Darf ein Christ einen “Ungläubigen” heiraten?

Ein Kommentar zur Übersetzung und Auslegung von 1. Kor. 7:39

hochzeit, ringübergabeEs ist auffallend, dass sich der Ton der Wachtturmgesellschaft zu dieser Frage im Vergleich zu früher in noch nie da gewesener Schärfe gesteigert hat.  Im englischen WT vom 15. Oktober 2011 Weiser Rat zum Thema Ehe und Ehelosigkeit” konnten wir noch lesen:

 “A single Christian desiring to get married may receive a proposal from someone of doubtful spirituality or even from an unbeliever. If that happens to you, remember that the heartache that results from making a bad choice in a marriage mate can cause greater pain by far than the longing that a person feels while single. And once married, for better or for worse, you are bound to your mate for life. (1 Cor. 7:27) Do not out of desperation make a decision to marry that you will later regret.

Auszug aus dem zeitgleichen deutschen WT vom 15.10.11, S. 15, Abschnitt 12:

“Einem ledigen Christen, der gern heiraten würde, kann es passieren, dass er einen Antrag von jemand bekommt, bei dem man sich fragt, inwieweit er sich vom Geist Gottes leiten lässt, oder von jemand, der kein getaufter Zeuge Jehovas ist. Wenn dir das passiert, dann denk bitte daran: Es gibt etwas viel, viel Schlimmeres als die Sehnsucht, an der man als Lediger vielleicht leidet — nämlich den Herzensschmerz, der vorprogrammiert ist, wenn man den Falschen heiratet. Und hat man erst einmal sein Jawort gegeben, ist man auf Gedeih und Verderb an seinen Partner gebunden — sein Leben lang (1. Kor. 7:27). Lass dich bitte nicht aus Torschlusspanik dazu verleiten, ein Eheversprechen abzugeben, das du später bereuen wirst. (Lies 1. Korinther 7:39.)

Man beachte die hier im Englischen gebrauchte “wachsweiche” Wortwahl: Remember – shouldchoose – are urged – advisable – it would be good – should be

Hier blieb die WTG auf der Grundlage ihres nicht inspirierten Verständnisses (!) noch innerhalb der Grenzen einer reinen EMPFEHLUNG, ohne gleich den drohenden Zeigefinger zu einer göttlichen Strafankündigung zu erheben. Von ihrem Standpunkt aus betrachtet, ist das Bestreben nach Homogenität innerhalb ihrer Organisation ja durchaus verständlich.

Jetzt aber wird auch in dieser Frage diese Grenze zunehmend gesprengt: Schon im WT-Studienartikel vom 15. Mai 2012 unter dem Thema:
Die Ehe ist eine Gabe Gottes — sind wir ihm wirklich dankbar?”

lesen wir auf Seite 4, Abschnitt 7:

 “Falls ein getaufter Diener Jehovas einen Ungläubigen, also keinen Zeugen Jehovas, heiraten würde, wäre er Gott ungehorsam. Die Israeliten in den Tagen Esras wurden als treulos bezeichnet, weil sie “fremdländische Frauen” bei sich wohnen ließen, und es wäre falsch, die klaren Aussagen der Bibel abzuschwächen (Esra 10:10; 2. Kor. 6:14, 15). Ein Christ, der einen Ungläubigen heiratet, gibt kein gutes Beispiel und schätzt Gottes Gabe, die Ehe, nicht richtig. Wer getauft ist und eine solche Verbindung eingeht, tut dies auf Kosten von Vorrechten innerhalb des Volkes Gottes. Wäre es nicht widersinnig, wenn er dennoch Gottes Segen erwartete? Würde sich sein Gebet nicht wie folgt anhören: “Jehova, ich war zwar absichtlich ungehorsam, segne mich aber bitte trotzdem”?

 Oder im WT vom 15.9.2011, S. 11-15, Zitat:

 ”Die biblische Anweisung, “nur im Herrn” zu heiraten, ist ein weiteres Gebiet, auf dem Christen nicht vergessen dürfen, worauf Jehova hinarbeitet (1. Kor. 7:39). Viele sind lieber ledig geblieben, als sich über diese Anweisung ihres Gottes hinwegzusetzen.

