ich die Schlussfolgerung gezogen, dass da mehr war.

Ich habe erkannt, dass die Dinge, die ich bisher geglaubt hatte, über das Leben, über den Ursprung des Lebens, das Alter der Erde, wie die Dinge entstanden, in großen Teilen nicht mit dem übereistimmt, was aus der Bibel herausgelesen wurde. Die Fragen, die mir dann schlagartige kamen, waren überwältigend. Was, wenn ich mir bis dahin nur etwas vorgemacht hatte und zwar auf der alleinigen Basis des Glaubensgebildes, das meine Familie mir als Kind beigebracht hatte. Dieses 14 Jahre alte Kind, das sich so sehr wünschte, etwas zu sein, was es nicht war. Und das sein Leben nur einer Sache widmete, einem Konzept, einer Idee. Was wenn? Ja, was wenn ich beschwindelt worden war?

Und zum ersten Mal dachte ich, dass dieser intelligente Schöpfer nicht wollte, dass ich auf Grund meiner Veranlagung zugrunde gehe. Zum ersten Mal dachte ich, dass Jehovas Zeugen nicht das Monopol auf „die Wahrheit“ haben und dass das, was sie als „Wahrheit“ verstanden, bestenfalls nur das Produkt eines Haufens alter Männer ist, die etwas Nettes niederschreiben wollten, die einer Gruppe Menschen eine Glaubensanleitung, ein Dogma verordnen wollten.

Mein Umgang mit den Zweifeln

Es ist ein schwerwiegendes Erlebnis, aufzuwachen und all das durchzustehen, was dann kommt, wenn man merkt, dass das eigene Leben eine Lüge war. Ich lebte immerhin im Bethel! Und man hatte mir besondere Vorrechte gegeben. Was um alles in der Welt sollte ich nun machen?

Man legt solche Fragen zunächst erstmal auf Eis und versucht, nicht darüber nachzudenken! Ich wusste wirklich nicht, was ich tun sollte. In der Situation, in der ich mich befand, war ich verängstigt. Hier war ich nun, plötzlich wieder das Kind von früher, das nichts wusste … Ich wusste nicht, wo ich hingehen könnte. Ich wusste, was es bedeutet, überhaupt erst einmal darüber nachzudenken, die Organisation zu verlassen. Das bedeutet zunächst einmal, dass man sein gesamtes Sicherheitsnetz verliert, alles was dich unterstützt hat; in meinem Fall bedeutete es, dass ich mein Zuhause verlieren würde, dass ich meine Arbeit verlieren würde, dass ich keine Familie und keine Freunde haben würde und kein Einkommen. Das war beängstigend, man macht so etwas wie eine Entwicklung der Gedanken durch.

Das bringt einem schließlich zu dem Punkt, dass man überlegt, ob man einfach alles ignorieren sollte, ob man nicht einfach so weitermachen kann wie immer und man eben trotz allem einfach aus seinen bisherigen vorhandenen Möglichkeiten das Beste aus seinem Leben macht. Ja, ich habe das Leben im Bethel genossen – da waren eine Menge Sachen, die ich wirklich genossen habe! Es gab viele Sachen, die es lohnend gemacht haben, den täglichen Kampf auf sich zu nehmen.

Immerhin hat man da ein Zuhause, man hat etwas zu essen, man hat dort Stabilität und die Verlässlichkeit eines festen Tagesablaufs und ich habe da immerhin auch ein wenig Anerkennung erfahren. Ich hatte sehr viele lebhafte, bezaubernde Unterhaltungen, und das alles stand auf dem Spiel, das alles konnte ich verlieren. Außerdem ist das Bethel ein Ort, an dem es Spaß macht zu leben. New York und Brooklyn Heights, das ist eine großartige Gegend und Nachbarschaft!

Der nächste Gedanke ist natürlich auch, dass man seiner Familie nicht wehtun möchte. Man stellt sich die Frage: Wie wichtig ist dir das denn alles wirklich, willst du das nun alles aufgeben und weggehen? Ich sagte mir, ach, vielleicht kann ich ja auch einfach weitermachen und so tun, als ob ich mein ‚Problem‘ überwunden habe, und der Gleiche bleiben wie immer. Das war also meine Idee, die ich dann ziemlich lange mit mir rumgetragen habe.

Aber dann konnte ich einige Dinge nicht mehr ignorieren. Die vielen kleinen Dinge, die man sonst so hinnimmt, begannen, als ausgewachsene Probleme herauszustechen, die ich mehr und mehr nicht mehr ignorieren konnte. Wie ich ja schon in Bezug auf den Komiteefall erwähnt habe – und ich habe ja auch andere, ähnliche Fälle erlebt, in denen meiner Meinung nach die Leute nicht die Gerechtigkeit und Barmherzigteil zuteil wurden, die sie verdient gehabt hätten. Da gab es auch noch andere Dinge, die ich in Verbindung mit meiner Arbeit gesehen habe und die ich sonst nur als Zeichen menschlicher Unvollkommenheit abgetan hatte.

