Hinter den sieben Bergen

Zwerge .001Für einen Zeugen Jehovas ist das Lehrgebäude der Wachtturmgesellschaft eine geistige Heimat. Was  aber, wenn diese Heimat für ihn plötzlich kein Zuhause mehr ist?

Hinter den sieben Bergen, die um ein liebliches Tal herumstanden, lebten friedlich und zufrieden viele Zwerge. In ihrem Dorf gab es schon, solange man zurückdenken konnte, keine auffällige Veränderung. Alle Tage waren von einem tiefen Gleichmaß erfüllt, jeder wusste, was er zu tun hatte, jeder Tag glich auffallend allen vergangenen. Die Zwerge waren immer gut und reichlich beschäftigt. So kamen sie nie auf den Gedanken, über die Berge zu schauen.

Hinter den sieben Bergen

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Ihren Kindern erzählten sie schauerliche Geschichten über das, was jenseits der Berge zu finden wäre, obwohl niemand je über die Berge gestiegen war und aus eigener Anschauung das Land hinter den Bergen kannte. Es waren abschreckende Geschichten, und die Kinder fürchteten sich davor, ihr geliebtes Tal zu verlassen. Ja, man sagte sogar, dass hinter den Bergen niemand glücklich sein konnte; nirgendwo war es so schön und paradiesisch wie im Dorf der Zwerge. Und wollte einmal ein Kind so vorwitzig sein und auf einen Berg steigen, um zu sehen, was dahinter war, dann hielten ihn die Erwachsenen und die anderen Kinder davon ab und drohten damit, niemals mehr mit ihm ein Wort zu sprechen. So ließen sich viele abschrecken.

So wurde der Friede lange Zeit im Tal der Zwerge nicht gestört. Eines schönen Tages aber geschah etwas Seltsames. Durch ein seltenes Wetterphänomen kam es zu einer Luftspiegelung. Da spiegelte sich am Himmel das Land hinter den Bergen! Zuerst wollte man das im Dorf der Zwerge nicht wahrhaben. Man wollte nicht glauben, dass es hinter den Bergen eine schöne – manche meinten, eine noch schönere Welt gab! Man erinnerte sich an die Erzählungen von einer tiefen Dunkelheit jenseits der Berge. Diese Dunkelheit mache die Menschen unglücklich und töte sie, wurde immer wieder nachdrücklich behauptet.

Aber die Bilder am Himmel ließen sich nicht wegwischen. Hinter den Bergen war keine Dunkelheit! Immer wieder leuchtete es herüber. Die Welt hinter den Bergen war nicht so, wie es immer behauptet worden war! Manche Zwerge wurden nachdenklich, je mehr sie nachdachten, um so nachdenklicher wurden sie. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis sie die Neuigkeiten aus der Welt hinter den Bergen verarbeitet hatten. Zuerst schwiegen sie und wagten es nicht, den anderen ihre Gedanken mitzuteilen. Später aber, als die Zweifel weg schmolzen wie der Schnee in der Sonne, wurden sie mutiger und sagten, dass sie von besseren Dingen überzeugt waren. Da bekamen sie Schwierigkeiten von den anderen Zwergen, die den Gedanken von einer anderen Welt so unerhört fanden und sich nicht daran gewöhnen wollten, dass es noch mehr und etwas anderes als nur ihr Dorf gab.

An dieser Stelle möchte ich die Geschichte abbrechen. Jeder Leser kann sie in seinem Sinne zu Ende erzählen. Und vielleicht ist ja jemand schon auf den Gedanken gekommen, dass das friedliche Dorf hinter den sieben Bergen den Namen trägt: JW.ORG. Sollte er diese Vermutung haben, dann sagt ihm der Schreiber dieser Zeilen, dass er richtig vermutet hat.

Wir haben das Dorf in dem Moment verlassen, als Mutige den Blick in die Welt hinter den Bergen wagten. Als die wenigen Mutigen von ihrer Absicht erzählten, wurde ihnen von den Ahnungslosen vorgehalten: “Wohin sollen wir gehen? Wir haben doch immer geglaubt, dass es hier so recht schön und heimisch ist. Warum sollen wir denn das Dorf verlassen und uns ins Ungewisse, ja in den sicheren Tod begeben?”

