„Genaue“ Erkenntnis – ein falscher Fokus?

Focus.001

Als ich Ende der 70er Jahre begann nachzudenken, wurde in der Presse viel über ‚Mutter Theresa‘ berichtet. Ich war zu der Zeit noch Ältester und hatte schon einige Dinge entdeckt, in denen ich ein ‚Darüber-hinausgehen-was-geschrieben-steht‘, erkannte. Das war damals für mich z.B. die Berichterstattung über die Zeit im Predigtdienst, die Bartfrage und das Ausschließen von untätigen Brüdern, von denen man erfuhr, dass sie z.B. rauchten. Dinge, von denen nichts in der Bibel steht, sondern einfach nur auf Annahmen, Interpretationen oder Auslegungen, und dazu noch von unvollkommenen, nicht inspirierten Menschen, beruhen.

Doch zurück zur Mutter Teresa. Sie bekam 1978 den Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und 1979 den Friedensnobelpreis. Ich war sehr beeindruckt von dieser Frau, die sich so aufopfernd für die Ärmsten der Armen einsetzte und ich begann mich zu fragen, ob ein liebender Gott diese Frau in Harmagedon tatsächlich vernichten würde, nur weil sie keine genaue Erkenntnis hatte und z.B. an eine Dreieinigkeit und die Unsterblichkeit der Seele glaubte. Alles in mir sträubte sich, das zu glauben. Unser himmlischer Vater liebt doch den Menschen und will, dass wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Das hat uns sein Sohn versucht, deutlich zu machen. Mutter Teresa bewies durch ihr Handeln, dass sie ein Mensch ist, den Gott gebrauchen kann um eine neue gerechte Welt aufzubauen und es wäre sicher überhaupt kein Problem, sie dann über das richtige Verständnis, die richtige Erkenntnis aufzuklären, damit sie ihre Ansicht korrigieren kann. Mir geht es hier nur um das Prinzip. Wenn jemand wahrhaft den Nächsten liebt und ihm dient, dann tut derjenige Gottes Willen. Damals half mir das beim Nachdenken, beim Überprüfen meines persönlichen Glaubens. Und es waren viele Fragen, die ich mir stellte.

Haben wir also irgendetwas total falsch verstanden, etwas übersehen? Kommt es wirklich darauf an, ob wir alles richtig verstehen, eine genaue Erkenntnis haben und/oder ob wir mit der richtigen Gemeinschaft oder Kirche verbunden sind?

Ist wirklich von ‚Erkenntnis‘ im Sinne von ‚Wissen‘ die Rede? Oder kommt es vielmehr darauf an, dass wir an den himmlischen Vater und seinen geliebten Sohn glauben, ihm vertrauen und seinen Willen tun und den Nächsten lieben wie uns selbst? Zeigen Bibeltexte, wie die vom barmherzigen Samariter, nicht deutlich worauf es ankommt? Als Jesus gefragt wurde „Wer ist in Wirklichkeit mein Nächster?“ erzählte er ihm die Geschichte vom Samariter und fragte: „Wer von diesen dreien hat sich, wie es dir scheint, als Nächster des Mannes erwiesen…? Er sagte: „Derjenige, der ihm gegenüber barmherzig handelte.“ Darauf sprach Jesus zu ihm: „Geh hin, und handle selbst ebenso“. (Luk 10:29-37)

Ist es möglich, dass wir durch das Betonen von Erkenntnis als Wissen, das Wichtigste vernachlässigen, nämlich den Dienst am Nächsten?

Diese Frage stelle ich mir heute mehr denn je. Zu viele Jahre habe ich mit endlosen Diskussionen und Erörterungen verbracht, wie genau etwas in der Bibel zu verstehen ist. Stattdessen hätten wir viel mehr im Sinne dessen tun können, was Jesus dem Fragenden antwortete. Aber scheinbar ist das ein Erbe von unserer Zeit als ZJ‘s, das uns noch lange behindern wird, von dem wir irgendwie nicht loskommen.

Analyse der Ausdrücke „wahre Anbetung“, „reine Anbetung“, „genaue Erkenntnis“ und „wahre Erkenntnis“

Prüfen wir doch mal wie oft die Bibel Begriffe wie (1)„wahre Anbetung“, (2)„reine Anbetung“, (3)„genaue Erkenntnis“ und (4)„wahre Erkenntnis“ verwendet.

