WT Studienartikel – Wie zuverlässig ist unser Gewissen?

WT Sept 2.001

[Ausgabe 15.9.2015 für 1. – 7. Nov. 2015] von Meleti Vivlon |

Das Ziel dieses Auftrags ist . . . Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen
und ungeheucheltem Glauben
(1. Tim. 1:5)

Dieser Studienartikel fragt uns, ob unser eigenes Gewissen ein zuverlässiger Wegweiser ist. Man sollte annehmen, dass durch das Studium dieses Artikels, wir in der Lage sein werden diese Frage zu beantworten.

Lernen, wie das Gewissen funktioniert und wie man unser Gewissen trainieren und ausüben kann, ist eine gute Sache. Es ist das geschulte Gewissen, nicht die Anweisung von Menschen, das uns sagt, was zu tun ist, wenn es keine direkte biblische Vorschrift, bezüglich einer Handlungsweise oder wie eine Entscheidung zu treffen ist, gibt. Zum Beispiel mögen wir über Matthäus 6:3,4 nachsinnen.

„Du aber, wenn du Gaben der Barmherzigkeit spendest, so lasse deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit deine Gaben der Barmherzigkeit im Verborgenen seien; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten.“ – Matth. 6:3,4

Durch das Bibelstudium haben wir gelernt, dass ein barmherziges Geschenk ein Geschenk ist, das das Leid eines anderen lindert. Es kann ein materielles Geschenk für einen Bedürftigen oder das Geschenk des Verständnisses und offenen Ohres in einer Zeit der Not sein. Es kann ein kostenlos weitergegebenes Wissensgeschenk sein, das Menschen hilft, eine oder mehrere der Lebensprobleme zu lösen. In dieser Hinsicht wird uns gesagt, dass unser Predigtwerk ein Akt der Liebe und Barmherzigkeit ist. Deshalb können wir zu Recht in Erwägung ziehen, dass Aufwendungen unserer Zeit, Energie und materieller Ressourcen, um die gute Botschaft zu predigen, ein Geschenk der Barmherzigkeit für Bedürftige sind.

Darüber hinaus mögen wir schlussfolgern, dass das Berichten von Einzelheiten über Zeit und Tätigkeit, die wir dieser barmherzigen Arbeit widmen, einer Missachtung der klaren Anweisung unseres Herrn Jesus in Matthäus 6:3,4 gleichkommt. Wenn wir unsere linke Hand wissen lassen, was unsere rechte tut, würden wir uns in die Reihen derer einreihen, die Lob von Menschen bekommen. Menschen mögen zu uns aufschauen, uns auf Kongressbühnen als Beispiele für den Eifer im Dienst aufstellen. Wir könnten mehr “Vorrechte” in der Versammlung bekommen, die teilweise von der Anzahl der berichteten Stunden abhängen. Unser Gewissen mag uns warnen, dass wir mit einem solchen Handeln die pseudo-gerechten Männer nachahmen, vor denen Jesus warnte, als er sagte:

„Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden; sonst werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater haben, der in den Himmeln ist. Wenn du also Gaben der Barmherzigkeit spendest, so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn.“ – Matth. 6:1,2

Wenn wir nicht unseren Lohn in voller Höhe von den Menschen erhalten wollen, sondern stattdessen es lieber haben, dass Jehova uns vergilt, mögen wir beschließen, unseren monatlichen Predigtdienst Bericht nicht mehr abzugeben. Da es kein biblisches Erfordernis ist die Zeit im Predigtdienst zu berichten, wird dies zu einer konsequenten Gewissenssache. Welche Reaktion würdest du auf eine solche Gewissensentscheidung erwarten? Der Studienartikel diese Woche gibt uns diesen weisen Rat:

„Es mag sein, dass wir die Gewissensentscheidung eines Glaubensbruders nicht ganz verstehen. Dann sollten wir nicht vorschnell über ihn urteilen oder ihn dazu drängen, seine Meinung zu ändern.“ Absatz 10

