Identitätskrise durch Gemeinschaftsentzug?

Als er starb war er gerade 19 Jahre alt. Er starb durch eigene Hand – und viel zu jung. Warum? Mit dieser Frage ließ er seine rat- und fassungslosen Angehörigen zurück. Auf einem Zettel, den er kurz vor seinem Tode geschrieben hatte, stand nur: „Weil mir nicht zu helfen war.“

Ich kannte diesen jungen Zeugen Jehovas als hübschen und umgänglichen Menschen, der schon als Kind in die Gemeinschaft hineingewachsen war. Er verhielt sich innerhalb der Gemeinschaft tadellos, bis er ein Mädchen kennenlernte, das nicht zu den Zeugen Jehovas gehörte. Es kam zu einer Liebesnacht und damit war auch schon das Ende dieses jungen Lebens eingeläutet. Die Sache wurde bekannt und dem jungen Mann wurde die Gemeinschaft entzogen. Ich weiß nicht, was in der Verhandlung vor dem Rechtskomitee gesprochen worden ist. Aber ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass der junge Mann ein uneinsichtiger  Sünder war, der keine Spur von Reue hatte erkennen lassen. Man ging einfach hart mit ihm um, obwohl Jesus Christus etwas ganz anderes fordert.

Hat nicht er als der Menschensohn nach verlorenen Schafen gesucht und sie durch Barmherzigkeit, Liebe und Milde zur Umkehr gebracht? (Jak. 5:19) Jedenfalls war er ein paar Tage später tot. Er hatte sich erhängt, weil er für sich keinen Ausweg sehen konnte. Er war mit dieser „Maßnahme“ überfordert, und wo Hirten helfend eingreifen sollten, wurde er zurückgestoßen.

Darum der Zettel „Weil mir nicht zu helfen war.“ Das war das schreckliche Ende einer Identitätskrise, die durch rigide, menschenfeindliche Vorschriften einer Organisation ausgelöst worden war, die sich als christlich beschreibt. Es war das Ende eines kostbaren Lebens, dass hätte schön werden können.

Und er war nicht das einzige Opfer, das mir begegnet ist. Ich kannte eine Zeugin Jehovas, die seit ihrer Jugend an Psychosen litt, oft manisch war und in der depressiven Phase nicht zurechnungsfähig sein konnte. Gewiss, die Versammlung stand oft verunsichert da und ermahnte sie. Wenn sie sich selbst wieder in der Gewalt hatte, war sie Pionier (!) und das, was man eine „eifrige Zeugin Jehovas“ nannte. Als sie über 40 Jahre alt geworden war, verliebte sie sich in einen Mann, der sie später schamlos ausnützte.

Es kam das vor, was man als Hurerei bezeichnet. Da wurde sie ausgeschlossen! Man beachtete ganz genau das sogenannte „Theokratische Gesetz“ und dachte sich nicht viel dabei, obwohl sie unter Tränen (!) um Barmherzigkeit und Hilfe bettelte! Sie geriet als Kranke in eine Identitätskrise, die dann durch Suizid endete. Auch sie starb letztlich an einer tödlichen Mischung aus blindem Unverständnis und kalter Herzlosigkeit.

Identitätskrisen

Sie sind altbekannt, denn immer wieder gab es Menschen, die darunter litten, weil sie sich ihrer Identität plötzlich nicht mehr sicher waren. Zum Beispiel spricht man schon seit dem Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert vom Verlust der Identität bei Arbeitern, die vom Land in die Stadt kamen und am Fließband oder an Maschinen arbeiteten und sich gar nicht mehr mit der Arbeit und ihrem Erzeugnis identifizieren konnten. Die Arbeit in der Industrie führte zur Entfremdung, auch zur Entfremdung mit dem Nebenmann.

Das soll bei den Handwerkern des Mittelalters noch anders gewesen sein: Sie hatten im Beruf, in den Zünften und in der Gesellschaft einen Platz, der ihnen Identität gab. Ihre Welt war geordnet und überschaubar. Das gab Sicherheit.