Ich habe die deutsche Ausgabe der Wachttower Library 2012, die mir dabei eine groß Hilfe ist. Dieses Tool enthält sämtliche Veröffentlichungen der WTG von 1970 bis 2012 und die NWÜ Bibelübersetzung der Studienausgabe, also die hauseigene Übersetzung der ZJ.

Die Suchbegriffe sind jeweils mit angegeben, damit man die Suche nachvollziehen kann. Wie sieht das Ergebnis aus?

(1)   Wahre Anbetung (wahr* && anbet*) – dieser Begriff kommt 3.327 Mal in den WT-Publikation vor, davon aber nur einmal in der NWÜ, also der Bibel! Was bedeutet das? Ist unserem allmächtigen Gott, die ‚wahre Anbetung‘, unwichtig? Geht es ihm nur darum, dass wir ihn als Gott und Schöpfer anerkennen und seinen Willen tun? Ist Anerkennung schon Anbetung? Haben/hatten wir als ZJ‘s, durch Hinzufügung von dem Adjektiv ‚wahr‘ den Fokus falsch gesetzt, mit negativen Folgen für unser Verhalten gegenüber anderen Gläubigen?

(2)   Reine Anbetung – 848 Mal in den WT-Publikationen, und kein einziges Mal in der NWÜ. Ist das nicht seltsam? Haben wir mit dem Hinzufügen des Adjektivs „rein“, ein von Gott vielleicht gar nicht gewolltes Unterscheidungsmerkmal geschaffen, dass automatisch dazu führt, Menschen in ‚wahre‘ und ‚falsche‘ Anbeter zu unterteilen? Fördert das nicht die Verurteilung von Menschen, die zwar Gott anbeten, aber nicht so, wie wir es verstehen oder meinen? Und führt es nicht zu Überheblichkeit, wenn man meint man selbst hätte richtig verstanden und die anderen nicht?

(3)   Genaue Erkenntnis (gen* && erkennt) – 1.806 Mal in der WT-Literatur gefunden, davon sind aber nur 20, echte Bibeltexte in der NWÜ! Diese Textstellen sind: Röm. 1:28; 3:20; 10:2; Eph. 1:17; 4:13; Phil. 1:9; Kol. 1:9; 1:10; 2:2; 3:10; 1. Tim. 2:4; 6:20; 2. Tim 2:25; 3:7; Titus 1:1; Hebr. 10:26; 2. Petrus 1:2; 1:3; 1:8; und 2:20. Ich habe sämtliche Stellen, mit der Hilfe des Bibelportals der Deutschen Bibelgesellschaft, in unterschiedlichen Bibelübersetzungen (Luther 1984, Elberfelder, Neue Genfer, Einheits-Ü.) nachgeprüft. In keiner Übersetzung wird der Wortlaut „genau Erkenntnis“ verwendet. Überzeug dich selbst! Unglaublich! In der Bibel gibt es den Ausdruck nicht, aber in der WT Literatur über 1.800 Mal! Und wieder frage ich mich, geht es Gott nicht um genaue Erkenntnis? Geht es ihm nur darum, dass wir ihn in seinem Sohn erkennen?
Besonders interessant ist ein Vergleich der Übersetzung von 1. Timotheus 6:20 mit den anderen Stellen in der NWÜ. Bei 20 Vorkommnissen hieß es 19 Mal „genaue Erkenntnis“ und jetzt, da es anders nicht passt, belässt man es bei dem Wortlaut der Lutherbibel, der von der „so genannte Erkenntnis“ spricht! Achten wir mal genau auf den Wortlaut:

Wende dich entschlossen gegen alles unheilige, leere Geschwätz ´der Irrlehrer`, denn sie stellen Behauptungen auf, die ´dem Evangelium` widersprechen, und geben diese zu Unrecht als die wahre Erkenntnis aus.– 1. Timotheus 6:20 Neue Genfer Übersetzung

(4)   Wahre Erkenntnis (wahr* && erkennt) 277 Mal, davon nur 3 Mal in der NWÜ. Dabei handelt es sich um Sprüche 2:5 und Daniel 12:4, wobei die letzte Stelle gezählt wird, weil das Adjektiv ‚wahre‘ in eckigen Klammern hinzugefügt wurde. Somit kann man eigentlich nur Sprüche 2:5 gelten lassen. Also wird in der NWÜ nur einmal der Begriff ‚wahre Erkenntnis‘ verwendet. Und auch hier zeigt der Vergleich mit anderen Übersetzungen, dass das Adjektiv ‚wahre‘ vor Erkenntnis nur in der Übersetzung von JZ vorkommt.

