Jehovas Zeugen – Pro und Kontra

Jehovas Zeugen – Pro und Kontra

Wer mit Jehovas Zeugen die Bibel „studiert“ wird früher oder später vor der Entscheidung stehen, ob er ein Zeuge Jehovas werden will. Diese Entscheidung, sich als Erwachsener einer neuen Religionsgemeinschaft anzuschließen, ist nie ganz rational: Es sind letztlich die Emotionen, die mitentscheidend sind.

Viele ehemalige Zeugen und sogar Aktive beschreiben es als einen Zustand der Verliebtheit und mit einer rosaroten Brille sehen sie bei den Zeugen Jehovas die einzig wahre Bestimmung. Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen ist für sie der Inbegriff von Perfektion und die lange gesuchte Lösung aller Probleme. Kritik von außen bestätigt sie nur in ihrer Überzeugung. Geschickt nutzt die Führung der Zeugen eventuelle Einwände von Außenstehenden als Angriffe Satans und der Interessierte wird von Anfang an darauf vorbereitet.

Diese Euphorie ist sicherlich bei praktisch allen religiösen Gruppen, denen man nicht per Kindstaufe beitritt, zu beobachten. Die Verwandten und Freunde von solchen “Verliebten” sind aber auch in einer schwierigen Gefühlslage: Sie sind erschrocken, verwirrt und wütend und glauben oft, eine Person würde von den Zeugen Jehovas per Gehirnwäsche gefügig gemacht und mental entführt.

Dabei gibt es zu vielen Themen durchaus gute Argumente für und gegen die Zeugen – man sollte sie sich zumindest in einem ruhigen Moment anhören und akzeptieren, dass die Gegenseite nicht immer falsch liegen muss. Ich versuche hier ein paar zu sammeln und ich verhehle nicht, dass für mich die Kontra-Argumente überwiegen (sonst wäre ich längst Mitglied). Vielleicht ist das auch eine Hilfe für Menschen, die sich für die Zeugen interessieren oder die Angst davor haben, Freunde oder Verwandte an sie zu verlieren.

Wie stehen Zeugen Jehovas zu BILDUNG, BERUF, GELD

PRO: Jehovas Zeugen sind für eine grundlegende Ausbildung und Arbeitsfähigkeit ihrer Mitglieder. Sie sollen sich und ihre Familien erhalten können. Sie argumentieren gegen Geldgier und Profitsucht, ohne aber grundsätzlich gegen irgendwelche Wirtschaftssysteme zu sein (jedenfalls so lange, bis “das System” verschwindet).

Die Organisation wird durch Spenden und Gratisarbeit finanziert. Dazu wird immer wieder recht deutlich aufgefordert. Einen Zwang gibt es aber nicht, ebenso keine direkte Kontrolle, wer wieviel spendet. Die Organisation verfügt über ein milliardenschweres Vermögen (insbesondere angelegt in Immobilien, die typischerweise von den Versammlungen finanziert und dann der Organisation überschrieben werden), es gibt aber keine Anzeichen, dass sich damit jemand persönlich bereichert oder ein exzessives Luxusleben finanziert.

KONTRA: Die Wachtturmgesellschaft propagiert es immer wieder als vorbildlich, wenn Mitglieder ihre beruflichen Wünsche zurückstecken und sich stattdessen “vollständig Jehova hingeben”. Ausbildung und Beruf gelten zwar, wie bereits erwähnt, als notwendig, um sich selbst erhalten zu können, sollten aber im Zweifel immer gegenüber der theokratischen Arbeit bei den Zeugen hintangestellt werden. Ein großes Ideal ist der Pionierdienst, in dem der Predigtdienst zum (unbezahlten) Neben- oder sogar Vollzeitjob wird.

Ausdrücklich gewarnt wird dagegen vor weiterführender Bildung an Hochschulen: Die sei nicht nur unnötig, sondern auch mit dem großen  Risiko behaftet, mit unnützem weltlichen Wissen und falschen Weltanschauungen verdorben zu werden.

Das bedeutet oft, dass höhere Ausbildungen abgebrochen oder gar nicht versucht werden und die berufliche Karriere geopfert wird – ein Schritt, der mitunter später bereut wird.

Berufe oder freiwillige Tätigkeiten, die besonders zeitaufwändig sind, möglicherweise Waffengebrauch gegen Menschen verlangen oder einfach als zu stark “systemlastig” oder gesellschaftlich integriert gelten, sind teils verboten, teils verpönt. Das gilt für Polizei (wie natürlich Militär), sowie für freiwillige Arbeit bei der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz und jegliche kirchennahe Organisationen. Die Dienstleistungen solcher Institutionen werden aber angenommen. Die professionelle Ausübung von Kampfsport (z.B. Boxen) ist verboten.

Spenden an die Organisation werden “für das weltweite Werk” verwendet. Systematisch organisierte humanitäre Hilfe wird damit ausdrücklich nicht bezahlt, weil die Organisation das Verkündigen als ihre primäre Aufgabe sieht. Über die Finanzen wird keine umfassende Rechenschaft abgelegt, es gibt darüber nur fragmentarische Berichte.

KONTAKT ZU AUSSENSTEHENDEN, ZUR “WELT”

PRO: Die Zeugen Jehovas verlangen keinen äußerlich isolierten Lebensstil – Mitglieder arbeiten mit Nicht-Mitgliedern in normalen Firmen und normalen Jobs, gehen in normale Schulen. Sie werden dazu angehalten, einen guten Eindruck auf andere zu machen.

KONTRA: Der tatsächliche Kontakt zu Nicht-Zeugen ist immer auf das Notwendige beschränkt und bleibt bewusst freundlich, aber distanziert. Enge Freundschaften oder gar Liebesbeziehungen mit Ungläubigen sind zwar nicht kategorisch verboten, gelten aber als sehr unerwünscht bis gefährlich. Wer neu einsteigt, wird dazu angeregt, bisherige (“weltliche”) Beziehungen langsam zu reduzieren – das ergibt sich auch aus dem großen Zeitaufwand, der verwendet wird, um regelmäßig zu allen Zusammenkünften zu erscheinen, sich darauf vorzubereiten und in den Predigtdienst zu gehen. Bald besteht das engere soziale Umfeld nur mehr aus Zeugen Jehovas, man verbringt sehr wenig Zeit außerhalb der Arbeit mit „Ungläubigen“, also Nichtzeugen.

Für Außenstehende wirkt das wie eine Selbstisolation, aber auch die neuen Mitglieder gewinnen den Eindruck, die anderen würden sich nun von ihnen abwenden, während die Zeugen sie mit offenen Armen empfangen. Hier entstehen Bruchlinien quer durch Familien, so werden oft jahrzehntelange Freundschaften kaltgestellt. Das ist umso unangehmer, wenn Mitglieder irgendwann später zu zweifeln beginnen: Draußen haben sie nun niemanden mehr, dem sie vertrauen, also sehen sie sich gezwungen bei den Zeugen zu bleiben.

FRIEDE UND GLEICHHEIT

PRO: Die Zeugen Jehovas sind in praktischer Hinsicht Pazifisten, Antinationalisten und Antirassisten: Gewaltanwendung (über Notwehr hinaus) wird abgelehnt, Zugehörigkeit zu Nationen oder “Rassen” spielt keine Rolle. Obwohl man zu Nichtmitgliedern distanziert bleibt, pflegt man doch grundsätzlich höflichen Umgang mit ihnen (sofern es sich nicht um Ex-Mitglieder handelt). Immigranten werden mit eigenen Versammlungen in ihrer Sprache, sowie informellen Sprachkursen unterstützt.

KONTRA: Im engeren Wortsinn sind die Zeugen Jehovas keine Pazifisten. Sie glauben durchaus an eine extrem gewalttätige Lösung aller Probleme und gehen davon aus, dass alle Ungläubigen (oder zumindest die große Mehrheit) bald getötet werden – aber eben nur durch Gott, keinesfalls durch ihr Zutun. Selbst bezeichnen sie sich stets als neutral, nicht als pazifistisch.

Die höchste Führungsebene der Zeugen Jehovas repräsentiert kaum die internationale Verteilung der Gläubigen: Im Jahr 2014 sind fast alle Mitglieder weißer Hautfarbe und aus dem englischen Sprachraum (die meisten aus den USA). Frauen sind natürlich in keiner Führungsposition zu finden, sie sollen sich in der Versammlung, wie auch in der Ehe, dem Mann unterordnen.

Verschwiegen (sogar bestritten) wird heute, dass Publikationen der Zeugen Jehovas bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts immer wieder rassistische Aussagen enthielten. Typischerweise wurde dabei die Unterlegenheit der “schwarzen Rasse” angeblich biblisch belegt oder auch ihre angeblich besondere Eignung zum “Dienen” gelobt. Ebensowenig bekannt ist, dass noch im 1. Weltkrieg Zeugen Jehovas (damals “Bibelforscher”) aktiv im Kriegsdienst waren.