Ankunft in der Wirklichkeit

Zwerge 3.001Und damit sind wir in der Wirklichkeit angekommen. Als ich kürzlich mit einer Glaubensschwester über die Probleme und verdrehten Meinungen von JW.ORG sprach und die in Australien stattgefundene Untersuchung des Kindesmissbrauchs erwähnte, schien sie erschüttert. Aber kurz darauf sagte sie: “Wir haben doch die Wahrheit durch den “Sklaven” kennengelernt! Wohin sollen wir sonst gehen? Es gibt doch nichts Besseres!” Meine Antwort nahm ich aus Johannes 6:68: Simon Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.” Ich sagte: “Wir müssen zu Jesus gehen!” Mit dieser Antwort habe ich meine Schwester überfordert. Ich merkte es kurz darauf, als sie in der Versammlung in einem Kommentar den “wunderbaren Sklaven” und seine “wunderbare Organisation” glorifizierte und auf strikten Gehorsam hinwies.

Wohin sollen wir gehen?

Jetzt wollen wir unsere Schwester nicht verurteilen, denn sie ist einfach unsicher und kann wie viele andere Menschen eine kognitive Dissonanz nicht ertragen. (Kognitive Dissonanz meint das Zusammentreffen zweier widersprüchlicher Wahrnehmungen. Häufig ist es eine Erfahrung, die eine bisher als sicher geglaubte Meinung widerlegt. Gewöhnlich entscheidet sich der Betroffene für die alte Auffassung, das heißt, er ignoriert die Tatsachen.) Wir wollen daran denken, dass diese Schwester – ebenso wie wir – jahrzehntelang mit der Lüge gefüttert worden ist, dass es außerhalb der JW.ORG kein wirkliches Leben geben kann.

Ein kleines Beispiel: Zitat: „Wo kann ein aufrichtiger Christ denn sonst glücklich werden, wenn nicht im Dienst für Jehova? Was erwartet jemanden in der Welt draußen, wenn er abgleitet, nachdem er eine Zeitlang zur Organisation Gottes gehört hat? Er wird bald erkennen, dass er jetzt zu einer Welt gehört, die immer gewalttätiger wird. Er wird sich in ein System der Dinge verstrickt sehen, das voller Heuchelei ist, voller Lügen, Betrug und Unsittlichkeit — eine Welt, in der es genauso gefährlich und unangenehm ist wie in der Schlammgrube, in der das Leben des kleinen Peter in Gefahr war. Kommt er zur Besinnung und erkennt, daß er Gefahr läuft, sein ewiges Leben zu verlieren, sollte er unverzüglich Hilfe suchen, um sich aus seiner Lage zu befreien. Allerdings mag es nicht einfach sein, zurückzukehren.“ (w92, 1. 8. S. 29, 30)

Dieser Text sagt insofern die Wahrheit, als er ausdrückt, wie schlecht die Welt um uns herum ist. Er enthält aber einen wesentlichen Fehler: Die Zugehörigkeit zur “Organisation” wird als einzige Möglichkeit für ein christliches Leben gesehen. Mit dieser eingeengten Sichtweise wird natürlich Angst erzeugt. Wer das als letzte Wahrheit betrachtet, kann sich nichts anderes vorstellen, als in der “Organisation” zu bleiben. Aber hat Petrus das gemeint, als er sagte, dass Jesus der Gesalbte Gottes ist und er Worte ewigen Lebens hat? Nein! Er hat nicht eine menschliche Organisation gemeint, sondern tatsächlich Jesus Christus!

Jesus Christus lädt alle mit diesen Worten ein: “Kommt zu mir, all ihr Beladenen, und ich will euch erquicken!” Diese Einladung ist deutlich; Jesus forderte nicht dazu auf, sich einer menschlichen Einrichtung anzuschließen, ganz gleichgültig, wie sie sich nennen würde. Er bezeichnete sich als einzigen Führer seiner Nachfolger!

Der zitierte Absatz erweckt den Eindruck, dass es außerhalb der “Organisation” für einen Christen kein glückliches Leben geben kann. Das ist eine Lüge, die schon an den Zeiträumen scheitert, in denen es Christen auf der Erde gab. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele vor uns ein glückliches Glaubensleben führen konnten, weil sie in ihrem Glauben nicht von Menschen oder Organisationen abhängig waren, sondern sich an Christus und das Wort Gottes hielten. Und es ist auch deshalb eine Lüge, weil Jesus niemals einen “treuen und verständigen Sklaven” prophezeit hat, der in dieser Zeit der wahre Hort des Glaubens und das “Rettungsboot” sein sollte. (Es sei auf entsprechende Aufsätze zu diesem Thema hingewiesen.)