Eine Identitätskrise entsteht meist dann, wenn die eigenen Leistungen oder Erwartungen hinter den Ansprüchen der Umwelt zurückbleiben und beides nicht in Einklang gebracht werden kann. Sie entstehen dann, wenn die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens schwindet und ein Mensch eigentlich nicht weiß, wo er zu Hause ist, denn Identität hilft uns, einen Platz in der Welt zu finden. Sie hilft uns zurechtzufinden und uns als Person zu verstehen. Sie kann eine geistige Heimat sein und Halt geben. Aber nur dann,  wenn die Umwelt die Luft zum Atmen lässt und uns wohlwollend aufnimmt, und nicht dauernd als nörgelnder, unzufriedener Zuchtmeister auftritt. Nur dann fühlt man sich eingebunden und respektiert.

Hier erkennen wir uns selbst als Menschen; wir erkennen uns im Herzen der anderen, weil wir um unser selbst willen geliebt werden. So eine Umwelt stiftet wirkliche Identität!

Und woher bezieht ein Zeuge Jehovas im Allgemeinen seine Identität?

Wir wollen daran denken, dass die Zeugen Jehovas eine in sich geschlossene Gemeinschaft sind und dass Kontakte nach außen allgemein verpönt sind, weil Außenstehenden oft als „schlechter Umgang“ betrachtet werden. Wir wollen auch daran denken, wie eingespannt der normale Zeuge ist, wenn er alle Vorgaben der WTG genauestens einhalten will. Er wird dann kaum noch Zeit haben, mit Außenstehenden zusammen zu sein. So entfremdet er sich im Laufe der Jahre immer weiter mit seiner Umwelt und wächst immer enger mit der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas zusammen, die scharf auf ihn achtet, damit es so bleibt.

In der engen Gemeinschaft seiner Mitgläubigen wird mit dummen Klischees gearbeitet, um die Außenwelt als generell böse, abstoßend und gefährlich darzustellen. Am liebsten wäre es den Verantwortlichen, wenn ein Zeuge nur zum Zwecke des „Zeugnisgebens“ mit Außenstehenden Kontakt hätte. Und so ist der durchschnittliche Zeuge Jehovas fest in seine religiöse Gemeinschaft eingebunden: Sie ist ihm in vielen Fällen Heimat und Zuhause, ja sogar Vater und Mutter; hier hat er seinen Platz, und er findet nur in ihr Sinn und Inhalt seines Lebens.  Die meisten Zeugen werden ihre Identität aus dieser engen Gemeinschaft  schöpfen.

Identitätsstiftung durch Propaganda?

Bei den Zeugen Jehovas wird dem Mitglied auch gleich eine Weltanschauung geliefert, die ihm eine Scheinidentität stiftet. Mit der Behauptung, dass er eigentlich in der einzigen Organisation sei, mit der Gott handelt, wird ihm gesagt, dass er unter Gottes persönlichem Schutz stehe, solange er die Organisation anerkenne und in ihr diene. Dass in dieser Weltanschauung eine grobe Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird, fällt den meisten Zeugen nicht auf. Die ganze Ideologie der WTG zielt darauf ab, den Zeugen Exklusivität einzuhämmern, indem sie sagt, dass Gott nur sie im Auge hat, dass alle anderen vernichtet werden und nur sie Harmagedon überleben werden.

Die Ideologie behauptet dauernd, dass wahre Liebe und wahrer Glaube nur innerhalb der Organisation zu finden sind. Sie färbt alles schön und spricht ständig von einem „geistigen Paradies“, und sie betont, dass es für jeden ein großes Vorrecht sei, darin zu leben!

Diese Propaganda trägt mit dazu bei, dass man sich in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas zu Hause fühlt. Man identifiziert sich mit der Gemeinschaft und mit der Organsiation!

Die Gefahr der starken Identifikation mit der Organisation

An diese künstliche oder angenommene Identität kann man sich so sehr gewöhnen, dass man jeden Angriff auf die Organisation instinktiv abwehrt, denn jede Kritik stellt nicht nur die Organisation infrage, sondern auch das eigene Leben! Wer sich ganz und gar der Organisation verschrieben hat, verträgt es nicht, wenn man Kritik übt, denn damit gerät die einzige Sicherheit in Gefahr, die ein „treuer Zeuge Jehovas“ hat, wenn er sich immer wieder sagt, dass er „in der Wahrheit“ sei und nur „in der Organisation Gottes gerettet werde“. Für ihn ist es eine Frage um Leben und Tod!