GEMEINSCHAFT

PRO: Die Zeugen Jehovas bilden eine enge Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft. Besonders Neuankömmlinge fühlen sich oft mit Liebe überschüttet und mitunter wie in einer neuen, besseren Ersatzfamilie.

KONTRA: Die Nestwärme bei den Zeugen Jehovas ist eine bedingte. All die Nähe und Freundschaft kann schlagartig abkühlen, nämlich dann, wenn man im Verdacht steht, auf irgendeine Weise kein gutes Mitglied zu sein. Die Kündigung der Freundschaften oder gar der Familienkontakte ist keine individuelle Entscheidung, sondern ein gezielt eingesetztes, mehrstufiges Instrument, um strauchelnde oder abtrünnige Schäfchen wieder auf Kurs zu bringen. Im äußersten Fall – dem Gemeinschaftsentzug – wird man zu einer persona non grata und muss sich erst wieder die Anerkennung der Ältesten reuig erarbeiten.

Die enge Gemeinschaft kann auch mitunter zu eng werden: Jeder soll wohlmeinend “auf seinen Bruder achten” und Probleme den Ältesten melden. Daraus resultiert aber leicht ein Gefühl der Überwachung und Denunziantentum wird versteckt gefordert. Leider führt dies auch zu einer manchmal bösartigen Gerüchteküche in den Versammlungen. Letzteres ist ein Problem, das ich sowohl von höchst überzeugten und gläubigen ZJ, wie auch von Aussteigern immer wieder gehört habe.

PERSONENKULT?

PRO: Im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen wird bei den Zeugen Jehovas kein Personenkult erwartet. Die Männer aus den diversen Führungsebenen werden zwar anerkannt, aber nicht angebetet. Ein “Guru” existiert genausowenig wie Heilige.

KONTRA: Ein fundamentaler Glaubenssatz der Zeugen Jehovas ist der Glaube an die Organisation: Man kann kein richtiger Christ sein, wenn man nicht die Organisation der Zeugen Jehovas als die eine und einzige anerkennt, die von Gott geleitet und ermächtigt ist. Um diese Organisation dreht sich alles und diese Organisation bestimmt, wie die Bibel zu verstehen ist (Gläubige sollen zwar die Bibel lesen, aber prinzipiell entscheidet die WTG, was darin wie zu verstehen ist). Die Leitende Körperschaft beansprucht eine exklusive, von Gott bzw. Jesus Christus gegebene Autorität.

Im Sprachgebrauch wird daher Gott stets mit der Organisation verbunden: Wer sich von der Organisation trennt, verlässt Jehova Gott und wer sich der Organisation anschließt und ihren Regeln folgt, dient Jehova. Für die Zeugen Jehovas selbst ist das völlig logisch und was nach außen hin als Organisationskult erscheint, ist für sie nur eine Anbetung Gottes, wie er das selbst verlangt.

GEHIRNWÄSCHE?

PRO: Es gibt keine willenlosen Opfer in den Fängen der Zeugen Jehovas.
Ebenso gibt es keine Geheimlehren, die sich erst fortgeschrittenen Mitgliedern offenbaren. Die Lehren sind von Anfang an klar. Die Zeugen fordern dazu auf, ihre Lehren zu überprüfen und sich dann dafür zu entscheiden – oder auch nicht. Der Einstieg bei den Zeugen Jehovas ist kein brutales “Hineingezogenwerden”, sondern man geht selbst schrittweise auf sie zu – durchaus mit ein bisschen Ziehen und Anschieben, aber nie gegen den eigenen Willen.

KONTRA: Mit jedem Schritt wird aber der Spielraum verkleinert: Von Anfang an wird erklärt, dass Satan versuchen würde, den Neuling von den Zeugen abzuhalten – und das bedeutet, dass man auf Kritik von außen zunehmend weniger achten sollte. Kritikern wird stets unterstellt, sie seien böswillig oder von Satan beeinflusst, sodass man auf sie erst gar nicht hören darf. Die “freie Entscheidung” und Prüfung des Glaubens kann damit eigentlich nur auf Information der Zeugen Jehovas basieren und die ist sorgfältig gefiltert, um zur einzig richtigen Entscheidung zu kommen. Besonders Kinder, die in einer ZJ-Familie aufwachsen, haben so kaum eine ernsthafte Wahlmöglichkeit: Sie sollen von Anfang an strikt “in der Wahrheit” erzogen werden, die Taufe ist bereits ab etwa 10 Jahren möglich.

Wer sich als Zeuge Jehovas mit Abtrünnigen sehen oder mit der Literatur von Kritikern erwischen lässt, kann sich zumindest auf einen sorgenvollen Besuch der Ältesten gefasst machen. Wer als aktiver Zeuge ernsthafte Zweifel oder Kritik an der Organisation ausspricht, riskiert den Ausschluss aus der Gemeinschaft mit all seinen Konsequenzen.

Missstände in der Organisation sollten höchstens mit den Ältesten vertraulich besprochen werden; ansonsten soll man demütig auf Jehova warten, dass er diese bereinigt. Viele Aussteiger berichten von Schuldgefühlen und Angst, als sie erstmals kritische Texte über die Zeugen lasen. Sie hatten damit ein echtes Tabu gebrochen.

Obwohl es keine “Geheimlehren” im engeren Sinn gibt, wird den Zeugen Jehovas eine extrem gefilterte und geschönte Version der eigenen Geschichte vermittelt. Die aus heutiger Sicht bizarren und widersprüchlichen Lehren vergangener Zeiten sind so gut wie keinem Zeugen Jehovas auch nur ansatzweise bekannt. Wenn doch, so haben die Nachforschenden diese Informationen nur der verfemten Literatur von “Abtrünnigen” oder Kritikern entnehmen können.

MORALISCHE SICHERHEIT

PRO: Wie man auch zu den Lehren der Zeugen Jehovas stehen mag, sie sind zumindest in unseren Breiten durchweg mit den Gesetzen und vielen Moralvorstellungen verträglich: Diebstahl, Gewalt, Untreue, wie auch selbstzerstörerisches Verhalten (etwa Drogensucht, Alkoholismus) werden strikt abgelehnt. Wer in dieser Hinsicht labil ist, kann davon profitieren, dass das “richtige” Verhalten absolut klar ist. Bei den Zeugen Jehovas gibt es wenige Grauzonen und viel Bestätigung des richtigen, sowie Bestrafung des falschen Verhaltens.

Mit dem Wegfall großer moralischer Instanzen, wie der Kirche und in einer Zeit immer größerer Freiheiten und verschiedenster Lebensmodelle,  geben die Zeugen Jehovas eine Sicherheit, die attraktiv ist. Die Regeln sind klar, und verhält man sich konform, wird man von allen Seiten wohlwollend gelobt. Neben dem Gemeinschaftsgefühl ist das ein großer emotionaler Anreiz – eine schwere Last aus Entscheidungen und “Einerseits-Andererseits”-Erwägungen fällt weg, wenn man sich für ein vorgefertigtes Lebensmodell entscheidet.

KONTRA: Das Lebensmodell der Zeugen Jehovas enthält viele Einschränkungen und stellt Anforderungen, die wenig mit Moral zu tun haben. Leicht passiert es, dass sich Mitglieder irgendwann nicht mehr für gut genug halten (weil sie zuwenig im Predigtdienst sind, Glaubenszweifel haben, sich mit “weltlichen” Interessen abgeben) oder dass ihnen das von anderen vorgehalten wird. In der Literatur der Zeugen Jehovas wird da aber kein Unterschied gemacht: Wer nicht mehr als guter Zeuge funktioniert, der riskiert auch sonst den Verfall und wird süchtig, kriminell, untreu usw.

AUSSTIEG

PRO: Der Austritt ist jederzeit möglich.

KONTRA: Es ist kaum möglich, ehrenhaft auszutreten. Wer einmal getauft ist und die Gruppe verlässt, wird mit den drastischen Worten aus dem zweiten Petrusbrief bedacht: “Auf sie trifft das wahre Sprichwort zu: Der Hund kehrt zurück zu dem, was er erbrochen hat, und: Die gewaschene Sau wälzt sich wieder im Dreck.”

Wer bewusst austritt, steht daher auf einer Stufe mit Ausgeschlossenen, wenn nicht sogar darunter. Das bedeutet: Sofortige Meidung durch alle Mitglieder und soziale Kontakte werden vollständig beendet. Aktive Mitglieder werden ständig ermahnt, Ausgetretene und Ausgeschlossene strikt zu meiden und keinerlei Kontakt zu halten. Tun sie das nicht, riskieren sie selbst den Rauswurf.