Stellen dir vor, du sagst deinem Versammlungssekretär, dass du dich entschieden hast, deine Zeit nicht mehr zu berichten. Nach dem Grund gefragt, sagst du einfach, dass es eine mit gutem Gewissen gemachte persönliche Entscheidung ist. Du magst erwarten, dass der Rat jemand nicht zu richten oder unter Druck zu setzen, für jeden gilt, der eine Entscheidung aufgrund seines oder ihres Gewissens gemacht hat, insbesondere für jene, von denen verlangt wird den Anweisungen der Organisation zu gehorchen.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Du wirst in den Nebenraum des Königreichssaales eingeladen und zwei Ältesten werden dich bitten, dich zu erklären. Wenn du dich nicht beirren lässt und dabei bleibst, dass es eine persönliche Gewissensentscheidung ist, mag man dir vorwerfen rebellisch zu sein und den Anweisungen des „treuen Sklaven“ nicht zu gehorchen. Sie mögen sogar andeuten, dass deine Haltung zeigt, dass du schwach oder möglicherweise in eine geheime Sünde verstrickt bist. Sie werden dann mit Sicherheit Druck auf dich ausüben, indem sie dir sagen, dass du nach sechs Monaten ohne Bericht, als untätig betrachtet wirst und du daher nicht länger ein Mitglied der Versammlung bist. Da uns gelehrt wird, dass nur Mitglieder der Versammlung der Zeugen Jehovas Harmagedon überleben werden, ist dies in der Tat ein erheblicher Druck. (Die Tatsache, dass dieselben Brüder dich auch weiterhin sehen, wie du an den Dienstzusammenkünften teilnimmst und von Tür-zu-Tür gehst, wird kein Gewicht bei ihrer Entscheidung haben, dich als untätiger „Verkündiger der guten Botschaft“ zu betrachten.”)

Dieses beschriebene Szenario ist keine Ausnahme. Es zeigt die Einstellung, die systematisch in den Schulen für Ältesten gefördert wird.

Ignorieren unseres eigenen Rates

Tatsache ist, wir geben nur ein Lippenbekenntnis von der Vorstellung, dass ein Christ gewissenhaft handelt. In Wirklichkeit unterstützen wir nur eine Gewissenentscheidung die nicht gegen eine, der von Menschen gemachten, Regeln und Traditionen der Organisation der Zeugen Jehovas verstößt. Zum Beweis dafür, brauchen wir nicht weiter als bis zum Absatz 7, genau dieses Artikels, zu gehen.

Er beginnt mit einer Verzichterklärung: Weder ein Zweigbüro noch die Ältesten sind berechtigt, einem Zeugen Jehovas in Gesundheitsfragen eine Entscheidung abzunehmen. Jedoch, der Verzicht auf individuelles Recht zu einer gewissenhaften Selbstentscheidung wird sofort durch diese Worte eingeführt: Beispielsweise haben wir das Gebot, uns von Blut zu enthalten. (Apg. 15:29) Es schließt ganz klar alle medizinischen Behandlungen aus, bei denen Vollblut oder einer seiner vier Hauptbestandteile zugeführt werden.

Offensichtlich möchte die Organisation dass wir glauben, dass “medizinischen Behandlungen …, bei denen Vollblut oder einer seiner vier Hauptbestandteile zugeführt werden” keine Sache des Gewissens darstellen. Das hier ist ein Grundsatz, und ein biblischer noch dazu.

Das mag für dich selbstverständlich sein, wenn du ein erprobter und getreuer Zeuge Jehovas bist. So empfand ich es selbst auch. Wie kann ich mich des Blutes enthalten, wenn ich eine Bluttransfusion an nehme? Allerdings fand ich einen sehr vernünftiges und schriftgemäßes Gegenargument in dem Artikel, den Apollos schrieb, den du, indem du auf den Titel “Jehovah’s Witnesses and the “No Blood” Doctrine” klickst, ansehen kannst. (Lese ihn, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst.)

Nur um zu zeigen, dass wir nicht voreilig zu einer einfachen Schlussfolgerung kommen, müssen wir Apostelgeschichte 15:29 im Zusammenhang betrachten. Die Juden aßen kein Blut oder Götzengeopfertes und Sex war kein Teil ihrer Anbetung. Doch all diese Elemente waren gängige Praxis in heidnischen Kulten. Somit ging die Verwendung des Wortes “enthalten” über die spezifische an Noah gegebene Anweisung, kein Blut zu essen, hinaus. Die Apostel wollten Heidenchristen von all diesen Praktiken fern halten, weil sie sie wieder zur falschen Anbetung geführt hätten. Es war wie einem Alkoholiker zu sagen, er solle sich des Alkohols enthalten. Es könnte zur Sünde führen. Aber ein solches Verbot wäre wohl nicht als medizinische Anordnung verstanden worden, die die Verwendung von Alkohol als Narkosemittel im Falle einer Notoperation ausschließt, oder?

