Wahrheit Lüge

Was ist das Wertvollste, was du besitzt?

Eine Rezension zum WT-Studienartikel, Nov. 2018 „Kaufe die Wahrheit und verkaufe sie nicht!“

WAS ist das Wertvollste, was du besitzt? Der Artikel beantwortet diese Frage mit einer Feststellung, der nur ein Zeuge Jehovas zustimmt, die meisten Christen aber eher nicht, Zitat:

Für uns ist das Verhältnis zu Jehova das Wertvollste. Wir würden es für nichts auf der Welt hergeben. Auch die Wahrheit aus der Bibel ist für uns ein Schatz. Durch sie wurde die Bindung zu unserem himmlischen Vater erst möglich (Kol. 1:9, 10).“

Schon dieser erste Absatz verrät, welch fragwürdige Position die WTG zu der Frage: „WAS ist das Wertvollste, was du besitzt?“einnimmt. Im Absatz wird behauptet: Durch „die Wahrheit“ wurde die Bindung zu unserem himmlischen Vater erst möglich“.

Hier lässt der Autor völlig außer Acht, dass es nur einen Weg gibt, Verbindung zu Gott herzustellen: Jesus Christus. Denn er ist der Weg der Wahrheit. Aber diesen Weg der Wahrheit hat der Autor nicht im Sinn. Er spricht von den „Wahrheiten“, die uns durch die WTG gelehrt werden, Zitat Abs. 2:

„Jehova, unser großer Lehrer, hat uns durch die Bibel viel beigebracht: zum Beispiel die Wahrheit über seinen Namen“ und,  ….. über das Lösegeld seines Sohn Jesus Christus. Diese Wahrheiten sind kostbar, denn durch sie kommen wir unserem Schöpfer näher. Sie geben unserem Leben Sinn.“

Es geht also um die Lehren, die Jehova uns beigebracht haben soll. Tatsächlich sind aber hier die speziellen Lehren der Organisation, also die des Sklaven, gemeint. Kernpunkt dieser Lehraussage der WTG: Wenn du ein gutes Verhältnis zu Gott aufbauen möchtest, musst du der Lehre des Sklaven folgen, und nur dann kannst du das Opfer Jesu auch annehmen. Nicht unser Glaube an Jesus Christus sollte demnach unser wertvollster Besitz sein, sondern unser Glaube an die „Wahrheiten“ der WTG.

Für mich gibt es nur einen Weg, um ein gutes Verhältnis zu Gott herzustellen und der führt über Jesus Christus und nicht über die Lehren des Sklaven. Im Verlauf des Artikels werden einige „Wahrheiten“, die die Organisation lehrt, hervorgehoben, aber nicht alle sind mit dem Wort Gottes zu belegen.

Wahrheit kaufen

In Absatz 4 wird auf Sprüche 23:23 Bezug genommen, wo einige Bibelübersetzungen – auch die Neue-Welt- Übersetzung, die Betonung auf „Kaufe dir die Wahrheit“ legen.

Der WT-Artikel nimmt diese Übersetzung als Grundlage und Rechtfertigung für das Leistungsdenken der WTG. Die Wahrheit sollte es dir wert sein, dass du sie dich etwas kosten lässt. Die Wahrheit aus Gottes Wort zu finden, erfordert Mühe. Dem kann man nicht widersprechen. Doch wenn im Artikel betont wird: „ … man muss bereit sein, etwas zu opfern“, dann geht es dem Autor um mehr als Zeit und Mühe. Andere Übersetzungen legen den Schwerpunkt mehr auf das „Bemühen“ oder „Erwerben“ von Wahrheit und Unterscheidungsvermögen und sie nach dem Erwerb nicht wieder aufzugeben. Im Zusammenhang mit dem Kontext von Sprüche 23:23 erkennen wir, dass es nicht um „Kaufen“, im Sinne von „Gibst du mir, so gebe ich dir“ geht. Es geht um Achtung deiner  Erziehung durch deine Eltern, nicht um Wahrheiten, die von einer Religionsorganisation, wie der WTG als Wahrheit angeboten werden. Sehen wir uns an, was die WTG unter „Wahrheit kaufen“ versteht.