Hier werden alle, die die “Dreistigkeit” besessen haben, einen Nicht-Zeugen zu ehelichen, bloßgestellt, verurteilt und in unerträglicher Manier als Sünder an den Pranger gestellt, als solche, die die Gabe Gottes der Ehe nicht schätzen und daher seinen Segen für sich verwirkt haben. Praktisch sagt die WTG: “Schande über euch, ihr Sünder, Harmagedon wartet auf euch! ” Hier setzt sich die WTG wieder einmal auf Jehovas Thron und erhebt sich selbst zum Richter (2. Thess. 2:4).

Eigentlich schreibt sie mit solchen Aussagen Jehova genau vor, was ER über bestimmte Personen zu denken hat, und wie ER ihre Gebete beurteilt. Ist das nicht eine ungeheuerliche Anmaßung? Wie kann sich die WTG – geführt von einer kleinen Gruppe nichtinspirierter Männer – dazu versteigen, genau wissen zu wollen, wie Jehova wessen Gebete erhört und wen er segnen wird und wen nicht?

 Außerdem wird hier allen Betroffenen dem Sinne nach gesagt, von Gott nichts mehr erwarten zu können und daher nur noch auf die baldige Vernichtung in Harmagedon warten zu müssen – der Gipfel der Anmaßung.

 Versuchen wir jetzt zu ergründen was Paulus in 1. Kor. 7:39 sagen wollte.

“Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschläft, ist sie frei, zu heiraten, wen sie will; nur dass es in dem Herrn geschehe!”

 Im Griechischen heißt es “mónon èn kýrio“, und das ist ziemlich unscharf: Es heißt hier nicht,man darf nur jemanden heiraten, “der im Herrn IST” – das wird hier überhaupt nicht gesagt. Es kann genauso gut bedeuten, dass der GLÄUBIGE im Herrn bleibt, oder dass die Eheschließung im Rahmen der christlichen Gemeinde erfolgt, ohne dass für den “Andersgläubigen” eine Verpflichtung erwächst.

Man deutet zwar im Allgemeinen den Passus “nur im Herrn” in dem Sinne, nur einen “Gläubigen” ehelichen zu dürfen und bringt diesen Vers z. B. mit 2. Kor. 6:14 (“Laßt Euch nicht in ein ungleiches Joch mit Ungläubigen spannen”) in Verbindung, doch ist dieses Zusammenbringen rein willkürlich (WTG-Rösselsprungmethode), und durch 1. Kor. 7:39 nicht gestützt.

Also, wie auch immer man die Passage auslegt, sie ist sehr schwammig und nicht geeignet, um daraus ein in Beton gegossenes göttliches Gebot oder eine verbindliche Anweisung abzuleiten.

Doch wie sagte bereits Petrus: “In Pauli Briefen sind einige Dinge schwer zu verstehen, die [manche Menschen] verdrehen…” (2. Pet. 3:16).

Um zu verstehen was Paulus im Sinn hatte als er mahnend sagte ” Nur im Herrn”

Müssen wir uns in die damalige Zeit versetzen. Fragen wir uns zu nächst einmal:

Wer war zur Zeit Pauli “im Herrn”, oder wodurch war eine Handlungsweise in Verbindung mit der Wiederverheiratung einer Witwe – und natürlich aller Heiratswilliger – als “im Herrn” seiend zu betrachten?

Um sich mit der Interpretation von 1. Kor. 7:39 befassen zu können, muss zunächst die Bedeutung der Wendung “nur im Herrn” verstanden werden.

Was ist “nur im Herrn” und was ist “nicht im Herrn”. Diese Fragestellung bedeutet doch, dass Paulus nicht jede eheliche Verbindung gebilligt hätte. So betrachtet, kann sich seine Empfehlung doch nur auf den Glauben eines potentiellen neuen Ehepartners bezogen haben und natürlich auf die Entscheidung der Witwe eine gewisse Auswahl zu treffen, die mit dem Herrn im Einklang gewesen wäre.

