Gibt es die “wahre Religion”?

_2So wie alle Glaubensgemeinschaften sind auch Zeugen Jehovas zutiefst davon überzeugt die einzig wahre Religion zu haben. In dem Moment, wo einem Zeugen Jehovas bewusst wird, dass diese Überzeugung nicht aufrechterhalten werden kann, fällt er in der Regel in ein tiefes sinnentleertes und seelisches Loch.

Gibt es denn eine wahre Religion? Hat Jesus überhaupt eine Religion gegründet?

 Religion wird bei uns als die “Form einer Anbetung” definiert, die aus einem System von Vorstellungen, Glaubenslehren und Bräuchen besteht. Hatte Jesus eine besondere Form oder besondere Lehren in Form eines Glaubensbekenntnisses begründet, welchen uneingeschränkt zu folgen ist?

Richtig ist, dass Jesus von “der Wahrheit” sprach, aber er sprach nicht von einer wahren Religion, die als absolutes Glaubensgebot und als Erlösungsgarant für den Einzelnen steht. Er bezog sich einzig auf das Wort seines Vaters in Verbindung mit dem Absolutheitsanspruch, dass dieses Wahrheit sei. (Joh. 17:3) Er grenzt sich jedoch gegen “viele falsche Christusse” ab, die in der Endzeit in Erscheinung treten würden.

Aufgrund des Opfers Jesu trägt jeder für sich selbst die Verantwortung, ungeachtet welcher Religion er angehört. Er wird nach seinem Herzen oder seiner innersten Einstellung und den davon gesteuerten Taten, aber nicht nach seiner Religionszugehörigkeit beurteilt. Die Bibel ist voll von Beispielen, die diese Aussage belegen; denken wir beispielsweise nur an den Offizier Kornelius, dessen Tochter gerettet wurde oder an die beiden Verbrecher, die zusammen mit Jesus hingerichtet wurden.

 Der Inhalt der Lehre Jesu ist einfach und unkompliziert: erkenne dass du ein Sünder bist und der Erlösung durch das von Gott bereitgesellte Opfer, Jesus Christus, bedarfst. Ihn als den Sohn Gottes anzuerkennen ist die einzige Möglichkeit, um vor Gott als gerecht dazustehen; dazu gehört es die beiden großen Gebote zu halten, nämlich Gott über alles zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Wer das tut, erfüllt das ganze Gesetz. Johannes 17:3: “dies ist das ewige Leben, dass sie Gott und den Christus fortgesetzt erkennen“.

 Lehren wie die Sterblichkeit der Seele, die Dreieinigkeit, der Zustand der Toten oder die Auferstehung von den Toten spielen hier eine untergeordnete Rolle. Das sind zweifellos Erkenntnisse, die unsere Hoffnung und unser Gottesbild beeinflussen und uns einen Gesamtüberblick über das Vorhaben Gottes offenbaren, aber sie sind nicht ausschlaggebend für unsere Rettung. Alle Erkenntnisse sind in diesem Sinn nur Stückwerk. Die einzige Erkenntnis, die zählt, ist das Erkennen – auch im Sinne von anerkennen – des eigenen sündigen Zustands vor Gott und das Erkennen des Weges, den Er bereitet hat, um vor Ihm bestehen zu können. Diese “Wahrheit” gilt es zu erkennen, und nur diese Wahrheit wird uns frei machen.

Auch der Anspruch, genau zu wissen, was die Zukunft bringt, verbunden mit spekulativen Endzeiterwartungen oder die genaue Kenntnis darüber, wo wir uns im Strom der Zeit befinden und wann Christus wiederkommt, sind kein Beweis dafür der wahren Religion anzugehören.

 Jakobus bringt die Frage der vor Gott annehmbaren “Form der Anbetung” auf den Punkt, wenn er sagt: “Wenn es jemandem scheint, daß er die äußere Form der Anbetung beachtet, und er dennoch seine Zunge nicht zügelt, sondern sein Herz weiterhin betrügt, dessen Form der Anbetung ist nichtig. Die Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren. Jak. 1:26,7 NW

Noch einmal zurück zu der Frage, ob es die eine wahre Religion gibt, und was der Begriff “Religion” bedeutet.