Warum einige die Wahrheit verkaufen

 Diese Frage spielt auf die „Abtrünnigen“, im Sinne der WTG, an. Der Abs. 4 vergleicht Zeugen, die sich von der WTG abwenden, mit Menschen, die an der Lehre Jesu Anstoß nehmen.

„Daraufhin wandten sich viele seiner Jünger ab, den hinter ihnen liegenden Dingen zu, und gingen nicht mehr mit ihm.“ (Joh. 6:53-66).

Einige reagierten wohl positiv auf die Lehren von Jesus, doch dann verließen sie den Weg der Wahrheit, weil sie die Rede Jesu als anstößig empfanden. Die Gleichung der WTG ist simpel: Wer die Lehre der WTG hinterfragt oder ablehnt, wendet sich von der Lehre Jesu ab. So stellt die Organisation ihre Lehre ohne Bedenken mit der Lehre Jesu auf eine Stufe, wenn sie weiter orakelt: „Leider wenden sich auch heute einige von der Wahrheit ab.“ Doch woran wird dies festgemacht?

Zitat Abs. 5: „Manche nehmen Anstoß an der veränderten Erklärung … Die Folge? Einige ziehen sich bewusst von Jehova und der Versammlung zurück.“ (Heb. 3:12-14).

Für diese Personengruppe gibt die WTG nun einen Rat, der an Heuchelei und Unverfrorenheit wohl kaum zu übertreffen ist:

„Wie viel besser wäre es, wenn sie den Glauben bewahren und weiter auf Jesus vertrauen würden“.

Soso: „ … wenn sie doch nur weiter auf Jesus vertrauen würden.“ Es handelt sich hier um einen heuchlerischen und irreführenden Rat, wie ich selbst erlebt habe. Ich war einer, der „Anstoß an veränderten Erklärungen“ des Sklaven nahm und dies auch durch Nachfragen und schriftliche Anfragen zum Ausdruck brachte. Als Folge davon stellte mir der Kreisaufseher die bekannte und ultimative Frage: „Vertraust du dem treuen und verständigen Sklaven?“
Meine Antwort: „Ich vertraue nur Gott und Jesus Christus bedingungslos“, genügte nicht und so war es mir nicht weiter möglich, als Ältester zu dienen. Denn die Gleichung des selbsternannten Sklaven lautet: „Wer dem Sklaven nicht vertraut, vertraut auch nicht dem Christus.“ Welchen Sinn macht dann die Aussage: „Wie viel besser wäre es, wenn sie den Glauben bewahren (welchen Glauben?) und weiter auf Jesus vertrauen würden“.?

In diesem Sinn offenbart der Abs. 6,worum es der WTG wirklich geht, wenn gesagt wird: “Lasst uns fünf Dinge in Betracht ziehen, die wir möglicherweise zahlen müssen (???), um die Wahrheit zu kaufen.”

Oha! Wir werden diese fünf Dinge lieber sorgfältig prüfen, schließlich könnte es sich um gefälschte Ware handeln. So viel können wir aber jetzt schon verraten: „Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt eindeutig darauf, welche Anstrengungen wir unternehmen müssen, um „die Wahrheit“ die zum Leben führt, zu erlangen. Jehovas Zeugen sollten sich daran erinnern, wieviel sie aufgegeben haben, um „die Wahrheit“ zu erlangt, und was zu tun ist, um sie nicht zu verlieren.

Dies ist der zynische Versuch der WTG, zum Verbleib in der Organisation zu nötigen, nach dem Motto: „Ihr habt in der Vergangenheit so viel investiert – das wollt ihr doch nicht aufgeben.“ Mit dieser Masche versuchen zwielichtige Finanzberater betrogene Anleger zu veranlassen, die Verluste ihrer Aktie zu akzeptieren. Man erinnert sie an das, was sie für diese Aktie bezahlt haben, damit sie diese Aktie nicht zu schnell abstoßen.

Dieser Artikel erinnert dich daran, was du als Zeuge Jehovas alles investiert hast – deshalb gib nicht aus Enttäuschung über falsche Versprechungen auf, indem du der Organisation den Rücken kehrst. Wie dem auch sei, es läuft alles darauf hinaus, dass du dir Rettung schon verdienen musst, umsonst gibt es nichts bei Gott. Und verdienen kannst du dir die Rettung nur durch die Organisation und den Sklaven. Wer den Sklaven nicht anerkennt, wird aus dem Opfer Jesu keinen Nutzen ziehen können. Somit stellt sich der Sklave über das Opfer Christi und die Gnade Gottes.