Viele Ausstiegswillige – besonders solche, mit vielen Familienmitgliedern in der Organisation – versuchen daher, sich leise zurückzuziehen. Sie erklären nicht ihren Austritt, sondern besuchen immer seltener die Zusammenkünfte und bleiben irgendwann ganz weg. Auf die unvermeidlichen Ältestenbesuche und Nachfragen reagieren sie höflich ausweichend; manche ziehen sogar um, damit sie weniger im Blickfeld stehen. Gelingt das, gelten sie nicht mehr als aktive Mitglieder, sind aber eben auch keine “Abtrünnigen”. Gelingt es nicht, können sie in Abwesenheit ausgeschlossen werden. Ein solcher Rückzug verhindert zwar nicht unbedingt die Ächtung durch einzelne Mitglieder, aber zumindest das Kontaktverbot für sämtliche Zeugen Jehovas.

Eine ähnliche Situation gilt für Menschen, die zwar mit den Zeugen verbunden waren, aber nie getauft wurden: Sie können zwar als “schlechter Umgang” gelten, ein Kontaktverbot gibt es aber nicht.

EHRLICHKEIT

PRO: Zeugen Jehovas sollen ein hohes Maß an Ehrlichkeit leben, auch wenn es für sie unangenehm ist. Selbst kleine “Alltagsschummeleien” sind dabei verpönt.

KONTRA: Während viele Mitglieder tatsächlich im Alltagsleben sehr ehrlich sind, gibt es gewisse Einschränkungen, sobald es um die Organisation selbst geht. Eine Rechtfertigung dafür ist der Begriff “theokratische Kriegführung”: Die Wahrheit darf verschwiegen werden, um Gott/die Organisation zu schützen. Das bedeutet in der Praxis, dass mit semantischen Tricks und Halbwahrheiten gearbeitet wird, die hart an der Grenze zur glatten Lüge sind.

Unter diese Rubrik fallen etwa Aussagen von ZJ-Sprechern, dass es kein Kontaktverbot gegenüber Ex-Mitgliedern gibt (das sei “eine individuelle Entscheidung”), dass niemand für die Akzeptanz von Bluttransfusionen ausgeschlossen würde oder dass man niemals das Schlagen von Kindern befürwortet habe. Solche Statements wurden oft im Zusammenhang mit den Anerkennungsverfahren in Deutschland und Österreich abgegeben.

Ebenfalls fragwürdig ist der Umgang der WTG mit Zitaten in ihren eigenen Publikationen. Besonders zu Themen wie Evolution oder Bibelchronologie werden gern Wissenschaftler derartig entstellend zitiert, dass sich deren Aussagen komplett ins Gegenteil verkehren oder immer wieder Laien als “Wissenschaftler” zitiert. Da kaum ein Leser Zugriff auf die Originalpublikationen hat, fällt das nicht weiter auf. Diese Praxis wird seit langer Zeit systematisch betrieben.

Was man vor der Taufe als Zeuge Jehovas unbedingt wissen sollte.

Wer sich zur Taufe entschließt um sich „Jehova hinzugeben“, (in der Sprache der Zeugen) sollte daran denken, dass er sich in Wirklichkeit einer Religionsorganisation anschließt, aus der er nur unter Schwierigkeiten wieder austreten kann. Es wird zwar behauptet, er könne jederzeit austreten, wird aber nicht über die Konsequenzen aufgeklärt, die sich daraus ergeben.

Erstens: Der Verlust aller Freundschaften, die in seiner Zeit als Zeuge entstanden sein mögen. Aber auch der Kontakt zu Familienmitglieder, die noch Zeugen sind, wird in der Regel erschwert und auf ein Minimum reduziert,wenn nicht sogar komplett eingestellt.

Er wird als Abtrünniger gebrandmarkt und ist für ehemalige Freunde und Familienmitgliedern, wie Vater, Mutter, Kinder, Geschwister, Onkel und Tanten nicht mehr existent. Seine Familie wird ihn auf Rat, oder besser gesagt, auf Anweisung der leitenden Körperschaft, meiden.

Der Umgang mit personenbezogene Daten

Wer sich taufen lässt und Verkündiger wird, erkennt an, dass die Organisation der Religionsgemeinschaft von Jehovas Zeugen, seine personenbezogene Daten verwendet. Die Erfahrungen von Aussteigern zeigen, daß der Verkündiger keine Einsicht erhält welche Daten über ihn gespeichert wurden, auch wenn offiziell etwas anderes behauptet wird.

Auch hat der Verkündiger keine Gewähr, dass seine personenbezogenen Daten beim Verlassen der Religionsgemeinschaft von Jehovas Zeugen gelöscht werden. Die Religionsgemeinschaft beruft sich dann auf ihr „berechtigtes religiöses Interesse“um diese Daten weiter zu verwenden, sollte der Betreffende z. B. einen Wideraufnahmeantrag stellen.

Personenbezogene Daten sind Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Taufdatum, sexuelle Ausrichtung, Kontaktdaten und Informationen hinsichtlich seines geistigen Standes, seine Einstellung zu weltanschaulichen Fragen, sowie sein Predigtdiensteinsatz oder Funktionen, die innerhalb der Jehovas Zeugen ausgeübt hat.

Die Daten schließen Informationen ein, die die religiösen Überzeugungen des Verkündigers erkennen lassen und können auch andere sensible personenbezogeneDaten beinhalten. Verwendung personenbezogener Daten kann das Erheben, Erfassen, Organisieren, Ordnen und Speichern von Daten bedeuten, sowie vergleichbare Datenverarbeitungsvorgänge.

Verkündiger stimmen auf Grundlage ihrer Taufe der Verwendung ihrer personenbezogenen Daten durch Jehovas Zeugen für religiöse Zweckezu. Diese Personenbezogene Daten werden auf nicht näher bestimmte Zeit gespeichert, solange die oben genannten Zwecke oder andere berechtigte Interessen bestehen. Diese berechtigten Interessen bestehen auch nach dem Verlassen der Gemeinschaft.

Neu ist, dass seit 2018 jeder Verkündiger oder Täufling das Formular Erklärung und Einwilligung hinsichtlich der Verwendung personenbezogener Daten unterschreiben sollte. Wenn er sich weigert und dieses nicht unterschreibt, werden die Ältesten ein Gespräch mit ihm führen und zeigen, dass er sich dann nicht für gewisse Funktionen in der Versammlung eignet, da man nicht beurteilen kann, ob er den Anforderungen für diese religiösen Tätigkeiten entspricht.

Personenbezogene Daten können der Notwendigkeit und dem Zweck entsprechend an zusammenarbeitende Organisationen von Jehovas Zeugen weitergegeben werden. Es wird zwar gesagt „Verkündiger haben hinsichtlich ihrer personenbezogenen Daten, die Jehovas Zeugen speichern, das Recht auf Auskunftund Berichtigung unrichtiger Daten, sowie um Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung zu ersuchen“.  Man beachte jedoch die Formulierung: „das Recht auf Löschung zu ersuchen“  

Weiter wird gesagt: „Falls ein Verkündiger seine Einwilligung in die Verwendung seiner personenbezogenen Daten zurückzieht, mögen Jehovas Zeugen auf Grundlage ihrer berechtigten religiösen Zwecke zur Pflege und Verwaltung der Mitgliederdaten von Jehovas Zeugen berechtigt sein, einige dieser personenbezogenen Daten ohne eine solche Einwilligung weiter zu verwenden.

Das alles sollte man im Voraus wissen

Quelle:https://www.jw.org/de/datenschutzerklaerung/verwendung-personenbezogener-daten/verwendung-personenbezogener-daten-schweiz/#?insight[search_id]=5207c716-9b7e-422e-aced-920e9169a6ef&insight[search_result_index]=0

 

Mag ich nicht (111)

13 Kommentare zu “Jehovas Zeugen – Pro und Kontra

  1. Zukunft / News

    Die Zukunft sieht in der Tat düster aus für diese einst so stolze Organisation. 

     

    Die Zukunft sieht in der Tat düster aus für diese einst so stolze Organisation. Es scheint so, als ob nur ein total unerwarteter Glücksfall (z.B. der Wegfall des Internets) sie retten kann. Für mich ist die einzige Frage, wie lange es dauern wird, bis die letzte Druckausgabe des Wachtturms von der Druckerpresse rollen wird, und bis die Organisation auf eine Größe schrumpft, die unbedeutend ist. Das ist keine Frage des "ob", mehr, sondern eine Frage des "wann".Der Niedergang der Organisation ist besiegelt.

    Der Grund wird mit hoher Wahrscheinlichkeit finanzieller Natur sein, wenn nicht ein extrem krasses Ereignis vorher eintritt (zum Beispiel, dass wieder jemand aus der LK aufwacht und alles Geheime veröffentlicht o.ä.). Die Spenden aus den westlichen Ländern sind stark rückläufig. Die einzige signifikante verbleibende Einnahmequelle sind die Verkäufe von Immobilien. Wenn das wegfällt, ist die Organisation insolvent. Man wird also den günstigen Neubau mit freiwilligen Kräften enorm vorantreiben und immer mehr Versammlungen zusammenlegen. Nur so kann man weiter kräftig Gebäude verkaufen.