Zunächst ist festzuhalten, dass es keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition des Begriffs “Religion” gibt. Das Wort “Religion” leitet sich von dem lateinischen “religio” ab, was “Rückbindung” bedeutet, gestützt auf das Verb “religare” für
“binden, rückbinden”.

Unter dem Begriff Religion versteht man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die den Glauben an eine Welt der Gottheiten oder an Spiritualität beinhalten. Sie beeinflussen das menschliche Verhalten, das Handeln, Denken und Fühlen sowie die menschlichen Wertvorstellungen.

 Der Begriff Religion stammt also aus dem Lateinischen und beschreibt sinngemäß die Gesichtspunkte Gottesfurcht, Frömmigkeit, Heiligkeit, Rücksicht, Bedenken, Skrupel und Gewissenhaftigkeit. Die Bedeutungsvielfalt des Begriffes Religion streut doch so erheblich, dass sie keine eindeutig definierbare Denotation zulässt. Jeder legt den Begriff “Religion” und das damit verbundene Handeln anders aus. Das Wort “religio” stammt aus dem antiken Rom, und man verband damit die Erfüllung der Pflichten gegen staatlich anerkannte höhere Mächte. Erst der christliche Schriftsteller Lactantius gab dem Wort dann im 4. Jh. einen neuen Sinn, indem er damit die gefühlsmäßige Bindung des Menschen mit einem Gott, dem Urgrund aller Dinge, verband.

 Religion kann weiter definiert werden als “Glaube an einen Gott oder an Götter, die angebetet werden, was sich üblicherweise durch ein bestimmtes Gebaren und gewisse Rituale ausdrückt”. Darunter lässt sich ferner “ein bestimmtes System des Glaubens, der Anbetung und ähnlicher begleitender Merkmale, oftmals unter Einbeziehung ethischer Regeln verstehen”. Über 90 % der Weltbevölkerung sind Anhänger einer Religion. Das Problem dabei ist, dass es so viele verschiedene Religionen gibt. Welche davon sollte wohl die richtige sein, ist nicht Frage; weit bedeutender ist doch, woran wahre Nachfolger Christi zu erkennen sind.

Diese Frage beantwortet Jesus Christus klar und unmissverständlich: “Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt” Johannes 13:25.

 Zentrale Bestandteile nahezu aller Religionen sind Regeln und Riten. Häufig hat man es mit einer Liste von Regeln zu tun, die es zu befolgen gilt, um als gläubiger Religionsanhänger eingestuft zu werden und so dem Gott dieser Religion zu gefallen. Zwei Beispiele für regelbasierte Religionen sind der Islam und das Judentum. Der Islam stützt sich auf seine fünf Säulen, die befolgt werden müssen, das Judentum besteht dagegen aus Hunderten von Regeln und Traditionen, denen man sich unterwerfen muss. Beide Religionen behaupten bis zu einem gewissen Grad, dass schon alleine durch das Befolgen ihrer religiösen Regeln eine Person vor Gott gerecht wird.

Die meisten christlichen Religionen konzentrieren sich wiederum stärker auf das Praktizieren von Riten als auf das Befolgen einer Liste von Regeln. Indem man dieses Opfer bringt, jene Aufgabe ausführt, an dieser Veranstaltung teilnimmt, jenes Mahl zu sich nimmt oder vergleichbar, wird man vor Gott als gerecht anerkannt. Das bekannteste Beispiel einer auf Riten basierenden Religion ist der römische Katholizismus. Er postuliert, dass Gott jemanden aufgrund der Säuglingstaufe, der Teilnahme an der Heiligen Messe, des Bekennens der Sünden vor einem Priester, des Betens zu Heiligen im Himmel oder der Salbung durch einen Priester vor der Hölle bewahrt und in den Himmel aufgenommen würde.

 Buddhismus und Hinduismus sind ebenfalls hauptsächlich auf Riten basierende Religionen, können aber auch zu einem gewissen Grad als auf Regeln basierend bezeichnet werden.