So versagt er es sich, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, was die Kritik zum Inhalt hat. Er übt Verdrängung und hat, wie es Erfahrungen zeigen, großen Erfolg damit. In seinem Bewusstsein strahlt eine Leuchtreklame mit der Schrift: „Lieber mit dem Sklaven Unrecht haben, als eigene Wege gehen!“ Das Licht dieser Reklame ist so grell, dass alles andere überstrahlt wird. Und so dringt keine Kritik, keine Erschütterung und kein Zweifel in diesen Menschen ein.

Man kann den „treuen Zeugen Jehovas“ mit der Nase auf einen Skandal stoßen, man kann vernünftig und ruhig mit ihm darüber sprechen, man kann ihn an seiner Ehre als Christ packen und auf sein Gewissen und die Bibel verweisen – es hilft nichts! Unerschütterlich wird er mantraartig wiederholen, dass er der Organsiation und Jehova treu bleiben wolle.

Und man wird beobachten, wie er auch noch stolz darauf sein wird, wenn er auf seinem Standpunkt beharrt, die Augen verschließt, sein Gewissen einlullt, Ausreden findet und meint, Gott einen guten Dienst damit zu erweisen. Er wird stolz darauf sein, die Treue zur Organisation nicht gebrochen zu haben.

Und dabei spielen, so sonderbar es mir immer vorgekommen ist, moralisch-sittliche Erwägungen keine Rolle, denn die Organisation macht angeblich keine Fehler! Was ist das? Ist dies die Unvernunft, von der Jesus in Mark. 7:22 sprach?

Lauert im Hintergrund etwa die Angst davor, mit dem Annehmen von Kritik sich selbst infrage zu stellen und sich eventuell als Mitschuldiger zu fühlen? Ist es die Furcht vor der Einsicht, dass man betrogen worden ist und man sich hat betrügen lassen? Dann ist es wohl eher die Angst vor der Wahrheit und ein Mangel an Wahrheits– und Gerechtigkeitsliebe. Dann ist die eigene Person mehr wert als die Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes. Dann hat man natürlich eine furchtbare Angst vor dem Verlust seiner geliehenen Identität!

Die Angst vor dem Verlust wird gewollt erzeugt

Ich möchte behaupten, dass dieser gefürchtete Verlust von der Führung gut kalkuliert ist. Man weiß aus vielen Erfahrungen, dass ein Verlust an persönlicher Identität bei den Zeugen Jehovas zu Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen, auch zum Suizid führen kann.  Trotzdem – oder gerade deshalb – ist der Gemeinschaftsentzug im Laufe der Jahrzehnte ein immer stärkeres Mittel in der Hand der Organisation geworden, um alle Mitglieder „auf Spur zu halten“. Er ist ein Machtinstrument in den Händen machtgieriger Menschen geworden und hat nur scheinbar mit „liebevoller Zucht“ zu tun. Mit der Androhung des Gemeinschaftsentzuges erpresst man alle, auch jene, die sich nicht genau daran halten und es doch wagen, mit „Abtrünnigen“ zu sprechen oder sie zu grüßen.

Was ist das für eine Religionsgemeinschaft, die ihre Mitglieder erpressen muss, damit sie ihr gehorchen und bei ihr bleiben? Man redet den Mitgliedern ein, dass man Gott gehorchen müsse – und das wollen Christen ja auch – und der Organisation, weil sie „Gottes Sprachrohr“ sei. Es wird doch tatsächlich blinder Gehorsam gefordert. Damit hat man sich sternenweit vom Geist des Christentums entfernt, denn die Bibel fordert den Gehorsam, der auf Einsicht, Verantwortung und Respekt vor Gottes Wort, und auf die Liebe zu Gott und den Mitmenschen gebaut ist!

Warum kann ein normaler Zeuge das nicht sehen? Er kann es nicht sehen, weil er zuerst in der Bibel nicht so richtig Bescheid weiß. Er kennt zwar viele Bibelstellen, die praktisch zum Argumentieren sind, aber für sich allein doch nur Schlagzeilen darstellen. Es fehlt häufig am Verständnis des Textzusammenhangs und damit am Verstehen grundlegender biblischer Aussagen. Der durchschnittliche Zeuge Jehovas hat sich daran gewöhnt, nicht wirklich über Bibeltexte nachzudenken, um den tiefen Sinn zu erkennen.

