Dein Schöpfer möchte, dass du glücklich bist

Kommentar zum gleichnamigen Wachtturm-Studienartikel Dez 2018

Im Mittelpunkt dieses Artikels stehen – wieder einmal – jugendliche Zeugen Jehovas. Wieder einmal legt die WTG fest – angeblich biblisch begründet –  was nach Jehovas Ansicht junge Menschen glücklich macht. Doch ist das, was hier als „glücklich machend“ angepriesen wird, wirklich das, was die Bibel jungen Menschen empfiehlt? Oder verfolgt die Organisation ihre eigenen Interessen? Beachten wir die perfekte Indoktrination, die schon durch die Wahl der Untertitel sichtbar wird:

GEGEN JEHOVAS WEISHEIT KOMMT NICHTS AN

JEHOVA STILLT DEINE GEISTIGEN BEDÜRFNISSE

JEHOVA BIETET DIR DIE BESTE ART VON FREUNDEN

JEHOVA GIBT DIR WERTVOLLE ZIELE

JEHOVA SCHENKT DIR ECHTE FREIHEIT

JEHOVA, JEHOVA, JEHOVA = ORGANISATION

Diese Art der perfekten Beeinflussung führt dazu, dass ein Zeuge Jehovas automatisch Jehova mit der Organisation gleichsetzt. In diesem Bewusstsein möchten wir die Gedanken dieses Artikels prüfen. Absatz 1 beginnt mit den Anmerkungen: 

„ALS junger Mensch hast du wahrscheinlich schon viele Ratschläge für deine Zukunft bekommen. Vielleicht empfehlen dir Lehrer, Berufsberater oder andere, eine höhere Bildung anzustreben und beruflich Karriere zu machen. Jehova rät dir jedoch etwas anderes.“

So, so, die bösen Lehrer oder Berufsberater der Welt raten dir, eine höhere Bildung anzustreben, aber Jehova rät dir etwas anderes? Wer rät dir hier etwas anderes – Jehova oder die WTG? Welchen Rat Jehova den jungen Menschen angeblich gibt, verdeutlicht schon die Titelillustration, sowie immer wiederkehrende Video-Clips auf JW Broadcasting. Dienstleistungen und Aktivitäten im Sinne der Organisation – dies soll der Weg sein, der junge Menschen glücklich macht?

Die bösen Lehrer und Berufsberater möchten, dass du „höhere Bildung“ anstrebst. Vielleicht aber möchtest du das auch. Jehova, besser gesagt, „Jehovas Organisation“ möchte das aber nicht. Warum? Höhere Bildung ist, ihrer Ansicht nach, die Wurzel allen Übels und führt dazu, dass du deinen Glauben an Gott verlierst. Weiter wird orakelt: „ 

 Er (Jehova), möchte dass du dich in der Schule anstrengst, damit du später finanziell auf eigenen Beinen stehen kannst“.

So, so, Bildung darf es schon sein, aber nicht zu viel und vor allem keine Hochschulbildung. Als Fensterputzer brauchst du keine Hochschulbildung, kannst dich aber in deinem Leben redlich, wenn auch sparsam ernähren. Sollte Jehovas Organisation dich im Alter nicht mehr gebrauchen können, dann kannst du finanziell wenigstens auf eigenen Beinen stehen. Zitat weiter:

„Geht es aber darum, was in deinem Leben Vorrang haben soll, wünscht er sich, dass du dich von Grundsätzen leiten lässt, die seinen Willen und sein Vorhaben in der Zeit des Endes berücksichtigen.“ (Mat. 24:14).

Lieber Jugendlicher, der du dich bei deiner Taufe einer gottgeleiteten Organisation hingegeben hast: In Mat. 24:14 geht es nicht um die Frage, was du mit deinem Leben anzufangen hast. Möchtest du wissen, was dort steht? Diese Verse sind einem Zeugen dermaßen geläufig, dass er sich kaum noch die Mühe macht, nachzulesen, was wirklich gesagt wird. Lasst es uns dennoch tun.

