Der Streit um den Bart- eine unendliche Geschichte bei Jehovas Zeugen!

Eine kleine Abhandlung über die Hintergründe dieser ewigen Diskussion. Aus dem Englischen von jwfacts.com sehr frei übersetzt und verändert.

Bart Vers.001

Nur selten trifft man einen Zeugen Jehovas mit Bart und in englischsprachigen und auch weitestgehend in deutschsprachigen Ländern, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er damit ein Dienstamt bekleidet. Reglements zur Gesichtsbehaarung werden im Wachturm nicht direkt behandelt, aber vage Aussagen lassen eher auf einschlägige Mißbilligung schließen. Anekdoten erzählen von Männern, die sich demütig vor Kongressen von ihrem Gesichtsschmuck trennten und in Veröffentlichungen werden Brüder durch die Bank ohne Bart abgebildet.

Der vorherrschende Konsens in dieser Frage ist eher durch Gruppenzwang als durch Direktrive zustande gekommen. Ein mustergültiger Zeuge erscheint in den Publikationen immer glatt rasiert, wohingegen der defizitäre Weltmensch oft durch den obligatorischen Bart gekennzeichnet ist.

Der Bart in unseren Veröffentlichungen

Die haarige Gesichtsverzierung des Mannes findet eine ihrer wenigen Erwähnungen im Wachturm von 1962: “Likewise it is possible to spend valuable time speculating on matters concerning the future. One might ask, In what year will Armageddon begin? Will the faithful angels eventually receive immortality? Will there be factories and machines in use after Armageddon? Will men wear beards again?
These are typical questions to which Jehovah has not provided answers at this time. Do you think it wise for Christians to take time from more profitable Bible study to speculate on the answers? ”

“…Werden Männer wieder einen Bart tragen?” Watchtower 15. Juni 1962 S. 381

Schon die Frage, ob Männer in der neuen Welt wieder Bart tragen werden, zeigt wie unerwünscht und unüblich dies zu besagter Zeit war.

Die einzige öffentliche Aussage gegen einen Bart erfolgte 1968: “In den letzten Jahren wurde in vielen Ländern der Bart … als Zeichen der Rebellion gegen die Gesellschaft gesehen. Gottes Diener wollen alles vermeiden, was von der Botschaft ablenken, oder Menschen daran hindern könnte, die Wahrheit zu hören.” Watchtower 12.05.1968 S. 28

Eine eindeutige Aufforderung zur Rasur erfolgte im Leitfaden, S. 185 Abs. 20:

“Auch einem richtigen gepflegten Äußeren sollte Beachtung geschenkt werden. Ungekämmtes Haar kann einen schlechten Eindruck hinterlassen. Man sollte vernünftige Sorgfalt anwenden, damit man in dieser Hinsicht ordentlich aussieht. Ebenso sollten Männer in der Versammlung, wenn sie Aufgaben in den Zusammenkünften haben, darauf achten, daß sie gut rasiert sind.” 

Diffuser liest es sich 2002 im Predigtdienstschulbuch: “Bei Männern wird es wahrscheinlich zu einem ordentlichen persönlichen Erscheinungsbild gehören, glatt rasiert zu sein. Wo ein Schnurrbart allgemein als akzeptabel gilt, sollte der Träger ihn entsprechend pflegen.” 

Predigtdienstschulbuch S. 133 Für Kongresse gibt es direkte Anweisungen, Brüder mit Bärten nicht einzusetzen, wie die folgende Manuskriptanmerkung von 2009 zeigt (freie Übersetzung, liegt in deutsch nicht vor):  “Kleidung und Erscheinungsbild: Die Redner müssen einen Anzug tragen. Falls Eure Vorträge Interviews beinhalten, wählt keine Brüder die einen Bart tragen und versichert euch, dass die Teilnehmer sich bewusst sind, wie wichtig ein gepflegtes Erscheinungsbild, sowie ansprechende Kleidung sind.”

