Dem „ Sklaven“ dankbar sein – warum?

 

Sklave 3.001Gegenüber Personen, die sich kritisch über den „Sklaven“ äußern, wird gerne der Vorwurf der Undankbarkeit erhoben. Der „treue und verständige Sklave“ fordert unverhohlen Dankbarkeit ein für das Gute, das er uns gegeben haben will. Sicherlich, Dankbarkeit ist eine gute menschliche und christliche Eigenschaft. Aber bedeutet das, dass man auf Grund seines Gewissens keine Kritik üben darf?

 

 

Wer ist der Sklave, dem ich zu Dank verpflichtet sein soll? Für welche „Guten Dinge“ könnte ich denn dem Sklaven danken?

Zur ersten Frage: der Sklave besteht aus den jeweiligen sieben Personen, die die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas bilden.

Sklave 4.001

Zur Zeit sind dies D. H. Splane, A. Morris III., D. M. Sanderson, G. W. Jackson, M. S. Lett, S. F. Herd, und G. Lösch.

Sicherlich haben diese Männer Einsatz gezeigt und arbeiten auch weiter hart, doch warum sollte ich diesen Männer mehr Ehre und Dank zollen als allen anderen, die ebenfalls zum Nutzen der Versammlung hart arbeiten. Man mag jetzt einwenden, dass es um Dankbarkeit gegenüber der Einrichtung des „Sklaven“ geht und nicht um Dankbarkeit diesen Personen gegenüber.

Gemäß dem Selbstverständnis des „t. u. v. Sklaven“ ist der Sklave von seinem Herrn, Jesus Christus, eingesetzt worden. Sollte demnach nicht ihm, Jesus Christus, der Dank gebühren, falls diese Einrichtung wirklich von ihm kommt?

Doch vom Sklaven werden wir offenbar aufgefordert, uns die Frage zu stellen „wo wäre ich ohne den Sklaven?“ Diese Frage ist jedoch hypothetisch und unangebracht. Sie suggeriert uns, dass wir ohne den Sklaven den Weg zu Gott und Christus nicht gefunden hätten. Dies ist vermessen.

Ich bin in der „Wahrheit“, wie man so sagt, groß geworden und bin dankbar für vieles, was ich im Laufe der Jahre gelernt, erlebt und erfahren habe. Ich bin übrigens jedermann dankbar, der mir half, mich an Gottes Wort zu halten, der versuchte, mich zu Gott und Christus zu führen, ob das nun meine eigene Großmutter war oder eventuell der Konfirmationspfarrer, der meinen Sinn für das Suchen nach der Wahrheit anspornte. Auch das gibt es. Und so bin ich auch vielen Brüdern und Schwestern in den verschiedensten Stellungen in der Organisation dankbar. Aber darf ich sie deshalb nicht kritisieren, wenn sie etwas Falsches lehren oder tun? Die „Sklavenklasse“ sagt doch selbst von sich, dass sie weder inspiriert noch unfehlbar sei. Wenn ich also etwas kritisiere, bin ich dann undankbar?

Warum werden wir dann immer wieder aufgefordert, dem Sklaven dankbar zu sein, statt seine Lehren und Anweisungen kritisch zu hinterfragen?

Zum Beispiel im Wachtturm 15.7. Seite 19-23, Dankbar für eine guteFührung“  Zitat:

Wir haben allen Grund, für den „treuen und verständigen Sklaven“ dankbar zu sein, dem Jesus Christus seine irdische Habe anvertraut hat. Die Sklavenklasse setzt sich aus geistgesalbten Christen zusammen, die beim Predigen der guten Botschaft führend vorangehen, Zusammenkünfte für die Anbetung Gottes organisieren und biblische Veröffentlichungen in über 400 Sprachen herausgeben. Weltweit nehmen Millionen von Menschen diese geistige „Speise zur rechten Zeit“ dankbar entgegen (Matthäus 24:45-47). Wir können uns wirklich nicht beschweren“.