Jesus spricht in Matthäus 24 u. a. auch von den Ereignissen, die vor der großen Zeit der Bedrängnis für die Juden, stattfinden sollten und die in einem Sieg der Römer über den jüdischen Aufstand und in der Zerstörung des jüdischen Tempels 70 n.Ch. gipfeln sollten. Und in diesem Zusammenhang sagte er zu seinen Jüngern:

„Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende (des Jüdischen Zeitalters) kommen“.

In Mat 24:14 lesen wir also: Das Evangelium WIRD VERKÜNDET WERDEN – Zukunft. Doch schon in Kol 1:23 stellt der Apostel Paulus fest: Das Evangelium IST verkündet WORDEN – Vergangenheit. Das bedeutet, dass die in Mat 24:14 von Jesus genannte Verkündigung, zu dem Zeitpunkt, als der Kolosserbrief abgefasst wurde, ABGESCHLOSSEN war.

Die Versuche der WTG, aus dieser Vorhersage Jesu einen noch heute, für jeden einzelnen Christen bestehenden “Predigtauftrag” zu konstruieren, haben keine biblische Grundlage. “Das ewige Evangelium” steht im Übrigen, laut Off. 14:6, unter dem Wirken von Engelmächten, welche sich keiner geistgeleiteten Organisation bedienen müssen, die junge Menschen aufputscht und antreibt, damit dieser Auftrag erledigt wird.

Halten wir also fest: Die Organisation ermutigt junge Leute, auf der Grundlage von Mat. 24:14, dazu, jegliche Berufsberatung durch Lehrer oder Berater zu ignorieren, da diese nicht im Sinne der Bibel, besser gesagt – der Organisation, sprechen.

Aber welche Haltung vertritt die Bibel, in Bezug auf Beratung oder Anleitung von Lehrern, Berufsberatern oder Eltern, in der Frage der Berufswahl oder Hochschulbildung für ihre Kinder? Ja, die Bibel spricht z. B. in Sprüche 22:6 von einer Verantwortung der Eltern für die Erziehung ihres Kindes für dessen Lebensweg.  Aber nicht in dem Sinne, dass die Eltern, oder wer auch immer zu entscheiden haben, was das Beste für das Kind zu sein hat.

„Erzieh den jungen Mann am Anfang seines Wegs, dann weicht er auch im Alter nicht davon ab.

Die WTG benutzt diese Verse in ihrem Sinn und sagt: „Erzieh dein Kind gemäß dem Weg, den die Organisation Jehovas für gut befindet.“ Wie der Weg auszusehen hat, entscheiden „theokratisch gesinnte Eltern“ dann anhand solcher Artikel. Der Schreiber der Sprüche hatte sicherlich keine „theokratische Laufbahn“ im Sinn, denn die genaue Übersetzung von Sprüche 22:6 lautet:

„Erziehe den Knaben seinem Wege gemäß*, er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“.

(*Seinem Weg für ihn bedeutet, laut Fußnote der Elberfelder von 1965, „Der Natur des Knaben angemessen“.)

Oder: „Erziehe den Knaben (dein Kind) angemessen für seinen Lebensweg, denn er wird auch im Alter nicht davon abweichen“. 

„Der Natur des Knaben angemessen“ bedeutet, dass man seine Begabungen, Neigungen und Fähigkeiten berücksichtigt, so wie es seriöse und uneigennützige Lehrer und Berufsberater tun.

Gibt es darüber hinaus noch irgendwelche biblischen Beispiele, auf die wir uns beziehen könnten, um zu zeigen, wie Jehova oder Jesus Bildung oder eine „weltliche Karriere“ beurteilen? Welche schriftlichen Beweise könnte man anführen, um die Behauptung zu untermauern, dass Gott junge Menschen auffordert, Hochschulbildung abzulehnen?