Man muss sich das mal überlegen! Die Bibel verwendet diese Ausdrücke praktisch nicht! Müssen wir hier nicht gründlich nachdenken? Kann es sein, dass die Verwendung der Adjektive „wahre“, „genaue“ und „reine“ uns auf die falsche Fährte geführt hat? Ist das der eigentliche Grund, warum wir immer an einem genauen, verstandesmäßigen Wissen über Dinge und Personen interessiert sind?

„Genaue Erkenntnis“ vs. „Erkennen der Wahrheit“

Betrachten wir zunächst die Definitionen, die der Duden und Wikipedia dem Wort Erkenntnis gibt:

  • durch geistige Verarbeitung von Eindrücken und Erfahrungen gewonnene Einsicht
  • Fähigkeit des Erkennens, des Erfassens der Außenwelt
  • Wikipedia: „Für den Begriff Erkenntnis existiert keine einheitliche Definition. In einer ersten Annäherung kann man Erkenntnis als den Prozess und das Ergebnis eines durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen.“ (Unterstreichung hinzugefügt)

Wenn wir die o.g. Bibelstellen genauer anschauen, dann geht es dort nicht vorrangig um das verstandesmäßige Erfassen von Wissen, sondern um das erfahrungsmäßige Erkennen von Gott, Christus oder der Sünde. Das aber ist ein großer Unterschied. Ein Standardtext, den wir alle verinnerlicht haben und dessen Wortlaut ich auch heute, nach 35 Jahren, noch im Schlaf zitieren kann, ist Johannes 17:3, wo in der NWÜ, und zwar nur in der NWÜ, von einem fortgesetzten Aufnehmen von Erkenntnis gesprochen wurde. ‚Wurde‘ ist korrekt, denn interessanterweise hat sich das Übersetzungskomitee der NWÜ dazu durchgerungen, diese verunglückte und irreführende Wortwahl, in der revidierten Ausgabe von 2014, nur noch in einer Fußnote zu erwähnen. Jetzt steht im Bibeltext selbst, frei ins Deutsche übersetzt, schlicht und einfach, wie in den meisten anderen Bibelübersetzungen:

Dies bedeutet ewiges Leben, dass sie dich den allein wahren Gott und den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus, erkennen. – Joh. 17:30 RNWT (Revidierte NWÜ)

Diese Aussage ist auch sehr logisch, wenn man die folgenden Bibelzitate betrachtet: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ – Joh. 14:6 NWÜ

Alle Dinge kamen durch ihn ins Dasein, und ohne ihn kam auch nicht e i n Ding ins Dasein. – Joh. 1:3

Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung; denn durch ihn sind alle [anderen] Dinge in den Himmeln und auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, erschaffen worden, es seien Throne oder Herrschaften oder Regierungen oder Gewalten. Alle [anderen] Dinge sind durch ihn und für ihn erschaffen worden.“– Kol. 1:15,16

Was ist also Wahrheit? Habe ich die Wahrheit erkannt, wenn ich viele Fakten, viel Wissen über Jesus weiß? Sicher ist Wissen gut und hilfreich, und genaues, wahres, richtiges Wissen hat große Vorteile, aber es geht um mehr. Es geht hier um ein Erkennen, das nur persönlich erfahren werden kann und in Jesus Wahrheit wird? So wollte es unser himmlischer Vater. Wenn ich den Weg, die Wahrheit oder das Leben suche, dann suche ich nach dem Ursprung von allem, nach dem Sinn meines Lebens, nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen, nach der Bestimmung des Menschen und das alles liegt in Jesus begründet – ob mir das bewusst ist oder nicht. Ich muss es nur erkennen. Es führt kein Weg an Jesus vorbei. Er ist unser Ursprung und unsere Bestimmung. Durch ihn und für ihn leben wir.