Bart.001Seit Jahrzenten werden in den Erfahrungsberichten sehr häufig weltliche Männer erwähnt, die ihren Bart entfernen, wenn sie Kongresse besuchen. “Ich rasierte mir den Bart ab und ließ mir die Haare schneiden; Sue kaufte sich ein paar Kleider. Vier Monate später waren wir verheiratet, und im April 1976 ließen wir uns taufen, als Symbol unserer Hingabe an Gott und unseres Wunsches ihm dienen zu wollen.” Erwachet 7.12.2007 S. 24

“Es wurde ein Bibelstudium mit ihm begonnen. Als die biblische Wahrheit in sein Herz drang, fielen die Veränderungen, die er vornahm, allen auf. Eines der ersten Anzeichen war, daß er sich die langen Haare abschneiden ließ und seinen ungepflegten Bart abrasierte.” Wachturm 01.01.1998 S. 4

“Der junge Spanier nahm Drogen, trug langes Haar und einen Bart. Nachdem er das Buch erhalten hatte, ging mit ihm jedoch eine beachtliche Veränderung vor. Er rasierte seinen Bart ab, ließ sein Haar schneiden und nahm keine Drogen mehr. Sobald Edwin das erfuhr, wollte er ihn unbedingt kennenlernen.”   Wachturm 15.09.1989 S. 32

“Auch eine ausgefallene Frisur kann dazu beitragen, daß man dem Teufel in die Falle gerät und daß man andere zum Straucheln bringt. Zum Beispiel machte ein junger Mann in den Vereinigten Staaten gute Fortschritte in seinem Bibelstudium, und er fühlte sich veranlaßt, zusammen mit einem erfahrenen Zeugen die guten Dinge, die er aus der Bibel gelernt hatte, anderen zu verkündigen. Schon als Jugendlicher hatte er sich einen Bart wachsen lassen, und da einige Geschäftsleute Bärte trugen, dachte er, sein Bart würde im Predigtdienst niemand stören. Doch an einer Haustür hatte er sich kaum vorgestellt, als die Wohnungsinhaberin sagte: ‘Es tut mir leid, junger Mann. Ich möchte mich nicht in einen Studentenaufstand verwickeln lassen.’“Er konnte sagen, was er wollte, es gelang ihm nicht, das Mißverständnis zu klären, und die Unterhaltung wurde dadurch beendet, dass die Dame die Tür schloß. Danach fragte der junge Mann den erfahrenen Zeugen, was er denn falsch gemacht habe. Der Zeuge forderte ihn auf, einmal darüber nachzudenken, in welchem Verhältnis seine Erscheinung zu seiner Behauptung stehe, ein Diener Gottes zu sein. Da dieser neue Königreichsverkündiger nicht daran schuld sein wollte, daß jemand an ihm Anstoß nehmen und seinetwegen nicht den Weg des Lebens beschreiten würde, ließ er sich den Bart abscheren. Wärst Du bereit, das gleiche zu tun, oder ähnliche Änderungen vorzunehmen, wenn Deine äußere Erscheinung in einem bestimmten Gebiet einen falschen Eindruck erwecken würde?”   Wachturm 15.11.1975 S. 693 Abs. 9  (Für weitere Quellen, einfach in der Watchtower Library nach “Bart” suchen.)

Ein Bart, Anlass zum Straucheln?

Auffallend ist, dass es keine stichhaltigen Aussage gibt, warum Bärte falsch sein sollen. Man argumentiert, dass Brüder immer passend angezogen sein sollten und Bärte manchmal eben als unpassend angesehen werden. Außerdem könnten sie Anlass zum Straucheln bieten.

Die deutlichste Aussage fand ich in einem Schreiben mit Datum vom 24. Februar 2009, das auf eine Anfrage eines Bruders, zu diesem Thema erfolgte: “Ein Bart beeinflusst nicht die Rettung, es wird nicht die Zulassung zur Taufe beeinflussen, am Dienst teilzunehmen oder an der theokratischen Predigtdienstschule.”