Ein banales Beispiel: In Amos 8:11 steht:

„Seht, es kommen Tage, <spricht Jehowah> da schicke ich Hunger ins Land. Es ist nicht der Hunger nach Brot, es ist kein Durst nach Wasser, sondern sie lechzen nach den Worten Jehowahs.“ Damit lässt man es bewenden, um anschließend zu sagen: „Jehova schickt den Menschen einen Hunger nach seinem Wort und wir können ihn durch unser Predigen stillen!“

Und was sagen nun die nächsten Verse?

Deshalb sind auch viele ehrlich gemeinte Worte umsonst. Sie können im Allgemeinen nichts ausrichten, weil es am Bibelverständnis fehlt, weil es an Ehrlichkeit mangelt, und weil die eigene Gerechtigkeit schwerer wiegt, als die Gerechtigkeit Gottes, und weil die Angst vor einer Identitätskrise eine Einsicht wirkungsvoll verhindert.

Aber damit ist auch ein Problem deutlich geworden: Es besteht darin, dass bei so manchen Zeugen Jehovas die Nähe zu Gott fehlt! Auch Jesus Christus führt in ihrem geistigen Leben ein Schattendasein.  Und weil so vielen diese Nähe zu Gott und Jesus fremd ist, geraten sie in eine Identitätskrise, die sie wie die Pest fürchten.

Natürlich habe ich unter den Zeugen auch andere Menschen kennengelernt. Zuerst ist an ihnen eine gewisse, gesunde Ichstärke zu beobachten. Und dann merkt man auch, dass sie die Anordnungen und Androhungen der Organisation nicht so todernst nehmen, wie es erwartet wird. Sie orientieren sich lieber an der Liebe als an Vorschriften, an Vernunft eher, als an sinnlosen Anordnungen, am Geist der Bibel eher, als am Ungeist des Wachtturms.

Das tun sie leger und freundlich, weil sie die Nähe zu Gott erfahren haben und alles, was mit der Organisation zu tun hat, als vielleicht hilfreiches Beiwerk sehen, das sie nutzen können, um ihr eigenes Glaubensleben zu leben. Sie kämen nicht auf die Idee, die Organisation zum Götzen zu erheben. Im Mittelpunkt ihres Lebens stehen Gott und sein Sohn. Diesen Platz überlassen sie eben nicht der Organsiation! Sie haben ihre eigentliche Heimat bei Gott!

Aus ihren Reihen stammen zum größten Teil jene, die sich von der Gemeinschaft zurückziehen, die sich als „Aufgewachte“ sehen und froh sind, das christlich verbrämte Unrecht der Organsiation ganz hinter sich zu lassen. Eine Identitätskrise ist bei ihnen nicht zu erkennen, höchstens die Trauer um den Verlust von ehemaligen Freunden, die sie nach dem Ausscheiden auch nicht mehr grüßen dürfen. Die dann eintretende Einsamkeit überwinden sie leichter, weil sie Gott „sehen“! Sie sind sogar glücklich darüber, weil sie durch ihre Entscheidung für Gott und Christus eingetreten sind.

Und Jesus Christus? Was tut er? Ich greife gern auf eine Begebenheit aus seinem Leben zurück. Da hatte er einen Blinden geheilt (Joh. 9:1-38), der voller Freude war und auch deutlich sagte, wer ihn geheilt hatte: „Jesus“.

Dieses Bekenntnis führte dazu, dass er aus der Synagoge ausgeschlossen wurde. Als Jesus davon erfahren hatte, suchte er ihn, fand ihn und fragte, ob er den Menschensohn kenne. Als der Geheilte fragte, wer der Menschensohn sei, war die einfache Antwort: „Er steht vor dir und spricht mit dir.“

Da war der Geheilte in seinem Glauben angekommen! Da folgte er voll Freude seinem Herrn. Und nun kann ich mir nicht vorstellen, dass der Menschensohn jemanden vergisst, der sich zu ihm bekannt hat, die Organisation verließ oder hinausgeworfen wurde. In der Offenbarung (3:20) sagt der Menschensohn: „Ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand mir öffnet, werde ich mit ihm zu Abend essen.“

Der tiefe Sinn dieser Aussage besteht doch darin, dass Jesus mit seinen Jüngern eine enge Gemeinschaft pflegt; ein gemeinsames Essen ist eine Tischgemeinschaft, eine Gemeinschaft für das Leben. So handelt Jesus! So habe jedenfalls ich es erfahren und viele andere auch.