Also, nochmal zurück zu der schon am Anfang gestellten Frage: Haben wir dadurch, dass wir auf ein verstandesmäßiges Wissen geschult wurden, den Weg verloren, der zum Erkennen der personifizierten Wahrheit in Jesus führt? Ich befürchte, genau das ist der Fall. Was haben wir denn dadurch erreicht? Streiten wir uns nicht immer wieder nur um das richtige Verständnis von bestimmten Aussagen der Bibel? Schlagen wir uns nicht gegenseitig deshalb oft Bibelstellen um die Ohren? Vielleicht ist das auch ein Grund, warum viele ihren Glauben ganz verloren haben. Es macht ja auch keinen Sinn wenn jeder meint, er habe die Wahrheit erkannt und das richtige Verständnis. Wem soll man glauben? Dazu kommt, dass jeder sich auf die Bibel beruft und Stellen zitiert und interpretiert, die ihm Recht zu geben scheinen.

Ist es somit möglich, dass wir vielleicht sogar die Bibel falsch verwenden, falsch verstehen und daher auch falsch gebrauchen? Wenn es nicht um „genaue Erkenntnis“ geht, wird dann nicht unser bisheriger Gebrauch der Bibel fragwürdig? Hatten wir nicht bisher immer damit aufgetrumpft, wenn wir einen Bibeltext hatten, mit dem wir unserem Gegenüber „genau(?)“ zeigen konnten, was Sache ist? Und machen wir es nicht noch immer so, diesmal als Ex-Zeugen gegenüber unseren früheren Brüdern? Glauben wir wirklich, dass ein „genaues(?)“ Verständnis der Bibel uns ewiges Leben gibt? Jesus sagte:

Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden würdet.“Johannes 5:39,40

Schlussgedanken

Welche praktischen Folgen hätte es wohl für unser Verhältnis unter- und zueinander, wenn der Mittelpunkt unseres Glaubens diese zentrale Erkenntnis wäre, das Erkennen, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist?

  • Wir würden aufhören uns gegenseitig das Christsein abzusprechen.
  • Wir könnten mit anderen Christen Gemeinschaft haben
  • Wir würden nicht mehr den anderen nach seinem Bibelverständnis beurteilen
  • Wir würden in unserem Nächsten unseren Bruder erkennen
  • Wir würden mit der Besserwisserei aufhören und könnten anderen wirklich zuhören
  • Wir könnten unsere Zeit Dingen widmen, die uns in unserer Entwicklung wirklich weiterhelfen, die Liebe Jesu, auch in unserem Leben sichtbar werden zu lassen

Du magst jetzt denken, ja, das sind positive Auswirkungen, aber gibt es nicht andere Bibelstellen, Texte, Aussagen die auch wichtig sind? Ganz bestimmt! Nur, was passiert, wenn wir solche Stellen überbetonen und dadurch wichtiger machen als die zentrale, einfache Lehre, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist? Stellen wir dann diese anderen Dinge, z.B. ein genaues Bibelwissen, ob Jesus am Kreuz oder Stamm starb, die Verwendung das althebräischen Namen Gottes, eine genaue Vorstellung von einem Gott oder einer Gottheit die sich in mehreren Personen manifestiert, die Blutfrage und viele, viele andere Dinge, nicht über Jesus, also über das Wichtigste? Warum hat Jesus, wenn er danach gefragt wurde, was man tun muss um ewiges Leben zu haben, nie diese anderen Dinge erwähnt, sondern immer eine klare und einfache Antwort gegeben?

So beantwortete Jesus einmal die Frage, was man tun muss um ewig zu leben, mit einer Gegenfrage: „»Was steht im Gesetz?

Was liest du dort? « Er antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!‹ Und: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!« – »Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Tu das, und du wirst leben. « (Lukas 10:26-28)

Eine schlichte und einfache Antwort. Wenn wir diese zwei Gebote beachten, so sagt Jesus, werden wir leben. Wer gibt uns dann das Recht, jemanden, der das tut, deshalb abzulehnen, weil er in Verständnisfragen anderer Meinung ist?