Jedoch wird verschwommen angedeutet, dass ein Bart nicht geeignet für jemand ist, der nach einem Dienstamt eifert.  “… wenn ein Christ nach einem Dienstamt strebt und er einen Bart trägt, könnte er sich fragen, ob selbst ein ordentlich gestutzter Bart eine Teilung oder Diskussionen in der Versammlung hervorrufen könnte (1. Tim. 3:1).

Falls sich die Mehrheit der Brüder dazu entschieden hat, aus den vorgenannten biblischen Grundsätzen, keinen Bart zu tragen, ist es angemessen wenn die, welche die Führung der Versammlung als Älteste oder Dienstamtgehilfen übernehmen, aus Respekt als Vorbild vorangehen.”

Die Bibel zeigt uns eindeutig, dass Bärte für Christen zur Normalität gehörten, und auch heute findet diese Mode weite Verbreitung und Akzeptanz, trotzdem schließt der Brief mit der passiv- aggressiven Empfehlung, dass “ein Bruder der sich entscheidet, rasiert zu sein, um der guten Botschaft willen, den selben selbstaufopferungsvollen Geist wie (Timotheus) aufweist.”

Die WTG nutzt natürlich auch Bildmaterial zur indirekten Einflussnahme.

Obwohl einige Darstellungen im Wachtturm Männer in der neuen Welt- oh Wunder- mit Bart zeigen, sehen wir am Beispiel eines auferweckten jetzt brav glattrasierten Piraten, wie manipulativ die Organisation vorgeht, wenn sie den Verkündigern damit suggeriert, dass der Mann dadurch biblische Prinzipien respektiert.

Welche Anmaßung, sich Männer in der neuen Welt ausschließlich ohne Gesichtsbehaarung vorzustellen, nur weil die leitende Körperschaft dies als akzeptablen Kleidungsstil wertet!

Verändernde Standards

Das folgende Bild zeigt, dass Jehovas Zeugen in den 1940gern durchaus Bart trugen. Ich erinnere mich deutlich: Ein Familienalbum der Amerikaner 1918 – 1941 Agnes Rogers (1947)

Ich vermute, dass die oppositionelle Haltung gegen Bärte in den 1960gern, während der Hippie- Zeit entstand, als man dieses Erscheinungsbild als Charakteristikum des Rebellentums wertete. Dabei wird übersehen, dass schon lange vorher, Rutherford, der zweite Präsident der WTG, einen Trend mit seinem unbehaarten Gesicht setzte, mit dessen Einfluß auf die anderen Brüder er eine weitere Methode nutzte, um sich von Russells Führung auch optisch zu distanzieren. Allerdings ahmten auch viele Männer in der Organisation, die Rutherford nicht als rechtmäßigen Führer akzeptierten, Russels Bart nach und brüskierten wiederum den Richter durch dieses optische Statement.

Im Buch “30 Jahre ein Wachtturm- Sklave” wird eine Erfahrung aus dem Jahr 1925 geschildert: “Ein amüsanter Zwischenfall geschah zu der Zeit als der Richter uns besuchte. Der Direktor des deutschen Zweigs, wie auch viele vor ihm, hatte sich einen langen Bart wachsen lassen, im Stile von Charles T. Russell’s Bart. Der Richter wollte nichts verbleiben lassen, was ihn an Russel erinnerte- nicht einmal das Wachsen eines Bartes. Als ich eines abends am Tisch in Hörweite saß, fragte der Direktor den Richter nach einer weiteren, großen Rotationsdruckmaschine.

