Apokryphische Schri...
 

Apokryphische Schriften und sonstige Info-Quellen ...  

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ATHALJA
(@athalja)

Über Apokryphische Schriften wird gesagt:

Apokryphen sind Texte, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden, aber im zeit- und religionsgeschichtlichen Kontext der biblischen Schriften entstanden.

Da kann ich - hier auf BI-A - keinen einzigen Fall nennen, wo diese Info-Quelle bisher verwendet wurde. Warum ist das so?

Wir verwenden viele Info-Quellen (z.B. das Internet) für unsere Recherchen und Erklärungen hier - weshalb aber nicht auch die "Apokryphen"?

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Zitat
Veröffentlicht : 15. Januar 2020 17:31
Altor
(@altor)

Lieber Athalja!

Warum sollten apokryphe Texte als „Info-Quellen“ herangezogen werden? Es hat seinen guten Grund, warum sie nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Alttestamentliche Apokryphen entstanden um 300 v. Chr und neutestamentliche Apokryphen entstammen zum Großteil von den Gnostikern im 200 n. Chr.  

Laut Wikipedia, „[bleibt] die theologische und literarische Qualität vieler Apokryphen allerdings tatsächlich oft deutlich hinter den kanonischen Schriften zurück.“

Vor etlichen Jahren hatte ich mal so richtig Heißhunger auf diese Schriften und habe mir viele Ausgaben besorgt. Ich dachte darin einige interessante und wichtige Details über das Leben Jesu und der ersten Christen zu finden, wurde dabei aber schnell enttäuscht. Diese Schriften lesen sich von ihren ersten Seiten an, anders als die Heilige Schrift. Vieles ist geradezu mystisch, z. B. Jesus wird als jähzorniges Kind dargestellt. 

Ein paar Auszüge aus dem Thomasevangelium

Es sprach Jesus so: Wenn ihr seht, den keine Frau geboren hat, dann werft euch hin auf euer Gesicht und betet ihn an. Jener ist euer Vater“ (ThomEv, Abs. 15).

Es sprach Jesus so: Wo drei Götter sind, sind bloß drei Götter, wo zwei oder einer, bin ich mit ihnen“ (ThomEv Abs. 30).

Es sprach Jesus so: Jeder, der die Welt erkannt hat, hat eine Leiche gefunden. Und wer eine Leiche fand, dessen ist die Welt nicht wert“ (ThomEv Abs. 56).

In der Petrusapokalypse wird das Höllenerlebnis des Petrus in buntesten Farben dargestellt. Dantes Inferno hat sich hier seine Inspiration geholt usw.  

Ich konnte in diesen Schriften nie etwas für mich brauchbares finden. Befasst man sich zu viel damit, dann könnte sogar die unbewusste Gefahr der Textmischung, von apokryph- und biblischen Texten beim zitieren aus dem Gedächtnis entstehen, weil manche Texte ähnlich sind, aber dann noch zusätzliche Satzteile enthalten.

 

„Der Schlüssel zu den Herzen der Menschen wird nie unsere Klugheit, sondern immer unsere Liebe sein.“ - Hermann Bezzel (1861-1917)

AntwortZitat
Veröffentlicht : 16. Januar 2020 9:14
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Jurek
(@jurek)

Was Altor schreibt, dem kann ich größtenteils zustimmen.
Nicht umsonst nennt man auch solche Schriften „Spätschriften“, weil sie nach dem jeweiligen heute als kanonisch gesehenen Büchern, entstanden sind und doch oft sonderbare Geschichten enthalten.
In einem der Wachttürme wurde zwar auch mal schon aus dem 2. Makkabäer-Buch zitiert.., aber das sei jetzt mal hier dahingestellt. (…)

Aber in der Tat besteht dann die Gefahr, dass man so manchen ähnlichen Gedanken zu den kanonisch anerkannten Berichten zu leicht übernehmen könnte und meint dann eben eine Lehre mit der Bibel belegt zu sehen, die aber trotzdem falsch wäre.  Und das könnte durchaus die Gefahr sein sich damit parallel zur Bibel näher zu beschäftigen.

Diese r Beitrag wurde geändert 1 Monat zuvor von Jurek
AntwortZitat
Veröffentlicht : 16. Januar 2020 9:42
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ATHALJA
(@athalja)

Zu den bisher hier geposteten Kommentaren (die ich nicht beurteile!) setze ich auch einige Gegenargumente. Sie sollen lediglich eine erweiterte Sicht zu diesem Thema spiegeln und fungieren nicht als ein "Platzhalter" für meine Ansicht.


Quelle: https://www.kaththeol.uni-muenchen.de

Apokryphe Evangelien

Seit den 1990er-Jahren rückt die Analyse der sogenannten apokryphen Evangelien immer mehr in den Fokus der ntl. Wissenschaft, auch wenn die Beschäftigung mit solchen Texten schon wesentlich länger zu konstatieren ist. Neben den vier kanonischen Evangelien, d.h. den Evangelien, die in die Heilige Schrift des Christentums aufgenommen wurden, gibt es noch zahlreiche andere Texte, die man hinsichtlich der Gattung, Titel oder Inhalt den kanonischen Evangelien an die Seite stellen kann.

