Manipulation – Missbrauch – Verluste.

Donnerstag, 22. September 2016

mashaMasha – 16 Jahre Zeugin Jehovas

Von Diana Sierpinski Quelle: n-tv.de

Link: https://www.n-tv.de/panorama/Masha-16-Jahre-Zeugin-Jehovas-article18689741.html

Masha kommt als Kind von Zeugen Jehovas auf die Welt. Sie zieht von Haustür zu Haustür und versucht die Menschen zu missionieren. Bis der Drang, ihren Eltern gefallen zu wollen, schwindet und sie mit der Sekte bricht. Sie verliert alles – und fühlt sich zum ersten Mal frei.

masha

Masha Root ist angehende Modedesignerin, weltoffen und YouTuberin aus Berlin. Das war nicht immer so. Von klein auf wurde sie zu ihrem “scheinbaren Glück” gezwungen. Sie wuchs in einer Sekte auf, in der man ihr vorgab, was sie zu tun und vor allem, was sie zu lassen hatte. Masha hatte nicht die Möglichkeit, sich frei zu entwickeln. Ihre Geschichte beginnt vor rund 18 Jahren am Tag ihrer Geburt. Ihre Eltern gehörten damals bereits den Zeugen Jehovas an. Masha wächst, wie sie es sagt, “in der Wahrheit” auf.

16 Jahre später bricht sie mit der umstrittenen Glaubensgemeinschaft, die vielerorts als Sekte angesehen wird, und beginnt ein neues Leben. Zwei Jahre nach ihrem Ausstieg gibt sie einen sehr privaten Einblick über die lange Zeit und was es bedeutet, ein Zeugen Jehovas Kind zu sein. Das Video, in dem Masha über Manipulation, Missbrauch und Verluste berichtet, hat über eine halbe Million Aufrufe.

Lange Jahre, so erzählt Masha, glaubt sie, dass die Zeugen Jehovas die einzig wahre Religion sei. Aus Liebe zu ihren Eltern und aus Liebe zu Gott lässt sich Masha im Alter von zwölf Jahren taufen und wird ein offizielles Mitglied der Versammlung. Sie genießt ihre Predigtdienste, zieht von Haustür zu Haustür und missioniert. Sie glaubt lange, was die Schwestern ihr ins Ohr flüstern, wenn sie auf Menschen treffen, die nicht an Gott glauben. Diese, so hört sie, werden beim “Weltuntergang abkratzen”, sie hingegen werde ins Paradies kommen.

Womit verplempere ich mein Leben?

Die Jahre vergehen und der Drang, ihren Eltern gefallen zu wollen, schwindet. Schließlich kommt Masha an einen Punkt, an dem sie sich und ihr Tun hinterfragt. “Was mache ich hier eigentlich und womit verplempere ich meine Lebenszeit, die wertvoll ist? Ich gehe von Haus zu Haus und merke das will doch keiner hören. Mich will hier niemand sehen, ich störe ihre Privatsphäre.” Masha verliert das Interesse am Predigtdienst und an den Versammlungen. Ihre Veränderung bleibt nicht unentdeckt, Hirten besuchen sie, um sie “zu Gott zurückzuholen”. Doch Masha fühlt sich erdrückt von der “Love Bomb” und der, wie sie es empfindet, “aufgesetzten Freundlichkeit” der Jünger Jehovas.

“Weltliche Freunde” sind in der Gemeinschaft verpönt. Zwar gebe es kein offizielles Verbot, doch der Druck auf den Einzelnen sei so enorm, berichtet Masha, dass man sich kaum traue, sich auf andere Menschen außerhalb der Gemeinschaft einzulassen. Jahrelang bekommt Masha eingetrichtert, dass die Welt außerhalb der Zeugen schlimm und die Menschen verlogen seien. Die Angst gräbt sich tief in Mashas Seele. “Was passiert, wenn ich die Versammlung wirklich verlasse, fragt sie sich oft. “Dann habe ich keine Freunde, keine Familie mehr. Dann greift mich Satan an.” Dann werde sie für alle gestorben sein.