Doch nun hatte ich nicht mehr diesen Gedankenfilter, der immer im Kreis läuft, der in etwa so geht: „Das ist Jehovas Organisation, das sind die Menschen, die das Gottes auserwähltes Volk darstellen, die Gott auserwählt hat, im Paradies zu leben, und im Paradies wird sich das alles bessern“ – diesen Gedankenfilter hat man plötzlich nicht mehr. Und da habe ich endlich gemerkt, dass ich sehr, sehr verärgert war. Ich begann zu merken, dass ich dabei war, mein Leben zu verschwenden. Und dass ich vor allem, abgesehen von allem anderen, sehr, sehr einsam war.

In der Vergangenheit hatte ich versucht, eine Schwester näher kennenzulernen und mit ihr auszugehen. Ich habe, um alles ein bisschen herauszufordern, mich dann sogar getraut und habe sie geküsst. Ich wollte sehen, ob ich so vielleicht auf dem richtigen Weg bin, meine Problem (meine homosexuelle Neigung) zu überwinden. Ich habe etwas für sie gefühlt und ich habe sie sehr geschätzt, ich habe mir so gewünscht, dass ich mich in sie verlieben würde. Ich habe mir sogar gesagt, dass, wenn ich sie einfach heiraten würde und wir erst einmal miteinander schlafen würden, sich dann schon etwas in mir ändern würde und ich dann plötzlich ‚geheilt‘ wäre.

Dass vielleicht das der geheime Schlüssel zu all dem Wirrwarr in meinem Kopf wäre. Dazu muss ich sagen, dass ich schon viele Jahre vorher, als ich in meinen Zwanzigern war, also schon weit bevor ich dahinterkam, dass es nicht „die Wahrheit“ ist, beschlossen hatte, dass es für mich und mein ‚Problem‘ keine Heilung gab. Ich hatte immer gedacht, dass ich einer von denen bin, die erst in der Neuen Ordnung ‚geheilt‘ werden können. Ich hatte mich ja selber schon längst darauf reduziert, dass es für mich in diesem System der Dinge nichts gab, was alles gut machen könnte.

Und wie ich schon sagte, die kleinen Irritationen des Lebens in einer solchen Organisation fingen an, mich aufzuregen, während ich versuchte, der Verpflichtungen und Verantwortung der Position als Ältester nachzukommen und den Status Quo zu erhalten. In einer Organisation, an die ich nicht mehr länger glaubte! Das wurde sehr viel schwieriger, als ich mir je ausgemalt hatte! Und so habe ich mich zu der Zeit sehr mutlos gefühlt, ich entwickelte eine Depression, meine eigene Zukunft erschien mir trostlos und öde. Und schließlich gelangte ich dann an den Punkt, an dem ich sagte: „Ich muss hier raus! Ich muss gehen.“

In der Folgezeit war ich damit beschäftigt, herauszufinden, wie ich das anstellen könnte. Ich brauchte einen vernünftigen Ort, an dem ich leben und existieren konnte. Das hat eine Weile gedauert. Parallel zu dieser Entwicklung erhielt ich zufällig eine neue Zuteilung: Ich wurde einem Königreichssaal als Hausmeister zugeordnet und zwar dem Stanley Theater! Das Stanley Theater liegt in Jersey City am Journal Square. Ich machte mir also einen Plan: Ich wollte mir Urlaubstage anhäufen und so viel Geld ansparen, wie ich konnte. Dann wollte ich die angesparte Urlaubszeit dazu nutzen, zu arbeiten, um Geld zu verdienen, während ich die verbleibende Zeit am Stanley Theater für die WTG tätig war. Und genau so machte ich es dann! Am Ende hatte ich mir ungefähr einen Monat Urlaub angespart. Das hat etwas gedauert, fast ein Jahr brauchte ich dafür. Die Tage habe ich dann dazu genutzt, zu arbeiten. Ich habe einen Job als Kellner in Manhattan angenommen und gehofft, dass ich eine neue Bleibe finden würde, bevor meine Zeit in Jersey um war.

Außerdem schreib ich mich ins College ein! Es war ein Öffentliches College, ein „Community College“, in unmittelbarer Nähe zum Stanley Theater, das Hudson County Community College! Und ich habe dann praktisch gleichzeitig alle „geistigen Aktivitäten“ für mich beendet. Ich hörte auf, in die Versammlungen zu gehen, meine Aussage war: „Ich bin im Urlaub.“ Während meines Monats Urlaub arbeitete ich ganztags und in den Abendstunden besuchte ich Einführungskurse am College. Das waren ein Grundkurs Englisch, ein Orientierungskurs fürs College und ein Einführungskurs, den man belegen muss, um zu beweisen, dass man die Befähigung hat, Kurse zu besuchen, also leichte Kurse. – Ja, das habe ich alles gemacht, und dann, dann habe ich die Organisation verlassen.