Auch Jehovas Zeugen lieben Gott und Christus. Nur haben sie aus der Nachfolge Jesu etwas Schwieriges gemacht, während Jesus doch sagte: „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:29,30) .

Sie sind auch in vielen Dingen irrgeleitet und getäuscht worden und haben große Menschfurcht (vor Leitender Körperschaft, Älteste etc.) – aber die Liebe zu Gott, kann man ihnen nicht absprechen. Das meine ich, muss ich in meinem Umgang mit ihnen berücksichtigen.

Bei all diesen bisher geäußerten Gedanken, drängt sich mir eine andere Frage auf: „Wäre es nicht hilfreich, sinnvoll und angebracht, wir würden vermehrt darauf achten, unseren Brüdern zu erkennen helfen, dass es nicht um Wissens-Erkenntnis geht. Es geht um das Erkennen des Vaters und des Sohnes, sowie um die Liebe zum Nächsten. Und wie können wir das wirkungsvoll tun? Sicher auch, indem wir ein Beispiel dadurch geben, dass unser Leben sich im Dienst am Nächsten offenbart. Es gäbe genug soziale Dienste, in die wir uns einbringen könnten.

„Wenn ich … alle Erkenntnis besitze … aber keine Liebe habe, bin ich nichts. 1. Korinther 13:2

Aus diesen Worten von Paulus ergeben sich folgende Tatsachen

„Es ist der Beweggrund, der zählt, um Einlass ins Königreich zu erhalten. Mein Vater schaut in die Herzen der Menschen und beurteilt sie nach ihren inneren Sehnsüchten und ihren aufrichtigen Absichten.“

„‚An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.‘ Die Persönlichkeit ist grundsätzlich unveränderlich; was sich verändert — wächst –, ist der sittliche Charakter. Der Hauptirrtum der modernen Religionen ist der Negativismus. Der Baum, der keine Früchte trägt, wird „umgehauen und ins Feuer geworfen“. Sittlicher Wert kann nicht aus bloßer Unterdrückung hervorgehen — aus dem Gehorsam gegenüber dem Befehl „Du sollst nicht.“ Furcht und Scham sind unwürdige Beweggründe für ein religiöses Leben. Religion ist nur dann begründet, wenn sie die Vaterschaft Gottes offenbart und die Brüderlichkeit unter den Menschen steigert.“

„Von der Bergpredigt bis zur Rede beim letzten Abendmahl lehrte Jesus seine Anhänger, eher väterliche als brüderliche Liebe zu bekunden. Brüderliche Liebe bedeutet, seinen Nächsten wie sich selber zu lieben, und das wäre eine angemessene Erfüllung der „goldenen Regel“. Aber väterliche Zuneigung verlangt, dass ihr eure Mitmenschen so liebt, wie Jesus euch liebt.“

„Jesus erwartete von seinen Anhängern keine unmögliche Bekundung brüderlicher Liebe, aber er erwartete sehr wohl von ihnen, nach Gottähnlichkeit zu streben — vollkommen zu sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist — damit sie beginnen könnten, die Menschen so zu betrachten, wie Gott seine Geschöpfe betrachtet, und folglich auch beginnen könnten, die Menschen so zu lieben, wie Gott sie liebt — die Anfänge einer väterlichen Liebe zu zeigen. auch wenig liebenswerte Menschen mit väterlicher Liebe zu lieben.“

Wenn wir aber weiter unseren Focus auf “genaue Erkenntnis” richten, werden wir dieses Ziel nicht erreichen!

 

[Gesamt:16    Durchschnitt: 5/5]

Ähnliche Artikel

49
Hinterlasse einen Kommentar

18 Kommentar Themen
31 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
27 Kommentatoren

  Abonnieren  
neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Onesimus

Danke lieber Bruder . .
Ein sehr aufschlussreicher Vortrag. Ja, unsere ‘genaue Erkenntnis’ hat viele Irrtümer hervorgebracht, die viele Brüder und Schwestern zum Straucheln gebracht haben. Wir ZJ sollten dringend mit der Besserwisserei aufhören, und der Welt in guten Taten ein Zeugnis sein. Alles andere ist ein leeres Geplapper und ein Gespött für die Menschen. Manchmal frage ich mich, ob wir von acht Psychopathen (LK) geleitet werden . . ?

