Argumentation und Manipulation

„Sondern haben uns von aller schändlichen Heimlichtuerei losgesagt;  wir gehen nicht mit Arglist um, verfälschen auch das Wort Gottes nicht, empfehlen uns vielmehr durch die offene Verkündigung der Wahrheit “. 2.Kor. 4:2, Menge.

Warum sind Jehovas Zeugen so überzeugt, die Wahrheit zu haben? Warum setzen die Meisten alles kritiklos um, was man ihnen sagt?

Es wäre ein Fehler zu denken, jeder Zeuge Jehovas glaube und befolge alles nur, weil er unter einem Druck von oben steht. Es wäre auch falsch, zu denken, alle Zeugen würden sich an den Aktivitäten der Organisation beteiligen, um den Brüdern zu gefallen oder aus Angst vor Sanktionen. Das mag auf viele zutreffen, jedoch nicht auf alle. Nein, Jehovas Zeugen sind Opfer einer geschickten Argumentations- und Manipulationsstrategie.

Dennoch stehen Zeugen Jehovas auch unter einem ständigen Druck, den aber nicht alle zu jeder Zeit wahrnehmen.

„Willst du wissen wer dich beherrscht, frage dich, wen du nicht kritisieren darfst.“

Oft nimmt man den Druck eigentlich erst dann bewusst wahr, wenn man beginnt, Fragen zu stellen. Menschen in Machtpositionen fühlen sich nicht bedroht, wenn man ihnen kritiklos folgt, sie spüren Bedrohung erst dann, wenn man anfängt zu hinterfragen. Dann wird geistige Einschüchterung ein wichtiges Instrument, neben weiteren greifenden Maßnahmen.

Viele Menschen schließen sich nur deshalb einer Religionsorganisation an, weil sie überzeugt wurden, hier „die Wahrheit“ gefunden zu haben. Das war auch bei mir der beherrschende Gedanke, als ich viele Jahre meines Lebens im Dienst der Organisation der Zeugen stand. Ich bin ihr gefolgt, weil ich überzeugt war, durch sie die Wahrheit kennengelernt zu haben. Ich bin sicher, das können auch viele andere von sich sagen. Mit der Zeit ergaben sich für mich allerdings viele Fragen und das schlimmste dabei war, dass ich  das Gefühl hatte, alleine damit zu sein.

Es gab viele klar denkende, intelligente Menschen um mich herum, doch wie konnte es sein, dass nicht mehr Fragen gestellt wurden? Denn obwohl ich glaubte in der Wahrheit zu sein, bewegten mich viele Gedanken. Ich habe sie zum Teil verdrängt und hoffte Klärung im Laufe der Zeit zu finden. Doch es klärte sich nichts – im Gegenteil – es wurde neues Licht gelehrt, das wieder neue Fragen in mir entstehen ließ.

Mit der Zeit wurden meine Fragen immer mächtiger und die Zweifel immer größer, wobei ich mich fragte: „Halten dich die verantwortlichen Wahrheitslehrer für beschränkt“?

Wenn ich mit Brüdern über diese Zweifel sprach, stellte ich fest, dass sie eigene Bedenken zugaben, solange das Gespräch unter vier Augen ablief.  Doch in der Gruppe schwiegen sie oder wichen aus. Ich kann mich nicht erinnern, dass in einer Ältestenschaft je irgendwelche Zweifel oder kritische Fragen im offenem Gedankenaustausch besprochen oder ausgeräumt wurden. Es herrschte ein Geist der Einschüchterung und ein Klima der Angst vor, dass davon abhielt, überhaupt Zweifel zu äußern.

Angesichts dieser Tatsachen, ist es für mich fast unvorstellbar, dass Menschen derart bereitwillig die Lehren einer Organisation übernehmen, die sich (jedenfalls in der Zeit meiner Zugehörigkeit) dermaßen unglaubwürdig gezeigt hat. Du wirst jetzt zwar denken: „Ist doch kein Wunder, wir als Zeugen sind doch dahingehend geschult wurden, nichts zu hinterfragen, alles zu akzeptieren, den eigenen Verstand auszuschalten und als unzuverlässig zu bewerten. Doch das allein kann nicht alles erklären.