Ich habe ich dann entschlossen, einen Brief zu verfassen, um mich von den Zeugen Jehovas loszusagen. Natürlich habe ich auch meine Familie aufgesucht und ihr meine Entscheidung mitgeteilt. Das hat meine Familie sehr erschüttert. Ich sagte ihnen offen, dass ich nicht mehr glaube, dass wir die Wahrheit hätten und die einzige wahre Religion seien. Als ich dann sagte, dass ich mich immer noch zu meiner homosexuellen Neigung bekenne, also dass ich immer noch schwul sei, brachen alle in Tränen aus. Ihre heile Welt brach zusammen.

Ich war der “Goldjunge” meiner Familie!

Ich war bis dahin ihr Goldjunge, zu dem sie stolz aufblickten. „Unser Junge ist im Vollzeitdienst, im Bethel“ – das ist unter Zeugen eine Ehre, von der auch die Eltern und Verwandten etwas haben. Sie waren davon überzeugt, dass ich meine Neigung durch die Wahrheit überwunden hatte und nicht mehr schwul sei. Nur meine Mutter war bereit, mich so zu lieben und zu akzeptieren, wie ich wirklich bin. Sie sagte, dass sie mich immer lieben würde, ich sei schließlich ihr Sohn, ein Geschenk Jehovas. Leider erkrankte meine Mutter psychisch und litt immer mehr an Alzheimer.

Meine Großmutter war eigentlich meine Bezugsperson, ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihr. Sie war quasi meine Mutter im Glauben und das religiöses Oberhaupt, da meine leibliche Mutter schon immer psychisch krank war. Sie sagte mir, dass sie erst einmal über die neue Situation nachdenken müsse, aber sie habe schon länger gespürt, dass etwas nicht in Ordnung sei mit mir. Meine Großmutter ging davon aus, dass ich sie vorsätzlich über all die Jahre hinweg betrogen und mich auf ihre Kosten amüsiert hätte. Ich wäre in ihren Augen zu schlau und raffiniert, daher gehe sie davon aus. Tatsächlich habe ich immer alles unternommen, um meine Neigung zu bekämpfen. Keiner kann das so lange durchhalten, wenn es ihm nicht ernst damit wäre.

Es ist ein fundamentales Missverständnis über die menschliche Natur, wenn man denkt, dass es für Homosexualität eine Art Heilung oder Kur gäbe – diese Ansicht ist veraltet und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Für mich war der Vorwurf des absichtlichen Betrugs ein weiterer belastender Faktor, der mir schwer zu schaffen machte.

Ich habe einmal geglaubt, es zu schaffen, die Neigung zu überwinden, und bin daran gescheitert. Viele Brüder haben ein Problem mit Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Sie glauben im allgemein, dass die Wahrheit einen verändert, einen wieder ‚normal‘ macht, transformiert und dann sei man ‚geheilt‘ – so wird es ja auch vom Sklaven gelehrt! Wenn es dann nicht klappt, wird man beschuldigt, betrogen zu haben und ein Doppelleben zu führen, was dann zu einem Ausschluss führt. Man wird beschuldigt, es nie ernsthaft versucht zu haben, obwohl man ständig gegen dieses Verlangen angekämpft. Keiner, der nicht in dieser Situation ist, hat eine Vorstellung davon, wie schwer das ist.

Es wird von der WTG argumentiert, auch ein sexuell normal veranlagter Mann müsse sich beherrschen können, wenn er nicht verheiratet ist. Das mag stimmen, aber er hat alle Möglichkeiten, sich einen Partner zu suchen, er muss seine sexuellen Bedürfnisse nicht ein Leben lang verleugnen. Ich habe es über 20 Jahre versucht, es hat nicht funktioniert. Doch das kann ‚man‘ ja so nicht offiziell lehren. Dann müsste ‚man‘ ja zugeben, dass die Wahrheit alleine Menschen nicht ändern kann. Ich bin durch diesen aussichtlosen Kampf gegen meine Natur eh schon am Boden zerstört, und nun wird man noch von Teilen seiner Familie weiter fertiggemacht.

Ich habe durch meine Lossagung von den Zeugen Jehovas alles verloren – Familie, Freunde, mein komplettes Umfeld. Als meine Oma starb, wurde ich zunächst nicht benachrichtigt, da sie dies so gewünscht hatte. Erst nach einer geraumen Zeit haben mich dann einige Älteste doch informiert – der Grund dafür? Meine Mutter war inzwischen hilfsbedürftig geworden. Die Alzheimererkrankung meiner Mutter sei so weit fortgeschritten, sagte man mir, dass sie alleine nicht mehr klarkomme und ich solle mich nun um sie kümmern, da meine Großmutter gestorben sei. Sie machten mich dafür verantwortlich, dass meine Großmutter so früh gestorben sei: Der Grund für den relativ frühen und unerwarteten Tod meiner Oma sei, dass ich sie abgelehnt und die Wahrheit verlassen habe. – Was für ein Irrsinn!

Mein Leben wurde besser, nachdem ich die Zeugen Jehovas verlassen habe. Ich komme nun mit meinem Leben wesentlich besser zurecht. Ich habe John geheiratet, wir haben jetzt Zwillinge adoptiert, einen Jungen und ein Mädchen. Ich frage mich heute noch, warum ich so große Angst hatte, das Bethel zu verlassen. Ich hatte Furcht, da ja immer gesagt wurde, wie böse die Welt da draußen sei, nämlich nur schlecht. Ich bin dankbar, dass ich die Kraft zum Ausstieg hatte.

