Belastungen mit denen speziell Jehovas Zeugen zu tun haben

Betrachtung zu dem Wt-Studienartikel 6/19, S. 8, – Stütz dich bei Belastungen auf Jehova

In diesem Artikel geht es um speziell Belastungen mit denen Jehovas Zeugen zu tun haben. Und wie üblich können die Autoren der WTG auch gleich einen vermeintlich passenden Bibeltext aus der NWÜ zitieren: „Ich stehe … unter großer Belastung“ (1. Samuel 1:15). Und schon an dieser Stelle muss man konstatieren, dass dieser Text natürlich nichts mit dem zu tun hat, was im Verlauf dieses Artikels als „Belastung“ angesprochen wird, außer eben, dass der Begriff „Belastung“ verwendet wird.

Es geht in 1. Samuel 1:15 um Hanna und ihre Verzweiflung darüber, dass sie noch keinen Nachkommen hatte. Keine Bibelübersetzung gebraucht in diesem Zusammenhang den Begriff „Belastung“, sondern es wird von „unglücklich“ oder „betrübt sein“ gesprochen. Also geht es überhaupt nicht um allgemeine Belastungen, denen man sich nicht mehr gewachsen fühlt, wie es der Artikel suggerieren will. Die merkwürdige Übersetzung dieses Textes scheint wie maßgeschneidert um ihn als Referenztext zur Besprechung der tatsächlichen, leider aber hausgemachten Belastungen, heutiger Zeugen Jehovas heranzuziehen.

Vor dem Hintergrund, dass Jehovas Zeugen von ihrer Organisation geradezu mit Lasten und angeblichen Forderungen Jehovas überschüttet werden, erweist sich der Artikel jedoch kaum als probate Hilfe für den einzelnen, stressgeplagten Zeugen. Der Artikel beginnt im Abs. 3 mit einem Verweis auf Philipper 4:6, 7 und einer Feststellung, der ein Christ kaum widersprechen wird: „Unser Schöpfer und liebevoller Vater Jehova weiß, wie uns Belastungen zusetzen, und er will uns helfen.“ Philipper 4:6, 7

 

Philipper 4:6, 7 ist wahrscheinlich die hilfreichste und wichtigste Schriftstelle in diesem Wachtturm-Artikel, aber leider wird in weiterer Folge nicht weiter darauf eingegangen, schade. Jedoch fällt schnell auf, dass dieser Text die Betonung sowieso weniger auf Jehova Gott als liebevollen Vater legt, als vielmehr auf Jesus Christus, was den nur oberflächlichen Bezug auf den Text wohl erklären dürfte . Wir lesen dort:

Macht euch um nichts Sorgen, sondern lasst Gott in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Dank wissen, was eure Bitten sind.Dann wird der Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, euer Herz und eure Denkkraft durch Christus Jesus behüten.“

Und so fehlt im gesamten Artikel mal wieder der Hinweis auf Jesus Christus als Garant des Friedens Gottes. Nur in Verbindung mit Jesus Christus ist dieser Friede Gottes zu erfahren, eine Tatsache, welche andere Bibelübersetzungen explizit hervorheben, z. B. die H.f.A: „… weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid“

Hier mögen wir auch an die Worte des Paulus aus Kol. 3:15 erinnert werden: Der Friede des Christus regiere in euren Herzen“ (Kol 3,15). Was bedeutet es, den Frieden Gottes mit Christus zu haben?

