Der Tanz um das goldene Kalb, heute!

36Diese stehende Wendung ist weithin bekannt und geht auf eine Begebenheit im alten Volk Israel unter Mose zurück, als dieser auf den Berg Sinai gestiegen war, um aus der Hand Gottes die zehn Gebote entgegenzunehmen. Zwischenzeitlich war das Volk wegen der längeren Abwesenheit ihres Führers Mose ratlos und ungeduldig geworden, und ließ sich aus dem eingesammelten Goldschmuck ein goldenes Kalb fertigen, um das sie herumtanzten, es anbeteten und von ihm Führung erwarteten. Nachzulesen ist diese Begebenheit in 2. Mose, Kapitel 32.

Der „Tanz ums goldene Kalb“ wird heute metaphorisch gebraucht und hebt auf die Verehrung und Bedeutung ab, die die Menschen gewissen Personen, Organisationen oder Vorlieben angedeihen lassen, die sie über alles andere stellen bzw. die sie verehren, ihr Herz daran hängen und daraus einen anbetungsgleichen Kult machen. Dabei geht es nicht nur um Lebensentwürfe wie Reichtum, Schönheit oder Erfolg, sondern beispielsweise auch um ein ungebührliches Vertrauen, das man auf Personen setzt, die sich als Stellvertreter Gottes ausgeben.

Während diese Wendung und ihr biblischer Ursprung weithin bekannt sein dürften, ist der anschließende für uns heute so bedeutungsvolle Bericht meist unbekannt, als Moses für das Vergehen des Volkes Israel bei Gott um Vergebung betet und für ihr Vergehen Fürbitte einlegt. Bei diesem Zwiegespräch zwischen Mose und Gott fällt das ungewohnt vertraute Verhältnis zwischen ihnen auf.

Es mag uns befremden, dass Gott Moses tatsächlich als prophetisch vorschattendes Gleichnis auf seinen Sohn Jesus gebrauchte, wobei er die besondere Bündnissituation im Sinn hatte, in welcher beide Personen zu IHM als ihrem Gott standen.

Lässt sich diese Behauptung biblisch belegen? Ja, denn kurz nach Pfingsten 33 u. Z. zitierte der Apostel Petrus aus der einst von Moses geäußerten Prophezeiung, die sich erst viel später an Jesus Christus erfüllt hatte. Aus den Hebräischen Schriften führte Petrus folgende Passage an: „In der Tat, Moses hat gesagt: ‚Einen Propheten gleich mir wird euch Jehova Gott aus der Mitte eurer Brüder erwecken. Auf ihn sollt ihr hören gemäß all den Dingen, die er zu euch redet‘. “ Apg. 3:11, 22, 23; lies 5. Mose 18:15, 18, 19.

Schon Moses war beim jüdischen Volk hoch geachtet, daher erwarteten sie gespannt das Auftreten des angekündigten größeren Propheten. Dieser sollte sich nicht nur als ein Messias, ein Gesalbter Gottes wie Moses erweisen, sondern als der Messias schlechthin, „der auserwählte Christus“ Gottes.

Jesus sollte wie Moses eine Mittlerrolle zwischen Gott und dem Volk einnehmen, nach seinem Tod aber für das Leben der gesamten Menschheit zuständig werden. Moses dagegen diente nur als Mittler des Gesetzesbundes zwischen Jehova und den Israeliten. Jesus sollte sich dagegen als der größere Moses, als der Mittler eines noch weit besseren und bedeutenderen Bundes erweisen. Zur gegebenen Zeit nämlich würde Gott, der Allmächtige, seine Gesetze in die Herzen der Menschen schreiben. 1. Timotheus 2:5; Hebräer 8:10

Moses wurde von seinem Gott Jehova oder Jahwe für Pharao in gewisser Weise zu einem Gott oder Mächtigen gemacht, wie es 2. Mose 7:1 ausdrückt:

„Der Herr sprach zu Mose: Hiermit mache ich dich für den Pharao zum Gott; und dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.“

Als Sprachrohr vor Pharao hatte Gott ihn mit seiner Autorität und durch die Wunder, die er vor Pharao wirkte, mit seiner Legitimation ausgestattet. In dieser außergewöhnlichen Situation tritt Mose in seiner Funktion als von Gott gesandt vor den mächtigen Pharao mit der unerhörten Forderung, das versklavte Volk ziehen zu lassen. So wurde Mose für die Ägypter zu einem Gott, der seinen unabwendbaren Willen kundzutun hatte. In vergleichbarer Weise handelte und sprach auch Jesus Christus im Namen Gottes, trat als autorisierter Gesandter seines Vaters auf, und wirkte damit wie ein Mächtiger oder wie ein Gott (Johannes 1:1), um ein Volk für seinen Namen einzusammeln.