Ich bin kein leichtgläubiger Mensch. Schon in jungen Jahren, als man mit mir die Bibel „studierte“, habe ich Erklärungen, die mir nicht einleuchten wollten, abgelehnt und offen hinterfragt. Zu meiner Zeit war das noch möglich oder aber man nahm mich nicht ernst. Ich denke da an die Erklärung der WTG, zu den „obrigkeitlichen Gewalten“ aus Römer 13, von denen Paulus sprach. Man erklärte, dies seien Jehova Gott und Jesus Christus – eine Deutung, die ich ablehnte. Rückblickend kann ich auch  von mir sagen, dass ich der Organisation auch nie einfach nur aus Pflichtbewusstsein gefolgt bin.

Als Jugendlicher mit siebzehn Jahren habe ich mir meine erste Gitarre gekauft – Elvis Presley läst grüßen – er war mein musikalisches Vorbild. Das führte dazu, dass mein „Studiervater“ ein sehr ernstes Gespräch mit mir führte, ob meiner mangelhaften geistigen Einstellung. Jetzt wäre nicht die Zeit sich mit Musikinstrumenten zu befassen. Ich wollte doch wohl auch Harmagedon überleben, das 1965 ja unmittelbar bevorstand. Warum sollte mich Jehova verschonen, wenn ich mich jetzt mit Gitarrenübungen befassen würde – so jedenfalls war seine Argumentation.

Der Gedanke, dass ich möglicherweise von Gott vernichtet würde, weil ich noch Gitarre lernen wollte und deshalb nicht völlig „in der Wahrheit“ sei, war für mich schon damals absurd. An solch einen Gott konnte und wollte ich nicht glauben. Diese Einstellung konnte ich mir bewahren und in meiner gesamten „theokratischen Laufbahn“ als Ältester war ich bemüht, einen Gott der Liebe zu vermitteln und nicht einen Gott, der von uns den letzten Einsatz erwartet, damit wir gerettet werden.

Kurz gesagt: Solche Erfahrungen und Äußerungen, wie sie mein „geistiger Vater“ von sich gab, bewertete ich damals noch als die Meinung eines einzelnen extremen Zeugen Jehovas, gegen die man vorgehen sollte, wenn man sich als Gottes Diener versteht. Ich war überzeugt, dass dies nicht das war, was die Organisation Gottes lehrte. Ich glaubte fest, dass das, was ich aus den Publikationen lernte, die Wahrheit sei.

Die WTG beherrscht die Macht der Argumentation und Manipulation perfekt

Erst später erkannte ich, wie geschickt die WTG in ihren Publikationen argumentiert und ihre wahren Absichten verbergen kann. Zugegeben, auch die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen der Versammlung führte dazu, dass ich mich wohlfühlte und die Pioniertätigkeit aufnahm. Doch Tatsache ist auch, dass ich das meiste, was man mich lehrte, glaubte, weil die Art der Darstellung des Stoffs und die Argumentation mich überzeugten, dass es „die Wahrheit“ ist.

Heute frage ich mich, warum ich so überzeugt werden konnte. Zunächst sicherlich deshalb, weil ich im Vorfeld so gut wie keine Ahnung von dem hatte, was die Bibel wirklich lehrt. Und so geht es den meisten, die mit Jehovas Zeugen die Bibel „studieren“: In der Regel haben sie keinerlei Erfahrung mit biblischen Lehren, Zusammenhängen und Exegese. Alles was ihnen von Jehovas Zeugen dargelegt wird, klingt logisch und ist in sich nachvollziehbar.