    Dabei wird man sich auf die großen Objekte konzentrieren, wie z.B. das Bethel in Deutschland. Irgendwann kommt der Punkt, an dem es nicht mehr genug Säle gibt, um alle Zeugen zu beherbergen. Dann wird man wieder auf Zusammenkünfte in Privatwohnungen umsteigen. Diesen Moment würde ich als Ende der Organisation bezeichnen.

    Bleibt nur die Frage, wie schnell das geht. Meine Prognose lautet nach wie vor, dass das noch vor dem Jahre 2020 eintreten wird. Ich denke, dass wir mehr wissen, wenn die Jahresversammlung vorbei ist.Ich denke, dass sie den Druck von Zeitschriften weiter zurückfahren werden. Wachtturm und Erwachet wird es vermutlich bald nur noch ein mal pro Halbjahr geben. Dann werden auch die Druckereien immer mehr überflüssig.

    Es macht keinen Sinn Selters und Chelmsford parallel zu halten.

    In DE sind 2017 bereits 39 Versammlungen verschwunden. Bald kommt der Bericht für das Dienstjahr 2018. Der wird sicher sehr aufschlussreich sein. Die Durchschnittszahlen der Verkündiger sind ja schon 2017 weggefallen. Das ist ein deutliches Indiz, dass demnächst die Zahlen weltweit negativ ausfallen werden. Die Spenden in den europäischen Ländern sind ziemlich rückläufig. In Afrika und Südamerika, wo es noch Minimale Wachstum gibt, werden die Spenden eher gering ausfallen und lange von den europäischen Ländern mitgetragen worden sein. Russland ist als Einnahmequelle ebenfalls weggebrochen. Ich nehme an, dass sie die Phase, in der sie sich nur noch in Privathaushalten treffen werden, als Drangsal interpretieren, ähnlich wie diejenigen, die damals in die Berge geflohen sind.

    Außer Spenden und Verkäufe haben sie keine anderen Einnahmequellen. Die älteren Verkündiger werden noch ihr Hab und Gut vermachen, aber auch das wird sie nicht lange tragen können.

    Ich bin auch gespannt wie die aktuellen Klagen verlaufen werden. Zum einen die von Barbara Anderson aber auch die angestrebte Klage von Zalkin gegen die LK. Australien und Kanada könnten auch noch teuer werden.Auf der letzten Hauptversammlung haben sie zudem verlauten lassen, dass es auch online bald nichts mehr Neues geben soll und sich die Brüder eher auf ältere Publikationen konzentrieren sollen und "DAS" lässt schon tief blicken.

    Im Internetzeitalter wird ein Schisma in meinen Augen nicht mehr möglich sein.Klar, ein Knall wird die Indoktrination in den Köpfen nicht schlagartig beseitigen, aber zusätzlich zu den vielen PIMOs weitere Zeugen aufwecken, die sich dann im Netz informieren können. Der Abgang wird dann enorm sein.

    Hieß es nicht in dem Artikel von der Frankfurter Rundschau , dass die Zeugen langsam aussterben werden? Aussterben bedeutet für mich das sie gänzlich verschwinden werden.Ja, ob langsam oder relativ schnell wird sich noch zeigen. Aber das finanzielle und theologische Fundament lassen kaum einen anderen Schluss zu.

    Mit "Logik" können sie nicht mehr kommen, weil alles am nächsten Tag im Netz widerlegt wird. Auf allen Ebenen sind ihnen die Hände gebunden. Ihre einzige Hoffnung ist das Einsetzen der großen Drangsal. 🤣🤣und das haben sie letztendlich selbst in der Hand, Richtig.

    Deswegen würde ich das Ausrufen dieser Drangsal ebenfalls als Ende der Org bezeichnen. Es ist ein eindeutiges Zeichen, dass sie keine andere Möglichkeit mehr sehen. Und möglicherweise liegt dieser Plan bereits in den Schubladen, wie die "Vorbereitung" auf den Kongressen zeigen könnte.

    Eine Möglichkeit wäre das Öffnen der Türen. Wenn die den Ausschluss aufheben, höre ich vermutlich zeitnah auf. Aber solange Freunde und Familie als Geiseln gehalten werden, muss man eine Veränderung unterstützen.

    Und die, die dann übrig bleiben, sind Überzeugte. Mit denen wäre ein Umbau der Religion möglich.Die Tendenz der letzten Jahre geht ja auch in die entgegengesetzte Richtung. Sie werden eher noch kultiger. So war es bei vielen Kulten in der Vergangenheit bis hin zum Massenselbstmord bei einigen.

    Vor allem, wenn sie in die Ecke gedrängt werden. Ich hoffe wirklich, dass es nicht noch krasser wird. Je stärker sie jetzt das Kontaktverbot forcieren, desto schwieriger wird es für sie, es wieder aufzuheben.

    Sie leben eher immer mehr nach dem Motto: Alles oder nichts.

    Zumindest haben sie ein Problem mit Apostaten. Viele sitzen nur noch dort weil sie müssen. Alternativ wäre eine Treuefrage eine Option.Das passiert in abgeschwächter Form schon, bspw. Datenschutzerklärung und zukünftig mit der Verkündiger-ID.

    Es gibt ja eine große Anzahl von mitläufern. Wenn man die berücksichtigt stellt man fest es gibt nur noch wenige überzeugte Zeugen. Ich schätze es sind 40 bis 60 %.Ich kenne ja viele die nur wegen den Kontakt dabei sind.

  2. Ich bin Jg 1934, bei J.Z. 1950 ein- und 1979 ausgestiegen. Im Mai 1991 schaffte ich einen PC an.
    Dann im Dez. 1991 verfasste, vervielfältigte und verteilte ich einen Flyer:

    Gemeinschaft mit den "Zeugen Jehovas"...
    Vorteile, Nachteile und Konsequenzen     (c) Dez.1991
    ***********************************************

    Seit 1950 war ich (Jg.34) dreißig Jahre dabei, habe meine Frau dort kennengelernt und wir haben 6 Kinder (16 bis 33 Jahre alt >1991).
    Bevor ich auf die Nachteile eingehe, geziemt es sich zu erwähnen was ich damals als Vorteile sah:

    Die Endzeitlehre und Hoffnung auf nahe bessere Zeiten hatten 1950 große Anziehungskraft auf mich. Ebenso das Bemühen, die christliche Lehre möglichst ohne Irrlehren darzustellen.

    Als angenehm empfand ich auch die scheinbare Nestwärme durch Gastfreundschaft, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und das brüderliche Du statt Sie.

    Regelmäßige kleine und große Treffen und Reisen, mit diesen Brüdern und Schwestern fand ich damals interessant.

    Ein gesitteter, solider Lebenswandel und ein sinnvolles, aktives Leben wurden gepflegt, dabei auch Nachdruck auf eheliche Treue und Gehorsam der Kinder gelegt.

    Es gefiel mir, daß Trivialliteratur verpönt war, aber Allgemeinbildung, Bibelkenntnisse und öffentliches Reden aller Gläubigen gefördert wurde.

    Mir nicht, aber manchem gefällt es vielleicht besonders gut, das diese Religionsorganisation ihm das Denken abnimmt und ihm auch vorschreibt, was er zu denken hat, dabei wird er so schön in der Sänfte der Bevormundung getragen.

    Obendrein wird dem Mitläufer so mancher Gewissenskonflikt erspart und Verantwortung abgenommen. Als Gegenleistung darf er nur etwas mehr Opfer aufbringen. In der Nazi-Zeit waren es Blut, Schweiß und Tränen.

    30 Jahre, fast ein halbes Leben haben meine Frau und ich zu dieser Religionsgemeinschaft gehört. Als nachdenklicher Mensch fand ich Anlaß zu
    gewissen Fragen über Lehrpunkte und den Umgang mit Gläubigen. Ich verlangte schriftlich Rechenschaft von den Verantwortlichen. Es wurde eine 40-seitige
    Auseinandersetzung daraus, die mich und meine Familie maßlos enttäuschte. Unsere
    Ernüchterung kam nicht aus zu hoch gesetzten Erwartungen, sondern aus dem unerwartet niedrigen humanen Niveau der Organisationsvertreter. Jeder kann das
    nachprüfen. Einzelheiten aus diesem Eklat möchte ich nicht wieder aufwärmen. Unsere 8-Personen Familie sagte nein zur WTG (Wachtturmgesellschaft) aber ja zum Christentum der Bibel.

    Für uns ist Christentum wertvoller als Wachtturm. Auch Gott und der Bibel sind wir näher gekommen. Gegen Organisationen aller Art haben wir Allergien. Aber den
    Gedankenaustausch mit christlichgesinnten Menschen suchen wir weiterhin.