Von daher ist es logisch, dass die WTG Sprüche 23:3 im Sinne von „kaufen“ übersetzt, obwohl die Organisation genau weiß, dass man das entsprechende hebräische Wort auch mit „erwerben“ übersetzen kann, Zitat Abs. 5:

„Das hebräische Wort, das in Sprüche 23:23 mit „kaufen“ übersetzt wird, kann auch „erwerben“ bedeuten“.

Das ist richtig. Doch der Behauptung, beide Wörter würden das gleiche bedeuten, muss in diesem Zusammenhang widersprochen werden. Wer etwas kauft, hat es „erworben“, weil er dafür bezahlt hat, aber etwas „erworben“ zu haben bedeutet nicht, dass du es gekauft oder bezahlt hast. Das mag für einen Zeugen Jehovas nach Wortklauberei klingen. Dem ist aber nicht so, denn die WTG benutzt bewusst den Begriff „kaufen“, um den Schwerpunkt dieses Artikels auf Anstrengungen, Opfer und Bezahlung eines Gelübdes zu legen. Man muss bereit sein, etwas zu bezahlen, um den Segen des Opfers Jesu zu erhalten.

Opfer bringen um  Wahrheit zu kaufen

Absatz 7 beschäftigt sich mit deinem zeitlichen Aufwand:

Wer Wahrheit kaufen möchte, mussZeit investieren. Es kostet Zeit, sich die Botschaft vom Königreich anzuhören.“  

Nun, es ist eine Binsenweisheit, dass man für alles, was man tut, Zeit benötigt. Es ist natürlich auch Zeit erforderlich, um die Botschaft vom Königreich zu verstehen, wobei es nicht darum geht, die Botschaft zu verstehen. Die Botschaft vom Königreich ist in erster Linie die Botschaft über den Christus und der gerne angeführte äthiopische Beamte, der sich nach einer kurzen Zeit der Information taufen ließ, hatte erkannt, dass Christus der lange erwartete Messias ist. Darum geht es auch heute, nicht um die, vom “Sklaven” verbreiteten,  „Wahrheiten“.

Doch von Jehovas Zeugen wird erwartet, dass sie ihr Leben lang Zeit damit verbringen, die Wahrheit der WTG zu „studieren“, um immer auf den neuesten Stand ihrer Lehre zu sein. Das hat nichts mit der Botschaft über den Christus zu tun. Wer das Geschenk des Glaubens an das Opfer Christi angenommen hat, muss sich diesen Glauben bewahren, doch nicht durch ein ständiges Studium irgendwelcher Schriften.

Von daher kann man die weiteren Aussagen des Absatzes getrost vergessen, wenn vollmundig verlangt wird, die biblischen Veröffentlichungen zu lesen und zu studieren, so wie es uns ständig vorgegeben wird.

Zitat weiter:„Über Gottes Weisheit, Wege und Werke gibt es unendlich viel zu lernen“.  

Auch das mag richtig sein, aber dieses Wissen ist nicht ausschlaggebend für unsere Rettung. Denn gerade der angeführte Text aus Römer 11:33 zeigt, wie unergründlich die Entscheidungen und wie unerforschlich die Wege Gottes sind. Aber das Verständnis über die Wege Gottes wird uns nicht zum Leben führen. Die Antwort, auf die im Artikel gestellte Frage: „Wie viele Wahrheitsblumen habe ich schon gepflückt?“  ist für unser Überleben unwichtig.

Das Lesen biblischer Literatur der WTG ist weder eine biblische Anforderung, noch eine Notwendigkeit. Grundsätzlich muss man sehr sorgfältig darauf achten, was in derartiger Literatur wahr und wie viel davon Interpretation ist. Gleiches gilt für ein persönliches Bibelstudium, durch die WTG. Es gibt kein biblisches Erfordernis dafür und würde sowieso sehr stark von der Genauigkeit des Studienleiters abhängen. Über das Lesen der Bibel wirkt der Geist Gottes individuell in jedem Einzelnen. Diese, von der WTG, immer wiederkehrende Aufforderung: „Du musst die Literatur des Sklaven studieren,“ dient nur der eigenen Machterhaltung über den Einzelnen.