Betrachten wir den Bibelbericht und sehen wir, wie sich die Ereignisse in Verbindung mit Moses, dem Volk Israel und dem goldenen Kalb in gewissem Sinne auch auf unsere Zeit übertragen lassen.

„Als Mose so lange Zeit nicht vom Berg herabkam, versammelten sich die Israeliten bei Aaron und forderten ihn auf: “Mach uns eine Götterfigur, die uns den Weg zeigt! Wer weiß, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten herausgeführt hat!” 2. Mose 32:1

Dem war die bekannte Szene am Fuße des Berges Sinai, in der Öde und Einsamkeit der lebensfeindlichen Wüste vorausgegangen. Vierzig Tage waren nun schon vergangen, als Moses das Volk Israel verlassen hatte, um auf den Berg zu steigen und Gott zu begegnen. Da war er nun einfach in einer dunklen Wolke verschwunden, als habe ihn ein verzehrendes Feuer verschluckt, und seither gab es von ihm kein Lebenszeichen mehr. 2. Mose 24:15

Bange vierzig Tage und vierzig Nächte lang hatten alle sehnsüchtig auf seine Rückkehr gewartet. Mit jedem Tag, an welchem die Israeliten im Tal auf sich alleine gestellt waren, wurde ihre Sorge zusehends größer, dass ihr Führer verschollen bleiben würde. Was war bloß mit ihrem Führer Mose geschehen? Würde sich noch erfüllen können, was er ihnen bei der Flucht aus Ägypten versprochen hatte?

Mit der unerträglichen Unsicherheit wuchs auch ihr Bedürfnis, nicht immer nur untätig warten zu müssen, sondern endlich selbst etwas zu tun, und so konnte das Unglaubliche geschehen: sie schufen sich einen jämmerlichen Ersatz, ein goldenes Kalb.

Diese bange, ungewisse Wartezeit lässt sich gut mit der Zeit vor dem zweiten Kommen Christi vergleichen, worauf gläubige Menschen seit langem voller Hoffnung warten.

 

Nach seiner Auferstehung versprach Jesus seinen Jüngern in derselben Weise wiederzukommen, als er sie gleich danach in einer Wolke entschwindend verlassen würde, um vor Gott auf der Grundlage seines bereits erbrachten Loskaufopfers für die sündige Menschheit einzutreten. Seither sind geduldiges Warten, Ausharren und Wachsamkeit angesagt, indem wir uns gegenseitig stärken und uns so zu leben bemühen, wie Jesus es uns gelehrt hatte. Dazu gehört auch, dass wir von unserer Hoffnung und der Guten Botschaft mit anderen sprechen, ohne jedoch dabei einen fest vorgegebenen Zeiteinsatz befolgen zu müssen, für den es nun wirklich keinerlei biblische Grundlage gibt.

 

Vergleichbar zu den damaligen Israeliten, die auf Mose warteten, fragen sich Christi Nachfolger seit seiner Himmelfahrt: Wird dieser Christus jemals wieder so zurückkehren, wie er es angekündigt hatte und wenn ja, wann würde das sein? Würde er erfüllen, was er versprochen hatte? Oder sollen wir uns selbst überlassen bleiben, ausgesetzt mitten in dieser Altenwelt-Wüste, mit dem einen Wunsch nach Orientierung und Führung? Mit dieser bohrenden Unsicherheit wächst das verständliche Bedürfnis, nicht noch länger warten zu müssen, sondern endlich etwas tun zu können.

Spontane Eingebungen, die aus der Unsicherheit und Ungeduld heraus entstehen, sind selten ratsam. So war es auch bei den Israeliten, wie uns der Bericht in knappen Worten mitteilt: „Aaron schlug vor: ‚Eure Frauen und Kinder sollen ihre goldenen Ohrringe abziehen und zu mir bringen!‘Da nahmen alle Israeliten ihre Ohrringe ab und brachten sie Aaron. Er nahm den Schmuck entgegen, schmolz ihn ein und goss daraus ein goldenes Kalb.