Nur in Verbindung mit Christus erfahren wir den Frieden Gottes. Nur in Verbindung mit Christus zeigt sich die Treue Gottes unserer Untreue zum Trotz. Freilich nimmt er uns unsere alltäglichen Sorgen, unsere Unruhe nicht völlig ab, aber hinter all den Sorgen wissen wir uns getragen und in Einheit mit dem ewigen Leben Gottes. Wir wissen,dass Gott den Riss, den wir immer wieder schmerzlich empfinden durch Christus geschlossen hat. Dieses Wissen erlaubt es trotz unserer Sorgen und Probleme den Frieden Gottes zu erfahren. Doch diesen Frieden durch Christus will uns der Artikel letztendlich verwehren. Stattdessen wird Jehova als der große Problemlöser positioniert, wobei Jehova letztendlich als Synonym für die Organisation zu verstehen ist. Zitat Abs. 9:

„Vertraue Jehova also deine Probleme immer wieder an. Er wird nicht direkt mit dir sprechen, sondern durch sein Wort, und seine Organisation.“  

Wann immer der wohlkonditionierte, organisationstreue Leser liest: „Jehova hilft dir“, „Jehova macht es dir möglich“ oder „Jehova fühlt mit dir“, versteht er, die „Organisation“ hilft dir oder hat Verständnis für deine Situation. Und darum geht es der WTG und ihren Autoren, nicht nur in diesem Artikel. Über den Namen Jehova möchte man die Organisation in die Herzen und das Denken der Leser pflanzen. Von daher ist es kein Wunder, dass Jesus Christus im gesamten Artikel nicht erwähnt wird, er spielt keine Rolle bei der Lösung deiner Probleme. Doch halt, nein, einmal wird Jesus Christus doch erwähnt, gleich im ersten Absatz, aber nicht als Problemlöser, sondern als der, welcher Probleme vorhersagt, Zitat:

„JESUS sagte in einer Prophezeiung: „Passt . . . auf euch auf, damit euer Herz niemals durch . . . die Sorgen des Lebens schwer beladen wird.“

Die Autoren der WTG greifen in gewohnter Manier viel lieber auf alttestamentarische Beispiele zurück um Jehova als den Problemlöser zu positionieren anstatt auf Jesus Christus zu verweisen.

Um welche Herausforderungen geht es der WTG?

Um welche Herausforderungen es der WTG geht wird deutlich an den Beispielen, die sie in diesem Zusammenhang konstruiert. Da wird z.B. das Leid eines Bruders namens John aufgegriffen, der an multipler Sklerose leidet. Seine Frau hat ihn nach 19 Jahren verlassen und seine zwei Töchter wandten sich von Jehova ab, sprich, sie haben die Organisation Jehovas verlassen, er war völlig am Boden zerstört.

Es werden bewusst äußerst extreme Probleme angeführt, mit dem Ergebnis das 90% der Zuhörer dann auch wirklich ein schlechtes Gewissen bekommen. Der betreffende Bruder namens John schaffte trotz seiner schweren Krankheit Jehova, sprich seiner Organisation, sein Bestes zu geben. Ähnlich das angeführte Probleme von Bob und Linda. Sie verloren ihre Arbeit und ihr Zuhause, hatten mit einer Krankheit zu kämpfen, die zum Tod führen kann. Die unmissverständliche Botschaft des Sklaven: „Es gibt für dich, der du weder schwer krank bist, noch in Armut lebst, doch wirklich keinen Grund weniger tätig zu sein als diese vorbildlichen Brüder.“ Für all diese Probleme findet der Sklave wie immer biblische Beispiele aus dem Alten Testament, die dir angeblich Mut machen sollen aber in der Summe nur das Gegenteil bewirken, nämlich Entmutigung und ein schlechtes Gewissen.

Beispiele aus dem Alten Testament

In diesem Artikel wird in den Absätzen 4 bis 6 auf Elia verwiesen. Ich bin mir nicht sicher, was mit diesem Hinweis auf Elia erreicht werden soll, wenn gesagt wird:„Elia, ein Mann mit Gefühlen wie den unseren“. Warum ist das so erwähnenswert? Alle Menschen haben ähnliche Gefühle. Ich sehe hier nicht in wie weit Elia etwas mit meinen heutigen, alltäglichen Sorgen und Problemen zu tun haben soll. Mit dieser Feststellung soll wahrscheinlich erreicht werden, dass sich der Leser erst einmal mit Elia identifiziert.