Dass aber die Argumentation der WTG schwere Fehler aufwies und aufweist, ist mir nach und nach dann doch klargeworden. Ich bin nicht stolz darauf, dass ich das erst jetzt erkannt habe, denn die Beweise waren stets vorhanden. Unglaublich, dass ich fast vierzig Jahre brauchte, um die Irrtümer zu entlarven. Doch wie kam es, dass ich so lange davon überzeugt war, „in der Wahrheit zu sein“? Und wieso sind es Millionen andere, viele von ihnen eindeutig sensible, intelligente Menschen? Heute ist mir klar, dass es daran liegt, dass die WTG ihre Ansichten einleuchtend und scheinbar logisch darzustellen vermag. Die Organisation beherrscht die Macht der Argumentation und Manipulation perfekt.

Streben nach Gewissheit und Sicherheit

Es ist das normale Bedürfnis eines gläubigen Menschen, Gewissheit und Sicherheit haben zu wollen, über das, was er glaubt. Es ist auch normal, dass  Menschen sich eine Quelle wünschen, die ihnen alle ihre Fragen über Gott, seine Absichten, über Leben und Schicksal des Menschen, beantwortet. Die Organisation von Jehovas Zeugen bietet all das an und zwar mit Überzeugung. Sie offeriert ein sehr klar umrissenes Programm, mit sehr eindeutigen Verhaltensregeln und die Zusicherung, dass jeder, der sich loyal und gehorsam daran hält, gerettet werde.

Mit ihrer Argumentation appelliert die WTG eher an den Intellekt, statt an das Gefühl, was man eher in vielen Kirchen, Gemeinschaften und Erweckungsbewegungen findet. Damit bestärkt sie ihre Anhängern auf geschickte Weise in der Überzeugung „in der Wahrheit“ zu sein. Alle Argumentationen und Manipulationen zielen darauf ab, in ihnen das Bewusstsein zu stärken, dass sie zu der einen Organisation auf Erden gehören, mit der Gott handelt; zu dem Volk, das er vorherbestimmt hat und das einzig die Bibel wirklich versteht. Für viele, die aufwachen, ist es eine erschütternde Erfahrung, nach vielen Jahren der Aktivitäten erkennen zu müssen, dass dies ein Trugschluss war.

Diese Vorgehensweise wiederholt sich von Generation zu Generation

Heute ist zu beobachten, dass die Organisation bemüht ist, die Altgedienten ins Abseits zu stellen. Reisenden Aufsehern wird mit 70 Jahren der Ruhestand   verordnet, obwohl diese noch in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erfüllen und  gerne weitermachen würden. Dies wird ihnen als fürsorgliche Maßnahme verkauft. Doch diese „Altgedienten“ fallen oft in ein emotionales Loch, verlieren sie doch ihren gesamten Lebensinhalt. Viele Organisationen in der Politik, der Kirche oder sonstigen Vereinen verzichten freiwillig auf die Erfahrung ihrer älteren Mitarbeiter und Führungskräfte, selbst in der Leitung der Organisation Jehovas.

Tatsächlich setzt die WTG jetzt wieder bewusst auf die Jugend und dies nicht ohne Grund. Mit den jungen unerfahrenen Menschen kann man das gleiche Spiel wiederholen, das schon die Alten in ihrer Jugend durchlaufen mussten. So wie ich damals, lassen sich viele der heutigen Jugendlichen unter Jehovas Zeugen wieder manipulieren.

Die Großväter der heutigen eifrigen Jugendlichen wurden in ihrer Jugend auf die gleiche Art beeinflusst, wie man es mit ihren Vätern macht. Eifrig und voller Überzeugung predigten unsere Großväter: „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben.“

Die Väter der heutigen Jugendlichen starteten ihre theokratischen Aktivitäten in den 50er und 60er Jahren, in der Überzeugung, dass „6000 Jahre Menschheitsgeschichte 1975 enden“ und dass dann die neue Welt kommt. Was daraus geworden ist, haben sie erlebt und die Enttäuschung steckt noch in ihnen, wenn auch gut überdeckt. Solche Altgedienten sind in der Regel nicht mehr so leicht zu manipulieren und zu motivieren. Wer von den heutigen Jugendlichen, die mit Elan und Begeisterung in den Pionierdienst streben, denkt noch an die 1975er Pleite ihrer Väter? Wie auch? Die Informationen werden ihnen so gut wie möglich vorenthalten.