 In ähnlicher Weise werden Jehovas Zeugen gelehrt, dass Ihre Rettung ebenfalls vom Einhalten gewisser Handlungen und Rituale abhängt. Dazu gehören folgende Merkmale: Dem Sklaven uneingeschränkt folgen, Versammlungen und Kongresse besuchen, den Predigtdienst als den wichtigsten Beweis des eigenen Glaubens (Blutschuld) praktizieren sowie die Annahme aller Glaubenslehren, die der treue und verständige Sklave aktuell lehrt. Ein Nichtbefolgen dieser Ansprüche und Regeln würde ihre Errettung gefährden.

Zitat aus WT vom 15. 12. 2013, S. 11, Abs. 2: Wahre Christen müssen bestimmte Opfer bringen. Sie sind unerlässlich, um ein gutes Verhältnis zu Jehova aufzubauen und es zu bewahren. (Und damit errettet zu werden). Zu diesen Opfern gehören die Zeit und die Kraft, die man für Gebet, Bibellesen, Familienstudium, Zusammenkunftsbesuch und Predigtdienst einsetzt (Jos. 1:8; Mat. 28:19, 20; Heb. 10:24, 25).

Doch “wahre Religion” gründet sich weder auf Regeln noch auf Riten, und sie hängt auch nicht von Opfern in Form von Tätigkeiten für eine Religionsorganisation ab, mit dem Anschein dies für Gott zu tun. Wahre Religion besteht in einer persönlichen Beziehung zu Gott. Alle Religionen vereint die Auffassung, dass die Menschheit von Gott getrennt ist und daher wieder mit Ihm versöhnt werden muss, und sie versuchen dieses Problem durch Regeln, Riten und besondere Leistungen zu lösen. Wahre Anbetung, um hier nicht den unscharfen Begriff “Religion” zu verwenden, löst dieses Problem, indem sie anerkennt, dass nur Gott selbst diese Trennung aufheben kann und dass Er das bereits getan hat. Wahre Anbeter Gottes erkennen Folgendes an:

1. Wir alle haben gesündigt und sind der Sünde und ihren Folgen ausgeliefert, wodurch wir von Gott getrennt sind (Römer 3,23).

2. Wenn diese Sünde nicht erlassen wird, ist die gerechte Strafe dafür der Tod und damit zugleich die ewige Trennung von Gott, die nicht durch eigene Leistung oder Opfer überwunden werden kann. (Römer 6,23). –

Der Hinweis der geistigen Führung von Jehovas Zeugen auf die Opfer der Israeliten und der Opfer, die von einem Christen erwartet werden, ist missverständlich und daher verwirrend. Die Opfer der Juden waren als rituelle Handlung zu sehen, die auf die Tatsache hindeuteten, dass sie und alle Menschen eines einzigen, vor Gott annehmbaren Opfers in der Person Jesu Christi bedurften.

3. Gott gab uns als Erlöser seinen Sohn. Er starb gleichsam an unserer Stelle und nahm damit die Bestrafung auf sich, die wir verdienen. Er ist auferstanden und hat uns gezeigt, dass sein Tod ein hinreichendes Opfer für alle Menschen ist. (Römer 5,8; 1.Korinther 15,3-4; 2.Korinther 5,21).

4. Wenn wir Jesus als Erlöser und seinen Tod als vollständige Bezahlung unserer Sünden annehmen, wird uns vergeben nach Maßgabe dessen, wie wir selbst anderen vergeben haben. Wir sind dann gerettet, erlöst, versöhnt und durch Gott gerechtfertigt, wenn wir das Gesetz Gottes als gut und vollkommen anerkennen und es umzusetzen suchen. Dies würde in dem Bewusstsein geschehen, dass uns dies alleine nicht gelingen kann, um vor Gott zu bestehen. Römer 7: 14-18, Römer 3,16; Römer 10,9-10

Mit anderen Worten heißt das, dass die wahre “Religion” oder die wahre Anbetung sich gewisser Regeln und Rituale bedient, bis auf einen entscheidenden Unterschied: In der wahren Anbetung werden die Regeln und Riten von Gott und nicht von Menschen vorgegeben und aufgrund der Dankbarkeit für Gottes Rettungsvorkehrung respektiert und beachtet, weil Er uns errettet hat – und NICHT, um diese Errettung gleichsam durch eigene Leistungen zu verdienen. Die wahre Anbetung, also das biblische Christentum, hat Gebote, die einzuhalten sind, wie etwa du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht lügen und Riten, die zu befolgen sind, wie die Wassertaufe durch Untertauchen im Wasser und das Abendmahl. Doch das Befolgen dieser Regeln und Riten alleine macht vor Gott niemanden gerecht, vielmehr sind sie ein Geschenk Gottes als ERGEBNIS der Beziehung des Gläubigen zu Ihm, das erst durch dessen Glauben an Jesus Christus als unseren Erlöser ermöglicht wird.