Ja, Elia hatte sicherlich Gefühle wie wir, aber dennoch in einer ganz anderen Lebenssituation wie ich oder wir. Er wurde als Prophet direkt von Gott berufen, was auf keinen heutigen Menschen zutrifft. Die Herausforderungen, die Elia zu bewältigen hatte sind weit entfernt von den Problemen der heutigen Zeugen Jehovas, auch wenn die Autoren der WTG diesen Gedanken vermitteln wollen. Und so ist es kein Wunder, dass den einzigen gemeinsamen Nenner, den der Artikel herausstellt, der Dienst für Jehova ist, Zitat:

„Elia diente Jehova in schwierigen Zeiten und er stand vor großen Herausforderungen. Auch er überlebte nur mit Jehovas Hilfe und konnte mit Jehovas Unterstützung rechnen solange er als Prophet Jehova diente. Elia hatte eine Menge Beweise dafür, dass ihm Jehova in diesen belastenden Zeiten zur Seite stand“.

Eine geschickte manipulative Aussage! Zuerst fällt natürlich der absolute „Jehova-Overkill“ auf: Fünf mal „Jehova“ in so einem kurzen Abschnitt! Wir erinnern uns , der Name „Jehova“ erzeugt im manipulierten Gehirn eines Zeugen Jehovas sofort die gedankliche Verbindung zur „Organisation“. Dann die explizite Botschaft: „Elia diente wie du unter schwierigen Umständen und auch er überlebte nur mit Jehovas Hilfe, solange er Jehova diente“.  Dekodiert lautet die Botschaft also: „Solange du der Organisation eifrig zu Diensten bist, ist dir ihre wohlwollende Anerkennung und das Überleben sicher. Halte dich deshalb eng an die Anweisungen der Organisation Jehovas!“. In Absatz 8 heißt es sinngemäß:

Wenn dich Stress und Belastung entmutigen und belasten dann denke an Elia. Jehova lädt dich ein, deine Sorgen bei ihm abzuladen. Er wird reagieren und wird zu dir durch die Bibel und seine Organisation sprechen. Diese Berichte der Bibel geben dir Trost und Hoffnung, wenn du eng mit der Organisation verbunden bleibst und trotz aller Probleme die Versammlungen besuchst. Weil, alles was früher geschah ist für uns heute als Anleitung aufgeschrieben worden. Röm 15:4

Hier werden unzulässige Parallelen gezogen. Die am Beispiel Elias angeführten Probleme sind ganz anderer Natur als die eines Zeuge Jehovas heute. Elia diente als Prophet Gottes und dachte, dass sein Kampf für die wahre Anbetung vergeblich ist. Und das ist der Punkt an dem der Artikel versucht eine Verbindung zu den Empfindungen „moderner“ Zeugen herzustellen. Zitat:

„Elia war so mutlos, dass er nur noch sterben wollte. Wie kam das? Vielleicht war ihm der Druck zu viel und er war körperlich zu erschöpft.“

 

Vielleicht war ihm der Druck zu viel …Es ist interessant, dass der Artikel in Verbindung mit Elia das Thema Druck anspricht. Tatsächlich leiden viele der heutigen Zeugen auch beträchtlich unter dem Druck, den der Sklave auf sie ausübt. Wie hier schon oft angeführt, gibt es zahlreiche Beweise dafür, dass es sich bei der Organisation nicht um Jehovas, sondern um eine von Menschenhand geschaffene Organisation handelt. Wer, wie erwartet, die Versammlungen regelmäßig besucht, die Literatur liest oder sich regelmäßig JW Broadcasting antut hat eine hohe Wahrscheinlichkeit genau diese Art von Problemen zu bekommen. Wie die WTG richtig bemerkt haben viel Zeugen Jehovas das Gefühl, einen vergeblichen Kampf für die wahre Anbetung zu führen. Es ist nie genug, was Gott angeblich von ihnen erwartet. Immer mehr, immer größere Ziele müssen angestrebt werden und die Akzeptanz innerhalb der „Organisation Gottes“ hängt von der erbrachten Leistung ab. In diesem Artikel geht es nicht um deine persönlichen Probleme, nein, die spielen keine Rolle für die WTG. Es geht um deinen nachlassenden Eifer und Einsatz für Jehova, sprich „die Organisation“. Der Absatz 10 bringt es auf den Punkt worum es der Organisation geht, Zitat:

„Jehova half Elia, mit Belastungen zurechtzukommen (damit er ihm viele Jahre treu dienen konnte). Wenn wir uns auf Jehova stützen, gibt er uns die Kraft, damit wir ihm weiter dienen können.“

Die angeführten Beweise der Hilfe Jehovas für seine damaligen entmutigten Dienern können auch aus einem weiteren wichtigen Grund nicht greifen. Es gab nämlich klare Belege dafür, dass Jehova die damaligen Israeliten als sein besonderes Volk auserwählt hatte. Heute gibt es keinerlei Beweise dafür, dass Jehova und Jesus eine bestimmte religiöse Organisation als sein besonderes Volk erwählt hätten, auch wenn die WTG alle möglichen und unmöglichen „Beweise“ anführt um ihre Erwählung zu begründen. In der Tat gibt es ein Gleichnis Jesu, das besagt, „wahre Christen sind wie einzelne Weizenhalme im Unkraut“, also nicht organisiert (Matthäus 13: 24-31).

Aus den in diesem Artikel angeführten Beispielen sollen Jehovas Zeugen nur eine Lehre ziehen: „Ihr dürft euch nicht von Jehova und seinem Volk absondern, egal was passiert und in welcher Situation ihr euch befindet“. In Absatz 17 wird diese Sichtweise von einer sogenannten Sophia wiedergegeben, nach der sich jeder in der Organisation richten sollte, Zitat: 

„Ich habe festgestellt, dass ich umso besser mit Stress und Sorgen umgehen kann, je mehr ich in den Dienst und in meine Gemeinde involviert bin.“

Also, je mehr du dich belastet fühlst umso mehr setze dich für Jehova ein. Genau das ist es jedoch, was vielen Zeugen erst recht wieder Stress und Probleme bereitet. Sie versuchen, ihren Stress und ihre Probleme mit immer mehr Dienst zu überwinden, in der Überzeugung, dass Jehova auf diese Weise alle ihre Probleme für sie lösen wird.Wie anders war Jesus eingestellt, er forderte seine Nachfolger auf:

„Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Mat 11:30

Wie Studien ergeben haben, sind Menschen durch die belastende Wachtturm-Ideologie psychisch überdurchschnittlich häufig schweren Belastungen ausgesetzt. Ein Zeuge Jehovas, welcher sich dieser Wachtturm-Ideologie voller Überzeugung aussetzt, muss sich ständig behaupten und beweisen um Jehova und den Lehren der Wachtturm-Gesellschaft die Treue halten. Er befindet sich ständig in einem „geistigen Krieg gegen Satan und die böse Welt“. Alles um ihn herum ist böse und gefährlich. Seine Mitmenschen betrachtet er höchstens als potentielle zukünftige Diener Gottes, die es zu bekehre gilt.

Gleichzeitig wird erwartet, dass er Distanz zu diesen „Weltmenschen“ hält. Er betrachtet sie als „Ungläubige“ anstatt als Andersgläubige und muss sich unter allen Umständen vor deren „weltlicher Gesinnung“ schützen. Zitat, w18.01, S 27, Abs. 1, 2