Zur Zeit der Apostel waren gläubige Christen noch nicht in Tausende von Denominationen zersplittert wie das heute der Fall ist. Damals wurde im Wesentlichen zwischen Juden, Judenchristen und Heiden unterschieden. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dieEmpfehlung “nur im Herrn zu heiraten” so zu verstehen dass man nach Möglichkeit darauf achtet einen “gläubigen Christen” zu ehelichen. Das er damit ein Verbot aussprach einen jüdischen Partner zu erwählen ist hieraus nicht abzuleiten. Die Entscheidung für einen Partner hängt nun mal von vielen Faktoren ab, so sicherlich in erster Linie vom Gefühl der Liebe und Sympathie.

Könnte man jedoch heute aus den Tausenden christlicher Denominationen eine bestimmte Gruppe herauspicken, von der man berechtigter Weise sagen könnte, sie sei die einzige dem Schöpfer und seinem Sohn wohlgefällige Gruppe, die auf weiter Flur die reine Wahrheit vertritt? Diese rhetorische Frage impliziert natürlich, dass es diese Gruppe nicht mehr gibt. Folglich kann dann auch keiner ihrer Gläubigen in vollkommener Weise den Willen Gottes befolgen.

Könnte man daraus heute berechtigter Weise schlussfolgern, dass die besagte Witwe ihren Heiratsgedanken hätte begraben müssen? Auch zur Zeit der Apostel waren die Gläubigen nicht vollkommen nach göttlichen Ansprüchen ausgerichtet, wenn die religiösen Gruppierungen auch leichter auseinanderzuhalten gewesen waren, als dies heute der Fall ist. – Wie soll denn nun 1. Kor. 7:39 verstanden und befolgt werden?

Lässt man Apg. 10:34, 35 sprechen, ist die Antwort recht einfach, wenn es dort heißt:

“Da begann Petrus zu sprechen: “Jetzt erst habe ich richtig verstanden, dass Gott niemanden wegen seiner Herkunft bevorzugt oder benachteiligt. Alle Menschen sind ihm willkommen, ganz gleich, aus welchem Volk sie stammen, wenn sie nur Ehrfurcht vor ihm haben und so leben, wie es ihm gefällt.”

Langer Rede kurzer Sinn: Christen dürfen heiraten, wenn die infrage kommenden Partner“Ehrfurcht vor Gott haben und nach christlichen Werten Leben, und damit so leben, wie es Gott gefällt.”

Solche aufrichtigen Personen sind vermutlich in jeder christlichen Gruppierung zu finden und damit als gottgefällige Ehepartner zu akzeptieren. Andererseits kommt als Ehepartner nicht in Betracht, wer keine Ehrfurcht vor Gott und seinen Geboten hat und kein gottgefälliges Leben führt. Damit ist auch die Empfehlung erfüllt, sich “nicht in ein ungleiches Joch mit Ungläubigen spannen” zu lassen.

In diesem Zusammenhang müssen wir einmal ernsthaft die Frage stellen: “Wer sagt denn, dass ein Nicht-Zeuge ein “UN-Gläubiger” ist? Ist es nicht eine ungerechtfertigte Voreingenommenheit, jemanden als Atheisten oder gar als unmoralisch abzukanzeln, nur weil er unsere Glaubensansichten nicht teilt?

Ich kenne eine ganze Reihe von Nicht-Zeugen, die in vielerlei Hinsicht edlere, reifere undgläubigere Menschen sind mit einem höheren Maß an Integrität als viele meiner “Glaubensbrüder”, die oft eng, kleinkariert, machthungrig, selbstgerecht, stolz, überheblich, eingebildet, arrogant, lieblos oder gar bösartig sind.