Blättert man die Jahrzehnte durch, in denen der Wachtturm erscheint, dann wird immer und mit aller Deutlichkeit die Behauptung herausgestellt, dass man als Christ nur in der “Organisation Gottes” glücklich sein kann. Dieses Sperrfeuer der Propaganda hat natürlich seine Wirkung gehabt.

Diese lügnerische Behauptung ist so tief in das Bewusstsein der Zeugen Jehovas eingebrannt worden, dass tatsächlich Ängste aufsteigen, wenn auf Ungereimtheiten in der “Organisation” hingewiesen wird, und man daran zweifeln muss, ob es tatsächlich “Gottes Organisation” ist, die das von sich behauptet. Mit dieser Lüge und der Angst hat sich so mancher Zeuge Jehovas ein Gefängnis gebaut – und dann auch noch den Schlüssel fortgeworfen. Er hat sich so zum Gefangenen einer menschen- und gottesfeindlichen Ideologe gemacht.

(Ein Teil der Ideologie betrifft sehr genau unser Verhältnis zu Gott: Es ist die Behauptung, dass es nur ein “geistiges Israel” gäbe, das mit den 144000 gleichgesetzt wird. Und nur zwischen dieser kleine Gruppe und Gott sei der Neue Bund durch Jesus Christus geschlossen worden. Alle anderen, die nicht zu diesem exklusiven Zirkel gehören, seien keine Teilhaber am Neuen Bund! Wie dann das Opfer Jesu für alle und auf alle seine Nachfolger Anwendung haben soll, ist schleierhaft. Und abgesehen von der Teilhabe am Neuen Bund, wird durch die WTG-Theologie auch das Verhältnis der sogenannten “anderen Schafe“ zu ihrem Schöpfer so weit ausgedünnt, dass u. U. keine Nähe zu Gott entstehen kann, denn man versteift sich sogar auf die Behauptung, dass die christlich-griechischen Schriften “in erster Linie” für die “kleine Herde“ geschrieben worden sind!)

Seit dem Tode Christi hat es immer Jünger von ihm gegeben. Sie waren überall zu finden und gehörten auch den verschiedenen Kirchen an, die schon zwei- bis dreihundert Jahre nach dem Tod Jesu entstanden. Und damit begannen für die Treuen die Probleme: Sie hatten sich zu entscheiden, ob sie den verfälschten Lehren glauben wollten oder der Bibel. Immer wieder trat dieser Widerspruch zu Tage und es kam immer zur Verfolgung derjenigen, die den Lehren Jesu treu bleiben wollten.

Es ist aus der Geschichte nicht ein Fall bekannt, wo eine Religionsgemeinschaft den Lehren Christi über die Zeit treu geblieben ist! Überall war Abfall vom Glauben. Sogar Jesus Christus zeichnet in der Offenbarung (Kapitel 2 und 3) ein düsteres Bild dieses Zustandes. Es waren immer nur Einzelne, die der religiösen Korruption die Stirn boten (siehe den Brief Jesu an die Versammlung in Sardes, Offb. 3:4), und sie wurden von Jesus gelobt und aufgefordert, ihren Weg in Glaubenstreue weiterzugehen.

Heimatlosigkeit, Angst und Ungewissheit

Für einen Zeugen Jehovas ist die Versammlung und das Lehrgebäude der Wachtturmgesellschaft eine geistige Heimat. Hier fühlt man sich zu Hause, gut beschützt und sicher. Was aber, wenn diese Heimat plötzlich kein Zuhause mehr ist? Wenn das Dach Löcher bekommen hat und es hereinregnet? Was geschieht, wenn man feststellt, dass es eigentlich ein Kartenhaus war, das auf menschlichen Interessen ruhte? Was, wenn man merkt, dass viele Lehren, die man früher nicht anzuzweifeln wagte, sich als falsch herausstellen, weil man die Bibel allein sprechen lässt? Und was ist, wenn man auch noch feststellt, dass der “Sklave” durch seine Aktivitäten ein Teil dieser Welt geworden ist, wenn man also sieht, dass derselbe Weg gegangen wird, den die großen Kirchen auch gehen? Und wie denkt man über das Fehlen des Geistes Gottes in der “Organisation”?