Und nur auf diese Weise kann man einer drohenden Identitätskrise entgehen: Man muss Gott wirklich kennen oder sehen, sich in seiner Nähe aufhalten und Jesus die Tür öffnen, damit man das Abendessen mit ihm einnehmen kann.

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Anna

Lieber Tilo, liebe Schwestern und Brüder, ich sehe das wie du, viele bleiben auf der Spur aus Angst vor der geliehenen Identität. Ja nicht nachdenken. Und nur nicht die Bibel im Zusammenhang lesen. Als Beispiel mag der Studien-WT vom letzten Wochenende dienen. Da ging es darum, wie glücklich Zeugen Jehovas sind. Der WT-Artikel ist betitelt “Glücklich ist, wer dem glücklichen Gott dient”. Gleich am Anfang werden jedoch Gründe genannt, welche uns die Freude rauben können. ZITAT Absatz 3 3 Schwierigkeiten und Belastungen können einem die Freude nehmen. Das kann zum Beispiel sein, wenn ein lieber Mensch stirbt oder ausgeschlossen wird,… Weiterlesen »

Bernhard Schüler

Hallo Tilo, Danke für Deinen sehr gut ausgearbeiteten Beitrag, der gut das Dilemma vieler Brüder erklärt! Da ich viele Glaubensgemeinschaften kennen lernte und erforschte, wird mir jetzt bewusst, dass im Grunde alle Religionsgemeinschaften in irgendeiner Weise vergleichbaren Psychoterror ausüben, nur eben aus anderen Gründen. Bei Jehovas Zeugen wird man ausgegrenzt, wenn man ihren Klerus oder ihre “Org” kritisiert. Bei strengen Katholiken wird man ausgegrenzt, wenn man nicht glaubt, dass Jesus selbst in ihren “geweihten” Hostien anwesend ist. Bei den Evangelikalen wird man ausgegrenzt, wenn man nicht Jesus anbetet und an die Himmelfahrt aller Jesusanbetenden und gestorbener Babys glaubt. Bei den… Weiterlesen »

Wahrheit

Lieber Tilo , wieder einmal ein Hervorragender Artikel!

Noomi

  Danke lieber Tilo für deinen Artikel! Ja, zum Glück bin ich durch die Einstellung meiner Eltern, genau so aufgewachsen, dass die ORG ein Beiwerk, ein Instruieren von biblischen Gedanken war, die man dankbar annahm und zum Bibelverständnis ausnutzte. Aber auf keine Fall zu einer göttlichen Institution welche fast angebetet werden muss. Aber trotzdem war die Versammlung für mich, die ich darin aufgewachsen bin, meine Heimat. Man hatte keine Freundschaften ausserhalb nicht einmal zu der weit zerstreuten Familie. Freundschaften hatte man nur unter Zeugen.   Aber dann als die ORG immer mehr zu einer hochstilisierten Religionsgemeinschaft mit Machtanspruch wurde, war… Weiterlesen »

Opa Klaus

Da ich schon ca. 40 Jahre von J.Z. ausgestiegen bin, macht mich das etwas zum Außenseiter; auch das: Wikipedia: Identität ist die Gesamtheit der eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnenden und als Individuum von allen anderen unterscheidenden Eigentümlichkeiten. Analog wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet. Psychologisch und soziologisch steht dabei im Vordergrund, welche Merkmale im Selbstverständnis von Individuen oder Gruppen als wesentlich erachtet werden. So folgt die rechtliche Identitätsfeststellung den für Inklusion und Exklusion relevanten Markern moderner bürgerlicher Gesellschaften.   Es gab schon mal eine Identitätskrise der gesamten Menschheit. Aber da suchten nicht die Menschen… Weiterlesen »