Die von der WTG immer wieder angeführten alttestamentlichen Verbote der Eheschließung zwischen Israeliten und “Heiden” und ihre Übertragung auf die christliche Ära können nicht als Erklärungsgrundlage dienen, da es hier um das Bewahren und das Vorbereiten des Umfeldes im Hinblick auf den künftigen Messias ging. 

Indem die WTG ihre eigenen Regeln aufstellt, diese aber als Ausspruch Jehovas darstellt, geht sie über das hinaus, was geschrieben steht” (1. Kor. 4:6). Damit geißelt sie einen Großteil ihrer Mitgenossen als “ungehorsame Sünder”, die keinesfalls mit dem Segen Jehovas rechnen dürfen.

 Wird hier nicht die “Herde Gottes” (1. Pet. 5:2), bestehend aus “Schäflein Christi” (Joh. 21:15, 16) mit eisernem Stabe gehütet und beherrscht. Ist das in Verbindung der Worte Jesu aus Mat. 11:28-30 etwa mit einem “sanften Joch und einer leichten Bürde” vereinbar? Werden den Mitgenossen und Mitarbeitern im Glauben nicht vielmehr gnadenlos und unbarmherzig Schuldgefühle und Angst vor Bestrafung aufgebürdet? Kann es guten Gewissens gerechtfertigt werden, wenn Tausende von Geschwistern von Gewissensbissen und Leid gepeinigt werden, nur weil sich die Gesellschaft mit ihrem Verbot auf eine sehr unscharf gehaltene biblische Wendung stützt? Ist das die “liebevolle” und sanfte Leitung, die uns zukommen lassen zu müssen der Sklave überzeugt ist?

 Mir scheint, dass mit dem Weggang der letzten verbliebenen älteren Glieder der “leitenden Körperschaft”, (Jaracz, Barry, Barber, Macmillan, …) und dem Antritt einer “neuen Garde” von Jüngeren ein “Rehabeam-Effekt” eingetreten ist: “Mein Vater hat Euch bereits ein schweres Joch auferlegt, doch jetzt wird’s erst richtig hart. Da werden wir mal die Daumenschrauben anziehen, damit es richtig weh tut.”

Doch kehren wir noch einmal zurück zu der eigentlichen Aussage des Apostels Paulus in 1. Kor. 7:39.

Die in den USA weitverbreitete Bibelausgabe der “New International Version” (NIV) übersetzt 1. Kor. 7:39 wie folgt: ” A woman is bound to her husband as long as he lives. But if her husband dies, she is free to marry anyone she wishes, but he must belong to the Lord”. Ins Deutsche übersetzt heißt das: Eine Frau ist an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei zu heiraten, wen sie wünscht, aber er muss zum Herrn gehören.”

Eine Witwe ist also frei, eine neue Ehe einzugehen, mit wem sie wünscht. Nur muss diese Ehe “en kyrio” (im Herrn) geschehen. Die Frage ist nun, was der präpositionale Ausdruck “en kyrio” bedeutet. Übersetzt die NIV korrekt? Sagt Paulus, dass eine Witwe, die wieder zu heiraten wünscht, einen Christen heiraten muss?

Im Deutschen entspricht dem die Übersetzung der “Hoffnung für alle” (Brunnenverlag, Gießen):“… nur sollte sie darauf achten, dass der neue Partner ein Christ ist.”

Die unterschiedlichen Übersetzungen von 1. Kor. 7:39 lassen sich in folgende drei Gruppen einteilen:

1. Einige Bibeln übersetzen die Wendung “en kyrio” (in dem Herrn) wie die NIV. Vier Kommentatoren weisen darauf hin, dass auch schon manche Kirchenväter diese Deutung vertreten haben (z.B. Tertullian, Cyprian, Ambrosiaster, Hieronymus und Theodoret). Das bekannte Wörterbuch von Baur-Arndt-Gingrich sagt in etwa das Gleiche. Es schlägt vor: “im Herrn heiraten = einen Christen heiraten”. Die meisten englischen Kommentare folgen diesem Verständnis.