(Man kontert diesen Vorwurf gerne mit dem Hinweis auf die Mehrung. Aber das ist kein Beweis für die Lauterkeit der “Organisation”, denn unmoralische Vereinigungen mehren sich auch! Hier winkt uns der amerikanische Puritanismus zu, dessen Grundidee ja die Prädestination ist, und der Beweis für Gottes “Erwählung” ist dann immer der geschäftliche Erfolg, die Mehrung, der Zuwachs an Macht und die wachsende Popularität. Es ist richtigerweise so, dass Gottes Geist ganz unabhängig von einer “Organisation” auf Menschen einwirkt: Es ist Gottes Werk am Einzelnen.)

Plötzlich fühlt man sich heimatlos und wird von der Angst und den eigenen Einsichten hin- und hergerissen. Die Gefühle aufgrund dieser Enttäuschung können Angst, Enttäuschung oder auch Wut sein. Die Angst ist besonders tückisch, denn sie steigt ja aus unserem innersten Menschen auf, weil das Gewissen beunruhigt ist. Aber muss es nicht beunruhigt sein, wenn man uns über Jahrzehnte eingebläut hat, dass wir in der “Gottes Organisation” seien? Das Gewissen sträubt sich in uns, weil uns eingeschärft wurde, dass wir im einzig “richtigen Boot” waren. Man hat auf schlaue Weise unser Gewissen manipuliert!

Unsere Verantwortung

Was kann hier helfen? Es gibt nur den einen Weg: Wir wenden uns an Jehowah und bitten ihm, uns die Augen für sein Wort zu öffnen. Wir bitten auch um den Mut, seinem Wort ohne fremde und verfälschende Beeinflussung Glauben schenken zu können, und wir bitten um die Führung durch seinen heiligen Geist. Wir bitten um die stärkende Nähe zu ihm. Wir schieben also die “Organisation” zur Seite und schauen nur auf unseren Gott und Vater im Himmel und auf Jesus Christus. Und dann müssen wir auf die leise Stimme hören und uns ihr öffnen.

Dieses Vorgehen wird dazu führen, dass immer mehr die Wahrheit in uns aufleuchtet. Wir werden erfahren, was es bedeutet, wenn Paulus schrieb: “Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine unsichtbaren Mächte. Nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottesfeindliche Kraft. Nichts Über- oder Unterirdisches und auch nicht irgendetwas anderes, das Gott geschaffen hat. Nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt.” (Rö. 8:38, 39)

Wenn uns keine Macht von Gottes Liebe trennen kann, dann kann es auch keine Macht oder Organisation geben, die uns diese Liebe gibt oder vermittelt, d. h. es gibt keinen menschlichen Pontifex maximus (obersten Brückenbauer), der als Bindeglied oder Mittler zwischen Gott und den Menschen fungiert. Unser einziger Mittler ist Christus! (1. Tim. 2:5)

Wir können die Angstgefühle, die ja nur Menschenfurcht sind, mit Hilfe des Glaubens überwinden. Das ist genau das, was Glaubensmenschen immer getan haben! Sie haben immer ihre Verantwortung vor Gott wahrgenommen. Und da spielte es keine Rolle, welche Folgen es von Seiten der religiösen Organisationen hatte. Ja, es ist eine Glaubensprüfung für uns, wenn wir die Wahrheit über die “Organisation” erkannt haben und gemäß dieser Erkenntnis handeln müssen.

Gottesfurcht gegen Menschenfurcht

Wen oder was sollten wir da noch fürchten? Wenn unsere Liebe der Liebe Gottes entspricht, haben wir nichts zu befürchten! Es wäre wohl ein schwacher Glaube, wenn er aus Menschenfurcht versagte, und man aus Angst vor einer “Organisation” diese weiterhin unterstützte, obwohl dieser Baum an den schlechten Früchten als schlecht erkannt wurde. Wir aber haben die Verantwortung, auf Gott zu hören, uns von seinem Sohn führen zu lassen und uns von allen zu trennen, die der Wahrheit zuwider handeln. Wir haben alle die Worte Jesu gelesen: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!” Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh. 14:6)

Diese wahren Worte Jesu auszuleben, ist unsere Verantwortung! Niemand sollte versuchen, sie uns abzunehmen. Und wir sollten das auch nicht zulassen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten! An Christen, die sich in einer feindlichen Welt und vor falschen Brüdern fürchteten schrieb Paulus: Gott selbst hat ja gesagt: “Ich werde dich nicht verlassen. Und ich werde dich nicht im Stich lassen.” So können wir voller Zuversicht sagen: “Der Herr steht mir bei, darum fürchte ich mich nicht. Was kann mir ein Mensch schon antun? (Hebr. 13:5, 6)

Worauf bauen wir?