Der Begriff apokryph (gr. ἀπόκρυφος) bedeutet »geheim«, »verborgen« oder »versteckt«. Diese wörtliche Übersetzung ist auf den ersten Blick ein wenig irreführend, wenn man sie auf antike Texte anwendet. Als apokryph bezeichnet man in erster Linie Texte, die gattungsmäßig mit neutestamentlichen Texte vrgleichbar sind (in erster Linie Evangelien und Apostelakten, aber auch andere Schriften), allerdings von der Kirche nicht in den neutestamentlichen Kanon aufgenommen wurden. Die Gründe für die Nichtaufnahme in den Kanon sind dabei vielfältig. Zwei Kriterien sollten kanonische Evangelien in jedem Falle erfüllen.

  • Katholizität: Rezeption innerhalb der Großkirche Viele Texte waren in ihrer Bedeutung regional beschränkt. Um allgemeine Geltung beanspruchen zu können, musste eine Schrift auch allgemein verbreitet und anerkannt sein.
  • Apostolizität: Rückführung auf die Ursprungszeit Die Schrift musste apostolischen Ursprungs sein. Nicht in jedem Fall musste aber ein Apostel auch tatsächlich der Autor der Schrift sein, wenn dies auch der Idealfall war. Entscheidend war die Zugehörigkeit zur Ursprungszeit.

Viele apokryphe Texte treten auch ganz bewusst in Konkurrenz zu den kanonisierten Texten. In diesem Zusammenhang erlangt die Bezeichnung »apokryph« eine weitere Bedeutung: Apokryphe Evangelien transportieren geheimes Wissen als die einzig wahre Lehre des Christentums. Die Kirchenväter lehnten Geheimlehren aber ab, und so geriet auch der Begriff apokryph kirchlicherseits unter negatives Vorzeichen und konnte auch im Sinne von »verworfen» gebraucht werden. 

So bieten diese Schriften einen Einblick in den Entstehungsprozess des Christentums, da neben der anerkannten Lehre der kanonisierten Texte auch Positionen bekannt sind, die in Konkurrenz zur Lehre der Großkirche stehen.


Die Gnosis

Das griechische Wort »Gnosis« bedeutet »Wissen, Erkenntnis«. Es wurde zur Selbstbezeichnung einer religiösen Bewegung in der Antike. Bei dieser Erkenntnis geht es um ein Wissen, das durch göttliche Offenbarung vermittelt wird – inhaltlich gerichtet in umfassendem Sinn auf Gott, Mensch und Welt und deren Verhältnis zueinander. Der Mensch muss seine Situation in der Welt erkennen, um zur Erlösung zu gelangen.


Bedeutsam ist, was Petrus in 2. Pet. 1:21 schrieb.

"Keine Prophetie hat je ihren Ursprung im Willen eines Menschen gehabt. Vielmehr haben Menschen, vom Heiligen Geist geleitet, im Auftrag Gottes geredet."

Paulus bemerkte in 1. Kor. 8:2:

"Wer sich auf seine Erkenntnis etwas einbildet, der hat noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss."

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AntwortZitat
Veröffentlicht : 16. Januar 2020 11:30
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(@silver)
Neuer Gast

Liebe Forumsteilnehmer, 

Ich finde eure Beiträge zu diesem sehr gut belegt.

Nur wie geht eigentlich die WTS mit diesem Wissen um?  Sie weiß ja hoffentlich, dass die Kanonizität von der so genannten "Falschen Religion" festgelegt wurde. Wieso vertraut sie seltsamerweise dieser Entscheidung?

Es würde mich nicht wundern, wenn die WTS irgendwann den eigenen Kanon aufstellen würde. 

Aber vielleicht ist es gar nicht nötig. Sie hat ja bewiesen, dass es einfacher ist, die bereits kanonischen Bibeltexte nach eigenem Wunsch zu verändern und eine eigene Bibel herauszugeben.

Paradebeispiel ist der sogenannte Name Gottes, der eingefügt wurde, obwohl dieser in den uns zur Verfügung stehenden ältesten Abschriften gar nicht vorkommt. Das ist, wie wir wissen, längst nicht die einzige Doktrin, die sie in "Bearbeitung" hatten. 

Und wenn die Großreligionen in der Vergangenheit genauso "texterweiternd" gearbeitet haben? Wieviel ist auch von den kanonischen Schriften noch vertrauenswürdig? 

Was meint ihr dazu? 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 16. Januar 2020 12:23
stoertebeker
(@stoertebeker)

@silver

Lieber Silver,

vielleicht hilft dir das hier ja etwas?

https://www.bruderinfo-aktuell.org/zum-thema-schrift-schriften/

Liebe Grüße

Störti

AntwortZitat
Veröffentlicht : 16. Januar 2020 20:35
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(@silver)
Neuer Gast

@stoertebeker

Danke, lieber Störti,

hast dir echt Mühe gegeben.

LG

Silver

AntwortZitat
Veröffentlicht : 18. Januar 2020 10:38
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