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Mauerfall  

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Gerd
 Gerd
(@gerd)

An anderer Stelle deponierte ich heute meine Erinnerung zum Jahrestag des Mauerfalls:

Erinnerung: Die Berliner Mauer ist heute seit 30 Jahren weg, 25 Jahre lang lernte ich geschäftlich laufend die DDR kennen, auch deren Hauptstadt, Ostberlin zu sagen war verpönt, mein DDR-Visum auch für's Jahr 1989, habe ich in der Schublade... 😬

Es ist in diesem thread sicher besser aufgehoben.

Vor 30 Jahren erlebte ich über ZDF, was damals geschah. Meine langjährige Quartiersgeberin in Leipzig rief mich an:

"Sehen Sie das? Glauben Sie das ist echt?" Es war echt, auch heute noch rinnen mir die Tränen runter...

Februar 1987 völlig unbehindert schoß ich diese Aufnahme, man sieht keine Mauer direkt vor den Säulen, wie heute im TV berichtet. Erst rechts weg war sie zu sehen, kalkweiß gefärbt, ist auf einem anderen Foto, will es aber hier nicht zeigen nur das:

Ein Erlebnis im Bauernparadies, als ZJ-Aussteiger, aus meinem Buch:

Gemeinsames von ZJ und DDR: Die gebogene Wahrheit

Unsere Firma beteiligte sich regelmäßig an der „Leipziger Messe“ in der ehemaligen DDR. Bei Gesprächen mit dortigen Geschäftspartnern, fanden meine Frau und ich gewisse Parallelen der Argumentation regimetreuer Menschen und der in unserer Gemeinschaft. Ob es die allgegenwärtigen Werbesprüche waren, oder die strenge Abschirmung zu anderen Meinungen, alles Praktiken, die uns sehr vertraut erschienen. Einen DDR-Spruch habe ich heute noch im Gedächtnis: „Die Freundschaft mit der Sowjetunion ist so wichtig wie der Herzschlag in unserem Leben!“ Einige DDR-Bürger, die wir gut kannten, versicherten, daß sie solche blöden Texte nie lesen würden. In Gesprächen mit meiner Frau stellten wir oft Vergleiche mit ähnlich klingenden Sprüchen unseres Sklaven an. Diese Gemeinsamkeiten gaben uns zu denken, gleichzeitig führten sie zu einem schlechten Gewissen. Wir waren innerlich doch sehr zerrissen. Bei den Abendgebeten, bat ich Jehova Gott, er möge mir solche lästerlichen Vergleiche verzeihen.

Wir hatten das große Glück, mit Richard und Hans auch über solche Überlegungen sprechen zu dürfen. Das waren natürlich vertrauliche Gespräche. Kam uns dabei ein linientreuer Zeuge zu nahe, flüsterten wir nur: „Achtung, Feind hört mit!“.

Während die DDR noch auf ihre Wende wartete, für uns rückte sie immer näher. Gerade Funktionäre der Einheitspartei in Ostdeutschland, förderten unbewußt mein Mißtrauen gegen Gleichmacherei und Unterdrückung, wo auch immer diese praktiziert wurde. Ich hatte eine kurze Ausbildung zum Kameramann absolviert und reiste dann in verschiedene Länder, um unsere Gleisbaumaschinen zu filmen. In den Ostländern gab es besondere Einschränkungen, so durften u.a. keine Brücken oder Gleisanlagen abgelichtet werden. Eine Maschine sollte auf den Gleisanlagen des Kohlereviers „Schwarze Pumpe“ gefilmt werden. Dazu mußte ich ein Kamerateam aus Ostberlin engagieren, das mir vom Ministerium für Verkehr zugewiesen wurde. Dieses bestand aus sechs Personen. Es gab einen Riesenaufwand mit Regisseur und Assistent. Die Gespräche mit diesen, waren aber recht freundschaftlich. Abends saßen wir oft noch gemütlich beisammen. An einem dieser Abende, bat mich der Regisseur um ein vertrauliches Gespräch. Er nannte auch gleich den Grund. Als führendes Mitglied der SED gehört es zu seinen Aufgaben, durch Befragungen herauszufinden, wie Menschen aus dem westlichen Ausland die DDR beurteilen. Er versicherte glaubhaft, daß ich nichts zu befürchten hätte. Die Ergebnisse solcher Befragung werden Donnerstag Abend, in der Parteisitzung, ausgewertet. Ich hatte Vertrauen zu dem Mann und war froh, endlich über meinen Frust erzählen zu können. Die „Unfreiheit“ stellte ich in den Mittelpunkt meiner Beschwerden. Die Antworten dieses Funktionärs kamen mir bald bekannt vor, weil ich im Predigtdienst oft in ähnlicher Weise antwortete. Natürlich mit etwas anderen Vorgaben. Hier war nämlich der bullige SED-Mann mein Opfer, den ich genüßlich „zerlegen“ konnte. Im Felddienst machen dies die Leute mit mir. Auch er gab einstudierte Antworten und versuchte, unangenehmen Tatsachen auszuweichen. Siehe da, die gleiche Taktik wie bei unserer theokratischen Schulung, so ging es mir durch den Sinn. Dazu ein Beispiel:

Im Predigtdienst kommt häufig die Frage: „Warum glaubt Ihre Sekte eigentlich, nur sie allein sei von Gott gebraucht und nur ihre Leute würden von Gott gerettet werden?“. Dann kommt die stereotype Antwort, etwa so: „Wir können nicht wissen, wie Jehova dies beurteilt, die Errettung der Menschen liegt nicht bei uns, sondern nur in seiner Hand“. Das klingt vordergründig einleuchtend und der Gesprächspartner mag denken, das ist eine vernünftige Einstellung. Darin spiegelt sich die doppelzüngige Sprache der WTG wider: für Außenstehende wird häufig direkt das Gegenteil von dem ausgedrückt, was intern als „Gesetz“ gilt. Dem darf man nicht ungestraft widersprechen. Die WT-Organisation vermittelt die Überzeugung: nur sie allein wird von Gott gebraucht und geleitet. Es gibt nur eine Einbahnstraße ins künftige Paradies. Dieses Ziel kann nur der erreichen, der sich dem geeinten „Volk Gottes“ anschließt und gehorsam dem von Christus eingesetzten Sklaven folgt. Es wird auch immer betont, dieses Volk befinde sich bereits in einem „geistigen Paradies“, sie sind anderen Christen weit voraus.

Auch die Funktionäre in der DDR hatten das Gefühl, in einem Arbeiter- und Bauernparadies zu leben und glücklichen Zeiten entgegen zu gehen.

Ich riß den Herrn Regisseur aus seinen politischen Träumereien. So kam ich auch auf die unangenehmen Formalitäten an der Grenze zu sprechen. Er hatte kaum eine Ahnung davon, was sich dort abspielt. Ich geriet ins Schwärmen, über die angenehmen Zustände im freien Österreich. Wie sich doch die Bilder gleichen. Hier der Genosse Regisseur auf der einen, da der Bruder Zeuge, auf der anderen Seite. Zwei „Apparatschiks“. Hier die alleinbeglückende Partei, dort die alleinrettende Organisation. Ohne rot zu werden, wird gelogen und die Wahrheit gebogen. Wer die Partei oder die Organisation angreift, greift direkt in deren Augapfel. Auch die „Bestrafung“ hat Ähnlichkeiten. Wer sich nicht anpassen will, wird schnell unbequem. Wer eigene Entscheidungen trifft und nicht den Anweisungen der Oberen folgt, erfüllt nicht die erwarteten Normen. Das kostet oft die Stelle, den Posten, zumindest den guten Ruf. Oder theokratische Dienstämter...

Hier mein oben genanntes Dienstvisum von 1989, das laufend erneuert wurde, aber nach 1989 nicht mehr... 🙂

Das musste ich heute am 9. November einfach loswerden - und nun:

Freundschaft Genossen! 😀😁😂🤣😃

 

Dieses Thema wurde geändert 5 Monaten zuvor von Admin
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Veröffentlicht : 9. November 2019 19:33
stoertebeker gefällt das
Schlagwörter für Thema
(@nojworg)
Neuer Gast

Hallo Gerd, 

das "Doppelsprech", da hast Du recht, ist das gleiche. Die Rhetorik auch. Nur andere Termini.