    Grundsätzliche Nachteile für Gläubige in dieser Religionsgemeinschaft.

    Man wird nicht Mitglied der Wachtturmgesellschaft (WTG) oder der Zeugen Jehovas. Spätestens beim Austrittsgesuch wird einem das klargemacht. Man ist lediglich damit verbunden. Die einzelnen Ortsversammlungen können sich beim Amtsgericht zwar e.V. eintragen lassen, aber meistens ist dann nur die Mindestzahl von 7 (ausgewählten) Gläubigen Mitglied. Den eigenwilligen Sprachgebrauch der WTG wird man öfter erleben. So das undefinierbare Verhältnis der WTG zu Jehovas Zeugen, wer dirigiert wen?  Nachfolgend 16 Bedenken:

    1.) Solange man dieser Gemeinschaft nützlich ist, wird man freundlich behandelt. Aber wehe, man fällt ihr längerfristig zur Last durch Krankheit, Alter, Gebrechen, Invalidität, Glaubenskrisen u. Zweifel, Familien-, Ehe-, Erziehungs-, Drogen- und andere Probleme. In dieser Privatsphäre, fern der Öffentlichkeit,
    zeigt sich das wahre Gesicht dieser Sekte (0kleinere Glaubensgemeinschaft, Duden). Wie "unproduktive" Gläubige behandelt werden, das ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der WTG. Jeder Gläubige sollte daraus eine Lehre ziehen, denn auch ihn kann es bald treffen.

    2.) Die Wachtturmgesellschaft (WTG) kennt als Altersversorgung für ihre
    Vollzeitmitarbeiter nur ein spärliches Gnadenbrot in Form von Unterkunft
    und Verpflegung. Eine Altersrente in angemessenem Bargeld zur eigenen
    Gestaltung des Lebens- abends war lange unbekannt. Wer also im Alter die
    Sekte verläßt, kann völlig mittellos dastehen, obdachlos und verlassen auf der
    Straße, denn die ehemaligen Mitgläubigen werden ihn weisungsgemäß ignorieren und meiden! Selbst Angehörige, die Zeugen Jehovas sind, müssen ihn meiden. Da bleibt nur der Weg zum Sozialamt der sogenannten "Weltmenschen".

    3.) Geselliger Umgang und Bekanntenkreis beschränken sich weisungsgemäß für den
    Gläubigen nur auf Mitgläubige! Alle Kontakte nach außen verkümmern mit der
    Zeit, - weisungsgemäß. Wer also die Sekte verläßt oder ausgeschlossen wird,
    steht dann völlig isoliert und einsam da, denn auch ihn trifft das Schwert der Ignoranz.

    4.) Die WTG drückt sich mit allen Mitteln davor, über ihre Lehren und Handlungen und Finanzen Rechenschaft abzulegen, sowohl vor Mitgläubigen als auch vor der Öffentlichkeit oder dem Staate. Das lohnt sich mal zu testen!

    5.) Unter Jehovas Zeugen werden auch sogenannte Rechtsverhandlungen betreffend das interne, meistens ungeschriebene Recht geführt. Diese werden stets unter
    Ausschluß der allgemeinen Gläubigen, also nichtöffentlich durchgeführt. Ich habe
    sie selbst erlebt und als Inquisition empfunden. Regeln altbewährter Rechtspflege und Prozeßordnung mißachten sie ersatzlos Mit ihrem Beschuldigten
    gehen sie willkürlich um. Man wird wie ein Hund zur Rechtsverhandlung
    herangepfiffen. Außerdem behalten sie die Anklagen bis zur Verhandlung im
    Hinterhalt. Der Charakter der Inquisition ist auch durch das Mißverhältnis gegeben, daß einem Angeklagten mehrere Kläger und deren Helfer gegenübersitzen, aber dem Beschuldigten weder Berater noch eigene Beobachter erlaubt werden. So haben sie den Beschuldigten voll in der Hand um jedes Wort aus seinem Mund
    herumzudrehen und ihm daraus einen Strick zu drehen. Auf das Begehren des Angeklagten nach einem kundigen Rechtsbeistand / Verteidiger erntet man
    nur Spott, das sei nicht üblich. Selbst eigene Beobachter des Beschuldigten dürfen nicht mitanwesend sein. Falls man die zulässige Berufung einlegt, wird
    das Urteil nicht verschoben, sondern erst mal vollstreckt.

    6.) Diese Religionsgemeinschaft beansprucht quasi, allein seligmachend zu sein, außerhalb ihrer Reihen würde niemand Gottes Geist empfangen und niemand die Bibel richtig verstehen. Ihr genügt also zwischen Mensch und Gott nicht
    Jesus als Mittler, sondern sie möchte sich selbst auch noch in diese Linie hineindrängeln als unentbehrlicher Mittler. Das erinnert einen an Wegelagerer, die von jedem Reisenden einen Tribut fordern, oder die unter dem Vorwand zu
    helfen nur sich selbst bereichern.

    7.) Viele Religionen möchten alleinseligmachend sein, denn ihre Manager wissen um die eigenen Vorteile eines Monopols. Warum lassen sich die Gläubigen das nur so still gefallen? Laut protestierten sie sofort, wenn jemand ein Monopol über Gottes Gaben, den Regen, den Sonnenschein und die Atemluft beanspruchen würde. Es wäre für sie eine Unverschämtheit und Frechheit, daß jemand Gottes freie
    Gaben durch seine Kanäle, über seine Mühlen leitete und von allen Empfängern einen Tribut verlangte.

    8.) Betrachtet man die Wichtigtuerei der Zeugen Jehovas um ihre Organisation, dann fallen einem Ähnlichkeiten mit dem Goldenen Kalb aus alten Zeiten ein, wo
    Aaron und das Volk in Abwesenheit Moses Wichtigtuerei trieb, was ihnen Gottes Zorn einbrachte. Unser unsichtbarer Gott wird wegen sichtbarer Dinge leider stets in den Hintergrund abgeschoben.

    9.) Es gibt deshalb schon viele Zeugen Jehovas, von der unteren Basis bis zur
    Führungsspitze, welche das Christentum und die Bibelforschung auch ohne Wachtturm und ohne Organisationen fördern !

    10.) Das Monopolstreben der Wachtturmgesellschaft erkennt man auch am hierarchischen Charakter ihrer Organisation, an ihrer Machtpyramide, die der
    unteren Basis der Gläubigen jegliche Mitsprache oder Stimmrecht vorenthält.

    11.) Ein solcher Organisationsaufbau ist gefährlich für Christen. Mit wenigen
    Hebeln an der Spitze alles lenken können, ist nicht für Gott nötig, aber
    jemand anders hat seine helle Freude daran, und der wird so etwas geradezu ideal für ihn geschaffenes nicht unbeachtet lassen, sondern sanft und zielsicher in den Griff nehmen. Gott hat gute Gründe, seinen alten Widersacher nicht daran
    zu hindern. Denn so und jetzt prüft Gott die Qualität aller Gläubigen, die sich zu ihm bekennen; und damit trennt er auch die Spreu vom Weizen. Wer Gott
    imponieren will, muß Qualität bieten!

    12.) Die Wachtturmorganisation täuscht mit ihren Lehren die Wiederherstellung
    unverfälschten Christentums vor. Es kostet viele Jahre gründlichen Studiums der
    Bibel und der WT-Lehren, um die Abweichungen des Wachtturms von der Bibel zu entdecken. Auf den ersten Blick denkt der Gläubige, weil vieles wahr ist, sei eben alles wahr. 90% Wahrheit allein genügen nicht. Auch in Lehrpunkten gibt die
    WTG keine Rechenschaft ab und läßt sich auch nicht auf Fehler aufmerksam machen.

    13.) Wer wegen der Wahrheitsnähe der WT-Lehren sein Leben unter Jehovas Zeugen
    verbringt, sollte sehr umsichtig und darauf gefaßt sein, daß das Licht der Wahrheit außerhalb des WT heller scheint als innerhalb. Hier folgt keine
    Diskussion über christliche Lehrpunkte, denn das sprengt diesen Rahmen.

    14.) Die WTG bietet als Lösung für die großen Probleme der Menschheitsfamilie
    nur eines an, (wie die beiden Jünger Jesu, die er Donnersöhne nennen mußte): ein feuriges Putztuch muß von Gott aus dem Himmel kommen und alles Böse auf Erden wegwischen, das Probleme verursacht. Simpel und Gnadenlos wird Milliarden von
    Menschen die baldige Vernichtung gewünscht. Etwas besseres fällt den WT-Lehrmeistern nicht ein.

    15.) Auch für die Zeit nach einer derartigen Vernichtung halten die WT-Strategen nur magere, vage, nebelige Lösungen für die dann entstehenden Probleme und Aufgaben parat. Sie lassen erst mal alles auf sich zukommen.