Es gibt keine. Deshalb muss die WTG wieder auf ihre bekannte Taktik der Zirkelschlüsse zurückgreifen, wie im Abs. 3. Da bezeichnet man Lehrer und Berufsberater als falsche Ratgeber und stellt sie indirekt mit Satan auf eine Stufe, Zitat:

„Satan trat damals als schlechter Ratgeber auf und redete Eva ein, sie und ihr Mann wären glücklicher, wenn sie ihr Leben so leben, wie sie es wollen.“  (1. Mo. 3:1-6)

Hallo, geht’s noch? Da stockt einem aber der Atem, ob solcher skurrilen Argumentation. Lehrer und Berufsberater vergleicht man hier mit Satan? Hier wird mal schnell, weil es so gut ins Konzept der WTG passt, Satan als „Berufs- oder Zukunftsberater“ bezeichnet. Interessanterweise wird dieser Begriff niemals in Verbindung mit Satan verwendet. Satan bot weder Adam, noch Eva Rat oder Anleitung an, er betrog sie oder führte sie in die Irre, mehr nicht.

JEHOVA STILLT DEINE GEISTIGEN BEDÜRFNISSE

Abschnitt 6 betont richtigerweise, dass Menschen geistige Bedürfnisse haben, die nur unser Schöpfer befriedigen kann, Zitat:

„Wenn du Gott aufmerksam zuhörst, gibt er dir Einsicht und Weisheit, und es macht dich glücklich. Jesus sagte: „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“ (Mat. 5:3).

Aber dann geht es weiter mit:

„Gott stillt diese Bedürfnisse durch sein Wort und die große Menge geistiger Nahrung, die er dir durch den „treuen und verständigen Sklaven“ zur Verfügung stellt.“

Hier wird einfach so behauptet, dass Gott unsere geistigen Bedürfnisse durch „den treuen und verständigen Sklaven“ befriedigt. Also, durch die Männer, die an der Spitze einer Religionsorganisation stehen. Alleine mit der Bibel, dem Wort Gottes – so wird postuliert – kannst du deine geistigen Bedürfnisse nicht befriedigen. Hier wird in bewährter Form Richtiges mit Falschem vermischt, wenn es weiter heißt:

„Die geistige Nahrung von Gott macht dich weise und schärft deine Denkfähigkeit. Es hilft dir zum Beispiel, falsche Lehren zu identifizieren. (Das ist korrekt.) Auch fällst du nicht auf die Lüge herein, Geld und Besitz würden glücklich machen. Und du kannst Wünsche und Verhaltensweisen, die dir schaden können, leichter erkennen und vermeiden. Gib deshalb dein Bestes, dir Weisheit und Denkfähigkeit anzueignen.“

Dieser Absatz ist wieder ein treffendes Beispiel dafür, wie geschickt die WTG die Gedanken Gottes zu Ihrem Nutzen verdreht. Das, was hier den jungen Zeugen als der beste Lebensweg angepriesen wird, ist funktionales Handeln, im Sinne der Organisation. Die Aufnahme der „geistigen Nahrung“ wie sie durch den „Sklaven“ verabreicht wird, ist in diesem Falle unverzichtbar, um sich auf den besten Lebensweg zu begeben:

“Persönliches Studium” ist WTG-Sprache. Persönliches Studium bedeutet intensives Studieren der WTG-Literatur, zum Zwecke der Selbstindoktrination.

Zitat “Wachtturm”, vom 15.3.1982 S. 20 Abs. 13:  “Wenn wir Hiob nachahmen und … IN DEN VERÖFFENTLICHUNGEN DER WACHTTURM-GESELLSCHAFT … forschen um mehr über die neuzeitliche Erfüllung des Wortes Gottes zu erfahren, wird es uns leichter fallen, in der Wahrheit ‘standhaft und unbeweglich’ zu bleiben.”

Hallo, geht es noch absurder?„Hiob forschte in Veröffentlichungen der WTG“? 

Im Abs. 8 wird eine weitere mutige Behauptung aufgestellt, indem man Habakuk Kapitel 3 aus dem Zusammenhang zitiert und dramatisch behauptet:

„Satans Welt wird bald in sich zusammenfallen und wir werden nur bei Jehova sicher sein. Vielleicht wissen wir irgendwann nicht einmal mehr, wo wir ohne Jehovas Hilfe unsere nächste Mahlzeit herbekommen sollen! (Hab. 3:2,12-19). Bau deshalb jetzt eine enge Bindung zu deinem Vater im Himmel auf und stärke dein Vertrauen in ihn.“

„Bald wird die Welt Satans zusammenbrechen, und Jehova ( gemeint ist „seine Organisation“) wird unsere einzige Sicherheit sein. Vielleicht wissen wir bald nicht mehr, wo wir ohne Jehovas Hilfe unsere nächste Mahlzeit herbekommen sollen“! Dies wird im allgemeinen als plumpe Angstmache bezeichnet. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit des Publikums durch Angst und nicht durch vernünftige Überlegungen zu gewinnen. Aber: Als Christen brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, wann Satans Welt zu Ende gehen wird.