Und wer von uns Alten dachte in seiner jugendlichen Begeisterung an die Versprechen der Organisation aus den Jahren 1925? Keiner. Dass dies alles in Vergessenheit gerät, ist Taktik und Resultat der Argumentation und Manipulation.

Wahrheit ist untrennbar mit der Freiheit verbunden, sich zu informieren.

Die Wahrheit ist untrennbar mit der Freiheit verbunden, sich alle verfügbaren  Informationen zu beschaffen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Darum ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir es uns zur Gewohnheit machen sollten. Alles, was man uns sagt, was wir lesen und hören, muss auf  Stichhaltigkeit untersucht werden. Doch eigenes Denken wird von der Organisation als schädlich und gefährlich verteufelt. „Verlasse dich nicht auf  deinen eigenen Verstand …“ – das wäre ein Zeichen von Stolz und wird als Ablehnung der göttlichen Belehrung gedeutet. Hier kann uns das Wissen um bestimmte Methoden irreführender Argumentation helfen, um die Freiheit im Denken und Empfinden und die Freiheit des Gewissens zu bewahren.

Die üblichen Fallen falscher Argumentation

Seid doch nicht Kinder an Einsicht, Brüder! Seid Unmündige an Bosheit, an Einsicht aber seid reife Menschen!
“  1.Korinther 14:20, Neue Jerusalemer Bibel.

Ich möchte hier nur einige grundsätzliche gefährliche Argumentationstaktiken anführen. Beispiele dieser Art kann man in jedem Studienartikel des Wachtturms finden. Achten wir bewusst darauf, ob die Argumentationsweisen ehrliche und von Prinzipien geleitete sind, und sind sie stichhaltig oder an den Haaren herbeigezogen? Werden bloße Behauptungen aufgestellt und Gegenbeweise unterdrückt? Werden  Andersdenkende herabgewürdigt und beansprucht man höhere Weisheit und Autorität für sich, um auf dieser Grundlage Unfehlbarkeit zu postulieren?

Hier einige der üblichen unzulässigen Methoden, die die Organisation beherrscht und gekonnt verwendet:

  •  Gegenargumente falsch darstellen: Es wird z.B., anstatt des wirklich strittigen, ein vorgeschobenener Punkt eingeführt.
  • „Zirkelschlüsse“: Eine unbewiesene Prämisse wird als Ausgangspunkt für eine Beweisführung verwendet; die Argumentation baut dann mehr auf dieser Prämisse, als auf gesicherten Fakten auf.
  •  Falsche Analogien: Es bestehen Ähnlichkeiten, aber nicht solche, die zum Beweis der Schlussfolgerungen nötig wären.
  •  Man schafft ein „künstliches Dilemma“: Es scheint nur zwei Möglichkeiten zu geben, eine, zu deren Gunsten argumentiert wird, und eine andere, die gewöhnlich unerwünscht ist, dabei gibt es aber in Wirklichkeit mehrere Alternativen.
  • „Falsche Fährten“ in die Beweiskette legen: Man bringt einen Punkt ein, der für die Erörterung irrelevant ist und nur dazu dient, die Aufmerksamkeit des Lesers von der Schwäche in der eigenen Argumentation abzulenken.
  •  Argumentation gegen die Person: Hierbei wird der Gesprächsgegner und nicht sein Argument angegriffen.

Diese Arten von Beweisführung überschneiden sich oft; so mag die „falsche Fährte“ auch „Gruppenvorurteile“ einschließen oder in dem Angriff auf eine Person bestehen.