Sexistische Strukturen

Zeugen Jehovas

Die Anhänger sind überzeugt von der Auferstehung. Ihre Erlösungslehre besagt, dass ein erlesener Kreis von 144.000 Angehörigen nach dem Tod neben Jesus Christus im Himmel eine königliche Regierung führen darf. Die übrigen Glaubensbrüder erlangen immerhin ewiges Leben unter paradiesischen Zuständen auf der Erde.

“Die Frau steht eindeutig unter dem Mann. Seine Meinung hat einen höheren Stellenwert”, erklärt Masha. “Frauen sollen ihre Männer unterstützen und dabei Gehorsam zeigen.” Masha beschreibt die sexistischen Strukturen und erklärt, dass die höheren Ämter innerhalb der Zeugen ausschließlich Männern vorbehalten sind. Doch für Masha war es nicht nur die Diskriminierung als Mädchen, die sie schließlich veranlasst, auszusteigen. Sie wollte vor allem dem Druck entkommen und Freunde außerhalb der Sekte haben können. Ausschlaggebend war eine Fernbeziehung, für die sie von ihrer damaligen besten Freundin bei den Ältesten verpfiffen wurde.

Am 12. November 2013 fasst sie den Mut und verkündet vor der Gemeinschaft ihren Ausstieg. Die Reaktion ihrer Mutter: “Nun habe ich mein zweites Kind verloren.” Einige Jahre zuvor war Mashas Bruder gestorben. Für die damals 16-Jährige folgen schlimme Monate. Die Mutter wird oft laut und handgreiflich. Sie beschuldigt Masha, ihr Leben zerstört zu haben und prophezeit ihrer Tochter ein Leben unter der Brücke – ohne jemals Liebe zu erfahren. Masha ist am Ende ihrer Kräfte und sucht sich Hilfe beim Jugendamt und bei einer Sozialpädagogin in ihrer Schule. Sie wird aus der Familie genommen und spürt immer stärker, dass nicht die Welt ihr die Kraft raubt, sondern diese Menschen, diese Gemeinschaft, ihre eigenen Eltern.

Masha hat alles verloren, dennoch fühlt sie sich zum ersten Mal frei in ihrem Leben. Frei und ohne schlechtes Gewissen, dass zu machen, worauf sie Lust hat. Einen Film anschauen, Musik hören, ein Glas Sekt trinken, sich ein Tattoo stechen zu lassen – denn “die kleinen Dinge machen das Große aus”.

Quelle: n-tv.de

[Gesamt:34    Durchschnitt: 5/5]

Ähnliche Artikel

neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Tilo

Ich habe das posting mit gemischten Gefühlen gelesen. Warum? Weil hier ein Fernsehsender die Problematik der jungen Zeugen Jehovas in die Hand genommen hat. Da ich selbst über 50 Jahre “dabei” bin, kann ich es differenzierter sehen. Ich habe z. B. genügend Ichstärke und biblisches Wissen gehabt, um solche Verirrungen nicht mitgemacht zu haben. Und so haben es andere auch gemacht. Wir haben es eher mit dem Motto gehalten: “Leben und leben lassen!” Ich habe natürlich auch Familien kennengelernt, in denen es nach dem Muster von Mashas Familie zuging. Aber die allgemeine Regel war das nicht! Jedenfalls nicht in meinem… Weiterlesen »

Schrat

Liebe Brüder, wenn auch die Erfahrungen Einzelner manchmal negativ sind. so muß die Alternative, die manche dann wählen, nicht unbedingt positiv sein! Sie ist tatsächlich in die Welt abgefallen. Sie verwirft die biblischen Normen, die die Geschlechterollen durchaus richtig und sinnvoll vorgeben. Familie und Hetereo-Sexualität sind die richtige und gute Norm, von der die Welt immer mehr abweicht. Erst vor kurzem hat eine soziologische Untersuchung ergeben, daß die herkömmliche Familienrolle mit männlichem Vater und weiblicher Mutter für die Kinder in jeder Hinsicht das Beste ist. Leider kann und darf man hier nicht verlinken, um meine Aussage auch zu untermauern. Nur… Weiterlesen »

Sybille

Ach wie schön. “Masha fühlt sie sich zum ersten Mal frei und ohne schlechtes Gewissen, und kann sich jetzt auch einen Film anschauen, Musik hören, ein Glas Sekt trinken.”