JEHOVA BIETET DIR DIE BESTE ART VON FREUNDEN

Im Abs. 9 werden die besonderen Freundschaften unter Jehovas Zeugen betont, Zitat: „Was ist das Besondere daran, wenn man Glaubensbrüder trifft“?

Vollmundig wird dann behauptet: Jehova zieht nur gute und wertvolle Menschen in die Wahrheit, in die Organisation. Dieser Logik zufolge trifft man dann auch nur dort auf gute und wertvolle Menschen:

„Über andere Menschen weißt du wahrscheinlich nicht viel mehr als ihre Namen und wie sie aussehen. Deshalb meide Freundschaften mit diesen Menschen. Wahre Freunde findest du nur unter Dienern Jehovas.“

Auf diese platte Argumentation sollte man eigentlich nicht näher eingehen. „Meide Menschen die du nicht kennst und schließe keine Freundschaften mit ihnen“, ist eine direkte Aufforderung zur Abkapselung. Nur so viel: Jesus Christus hat uns das Gegenteil vorgelebt.

Diese Aussage ist nur im Sinne des WTG-Kastendenkens nachvollziehbar:  Wir, in der Organisation sind die guten Menschen und draußen, in „der Welt“, sind die schlechten Menschen, die es zu meiden gilt. Menschen, die in ihrem Denken gleichgeschaltet wurden, kann man leichter manipulieren. Genau das ist das Besondere der Glaubensbrüder – sie denken gleich und laufen den gleichen Verführern nach.

Und was die „guten Freunde“ angeht, die du angeblich nur in Jehovas Organisation findest: Da haben tausende ehemalige Zeugen ganz andere Erfahrungen machen müssen. Freundschaften unter Jehovas Zeugen sind immer bedingt. Viele haben mit der Zeit erkennen müssen, wie sehr ihre angeblichen Freundschaften innerhalb der Zeugengemeinde unter Vorbehalten stehen. Das ist nicht in erster Linie die Schuld der Menschen; sie sind vielmehr Opfer des Systems der WTG. In Wirklichkeit steht jeder Zeuge Jehovas vollständig unter Vorbehalt, ob er als Glied der Gemeinde akzeptiert wird.

Schon eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen erfordert, dass man die Gesamtheit der wahren Lehren der Bibel akzeptiert, einschließlich jener biblischen Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten. Für eine Freundschaft genügt es nicht, „die wahren Lehren der Bibel“ zu akzeptieren; nein, es müssen es auch alle Glaubensinhalte, die nur Jehovas Zeugen vertreten,akzeptiert werden.

In diesem Zusammenhang spricht man vom Muster der reinen Sprache.

Der besitzergreifende Geist der Organisation erschafft ein Klima in den Freundschaften unter Jehovas Zeugen, in dem die selbstlose, mutige und selbstaufopfernde Loyalität, die wahre Freundschaft kennzeichnet, unmöglich ist.

Abs 10 spielt auf die schon erwähnte, angeblich gemeinsame „reine Sprache“ an – die Sprache der Wahrheit. Was genau versteht die WTG darunter?

Zitat: „Jeder von euch weiß, was der andere glaubt — ob es um Gott geht, um Moral oder die Zukunft, um nur einiges zu nennen. So etwas über jemanden zu wissen ist wichtiger als alles andere. Es schafft Vertrauen und ist eine Grundlage für gute Freundschaften, die ewig halten.“

Ein ganz gefährlicher und hinterhältiger Satz. Er will sagen: Zu wissen, was dein Freund denkt, ist wichtiger als alles andere. Achte darauf, was dein Freund wirklich denkt, ob er noch die „reine Sprache der Wahrheit“ spricht und ob er noch deine Freundschaft verdient.