In Absatz 8 wird dann eine obligatorische Erfahrung nachgeschoben. Mariko (Name wurde geändert), zog von Japan nach New York, um eine Ausbildung an einer Fachschule zu machen. Dieses Vorhaben opferte sie, um den Pionierdienst aufzunehmen. Ja, das sind die Opfer, die  die WTG mit diesem Artikel mal wieder im Sinn hat. Alle diese Erfahrungen enden im Pionierdienst. Wer den Pionierdienst aufnimmt, macht alles richtig und kann auf den Nutzen des Opfers Jesu hoffen.

Materielle Opfer

Absatz 10: „Möglicherweise müssen wir für die Wahrheit eine gut bezahlte Arbeit aufgeben“.

Wieder so ein „MUSS“. Warum, in alles in der Welt, muss ein Christ eine gut bezahlte Arbeit aufgeben? Jeder kann, wenn er es für sich als notwendig erachtet, aus unterschiedlichen persönlichen Gründen, eine gut bezahlte Arbeit aufgeben, aber er MUSS es nicht, um durch das Opfer Jesu errettet zu werden. Dieses „MUSS“wird in jedem Artikel thematisiert. Dabei greift man auf Begebenheiten aus der Bibel zurück, die mehr als zweifelhaft sind und den Interessen der WTG dienen.

Was soll Jesu Aufforderung an die beiden Fischer, Petrus und Andreas, ihm zu folgen, um „Menschenfischer“ zu werden, mit deiner beruflichen Lebensplanung zu tun haben? Ja, sie ließen sofort ihre Netze liegen und folgten Jesu, sie folgten einer Erwählung, die Gott vornahm und nichts mit uns heute zu tun hat. Das ist auch dem Autor des WT-Artikels bewusst. Deshalb schiebt er auch gleich nach: „Natürlich können heute die wenigsten einfach alles stehen und liegen lassen, immerhin haben wir biblische Verpflichtungen“.

Na sieh mal an! Hatten Petrus und Andreas etwa keine „biblischen Verpflichtungen“? Mussten sie nicht auch für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien sorgen? Warum also dieser fragwürdige Vergleich?

Zitat:„Oft müssen Menschen, die die Wahrheit kennenlernen, ihre Einstellung zu materiellem Besitz ändern und ihre Prioritäten neu setzen“. 

Die Einstellung zu materiellem Besitz zu ändern, hat etwas mit Vernunft zu tun und nicht damit, „in der Wahrheit zu sein“. Ich kenne viele Menschen,  die nicht in der angeblichen „Wahrheit“ sind, und dennoch ihre Einstellung zu materiellem Besitz geändert haben. Und schon wartet die WTG wieder mit einem typisch neuzeitlichen Beispiel auf, um zu zeigen, was sie wirklich von ihren Schäfchen erwartet. Diesmal wird eine „Maria“ zitiert. Ihr wurde bewusst, wie schwer es ist, gleichzeitig geistige und materielle Schätze anzusammeln.

Zitat Abs. 10:„Sie gab ihren Traum, Profigolferin zu werden, auf und damit auch die Aussicht auf Geld und Ansehen. Sie tauschte ihren Golfschläger gegen die Wahrheit ein. Jetzt ist sie Pionier und sagt, sie könne sich „kein glücklicheres und sinnvolleres Leben vorstellen“.

So, so, wieder so ein pauschales Schlagwort: „geistige und materielle Schätze aufhäufen“. Warum sollte ein Christ, der seiner Berufung und Neigung nachgeht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nicht auch geistig gesinnt sein können?

Zwischenmenschliche Beziehungen opfern

In den Absätzen 11 u.12werden zwischenmenschliche Beziehungenangesprochen. Zusammengefasst wird in diesem Absatz behauptet: „Wir (natürlich Jehovas Zeugen) leben nach den Maßstäben der biblischen Wahrheit. Dies führt zu Konflikten mit unseren Freunden und Familienmitgliedern, die sich von uns distanzieren … “.