Wir wohnten damals in West- Berlin. Um diese Zeit waren wir noch am Küchentisch beim Abendessen. Irgendwann schalteten wir das Radio ein. Wir dachten auch zuerst, das sei ein Scherz oder Satire und haben das gar nicht weiter beachtet. Als die Berichterstattung aber immer weiterging haben wir erst aufgemerkt und gedacht "das kann doch nicht sein" und haben den Fernseher eingeschalten. Wir haben noch eine Weile geguckt und dann sind wir los. Mit dem Motorrad, meine Frau hinten das Klammeräffchen, sind wir zum Checkpoint Charlie in Kreuzberg, was nicht weit war von Friedenau. 

Den Abend werd ich auch nie vergessen. Kann man gar nicht richtig beschreiben diese Stimmung als die "Ostler" alle rüberkamen. Seltsam, irgendwie ungläubig und unglaublich für alle, aber sehr sehr freudig, entspannt, aber auch irgendwie unfassbar noch für alle. Schnell floß auch Sekt und alle haben sich begrüßt und viele umarmt. 

Lg

Ps:

Und wie heißt dein Buch? 

 

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Veröffentlicht : 9. November 2019 20:07
RoKo
 RoKo
(@roko)

Ja Gerd, die Sprüche und Durchhalteparolen sind nahezu identisch. In der DDR gab es für die politische Arbeit sogenannte Politoffiziere. Ihr Hauptaufgabe war, die Moral in der Truppe der Volksarmee zu steuern wie es die Volkskammer wollte. Und in der Zivilbevölkerung existierten verschiedene politunterstützende Vereinigungen die auch Feizeitbeschäftigung boten. Meinen ersten Führerschein habe ich dort abgelegt. Die Führung bediente sich all den Kniffen, die sich hunderte von Jahren in der Führung von Menschenmassen bewährt haben. Eine Kopie des Führungsstiles findet man in der WTG. Verblüffend!

Aber ich finde einen Unterschied in der Bibel. Ich denke an Johannesbrief. Matthäus schrieb es auch. Dort sagte Jesus, "Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt". Joh 18, 36 Also ist es doch so. Alles was wir kennen und für Menschen als bewährt gilt, ist Torheit bei Gott.

Darum verstehe ich nicht, dass es ZJ es gut heißen, wie die LK mit den bewährten Mitteln weltlicher Herrscher die große Herde agitieren.

Dennoch denke ich auch an den b-Teil dieser Bibelstelle. "...wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde, jetzt aber ist mein Reich nicht von hier."

Ich bin auch einer, der furchlos für die biblischen Werte eintritt. Ich muss mir aber einmal mehr in Erinnerung rufen, was dieser Vers eigentlich aussagt. Es ist die Fortsetzung einer Warnung an all jene, die den Griff am Schwert haben. "Stecke dein Schwert wieder" (Joh 18,11) ein sagte Jesus zu Petrus. Vers 36 nannte er zeitlich danach. Das sagte nicht irgendjemand. Sondern der König.

Wir haben einen geistigen Kampf zu kämpfen. Den buchstäblichen eher nicht. Das macht der Himmel.

LG RoKo

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 9. November 2019 23:35
Gerd
 Gerd
(@gerd)
Veröffentlicht von: @nojworg

Ps:

Und wie heißt dein Buch? 

 

Buch seit Jahren vergriffen. Aber so geht's vielleicht auch?:

[URL= https://docs.google.com/document/d/1MuFqi58OPQNak5WlLGgF6k1Hu0tgoPiAHF9gqD453P0/edit?pli=1]Buch[/URL]

Heute lädt unsere Tageszeitung nach Berlin ein und auch zur Besichtigung von "Erichs Palast", wurde der nicht abgerissen? Aufnahme von mir:

Unter den Linden, links Berliner Dom, rechts der goldene Palast d. R., Richtung vorne: Alex mit Turm - laaang ist's her 🤧

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Veröffentlicht : 10. November 2019 7:37
Gerd
 Gerd
(@gerd)

Hier noch das oben genannte Foto.

Es zeigt die Mauer vom Brandenburger Tor nach rechts. Wenn meine Erinnerung nicht täuscht, war in gleicher Straße die Zentrale der "Stasi" auf der rechten Seite.

Damals dachte ich noch: also diese Mauer fällt bestenfalls in Harmagedon. Wie man sich täuschen kann...

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Veröffentlicht : 11. November 2019 7:33
Gerd
 Gerd
(@gerd)

Bevor dieses Forum in den unendlichen Dauerschlaf verfällt, noch schnell eine Aufnahme aus der DDR-Hauptstadt. Passt irgendwie zu unserer Jahreszeit.