Im Bethel gibt es viele, die Fragen und Zweifel haben. Sie fragen sich, ob wir wirklich die Wahrheit haben, die wahre Religion sind, oder nur eine weitere Religion wie viele andere. Aber sie haben Angst, offen darüber zu sprechen, und Angst davor, zu gehen, alles zu verlieren, ausgeschlossen zu sein, sich loszusagen und etwas Neues für sich zu finden.

Ich hoffe, dass mein Beispiel anderen Mut macht und dass sie sehen, dass es ein Leben nach dem Ausstieg gibt. Sicher, meine Situation war direkt nach dem Ausstieg nicht schön. Ich hatte nicht viel Geld, mietete ein kleines Zimmer ohne Heizung und Klimaanlage, es war feucht, ich musste mir meine Mahlzeiten auf einem kleinen Gaskocher zubereiten und vieles mehr. Im Bethel führt man ein dahingehend sorgenfreies und verwöhntes Leben. Doch mit der Zeit habe ich entdeckt, dass die Welt doch nicht nur schlecht ist. Ich habe außer John viele tolle und nette Leute kennengelernt. Es gibt eine wunderbare Vielfalt ‚da draußen‘. Ich habe auch Glück in der Hinsicht gehabt, dass mich meine Familie nicht zu 100 % ausgeschlossen hat. Ich habe jetzt selbst eine tolle eigene Familie – meinen Ehemann John und die Zwillinge – und treffe mich jetzt mit tollen Leuten aus der ganzen Welt.

Auch Schwestern mit Alkoholproblemen im Bethel

Übrigens gab es auch Schwestern mit Alkoholproblemen. Ich wurde beauftragt, mich um Schwester Margie und ihr Problem zu kümmern, was ich zunächst als einen Akt der christlichen Nächstenliebe annahm. Ich ging in ihr Zimmer und habe alles sofort gerochen: den Wodka, den Bourbon, die Apple-Cider-Flaschen – und leerte alles im Waschbecken aus. Und dann hat sie ein oder zwei Tage, ich glaube, es war ein Wochenende, gebraucht, um wieder nüchtern zu sein. Und das unter 24 Stunden Beobachtung.

Und nicht nur ich, nein, wir haben sie in Schichten zusammen beaufsichtigt. Deshalb kann ich sagen, dass sie während der Ausnüchterung absolut keine nette Person war. Sie war einfach schrecklich. Und wir mussten die ganze Zeit bei ihr im Zimmer sitzen, bis sie nüchtern war. Und alle wussten es.

Ich erinnere mich, dass ein Mitglied der leitenden Körperschaft nach ihr fragte. Und das heißt, dass auch er über ihr Alkoholproblem Bescheid wusste. Und ganz speziell die Ältesten-Gruppe der Brüder um Thomas Steffersen von der Brooklyner Servicegruppe wussten darüber Bescheid. Ich habe mich natürlich auch oft gefragt, warum sie Margie nicht rauswerfen. Es war einfach so schrecklich mit ihr. Deshalb habe ich Thomas Steffersen angesprochen. Er sagte, weißt du Howard, sie ist eine alleinstehende Schwester, die schon viele Jahre im Bethel ist, und sie weiß keinen Platz, wohin sie gehen soll. Und Jehova liebt sie, trotz ihres Problems. Jehova liebt sie. Und wir werden ihr helfen, das Problem zu überstehen.

– Wow, welche Liebe und Fürsorge! Ich stimmte dieser Einstellung gerne zu. Eine eifrige und viele Jahre im Haus Gottes dienende Schwester lässt man also mit ihrem Problem nicht alleine. Mein Verdacht im Hinterkopf war jedoch der: Wenn man eine alte alkoholkranke Schwester aus dem Bethel wirft, dann wird auch die Luft für die Glieder der leitenden Körperschaft mit diesem Problem eng. Ein Grund, weshalb ich dieser christlichen Nächstenliebe nicht so recht trauen konnte.

Ein Beispiel. Ich war Ältester in der Versammlung Ost New York, in der Schaffield-Versammlung. Und wir hatten einen Komiteefall. Es ging um einen jungen verheirateten Bruder. Er hatte seine Frau verloren. Sie war verstorben. Und dieser junge Bruder hatte schon mal mit einem Alkoholproblem gekämpft. Er hatte nach dem Tod seiner Frau wieder mit dem Problem zu kämpfen. Einmal haben ihn zwei Schwestern zu Hause besucht, haben das mitbekommen und haben das der Versammlung berichtet. Es wurde unverzüglich ein Komitee gründet, um die Sache zu untersuchen. Das Rechtskomitee kam zu dem Ergebnis, dass er ein ‚nicht reumütiger‘ Alkoholiker war. Er selbst war aber durch den Tod seiner Frau so verzweifelt und gab zu, dass er ein Alkoholproblem hat und es nicht stoppen könne.