Als es fertig war, schrien die Israeliten: ‚Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!‘ Am nächsten Morgen standen alle früh auf und brachten Brand- und Dankopfer dar. Danach ließen sie sich nieder, um zu essen und zu trinken.“

Sie beschlossen also in ihrer vermeintlichen Not, ein goldenes Kalb herzustellen, ein sichtbares und greifbares Zeichen für die Imagination der Gegenwart Gottes. Der Goldschmuck, den die Menschen bei sich trugen, wurde eingesammelt und eingeschmolzen, nur um sich schließlich diesem handgefertigten Götzen zu unterwerfen und das Vertrauen auf ihn zu setzen.

Spiegelt sich darin nicht die Verhaltensweise der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten wider, die seit der Himmelfahrt Jesu und dem Ableben der Apostel sehnsüchtig auf die Wiederkunft Christi warten. Auch sie verlangten etwas anschaulich und gegenständlich Sichtbares, etwas, auf das sie schauen und sich trösten konnten.

Dieses Verhalten lässt sich einerseits mit dem alles dominierenden Gesichtssinn des Menschen erklären; was seine Augen sehen, beeindruckt ihn oft weit mehr als viele Worte. Andererseits macht es uns Menschen die schwach ausgeprägte Fähigkeit zur Abstrahierung oft schwer, Gott als materiell nicht fassbaren Geist wahrzunehmen und zu erkennen.

Auch heute opfern Gläubige Menschen ihr Gold und ihr Silber Religionen, die vorgeben im Namen Gottes zu sprechen und zu handeln.

So wie Aaron, der eigentlich für Moses als Prophet dienen sollte, spielen sich die geistigen Führer heute in einer unrühmlichen Rolle als göttliches Sprachrohr auf, indem sie das Volk dazu verleiten eigenen Göttern nachzufolgen, oder noch schlimmer, sich selbst als den Weg der Rettung auszugeben, indem sie sagen, „ohne uns könnt ihr nicht gerettet werden.“

Leider machen wir als Zeugen Jehovas da keine Ausnahme, auch wenn wir gerne missbilligend mit dem Finger etwa auf die katholische Kirche und ihren päpstlichen Stellvertreter Gottes zeigen.

WIR SETZEN FÜR EINE ORGANISATION, DIE SICH DAMIT BRÜSTET IM NAMEN GOTTES ZU HANDELN UND ZU SPRECHEN, ZEIT, GELD UND KRAFT EIN UND MACHEN UNS FÜR SIE STARK.

Ohne dass wir es wirklich realisieren, ist diese Organisation für uns unter der „leitenden Körperschaft“ oder des „treuen und verständigen Sklaven“ mittlerweile zum goldenen Kalb geworden, zu dem wir bewundernd und voller Erwartung auf Führung aufblicken. Und nahezu acht Millionen Menschen tanzen in der Hoffnung um dieses goldene Kalb herum, es könnte uns wirklich zum Leben führen. Auch wir benehmen uns wie seinerzeit die irritierten Israeliten, wenn uns eine innere Stimme einzuflüstern sucht, „sie ist unser Gott, der uns aus Ägypten, oder der alten Welt, befreit hat!”

Nur sehr wenige Zeugen Jehovas erkennen mit der Zeit, dass „der treue und verständige Sklave“ Christus mittlerweile längst verdrängt, ihn ausgebootet und sich selbst als Retter an seine Stelle gesetzt hat.

In diesem Zusammenhang ist eine Äußerung des WT aus dem Jahre 1956 auf Seite 464 aufschlussreich: „Es ist heute gebieterische Pflicht, dass jene, die in der neuen Welt der Gerechtigkeit (dem verheißenen Land) zu leben wünschen, mit der Neuen-Welt-Gesellschaft Schritt halten. Warum? Weil SIE, die Organisation, nun bald alle ihre Glieder durch die größte aller Drangsale, den Krieg von Harmagedon, sicher hindurchbringen und sie in eine helle neue Welt führen wird…“

„Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!”, schrien auch die Israeliten und blickten zu ihrem goldenen Kalb auf.

Anstatt sich endlich von dieser anmaßenden Position des Lebensretters zu distanzieren, bläst der WT in seiner Ausgabe vom 15. Januar 1968 auf Seite 47 schon wieder in dasselbe Horn, indem er an seine Schützlinge diesen Appell ergehen lässt: „Beeile dich, Gottes sichtbare theokratische Organisation, die seinen König Jesus Christus vertritt, herauszufinden. Das ist zur Bewahrung des Lebens unerlässlich. Wenn du sie dann herausgefunden hast, solltest du sie in jeder Hinsicht akzeptieren…“

Während uns die Bibel davon berichtet, wie Jesus die Jünger und Apostel anweist, nur ihn als den Retter der Menschheit zu verkünden, indem sie ihn suchen sollten, will die Organisation stattdessen sich selbst in den Mittelpunkt unseres Vertrauens setzen, indem sie uns ständig dazu auffordert, in ihr Gottes Organisation zu sehen. Die Worte „Jehova und seine Organisation” sind uns inzwischen so geläufig geworden, dass wir sie bereits selbst als stehende Wendung gebrauchen.