Doch wie auch immer angewandt, mit diesen verschiedenen Argumentationsformen kann man häufig zu Aussagen kommen, die einleuchtend, manchmal sogar eindrucksvoll erscheinen. Und doch sind sie falsch. Kompliziertes, verschlungenes Argumentieren mag dem Leser imponieren und so kommt er zu dem Schluss, der Verfasser sei weit intelligenter als er und die Aussagen, die ihm verwirrend erscheinen, seien eigentlich sehr „tiefgründig.“

Besonders die Einführung der internen WT-Studienartikel ließ mich erkennen, wie verbreitet diese falschen Argumentationen in den verschiedenen Schriften der Organisation vorkommen. Ich bemerkte zunehmend, dass bei  entscheidenden Punkten weit hergeholte und allzu oft irreführende Begründungen verwendet werden, die den Sinn des Lesers manipulieren.

Anfangs redete ich mir ein, dass dies nicht die Absicht des Verfassers sei und der Wunsch, sich einer bestimmten Lehre oder einem Standpunkt gegenüber loyal zu verhalten, mag mich in dieser Überzeugung gestärkt haben. Doch mit der Zeit konnte ich nur schwer glauben, dass alle fehlerhaften Argumentationen einem unbewussten Beweggrund entspringen, es scheint dies wohlüberlegt und damit intellektuell unredlich zu sein.

Man könnte ein ganzes Buch schreiben, mit Beispielen fehlerhafter Beweisführung, entnommen aus Wachtturm-Publikationen. Eine Passage auf ihrer Homepage belegt exemplarisch, wie geschickt die WTG „falsche Fährten“ in ihrer Argumentation und Beweiskette legt.

Es steht bekanntlich der Vorwurf im Raum, Jehovas Zeugen unterstützten die staatlichen Stellen nicht ausreichend bei der Aufklärung von Kindes-Missbrauchsfällen. Auf ihrer Website „JW.Org“ versucht die Organisation diesen Vorwurf zu widerlegen und behauptet großspurig:

„Jehovas Zeugen unterstützen die Aufklärungsarbeit zum Schutz vor Kindesmissbrauch“. Siehe Hier

Das hört sich erst einmal gut an, doch ihre Argumentation geht in eine ganz andere Richtung,

Zitat: „Seit Jahrzehnten veröffentlichen Jehovas Zeugen Informationsmaterial, das zu mehr Stabilität in der Familie beiträgt. Dazu gehört auch speziell für Eltern gedachtes Material, das erklärt, wie sie ihre Kinder vor Kindesmissbrauch schützen und über Sexualstraftäter aufklären können.“

Es folgt dann eine lange Liste mit Veröffentlichungen, in denen speziell auf dieses Thema eingegangen und auf die Höhe der Auflagen ihrer Veröffentlichungen hingewiesen wird. Themen sind Blutschande, Kindesmissbrauch, Vorbeugung von sexuellem Missbrauch zu Hause, Eltern schützt eure Kinder u.s.w. Der Knackpunkt ist hier aber ist, dass diese Art der „Aufklärung“ nicht Gegenstand des Vorwurfs ist.

Großspurig versichert man zum Schluss:

„Jehovas Zeugen werden auch weiterhin ihren Anteil zur Aufklärung von Eltern und Kindern leisten, damit Familien die Gefahren von Kindesmissbrauch erkennen und ihnen vorbeugen können“.

Der Vorwurf richtet sich aber gegen die unkooperative Haltung der WTG bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen und dient somit auch nicht dem Schutz der Opfer. Er kritisiert nicht die Aufklärungsarbeit für die Eltern.

Hier wird absichtlich der Begriff „Aufklärungsarbeit“ ihn in einen anderen Kontext gestellt und ein Aspekt eingebracht, der für die Erörterung irrelevant ist und nur dazu dient, die Aufmerksamkeit des Lesers von der Schwäche in der Argumentation abzulenken.