Aesculap

Aesculap @ Bernhard Schüler. Bernhart was du schreibst ist genau auch meine Erfahrung. Bei andere Konfessionen sieht man ähnliche Gruppen Dynamik. Wenn man bestimmte lehren oder verhalten hinterfragt oder in frage stellt, oder andere Ansicht ist wird man weniger beliebt oder unbeliebt. Besonders bei der Führungskräften. es geht dann nicht mehr um Wahrheit, sondern das aufrecht halten von Dogmen wie Dreieinigkeit.  Wenn man dies im frage stellt oder das gut biblisch begründet nicht glauben kann ist es aus mit der liebe und bekommt man schnell negative Aufkleber aufgedrückt. Gehen Gemeindemitglieder dich meiden, und wird mehr über dich geredet dann mit… Weiterlesen »

Schneeflocke

Ein wunderbares und tiefgründiges Thema und ich schätze sehr, dass es hier so offen benannt und veröffentlicht wird. Von diesen jungen Menschen und ihrer Verzweiflung  zu lesen macht mich einfach nur traurig. Und wütend. Wütend darüber, dass die sogenannte Wahrheit der Zeugen Jehovas solch eine (selbst-) zerstörende Wirkung hat. Und das ist kein Einzelfall. Die Zusammenhänge wurden in dem Artikel so gut beschrieben. Wie die Identität eines Individuums durch die Direktion des Kollektivs überschattet  oder verdeckt wird. Eine eigene Identität besitzt eigentlich jedes Wesen. Selbst unser Hund hat ihre Identität, bei ihr nennt man es vielleicht nur anders. Wenn man… Weiterlesen »

Suchender

hallo zusammen im Grunde geht es um die Frage: was heisst Christ sein? Dies ist eine rein persönliche Angelegenheit. Das Verhältnis zu Gott und Christus ist eine 1:1 Beziehung. Hat nichts mit Zugehörigkeit zu einer Kirche zu tun. ABER: wenn eine Kirche eine Lehre verfolgt, die so nicht biblisch gestützt ist; so ist eine solche Zugehörigkeit zu quittieren… z.B. ist es für einen Christen sicher nicht ok, militärischen Dienst zu verrichten, Homosexualität gutzuheissen, sich nur und ausschliesslich auf Jesus zu fokussieren (nicht mal mehr Gottes Namen zu respektieren), usw.  … das sind Grundlehren. Niemand, kein Mensch, keine Kirche kennt die… Weiterlesen »

lusan

Dieser Artikel spricht aus meiem Herzen. Danke dafür.

Ella

Lieber Tilo,

lieben Dank für Deinen Artikel und dass Du immer wieder unermüdlich, wie auch die anderen Artikelschreiber, viel Energie dafür gibst, Licht in den Nebel von vielen im Herzen lieben und vertrauensvollen Menschen zu bringen.

Wie wertvoll Eure Mühe doch ist.

Lieben Gruß

Ella

 

 

 

Opa Klaus Prüter

Hallo “Fox”, Du schriebst am 24.11. um 11:04 “Was erwartest du von herrschenden Mehrheiten? Da du “Gesellschaftskritik” erwähnst: Unsere Gesellschaft schreitet wirklich in Siebenmeilenstiefeln bergab.”  Wie sieht es denn mit den “herrschenden Mehrheiten” auf ‘christlicher’ Ebene aus? Wie weit ist mein “damit identifizieren” wo ratsam oder möglich? Dort scheint mir sehr viel ein X für ein U vorgemacht zu werden. Eine politische Sicht stand eigentlich nicht im Fokus, sondern der heftige geistige Krieg/Kampf zwischen Wahrheit Gottes und Satans Lügen. Soll ich da einen breiten Mehrheits-Weg von Kompromissen um der Einheit und des Friedens willen mitgehen und mich damit “identifizieren”? Wahrheit… Weiterlesen »

Noomi

  Hallo liebe Fox , meine geliebte ABER-Glaubensschwester. Dann sind wir ja geistige Zwillingsschwestern, denn ich war immer ein JA-ABER-Kind und bin es, bis auf den heutigen Tag in meinem Alter, geblieben. Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum ich aufwachen durfte. Deshalb nun auch mal ein grosses ABER, für unsere Glaubensbrüder, die wir nicht alle in eine Topf zu werfen dürfen. Ich kenne einige Glaubensbrüder, die sich ein Leben lang für ihre Mitbrüder aufgeopfert haben und es noch weiter tun, selbst bis zum Zusammenbruch. Obwohl sie noch in der Org sind, versuchen sie in Liebe alles, damit es den… Weiterlesen »

Prokrustes

Wie traurig die einzelnen Schicksale doch sind. Und wie oft sie sich noch wiederholen werden….