Murren gegen die Organisation ist für uns mittlerweile gleichbedeutend wie ein Murren gegen Gott. Ist uns denn überhaupt bewusst, dass wir damit eine Handvoll unvollkommener Männer in das Haus Gottes stellen und uns dabei so verhalten, als ob sie ein Gott wären? Können wir uns denn von unserer Verantwortung freisprechen, nur weil sich die LK durch ein falsches Verständnis über das Gleichnis vom guten und bösen Sklaven selbst die Position eines verständigen Sklaven zugesprochen hat?

Schaut euch bitte einmal den WT-Studienartikel vom 15. August 2013 auf Seite 13 im Absatz 15 an: „…das Murren gegen diejenigen, die die irdische Organisation leiten, (die leitende Körperschaft) ist ein Murren gegen Jehova Gott.

Nicht einmal Jesus Christus selbst hätte gewagt einen solchen Gedanken auszusprechen, ganz im Gegenteil sagte er in Matthäus 12:32 selbst: „Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.“

Stellt sich die Organisation denn hier nicht eindeutig über Jesus, und gibt sie sich nicht bereits selbst als Gott aus?

 

Zurück zu den Ereignissen zur Zeit Mose.

 

Moses bemerkte damals von all dem, was sich am Fuße des Berges während seiner Abwesenheit vom Volk abspielte, zunächst nichts. Gott aber sah natürlich, was am Fuße des Berges geschah, wandte sich dann umgehend an Moses und sagte zu ihm:

Geh, steig hinab! Denn dein Volk verdirbt, das Du heraufgeführt hast aus Ägypten. Gewichen sind sie – schnell – von dem Weg, den Ich ihnen gebot. Sie machten sich ein gegossenes Kalb, warfen sich vor ihm nieder; sie opferten ihm; sie sagten: Dies sind Deine Götter, Israel, die Dich heraufgeführt haben aus Ägyptenland! Weiter sagte der HERR zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen, da – ein halsstarriges Volk (sind sie). Jetzt aber, laß mich doch in Ruhe, es entbrannte mein Zorn gegen sie. Ich mach Schluss mit ihnen. Dich aber mache ich zu einem großen Volk.

Hier stoßen wir auf eine erstaunliche Bemerkung Gottes. Er sagt zu Moses: „…dein Volk, das du aus Ägypten-Land heraufgeführt hast, verdirbt,… ist halsstarrig.“

Israel – nicht Gottes, sondern das Volk Moses? Die Befreiung aus Ägypten nicht Gottes Tat, sondern die Tat Moses? Hier lässt Gott erkennen, dass es der größere Moses, Jesus Christus ist, der die Juden und auch die gesamte Menschheit einmal wirklich befreien wird. Obwohl Jehova Gott derjenige ist, der das Volk durch seine Kraft befreite und führte, sprach er nicht von seinem Volk, sondern vom Volk Moses.

Jetzt aber, lass mich doch in Ruhe mit deinem Volk, ich mach Schluss mit ihnen. Dich aber mache ich zu einem großen Volk, sagte Gott.

Wie reagierte Moses auf diese für uns sicherlich befremdende Aussage, dass er, Mose, sein Volk aus Ägypten befreit haben soll? Sah sich Moses selbst auch als Befreier und Retter? Betrachtete er Israel als SEIN Volk? Nein! Er wusste und war davon überzeugt, es ging nicht um seine Person, es ging vielmehr um die Rettung des Volkes, die ohne Gottes Macht nicht sichergestellt werden konnte.