Micha

Lieber Autor Recht herzlichen Dank für diesen Artikel! Was Du geschrieben hast spricht mir geradezu aus dem Herzen. Es ist die langersehnte Lösung für ein großes Problem, daß die Konfessionen und auch wir ZJ mit uns herumschleppen, der Geist der Absonderung, des Besserwissens, der Sektiererei. Wieviel besser sähe es aus im Christentum würden wir uns mehr auf das Wesentliche und weniger auf nebensächliches konzentrieren. Sollten wir als Christen ihn nicht ablegen diesen kleinlichen Streit um einzelne Verständnisfragen? Das wäre wirklich Vernunft und Paulus legt uns nahe Vernunft walten zulassen. Lieber Bruder Autor, Dein Beitrag ist für mich eine Bereicherung, hätte… Weiterlesen »

Gerd

Eine vortreffliche Analyse, lieber Bruder! Ich gab nun das Wort “Erkenntnis” in meine PC-Suchfunktion und stieß in meiner Festplatte auf einen Aufsatz eines ZJ oder Ex, den ich 2002 gescannt hatte, fand aber keinen Namen des Autors. Der nachfolgende Auszug ist nicht ein Wettbewerb zu deinen guten Gedanken, sondern soll als eine Art Ergänzung zu verstehen sein!: MANCHMAL WIRD in einem etwas abschätzigen Sinne unter Gläubigen, über biblische Erkenntnis gesprochen. Man beruft sich dabei gerne auf Aussprüche des Apostels Paulus, wie z.B.: „Unsere Erkenntnis ist Stückwerk“, oder: „Die Erkenntnis wird weggetan werden, die Liebe vergeht nimmer“; und ganz besonders: „Die… Weiterlesen »

kritikus

Zunächst einmal herzlichen Dank für diese Untersuchung. Ich bin schon seit längerer Zeit zum selben Ergebnis gekommen. Ich erwähne das nur, um zu zeigen, wie wir Menschen mit Hilfe der Bibel zu denselben Schlüssen kommen, wenn wir ehrlich mit uns selbst und mit der Bibel umgehen. Es ist wohl immer eine gewisse Unehrlichkeit, die dazu führt, dass man auf andere Menschen herabschaut und sie negativ beurteilt, wenn man auch nur kleine Unterschiede in den Auffassungen bemerkt. Da fällt mir Römer 14: 4-6: “Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er… Weiterlesen »

Tomaso

Lieber Autor, du hast mich durch deine Ausführungen tief berührt und sehr zum Nachdenken gebracht. Überhaupt schätze ich deine demütige Einstellung sehr. Es geht hier nicht darum, die Bemühungen der Brüder, zu einer genauen Erkenntnis zu gelangen, ins lächerliche zu ziehen und zu zeigen “Eure Bibel gibt das erstens falsch wieder und zweitens steht das meiste zu dem Thema nur in euren Publikationen.” Nein, ich finde es toll, dass du JEDEN einzelnen Nachfolger Jesu hierbei ansprichst. Auch viele von uns hier auf BI versuchen die gewonnenen Erkenntnisse anderen klar zumachen und sie zu überzeugen, dass man selbst “richtiger”, “näher an… Weiterlesen »

Anna

Lieber Autor, ich danke dir herzlich für diesen Artikel. Ach wie schön wäre es wenn diese Gedanken in den Versammlungen aufgeführt würden. Gestern war ich mit einer älteren Schwester im Dienst – ehemals Pionier – sie ist sehr traurig weil ihr an den Türen nichts mehr einfällt. Sie meinte, dass doch das Ende jetzt endlich kommen müßte und sie Angst hat zu sterben. Ich konnte sie einigermaßen mit den Worten Jesu trösten, war nicht einfach. Immerzu nur Anforderungen etc. , geschickter werden, haben wir es versucht. Das ist nicht wie du deutlich dargelegt hast die Antwort aus Gottes Wort. Werde… Weiterlesen »