Dieser Bruder war wütend, einfach wütend. Er war wütend und verärgert, und er sagte, es mache ihm nichts aus, dass jemand das wisse, er sei krank und verärgert. Um die geistige Reinheit der Versammlung zu bewahren, so argumentierte das Komitee, müsse man ihn ausschließen, damit Jehovas Geist in der Versammlung wirken könne. Wir sollten den Alkoholkranken aus der Versammlung entfernen. Ich fragte mich: „Sollte das dann nicht auch auf die Brüder und Schwestern aus dem Bethel zutreffen? Sollte Jehova dann nicht auch dem Bethel seinen Geist entziehen? Trifft dieser Punkt nicht auch auf die Mitglieder der leitenden Körperschaft zu, die mehr trinken, als sie sollten? Oder auf Margie, die eine jahrzehntelange Trinkerin war? Ihr und den betroffenen Gliedern der leitenden Körperschaft wurden spezielle geistige Freundlichkeiten erwiesen. Ich konnte nicht glauben, dass das Tolerieren ihrer Alkoholsucht keinen Effekt auf das Fließen Jehovas Geistes hatte? Im der Zentraler des geistigen Paradieses?

Es gab so viele Alkoholiker im Bethel. Die Frau von einem anderen Bethelbruder mit Verantwortung hatte ebenfalls ein Alkoholproblem. Und auch das war ein allen bekanntes Problem. Und das hat mich beschäftigt und bedrückt. Es hat mir für die beiden Schwestern im Bethel so leidgetan. Ich wollte dem Komitee davon erzählen, davon, dass ich dachte, dass das Alkoholproblem einfach nur Verzweiflung war, eine Depression war und dass jemand in dem Fall einfach Hilfe benötigte, da wieder rauszukommen. Auch dass die Schwestern selber so ein großes Ding daraus gemacht hatten: Alle beide hatten damals mehr oder weniger gesagt, dann werft mich doch einfach raus, wenn ihr denkt, dass ich zu viel trinke, ich will kein Problem in der Versammlung sein. Werft mich einfach raus. Das waren deprimierte Menschen, die wütend waren und das Gefühl hatten, sie würden verurteilt.

Und das sind sie auch in den Augen der Rechtskomitees. Die Brüder der Rechtskomitees haben keine Schulung auf diesem Gebiet und wissen oft gar nicht, wie sie mit so einer Situation umgehen sollen. Sie urteilen schnell und sagen, okay, der Wille Jehovas ist getan, werft sie raus, lass sie die Gemeinschaft verlieren, das ganze Unterstützen hat keinen Sinn, vielleicht wird ihnen das am Ende helfen, ihre Trinkerei aufzugeben und zu Jehova umkehren. Und die Begründung lautet: „Wir müssen an Jehovas Geist in der Versammlung denken.“

Der Fall mit diesem Rechtskomitee ist nicht das einzige Beispiel, bei dem ich dachte, dass die Ältesten weniger an Hilfe als viel mehr an die „Reinheit der Versammlung“ dachten. Eigentlich sollten sie ja liebevolle Hirten sein, sich an Christus orientieren. Ich habe oft gedacht, gibt es zwei Standards bzw. Maßstäbe: einen für das Bethel und einen für die Verkündiger draußen. Das sind sehr unterschiedliche Maßstäbe. Wenn du dabei bist und mitten unter ihnen, versuchst du das immer zu rechtfertigen. Aber zurückschauend komme ich zu dem Ergebnis, dass ich dort an keinem besonderen Platz in keinem geistigen Paradies gewesen bin.

Ich war in einer religiösen Sekte, der es mehr um die Organisation geht als um den Menschen. Verfehlungen von Menschen innerhalb der Bethel wurden zugedeckt, um die Organisation nicht in ein schlechtes Licht zu bringen, und die Verfehlungen der Menschen außerhalb des Bethels wurden mit Ausschluss bestraft, um die Organisation nicht in ein schlechtes Licht zu bringen und sie, sozusagen, „rein“ zu halten.

Auch das brachte mich zu dem Ergebnis, dass dies hier nicht die Organisation Gottes ist. Und das hat den ganzen Prozess für mich zu etwas Endgültigem gemacht.

– Ende –

Ein herzliches Dankeschön an die 6 Brüder und Schwestern die an der Übersetzung aus dem Englischen mitgewirkt haben.

Bruderinfo- Aktuell

 

 

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Bella

Liebe Verfasser und Übersetzer, vielen lieben Dank für diesen Bericht, der nicht nur tiefe Einblicke ins Innere des Bethels gewährt sondern auch eine sehr berührende Geschichte erzählt. Schon für einen “normalen” Verkündiger ist ein Ausstieg aus der ORG ein einschneidendes Erlebnis mit dem Verlust von Familie und sozialen Kontakten aber für einen Bethelmitarbeiter gehen damit noch der Verlust von Wohnung und Arbeitsplatz einher – kurzum: Ein Bethelmitarbeiter, der aussteigt, verliert wirklich alles und muss ganz von vorne anfangen. Aber auch diese Geschichte zeigt einmal mehr, dass dieser Schritt sich immer lohnt. Vor allem im Hinblick auf die Erfahrung dieses Mannes… Weiterlesen »

Jurek

Vor allem im Hinblick auf die Erfahrung dieses Mannes
dahingehend, dass er dann auch endlich seine wahren sexuellen Neigungen
ausleben und einen Partner fürs Leben finden konnte.