Moses antwortete Gott entsprechend, indem er sagt: „Warum, HERR, entbrennt dein Zorn gegen Dein Volk, das Du mit großer Kraft und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast? Willst Du diese Menschen, die Dir wie eigene Kinder ans Herz gewachsen sind, wirklich vernichten? Nur weil sie gerade etwas falsch machen?“

Weiter lesen wir: „Da besänftigte Mose das Gesicht des HERRN, seines Gottes, indem er sagte: Warum, HERR, entbrennt dein Zorn gegen dein Volk, das du aus Ägyptenland aufbrechen ließest mit großer Macht und mit starker Hand? Warum sollen die Ägypter sagen: Zum Bösen ließ er sie aufbrechen, um sie zu ermorden in den Bergen? – und mit ihnen Schluß zu machen auf der Erdfläche? Kehr um von Deiner Zornesglut! Und bereue das Böse, das du über dein Volk bringen willst! Denk an Abraham, Isaak und Israel, deine Diener, – was Du ihnen bei Dir zugeschworen hast! Du hast ihnen versprochen: Ich mache viel eure Nachkommen – wie die Sterne des Himmels. Und all dies Land, von dem Ich sagte: ‚Ich will’s euren Nachkommen geben’ – sie (werden damit) belohnt für Weltzeit.Da bereute der HERR das Böse, das Er gesprochen hatte, Seinem Volk anzutun.“

Wir erkennen hier die scharfsinnige, geschickt in rhetorische Fragen verpackte Argumentation, dass es eigentlich auch um seine Ehre und Glaubwürdigkeit als Gott geht.

Diese auf uns unangemessen wirkende Haltung ist nur unter dem Vorbehalt zu verstehen, dass Moses für Jesus Christus als prophetisches Vorbild diente. Auch Christus ist bereit, vor Gott für die Menschheit zum Guten einzustehen, obwohl sie streng genommen allesamt den Tod verdient hätten.

Wenn Gott das Volk Israel jetzt vernichtet, so argumentiert Moses, dann werden die Ägypter zu triumphieren beginnen, die ja schon immer der Meinung waren, dass diesem Gott nicht zu trauen sei.

Moses zweite Bitte ist noch verwegener, geradezu unerhört, als sich dieser Mensch doch einfach vor Gott hinstellt und ihn auffordert: „Kehre um von Deiner Zornesglut und bereue das Üble oder Böse, das du über dein Volk bringen willst!“

Und dann bringt Mose noch ein drittes Argument vor, indem er Gott an ein Versprechen erinnert, das dieser schon vor langer Zeit gegeben hatte: den Vätern Abraham, Isaak und – nein, nicht Jakob – wie sonst die Dreierreihe meist endet -, sondern diesmal: Israel! Mose nennt ausdrücklich den Ehrennamen Israel, mit dem er einst Jakob nach der ungewöhnlichen Begegnung mit einem Engel bedachte, mit dem er eine Nacht lang gekämpft hatte: Israel – Gotteskämpfer. Zahlreich sollte dieses Volk werden – zahlreich wie die Sterne am Himmel, so hatte Gott es einst versprochen, ohne Bedingungen zu stellen. Und nun hatte dieses Israel einen kapitalen Fehler gemacht, hatte in einem Gefühl des Gott-Verlassenseins in der Wüste versucht, mithilfe eines handgefertigten Abbild eines Kalbes wenigstens wieder so etwas wie geborgene Gottes-Nähe zu verspüren.

Wie reagierte nun Gott auf diese Bitten von Mose? Er ist erstaunlich schnell dazu bereit, seinen Plan zu ändern und bietet nun stattdessen dem Mose an: „Dich mache ich zu einer großen Nation.“

Doch Mose geht auf dieses verlockende Angebot nicht ein. Im Gegenteil, Mose bleibt ganz bescheiden und erbittet gerade für sich selbst nichts weiter als nichts. Für die anderen aber wagt er alles! Indem er zugunsten Israels bittet, riskiert er in Gänze sich selbst als Person! Er bleibt den Menschen treu, die ihm voller Vertrauen sogar in die Wüste gefolgt sind und fordert Gott auf dasselbe zu tun! Für einen Menschen ist dieses Verhalten völlig untypisch, geradezu unglaublich.

Hier werden wir unweigerlich an das erinnert, was Jesus Christus für uns Menschen tat, was auch in dem sogenannten Hohe Priesterliche Gebet zu Ausdruck kommt, das Jesus an seinen Vater richtete.

„Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.

Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. … Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein.“

Johannes 17: 4-7

So wie der Vater das Gebet seines Sohnes erhörte, so hatte Gott auch auf Moses gehört und ließ sich zur Umkehr bewegen. Und so schließt die Geschichte mit den knappen Worten: „Da bereute der HERR das Böse, das Er gesprochen hatte, Seinem Volk anzutun.“

Mose bittet für sein Volk, der größere Mose, Jesus Christus, bittet nicht nur für das Volk Gottes, die Juden und die Auserwählten Jünger Jesu, sondern für die gesamte Menschheit.