Jürgen Kausmann

Lieber Autor, dein Vortrag zieht genau die Essenz dessen heraus, was auch ich persönlich zum Thema Anbetung/Erkenntnis/- oder mit anderen Worten Christsein empfinde. Du bringst es m. E. genau auf den Punkt, wenn du zu bedenken gibst…ich zitiere: „Streiten wir uns nicht immer wieder nur um das richtige Verständnis von bestimmten Aussagen der Bibel? Schlagen wir uns nicht gegenseitig deshalb oft Bibelstellen um die Ohren? Vielleicht ist das auch ein Grund, warum viele ihren Glauben ganz verloren haben. Es macht ja auch keinen Sinn wenn jeder meint, er habe die Wahrheit erkannt und das richtige Verständnis. Wem soll man glauben?… Weiterlesen »

BenKenobi

Lieber Autor,
genau zu deinen Schlussfolgerungern bin ich in den 2 1/2 Jahren, seit ich die Wachtturmorganisation verlassen habe auch gekommen. Jedoch habe ich nicht die Fähigkeit meine Schlussfolgerungen an solch greifbaren Fakten wie du sie anbietest festzumachen. Dafür möchte ich dir danken. Ich werde deine Ausführungen gerne verwenden um Anderen die Einfachheit und Klarheit der guten Botschaft und der Frage nach der “wahren Anbetung” näher zu bringen. Ein herzliches Dankeschön an Dich und dein Bemühen!
BenKenobi

O.W. Schade

Lieber Autor!

Auch ich möchte mich für den zu Herzen gehenden Artikel aufrichtig bedanken. Ich hatte beim Lesen Deiner Zeilen mehrmals ein echtes “Aha-Erlebnis” und merkte nur, der Artikel macht etwas mit mir.
Besonders die Schlussfolgerungen sprachen mich an. “Wir würden mit der Besserwisserei aufhören und könnten anderen wirklich zuhören” und “wir würden aufhören uns gegenseitig das Christsein abzusprechen”. Wertvolle Gedanken und Hinweise!

MfG
O.W.S.

waytodawn

Ein schöner Artikel!

Auch dieses “fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen” gehört zu dem Leistungs-Evangelium der Zeugen Jehovas dazu.

Matthäus

Ja diese “fortgesetzte Erkenntnisaufnahme” wurde uns Jahrzehntelange eingeredet, ein weiteres Beispiel des UNVERSTÄNDIGEN Sklaven der damit nur SEINE falschen Erkenntnisse “verkaufen” wollte. Das ist die Folge davon wenn einem durch eine falsche Übersetzung (NWÜ) jemand auf den falschen Weg geführt wird. Diese “böse Sklave” trägt eine schwere Verantwortung, doch auch wir selbst haben eine Verantwortung, nicht alles zu glauben und ungeprüft zu schlucken*. Ein kurzes Zitat von “unserem Bruder E.F.” ist mir hierzu eingefallen: ….Nochmals: kommt die Rettung durch genaue Erkenntnis? Dazu ein weiteres Beispiel: frage Dich doch – oder auch einen anderen Zeugen -, was geschehen würde, wenn Du… Weiterlesen »

Dankbarer Leser

Hallo Gerd, Horst, O.W.Schade, Lothar, M.N., Ordnungszahl, Matthäus u.s.w. u.s.w., nur um mal einige Namen zu nennen, alle aufzuzählen ist fast nicht möglich, bei denen ich mich einfach einmal bedanken möchte für die vielen guten und nachdenkenswerten Kommentare die ihr hier auf BI postet. Ein Dankeschön auch an BI das ihr die Möglichkeit geschaffen habt wo man sichoffen austauschen kann. Danke auch an BI für die guten Information und lehrreichen Artikel. Ich lese täglich hier und habe hier einen Ersatz für die flache und zum Teil auch falsche Lehren der WTG gefunden. Was und die WTG in ihren Studienartikeln bietet… Weiterlesen »

Denkanstöße Inspiration – neu betrachtet | Bruderinfo-aktuell

[…] einiger Zeit erschien hier der Artikel „Genaue Erkenntnis – ein falscher Fokus?“ in dem es darum ging, deutlich zu machen, dass wir, wenn wir den Fokus auf genaue Erkenntnis […]