    16.) Aber im krassen Gegensatz dazu blähen sie gegenwärtig ihre Organisation
    überraschend perfekt auf, um ihre Gläubigen immer stärker zu gängeln, zu
    bevormunden und ihre Druckereiumsätze zu vervielfachen.

    1. RoKo an Opa Klaus

      ... passt zu dem wie auch ich ZJ kennen lernte. Nur von den Jahreszahlen später.

      Danke Opa Klaus Prüter

  3. Jens

    Hallo,

    vielen Dank für den objektiven Pro und Kontra-Artikel, dem ich vollumfänglich zustimmen kann.. Ergänzen möchte ich fgendes:

    -immer mehr junge Leute bei den ZJ studieren, bilden sich weiter. Die Mahnungen der WTG zu höherer Bildung hat immer weniger Einfluss auf die Mitglieder

    - Ich kannte ein Ältester zu meiner aktiven ZJ Zeit der war / ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, dies fanden viele sehr gut

    -kirchliche, caritative Einrichtungen durch Ehrenamt zu unterstützen ist verpönt, ggf. verboten (Träger ist ja laut WTG ja "Babylon die Größe")

    -Vereine sind nicht verboten (außer aktiv Boxen) aber wenige ZJ sind in einem Verein. Ich habe aktiv Tischtennis gespielt und hobbymässig in einer Freizeitfusballmannschaft.. Durfte Mikro stellen, Treffpunkt beten, WT lesen kein Problem.. Nur konnte ich kein Dienstamtsgehilfe werden (kein Vorbild)

    - Kontakt zu ausgeschlossenen Familienmitglieder sind nicht gewollt, jedoch nicht verboten. Immer mehr aktive ZJ was ich so mitbekomme, halten sich nicht an das Kontaktverbot.. Auch hier sinkt der Einfluss /die Kontrolle der WTG zunehmend. Deswegen wird dieses Thema meiner Meinung nach immer wieder auf Kongressen etc.. angesprochen

    -Bei den ZJ spielt die Organisation eine grosse, wichtige Rolle.. Die Rolle /Person Jesu steht im Vergleich zu Freikirchen weniger im Fokus (Erlöser, Retter, Gnadengeschenk)

    - ZJ sind leistungsorientiert(Werke +Glaube +Gesetze der Bibel befolgen +Anweisungen der LK befolgen!! ) retten..

    Was sagt die Bibel? Bei keinem anderen (Jesus) ist Heil, Apg. 4:12

    Für mich im Nachhinein ein enges religiöses Korsett

  4. Susanne

    Das ist ein sehr guter Artikel, der mich besonders zu einem Punkt an mein 1. Bibelstudium erinnert hat. Dem Verliebtsein.

    Mitte 20 habe ich mit meinem Exmann zusammen ein Bibelstudium begonnen. Ein junges Ehepaar, in unserem Alter, hat uns regelmäßig besucht und uns rasch für den Glauben der Zeugen Jehovas begeistert. Ja, dieses "Verliebtsein" hat sich sehr schnell eingestellt.

    Von der Bibel hatten wir beide keine Ahnung und wir waren auch nicht in gläubigen Familien aufgewachsen. Die Kirche sahen wir von innen bei Beerdigungen, an Hochzeiten, bei einer Taufe oder Konfirmation und ab und an  Weihnachten. Irgendein nennenswertes Bibelwissen hatte keiner von uns beiden.

    Und es war so erfrischend und motivierend die Bibel kennenzulernen. Und es war einfach sie zu verstehen. Unsere Bibellehrer wussten augenscheinlich alles, und nichts war kompliziert. Ja, wir wussten innerhalb kürzester Zeit mehr und besser über den wahren Glauben, als jeder Priester, Pfarrer oder Pastor.

    Damals war das Paradiesbuch aktuell. In diesem haben wir eifrig studiert und viel gelernt, zumindest dachte ich das damals. Ich hatte zu der Zeit noch keinerlei Zweifel, nicht einmal ansatzweise. Bis heute erinnere ich mich an den Samstagabend, als wir über der Berechnung zu 1914 saßen. Es war einfach nur fesselnd, erstaunlich und faszinierend, wie wir unzweifelhaft zu diesem Jahr gelangt sind. Die Aufregung und Begeisterung war groß. Ich sehe uns noch immer auf unserer roten Kunstledereckbank sitzen, und Zahlen hin und her werfen.

    607 v. Christus, klar, wenn unsere Bibellehrer das sagten, dann war diese Jahreszahl natürlich richtig. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, diese Jahreszahl anzuzweifeln. Auch der Rest war einfach nur logisch. Und spätestens an diesem Punkt wusste ich: Ja, die Zeugen Jehovas haben Recht!!! Kein Pieps darüber, dass in der Bibel steht, dass Zeit und Zeiten nicht errechnet werden können.

    Der Bruder, der mit uns studiert hat stellt meiner Meinung nach immer so kluge Fragen. Dass er sie einfach nur abgelesen hat habe ich lange gar nicht gemerkt.

    Die Nebenwirkung dieses Verliebtseins stellte sich allerdings irgendwann auch ein. Die Angst vor Harmagedon. Und die saß drin. Mein Exmann hat sich nach knapp 3 Jahren aus dem Bibelstudium verabschiedet. Ich bin nach mehreren Ausstiegen immer wieder zurückgekehrt. Grund: Panik vor Harmagedon. Auf ein Überleben konnte ich schließlich nur innerhalb der Zeugen, als getaufte Zeugin, haben. Es gab Zeiten, Ende der 1980-er, da dachte ich, ich werde nie erleben, wie meine älteste Tochter in die Schule kommt...

    Es hat, wie gesagt mit Unterbrechungen, 25 Jahre gedauert, bis ich zum letzten Mal ausgestiegen bin. Dieses Mal endlich reflektiert. Mir wurden die Augen geöffnet, je mehr ich mich mit der WTG beschäftigt habe (u.a. auch hier bei bruderinfo) und ich konnte der Organisation endlich endgültig den Rücken kehren. Für diese Befreiung bin ich meinem Herrn bis heute unendlich dankbar!

    Aber dieses erste, unbeschwerte Verliebtsein habe ich in Gedanken noch sehr gegenwärtig. Nun ja, dass ist ja auch im wirklichen Leben so, auch wenn die Liebe mit einem großen Scherbenhaufen kaputt gegangen ist.

  5. Störtebeker

     
    Störti @ Alle,

    der Artikel, Jehovas Zeugen – Pro und Kontra ist gut und ziemlich objektiv geschrieben.
    Ich möchte mich hier nur auf einen Punkt beziehen, und zwar auf: „Personenkult?“
    Pro Zitat: „Im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen wird bei den Zeugen Jehovas kein Personenkult erwartet. Die Männer aus den diversen Führungsebenen werden zwar anerkannt, aber nicht angebetet. Ein “Guru” existiert genauso wenig wie Heilige.“
    Es stimmt, ein „Guru“ existiert nun nicht mehr. Allerdings Russel und Rutherford waren nichts anderes. In der heutigen Hierarchie ist es aber unbestreitbar so, dass DA´s und Pioniere schon eine besondere Aufmerksamkeit bekommen. Älteste noch mehr.
    Und wenn man sich auskennt und weis wie Kreisaufseher und Bezirksaufseher in der Versammlungen hofiert werden, weil sie die Macht haben Ernennungen vorzunehmen (also nicht der hl. Geist), und „Vorrechte“ zu vergeben (z. B. wer Vorträge auf Kongressen halten darf), dann muss ich sagen, ich habe nirgendwo sonst soviel Arschkrie... in meinem Leben erlebt. Das ist für mich Personenkult! Aber da ist es ja noch nicht zu Ende.
    Dann kommen da ja noch die Verantwortlichen in den Zweigen, von denen sind die Ernennungen der Kreis- und Bezirksaufseher abhängig. Natürlich werden die in besonderer Weise von allen Zeugens geehrt und hofiert. Danach kommen die Zonenaufseher. Dann die LK, für die sogar öffentlich gebetet wird mit der Bitte, dass Jehova sie doch in ganz besonderer Weise bedenken sollte (also mehr als alle anderen und besonders dem Fußvolk bei den Zeugens).
    Und dann ist da ja noch die verlogene Nummer mit den zwei Klassen. Also der „Treue und verständige Sklave“ ist ja inzwischen nur noch die LK! Und nur wenn wir dieses „Organ“ anerkennen, können wir bei dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus punkten, weil selbiger dieses „Organ“ angeblich installiert hat! Gemäß WT 15. 07. 2013, S. 20, Abs. 2.
    Auch bezeichnen sie sich in besonderer Weise als „Heilige“ (sozusagen als momentan auf der Erde lebende der "144 000") im Gegensatz zum Fußvolk. Andere, die früher auch noch zum "Treuen und verständigen Sklaven" gehörten, jetzt aber nur noch zu den" 144 000" werden so wie ich das jetzt verstehe auch immer noch als "Heilige" verstanden.
    Also Jesus als Mittler ist nicht mehr alleine notwendig! Es geht nichts ohne die LK, sprich „Treuen und Verständigen Sklaven“.
    Ja, ich denke das ist Personenkult. Ich habe das alles aus erster Hand erlebt, und auch ich bin hofiert worden. Ich muss gestehen, dass auch mir das nicht unangenehm war.
    Allerdings kenne ich auch die andere Seite. Wenn du nicht mehr einig gehst, dann ist es mit jeglichen Personenkult zu ende. Dann lassen sie dich abstürzen. Über diesen „Absturz“ bin ich sehr, sehr froh. Es war das Beste was mir bis dahin passieren konnte. Erst dadurch wurde der Weg zu noch viel Besserem frei!
    Heute danke ich meinem Vater und seinem Sohn fast jeden Tag dafür, dass es so gekommen ist. Der Vater hat mich zu seinem Sohn gezogen, und der hat mir dann das Recht eingeräumt ein Kind seines und unseres Vaters zu sein.
    Also: „no org, no religion no philosophie, no superstition, und statt dessen: „sola scriptura!“