Der Richter sagte für eine Weile nichts, er aß nur. Plötzlich schaute er auf, seine Augen fixierten den großen Bart und er sagte: ‘Ich kaufe dir die Maschine, wenn du das Ding weg machst’, auf den Bart zeigend. Sicher schockte es den Direktor, aber er beherzigte die Warnung und nahm beschämt den Bart ab.” 30 Jahre ein Wachtturm-Sklave”, Schnell, S. 51-52

Das Jahrbuch von 1974 bestätigt Schnells Aussage: “Aber es wurden noch mehr Maschinen benötigt. Aus diesem Grunde bat Bruder Balzereit Bruder Rutherford um die Erlaubnis, eine Rotationsmaschine zu kaufen. Bruder Rutherford erkannte die Notwendigkeit und stimmte zu, doch nur unter einer Bedingung. Er hatte beobachtet, daß sich Bruder Balzereit im Laufe der Jahre einen Bart hatte wachsen lassen, der dem Bart von Bruder Russell sehr ähnlich sah. Sein Beispiel machte bald Schule, denn es gab auch andere, die so aussehen wollten wie Bruder Russell.

Dies hätte natürlich leicht zur Menschenverehrung führen können, und das wollte Bruder Rutherford vermeiden. Daher sagte er Bruder Balzereit bei seinem nächsten Besuch in Anwesenheit der gesamten Bibelhausfamilie, er könne eine Rotationspresse kaufen, doch nur unter der Bedingung, dass er seinen Bart abnehmen ließe. Bruder Balzereit stimmte schweren Herzens zu und ging danach zum Friseur. In den folgenden Tagen gab es manche Verwechslung und auch einige heitere Situationen, weil der „Fremde“ manchmal von seinen Mitarbeitern nicht erkannt wurde.” Jahrbuch 1974 S. 97, 98

In letzter Zeit stellt der Wachtturm die wechselnde Meinung im Bartthema als Modeerscheinung dar: “Mit dem Niedergang des Römischen Reiches jedoch kam der Bart wieder auf und blieb etwa 1 000 Jahre in Mode, bis es in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder populär wurde, sich zu rasieren. Glattrasierte Gesichter waren das ganze 18. Jahrhundert hindurch die Regel. Doch dann schwang das Pendel im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder in die andere Richtung. So sind C. T.Russell, der erste Präsident der Watch Tower Society, und sein Glaubensbruder W. E.Van Amburgh auf Fotos mit eleganten, gepflegten Bärten zu sehen, die ihnen ein für die damalige Zeit würdevolles und angemessenes Erscheinungsbild verliehen.

Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings erfreute sich die Bartrasur wieder zunehmender Beliebtheit, woran sich in den meisten Ländern bis heute nichts geändert hat.” Erwachet 22.Januar 2000 S.24

Obwohl es stimmt, dass der Trend zur Rasur zunimmt und wieder fällt, berechtigt dies nicht zu einem totalen Tabu, da ein Bart in der gesamten westlichen Gesellschaft akzeptiert wird.

Als der erwähnte Artikel 2000 geschrieben wurde, arbeitete ich mit Geschäftsleitern und Softwareentwicklern aus Australien zusammen, für die ein Bart selbstverständlich war. Als ich 2013 diesen Artikel schrieb, beschäftigte unsere Firma viele professionelle Angestellte mit Bart. Dieser ist schon seit langer Zeit nicht mehr nur Attribut der Hippies und deren Ideologie und war es außerdem auch nie als Alleinstellungsmerkmal. Adelige, Politiker, Staatsmänner, internationale Berühmtheiten und Firmenleiter- kurz eine Menge Leute unterschiedlichster Couleur, wie z.B. James Cameron, Richard Branson, Alan Sugar, George Lucas, und James Caan tragen Bart. Nur Jehovas Zeugen insistieren immer noch völlig veraltet die Rasur, um eingebildeten, gesellschaftlichen Standards zu entsprechen.

Hatte Jesus einen Bart?