Doppelmoral ist, andere zu kritisieren aber selber sich
von Christsein zu entfernen und so tun als ob!
(1.Kor 6:9f u. ä. soll man aus der Bibel streichen, oder?).
 

????

Tom zur Geschichte von Howie Rutledge Tran

Vielen Dank fürs übersetzen liebe Geschwister,

ich kenne nun schon so einige Zeugen-Alkoholiker, davon sind einige wenige mittlerweile trocken und das auch nur weil sie fallen gelassen wurden von der Org. und NICHT daran zerbrochen sind und den harten Kampf gegen den Alkohol aufgenommen haben.

Ich werde umgehend diesen Artikel einigen Leuten empfehlen, denn sie meinen diese Organisation wäre “heilig” und ihr eigenes verhalten Sünde, dabei ist es genau anders herum, die falsche Lehre der Org. bringt erst dieses Doppelleben hervor und macht ihre Untertanen zu Opfern.

Nochmals Danke und liebe Grüße
Tom

Ömmelchen @ Jurek & Edelmuth

Meine lieben Brüder, ihr habt ja recht; die Bibel verbietet das Ausleben homosexueller Neigungen. Aber kann man es einem Menschen wirklich verübeln, der sein ganzes Leben gegen sein ureigenstes Wesen erfolglos angekämpft hat und dann den Menschen für’s Leben findet ? Versucht doch mal, euch vorzustellen, Gott würde euch verbieten, jemals einen Partner haben zu dürfen. Jeder halbwegs “normale” Mensch hat dieses Bedürfnis danach. So wie ich den Schöpfungsbericht verstehe, hat Gott uns mit diesem Bedürfnis ausgestattet. Er selbst war es, der sagte : “…Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei …” – 1.Mose 2:18. Viele Menschen wünschen… Weiterlesen »

Ömmelchen

Ich möchte mal aus gegebenem Anlass was los werden, was mich schon seit Jahren wurmt. Ich kann zwar leider nicht mehr sagen, wo und wann so was mal in der Literatur stand, kann mich aber entsinnen, dass es einige Male der Fall war. Zumindest stand es vor vielleicht elf oder zwölf Jahren in einer Ausgabe der Königreichsnachrichten. Es geht mir um das Thema des Anprangerns homosexueller Priester in der Katholischen Kirche. Also zunächst mal sind wohl die allerwenigsten Homosexuellen Priester auch gleichzeitig Kinderschänder. Zum anderen : Wenn ein Katholik feststellt, dass er schwul ist und sich trotzdem für seinen Glauben… Weiterlesen »

Marina Torre

Ich bin doch entsetzt, dass sogar hier noch immer gegen Homosexualität geschimpft wird. Bibel hin oder her, die Menschen sind nun mal nicht nur in zwei Kategorien einteilbar. Kann man einen Menschen zwingen, sein ganzes Leben lang auf Grundbedürfnisse wie Liebe und Geborgenheit zu verzichten? Genau das geschieht nämlich, wenn ein Homosexueller seine Neigung unterdrücken will und eine Frau heiratet. Er hat sein Problem damit nicht gelöst. Die Ehefrau hat nun aber eines und zwar ein Riesenproblem. Sie hat einen Ehemann und sie hat doch keinen. Denn er ist nicht in der Lage, ihr Liebe zu zeigen und Geborgenheit zu… Weiterlesen »

Petrus111

Liebe Freunde, ich halte die Darstellung von  Howie Rutledge Tran für subjektiv, aber für authentisch, also wahr. Sein Erleben war sicherlich auch geprägt durch seine eigene Situation, die durch seine sexuelle Prägung für ihn in der Situation, in die er sich begeben hatte, schwierig war. Das kann man also bei der Betrachtung nicht unberücksichtigt lassen. Ich meine, dass die Geschichte folgendes bestätigt, was ich auf diesem Forum schon mehrfach feststellte: JZ haben Probleme wie alle anderen auch. Ihre Religion führt nicht dazu, dass sie weniger Probleme haben. Im Unterschied zu anderen sozialen Kreisen unternehmen sie aber wenig oder nichts, um… Weiterlesen »

Johann@Ededelmuth

Hallo Edelmuth, du edler und einsamer Kämpfer für Ethik und Moral. Du „Don Quichotte“ der für das Gesetz Gottes und gegen die Sünder der Welt kämpft wie gegen Windmühlen, und sich dabei so großartig vorkommt. Da schreibt ein Howie Tran seine Lebensgeschichte und Erfahrung über seinen Aussichtlosen Kampf gegen seine Homosexuelle Neigung offen und ehrlich nieder.   Ein Mensch, welcher voller Überzeugung in das Allerheiligste der Zeugenwelt flüchtet, in der Hoffnung, dort seine „unnormale Veranlagung“, welcher er in die Wiege gelegt bekam, zu überwinden. Doch anstatt froh darüber zu sein, dass er dieser Lüge nicht mehr nachlaufen muss, – die… Weiterlesen »