Welch eine dreiste Verdrehung der Tatsachen! Nicht die Menschen aus der „Welt“ distanzieren sich von uns, sondern Jehovas Zeugen sorgen mit ihrer strikten Kontaktvermeidung für Konflikte: Geburtstagsfeiern, Schulfeste und Betriebsfeiern werden gemieden. Dies ist eine so verzerrte Ansicht über „Wahrheit und Christsein“. Alle diese, von der WTG vorgegebenen Verhaltensweisen, resultieren aus einer irrationalen Angst, dass Weltmenschen unser Denken irgendwie kontaminieren könnten. Ich habe keinen „Weltmenschen“, als Freund oder Arbeitskollegen, kennengelernt, der mir als Zeuge Jehovas das Leben schwermachte, aber sie waren oft enttäuscht von mir, wenn ich sie gemieden habe. Natürlich gibt es Menschen, die mich negativ beeinflussen können, doch ein Christ sollte selbst beurteilen können, welche Menschen ihm guttun und mit welchen er in Kontakt bleibt, da braucht es keine Vorgaben einer Organisation. Abs. 12., noch eine fragwürdige Erfahrung:

Aaron, ein jüdischer Geschäftsmann lernte, dass man Gottes Namen nicht aussprechen darf. Aber er suchte nach der Wahrheit“.

So, so, er suchte nach Wahrheit. War er nicht als Jude schon überzeugt die Wahrheit zu haben? Warum und wie suchte er? Er ließ sich auf ein Gespräch mit einem Zeugen Jehovas ein. „Ein Zeuge zeigte ihm, dass man den Gottesnamen als „Jehova“ aussprechen könnte, wenn man die vier hebräischen Konsonanten mit Vokalpunkten verbindet.Er war begeistert und ging in die Synagoge, um den Rabbis von seiner spannenden Entdeckung zu erzählen.

Was für eine lächerliche Erfahrung! Die Juden sprechen den Namen Gottes nicht aus, weil sie ihn nicht in unwürdiger Weise missbrauchen wollen, und nicht etwa, weil sie nicht wissen, wie man die vier hebräische Konsonanten mit Vokalpunkten verbindet. Abgesehen davon, kann man diese vier hebräischen Konsonanten auch anders aussprechen, z.B.: „Jahwe“. Doch die Erfahrung geht noch weiter: Sie, seine Mitbürger, behandelten ihn als Außenseiter, und seine familiären Bindungen wurden zerstört.

Ist dir so eine Reaktion nicht vertraut? Haben viele ehemaligen Zeugen Jehovas nicht auch ähnliche Erfahrungen gemacht, weil sie mit ihren Brüdern etwas teilen wollten, das sie in der Bibel fanden und mit der offiziellen Lehre des Sklaven unvereinbar ist? Vielleicht spucken sie dich nicht buchstäblich an, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass du fortwährend isoliert wirst. Wahrscheinlich wirst du vor ein Komitee zitiert und ausgeschlossen, wenn du nicht widerrufst. 

Denk- und Verhaltensweisen, die Gott nicht gefallen

In den Absätzen 13 und 14 geht es um gottloses Denken und unmoralisches Verhalten. Ein Christ wird natürlich nach den Moralmaßstäben der Bibel leben wollen. Und richtig: Viele mussten bereit sein, umzudenken und ihr Leben ändern. Es ist auch richtig, wenn im Absatz gesagt wird: „Auch heute geben viele Menschen Verhaltensweisen auf, die Gott nicht gefallen“.

Doch die folgende Erfahrung relativiert diese Tatsache gleich wieder und offenbart, wie es die WTG meint. Hier die kurze Zusammenfassung der Erfahrung:

„Devynn und Jasmine waren viele Jahre Alkoholiker. Betrunken trafen sie auf zwei Missionare. Die vereinbarten einen Termin für ein Bibelstudium. Nach einiger Zeit studierten sie die Bibel. Innerhalb von drei Monaten beschlossen sie, mit dem Trinken aufzuhören, und später heirateten sie. Das Ganze sprach sich bald herum und viele andere in ihrem Dorf wollten ebenfalls die Bibel studieren.“

Natürlich kann die Botschaft der Bibel, unabhängig von welcher Kirche oder Religionsorganisation sie ihm vermittelt wird, einen Menschen ändern. Von solchen und ähnlichen Erfahrungen können die meisten Religionen berichten, um zu zeigen, was sie Gutes bewirken. Daher beweist diese Erfahrung nichts, in Bezug auf die Wahrhaftigkeit der Organisation Jehovas, als einzige Religion, welche die Wahrheit lehrt. Der Artikel schließt mit der Feststellung:

Die Wahrheit ist ein wertvolles Geschenk von Jehova. Sie ist ein Schatz, weil durch sie die Bindung zu unserem himmlischen Vater erst möglich wird“.