Opa Klaus

  „Genaue“ Erkenntnis – ein falscher Fokus? von Bruder 24. Juni 2015 seltsamer Weise will die JW.Org auch keinen „Fokus“ /Diskussion auf Lehrpunkte …?!   47 mal steht „Erkenntnis“ im NT der ElbÜ. Das ist nicht unerheblich oder nebensächlich. Bei einer Abkehr von J.Z. oder anderen kommt niemand ganz um Erkenntnis/Lehrpunkte herum. Solange Menschen andere Menschen fragen, wird da allerdings  nix draus; da ist keiner eine „Quelle der Wahrheit“, obwohl es sehr viele sein möchten und heftig trommeln. Bisher hat solcher menschliche Alleinvertretungsanspruch nur immer zu heftigem Streit geführt. Um solche breite Streitigkeiten zu vermeiden, meiden einige solchen in ihrer… Weiterlesen »

Johann@Opa Klaus Prüter

Lieber Opa Klaus Prüter,   aus deinen Kommentaren entnehme ich das du auf der Suche nach der „Wahrheit“ bist. Da wo wir alle herkommen war angeblich „die Wahrheit“ zu Hause. Die JW.Org legte großen Wert auf „Erkenntnis und Wahrheit, und doch wurden wir enttäuscht. Was verstehst du unter Wahrheit? Ales zu verstehen was die Bibel an Lehrpunkte bereithält?  Ja, der Begriff „Erkenntnis“ erscheint oft im NT, doch nicht im Sinne von Notwendigkeit für das Leben oder unser Verhältnis zu Gott.   Erkenntnis ist zwar nicht unerheblich oder nebensächlich, aber nicht im Sinne von alles verstehen. Du sagst richtiger Weise, da… Weiterlesen »

Noomi

  Hallo Johann – Sind wir nicht alle (zumindest diejenigen hier auf BI)   auf der Suche nach der Wahrheit?? Werden wir sie solange wir leben je erkennen??   DIE SUCHE NACH WAHRHEIT IST WERTVOLLER ALS DEREN BESITZ (Albert Einstein)   David Stern schreibt über das Wort „erkennen“: das hebräische Wort für „erkennen“, da-at, bezeichnet nicht nur das Verstehen, das durchschauen der Welt und dessen, was sie bewegt, sondern die tiefinnere Begegnung mit dem Erkennten.   2.Kor 3,6 „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“.   Du zitierst mit Recht Johannes 5:40:   Jesus sagte zu den Pharisäern, welche… Weiterlesen »

Opa Klaus

Seit ich diesen 3 Jahre alten Hauptartikel gelesen habe, drehen sich meine Gedanken immerzu darum. Obwohl ich bereits hier kommentiert habe, dängt es mich zu weiterem. Unser „Bruder“ ist in seinem Hauptartikel mit Recht sehr bekümmert, wenn er von der Prämisse eines heißen Harmagedon ausgeht, wo (J.Z.:) ‚alle beseitigt werden die nicht einer bestimmten Ideologie angehören‘ und jedes große soziale Engagement ähnlich wie von Mutter Theresia wertlos, unbeachtet bleiben soll.   Statt nun „Bruders“ Prämisse – die Harmagedon-Lehre der Z.J. auf Irrtümer zu untersuchen, (was er im Glossar versucht hat), nimmt er die Z.J.-(Irr-)Lehre vom heißen Krieg als Grundlage für… Weiterlesen »

Opa Klaus

  Da es hier zum Pro und Kontra des Stellenwertes von Lehrpunkten, Ideologien, Dogmen geht, und man sehr berechtigt, jede Polemik, Streit ablehnt (durch Erfahrung aus vielen Foren) müsste sich doch hier in BI-A eine Lösung des Problems finden lassen.   In den über 400 Hauptartikeln kommen Lehrpunkte auch stets zur Sprache, aber stehen nicht im Fokus, sondern sehr berechtigt eher das Leben mit allen Facetten und Hilfen. Zur Entlastung der Hauptartikel wäre deshalb eine 8. Kategorie für Bibelforschung / Wahrheitsforschung zu empfehlen. Wie da die übliche Polemik, Streit, Verunglimpfung auszuschließen habe ich mir Gedanken gemacht > über entspannte Besprechung… Weiterlesen »