Wann wird das endlich der breiten Öffentlichkeit bekannt?

Wann geht man dagegen vor?

Wann legt man ihen das Handwerk?

freel

Es müssen nicht nur Ex zj sein die sich so fühlen sondern auch Freunde von Betroffenen. ..

Petrus111

Liebe Freunde, der Artikel macht auf das Problem der psychischen Folgen eines Gemeinschaftsentzuges aufmerksam… Dazu gäbe es unendlich viel zu sagen! Wenn die Indoktrination durch JZ vollkommen gelungen ist, dann ist man als Mitglied der Gemeinschaft völlig einseitig informiert, lehnt alles außerhalb der Gemeinschaft als weltlich und satanisch ab und fühlt sich in seinem Mikro-Kosmos pudelwohl. Im Fall des jungen Mannes war es offenbar so, dass ihn eine junge Liebe aus seiner Traumwelt rausgeholt hat – er konnte mit dieser neuen Erfahrung in keiner Weise umgehen, war dann nicht in der Lage, ein geschicktes Doppelleben zu führen, hat sich somit… Weiterlesen »

REPORT MAINZ

” Wer redet, bekommt Druck und wird aus der Gemeinde ausgeschlossen. Wie sexueller Missbrauch bei den Zeugen Jehovas vertuscht wird. Mehr zu diesem Thema, am Dienstag bei REPORT MAINZ.”

Sehen Sie das Vorab-Video zur Report Mainz Sendung am Dienstag, den 27.11.2018 ab 21:45 Uhr

https://www.facebook.com/reportmainz/videos/337103630205101/UzpfSTIxNjAzMjQzMDA4NTcwNTA6MjMzMjU0MzkyMzYzNTA4Ng/

Jesaja

Hallo Lieber Thilo, Lieber Boas Liebe Schneeflocke…..! Immer wieder sehe und lese ich wie hier auf Bi Menschen,  liebe Menschen beurteilt und manchmal auch verurteilt werden, das finde ich sehr traurig. Sind wir nicht alle froh das wir uns aus der ORG lösen konnten und genau das nicht mehr tun müssen und auch nicht mehr wollen? Mir für meinen teil ist bewußt geworden das es unmöglich ist jede Frage richtig beantworten zu können, klar ist mir nur, das die meisten Brüder die in den Versammlungen sitzen Indoktriniert wurden…. sie sind geistig benebelt worden, sie sind gefangene einer Ilusion. Wenn mann… Weiterlesen »

Horst

Lieber Tilo, die Hauptpunkte Deines Artikels kann jeder Ex-ZJ bestätigen, und jeder Noch-ZJ möge sie prüfen: – Kontakte nach aussen sind verpönt bzw. verboten – eine Entfremdung zur Umwelt findet statt – die Darstellung der Aussenwelt erfolgt mit z.T. primitiven Klischees, – dem ZJ wird eine stolze Scheinidentität geliefert: Nur wir haben die Wahrheit ! – die Identifikation mit der Glaubensgemeinschaft geht so weit, dass man immun ist gegen jede Kritik     und blind gegen jedes Negativum. Jedoch: Unvernunft,  Furcht vor Einsicht, Angst vor Wahrheit oder gar Mangel an Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe würde ich jetzt nicht allen ZJ unterstellen. Die… Weiterlesen »

Ulla

Hallo Georg aus Kärnten, ich bin die Ulla aus Nürnberg. Das ist mein Klarname. Allerdings habe ich auch gelernt, dass etwas in Deckung bleiben oft sinnvoller ist. Lass mich eine kurze Begebenheit aus letztem Jahr erzählen: Ich lernte beim Einzug in mein neues Haus eine äußerst liebenswerte, fast 90jährige Dame, Nachbarin, kennen, die mir schon nach einiger Zeit sagte, sie sei eine Zeugin Jehovas. Ich legte meinerseits gleich die Karten auf den Tisch, erzählte ihr, dass ich der “Org. die Gemeinschaft entzogen habe” aus verschiedenen Gründen, der wichtigste: Mein Weg, mit Jesus zu gehen, läßt keine “Zwischenmittler” mehr zu. Sie… Weiterlesen »

Ulla

Hallo Opa Prüter,

Schreibpausen sind erholsam. Schon probiert?