2. Eine andere Gruppe von Übersetzungen gibt die Wendung “en kyrio” einfach ganz wörtlich wieder: “in dem Herrn” heiraten. Auf diese Weise wird dem Leser die Interpretation der Redewendung selbst überlassen.

3. Andere Bibelausgaben wählen Übersetzungen, die den Text relativ frei interpretieren. Der Amerikaner Barrett schreibt dazu: “Nur soll sie daran denken (eingedenk), dass sie eine Christin ist”…

Wir erkenne hier, das die doch etwas unpräzisen Aussage von Paulus verschiedene Interpretationen zu läst, und nicht als Absolut verbindliches Gebot gesehen wird. Zu sagen, er muss ein Christ sein, würde die Aussage des Paulus einengen.

Die letzte Variante scheint die Bedeutung der Präposition* “en” (in) am besten wiederzugeben. Am häufigsten wird diese Präposition auf zwei Arten gebraucht:

a) im zeitlichen Sinn, z.B. “am Sabbat” (d.h. im zeitlichen Rahmen des Sabbattages) oder

b) im räumlichen Sinn, z.B. “auf dem Marktplatz”.

Der räumliche Sinn kommt auch mit dem Dativ der Person vor, wozu “en kyrio” gut passt. Paulus benutzt diese Redewendung 47mal in seinen Briefen. Moulton hebt in seiner griechischen Grammatik hervor, dass in einem solchen Fall “der räumliche Sinn [von “en”] etwas erweitert wird, um die Sphäre von etwas zu kennzeichnen, speziell von Gott und Christus”. “Die Witwe, die wieder zu heiraten wünscht, sollte das tun “in der Sphäre des Herrn”.

In einigen Fällen, speziell wenn Paulus ein Substantiv bei “en kyrio” gebraucht, bezeichnet diese präpositionale Redewendung eindeutig Mitchristen. Häufiger aber benutzt Paulus “en kyrio” zusammen mit Verben, z.B.:

– sich rühmen in dem Herrn (1Kor 1,31);

– Vertrauen haben in dem Herrn (Gal 5,10);

-Zeugnis geben in dem Herrn (Eph 4,17);

-stark sein in dem Herrn (Eph 6,10);

Vgl. dazu Jesu grundsätzliches Scheidungsverbot (Mat 5:32; 19:9): “Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe.” Die Klausel “es sei denn wegen Ehebruchs” räumt offenbar bei unverschuldeter Trennung eine Ausnahme von der grundsätzlichen Regel ein.

Zum Beispiel: die Living Bible (aber nur, wenn sie einen Christen heiratet), die New English Bible (vorausgesetzt, die Verbindung liegt innerhalb der Gemeinschaft des Herrn); die Contemporary English Version (nur für einen Mann, der ein Jünger des Herrn”).

In der Concordia Self-Study-Bible (der Missourisynode) heißt es: “Der Tod zerbricht das Eheband, und ein Christ ist dann frei, einen anderen Christen zu heiraten.”

Zum Beispiel im englischen Sprachraum: King James, New King James, Revised Standard, New American Standard und New Evangelical Translation. Im Deutschen übersetzt auch Luther (einschließlich der Revision von 1984): “nur daß es in dem Herrn geschehe”. Im englischen Sprachraum z.B.: Philipps “doch sie soll sich vom Herrn leiten lassen), Berkeley (nur auf christliche Weise), New Living Translation (aber es muss eine Ehe sein, die dem Herrn gefällt)

Im Deutschen ist das etwa bei der Guten Nachricht (Fassung von 1997) der Fall: “Nur darf die neue Bindung ihrer Verbundenheit mit dem Herrn nicht im Weg stehen.”

-jemanden aufnehmen in dem Herrn (Phil 2,29);

-sich freuen in dem Herrn (Phil 3,1);

-bestehen in dem Herrn (Phil 4,1);

-übereinstimmen in dem Herrn (Phil 4,2);

-bitten und ermahnen in dem Herrn (1Thess 4,1);

-leiten in dem Herrn (1Thess 5,12).