 Gefängnis, Gefangenschaft, Haft, Freiheitsentzug, Freiheit Foto: Clemens FabryFalsche “Religion” bedeutet, Regeln und Riten zu beachten, um Gottes Gunst zu erlangen.

Die göttlichen Forderungen an seine Diener bestehen darin, Jesus als Erretter zu akzeptieren, um so in eine Beziehung zu Ihm zu gelangen – dann erst folgen die Regeln und Riten aus Liebe zu Gott und dem Verlangen Ihm näher zu kommen.

 Hier werden Jehovas Zeugen einwenden, dass sie aus Dankbarkeit predigen und weil sie Gott und die Menschen lieben und dass sie dies nicht tun, nur um belohnt zu werden. Hier aber belügen sie sich selbst.

Tatsächlich werden wir gelehrt durch den Predigtdienst sowie durch all unsere Tätigkeiten in Verbindung mit der Organisation Gottes unsere Rettung festzumachen. Hierzu einige Zitate aus dem WT vom 25. 12. 2013, S. 12 u. 15, Abs. 3, 18: “Wir alle sollten uns genau prüfen: Können wir noch weitere Opfer für das Königreich bringen? Wie setzen wir Zeit, Mittel, Kraft und Fähigkeiten ein? Wovor müssen wir uns hüten? Betrachten wir nun ein Vorbild für unsere freiwilligen Opfer. Wenn wir uns danach ausrichten, werden wir mehr Freude haben… Abs. 18: Königreichsinteressen zu unterstützen verlangt großen Einsatz. Denken wir doch ernsthaft unter Gebet darüber nach, wie wir möglichst viel für Jehova tun können. Ganz sicher werden wir heute schon für unsere Opfer belohnt — und noch mehr im “kommenden System der Dinge” Markus 10: 28-30

 Als biblischen Beweis für die Aussage, dass Gott von uns erwartet möglichst viel für ihn zu tun, um die Belohnung zu erhalten, wird Markus 10:28-30 angeführt. Doch wenn wir die Worte Jesu im Kontext lesen, erkennen wir, wie Jesus seinen Jüngern damit erklärt, dass wir eben nicht aufgrund von Leistungen errettet werden. Petrus fragt nicht zu Unrecht: “Wer kann dann überhaupt errettet werden?”

In Markus 10 lesen wir von dem reichen Mann, der wissen wollte, was er für das ewige Leben tun könne. Jesus sagte sinngemäß, halte die Gebote, der einziger Weg sich vor Gott als gerecht zu erweisen und das Leben zu verdienen. Die Antwort des Reichen: “Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! Er aber ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte.

Jesus sagte, Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Die Jünger waren entsetzten und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt gerettet werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Da sagte Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Niemand, der Haus oder Brüder oder Äcker um meinetwillen und um des Evangeliums willen verlässt, tut dies umsonst.

Mit dieser Schilderung wollte Jesus nicht mehr und nicht weniger zeigen, als dass wir uns das ewige Leben nicht verdienen können. Auf keinen Fall aber lässt sich mit diesen Versen belegen, dass Jesus damit auf eigene Leistungen abgezielt haben sollte, die wir erbringen müssten, um ewiges Leben zu erhalten.

Deshalb schlussfolgerte Petrus richtig, als er nachfragte: “Wer kann dann überhaupt noch gerettet werden”.

Richtig, Jesus sprach auch von Opfern, wenn er zu dem reichen Mann sagt: “Verkaufe alles was du hast”, aber er sagte nicht: “und gib es deinem Gott oder seiner Organisation” sondern, “gib es den Armen und Notleidenden.” Opfer für Notleidende werden in Schriften der Zeugen Jehovas fast nie gefordert. Und wenn, dann für arme Pioniere oder reisende Aufseher. Doch sind gerade Opfer der Nächstenliebe ein Zeichen der wahren Anbetung. Siehe auch Jakobus.