Die Argumentation ist natürlich falsch. Stell dir vor, zwei Personen aus verschiedenen Städten und verschiedenen Gymnasien besuchen dieselbe Universität. Beide haben den gleichen akademischen Lehrplan durchgenommen, es wurden die gleichen Lehrbücher verwendet, und sie wurden mit derselben Methode zur Lösung komplexer Probleme unterrichtet, und, nehmen wir weiter an, dass selbst ihre religiöse Prägung identisch ist. Nimm außerdem an, dass die Personen, die den Lehrplan der Schule überwachen und die Lehrbücher genehmigen, für beide Schüler dieselben Personen sind.

Wenn sich diese Studenten zum ersten Mal treffen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie einige Gemeinsamkeiten haben. Sie teilen die gleichen Prinzipien, die gleichen religiösen und moralischen Überzeugungen und verfolgen bei der Lösung von Problemen möglicherweise den gleichen Ansatz.

Nun tauschen wir den Lehrplan und die religiöse Prägung dieser beiden Studenten aus gegen die Doktrin der WTG, sie sind beide Zeugen Jehovas. Tauschen wir nun die Personen, die den Lehrplan zusammenstellen und beaufsichtigen, mit der leitenden Körperschaft, dem treuen und verständigen Sklaven aus. Ist die Aussage dann noch sinnvoll?

Nur, weil sie die gleiche Lehre verinnerlicht und die gleiche religiöse Prägung erfahren haben, bedeutet das nicht, dass Sie mehr über ihr Gegenüber wissen würden, als über andere.

Es handelt sich hier um einen plumpen Versuch der Organisation, ein falsches Gemeinschaftsgefühl unter den Zeugen Jehovas herzustellen, verbunden mit einem elitären Anspruch, der die Mitglieder denken lässt, sie sind die Guten, weil sie Jehova dienen, während außerhalb der Organisation die Schlechten zu finden sind, die Jehova nicht dienen.

JEHOVA GIBT IHNEN WERTVOLLE ZIELE

Die in Abs. 12 genannten Ziele sind grundsätzlich natürlich wertvolle Ziele für alle, die sich zu Christus bekennen. Der Absatz enthält sogar einige allgemein anerkannte Wahrheiten, wenn gesagt wird:

„Ein Leben, das von säkularen Ambitionen und Bestrebungen geprägt ist – selbst wenn dieses sehr erfolgreich erscheint – ist letztendlich ein Leben der Sinnlosigkeit“.

Wenn wir das Streben nach materiellen Dingen und eine weltliche Karriere zum Hauptzielin unserem Leben machen, unter Ausschluss unserer spirituellen und emotionalen Bedürfnisse, können wir das Leben als weniger erfüllend empfinden. Insofern ist der Hinweis auf Salomo richtig. Gerne führt die WTG in diesem Zusammenhang auch die Worte Jesu aus Matthäus 6:33 an.

Doch beachte: Jesus sagte in Matthäus 6:33, wir sollten “zuerst“ und nicht „nur“ das Reich Gottes suchen. Jesus wusste, dass für ein wirklich erfülltes Leben ein guter Ausgleich erforderlich war.

Die WTG möchte ihre Anhänger glauben machen, dass jeder Christ nur zwei Entscheidungen treffen kann. Entweder sein gesamtes Leben der Verfolgung theokratisch/organisatorischer Ziele (geistige Ziele im Sinne der WTG) zu widmen, wie dem Bau von Königreichssälen oder anderer theokratischer Bauprojekte, Arbeit in den verschiedenen Zweigbüros auf der ganzen Welt oder dem Predigtdienst, mit mindestens 70 Std. Monatspensum oder mehr, als Pionier.

Die andere Möglichkeit, sich für eine höhere Ausbildung oder eine Karriere in dieser Welt zu entscheiden, führt nach Ansicht der WTG zu einem unerfüllten Leben, das von Gott missbilligt wird. Dass ein Mensch eine höhere Ausbildung und dennoch spirituelle Ziele verfolgen kann, scheint in der Logik der WTG verständlicherweise keinen Platz zu haben.