Naheliegend ist natürlich der Gedanke einen Christen zu ehelichen, der damals eindeutig einem Nachfolger Jesu zugeordnet werden konnte; christliche Absplitterungen wie heute gab es zur Zeit Jesu und der Apostel ohnehin noch nicht.In all diesen Fällen geht es darum, dass eine Person bei dem, was sie tut, ihre Einheit mit Christus in Betracht zieht. Sie besinnt sich (oder wird daran erinnert) auf ihren Status als Christ. Dabei ist alles angesprochen, was diese Glaubenseinheit mit Christus einschließt. Das Griechische ist präzise genug, eine solche Aussage exakt zu formulieren. Hätte Paulus ein solches Gebot postulieren wollen, dann hätte er es auch getan.Es liegt daher nahe, dass Paulus in 1. Kor. 7:39 mit “monon en kyrio” (nur in dem Herrn) genau diesen Gedanken ausdrücken wollte.

Obwohl er an dieser Stelle zur Vorsicht mahnt, deutet im Zusammenhang nichts darauf hin, dass er hier einem Christen generell verbieten will, einen Nichtchristen zu heiraten.

Wäre dies seine Absicht gewesen, dann hätte er wahrscheinlich eher gesagt, dass Witwen, die wieder heiraten wollen, “tois ontai en kyrio” solche heiraten müssen, die in dem Herrn sind. Wir sollten auch nicht außer Acht lassen, dass das Verbot einen Nichtchristen zu heiraten, von anderen Schriftstellen nicht in diesem Sinn gestützt wird. Einige, die behaupten, Paulus verbiete in diesem Vers jede Mischehe mit einem Nichtchristen, berufen sich auf 2.Kor 6:14:“Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen”.

Eine genaue Untersuchung der Stelle im Zusammenhang macht jedoch klar, dass das “am Joch ziehen”, über das Paulus spricht, sich dort nicht auf die Ehe, sondern auf die religiöse Gemeinschaft mit Nichtchristen bezieht. Zieht nicht an einem Strang mit Leuten, die nicht an Christus glauben. Was haben denn Gottes Gerechtigkeit und die Gesetzlosigkeit dieser Welt miteinander zu tun? Wie passen Licht und Finsternis zusammen? Was hat Christus mit dem Teufel gemeinsam? Oder was verbindet einen Glaubenden mit einem Ungläubigen? Was haben die Götzenfiguren mit dem Tempel Gottes zu tun? 

Gott betrachtet die Ehe als intime ganzheitliche Lebens-, Sexual-, Arbeits-, Dienst- und Anbetungsgemeinschaft auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens. Ein weiteres einzigartiges Element, das den ganzheitlichen Charakter der ehelichen Gemeinschaft unterstreicht, liegt in der Bereitschaft jeden in die Persönlichkeit des Anderen eingreifen zu lassen.

Damit stellt die Ehe die engst mögliche Beziehung zwischen zwei Menschen dar. Eine solche Gemeinschaft kann ohne gemeinsame Werte, Ziele und Visionen auf Dauer nicht funktionieren und bestehen. Diese wiederum sind ohne ein gemeinsames Lebens-Fundament bzw. ohne gemeinsamen Glauben an einen Herrn nicht denkbar. Ob dieser Glaube an den einen Herrn Jesus Christus auch eine totale lehrmäßige Übereinstimmung einschließen muss, geht aus den Texten nicht zwingend hervor.

Nochmals: Zur damaligen Zeit der Apostel gab es nur ein einheitliches christliches Glaubensfundament, der feste Glaube an den Tod und die Auferstehung Christi und die persönliche Erlösung und Sündenvergebung durch ihn. Solange in unserem Glauben Christus der Mittelpunkt der Lehre bleibt und sich unsere Hoffnung auf die Erlösung und Sündenbefreiung durch seinen Tod gründet, und so lange wir die christlichen Werte vertreten und anzuwenden versuchen, kann es keine bessere Grundlage für eine Ehe geben. 