Fox

Guten Tag, erstaunlich, was ich so als Bibelauslegung hier erkennen soll.   Matth. 19:4: “Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang als Mann und Frau erschuf ”  Röm 1:27 ” gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.”  1. Kor. 6:9,10: “Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch… Weiterlesen »

Raymond

Hallo zusammen!   Kompliment an BI für den Artikel und den mutigen Mann hier, der sich geoutet hat, indem er sich zu sich selbst bekennt und zu dem wer und was er ist. Homosexualität gab es schon immer und wird es immer geben, auch in der Tierwelt, die übrigens auch ein Teil der Schöpfung Gottes ist:   https://www.sueddeutsche.de/wissen/tierwelt-die-rosa-liste-1.622417   Es ist widerlich, Menschen mit Vernichtung zu drohen, wenn der gleiche Gott homosexuelle Tiere erschaffen hat und diese ganz offensichtlich straffrei ausgehen.   Tran hebt sich mit seinem aufrechten Charakter wohltuend von Leuten wie Ede und anderen auf dieser Seite ab,… Weiterlesen »

Ömmelchen

Wen es interessiert; hier ein (unabhängiger! ) Artikel über Forschungsergebnisse zur Entstehung von Homosexualität in der Zeitschrift Fokus vom März 2014 :

https://m.focus.de/gesundheit/ratgeber/sexualitaet/erotik/tid-28715/forscher-sind-sich-sicher-genregulation-verursacht-homosexualitaet_aid_885680.html

(Sorry, ich weiß leider nicht, wie man so eine Adresse als Link gestaltet.)

Ulla

Hallöchen alle, Homosexualität – angeboren? Wär schon möglich! Ich las im Buch “Zwillinge” von Lawrence Wright, 1998 interessante Hinweise, die genau darauf deuten! Auf S. 94 heißt es: “Zwischen 12% und 15% von uns – und das ist das geschätzte Minimum – glauben, sie seien EINZELKINDER, während sie in Wirklichkeit nur die glücklichere Hälfte eines Paares sind”, so Charles E. Boklage, Genetiker an der East Carolina Univercity School of Medicine. Er schätzt, dass auf jedes lebend geborene Zwillingspaar mindestens SECHS Einzelkinder kommen, die die alleinigen Überlebenden einer Zwillingsbefruchtung sind. Es gibt bedenkenswerte Hinweise darauf, dass beim frühzeitigen Tod eines Zwillings… Weiterlesen »

Anna

Liebe Schwestern und Brüder, vielen Dank für die Übersetzung dieses Erfahrungsberichtes. Die Aussage eines Tischnachbarn des Bruders: “man muß auf dem Schiff bleiben, selbst wenn es reparaturbedürftig ist” und “unbedingt mit der Organisation verbunden bleiben, auch, wenn diese fehlerhaft ist”, finde ich auch in meinem Umfeld. Es ist alles ein großer Selbstbetrug. Nur nicht aufwachen und etwas ändern. Oder wie viele von uns endlich aufwachen und feststellen, dass das Leben oder Teile davon eine Lüge waren. Es stimmt schon, man verliert sein Sicherheitsnetz und Stabilität. Das hat der Bruder sehr schön beschrieben. Er macht sicherlich vielen von uns Mut, dass… Weiterlesen »

M.N.

Liebe Mitkommentatoren, Bruder Howard Trans Bericht ist eine eindrucksvolle “Veranschaulichung” und Bestätigung dessen, was hier unlängst betreffs des Themas “Willensfreiheit” besprochen und diskutiert wurde – “Ich elender Mensch…!” Zur Erinnerung: https://www.bruderinfo-aktuell.org/index.php/die-willensfreiheit-ein-kostbares-geschenk Des Weiteren (wie bereits des Öfteren erwähnt): Wer (so wie ich) das Vergnügen hatte, “im Herzen der Organisation”, “am besten Ort der Welt” (Stichwort “Narzissmus”) “gedient” haben zu dürfen, wird diesen Bericht Bruder Trans (ich nenne ihn ausdrücklich “Bruder”!) nicht nur als authentisch “empfinden”, sondern ihn uneingeschränkt als zutreffend unterschreiben. Wir “Ex-Betheliten” wissen, dass zw. JW.Org-Anspruch und Wirklichkeit, was ihre geheiligten “Bethel” anbelangt (und es ist eine freche Verhöhnung… Weiterlesen »