JEHOVA SCHENKT DIR ECHTE FREIHEIT

Im Absatz 16 spricht die WTG von „echter Freiheit“ mit der Organisation, indem sie die Worte des Paulus aus 2. Korinther 3:17 zitiert: „Wo der Geist Jehovas (des Herrn) ist, da ist Freiheit.“ Dass Freiheit auch Verantwortungsbewusstsein bedeutet, ist unbestritten. Doch muss deshalb hier wieder die moralische Keule geschwungen werden? Zitat:

„Vielleicht kennst du Jugendliche, die sich Pornografie ansehen, sexuell unmoralisch handeln, Extremsport betreiben, Drogen nehmen oder sich betrinken“.

Pornografie, sexuelle Unmoral, Extremsport – alles wird in einen Topf geworfen und kräftig umgerührt. Was hat sexuelle Unmoral mit Extremsport zu tun? Nichts. Hier wird eine Gedankenverbindung hergestellt, sexuelle Unmoral ist schlecht und Extremsport ist genauso schlecht, sowie auch Hochschulbildung oder das Streben, seine musikalischen und sportlichen Neigungen und Begabungen für eine erfolgreiche Kariere zu nutzen.

“Wenn man die vorangegangenen Absätze dieses Artikels gelesen und verstanden hat, weiß man, dass die Organisation versucht, festzuschreiben, was für junge Menschen der richtige und zum Glück führende Lebensweg ist. Was Jehova und „seiner Organisation“ nützt, ist gut und macht glücklich, alles andere macht nur unglücklich. Es ist pure Ironie, wenn in diesem Artikel 2. Korinther 3:17 zitiert wird: „Wo der Geist Jehovas (des Herrn) ist, da ist Freiheit.“

Der Kontext wird vollständig ignoriert und der Vers zur Unterstützung der eigenen Organisationsagenda vergewaltigt. Wenn du Zeit haben solltest, lies alle 18 Verse in 2. Korinther Kap. 3, um die wahre Bedeutung der zitierten Wörter zu verstehen. Du wirst feststellen, Paulus sprach in diesem Zusammenhang von der Decke der Verblendung, die noch über seinem Volk lag und es gefangenhielt. Er hoffte, dass diese bald weggenommen würde, damit sie die wahre Freiheit durch Christus erkennen könnten.

Um dieses Erkennen des Christus und die damit verbundene Freiheit ging es ihm. In Wirklichkeit hat die Organisation der WTG kein Interesse an wirklicher christlicher Freiheit. Sie duldet keine Toleranz gegenüber denjenigen, die ihre Richtlinien anzweifeln oder hinterfragen. Wenn die Organisation wirklich ein Ort der Freiheit wäre, würde sie nicht diejenigen bestrafen, die Klarheit über Lehrfragen der WTG, die im Widerspruch zu dem stehen, was die Bibel lehrt, suchen.

Warum verteufelt die WTG so vehement „weltliche Bildung“? Gibt es irgendwelche biblische Belege dafür, das weltliche Bildung von Gott weg führt? Mose, Daniel und seine Freunde oder auch Paulus – alle genossen weltliche Bildung. Da sie zu verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte und unter verschiedenen menschlichen Herrschern lebten, ist es nachvollziehbar, dass ihre Ausbildung sehr unterschiedlich gewesen sein muss. Doch ihre „weltliche Bildung“ und ihre weltlichen Karrieren waren kein Hindernis dafür, von Gott oder Jesus Christus gebraucht zu werden. Sie blieben bis zu ihrem Lebensende treue Diener Gottes.

Letztendlich war für Jehova nicht von Bedeutung, ob sie ungebildet waren oder eine Ausbildung und Karriere gemacht hatten, sondern wichtig war ihre Herzenseinstellung. Dieser Artikel hat jungen Menschen nicht gezeigt, wie sie wahres Glück finden können, sondern sie lediglich motiviert, ihr Leben in den Dienst einer Organisation zu legen, um so ein Leben im Dienste für Gott zu führen.

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Heinz G.

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