Gibt es gemäß der Bibel nur einen wahren Glauben, eine richtige Religion?368517950307

Viele Menschen sind der Ansicht, dass verschiedenartige Glaubensansichten und Wege zu Gott führen und Ihm wohlgefällig sein könnten. Andere, besonders auch Jehovas Zeugen vertreten wiederum die Meinung, es könne nur eine wahre Religion geben, wobei die falsche Religion schließlich vernichtet werden würde. Was sagt die Bibel zu der Frage, ob es nur einen wahren Glauben, beziehungsweise nur eine wahre Religion gibt?

Vielleicht sollte man zuerst einmal zwischen wahrem Glauben und wahrer Religion unterscheiden. Jede Religion erhebt für sich den Anspruch der einzig wahre Weg zu Gott zu sein. Darin spiegelt sich vor allem das übliche Bestreben der Menschen wider, sowohl von Religionsstiftern wie auch ihren Anhängern, sich von anderen Gruppen abzuheben und hervorzutun. Als Motiv lassen sich vielfach menschliche Eitelkeit und der Wettbewerbsgeist, gepaart mit einem Gefühl der Überlegenheit und der Abgrenzung gegen konkurrierende Glaubensgruppen ausmachen, Elemente, die Gott wohl kaum einfordern dürfte.

Und so hat jede Religion ihren eigenen, von Menschen vorgegebenen Weg, ihre eigenen Rituale und Lehransichten, die es unterschiedslos zu akzeptieren gilt. Die Folge ist, dass man sich in der Regel eher einer Religionsorganisation anschließt und ihr vertraut als dem, was Christus und die Bibel als Glauben und Vertrauen zu Gott lehren.

Das größte biblische Glaubensvorbild eines Menschen liefert Abraham. In den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam wird er als Ausgangspunkt der “Segnungen Gottes” betrachtet. Paulus sieht in Abraham den “Vater des Glaubens” (Römer 4).

Welcher Religion gehörte Abraham an? Keiner, im Gegenteil, er trennte sich von der “Religion” seines Vaters Terach, der wahrscheinlich ein Mondanbeter und damit ein Götzendiener war.

Warum wurde Abraham als Vater aller Glaubenden, ja als Freund Gottes betrachtet? Die Antwort gibt Paulus in seinem Brief an die Römer:
“…der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, ….und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. Und er war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheißen habe, auch zu tun vermögeRöm. 4:18-21

Abraham glaubte und vertraute den Verheißungen Gottes. Er glaubte an den einen wahren Gott als den Schöpfer aller Dinge, ohne mit allen Einzelheiten vertraut zu sein oder genau zu wissen, wie und wann Gott seine Verheißungen verwirklichen würde. Das versteht die Bibel unter dem Zeitwort “glauben”.

Jede Religionsorganisation oder Gruppe, die von sich behauptet im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein und genau zu wissen, wann und wie Gott im Einzelnen handeln würde und versucht unseren Glauben in eine Form zu pressen, verfehlt den Sinn dessen, was die Bibel unter “glauben” versteht.

Es gibt viele Bibelaussagen, die von den Verfechtern ihrer “einzig wahren Religion” gerne angeführt werden, um zu zeigen, dass auch die Bibel von einer einzigen wahren Religion spricht, und dass es gleichsam darauf ankomme, diese eine echte Perle unter den vielen unechten zu finden. 

Gerne wird Epheser 4: 4, 5 angeführt, wo wir lesen: “Da ist ein Leib und ein Geist, so wie ihr in der einen Hoffnung berufen worden seid, zu der ihr berufen wurdet; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist”.

Aus diesen Worten des Paulus schlussfolgern sie, dass es nur die eine wahre Religion geben könne. Doch spricht hier Paulus von einer Religion? Er sagt nichts anderes, als dass es nur eine Hoffnung gibt, einen Gott, einen Herrn Jesus Christus und nur eine Taufe und damit nur einen Weg zur Rettung, nicht mehr und nicht weniger.