Eine ältere Zeugin Jehovas mit Namen Elfi …. schrieb: „Was wollte ich machen, wenn ich die Organisation Jehovas nicht hätte?“ Der „treue Sklave“ wird von der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas vertreten. Dabei handelt es sich um eine kleine Gruppe geistgesalbter Männer, die im Hauptsitz der Zeugen Jehovas in Brooklyn (New York) tätig sind.

Andreas (17 Jahre) fühlt sich „in der Überzeugung bestärkt, dass dies die beste Organisation auf der Erde, ja wirklich die Organisation Jehovas ist“. Können wir für all das Gute, das den irdischen Teil der Organisation Jehovas auszeichnet, nicht dankbar sein?

 Ehrlicherweise muss man sagen, dass dieser Artikel sagt, dass wir „für“ den Sklaven dankbar sein sollten. Doch zwischen den Zeilen und in den Ansprachen wird grundsätzlich die Aufforderung geäußert „Dem“ Sklaven dankbar zu sein. Nach dem Selbstverständnis des „Sklaven“ ist er von Jesus als Herr eingesetzt worden. Hat Jesus auch nur im Entferntesten angedeutet, dass wir einem „Sklaven“ Dankbarkeit schulden und ihn nicht kritisch hinterfragen dürfen? Nein, im Gegenteil, in Lukas 17: 8-10 lesen wir: „Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?  Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: … schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe?

Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren“.

Da wir in unserem christlichen Dienst alle „unnütze Sklaven“ sind, ist keiner berechtigt, Dank einzufordern für das, was er tut, auch die leitende Körperschaft nicht. Hat es der Apostel Paulus gewagt von der Christenversammlung Dankbarkeit einzufordern? 1. Korinther 15:9 ich bin der Geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße“

 

Oder Epheser 3:8 „mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter den Heiden zu verkündigen …“

Im Königreichsdienst Januar 2015 wurde das Thema besprochen: Als ein Sklave für den Herrn mit der größten Demut dienen“.

Als Grundlage der Besprechung diente Apostelgeschichte 20:19.Auf Grund dieses Textes sollten sich die Brüder folgende Frage stellen: (1) Was bedeutet die Formulierung „als ein Sklave dienen“? (2) Welche Möglichkeiten haben wir, für den Herrn zu dienen? (3) Was ist Demut? (4) Wie hilft uns Demut in unserem Dienst?

Wie nicht anders zu erwarten, richteten sich diese Fragen nur an die Brüder, aber mit keinem Wort wurde erwähnt, dass auch die leitende Körperschaft „Als ein Sklave für den Herrn mit der größten Demut“ dienen sollte. Wie sieht es mit der „Demut“ der leitenden Körperschaft aus? Sie erwarten Dankbarkeit und verwehren sich jeglicher Kritik.

Kein Diener der christlichen Botschaft hat je Dankbarkeit gefordert

Protestanten, aber auch alle gottgläubigen Menschen, haben allen Grund, Martin Luther für seine Bibelübersetzung dankbar zu sein. Doch hat er diesen Dank eingefordert? Darf er deshalb nicht kritisiert werden? Das würde niemand behaupten. Und wäre ein Kritiker deshalb schon undankbar?

Paulus war sicher den gläubigen Juden seiner Zeit und seinem Lehrer Gamaliel dankbar, denn er hatte eine ausgezeichnete Ausbildung im Gesetz, die ihm dann auch als Christ und Apostel sehr zu statten kam. Ja, er liebte seine jüdischen Mitbürger immer noch so, dass er sein Leben für ihre Rettung hingegeben hätte (Römer 9:1-3).

Aber hat er deshalb ihren Dank eingefordert? Verbat er es sich kritisiert zu werden? Ganz gewiss nicht! Ich bestreite nicht, dass es undankbare Personen geben mag, auch unter Kritikern der Organisation. Aber diesen Vorwurf pauschal allen überzustülpen, die bestimmte Lehren oder Anweisungen kritisieren, ist ungerecht, auch wenn die Organisation verständlicherweise gern selbst den Vorwurf der Undankbarkeit erhebt. Dankbarkeit kann und darf niemals die Aufgabe der eigenen Kritikfähigkeit und des eigenen Denkvermögens, vor allem aber des eigenen Gewissens bedeuten.