Dann wird sich zeigen, auf wen oder was wir unseren Glauben aufgebaut haben. Haben wir auf den Sand der “Organisation” gebaut und uns eingebildet, dass sie uns retten oder wir nur in ihr gerettet werden können, dann wird unser Glaubensgebäude einstürzen. Wenn wir fest geglaubt haben, nur durch die “Organisation” richtig geführt zu werden, dann war es Sand, den man uns in die Augen streute. Wir haben dann womöglich unseren wahren Führer, Jesus Christus, aus den Augen verloren. Wenn wir fest darauf vertrauten, dass die “Organisation” eine Schöpfung Jehowahs ist, dann werden wir auf unangenehme Weise eines Besseren belehrt werden, denn “jeder faule Baum wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mat. 7:19).

Gottes Lob

Als Menschen fühlen wir uns zu Menschen hingezogen und machen uns in gewisser Weise auch von ihnen abhängig. Wir brauchen Gemeinschaft und wir brauchen Anerkennung. Innerhalb der “Organisation” gibt es für diese Bedürfnisse auch entsprechende “Vorkehrungen”. Es sind die Zusammenkünfte, die uns “zur Liebe und zu guten Werken” anregen sollen. Und es gibt auch Gelegenheiten, von anderen gelobt zu werden. (Wenn man z. B. den Pionierdienst aufnimmt, wird man auf Kongressen und vor der Versammlung gelobt.) Aber wir sollten nie vergessen: Dieses Lob kommt nur von Menschen!

Im Brief an die Römer äußert sich Paulus über geistige Juden. Er sagt, dass ein geistiger Jude am Herzen durch den Geist Gottes “beschnitten” ist. Und er sagt auch, dass so ein Mensch in seiner Haltung nicht von anderen Menschen abhängig ist: “Das Lob eines solchen [Menschen] kommt nicht von Menschen, sondern von Gott!” (Rö. 2:29)

Es kommt also nur darauf an, wie unser Vater im Himmel über uns denkt! Es sind nicht Menschen, die uns für tauglich erklären können, im Paradies leben zu dürfen. Es ist Gott, der durch Jesus Christus wirkt.

Nun spricht Gott nicht direkt zu uns, um uns wissen zu lassen, dass wir ihm gefallen. Aber trotzdem gibt er auf seine besondere Art und Weise das Zeugnis seines Wohlgefallens. Wie geschieht das? Über das Wie lässt sich kaum etwas sagen; es ist der Geist Gottes, der eine Gewissheit erzeugt. Es ist dann ebenso, wie bei den in Hebräer 11 beschriebenen Glaubenshelden.

In Hebr. 11:4, 5, 39 wird erwähnt, dass Gott einzelnen Menschen die Gewissheit schenkte, von ihm anerkannt zu sein. Über Henoch z. B. schrieb er: “Denn bevor das geschah (die Entrückung), hatte Gott ihm schon das Zeugnis ausgestellt, dass er Gefallen an ihm gefunden hatte.”

Dieses Bewusstsein kann nur Jehowah geben – und er gibt es auch! Wir brauchen deshalb nicht die Anerkennung von Menschen oder von der “Organisation”. Uns reicht die Anerkennung Gottes!  Und noch etwas gibt uns Zeugnis: Es ist die Liebe! Wenn wir Gottes Liebe erwidern und sie in uns wirkt, also entsprechende Frucht trägt, dann ist Gottes Liebe in uns an ihr Ziel gekommen! Johannes schreibt dazu in seinem 1. Brief (Kap. 4:15, 16):

“Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, bei dem verweilt Gott und er lebt in Gottes Gegenwart. Und wir haben die Liebe, die Gott uns schenkt, kennen gelernt und geglaubt. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.”

Wir werden niemals in ein großes Loch fallen, wenn wir die “Organisation” als Götzenbild einfach stehen lassen und uns Jesus Christus zuwenden. Denn er ist für die Rettung all derer verantwortlich, die ihm gehorchen (Heb. 5:9).