    Euer Störti

  6. Horst

    Lieber Autor, liebe Leser,

    dieser Pro- und Kontra-Artikel ist wirklich sehr um wahre und neutrale Aussagen bemüht. Die Lektüre ist jedem "Interessenten" der ZJ sehr zu empfehlen, damit er weiss, was u.U. auf ihn zukommt.

    Ich möchte ihn um einen Punkt ergänzen:

    Die "geistigen Hirten", sprich die "Ältesten" der Ortsversammlungen, ermangeln jeglicher seelsorgerischen Ausbildung. Sie müssen blind, bar jeglichen Erbarmens und restriktiv die Anweisungen des weltweiten Führungsgremiums befolgen. Nur darin besteht ihre "geistige Reife".

    Nachdem es ihnen jedoch oftmals an menschlicher Reife fehlt, haben sie die Macht, ihr persönliches Gutdünken, ihre persönlichen Abneigungen, Sympathien und Antipathien gegenüber Anderen  anzuwenden und durchzusetzen und dabei Schlagworte  und Worthülsen ihrer Ideologie zu verwenden.

    Die Aussage, dass ein Zweifler, ein "Sünder" oder jemand, der "strauchelt", im "Geiste der Milde" zurechtgebracht werden soll, ist eine in der Praxis häufig unzutreffende Hypothese.

    Lieber "Interessent" oder "Bibelstudieninhaber", es kann Ihnen passieren, dass sie entgegen jeglicher Logik und Vernunft, entgegen jeder liebevollen Bibelaussage und den Worten Christi, wegen Nichtigkeiten von einzelnen "Hirten" dermassen in Schwierigkeiten gebracht werden, dass Sie psychologische Hilfe benötigen, weil ihr Leben und ihre Familie aus den Fugen geraten.

    Wie Sie den weiteren Ausführungen des Artikels entnehmen können, treten Sie einer sehr undurchsichtigen Organisation bei..........

    Herzl. Gruss Horst

  7. RoKo

    Eine gute Zusammenfassung.

    Bezüglich der DSGVO wurde mir von anderen mit der Versammlung verbundenen ZJ übermittelt, gibt es auf dem aktuell neuen Kongress, ich glaube der Tagessonderkongress 2018/19, einen Programmpunkt zur Notwendigkeit der Datenerhebung durch JW.org. Wahrscheinlich war der Gegenwind doch zu kalt und sehr viele Mitglieder (auch Älteste) sehr unsicher, ihre Zustimmung zur Datenerhebung zu geben und diese zu großen Teilen ausblieb. Deshalb nun der Programmpunkt.

    Für zweifelnde Brüder und Schwestern wurde wohl eine "kleine Zustimmung" zur DSGVO ins Leben gerufen, eine Erklärung die der Betroffene bitte nur für die eigene Versammlung unterzeichnen soll, dass seine Daten nur innerhalb der Versammlung verwendet werden können. Insbesondere für die Kontakttelefonnummer für Notfälle. Viele ZJ sehen hierin das Machbare. Weil angeblich dann die Daten nicht an das Bethel und der Organisation weitergegeben werden. Eine Prüfung wie oben im Artikel genannt ist für den Verkündiger leider nicht möglich. Und selbst ein Anschreiben an die Gesellschaft für eine Auskunft würde mit Name und Adresse einhergehen.

    Warum ein Verkündiger dennoch ein "kleines" Schreiben unterzeichnen soll erschießt sich mir nicht. Möglicherweise nur für die schriftlichen Unterlagen beim Sekretär. Denn die Telefone und Smartphone der Brüder, in welches sie als Person diese Nummer einspeichern, haben diese Brüder privat erworben, finanziert und betreiben diese auch privat.

    Laut Artikel 2 Abs. 2c der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) findet diese Verordnung keine Anwendung auf die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch natürliche Personen in ausschließlicher Ausübung persönlicher oder familiärer Tätigkeiten. (Quelle siehe unten)

    Mir erschließt sich kein Hinweis, dass wie man vorträgt, eine Unterschrift für religiöse Zwecke aus diesem privaten Kontakt abzuleiten ist. Denn im hier benannten Notfall hilft dem Verkündiger keine Organisation. Im Notfall hat man private Kontakte aus seinem Umfeld zu dessen Personen in rein privater Angelegenheit. Die Organisation legte schon immer großen Wert darauf, dass die religiösen Aktivitäten vom privaten Charakter bestimmt seien. Warum jetzt auf einmal pompös "religiös"? Die Organisation selbst ist tatsächlich steuerlich religiös. Aber nicht die Verkündiger. Man muss das trennen! Wäre das so, könnte jeder Verkündiger seine privaten Aufwendungen zu seiner religiösen Tätigkeit steuerlich geltend machen und absetzen. Nicht nur Spenden. Auch die eigene Fahrt als Entfernungspauschale zum Königreichssaal, in Predigtdienste und Ferngebiete. Gern auch mit Fahrtenbuch, Übernachtungen bei Kongressen und vieles mehr. Im Jahr kommt da ganz schön an Aufwendungen was zusammen will ich mal behaupten. Aber wer tut das? Wer es tut, ja der solle dann auch seine Unterschrift zu genau diesem religiösen Zweck abgeben. Jedoch dann als Synonym mit einem Nicknamen und einem eigenen religiösem Telefon was nur für diese Zwecke bestimmt ist und nicht privat verwendet wird. Nicht mit seinem bürgerlichen Namen und Kontaktdaten. Wenn, dann so. Sieht man bei vielen Künstlern ebenso.

    Oder auch bei Telefone, die ein Geschäftsinhaber für seine Geschäftskontakte nutzt und sein teures Gerät nicht selbst privat finanziert, sondern das Telefon als Geschäftsausgabe tätigt und absetzt wie jede andere Geschäftsausgabe auch. Fallen mir auf Anhieb mindestens 10 Brüder aus der Versammlung ein, die so vorgehen. Die also ein Geschäftshandy haben und verwalten. Dann müsste man in Umsetzung der DSGVO m.E. nach der Firma des Bruders seine Einwilligung erteilen, nicht ihm in Privatperson, und aufgepasst, wieder nicht der Versammlung! Weil es kein Gerät der JW.org ist.

    Auf Arbeit hatten wir auch Diensthandys. Diese würden heute der DSGVO unterliegen. Kein Mensch gibt aber dort private Kontakte ein. Das Gerät ist nur für den Arbeitsgebrauch. Der Smartphonekult bei den ZJ ist jedoch so agitierend, dass ein Geschäftsinhaber die Kosten solcher Geräte lieber nicht privat finanziert, wenn er doch ein Geschäft hat und es sich quasi anbietet, das darüber abzurechnen. Wäre wiederum die Frage, ob diese Telefonnummer zu eben so einem ja nunmehr Geschäftsanschluss überhaupt die JW.org etwas anginge? In Umsetzung der DSGVO müsste man hinterfragen, ob es sich bei dem Gerät um ein Mehrfach-SIM-Gerät handle? Also mit einer SIM-Karte der Firma und (wenn vorhanden) einer privaten SIM-Karte betrieben wird. Dann darf der Gerätenutzer meine private Nummer nicht im Firmengerät speichern, sondern maximal auf der privaten SIM-Karte, besser aber in einem handgeschriebenen Notizbuch. Wenn der Nutzer technikversiert ist, kann er das korrekt speichern. Die meisten Endverbraucher können das allerdings eher nicht und tippen die Nummer einfach ein und drücken auf speichern. Fertig. Wo die Nummer letztlich gespeichert ist wissen sie nicht.

    Ist Krümelkackerei. Ja, aber DSGVO-verpflichtend. Die meisten drücken sowieso 0150... ein, statt +49150... und wundern sich dann unterwegs im Urlaub, warum sie keine Verbindung bekommen...