In Matthäus 7 : 13 ,14 sagt Jesus: “Geht ein durch das enge Tor; denn breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen; doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden”.

Spricht Jesus hier von der Suche nach der wahren Religion? Nein, er spricht von “einem Weg” der zum Leben führt und dass es wenige sind, die ihn gehen würden. Beachten wir bitte, dass Jesus beauftragt war nur zu den Juden zu gehen und dass er seine Worte auch nur an die damaligen Juden richtete. Er wollte sie nicht auffordern die wahre Religion zu suchen und sich vom Judentum zu distanzieren. Mit diesen Worten führte er ihnen lediglich vor Augen, dass nur wenige von ihnen, den Juden, ihn, den Christus, als den einzigen Weg zu Gott akzeptieren und erkennen würden.

mit ihrem Anspruch im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, Mit dem Text aus 1. Korinther 1:10 ermahnt jede Religion gerne ihre Gläubigen alles zu akzeptieren, was als Glaubensdogma gelehrt wird und dem nicht zu widersprechen, um keine Spaltung zu verursachen. Mit dieser Forderung wird in Wahrheit jedoch nur aktives und positiv kritisches Denken unterdrückt, das den Dogmen einer Religion gefährlich werden könnte. Wollte Paulus dies etwa zum Ausdruck bringen? Auf keinen Fall.

Lesen wir diesen Text, der auch gerne von “treuen und verständigen Sklaven” gebraucht wird, einmal im Zusammenhang und wir verstehen den Hintergrund dieser Ermahnung: “Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltungen unter euch zulaßt, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung. …

Ich rede aber davon, daß jeder von euch sagt: Ich gehöre zu Paulus! — Ich aber zu Apollos! — Ich aber zu Kephas! — Ich aber zu Christus! Ist Christus denn zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott, daß ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gajus.

In der vorliegenden Situation hatten sich viele von Christus abgewandt und vertraten die Ansicht, sie würden ihre Rettung Menschen wie Apollos, Kephas oder anderen verdanken, und hatten dabei nicht realisiert, wie sie dadurch vom wahren Weg der Rettung abgeirrt waren. Nicht dem, der dir die Wahrheit brachte, auch nicht dem treuen u. v. Sklaven, oder dem, der dich getauft hat, verdankst du die Rettung sondern allein Christus, der für uns gestorben ist. In diesem Sinn und in dieser Überzeugung sollten wir vereint sein.

Es geht also vorrangig um dieselbe Gesinnung oder Überzeugung über die Ursache unser Rettung und nicht um ein gemeinsames Dogma oder der Zugehörigkeit zu einer Religionsgruppe oder etwa zu deren herausragenden Persönlichkeiten.

Besonders Jehovas Zeugen wird aber eingetrichtert, dass sie der “Sklavenklasse” Dank schulden und dass jeder, der die Lehren der Sklavenklasse in Frage stelle, sich ihr gegenüber als undankbar erweise. Auch hier wird nicht realisiert, dass die Sklavenklasse damit gegenüber Gott als Konkurrent auftritt, indem er seine Lehren von der Bedeutung her mit dem Wort Gottes auf eine Stufe stellt, und das kann nur einer wollen!

Um zu untermauern, dass nur Jehovas Zeugen im Besitz der wahren Religion sind, verweisen sie gerne auf die besonderen Vorzüge und Werte ihrer Religion, die sie hochhalten, um so den Forderungen Gottes nachzukommen.

Natürlich zeigt die Bibel deutlich, dass nicht jede Lebensweise das Wohlgefallen Gottes findet, indem sie etwa vor der Freundschaft mit der Welt mit den bekannten Worten warnt: “Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer immer daher ein Freund der Welt sein will, stellt sich als ein Feind Gottes dar” Jakobus 4:4.

Die allgemein beliebte Lebensweise, wie sie heute in der Welt üblich ist, kann demnach nicht das Wohlgefallen Gottes finden. Wer die Gesetze und Gebote Gottes nicht anerkennt und befolgt, stellt sich daher als ein Feind Gottes dar.