Und was ist mit den Zwergen, die ihr Dorf nicht verlassen wollen oder können? Wir blicken zwar mit Verwunderung auf sie, doch ohne Zorn. Wir lassen sie in ihrem Dorf hinter den sieben Bergen. Schließlich muss jeder Bach durch seine Mühle; jeder hat seine eigene Verantwortung (Offb. 22:11), und wir wissen nicht, wie Jesus dieses Problem löst.

Für so manchen von uns kann es auch bedeuten, sein Verhältnis zu seinem Gott zu hinterfragen, denn es ist uns von JW.ORG ein bestimmtes Bild vermittelt worden, was nicht unbedingt unser Bild von Gott sein muss. Manchen blieb Jehowah fern, weil die vermittelte Vorstellung Gott nicht sichtbar werden ließ. Aber erst wenn man einen klaren Blick auf seinen Vater im Himmel hat, kann man die Enttäuschung mit der JW.ORG überwinden.

 

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Petrus111

Lieber “bruder”, danke für den Artikel. Das Bild ist treffend – ich stimme mit Deinen Einschätzungen grundsätzlich überein. Du lässt allerdings folgenden Aspekt unberücksichtigt und damit meine folgende Frage unbeantwortet – vielleicht kannst Du Dich dazu äußern: Die Zwerge in dem Dorf hinter den Bergen haben ein Gefühl der Sicherheit und sie fühlen sich wohl in ihrem Dorf. Das man ihnen über die Welt hinter den Bergen Lügen erzählt hat, ist richtig. Richtig ist aber auch, dass niemand Einsiedler sein möchte – und man sich organisieren muss – also die Zwerge tun das in ihrem Dorf. Nun kann man aus… Weiterlesen »

Petrus111

… ich habe an anderer Stelle bereits folgendes Zitat aus dem Buch “Frieden und Sicherheit, wie wirklich zu finden? – Kap. 11, Abs. 26 gebracht: 26 Einige mögen einwenden: „Aber viele Organisationen der Welt tun Gutes, arbeiten zum Schutz und für die Gesundheit, die Bildung und die Freiheit des Volkes.“ Es stimmt, daß gewisse Organisationen einige wenige Schwierigkeiten, unter denen das Volk zu leiden hat, vorübergehend beheben. Doch sie sind alle ein Teil der von Gott entfremdeten Welt. Und sie veranlassen die Menschen, ihre Aufmerksamkeit auf den Fortbestand des gegenwärtigen Systems der Dinge zu richten. Keine dieser Organisationen befürwortet Gottes Regierung… Weiterlesen »

ManfredF

Ich möchte mir erlauben, einige Anmerkungen zu dem guten Artikel zu machen. a) Die Welt ist heute viel besser als noch vor 200 oder 100 Jahren. Damals im Dunkeln durch eine Stadt gehen war extrem gefährlich. Frauen hatten keine Rechte. Minderheiten wurden unterdrückt, Sklaven, Ausbeutung usw. an der der Tagesordnung (etwas weiter zurück vielleicht). Kriege gab es gerade in Europa ständig mit brutalen Schlachten. Heute sieht alles nur so schlimm aus, weil man aus der ganzen Welt negative Dinge am Fernseher in 15 Minuten gepackt vorgesetzt bekommt. Auch starben viel mehr Menschen an Hunger und Unterernährung. Prozentual gesehen. Wenn man… Weiterlesen »

Matthäus

Danke für dieses Thema, sachlich und ohne Polemik, zum nachdenken anregend, so soll es sein!

Zu Lob von Menschen (Organisation) sollte jedem diese Aussage bewusst sein:

Gal. 1:10 Will ich jetzt wieder Menschen beschwatzen – oder gar Gott selbst? Oder rede ich etwa Menschen nach dem Mund? Ich gehöre Christus und diene ihm – wie kann ich da noch den Beifall der Menschen suchen!
GN

LG Matthäus

Lukas

Sehr schöner Beitrag! Ich habe wahren inneren Frieden empfunden, nachdem ich diesen Beitrag gelesen habe. Die WAHRHEIT macht euch frei. Die Menschheit ist auf dem Weg der Bewusstseinserweiterung zur LIEBE und zur WAHRHEIT. Immer mehr Menschen erwachen und erkennen dass auch die Organisation ein Teil der Welt ist (vom Ego der Menschen erschaffen) und zu Babylon der Großen gehört. Ich werde meinen Weg gehen und bin Jehova sehr dankbar, dass ich die WAHRHEIT erkennen darf.