Unterschiedliche im Laufe der Jahrhunderte entstandene Ansichten in Fragen der Lehre können da nur eine untergeordnete Rolle spielen. Von Jehovas Zeugen wird hier gerne auf Johannes 4:20-24 verwiesen, wo Jesus der Samariterin am Brunnen sagte: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geistund in der Wahrheit anbeten”.

Doch Jesus spricht hier nicht von der Wahrheit im Sinne von richtigen Lehrmeinungen. “Im Geist und in der Wahrheit” ist ein Ausdruck, der nicht zwei voneinander getrennte Punkte behandelt. Zwar beinhaltet die Redefigur hier die beiden Wörter “Geist” und “Wahrheit”, das geschieht aber im Sinne von “wahrhaft im Geist” oder “wahrhaftig im Geist”.

Erhebliche Differenzen sind nur denkbar, wenn beide ihren Standpunkt dem andren aufdrängen wollen, ein bestreben, das besonders eifrige Zeugen an den Tag legen. Fragen zur Dreieinigkeit oder Unsterblichkeit der Seele kann man gemeinsam erörtern, ohne dass man sich dadurch in seinem Glauben an Christus entzweit.

Der Apostel Paulus hat solche Diskussion über Detailfragen in Lehrmeinungen kaum geführt. Nur wenn es um grundlegende Dinge ging, zum Beispiel um die Frage der Auferstehung oder den Wert des Gesetzes in Gottes Erlösungsplan. Doch in Wirklichkeit war für ihn nur eines wichtig, wenn er sagt: “Liebe Brüder und Schwestern! Als ich zu euch kam und euch Gottes Botschaft brachte, die bisher noch nicht bekannt war, habe ich das nicht mit geschliffener Rede und menschlicher Weisheit getan. Ich wollte von nichts anderem sprechen als von Jesus Christus und seinem Tod (und Auferstehung).
1. Kor. 2:2

Fassen wir zusammen:

Wenn wir behaupten, Paulus gebiete den christlichen Witwen, sie dürften unter keinen Umständen einen Christen heiraten, der nicht genau das glaubt, was sie glauben, oder gar einen Nichtchristen, dann schränken wir die Redewendung “monon en kyrio” (nur in dem Herrn) unzulässig ein. Es ist keine Frage, dass wir jeder christlichen Witwe (und überhaupt jedem Christen) raten, am besten einen Christen zu heiraten. Das ist eine mögliche Anwendung dessen, was es bedeutet, wenn jemand “in der Sphäre des Herrn” heiratet möchte, und jeder der dies für sich so sieht handelt nicht verkehrt.

Aber Paulus gibt in diesem Vers kein ausdrückliches biblisches Gebot dazu. Daher widerspricht auch M. Luther der Schrift des Paulus nicht, wenn er schreibt:

Darum wisse, dass die Ehe ein äußerlich leiblich Ding ist, wie andere weltliche Hantierung. Wie ich nun mag mit einem Heiden, Juden, Türken, Ketzer essen, trinken, schlafen, gehen, reiten, kaufen, reden und handeln; also mag ich auch mit ihm ehelich werden und bleiben. Drum schere dich an der Narren Gesetze, die solches verbieten. Man findet wohl Christen, die ärger sind im Unglauben inwendig – und deren das mehrere Teil – denn [= als] kein Jude, Heide, Türke oder Ketzer. Ein Heide ist ebensowohl ein Mann und Weib, von Gott wohl und gut geschaffen, als St. Peter und St. Paulus und St. Lucia, geschweige denn als ein loser, falscher Christ.

Präpositionen, auch Verhältniswörter genannt, gehören zu den Partikeln und sind daher in ihrer Form unveränderlich. Der Gebrauch der Präpositionen ist nicht einfach, da sie in verschiedenster Weise auftreten können. Daher macht eine Übersetzung einer einzelnen Präposition keinen Sinn, denn je nach Verwendungszweck erhält sie eine völlig neue Bedeutung. Man sollte also gezielt eine Präpositionalgruppe (Präposition + Bezugswort) übersetzen.

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