 

„Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“

 

Noch einmal zurück zu den Parallelen zwischen dem, wie die Israeliten und die heutige WTG mit ihrer Gefolgschaft zu sehen sind.

 

„Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe.“ 2. Mose 32:1

 

Hier wird deutlich, dass Aaron auf Drängen des Volkes handelte. Das Volk suchte nach einer sichtbaren Führung und wollte nicht länger auf Moses warten. Auch heute ist die Mehrzahl der Zeugen glücklich und dankbar dafür, dass eine sichtbare leitende Körperschaft für sie die Führung übernimmt und ihnen vorangeht, in dem trügerischen Gefühl, dadurch Gott zu folgen, ja, eigentlich wollen sie es so. Und die Organisation tut alles, um sich selbst vor dem Volk als „Gott“ zu positionieren, wenn sie lehrt, Murren gegen die Organisation, ist Murren gegen Gott.“

 

So wie unsere geistige Führung ging einst Aaron bereitwillig auf den Wunsch der Israeliten ein, indem er sie aufforderte: „Reißt ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“

 

Wie konnte sich das Volk nur zu einer solch unglaublichen Verirrung versteigen und ihren lebendigen Gott mit einem toten, handgefertigten Kunstgegenstand vertauschen, kaum dass ihre Geduld auf die Probe gestellt wurde? Heute gehorchen viele unserer Brüder bereitwillig der Aufforderung des Sklaven und legen ihre materiellen Besitztümer bereitwillig in die Hand der WTG. Längst haben sie ihr Vertrauen auf die Rettungsvorkehrung von Christus als dem Hauptvermittler des Lebens ohne es zu merken verloren. Stattdessen vertrauen sie nun dem treuen und verständigen Sklaven, dem neuzeitlichen „goldenen Kalb“, dem sie törichterweise ihre Zukunft und ihr Leben anvertrauen, wie einst die Israeliten, als sie das nichtige und Gott entehrende Abbild eines Kalbes anbeteten.

So unglaublich naiv uns heute die Verirrung der Israeliten erscheinen mag, als sie dachten das Abbild eines Kalbes könne sie zur Rettung führen, so sehr muss uns heute die Haltung der Zeugen erstaunen, wenn sie denken, eine menschliche Organisation könne sie aus der kommenden Drangsal retten. Was diese Organisation angeblich im Namen Gottes bewirkt haben soll, beeindruckt sie, ohne zu erkennen, dass sich Vergleichbares in vielen anderen religiösen und nicht religiösen Organisationen in der einen oder anderen Form schon abgespielt hat.

Dennoch können wir zuversichtlich sein, dass unser wahrer Fürsprecher und Retter, Jesus Christus, uns und alle, selbst solche, die noch der Organisation vertrauen, nicht verworfen werden. So, wie damals Moses, wird nun Jesus für alle gläubigen Menschen vor Gott eintreten und für ihre Übertretungen um Vergebung bitten, damit ihnen ihre Verirrungen nicht länger angerechnet werden müssen.

„Sofort warf sich Mose auf die Erde und betete an.Er sagte: “Herr, wenn du mir deine Gunst geschenkt hast, dann sei in unserer Mitte. Wenn es auch ein widerspenstiges Volk ist, so vergib uns doch unsere Schuld und Sünde und nimm uns als Eigentum an.”2. Mose 34:8

Da sagte er: „Hiermit schließe ich einen Bund: Vor deinem ganzen Volk werde ich Wunder tun, wie sie bisher unter allen Völkern der Erde noch nie vollbracht worden sind. Das ganze Volk, in dessen Mitte du stehst, soll das Tun Jahwes sehen.

Er ging an Mose vorüber und rief: “Jahwe, Jahwe, Gott: barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte und Treue, der Gnade über tausend Generationen hin erweist, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, der die Schuld der Väter an den Kindern und Enkeln bis in die dritte und vierte Generation verfolgt.” 2. Mose 34:6

 

Trotz dieser ermutigenden Rückschau auf dieses mosaische Drama, müssen wir am Gerichtstag das letzte Wort natürlich unserem Schöpfer und seinem Messias überlassen.

 

 

 

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Hey ;)weißt du ganz sicher, dass Yves Rocher tierversuchsfrei ist und ist das Parfum Come une Evidence auch von den Inhaltsstoffen her vegan?Eine Freundin hat das nämlich auch und ich finde den Geruch echt super, aber ich bin davon ausgegangen, dass das eh nicht vegan ist.