Ich wollte auch schon immer mal einen Film anschauen, Musik hören, ein Glas Sekt trinken. Sollte ich vielleicht auch Jehovas Volk verlassen ? Ich überleg es mir mal. 

Karin Zöllner

Schrat, was weisst du denn was GOTT noch mit dem Mädchen vor hat. Ich bin auch erst mal in ein Loch gefallen und habe Jahre ohne GOTT verbracht. Mir hat allerdings immer etwas in meinem Leben gefehlt und ich glaubte noch an IHN. Oft schickt er Menschen durch eine harte Schule bis sie keinen Ausweg mehr sehen und sich doch noch zu seinem SOHN bekennen. Denn nur bei JESUS gibt es die wahre Freiheit. Darum vertraue ich auch auf diese Bibelstelle 2.Tim.2 19 Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt14, die sein sind;   ER… Weiterlesen »

Janus

Ich sehe das viele hier die religiöse Sicht Mashas kommentieren. Dies finde ich etwas bedenklich. Wenn jemand durch das Erlebte Gott verliert – vielleicht für eine beschränkte Zeit – kann ich es ihm vorwerfen? Sollte ich nicht eher die Täter statt der Opfer kritisieren? Kenne ich seine/ihre inneren Kämpfe? Weiß ich, was ihre Sicht sein wird, wenn sie Frieden gefunden hat? Ich kann nur sagen, dass ich eine bewundernswerte Frau sehe, welche bereit ist, auf Probleme der ZJ hinzuweisen, welche Menschen Mut macht den Ausstieg zu wagen und sehr viele Menschen erreicht. Ich ziehe meinen Hut vor ihr, denn ich… Weiterlesen »

Janus

Sorry liebes BI-Team, der Kommentar war allgemein und nicht an euch gerichtet. Muss mich noch an das neue Design gewöhnen.

Tschango@Sybille

Hallo Sybille.

Warum bist du der Überzeugung dass die Wachtturmgesellschaft die Organisation Gottes ist?

Tom zu Masha

Ich hatte schon vor einiger Zeit mit Masha Kontakt aufgenommen und da sie auch in Berlin wohnt eingeladen mit zu einem Treffen zu kommen, sie ist aber durch ihre vielen neuen Freunde sehr ausgelastet und steht mit 2 Beinen fest in ihrem eigenen freien und selbstbestimmten Leben. Worüber wir uns freuen dürfen, denn zu viele ORG-Geächtete befinden sich leider in psychologischer Behandlung. Ich bewundere ihren Mut und ihr Selbstbewußtsein wie sie dies beim Antichristenritual (als Gedächtnismal bezeichnet) also Brot und Wein VORBEI reichen, unter Beweis stellt. https://www.youtube.com/watch?v=tOBfPM3JbNY Leider hat ihr die ORG durch das gelehrte falsche Gottesbild die Lust auf… Weiterlesen »

Janus

Noch eine junge Dame hat ganz frisch ein Video gemacht, wie ich finde, sehenswert: https://youtu.be/hDlnOLB_TeY

Tomaso

Hallo zusammen,

ich frage mich ernsthaft, wer hier Spaß daran hat, sämtliche Kommentare von unserem Bruder Tom massenhaft negativ zu bewerten. Das ist doch nicht zielführend. Was für ein Hass muss hier bei manchen herrschen?

…stimmt mich persönlich sehr traurig.

lg Tomaso

Scroll to Top