Jemandem zu vertrauen, der die Regeln der Logik in seiner Beweisführung auf diese Art und Weise missbraucht, ist gefährlich. Unser Schöpfer hat uns von Natur aus mit Intelligenz ausgestattet. Wenn wir uns davor hüten, etwas vorschnell anzuerkennen und wenn wir uns Zeit zum Nachdenken und Fragenstellen lassen und im Gebet um die Hilfe seines Geistes bitten, kann das für uns ein Schutz vor schwerwiegender Irreführung sein. Statt in Ehrfurcht vor Menschen zu erstarren, weil sie so eindrucksvoll reden und schreiben können, sollten wir ihre Aussagen prüfen und uns fragen: „Ist ein Punkt wirklich bewiesen oder handelt es sich größtenteils um Vermutung? Ist dies die einzig vernünftige Erklärung, so dass ich sie als Wahrheit annehmen muss?“

Wir werden die von Gott verheißene Freiheit niemals erreichen, wenn wir nicht gewillt sind, uns darum zu bemühen herauszufinden, was Wahrheit ist und was nicht.

Das bedeutet nicht, dass wir jede einzelne Aussage der Bibel auf ihre genaue Bedeutung „festnageln“ müssen. Vieles lässt sich auf mehr als eine Weise verstehen und ein anderes Verständnis kann mit der übrigen Schrift ebenso im Einklang sein, wie das ursprüngliche. Die Wahrheiten, auf die es ankommt und auf denen unser Glaube beruhen muss, kann jeder von uns verstehen. Wir sind vielleicht von Natur aus geneigt, den leichteren Weg zu gehen und uns tatenlos unterzuordnen. Wenn wir aber unsere von Gott empfangene Fähigkeit, kritisch zu denken und zu analysieren, aufgeben und nur leichtgläubig akzeptieren, was andere uns als Wahrheit verkaufen, führt uns das in die Sklaverei von Menschen.

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Bernhard Schüler

Hallo,

als ich (64), als kleines Schulkind Jehovas Zeugen kennen lernte, hatte auch ich oft den Eindruck, ihre Führung könnte von Gott geführt sein. Die Diener sind immer so bestimmt, ernsthaft und von ihrer Mission souverän überzeugt aufgetreten, dass ich bei denen keinen Zweifel an ihrer Mission erkennen konnte. Und weil die selbst glaubten, im Auftrag Gottes zu sprechen, wirkten sie auch überzeugend auf ihre Zuhörer. Das nennt man Charisma.

Aber heute scheint das Licht ja heller, dank Internet.

Liebe Grüße von Bernhard

RoKo

Lieber Bruder, Das Bild zum Blog ist passend. Viele Marionetten tanzen nach dem Takt der Strippenzieher. Du umschreibst die Dinge gut, die ich auch immer wieder sehe, wenn ich z.B. auf den Verkaufskanal 123TV oder HomeShopping und wie sie alle heißen, anschalte. Die dort beworbenen Artikel bekommt man ggf woanders günstiger. Identische oder sehr ähnliche Artikel. Ich kenne einen Verkäufer, der war mal mit 3000 Stück Creme im Koffer bei so einem Sender. Er wollte diese verkaufen, wusste aber nicht wie. Einen Abend, peng alles verkauft. Dank Shopping TV. Ein Großteil der Zuschauer ruft dort an und kauft. Der Sinn… Weiterlesen »

Ella

Lieber Bruder, ein toller Artikel…Du beschreibst und ich finde, es gelingt Dir wirklich klasse, aufzuzeigen, dass die Verantwortlichen in der WTG Profis in ihrem Metier sind und dass es nicht grundsätzlich Leichtgläubigkeit oder Angst oder andere menschliche Schwächen sind, die einen zum Opfer dieser Manipulation machen. Und erst, wenn man Stück für Stück realisiert, und oft ist es erst ein komisches Gefühl im Bauch, dass etwas nicht stimmt, bevor man es gedanklich fassen und erklären kann. Warum gibt über lange Zeit stille Mitleser? Weil es Zeit braucht, sich über das Ausmaß der Manipulation und deren Folgen klar zu werden, zu… Weiterlesen »