Ulla

Hallo Fox, es stimmt, das “Gesetz” kam erst später. Sowohl Adam, wie auch Noah und Abraham sprachen direkt mit Gott (genau genommen mit dem Wort Gottes, dem Werkmeister, später Jesus Christus genannt)… Trotzdem kamen Sintflut und auch, was die Engel zu Lot sagten, war Gottes Entscheid: “Der Herr hat uns nämlich geschickt, die Stadt zu vernichten, er hat von dem abscheulichen Verhalten der Einwohner Sodoms gehört. Deshalb werden wir diese Stadt zerstören.” Da kommen wir nicht drum herum, liebe Fox. Das “Gesetz” hat Jesus Christus durch seinen Tod aufgehoben, nun schnuppern wir etwas von der “Freiheitsluft, die seitdem weht”. Wir… Weiterlesen »

Matthew

und noch ein Kommentar: @Edelmuth – du bist nicht allein glücklicherweise gehört man nicht automatisch zu einer bestimmten Gruppe, nur weil man gemeinsam etwas als falsch erkannt hat.  Aus einem brennenden Haus fliehen ja auch nicht alle automatisch in dieselbe Richtung. Ich selbst kann die viele Kritik an der WTG durchaus nachvollziehen. Aber dann zum anderen Extrem überzugehen, und den Standpunkt einzunehmen, dass alles nun glücklicherweise erlaubt ist, teile ich, genau wie Edelmuth, nicht. Die Bibel lässt durchaus, auch im “Neuen Testament”, den Gedanken zu, dass es einer gewissen Anstrengung durchaus bedarf, Gott wohlgefällig zu sein, zumindest sollte es versucht… Weiterlesen »

Ulla

Liebe Fox, es tut mir leid, sehr leid, sehr sehr leid, wenn dich irgendetwas aus meinem Kommentar emotional überfordert hat. Ich wollte dich nicht “triggern”, mit nix. Genau wie du hasse ich die Tatsache, dass es auf Erden seit Beginn der Menschheit MACHTMISSBRAUCH gibt, ob physisch oder psychisch. Und es tut mir weh, wenn ich lese, wie Menschen wie Tran ebenfalls haben leiden müssen. ÜBERALL hört und sieht man von Alkoholmissbrauch und nur Gott kann ins Herz sehen. Wir haben alle unsere Narben in der einen oder anderen Hinsicht. Mal waren wir Täter, mal waren wir Opfer aufgrund unserer Unvollkommenheit.… Weiterlesen »

Johann@Matthev

Hallo Matthew, deine Anschuldigungen möchte ich doch entschieden zurückweisen. Du schreibst: „die Bibel lässt durchaus, auch im “Neuen Testament”, den Gedanken zu, dass es einer gewissen Anstrengung durchaus bedarf, Gott wohlgefällig zu sein“. Wo bitte hat auch nur ein Kommentator ansatzweise durchblicken lassen, das es keiner Anstrengung bedarf, um Gott zu gefallen? Im Gegenteil, Homosexualität wird von allen als eine sündige Handlung gesehen, die Gott missfällt. Hast du den Bericht von Howie Tran aufmerksam gelesen? Hast du registriert welche Anstrengungen er sein ganzes Leben gemacht hat, um seiner Neigung entgegen zu wirken; leider Erfolglos. Anstatt diese seine Bemühungen zu würdigen… Weiterlesen »

Hubert Jobst

Guten Abend an alle,

 

ich habe zwei Fragen:

1.) Geht irgendjemand von euch heute Abend zum Gedächtnismahl?

2.) Kann mir jemand sagen ob das Gedächtnismahl live im Internet übertragen wird (von irgendeiner Versammlung, aus Selters,….?)

 

Liebe Grüße und Gottes Segen,

Hubert

Kämpferin

hallo an alle, ich lese seit Monaten die Berichte auf BI da ich auch einiges aufzuarbeiten habe. Bin seit über 40 Jahren getauft und könnte ein ganzes Buch schreiben, aber das würde den Rahmen jetzt sprengen. Ich finde die Berichte sehr interessant und auch zum Teil sehr realistisch. Auch viele Kommentare sind gut. Was jetzt da abläuft im Bezug auf Homosexualität wie das einzustufen ist, ist weit hergeholt. Wir sind doch alle überzeugt, dass die Bibel Gottes Wort ist und da werden eindeutig solche Handlungen nicht gutgeheißen. Warum wird hier Ede immer angegriffen, das ist nicht in Ordnung. Warum Menschen… Weiterlesen »

Lichtspender

Lieber Kämpferin,   danke für deine Meinungsäußerung. Ja, viele von uns könnten ganze Bücher schreiben über ihre Erlebnisse “in der Wahrheit” und der Organisation etc. Mit der Zeit wird alles ans Licht kommen. Jesus hat dies klargemacht. Vieles wird aufgedeckt werden. Zu Homosexualität wolltest du sicher sagen: Der Standpunkt der Bibel ist eindeutig und klar, wie Jehova darüber denkt. Wer diese Neigung hat, hat sie, warum auch immer. Nur das Ausleben ist verkehrt und Sünde. Daran darf nicht gerüttelt werden. Auch Alkoholismus ist verkehrt: es darf auch nicht ausgelebt werden. Manchmal erfordert es radikale Schritte, die ebenfalls Christus andeutete mit… Weiterlesen »