Fragen wir einen Zeugen Jehovas nach der wahren Religion oder der Glaubensgemeinschaft, in welcher der allein wahre Glauben praktiziert wird, dann wird er voller Überzeugung auf seine Organisation verweisen, auf die Zeugen, die weltweit die Glaubenslehren der Bibel bekannt machen und auch angeblich gemäß den Lehren Gottes, Jesu und der Bibel leben. Hierzu lesen wir auf Seite 233 in dem von Zeugen Jehovas herausgegebenen Buch “Unterredungen anhand der Schriften”:

Da Jehovas Zeugen alle ihre Glaubensansichten, ihre Sittenmaßstäbe und ihr organisatorisches Vorgehen aus der Bibel ableiten, sind sie aufgrund ihres Glaubens an die Bibel als das Wort Gottes davon überzeugt, dass sie die Wahrheit haben.

Das Problem ist nur, dass das alle Religionen von sich behaupten. Wer genau hinschaut und die verschiedenen Religionen betrachtet, wird feststellen, dass es in jeder Religion ein Körnchen Wahrheit gibt, daneben aber leider auch viele Irrtümer.

In diesem Zusammenhang ist die Haltung von Bruder C. T. Russel sehr aufschlussreich, der ja immer noch offiziell als der Gründer unserer Glaubensgemeinschaft gilt. Hier der Auszug einer Ansprache von Charles Taze Russell, welche er in einem Saal gehalten hatte, die der Freimaurerei geweiht war, entnommen aus International Bible Students Souvenir, Convention Report 1913, Seiten 359-365 und ins Deutsch übersetzt von Herbert Raab:

Mein Thema für heute Nachmittag, liebe Freunde, finden wir in den Worten des Apostels [Paulus]: “Denn der Tempel Gottes ist heilig, welcher Tempel ihr seid.” (1. Korinther 3:17) Als Christen, Bibelforscher aus allen Religionsgemeinschaften, haben wir, so scheint es, etwas in unserem Glauben, dem alle Religionsgemeinschaften aus der ganzen Welt wohlwollend gegenüberstehen und das in Übereinstimmung mit ihnen ist. Sprechen unsere presbyterianischen Freunde von der Erwählung? Wir noch mehr. Haben unsere methodistischen Freunde die Lehre von der freien Gnade? Wir noch mehr. Verstehen unsere baptistischen Freunde in gewissem Maße die Bedeutung der Taufe? Wir noch mehr. Schätzen unsere Freunde aus den anderen christlichen Religionsgemeinschaften und unsere kongregationalistischen Freunde die großen Vorrechte der Individualität in der Kirchenleitung? Wir noch mehr. … Glauben unsere römisch-katholischen und anglikanischen Freunde an eine universale Kirche? Wir noch mehr.

E scheint also so, als sei die Botschaft des Wortes Gottes mehr oder weniger unterteilt worden, und jede Religionsgemeinschaft hat einen Teil der Wahrheit aufgegriffen und um dieses bisschen Wahrheit vieles angesammelt, von dem wir denken, dass es Irriges ist. Aber wir sind froh, dass sie dieses bisschen Wahrheit haben.

Wenn sie nicht zumindest einen Teil der Wahrheit gehabt hätten, hätten sie überhaupt nicht bestehen können. Man hat also einen kleinen Teil der Wahrheit genommen und ihn mit Theorien umgeben und so eine separate Kirche gegründet. Gott hat niemals gesagt, dass man eine separate Kirche gründen sollte. Gott hat nie gesagt, dass man eine baptistische, eine presbyterianische oder methodistische Kirche usw. gründen sollte. Der Herr hatte die Absicht, eine Kirche zu schaffen, und er wollte, dass diese eine Kirche nicht bloß einen Bruchteil der Wahrheit, sondern die ganze Wahrheit haben sollte.

Wir tadeln hier nicht unsere Mitmenschen und Freunde — ganz und gar nicht; denn wir erinnern uns, dass wie vor nicht allzu langer Zeit ganz ähnlich dachten. Aber ohne jemanden tadeln zu wollen, sind wir froh, dass wir jetzt einen vernünftigeren und harmonischeren Weg sehen, und wenn wir alle kirchlichen Glaubensbekenntnisse und Zäune hinter uns lassen, die Gottes Volk so lange getrennt haben, kommen wir auf der Ebene der Bibel zusammen und allem, was in der Bibel steht, und nur in der Bibel. Ist das nicht sehr beglückend für uns?