Opa Klaus

Auf Halbwahrheiten fallen Menschen noch schneller herein als auf Betrug. Es ist erstaunlich, wie die “Eden-Story” immer wieder als Präzedenzfall geeignet ist. A & E sind nicht gleich gestorben, aber später. Auch wurden Eva die Augen aufgetan, allerdings nur für die winzige Erkenntnis, dass sie betrogen wurde. Dass über den Verdauungskanal niemals Erkenntnis im Kopf kommen kann, vergaß Eva in ihrer GIER. Wir lernen daraus, dass jede Manipulation unseren Verstand umgehen oder sogar ausschalten muss und sich NUR an unsere Gefühle, Emotionen, Wünsche, Sehnsüchte, Begierden richtet und sie ausnutzt. Also macht uns die geringste geistige Blindheit, Unvernunft manipulierbar. Der ‘Baum… Weiterlesen »

Opa Klaus

Liebe Ella, mit dem Verstanden-werden hab ich schon lange größte Probleme und suche den Fehler besonders bei mir, denn ich bin immer ziemlich erschöpft, wenn es wieder nicht klappt. Deshalb habe ich nach jeweils 1.000 meiner Beiträge in einigen Foren pausiert. Seit meinem Z.J. Ausstieg vor 40 Jahren muss ich einen sehr langen oft schmerzlichen Alleingang durchstehen. Ein stärkender Trost blieb mir, ich verstand ‘unsere beiden Höchsten’ immer besser und kam IHNEN immer näher, das kann kein Mensch wettmachen oder ersetzen. Dieser “schmale Weg” mit Gott ist schon eine harte Bewährungsprobe und Schule für mich. So suche ich keinen ‘Menschenlohn’… Weiterlesen »

Petrus111

Liebe Freunde, vielen Dank für den Artikel. Ich möchte mich kurz dazu äußern: Der Artikel beschreibt zutreffend, was bei JZ passiert – aber er beschreibt nicht, warum es passiert. Warum manipulieren JZ ihre Gläubigen? 1) Religion, Kirche, Spiritualität ist für den Menschen da. Glauben sollte dem Menschen nützen, sollte gut für ihn sein. JZ behaupten auch, dass dies so sei – in Wirklichkeit wollen sie jedoch nicht ihren Gläubigen dienen – sie wollen, dass die Gläubigen der Org dienen. 2) von ihrem Wesen her sind JZ eine fundamentalistische totalitäre Endzeitsekte. a) fundamentalistisch: am Buchstaben des Wortes haftend, wo es ihnen… Weiterlesen »

M.N.

Ihr Lieben, passend zum Thema: Im Lichte der von der WTG offen zur Anwendung gebrachten “Theokratische Kriegführung”-Strategie (hierzu siehe entsprechenden Eintrag im Glossar) bietet der letzte wt-“Studienartikel” (“Die Wahrheit reden”) ein außerordentlich markantes Beispiel für die Chuzpe und die Unverfrorenheit der WTG, trotz ihrer eigenen Kritikwürdigkeit und Doppelbödigkeit auf andere, ihr missliebige und von ihr in Bausch und Bogen als “korrupte und lügnerische Handlanger Satans” verurteilte Gruppen verbal einzudreschen und sie genau der “Sünden” anzuklagen, die sie selbst begeht (Stichwort “psychologische Projektion: Klage deinen Feind der Verbrechen an, die du selbst begehst.”) Hier nur einige annotierte Kostproben: S. 7 Abs.… Weiterlesen »

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Hupsi

Lieber Boas,

ich verstehe dich sehr gut da ich meine Mama auch gepflegt habe. Nicht so lange aber damals in einer ganz üblen Familienkonstellation. Darum sollte es nicht gehen. Aber die Gefühle kenne ich, wenn man in die Kurzzeitpflege  geht. Man funktioniert immer noch. Es ist als hätte man die Kupplung getrennt. Der Motor heult immer noch und kommt nicht zur Ruhe. Der Antrieb wird jetzt von anderen vollzogen.