    Infolge der enormen rechtlichen Unsicherheit und Umsetzung der Anweisungen aus dem Bethel und dortigen Justiziaren entstehen leider viele Wissenslücken, die von der JW.org brutal ausgenutzt und die Verkündiger schier vorgeführt werden. Es ist insofern eine komplizierte Angelegenheit für das Recht des Cäsars, nicht für Jehova Gott. Das sollte man beachten! Der Schöpfer kennt jede Person von uns ohnehin, er sah sogar den Embryo von mir, und in dein Buch waren alle seine Teile eingeschrieben hinsichtlich der Tage, da sie gebildet wurden und unter ihnen noch nicht einer da war. Ps 139:16

    Ach so: Auf dem Kongress wurde von der Bühne über die Lautsprecheranlage verbal gesagt, das künftige Leben hänge nicht von dieser Unterschrift ab... Meiner Meinung nach hätte man diesen Einwand auch vor Erhebung dieser Daten den Verkündigern deutlich mitteilen und kommunizieren können, oder? Eher wurden da andere Dinge geäußert... Schriftliche Dokumentationen sucht man vermutlich vergebens, wie bei vielen Details bei den ZJ. Bleibt nur ein Mitschnitt, wenn ein Verkündiger selbst den Kongress 2018/2019 besucht.

    Ich verlinke zu einem Artikel: https://anwalt-fuer-datenschutz.eu/whatsapp-nutzung-durch-die-datenschutzgrundverordnung-verboten/

    Weiß nicht wie Markus sich fachlich dazu positioniert? Liest Du mit?

    LG RoKo

    1. Markus

      Hallo Roko

      Es ist schon richtig was Du geschrieben hast,,Ich rate jedem der für die Datenerhebung unterschreibt,nur Daten heraus zugeben,die rein,ich wiederhole rein nur für die  JW. Org bestimmt sind,ich rate weiterhin sich wnn möglich,ein Handy ,Smartphon Tablet und ähnliches nur für diesen Gebrauch zu zulegen, Private Handys usw können unter umständen auch von einer JW Org durch Spionageprogramme ausspioniert werden,das ist Heute technisch kein Problem mehr,und da JW. Org ihren  Hauptfirmensitz in Amerika hat kann von dort aus munter ausspioniert werden ohne das das Datenschutzgesetz hier greifen kann,also alles mit absoluter Vorsicht zu geniesen,

      Ich persönlich würde weiterhin nichts unterschreiben ,auch kein Internes Schriftstück,deswegen rauswerfen können sie einen nicht,denn da könnte man die JW Org anderweitig rechtlich an die Hammelbeine drann bekommen,Also alles mit großer Vorsicht

      Gruß Markus

    2. lusan

      Aus dem KK-Programm 2018/2019 kann ich direkt keinen spezifischen Programmpunkt erkennen.

      Programm hier:
      Bleib stark!

      JOSUA 1:9

       VORMITTAG

      9.40 Musik

      9.50 Lied 38 und Gebet

      10.00 Jehova — die Quelle unserer Stärke und Kraft

      10.15 Sei stark — arbeite an deinem Glauben

      10.30 Sei stark — mit Eifer predigen, lehren und schulen

      10.55 Lied 7 und Bekanntmachungen

      11.05 Aus einem Zustand der Schwäche mit Kraft erfüllt

      11.35 Hingabe und Taufe

      12.05 Lied 79

      NACHMITTAG

      13.20 Musik

      13.30 Lied 102

      13.35 Erfahrungsberichte

      13.45 Wachtturm-Zusammenfassung

      14.15 Vortragsreihe: Sei stark — steh fest für Jehovas Souveränität ein

      als junger Mensch

      als Ehepartner

      14.45 Lied 126 und Bekanntmachungen

      14.55 „Steht fest im Glauben, . . . werdet stark“

      15.55 Lied 2 und Gebet

       

      1. Meereswoge

        Liebe Lusan. Eigentlich dachte ich, das KK Programm ist überall gleich.

        In meinem Programm steht. "BLEIB MUTIG". Psalm 138:3. KK 2018/2019

        9.40  Lied 73.

        9.50. Vortragsreihe:  Sei mutig wie Henoch, Moses, Josaphat,Petrus

        11.05.  Lied 69

        11.15.  Im Predigtdienst mutig sein.

        Den ganzen Tag ging es um Mut.....Kleider/Haarmode....Arbeitsplatz Schule, Familie, Öffentlichkeit,

        Schlußvortrag: Dein Mut wird sehr belohnt

        16.15  Lied 119

        Vielleicht gibt es ja doch unterschiedliches Programm, dem Kreis entsprechend.

        Die unentwegten Aufforderungen, mutig zu sein, habe ich noch immer im Ohr.....

        Unser Herr Jesus hat die Welt besiegt mit seinem Mut. Leider wurde er wieder mal kaum erwähnt. Wie traurig!

        Trotzdem allen ein erholsames Herbstwochenende

         

         

         

        1. lusan

          Es gibt zwei KK-Programme:
          2018/2019 Kreiskongressprogramm — mit dem Kreisaufseher - JW.org
           
          https://www.jw.org/de/publikationen/buecher/kreiskongress-programm-2019-co/

          2018/2019 Kreiskongressprogramm — mit dem Kreisaufseher. Programm für den Kreiskongress „Bleib mutig!“ von Jehovas Zeugen.

          2018/2019 Kreiskongressprogramm — mit dem Vertreter des ... - JW.org


          https://www.jw.org/de/publikationen/buecher/kreiskongress-programm-2019-br/

           

          2018/2019 Kreiskongressprogramm — mit dem Vertreter des Zweigbüros. Das Programm für den Kreiskongress mit Vorträgen eines Vertreters des Zweigbüros.

  8. Giovanni

    Vergleich Love-Scamming oder warum schaffe ich es nicht die ORG zu verlassen
    Love-Scamming: dem Verliebten kann …. Geld aus den Taschen gezogen werden, weil er verliebt ist.
    Ich habe ein Beispiel aus dem persönlichem Umfeld erfahren: auch nachdem sie (eine Frau) es erkannt hatte, konnte sie den Tatbestand fast nicht glauben… Sie war immer noch verliebt.
    Opfer von Love-Scamming brauchen nach dem sie den Schwindel aufgedeckt haben, noch Jahre um über den Verlust hinweg zu kommen, da sie ja echt verliebt waren ….
    Die Brüder sind „verliebt“, Liebe macht blind, dazu sind sie auch in Aufgaben total verbaut und in Familienbanden eingebunden das es fast unmöglich macht einfach auszusteigen.
    Es ist ein Mischgebilde bestehend aus biblischen Grundaussagen und hineingeflochtenen Weisheiten der JWORG welche ein babylonisches Wirrwarr erzeugen wodurch es schwierig wird, die Orientierung zu finden. Ein Irrgarten mit vielen Spiegeln und Dunkelkammern gemischt mit hellglänzendem Licht ect… „Wir haben die Wahrheit, das Paradies steht vor der Tür, durch Harmagedon werden alle Bösen vernichtet, ect..“

    Narzissmus
    JWORG hat die Muster eines Narzistischen Systems: https://umgang-mit-narzissten.de/die-perversen-kommunikationstechniken-eines-narzissten/
    Gaslightning

    Ausgeglichene Betrachtungsweise
    Als ausgeglichen denkender Mensch sollte man erkennen, dass nicht alles was JWORG macht und lehrt nur falsch ist, dann währen Sie ja schon längst aufgeflogen, so einfach ist das nicht.
    Ein schwarz-weiss Denken bringt hier nicht weiter.
    Es gibt viele durchaus nützliche Artikel und Haltungen die absolut biblisch begründen sind, aber wie zuvor aufgeführt wird bei der Taufe nicht an den Erlöser gebunden – das ist ein fundamentaler Fehler – oder wenn bewusst getäuscht, als Betrug zu werten.
    Alle Arbeit (Redaktion, Druck, Bautätigkeit, Predigtdienst, ect, ist nicht das Verdienst der Gesellschaft sondern die aktive Tätigkeit der Brüder, die Gesellschaft ist Drahtzieher)
    Jetzt könnte man denken, dass die Gesellschaft als Drahtzieher trotzdem positiv handelt. Die Erfahrungsgemässe Feststellung ist, dass es der Gesellschaft nicht um Menschen, sondern nur um sich selbst geht, da liegt das Problem.

    Unter dem Strich handelt die JWORG völlig eigennützlich, der Bruder in Not um den können sich die anderen kümmern (...auch die ach so böse Welt) (geh hin und halte dich warm, steht dann im WT-Artikel)
    … an den Früchten werdet Ihr sie erkennen … (Die Brüder möchten und bringen Früchte hervor, aber tut das auch die Gesellschaft?)

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