„Viele, die im Gesundheitswesen tätig sind, kommen mit ansteckenden Krankheiten in Berührung. Sie helfen ihren Patienten gern, müssen sich aber vor Infektionen schützen. Ebenso ist es mit uns.Viele von uns leben und arbeiten mit Menschen zusammen, die Charakterzüge aufweisen, welche im Gegensatz zur christlichen Persönlichkeit stehen. Das stellt eine Gefahr für uns dar. … Obwohl es uns vielleicht schockiert, dass es immer mehr Menschen mit solchen Eigenschaften gibt, könnten ihr Verhalten und ihre Denkweise auf uns abfärben. Daher müssen wir uns davor schützen, uns mit negativen Wesenszügen zu infizieren, wenn wir anderen in geistiger Hinsicht helfen.“

Ja, es stimmt, der Apostel Paulus ermahnt Christen „kein Teil der Welt zu sein“. Aber der von Jehovas Organisation ausgeübte Druck „sich von der Welt getrennt zu halten“ wiegt schwer. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der unberührt bleibt. Das Teilnehmen am politischen Geschehen, der freundschaftliche Umgang mit Arbeitskollegen oder Mitschülern bis hin zu Alltagshandlungen, der Kontakt zur „Welt“ soll sich auf das Nötigste und das Predigen beschränken. Aber auch innerhalb der Gemeinschaft müssen die einzelnen Zeugen auf der Hut sein um den hohen moralischen Erwartungen derOrganisationJehovaszu entsprechen. Jehovas Zeugen geraten durch die extreme Auslegung biblischer Moralanforderungen seitens der WTG unter ständigen Druck.

Auf Grund des Versagens auf moralisch sittlichem Gebiet fühlen sich viele unwürdig und haben das Empfinden kein wahrer Zeuge Jehovas zu sein. Das kann im schlimmsten Fall starke Depressionen hervorrufen. Die Wachtturm-Gesellschaft hält sich für den von Jesus angeblich eingesetzten „treuen und verständigen Sklaven, der geistige Speise zur rechten Zeit“ austeilt. Der Belehrung (geistigen Speise) des Sklaven darf nicht widersprochen werden. Wer seine Zweifel anderen gegenüber äußert gilt als „einer der Spaltungen verursacht“ und kann im schlimmsten Fall mit „Gemeinschaftsentzug“ (völliger Isolation) bestraft werden. Diese ständige Angst vor einem Gemeinschaftsentzug hält die meisten Zeugen bei der Stange und lässt sie die strenge Bevormundung durch die „Organisation Jehovas“ über sich ergehen, allerdings mit katastrophalen Folgen für die psychische Gesundheit. Hilfe durfte ein Zeuge Jehovas bis vor nicht allzu langer Zeit allerdings nur von Jehovas Organisation in Anspruch nehmen.

In der Vergangenheit warnte die Wachtturm-Gesellschaft dringend davor Hilfe von Psychotherapeuten oder Psychiatern anzunehmen. Angesichts zunehmender psychischer Probleme unter Jehovas Zeugen hat man diese Ansicht schließlich etwas gelockert. Doch der Rat des Therapeuten muss mit der Bibel und der Wachtturm-Literatur verglichen werden und darf nur dementsprechend angenommen oder verworfen werden. Das erschwert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der Zeuge Jehovas darf auf keinen Fall „schlechtes Licht auf die Wahrheit werfen“. Das heißt, er wird dem Therapeuten seine inneren Konflikte im Umgang mit diesem Glauben nicht anvertrauen. Wie eingangs erwähnt ist vor diesem Hintergrund dieser Artikel wohl kaum eine wirkliche Hilfe für stressgeplagte Zeugen Jehovas. Und auch der Verweis auf Römer 8:37-39 am Schluss dieses Artikels erweist sich als wenig hilfreich, da er aus dem Kontext gerissen, die eigentlich darin enthaltene trostreiche Botschaft verwischt, Zitat Abs. 18,19:

„Jehova verspricht uns nicht nur, dass in Zukunft alles besser wird, sondern er reicht uns auch heute bei Belastungen die Hand. In Römer 8:37-39 versichert uns der Apostel Paulus, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann.