Durch das Überziehen der Anordnung einer einfachen Speise Vorschrift, haben Jehovas Zeugen ein verworrenes Netz von Regeln erstellt. Gottes Gesetz ist einfach. Es braucht Menschen, es zu verkomplizieren.

Bitte beachtet, dass es bei der uns vorliegenden Frage nicht darum geht, ob es richtig oder falsch ist eine Bluttransfusion oder Medizin, die Blutbestandteile enthalten, anzunehmen. Oder ob es richtig ist Blut aufzubewahren das es durch Maschinen zirkulieren zu lassen. Die Frage lautet vielmehr: “Wer sollte das entscheiden?

Es ist eine Frage des persönlichen Gewissens, nicht etwas, das jemand anderes für uns entscheiden sollte. Wenn wir unser Gewissen anderen überlassen, unterwerfen wir uns ihnen und erlauben ihnen die Autorität Gottes an sich zu reißen, denn Gott gab uns ein Gewissen zur Selbstentscheidung, geführt – nicht von den Menschen – sondern durch sein Wort und seinen Geist.

Die Organisation sollte ihrem eigenen Rat folgen und alle lehrmäßigen Anordnungen, wie Blut in medizinischen Behandlungen verwendet werden sollte, aufheben. Unsere Einführung dieser Lehre ist die Nachahmung der mündlichen Gesetze der Pharisäer, die jede Handlung im Rahmen des mosaischen Gesetzes zu regeln suchte, bis zu der Frage, ob das Töten einer Fliege am Sabbat eine Arbeit darstellt. Wenn Menschen Regeln aufstellen, fängt es oft als eine nette kleine Idee an, aber es dauert nicht lange bis sie albern wird.

Natürlich können sie diese Anordnungen nicht zurück nehmen. Wenn sie das täten, würden sie die Tür zu Rechtsstreitigkeiten, wegen rechtswidrig herbeigeführtem Tod. in Millionenhöhe aussetzen. Das wird also nicht geschehen.

Die wirkliche Absicht des Artikels

Während der Artikel verspricht, uns über das christliche Gewissen zu unterrichten, ist die eigentliche Absicht, dass wir den Prinzipien der Organisation, bezüglich Gesundheit, Erholung und Unterhaltung, und Eifer im Predigtwerk, entsprechen. Diese Trommel wird regelmäßig geschlagen.

Wenn wir zum Titel des Artikels zurückkommen, dann wird erwartet das die Antwort, zu der wir kommen sollten, lautet: Unser Gewissen kann nur dann als ein verlässlicher Führer betrachtet werden, wenn seine Entscheidungen jenen der Organisation entsprechen, zu deren Annahme sie uns anleitet.

 

[1] Wachtturm 15.4.2014, Seite 11, Absatz 14

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A. Anderson

Also ich würde sagen, die WTG schreibt solche Sachen nur um sich rechtlich aus der Verantwortung zu stehlen. Zum einen sagt man, dass man sich keine Bluttransfusion geben lassen darf, weil man sonst gegen das bibl. Gebot verstoßen würde. Natürlich mit allen Konsequenzen die eine Nichtbeachtung einschließt. Ausschluss, Kontaktverbot usw.. Wobei es sich natürlich nur um die eigene Interpretation der Bibel handelt und die Vergangenheit zweifelsfrei bewiesen hat, dass man sich schon gewaltig daneben lag, was die eigenen Interpretationen anbelangt. Auf der anderen Seite möchte sich die Wachtturm-Führung rechtlich nicht dafür verantworten müssen und schreibt deshalb, dass ein Zweigbüro oder… Weiterlesen »

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@ A. Anderson,
genau so sehe ich es auch. Einmal die Rolle rückwärts für die Öffentlichkeit.
In 100 Jahren wird es die Blutfrage und Gewissensreinwaschung durch Predigtdienst nicht mehr geben.
Grüße

Gerd

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