Zwischen 1954 und 1968 gipfelte die Bart- Dramatisierung in den WTG- Publikationen darin, Jesus sauber rasiert und mit kurzen Haaren zu illustrieren.Jesus ohne Bart.001

Eine Leserfrage aus dieser Zeit lautet: ” Die traditionellen Darstellungen Jesu zeigen ihn mit langen Haaren und Bart, aber der Wachturm stellt ihn mit kurzen Haaren und Bart dar. Was ist richtig?” M.H. Vereinigte Staaten

Die Antwort: “Die aktuellen Wachturm- Publikationen zeigen Jesus bartlos und mit kurzen Haaren, da er auf noch älteren Darstellungen, als den traditionellen- weiblich wirkenden Bildern, so gezeigt wurde… Da die Bibel Jesu Gesicht nicht beschreibt oder sagt, dass er einen langen Bart hatte, folgen wir den ältesten archäologischen Beweisen, statt der späteren, traditionellen Sicht, die Jesus weiblich, fahl und frömmlerisch darstellen. Manche nutzen Jesaja 50:6 um zu beweisen, dass Jesus einen Bart hatte: “Meinen Rücken bot ich den Schlagenden und meine Wangen denen, die [das Haar] ausraufen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Demütigungen und Speichel.” Dies hat sich wortwörtlich vielleicht bei Jesaja erfüllt- beschämende Beleidigungen und Vorwürfe auf die Dienerklasse vorschattend, dessen wichtigster Akteur Jesus war. Jeder dieser Diener leidet unter Verfolgungen, aber nicht notwendiger Weise unter allen hier genannten. Die Aufzeichnungen zeigen, dass Jesus ausgepeitscht, geschlagen und angespien wurde, aber von Haare ausraufen ist nicht die Rede. Wäre dies erfolgt, würde dies nicht neben den anderen Misshandlungen erwähnt worden sein? (Mat. 27:26, Mark. 14:65). “ Watchtower 15.Aug. 1954, S.511

Eine Kehrwende erfolgte dann bei Beantwortung einer erneuten Leserfrage im Jahre 1968: “Als Jesus Christus auf der Erde lebte, trug er einen Bart?” – K.A. USA

Antwort  Watchtower 12. Mai 1968 S. 286:  “Biblische Beweise sind das beste Zeugnis, das für diese Frage gefunden werden kann und eine kürzlich durchgeführte, sorgfältige Betrachtung zeigt, dass Jesus einen Bart hatte.”

Man darf sich wundern, warum biblische Beweise und der heilige Geist die leitende Körperschaft nicht zu diesem Schluss führten, als sie das “neue Licht”- Jesus ohne Bart, 1954- postulierten. In späteren Ausgaben des Wachtturms wird sogar über die Gestalt des Bartes berichtet:

“Auf den Bildern in der Artikelserie: Jesus- Wie sah er aus? Welche Rolle spielt er heute?“(8. Dezember 1998), sieht es so aus, als ob Jesus, dem in 3. Mose 19:27 formulierten Gesetz, nicht gehorchte: ‘Ihr sollt euer Haar an den Kopfseiten nicht rundum stutzen, und du sollst deine Bartenden nicht zerstören.’“Warum wird er auf den Bildern nicht mit ungestutztem Haar an den Kopfseiten dargestellt?” S., England

Die Antwort: “Dieses Gesetz wurde den Juden offensichtlich gegeben, um zu verhindern, dass sie ihren Bart oder ihr Haar in Nachahmung bestimmter heidnischer Bräuche stutzten. Gottes Gebot besagte jedoch nicht, dass die Juden ihren Bart oder die Barthaare überhaupt nicht stutzen durften. Der Bericht in 2. Samuel 19:24 deutet an, daß jüdische Männer normalerweise ihre Barthaare ‘pflegten’ oder stutzten. Wie weit sie den Bart stutzten, hing von den jeweiligen Sitten ab. Archäologische Funde lassen erkennen, dass die Juden im Lauf der Jahrhunderte unterschiedliche Bärte trugen. Unsere künstlerische Darstellung von Jesus mit einem kurzen, gepflegten Bart und gestutztem Haar an den Kopfseiten stimmt daher mit den Tatsachen überein (Red.).”  Erwachet 22.09.1999 S. 30 Leserbriefe