Lasst uns diese Verse aufmerksam und im Kontext lesen: 

„Mitten im Leid triumphieren wir über all dies durch Christus, denn ich bin sicher: Weder Tod noch Leben, …, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges … weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas auf der Welt können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.“

Diese Worte enthalten eine wirklich trostreiche Botschaft, auch für die stressgeplagten Zeugen Jehovas. Leider wird ihnen die wahre und eigentliche Botschaft dieses Verses vorenthalten. Die Verse unmittelbar davor zeigen worum es Paulus wirklich ging.

„Wer wollte es wagen, (uns) zu verurteilen? Keiner, denn Jesus Christus ist für (uns) gestorben, ja, er ist auferweckt worden und hat seinen Platz an Gottes Seite eingenommen. Dort tritt er jetzt vor Gott für uns ein. Was also könnte uns von Christus und seiner Liebe trennen? Leiden und Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer Tod?  Weil wir zu dir, Herr, gehören, werden wir überall verfolgt und getötet!“

Wie der Kontext zeigt, wurden diese Verse speziell für die damaligen Christen geschrieben, die wegen Jesus bösartigen Verfolgungen ausgesetzt waren. Es ging nicht um Alltagsstress oder den Druck die Forderungen einer Organisation zu ertragen. Natürlich kann der Text auch dahingehend erweitert werden. Doch es ist schon erstaunlich, dass es die WTG schafft, Christus als unseren Retter von jeglicher Art Drangsalen außen vor zu lassen, und stattdessen Jehova und seine Organisation zu positionieren. Diese Worte von Paulus versichern uns, dass die Ängste, der Druck und die Schuld, welche die Organisation Jehovas allen Zeugen auflädt, uns nicht von der bedingungslose Liebe Christi trennen kann, solange wir unsererseits einfach unser Bestes geben, um wahre Christen zu sein.

 

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Der Autor des BI-Artikels verdeutlich anhand mehrerer Beispiele sehr gut, wie die JW. Org scheinargumentativ vorgeht, um die Masse der Zeugen dahin zu bringen, wo sie sie haben will, damit sie diese weiterhin ausbeuten kann. Die JW.Org-“Droge” hat bedauerlicherweise bei vielen “abhängigen” Zeugen Jehovas zu ernsthaften körperlichen und psychischen Belastungsstörungen geführt. Man muss kein Experte einer Drogenberatungsstelle sein, um zu wissen, was man nun tun sollte, wenn man nicht mehr unter den Nebenwirkungen einer Droge leiden will; absolute Abstinenz der Droge (die Geschwindigkeit des Entzugs mag je nach Droge und von Mensch zu Mensch verschieden sein). Ganz anders der Rat… Weiterlesen »

Watchtower_NS

👍👍👍

Sehr guter Artikel!

Bis auf den letzten (üblicherweise sehr wichtigen) letzten Satz, ein sehr langer Satz, mit sage und schreibe 5 Halbsätzen ist:

“Diese Worte von Paulus versichern uns, dass die Ängste, der Druck und die Schuld, welche die Organisation Jehovas allen Zeugen auflädt, uns nicht von der bedingungslose Liebe Christi trennen kann, solange wir unsererseits einfach unser Bestes geben, um wahre Christen zu sein.”

Frage:

Kann ein Christ sich dem Druck und der Schuld der JW-ORG aussetzen, ohne Schaden zu nehmen? Gar dauerhaft?

Wer kann zwei Herren dienen?