Die Schrift fordert uns dagegen wiederholt zum eigenen Prüfen und Nachforschen auf.

Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes. „Verachtet nicht die Weisungen, die er euch gibt. Prüft aber alles, und nehmt nur an, was gut ist“ 1. Thessalonicher 5:20,21 Hfa

Selbst Weissagungen durch den Heiligen Geist dürfen und müssen von uns geprüft werden. Wie viel mehr müssen wir das prüfen, was uns durch Männer übermittelt wird, die sagen, im Namen des Heiligen Geistes zu uns zu sprechen. Wird von diesen Männern das Prüfen als Undankbarkeit diffamiert, müssen bei jedem Christen die Alarmglocken klingeln.

Es ist ein leichter und gern geübter Brauch, Kritikern schlechte Motive, wie etwa unmoralischen Lebensstil zu unterstellen, so wie es leider in den Artikeln des Wachtturms immer wieder geschieht. Natürlich gibt es das, aber ich möchte gläubigen Christen bei aller Meinungsverschiedenheit doch ehrliche Herzensmotive wie Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft usw. unterstellen. Mögen wir uns doch das Beispiel des Paulus zu Herzen nehmen, der, obwohl er in Korinth sehr kritisiert und angegriffen wurde, nicht aufhörte, den dortigen Christen seine Zuneigung zu bekunden und ihnen auch keine schlechten Beweggründe unterstellte.

Wer steht hinter dem Sklaven, dem wir dankbar sein sollten?

Nicht selten hört man, dass sich in der Weltzentrale in Brooklyn mehr Gesalbte befinden als sonst irgendwo. Sollte damit der Eindruck erweckt werden, als habe das irgendeine Bedeutung im Hinblick auf Jesu Gleichnis? Ganz gleich, welche Aufgabe ein Gesalbter im Bethel haben mag, wenn er nicht zu der kleinen Gruppe der leitenden Körperschaft gehört, wird er niemals an einer ihrer Sitzungen teilnehmen, nur weil er ein Gesalbter ist. Tatsächlich wurde in der Vergangenheit auch niemals auf dieser Grundlage ein „Gesalbter“ um seine Meinung befragt. Es wäre in der Vergangenheit ehrlicher gewesen, wenn die leitende Körperschaft den Anspruch erhoben hätte, selbst der treue und verständige Sklave zu sein, was ja mittlerweile seit 2013 als „Neues Licht“ so geändert wurde.

Diese Änderung entspricht nun wenigstens der Realität. Wenn die Glieder der leitenden Körperschaft ersetzt werden müssen – die meisten sind vorgerückten Alters -, so bestimmen sie selbst die Nachfolger. Weder die Gesalbten noch die einfachen Verkündiger werden dazu befragt. Letzten Endes entpuppen sich der große Respekt, die Achtung, die Loyalität und die Unterordnung von acht Millionen Menschen gegenüber dem Sklaven als Erbhof einer kleinen Gruppe von Männern, welche die leitende Körperschaft bilden. Sie sind nicht Teil des Machtapparates der Organisation, denn wenn Jehovas Zeugen sagen, etwas käme „vom Sklaven“, dann meinen sie „von der Brooklyner Zentrale“. Alles, was aus einer anderen Quelle kommt, und sei es von einem Gesalbten, genügt ihnen nicht.

Doch warum tut man das? Warum verschleiert man die Realität? Die Betonung der Klasse des Sklaven dient auch dazu, den eigentlichen Machtapparat mit dem Mantel der Anonymität zu bedecken, was das Bild von einer breiten, weltumspannenden Vielfalt von Mitgliedern aufkommen lässt. Doch dieser Mantel passt nicht. Das Konzept des „t. u. v. Sklaven“ ermöglicht der leitenden Körperschaft, fast vollständigen Gehorsam gegenüber den eigenen Richtlinien zu fordern, ohne dies als Eigennutz erscheinen zu lassen. Dass man von dem „treuen und verständigen Sklaven“ spricht, lenkt die Aufmerksamkeit von der kleinen Gruppe als dem eigentlichen Machtapparat ab.