Die Darstellung Jesu seit 1968

Jesus Bart .001Die wechselnden Ansichten über Jesu Bart enthüllen sehr schön, wie die WTG Informationen in ihrem Interesse manipuliert. 1954 wurde bis ins Detail erläutert, warum Jesus keinen Bart hatte, 1968 wurde Zeugen Jehovas ebenso pedantisch erklärt, warum er einen Bart hatte. Schriftstellen werden tendenziös genutzt, wie das Beispiel 3. Mose 19:28 zeigt: hiermit wird begründet, warum Tattoos für einen Christen unpassend sind, aber Vers 27 zum Thema Bart wird geflissentlich ignoriert:

“Es hatte ganz sicher seinen Grund, dass Gott seinem Volk im mosaischen Gesetz verbot, sich tätowieren zu lassen. So heißt es in 3. Mose 19:28: ‘Und ihr sollt euch wegen einer verstorbenen Seele nicht Einschnitte in euer Fleisch machen, und ihr sollt kein Tätowierungszeichen an euch anbringen. Ich bin Jehova.’ Heidnische Anbeter wie die Ägypter tätowierten die Namen oder Symbole ihrer Gottheiten auf ihre Brust oder auf ihre Arme. Dadurch, dass sich die Israeliten an Jehovas Verbot hielten, unterschieden sie sich deutlich von anderen Nationen (5. Mose 14:1, 2).” Erwachet 22.09.2003 S. 26

Vers 28 soll untermauern, warum wir uns gegen ein Tattoo entscheiden sollten, wohingegen Vers 27 in punkto Haar mal eben unter den Tisch fällt: “Ihr sollt euer Haar an den Kopfseiten nicht rundum stutzen, und du sollst deine Bartenden nicht zerstören.”

Verglichen mit der Entwicklung anderer organisationtechnischer Lehrmeinungen, wie z.B. dem Geburtstagsfeier- Verbot, müsste sich die Beweiskette zur Regelung der Bartangelegenheit wie folgt lesen:

1. Gott hat Männer so erschaffen, dass ihnen Bärte wachsen.

2. Die Israeliten und Christen im ersten Jahrhundert trugen Bärte. Das ist biblisch belegt. Dem Beispiel sollten auch wir heute Folge leisten.

3. Das mosaische Gesetz verbot die Rasur, was Gottes Abneigung deutlich macht- siehe 3. Mose 19:27.

4. Frauen rasieren sich, um ihre Weiblichkeit zu unterstreichen. Homosexuelle Männer prägten durch die Rasur eine androgyne Modeerscheinung.

5. Rasieren hat heidnische Wurzeln und wurde zuerst durch ägyptische Priester praktiziert und später durch Alexander den Großen verbreitet. (Siehe Wikipedia- Shaving). Während die ersten Christen Bärte trugen, waren die heidnischen Römer rasiert, so auch Pontius Pilatus, der der Hinrichtung Jesu zustimmte:

“Seine Uniform bestand aus einer ledernen Tunika und einem metallenen Brustpanzer, seine Amtskleidung aus einer weißen Toga mit purpurfarbener Borte. Der Haarschnitt war kurz und das Gesicht glatt rasiert. Wenngleich manche meinen, Pilatus stammte aus Spanien, deutet sein Name doch darauf hin, dass er der Familie der Pontier angehörte. Adlige des Stammes der Samniten aus dem südlichen Italien.”  Wachturm 15.09.2005 S. 10

Zeugen Jehovas befolgen all diesen erdachten und fragwürdigen Regeln, um ihren Frieden zu haben. Statt Banalitäten Raum zu geben- wäre es nicht sinnvoller über wirkliche Gebote und Grundsätze, wie sie beispielsweise in Mat. 15:3-9, 1. Kor. 4:6,7 oder Luk. 22:25, 26 zu finden sind, nachzudenken?

Mat. 23:23,24 “Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen”.

  Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt!  Mat. 23:26

Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.

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