Wenn man den Begriff „Wahrheit“ auf Jesus Christus anwendet, kann man dieser Aussage als Christ ohne Probleme zustimmen. Doch wenn weitergesagt wird: „Was wir von ihm bis jetzt alles gelernt haben, ist nur der Anfang,“ wird der Begriff „Wahrheit“ von der WTG eigenzweckdienlich missbraucht. Wenn die Organisation von der Wahrheit als eine wertvolle Perle spricht und Psalm 86:11 zitiert: „Den Weg deiner Wahrheit werde ich gehen“, meint sie damit ihre speziellen Lehren.

Es geht in diesem Artikel nicht um die wirkliche Wahrheit, Jesus Christus, sondern um die speziellen Auslegungen der WTG, also die des Sklaven. Kernpunkt dieses Artikels: Wenn du ein gutes Verhältnis zu Gott aufzubauen willst, musst du der Lehre des Sklaven folgen und nur dann kannst du das Opfer Jesu auch annehmen. Doch unser Glaube an Jesus Christus  sollte unser wertvollster Besitz sein, nicht unser Glaube an die Wahrheiten der WTG. Ich bezweifle jedoch sehr stark, aufgrund meiner Erfahrung mit Zeugen Jehovas, dass sie die Worte Jesu: „Ich bin die Wahrheit und das Leben“ wirklich einordnen können. Zu sehr ist ihr Denken durch die Lehren der WTG geformt worden, wozu auch dieser Artikel wieder einen weiteren Beitrag leistet.

[Gesamt:111    Durchschnitt: 4.9/5]

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Petrus111

Liebe Freunde, hier wird der erste Artikel einer Artikelserie kommentiert. Die Artikelserie hat den Zweck, JZ als elitäre Gruppe darzustellen, die sich selbst als etwas Besonderes darstellt und den Rest der Welt als diejenigen, die nicht “in der Wahrheit” sind. Folgendes ist zu beobachten: – der Artikel ist in sehr kurzen Sätzen gefasst – wie auch die folgenden Artikel. – Alle Sätze und alle Absätze bestehen im Wesentlichen aus Behauptungen – aus Thesen, die kaum oder gar nicht begründet werden. – Der Artikel ist also auf JZ zugeschnitten – um sie in ihren Auffassungen zu festigen, zu bestärken; mantraartig Bekanntes… Weiterlesen »

Fetti

Danke für diese vorzügliche geistige Speise

Ueli

Ihr habt in dem Artikel sehr schön aufgezeigt welche “Gleichungen” JW. ORG in ihren Zeitschriften anstellt. Diese Gleichnisse (oder wenn man es mal mathematisch ausdrückt “Gleichungen”) gehen aber nicht auf: JW setzt die Bibel mit der Wahrheit gleich. In der Bibel steht aber geschrieben in Joh. 14:6, nicht die Bibel ist die Wahrheit, sondern Jesus Christus ist die Wahrheit (und der Weg und das Leben). Und obwohl sich JW auf die Bibel berufen möchte vergleicht JW Gott mit einem Lehrer – wiederum eine Gleichung entgegen der Bibel, denn die Bibel sagt in Matth. 23 “EINER ist euer Lehrer, der Christus”.… Weiterlesen »

Peter

Das Wertvollste, das die WTG besitzt, ist – in Ermangelung echten geistigen Reichtums – zweifellos ihr Geld- und Immobilienvermögen.Aber warum wird die Weltzentrale ausgerechnet in ein Gebiet hineingebaut, welches anno 1755 Schauplatz eines brutalen Enteignungs-Krieges durch europäische Invasoren war? Im Gebiet von Warwick, Orange County, wurde die einheimische Bevölkerung von Native Americans mit abscheulicher Waffengewalt niedergemetzelt. Daher meine Frage: Hat sich die WTG jemals bei den ermordeten Irokesen und anderen native-american Stämmen in Form einer Gedenkstätte entschldigt? Das Bethel ausgerechnet auf so einem Blutacker zu bauen, zeugt meiner Meinung nach schon von extremer Gefühllosigkeit.

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