Ich glaube ich schoß das Motiv Anfang Dezember in den 1970er Jahren. Am Berliner Dom wurde noch fleissig renoviert. Jedenfalls verhinderte das Regime nicht, dass Weihnachten gefeiert wurde - im eingesperrten Berlin

Noch ein Gedicht, das mir damals DDR-ler einlernten, Namen vergisst mein "reifes" Hirn immer wieder, aber dieser Reim hat sich einfach eingegraben 😜

Was für die Frau der Büstenhalter

ist für die DDR der Ulbricht Walter,

denn beide pressen ganz enorm

die Massen in die richt'ge Form!

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Veröffentlicht : 11. November 2019 13:55
Gerd
 Gerd
(@gerd)

Widerspruch ist vor der Mauer gestattet 🤬 

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Veröffentlicht : 11. November 2019 14:35
Wildblume
(@wildblume)

@gerd

Tz, tz....mein lieber Gerd,

zu Deinem Gedicht....

in diesen Größen heißt das heute Minimizer 🧐 

 

Schwarzes Schaf, aber Schaf....

AntwortZitat
Veröffentlicht : 11. November 2019 16:54
Gerd
 Gerd
(@gerd)
Veröffentlicht von: @wildblume

heißt das heute Minimizer 🧐 

Sonntag frühmorgens läutet es an der Tür

Ehemann noch müde: "Wer mag das nur sein, geh Wildblume, guck mal durch den Späher, wenn es zwei sind, dann sind es die Jehovazeugen, dann mach nicht auf"

Wildblume guckt  ٩(●̮̮̃•̃)۶ : "Nein, es ist nur Einer, vielleicht ist es ein Nachbar in Not..." 

ZJ sind gut geschult, die lernen schon in der Predigtschule "Einwände überwinden", sie sind für alle Eventualitäten  gut gerüstet und minimizern manchmal auch ihren Predigtpartner

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Veröffentlicht : 11. November 2019 17:47
Fox, Meereswoge und Wildblume gefällt das
Gerd
 Gerd
(@gerd)

Ein Forumsimpuls ist nun nötig!

Ein Blick über alle Mauern hinweg.

WAS mag die Maschine outputten? Vorschläge weiter unten

Input links oben:

1. Ablauf der Auferstehung: zuerst von der Erde in den Himmel und danach Wiedergeburt auf Erden. Wir haben dann Gott als Quartiersgeber mittels Seiner Hütte, der uns dort dann ewig die Tränen trocknet.

2. Löschung des Höllenfeuers. Verteilung von Tränendrüsen und künstlichen Gebissen, zwecks vollendetem "Heulen und Zähneknirschen".

3. Die Maschine dehnt die überlappende Generation der JW.org bis ins Jahr 2034, ohne dass diese reisst.

4. Die Maschine erklärt uns beim beim Monitor in der Mitte, ob Jurek die mega Antworten der Mitschreiber akzeptiert...

Ab 5 sind andere dran, die Maschine ist ja soooo geduldig, antwortet auch in Sanskrit: ஓ ﻬ ஐ (heißt: downput)

AntwortZitat
Veröffentlicht : 12. November 2019 11:21
Fox gefällt das
Gerd
 Gerd
(@gerd)

5. Die obige Auslegungmaschine ermittelt auch ob Rutherford 1935 recht hatte, mit Ergebnis: der Himmel ist mit Gesalbten schon überfüllt, wer gerettet werden möchte, kann nur mehr mit dem Erdleben rechnen. Gibt ja genug schöne Flecken, sodass sich Gott künftig auch dort ansiedeln wird.

Technisch rechnet die geistgesteuerte Maschine so: man sieht auf der rechten Seite links, den Leiter der Leitenden Körperschaft, wie er jeden einzelnen Kandidaten der 144.000 nach dessen Würdigkeit prüft, Illustration statisch:

Dann wird der Predigteinsatz überprüft (Berichtszettel, "Rapport" nennen es die Schwiezr, odrr?) und der Bruder rechts bestätigt, ob der Kanditat geistig würdig für den Himmel ist, oder gerade noch körperlich akzeptabel für die neue Erde - einfach genial!

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 13. November 2019 10:38
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