Martin & Paul Z21

Traurigerweise habe ich heute erfahren müssen, dass Jehovas Zeugen nunmehr auch in BW als KdöR anerkannt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen erkennen, dass damit einer Organisation der Rücken gestärkt wurde, die nicht auf dem Boden des GG steht und die ihre Mitglieder schamlos ausbeutet, ausnutzt und drangsaliert, ja sogar nicht vor psychischer Folter zurückschreckt. Aber ich bin mir sicher, dass Gott es ihnen in den Sinn geben wird, seinen einen Gedanken auszuführen. Bis dahin ist jedenfalls für alle noch Gelgenheit, aus ihr hinauszugehen, aus dieser babylonischen jw.org-hexe.

Freigeist

Lieber “BRUDER“,danke für diesen Artikel. Sehr aufschlussreich und verständlich für diejenigen, die suchten und fanden-nämlich den Ausgang aus der Zwergenwelt.
Tief gehende Gespräche mit noch aktiven ZJ sind nicht möglich. Ich hatte vergangene Woche das Vergnügen, mit einem sog. Ältesten am Trolleystand zu diskutieren.Als er nicht mehr weiter wusste sagte er nur-man müsse das grosse Ganze sehen.

Meine Mutter pflegt zu sagen-ach lass mich doch damit in Ruhe.

Und so folgen sie weiter den 7 Zwergen nach, nicht erkennend was gut oder schlecht ist.

Gerd

Zum Themenkomplex “Erste Christen” und deren “Predigttätigkeit”, kopiere ich einen Auszug aus eigenen Recherchen in meinem Buchmanuskript: …Wie immer ZJ es halten mögen, in den frühen christlichen Gemeinden war das Predigen und Lehren nur bestimmten (ausgewählten) Personen vorbehalten. Das Neue Testament zeigt, und das ist auch in der NW-Ü. so nachzulesen: „… er (Christus) gab einige als Apostel, einige als Propheten, e i n i g e als Evangelisten, e i n i g e als Hirten und Lehrer“ (Eph.4,11). Kein Zweifel: Nur e i n i g e hatten ein Predigt- und Lehramt, nicht jeder! Und vor allem: Niemals… Weiterlesen »

Dominikus KLEIN

Naja, in jedem Märchen steckt ein Körnchen Wahrheit… Also die Wahrheit ist, einige der Zwerge haben das Licht der Welt im Dorf erblickt – und wie hier auf Bruderinfo zu lesen ist, um Eugen Roth (frei) zu zitieren: ” Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -/ Doch oft hat sich herausgestellt/ Nach manchem trüb verbrachten Zeugenjahr,/ Dass dies der einzige Lichtblick war.” Bedauernswerte Leute die unsere volle Sympathy verdienen!! Aber was sollen wir über die Zwerge sagen, die als Katholiken, evangelische Christen usw. aufgewachsen sind und nach dem Studium von einigen “Zwergenbroschüren” lautstark ihrer Umwelt verkünden: “ICH BIN IN… Weiterlesen »

M.N.

Ihr Lieben, zum Thema “Gemeinden entsprechend dem Urchristentum existieren heutzutage nicht mehr”. Wir wissen heute nicht wie, wo, wann, und wie oft sich die Christen des ersten Jahrhunderts versammelten und wie solche Zusammenkünfte abliefen. Es gibt aber einige Hinweise im NT: Röm 16,5: “Grüßt auch die Gemeinde (Enklesia) in ihrem [Priscillas und Aquilas] Haus!” 1 Kor 16,19: “Es grüßen euch die Gemeinden (Enklesiai) in Asia. Es grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priscilla samt der Gemeinde in ihrem Haus.” Kol 4,15: “Grüßt die Brüder in Laodizea und den Nymphas und die Gemeinde (Enklesia) in seinem Haus.” Philemon 1 und… Weiterlesen »

Klaus Karl@Oliver

Was mir zu den Twergen in den Kopf kam.
https://www.youtube.com/watch?v=LhjgOiSnUSY
vielleicht wird dies bald,eine Art Hymne bei den Zwergen.