Ist es nicht das, was uns beim Studium des Wortes Gottes so viel Segen einbringt als Internationale Bibelforscher? Ja. Deshalb freue ich mich, dass ich hier besonders die Delegierten aus den Küstenstädten und auch aus etwa 35 Bundesstaaten, die in diesem Kreis vertreten sind, ansprechen kann.

Obwohl C.T. Russel davon überzeugt war, einen besseren und vernünftigeren Weg gefunden zu haben, stand er nicht auf dem Standpunkt andere Religionen verurteilen oder tadeln zu müssen, die gewisse Lehren anders sahen. In dem Moment, wo eine Glaubensorganisation ihr eigenes Glaubensbekenntnis als die absolute Wahrheit betrachtet, führt die Abgrenzung zu Hass und Feindschaft, ja bis hin zum Krieg gegen Andersgläubige. So geht die Liebe verloren, die uns Christus als Gebot auferlegt hatte, womit sich eine solche Gruppe unweigerlich selbst disqualifiziert.

Eine Religion, die zu Hass und Intoleranz aufruft, kann niemals die wahre “Religion” sein. Wir sind durch die Bibel aufgefordert persönlich zu entscheiden, was wir glauben, welche Praktiken wir annehmen und welche wir von uns weisen. Von daher ist es für einen wahren Christen gefährlich, sich in einer Religionsorganisation deren Glaubensbekenntnissen und Lehren unterzuordnen.

Hier noch einmal ein Auszug aus dem Schriftstudienband 3, “Dein Königreich komme” S. 173, von C.T. Russel, wo er die Problematik einer unreflektierten Hingabe an eine Religionsorganisation und deren Lehren anspricht:

Gewiss, jedermann, der sich irgendeiner dieser menschlichen Organisationen anschließt, und ihr Glaubensbekenntnis als das seine annimmt, weiß, dass er sich damit verpflichtet, weder mehr noch weniger zu glauben als jenes Glaubensbekenntnis zulässt.

Wenn sie trotz solcher freiwillig eingegangen Knechtschaft für sich selbst denken und aus anderen Quellen Licht empfangen, das über das Licht hinausgeht, das diese Sekte genoss, als sie sich ihr anschlossen, so müssen sie entweder ihren Versprechen, nichts anderes zu glauben, was ihnen das Glaubensbekenntnis dieser Sekte vorgibt, untreu werden und der Sekte den Rücken kehren, oder stillschweigend ihre Erkenntnis für sich behalten.

Jedoch der Sekte den Rücken zu kehren, erfordert Gnade und kostet einige Anstrengungen, zerreißt oft angenehme Verhältnisse und setzt den ehrlichen Wahrheitssucher den einfältigen Beschuldigungen aus, dass er ein Verräter an seiner Religionsorganisation sei. Wenn man sich einer Religion oder Sekte anschließt, so wird erwartet, dass er sich der Sekte gänzlich ergibt und nicht mehr sich selbst gehört. Die Sekte unterscheidet nun für ihn, was Wahrheit und was Irrtum sei; und er muss, um ein wahres und zuverlässiges Glied der Sekte zu sein, deren späteren so wie früheren Entscheidungen über alle religiösen und Glaubensfragen annehmen, seine eigene Meinung übersehen und persönliche Nachforschungen vermeiden, da er sonst an Erkenntnis wachsen und als Glied solcher Sekte verloren gehen könnte. … So weit ist der Selbstbetrug gegangen, dass viele Kinder Gottes sich schämen würden, als solche erkannt zu sein, die sich von diesen Ketten befreit haben. Sie schämen sich zu sagen, dass sie in keiner Sekte oder Glaubenssatzung in Knechtschaft seien, sondern Christus allein “angehören”.

Wie aktuell diese Worte heute noch sind, mag jeder für sich selbst betrachten, der sich in einer Situation befindet, wie sie Bruder Russel hier anschaulich beschreibt. Suchen wir nicht nach also nicht “die einzig wahre Religion” sondern den einzig wahren Weg zu Gott. Gott lässt sich nichts schenken, er gibt immer mehr zurück als wir geben können.

 

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