Neptun

Guter Artikel, und wirklich zeitgemäß. Zum Thema Entlastung zugunsten der Organisation: In den Versammlungen hat sich die letzten paar Jahre eine neue Mode eingeschlichen: Geh zu deinem Chef, und verlange (so wird tatsächlich bei entsprechenden Konversationen auf sein “gutes Recht” verwiesen), dass dein Arbeitsvertrag auf Teilzeit reduziert wird. Macht der Chef nicht mit, weil gemäß Teilzeitgesetz betriebliche Gründe dagegen sprechen, so ist wieder mal Satan am Werk. Ich bin inzwischen schon so weit, dass ich mich innerlich nur noch amüsiere, wenn ich mit Glaubensbrüdern im Cafe sitze und höre, wie frisch ausgelernte Greenhorns übers Arbeitsrecht philosophieren und ohne wirklich jemals… Weiterlesen »

Ulla

Lieber Bruder, einfach fantastisch, dein Artikel! DAAAANKE ! Das Joch der Org. abzustreifen und nur noch das Joch als Christ zu tragen, ist wahrhaft ermutigend! Wieviele Gespräche ich doch schon hatte als FREIE Christin, von meiner Hoffnung zu sprechen…ohne dabei auf die Uhr zu sehen, die Stunden oder Minuten zusammenzurechnen…ohne einen “Bericht” abgeben zu müssen wie fast 30 Jahre vorher als Zeugin Jehovas. Dieses beklemmende Gefühl der “Blutschuld” loszuwerden im Lauf der Jahre nach dem Ausstieg, als ich im Kopf UND in der Seele verstand, dass Christus alles in seiner Hand hat, dass ER sieht, was in den Herzen der… Weiterlesen »

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Ja, habe ich auch schon oft gehoert, dass zeugen Psychopharmaca einnehmen und gestresst sind usw. Traurige Sache wahrhaftig aber wie kann man sie da rausholen? Jeden den der Vater zieht…..da kann man nur hoffen denke ich.. “….und die Wahrheit wird Euch frei machen…..” Nun, wer fuehlt sich frei? Wie sieht es mit unseren Mitstreitern hier aus? Gemeine Frage, ich weiss.
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Tommy

www.Christusbekenner.de

Wozu setzen sich die einzelnen Zeugen Jehovas diesen Belastungen weiterhin aus, obwohl sie oft doch merken (und im vertrauten Kreis hinter vorgehaltener Hand auch insgeheim zugeben), dass sie sich durch die Anforderungen der JW.Org sehr belastet fühlen? In Matthäus 11: 7-9 stellt Jesus einige durchforschende Fragen: „Wozu seid ihr hinausgegangen in die Wüste? Ein Schilfrohr zu sehen, das im Wind schwankt? Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Menschen zu sehen mit feinen Kleidern angetan? … Oder wozu seid ihr hingegangen? Einen Propheten zu sehen?“ (Herder-Bibel) Heute könnte die Frage lauten: „Wozu bist du in den Königreichssaal gegangen?“ Und weiter nachgebohrt:… Weiterlesen »

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Ulla

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Peter

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GOTTES REICHSTEN SEGEN HERR ZALKIN! Sehr geehrter Herr Zalkin, ich gratuliere Ihnen und Ihrem Team zum ersten gewonnenen Schritt im Rechtsstreit mit einer religiös korrupten und moralisch verdorbenen Organisation! Erster Sieg gegen die WTG: Die Anwaltskanzlei Zalkin gewinnt die Ablehnung der Berufung durch den Wachtturm der Zeugen Jehovas wegen sexuellen Missbrauchs durch das US-Oberste Gericht https://www.zalkin.com/news/zalkin-law-firm-wins-u-s-supreme-court-rejection-of-appeal-by-jehovahs-witnesses-watchtower-on-sexual-abuse-lawsuit Pressemitteilung der Zalkin Law Firm (Google-Übersetzung): Der Oberste Gerichtshof lehnte die Berufung gegen eine Zivilklage von 2015 ab, die von der Anwaltskanzlei Zalkin im Namen ihres Mandanten eingereicht wurde, der behauptet, als Kind von einem Führer der Zeugen Jehovas sexuell belästigt worden zu sein.… Weiterlesen »

richard_22

Sehr guter Kommentar!
Mir fällt da nur spontan die Aussage ein …………..
mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht!
Da sollte die Organisation mal darüber nachdenken!
LG Richard_22

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