 

Sliva

Danke lieber Tilo für diesen Text, diese genaue Beobachtung und das Fachwissen, über die Gefahr,  sich bis zum Ekzess zu unterwerfen. Deine Argumente und Beispiele sind sachlich und professionell ausgelegt, erklärt. Ich bin der Meinung, dass jeder, egal mit welcher Gruppierung er sich auch identifizieren  mag (religiös, politisch, beruflich, humanitäre. ..),  deine  Studie lesen sollte und sich mit dieser Materie auseinander setzen sollte. Und wir alle sollten unsere Kinder, Enkelkinder ermutigen, Menschen zu werden, die zuhören können. Wir haben die Pflicht,ihnen zu lernen, selber nachforschen um sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist ebenso wichtig zum eine Persönlichkeit  und… Weiterlesen »

Mario Frank Krieschen

Vielen Dank für die treffenden Worte die auch zum nachdenken anregen.

Der Artikel eschreibt tieferlegende Propleme der Identitätsfindung . In meinen 12 Jahren Betheldienst  durfte ich schönes aber auch abscheuliches sehen .

Anfangs war alles so wie man sich einen Orden vorstellt doch ab2002 gings in eine andere Richtung .

Die Anstrengungen bezüglich der Organisatorichen Umstrukturierung  nahm immer mehr die Formen einer grossindustrialisierung  einer Religiösen Weltanschauung an und hat sich auch auf die Versammlungen übertragen . Das hat mit der Liebe Gottes gar nicht zu tun .

Ich denke es gibt noch mehr die es auch so sehen .

Liebe Grüsse v. Frank

 

Opa Klaus

Um schriftgemäß “Babylon  zu verlassen” – ist es da genug nur einfach eine Religionsgemeinschaft zu verlassen?  Ich werde den Gedanken nicht los, dass auch danach noch vieles im Kopf auszuräumen ist! Wer ein Seuchengebiet verlässt, darf von der Seuche nicht etwas nach draußen schleppen, denke ich.

Meeris

Hallo zusammen Ich lese schon seit einem Jahr mit und hege den Wunsch die Organisation zu verlassen. Kurz zu meiner Geschichte, ich bin in der sogenannten “Wahrheit” aufgewachsen, aber war nie die vorbildlichste Zeugin Jehovas, war selten vorbereitet und gab auch selten Kommentare. Dennoch machte ich von Zeit zu Zeit während den Ferien den Hilfspionierdienst, weil ich das “Richtige” tun wollte und ich glaube auch um die Anerkennung der Brüder und Schwestern zu erhalten. Ich habe allgemein viel Mobbing erfahren in meinem Leben und suchte daher vielleicht auch die Anerkennung der Versammlung. Ich fühlte mich aber immer nie wirklich gut… Weiterlesen »

Ulla

Liebe Meeris, erst mal möcht ich dich hier herzlich willkommen heißen, ich lese und schreibe seit 2 Jahren hier auf BI mit. Wenn ich deinen zu Herzen gehenden Bericht so lese, dann kommen ständig innere Meldungen: “kenn ich”, “war bei mir auch so” uä… Psychotherapeutische Hilfe hat mich immer wieder stabilisiert, durchzuhalten, was an Folgeschäden auftauchte. Ich stieß einst durch eine Frage zur Auferstehung, die ich googelte, auf BI. DU BIST NICHT ALLEIN mit deinen (berechtigten) Zweifeln und Überlegungen. Ich würde sagen du bist grade am AUFWACHEN! Wenn es dir ähnlich wie mir geht, dann hast du Zeiten, in denen… Weiterlesen »