Trotzdem, das als Chance für sich anzunehmen,”sein eigenes Fleisch” mal zu pflegen ist verdammt schwer.

Dazu wünsche ich dir die Kraft. Hupsi

Ulla

Liebes Schneeflöckchen, ich bekam Herzklopfen beim Lesen deiner/eurer Erfahrung…diese “peinlichen” Momente kenne auch ich. Und diese werden immer und immer wieder vorkommen. Nun hab ich ja im Gegensatz zu euch schon einige Jährchen mehr Erfahrung, damit umzugehen…gerade die Vorstellung, dass auch aktive JW Orgler die Begegnungen später, daheim, nochmal “durchkauen” und “verdauen” müssen, hat mich inzwischen in meinem Vorsatz gefestigt, diesen Situationen mit einem herzlichen Lächeln und Kopfnicken beizukommen. Mit diesem “Erinnerungsbild” schicken wir sie dann weiter. Es wird in ihren Köpfen und Herzen arbeiten, glaube mir! Lass dir ein Happy End aus meiner Vergangenheit erzählen, im Sinne von “KEIN… Weiterlesen »

M.N.

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Ihr Lieben, der dritte “Studienartikel” mit dem Thema “Vertraue auf Jehova und lebe für immer!” des “Wachtturm” vom November 2018 mutet an wie ein verzweifeltes Ringen der WTG, ihre Herde vermittels eisegetischen Missbrauchs des Bibelbuches Habakkuk angesichts des weiterhin ausbleibenden “Endes” bei der Stange zu halten; wie ein Versuch, das von ihr selbst aufgrund ihrer voreilig/vollmundigen “Das Ende kommt BALD!”-Versprechungen geschaffene Problem, sich als “Falscher Prophet” geoffenbart zu haben, “irgendwie” in den Griff zu bekommen, und sei es nur dadurch, die Verantwortung ihren “Schäfchen” aufzubürden mit der Ermahnung, immer nur brav und “geduldig auf Jehova zu warten” und keinesfalls “Ungeduldig”… Weiterlesen »

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Ihr Lieben, manchmal bedarf es nur eines einfachen WTG-“Tagestextes”, um mal wieder die Augen betreffs der hanebüchenen Absurdität von WTG-Eisegese aufgerissen zu bekommen; folgenden Hinweis empfing ich von meiner lieben Frau, die sich immer noch treu und brav das “Täglich Himmlisch Manna” aus Org-Feder antut, dieweil ich in meiner 1905er ELB freistil ohne Org-Gängelband schmökere: Der TT vom vergangenen Mittwoch, den 23.1.19, stützte sich auf Spr 19,17; hier in ELB-Version: “Wer über den Geringen sich erbarmt, leiht JHWH, und seine Wohltat wird er ihm vergelten.” Was ist die “natürliche Lesart”, die “unmittelbare Anschauung”, und das gemäß der Regel “Ockhams Rasiermesser”… Weiterlesen »

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So, jetzt haben wir also das “Meisterwerk der Bibelgelehrsamkeit” – das JW.Org-“Silberschwert” – auch in Seltersdeutsch vorliegen; Opa Lösch (seines Zeichens Grazer Hotelpage mit plötzlicher Eingebung der “Berufung nach oben”) gab sich die Ehre der Präsentation. Und was soll man dazu (zur Neu-NWÜ auf Dt.) noch viel sagen, außer “Gelegenheit verpasst, eine wirklich saubere und nicht-sektiererisch/tendenziöse Wiedergabe der biblischen Urtexte” auf den Tisch zu legen. Aber hätte man auch etwas anderes von dieser sich selbst als “Gottes Sprachrohr” und “Einzig wahren Religion aller Zeiten” auf den goldenen Altar erhoben habenden “Organisation Gottes” erwarten können, zumal das Textkorsett – wie gehabt… Weiterlesen »