Gerd

Lieber Tom und Tomaso, danke für die Behandlung dieser wichtigen Thematik! Zum “Leib Christi” konnten Christen nur ab Pfingsten “einverleibt” werden. Die unausbleibliche Frage entsteht nun für viele Ex-ZJ: wie kommt man zum Leib hinzu, bin ich schon Teil davon und merke es nur nicht? Oder meinen Einige Teil dieses Leibes zu sein, aber reden sich das in Wirklichkeit nur ein? Wie ich von Personen pers. hörte, die sich als “Bibelforscher” dazu bekannten und nach 1935 immer noch von den Symbolen nahmen, dann dem Vorwurf ausgesetzt waren, sie meinen etwas besseres zu sein. Was die ZJ ziemlich richtig verstehen, ist,… Weiterlesen »

autor

Autor an Jürgen Kausmann, Petrus 111, Manfred F und andere: Ich erinnere mich an den Satz eines indischen Philosophen, der sinngemäß sagte, dass Jesus auf die Erde kam, eine Religion stiftete, und dann sei der Teufel gleich hinterher gekommen und habe sie organisiert. Und mit der Organisation fing dann das Elend an! Johann Calvin in Genf hat das in der Mitte des 16. Jahrhunderts demonstriert. Zuerst wurde er als Prediger angestellt, um ein Gegengewicht gegen die Katholiken zu schaffen, die das Rad der Geschichte zurück drehen wollten. Er predigte also jeden Sonntag in der Kirche. Das reichte ihm aber nicht!… Weiterlesen »

Lili

An Alle hier so geistig Lebendigen ???? Ich fühle mich duch die jeweiligen Abhandlungen und Euere gut fundierten , lebendigen und manchmal auch humorvollen Kommentare – geistig zuhause . Endlich! Viele was ich nur im Ansatz zu denken wagte , wird hier ausgesprochen und weitergedacht , doch immer bemüht , auch bei der biblischen Warheit zu bleiben . Das erst einmal zu meiner Wertschätzung für Euch Schreiber ☀️ Aber auch ich spüre das mir der indirekte Kontakt durch das lesen ,oder auch mal zu schreiben , nicht völlig reicht . Wir sind soziale Wesen und die Isolation im Umgang miteinander… Weiterlesen »

FDS

Liebe Freunde Erstmal Danke an alle für die Gedanken und Sichtweisen hier, die mir hoffentlich helfen werden, meinen weg zu finden. Der Übergang das es evt doch noch eine andere Sichtweise gibt ist sehr schwer. Ja man entwickelt fast eine zweite Persönlichkeit. Trotzdem ich jetzt jahrzehnte ausgeschlossen bin , mein Bruder-Mutter sind noch dabei, war es immer ,,die in Stein gemeisselte Wahrheit,, für mich. Es ist in der letzten Zeit ein ständiges für und gegen im Kopf entstanden das ich manchmal schon als unangenehm bezeichnen möchte. Diesen Zustand hab ich im ganzen Leben noch nicht gehabt. Der Bibeltext aus 1Johannes… Weiterlesen »

Max

Lieber FDS Lass dich von dem WTG gesülze vom „Täter des Wortes“ nicht in die Irre führen. Die WTG möchte dir einreden das, wer sich von ihr trennt oder ausgeschlossen wurde, auch von unserem Schöpfer verworfen ist. Tatsächlich jedoch haben die meisten sich nicht von Jehova getrennt sondern von der Organisation. Es ist nicht Jehova der dir die Hand entgegen streckt sonder die WTG. Das schöne Video welches dir unser „Täter des Worte“ ans Herz legt hat mit dem Gleichnis Jesu vom verlorenen Sohn so viel zu tun wie Licht mit der Finsternis. Lies das Gleichnis in der Bibel nach… Weiterlesen »

Tomaso

Schon interessant, dass du das Gleichnis vom verlorenen Sohn anführst, wo es doch REIN GAR NICHTS mit dem erniedrigenden procedere der WTG in Sachen “Rückkehr von verlorenen Schafen” gemein hat. Da soll man zurück vor die Ältesten kriechen und sich demütigen, indem man die Zusammenkünfte besucht, nur um die Ignoranz der anderen noch mehr zu spüren. Dann, nach einiger Zeit, wird geprüft, ob derjenige sein Verhalten bereut hat und wieder auf der Spur des Sklaven läuft. Und dann, wenn die Ältesten meinen, es ist an der Zeit, wird er vielleicht wieder aufgenommen, darf aber erst mal wie ein Ausätziger keinerlei… Weiterlesen »