Und noch eine Bemerkung dazu: der Sklave in Jesu Gleichnis soll seinen Mitknechten dienen. Er hat nicht das Recht, sie zu dominieren, unter welchem Vorwand auch immer, Herr ihres Glaubens zu sein, ihnen Vorschriften zu machen bis hin in die privatesten Bereiche und ihnen ein Schuldbewusstsein einzuimpfen, wenn sie solche Anweisungen auch nur bezweifeln, oder sie durch den Missbrauch der Praxis des Gemeinschaftsentzugs sogar geistig zu Tode zu bringen. Hier geht der Sklave bzw. die leitende Körperschaft in anmaßender Weise weit über ihre Befugnisse hinaus, denn jeder Christ steht oder fällt mit seinem Herrn, nicht mit dem Sklaven.

Wie kommst du dazu, den Sklaven oder die Sklavin eines anderen zur Rechenschaft zu ziehen? Es geht nur ihren Herrn etwas an, ob sie stehen oder fallen. Sie werden aber stehen bleiben; denn ihr Herr hat die Macht, sie aufrecht zu halten. Die einen beachten an bestimmten Tagen besondere Regeln; für die anderen sind alle Tage gleich. Es kommt nur darauf an, dass jeder nach seiner festen Überzeugung handelt.  Römer 14:4 GN.

Wie kommt es dazu?

Doch wie kommt es dazu, dass sich Millionen von Menschen mit Intelligenz und freiem Willen in dieser Weise einer fiktiven Klasse unterordnen bis hin zu Entscheidungen, die ihr eigenes Gewissen nie getroffen hätte?

Man muss anerkennen, dass durch die Tätigkeit der Zeugen viele Menschen an die Bibel herangeführt werden, sie kennen lernen, auch lernen, wie man bestimmte Texte in der Bibel findet usw. Das war für viele hilfreich und eindrucksvoll. Dafür kann man auch dankbar sein. Wenn man aber nur in dieser Richtung aufbauen würde, hätte man ein Problem.

Man wird schließlich erkennen, dass die Organisation die Menschen nur bis zu einem gewissen Punkt führt. Das Wissen bleibt dann auf einem bestimmten Niveau. Mehr und mehr nehmen die Betrachtungen der Lehren der Organisation das Übergewicht gegenüber dem Studium der Bibel ein. So kommt es, dass es Zeugen gibt, die nach 40 Jahren ihres Zeugendaseins nicht viel mehr wissen als nach dem ersten Jahr. Das geistige Wachstum stagniert – es sei denn, sie gehen über das Programm der Organisation hinaus. Ich fragte einmal einen Ältesten, warum denn immer wieder dieselben Dinge besprochen – „studiert“ – würden? Das sei doch kein Fortschritt. Er antwortete mir, dass ja immer Neue dazukämen, und dass deshalb immer wieder von vorn begonnen werden müsste.

Der Älteste verstand wohl nicht den Text aus Hebräer 5:12-6:3. Wenn so das geistige Wachstum stagniert, dann lässt man schließlich auch die Organisation für sich Gewissensentscheidungen treffen, statt dies selbst zu tun. Das Ergebnis ist, dass solche Menschen später oft in geistiger Hinsicht schwächer sind als zu Beginn. Sie scheinen stark zu sein, aber sie haben nicht mehr die Kraft, wirklich eigene Gewissensentscheidungen zu treffen und die Folgen dafür zu tragen.

In den Wachtturm-Schriften wird häufig das logische Denken angesprochen – zu Recht. Da diese Schriften Menschen anderer Konfessionen anspornen sollen, die Gültigkeit der Lehren ihrer eigenen Religion zu überprüfen, neu zu bewerten und auch in Frage zu stellen, musste man unbedingt die Notwendigkeit eigenständigen, unabhängigen Denkens betonen. Die Menschen werden ermutigt, keinen Lehren Glauben zu schenken, wenn sie diese nicht zuvor gründlich anhand der Bibel geprüft haben.

So gibt es einen vorzüglichen Artikel im Wachtturm vom 15.8.1956, Seiten 486 und 487, der u.a. sagt: Beachte den Rat, selbst zu prüfen und “dich selbst zu überzeugen” (Römer 12:2). Wenn du dich anhand der Bibel selbst davon überzeugt hast, daß das, was du glaubst, wirklich Gottes Gedanken sind, dann wird keine “Gehirnwäsche”-Propaganda sie aus deinem Sinn wegfegen. Es genügt nicht, zu wissen, was man glaubt. Wisse auch, warum du es glaubst.

Ein in gleicher Weise hervorragender Artikel war zu finden in der Zeitschrift Erwachet vom 8.12.1978, Seiten 3 und 4, unter dem Thema: „Läßt du andere für dich denken?“ Der Artikel führtvier Wege auf, Gehirnwäsche zu widerstehen:

  1. Entwickle eine starke Überzeugung. …Vergewissere dich, daß deine Ansichten der Wahrheit entsprechen.
  2. Frage nach dem Grund … Wenn Dir jedoch der Grund nicht einleuchtet, warum solltest du dann diesen Standpunkt einnehmen?
  3. Widerstehe unrechten Gedanken.
  1. Tritt für das ein, was du als recht erkannt hast. …selbst zu überprüfen, was du glaubst…

Wenn diese Artikel nicht nur für Außenstehende bestimmt sind, sondern auch für Jehovas Zeugen, dann ergäbe sich ja folgende Konsequenz:

  • Denke selbst, lass nicht andere für dich denken.
  • Wenn du etwas glaubst, vergewissere dich, warum du es glaubst. Wenn dir jedoch der Grund nicht einleuchtet, warum solltest du dann diesen Standpunkt einnehmen?
  • Übernimm eine Ansicht nicht einfach deshalb, weil deine Bekannten sie akzeptieren. Vergewissere dich, dass deine Ansichten der Wahrheit entsprechen und eine feste biblische Grundlage haben…
  • Lass dich nicht durch Druck von anderen hin- und herschieben, bis du etwas akzeptierst. Lass dich nicht von Furcht davor leiten, was andere denken oder ob man dir ein hässliches Etikett anheftet. Dadurch zeigst du eine erschütternde Unreife.
  • Lass nicht zu, dass die Tyrannei der Autorität deine Einwände unterdrückt oder dass sie dich einschüchtert, sodass du die Aussagen dieser Autoritäten nicht überprüfst.
  • Versäume nicht, die Wahrheit zu verteidigen und suche nicht nach Ausflüchten, um sie zu verwässern.

Diese Aussagen in dem Erwachet-Artikel kann man sicherlich voll bejahen und dankbar annehmen. Aber was wäre, wenn Jehovas Zeugen nach diesen Grundsätzen gegenüber der Lehre des Sklaven verfahren würden? Das weiß jeder Zeuge. Solche Personen würden als gefährlich angesehen werden, als reif für einen Gemeinschaftsentzug und Hinauswurf aus der Versammlung. Zweierlei Maß!

Dem „Sklaven“ dankbar sein – warum und wofür?

Wofür könnte ich dem Sklaven dankbar sein? Nun, durch ihn wurde ich wahrscheinlich dazu animiert, mich mit der Botschaft der Bibel und den Gesetzen Gottes zu befassen. Doch die wahre Botschaft der Bibel habe ich durch ihn nicht erkannt. Vielmehr hat er alles getan, um diese „gute Botschaft“ zu verwässern. Soll ich dem Sklaven danken für das, was unser Schöpfer durch seinen Sohn zur Erlösung der Menschen getan hat?

Soll ich dankbar dafür sein, dass er mir den Nutzen dieses Opfers nur zugesteht, wenn ich mich für den Sklaven verausgabe, so zu sagen als „Nutznießer“?

Soll ich dem Sklaven danken, dass ich viele Monate im Gefängnis zubrachte, wegen seiner falschen Auslegung zum Thema „Ersatzdienst“? Oder für die vielen falschen Lehren und Vorhersagen sowie für die menschenverachtenden Richtlinien in Verbindung mit dem Kontaktverbot oder dem Umgang mit Missbrauchsopfern? Soll ich dankbar sein für das schlechte Gewissen, das er mir all die Jahre indoktriniert hat?

Diese Fragen sollte jeder für sich selbst beantworten.

 

 

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Matthäus

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